Zur Debatte um Antideutsche Positionen
Kritische Antworten auf die kriegsorientierte Bewegung -
fight power, not people!
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Das Papier „Kritische Fragen an den friedensbewegten Protest" verschiedener Gruppen zu den Ereignissen in Amerika hat in unseren Zusammenhängen zu weitreichenden Diskussionen geführt. Wir wollen verschiedene, der darin vertreten Positionen thematisieren und kritisieren, da sie unserem Politikverständnis grundlegend widersprechen und wir eine andere Art der politische Auseinandersetzung für wünschenswert und notwendig halten. Der Text der unterzeichneten „antideutschen Gruppen" bietet dafür eine Reihe von Anknüpfungspunkten. Es geht uns jedoch nicht nur um das Papier an sich, sondern auch um eine Debatte über grundsätzliche Fragen. Deshalb wollen wir unsere Kritik zwar anhand des Textes formulieren, darüber hinaus aber auch auf uns wichtige Punkte näher eingehen.
Um Menschen, die den Text nicht vorliegen haben das Lesen zu erleichtern (und natürlich auch denen, die ihn noch gar nicht kennen), haben wir vor jeden der von uns geschriebenen Abschnitte den Teil des Papiers gesetzt, auf den wir uns im Folgenden beziehen.
Uns ist aufgefallen, dass die AutorInnen in ihrer Schrift lediglich die männliche Form verwenden. Es ist uns allerdings zu arbeitsintensiv, dies jedes Mal als Fehler zu markieren.
"Kritische Fragen an den friedensbewegten Protest
1.) Wenn es richtig ist, daß die Attentäter von New York und Washington "die Juden und ihre Schutzmacht Amerika" gleichermaßen gehasst haben (Spiegel, 24.9.01); wenn Bin Ladens Organisation "Al Qaeda" jetzt zur Ermordung von Amerikanern und Juden aufruft "wo immer (sie) sich befinden" (FR, 26.9.01); wenn es zu den Essentiales islamistischer Ideologie gehört, die Wallstreet, New York und die US-Ostküste überhaupt als Hort der "zionistischen Weltverschwörung" auszumachen - weshalb wird der Anschlag dann nicht als das benannt was es ist: nämlich ein faschistisches Massaker von eliminatorischen Antisemiten, welche die Juden, die USA und die westliche Zivilisation als Einheit betrachten und vernichten wollen?
Würde diese Charakterisierung zum eigenen Antiamerikanismus nicht passen?"
zu 1.) Der Text „Kritische Fragen an den friedensbewegten Protest" setzt sich aus Thesen zusammen die aufeinander aufbauen und aus denen heraus Fragen entwickelt werden. Dabei ergeben sich für uns mehrere Probleme. Zum einen erschien das Papier zu einem Zeitpunkt, an dem noch gar nicht bekannt war, wer für die Anschläge verantwortlich ist. Es war nicht bekannt, aus welchen Motiven heraus der Anschlag verübt wurde und so waren Spekulationen darüber, wer dafür die Verantwortung trägt eben nur Spekulationen und keine Gewissheit. Dies ist wichtig, weil die Kritik dieser antideutschen Gruppen voraussetzt, dass die TäterInnen bekannt sind und damit andere denkbare Motive generell ausschließt. Zum anderen werden Spekulationen in dem Papier zu Tatsachen erklärt: „...weshalb wird der Anschlag dann nicht als das denunziert, was er IST". Was zu Anfang des ersten Abschnitts noch vorsichtig formuliert wird ("WENN es richtig ist, ...") wird im weiteren Verlauf des Textes zunehmend zur Grundlage der Kritik an dem "friedensbewegten Protest" herangezogen (siehe auch Abs. 6.). Das Papier benennt nicht die Möglichkeit, dass verschiedene Gruppen für die Ausführung des Anschlages in Frage kommen. Im weiteren Verlauf des Textes hat dies zur Folge, dass die Aussagen anderer Gruppen (wie die von kein Mensch ist illegal) nur aus dem Blickwinkel, die TäterInnen bereits zu kennen, betrachtet und kritisiert werden. Dazu jedoch später mehr. Behandeln wir zunächst weiter den ersten Absatz.
Hier werden Begriffe verwendet, die wir als ideologisch vorbelastet begreifen, wie der der "westlichen Zivilisation" oder der des "Islamismus". Denn diese Begriffe werden auch und gerade von bürgerlichen und konservativen MedienvertreterInnen, PolitikerInnen u.a. als Kampfbegriffe eingesetzt. Sollten in einer kritische Analyse diese Begrifflichkeiten nicht inhaltlich eingrenzt oder kommentiert werden, um eine differenzierte Auseinandersetzung zu ermöglichen? Die Eingrenzung des Begriffes „Islamismus" nimmt der Text nur vor, indem festgestellt wird, dass es sich bei den "IslamistInnen" um AntisemitInnen handele: "wenn es zu den Essentiales islamistischer Ideologie gehört, die Wallstreet, New York und die US-Ostküste überhaupt als Hort der „zionistischen Weltverschwörung" auszumachen (...)". Kein Wort davon, dass der Begriff „Islamismus" unzutreffend ist (der Islam als Religion ist nicht explizit antisemitisch), kein Wort davon, dass der Begriff nur eine sehr kurze Geschichte aufzuweisen hat (er entstand erst nachdem das Feindbild des "Kommunismus" durch die Veränderung der weltpolitischen Lage nicht mehr tauglich war). Wenn mit „Islamismus" eine Form des Fundamentalismus gemeint sein sollte, warum wird das dann nicht so gesagt, sondern statt dessen ein rassistischer Kampfbegriff unkommentiert übernommen? Eine derartige, rassistische Argumentation hat für uns nichts mehr mit linker Politik zu tun.
Zudem ist die verwendete Sprache polarisierend und unzutreffend, weil Begriffe verwendet werden, die uns (zunächst) nicht an die Ereignisse in Amerika erinnern: "ein faschistisches Massaker von eliminatorischen Antisemiten" ist ein Ausdruck, der uns an den Faschismus in Deutschland, den industriellen Massenmord denken lässt. Die gewählten Worte zu nutzen, um die Anschläge auf das WTC und das Pentagon zu beschreiben, halten wir für eine Relativierung und Verschleierung des Holocaust mit seiner unfassbaren Brutalität und Menschenverachtung. Dieses in Kauf zu nehmen, um die eigene Position deutlich zu machen, halten wir für sehr gefährlich. Es erinnert an die Kriegshetze während des Kosovo-Krieges, mit dem Unterschied, dass es damals noch PolitikerInnen waren, die den Kriegseinsatz der Bundeswehr als Lehre aus dem Holocaust verkauften. Zu dieser Zeit wurde diese Kriegshetze von vielen als revisionistische Argumentationsweise eingestuft.
Was in Amerika passiert ist, war extrem menschenverachtend. Das ist nicht zu entschuldigen oder zu rechtfertigen, gleichgültig welche Motivation hinter den Attentaten steht. Dazu später mehr.
Der Abschnitt schließt mit der Suggestivfrage, ob diese Charakterisierung nicht zum eigenen Antiamerikanismus passen würde. Suggestiv deshalb, weil die Frage in ihrer Konstruktion schon voraussetzt, dass der/ die LeserIn "antiamerikanisch" eingestellt ist und somit zu einer Positionierung gezwungen wird - eine Positionierung, die für jedeN LinkeN einfach ist. Rhetorisch schön gemacht: Am Ende des ersten Abschnittes bleibt das Gefühl die Frage richtig beantwortet zu haben und damit irgendwie zu "den Guten" zu gehören. Der Effekt ist die Einbindung des/ der LeserIn, aber nicht (nur) durch Überzeugung sondern durch den Einsatz von Rhetorik. Schade finden wir daran, dass Rhetorik normalerweise eingesetzt wird, um die eigene Position durchzusetzen, indem gewisse Tricks verwendet werden. Linke Politik sollte aber doch auf einen Austausch von Meinungen abzielen und jedem Menschen die Möglichkeit einer wirklich eigenen Positionierung eröffnen. Netter wäre es unserer Meinung nach gewesen, eine differenzierte Antwort zu ermöglichen. So hätte die Frage am Ende des ersten Abschnittes auch lauten können, dass Mensch sich selbst fragen solle, wie die eigene Positionierung in Bezug auf Amerika aussieht. Dies hätte Raum gelassen sich unter verschiedenen Aspekten mit den USA auseinander zusetzen (wirtschaftlich, militärisch, politisch, historisch, systemtheoretisch, kulturell etc) und dabei auch eine mögliche Parallele zwischen Antiamerikanismus und Antisemitismus konstruktiv zu hinterfragen.
"2.) Trägt das Objekt antisemitischer Projektionen (sei es die Stadt New York als Verkörperung des Kosmopolitischen, die USA oder die hinter alldem vermuteten Juden selbst) eine Verantwortung für diese? Analog hierzu: Sind Juden in Israel selber schuld, wenn sie von palästinensischen Selbstmordkommandos in die Luft gesprengt werden?"
Zu 2.) Diesen Absatz finden wir positiv, weil er deutlich macht, dass das Objekt einer antisemitischen Projektion für diese nicht selbst verantwortlich ist. Dies gilt für die USA ebenso, wie für den jüdischen Menschen in Israel. Antisemitische Projektionen zeichnen sich durch Zuschreibungen von Außen aus, deren Inhalte nicht von der uns umgebenden Welt abhängen, sondern deren Ursprung eine Ideologie ist.
"3.) Wenn es stimmt, daß die barbarischen Anschläge gegen die "Symbole der mammonistischen Weltherrschaft" (Horst Mahler) irgendwie in Zusammenhang mit globalen Verelendungsprozessen stehen, mithin einen "verzweifelten Ausdruck von Unterdrückung" (Flugblatt von Kein Mensch ist illegal, Wuppertal u.a.) darstellen, heißt das dann, daß die Verelendeten und Ohnmächtigen automatisch zu antisemitischen Amokläufern werden müssen?"
Zu 3.) Wir finden es richtig beschissen und völlig inakzeptabel, Horst Mahler und kein Mensch ist illegal in einem Atemzug zu nennen, als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Weil Horst Mahler in den Anschlägen einen Angriff auf die "Symbole der mammonistischen Weltherrschaft" sieht und kein Mensch ist illegal Wuppertal einen Zusammenhang zwischen den Attentaten und Unterdrückung sieht, meinen sie also das gleiche? Der Staat USA als Teil des kapitalistischen Systems verfügt über eine nicht zu bestreitende Macht. Die Politik von Institutionen wie die des IWF oder der Weltbank, die zu einem nicht unbedeutenden Teil von Repräsentantinnen der USA getragen wird, hat reale und verheerende Auswirkungen. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben aufgrund ihrer Politik mehr Feinde und KritikerInnen als nur AntisemitInnen. Auch kein Mensch ist illegal wussten zu dem Zeitpunkt, als das Flugblatt verfasst wurde nicht, wer hinter den Anschlägen steht. Wenn sie schreiben, dass eine mögliche Ursache für Attentate auf das WTC und das Pentagon die Auswirkungen des globalisierten Kapitalismus sein könnte, so haben sie damit eine mögliche Motivation benannt. Sie haben damit nicht gesagt, dass Verelendung eine Rechtfertigung für Antisemitismus ist. Dass die Taten von AntisemitInnen begangen wurden war ebenfalls denkbar, aber eben nicht die einzige Möglichkeit. Hier wird wieder als Gewissheit verkauft, was im ersten Abschnitt noch vorsichtig formuliert wurde.
"4.) Ist es nicht vielmehr so, daß die Zivilisation durch Herrschaft und Ausbeutung zwar beständig Haß hervorbringt, die Leidenden aber immer noch die Entscheidung treffen müssen, ob sie diesen mit in der Tat barbarischen Ideologien wie dem klerikalfaschistischen Islamismus antisemitisch wenden oder aber emanzipatorisch gegen die Grundlage des Leidens, die Vergesellschaftung durch Kapital und Staat, richten?"
Zu 4.) Abgesehen davon, dass wir die Wortwahl für völlig unemanzipatorisch halten ("klerikalfaschistischer Islamismus"), sind auch wir durchaus der Meinung, dass Menschen für Ideen die sie sich zu eigen machen und für jede ihrer Handlungen einigenverantwortlich sind. Aber hat denn hier irgendjemand behauptet, dass Herrschaft und Ausbeutung zwangsläufig zum Antisemitismus führe? An wen richtet sich dieser Denkanstoß? Oder war das wieder eine der Fragen, bei der wir mit dem Gefühl weiterlesen dürfen, eben doch irgendwie zu "den Guten" zu gehören?
"5.) Wenn das Leiden an der Zivilisation keine Rechtfertigung für antisemitische Mordtaten sein kann, weshalb wird in der Antikriegsbewegung dann fast durchgängig die "Politik der USA, Europa, des IWF usw." als "Ursache" (Flugblatt von Kein Mensch ist illegal, Wuppertal u.a. ) für die Anschläge ausgemacht?"
Zu 5.) Hier wird Rechtfertigung gleichgesetzt mit Ursache. Die Begriffe bedeuten aber nicht das gleiche. In Abs. 4.) steht, dass "Zivilisation durch Herrschaft und Ausbeutung (...)beständig Haß hervorbringt", wenn sich dieser Hass in irgendeiner Form entlädt, so kann dieser Zusammenhang als eine mögliche Ursache benannt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Form in der sich der Hass entlädt zu rechtfertigen ist.
Viel schlimmer an diesem Abschnitt ist jedoch, dass hier kein Mensch ist illegal Wuppertal vorgeworfen wird, faschistische Morde zu rechtfertigen. Hier werden zwei völlig unterschiedliche Ansätze zusammengeworfen. Die Annahme, es handele sich um einen antisemitischen Anschlag (was durchaus sein kann) wird mit der Annahme, es handele sich um einen Anschlag der im Zusammenhang mit der Politik des IWF etc. steht, verknüpft. Die Begriffe Rechtfertigung und Ursache werden beliebig ausgetauscht. Daraus entsteht die Unterstellung an kMii, sie würden Antisemitismus durch die Politik des IWF u.a. rechtfertigen. Eine sehr propagandistische und gefährliche Art der Politik und bestimmt keine linke. Falls dies von den AutorInnen wenig durchdacht und unglücklich formuliert gewesen sein sollte, wäre eine Richtigstellung an kMii Wuppertal sicherlich angebracht.
"6.) Erzwingt die Tatsache, daß von islamistischer Seite nach dem gleichen Ursache-Wirkung-Schema der Anschlag vom 11.9. (sowie die Aktion von Hamas, Islamischem Jihad usw. in Israel) rationalisiert wird, nicht notwendig den Schluß, daß Antikriegsbewegung und die expliziten Apologeten des islamistischen Terrors geistig miteinander verwand sind? Werden nicht beiderseits die negativen Folgen der objektiv abstrakten Prozesse der globalisierten Kapitalakkumulation personalisiert und auf die USA als Sitz der "zionistischen Weltverschwörung" bzw. des "internationalen Finanzkapitals" projiziert?"
Zu 6.) Ufff... wo anfangen? Das gleiche Ursache-Wirkungs-Schema? Die Antikriegsbewegung (wie auch immer ihr jetzt auf die kommt) soll also die USA als Sitz der zionistischen Weltverschwörung sehen? Gibt es dafür irgendwelche Hinweise? Oder ist das mal eben eine Annahme eurerseits?
Sicherlich will niemand von uns die Personalisierung von abstrakten Prozessen (z.B. Kapitalismus an die USA zu koppeln). Dennoch ist eine Personalisierung des "internationalen Finanzkapitals" nicht gleichzusetzen mit der Annahme, es gebe eine "zionistische Weltverschwörung". Internationales Finanzkapital ist ein Begriff, der eine Wirklichkeit beschreibt. Im Gegensatz dazu ist die "zionistische Weltverschwörung" definitiv nicht existent. Es gibt keine "zionistische Weltverschwörung". Wenn diese Begriffe als gleichbedeutend verwendet werden, so erweckt dies jedoch den Eindruck, als seien beide Begriffe entweder falsch oder wahr. Birgt diese Kopplung der Ausdrücke nicht selbst antisemitische Züge?
Noch mal: Der Text wurde zu einer Zeit geschrieben, in der unklar war, wer die TäterInnen sind. Zu dieser Zeit die Anschläge vom 11.9. mit den Anschlägen in Israel zu vergleichen, zeigt auf, dass die TäterInnen für die antideutschen AutorInnen bereits feststanden. Hier ist eine weitere Unstimmigkeit. Wie bereits ausgeführt, lässt die Tatsache, dass das WTC zerstört wurde, die Möglichkeit zu, dass es sich um antisemitische Anschläge handelt. Allerdings lässt sie nicht den Rückschluss zu, dass es sich zwangsläufig (!) um antisemitische Anschläge handeln muss. Dieser Rückschluss, der hier dennoch vorgenommen wird, ist explizit antisemitisch, da die AutorInnen eine zwingende Verbindung zwischen dem Welthandelszentrum und jüdischen Menschen herstellen. Diese Projektion, die auch die antideutsche Bewegung als antisemitisch einstuft, machen sich die AutorInnen dennoch zu eigen. Hierzu ist noch zu sagen, dass wir uns durchaus vorstellen können, dass diese Projektion nicht gewollt ist. Ein Grund mehr, nächstes Mal eine deutlichere Ausdrucksweise zu wählen, um diesen Unstimmigkeiten vorzubeugen.
"7.) Was spricht prinzipiell dagegen, klerikalfaschistische Terrorregime wie die Taliban zu beseitigen und damit den ihnen (noch) Unterworfenen ein erträglicheres Leben zu ermöglichen und zudem die Gefährdung von Juden im Nahen Osten durch den Islamismus zu mindern?
Wäre im gegenwärtigen Konflikt die Verteidigung der westlichen Zivilisation und des ihr immanenten Glücksversprechens von Emanzipation und Wohlstand nicht die Vorraussetzung dafür, eben dieses in kommunistischer Absicht gegen die kapitalistischen Verhältnisse selbst zu wenden und damit auch ihre barbarische Kehrseite, den Antisemitismus jedweder Provenienz, perspektivisch durch Revolution zu beseitigen?"
Zu 7.) Prinzipiell spricht nichts dagegen Regime zu beseitigen. Frage ist nur, was bedeutet beseitigen, wer beseitigt, aus welchen Interessen heraus wird wer beseitigt, wer bestimmt was Terrorregime sind und was nicht und durch was soll explizit dieses überhaupt ersetzt werden? Aber prinzipiell spricht da erst mal nichts gegen(...). Im Gegensatz dazu spricht etwas dagegen Regime auf Menschen zu projizieren und diese zu beseitigen.
Wenn USA und NATO ein Regime beseitigen wollen, so liegt dies weder daran, dass sie Unterworfenen ein erträglicheres Leben ermöglichen wollen, noch daran, dass sie die Gefährdung Israels durch AntisemitInnen mindern wollen. Es geht hier um Interessen, die herzlich wenig mit Menschlichkeit zu tun haben. Für uns stellt sich die Frage, ob die Interessen und die Politik der westlichen Allianz nicht sogar die Gefährdung Israels steigert.
Auch zu dem Zeitpunkt, an dem der Text geschrieben wurde, war bereits klar, dass die Ankündigung der „Beseitigung" des Talibanregimes einen Krieg begründet. Bedeutet damit nicht die Frage, was gegen eine „Beseitigung" spricht, eigentlich die Frage, was gegen einen Krieg spricht? Es könnte so verstanden werden. Explizit wird hier nicht der NATO-Krieg befürwortet, die Vorgehensweise der Kriegsherren wird aber dennoch argumentativ unterstützt.
Gegen Krieg zu protestieren heißt nicht, sich mit einem Terrorregime zu solidarisieren, sondern sogenannte "Kollateralschäden" (also die Ermordung von Menschen) nicht hinzunehmen und sich mit den Menschen die dort leben und selbst unter dem Regime leiden, zu solidarisieren. Gegen den Krieg zu protestieren kann auch heißen, darauf aufmerksam zu machen, wer von dem Krieg am stärksten betroffen ist. Die Beseitigung des Talibanregimes durch (bisher) USamerikanische und britische Soldaten hat nichts mit einer Revolution von unten zu tun sondern ist Durchsetzung eigener Machtinteressen und der eigenen Weltanschauung.
Selbst wenn es etwas wie die "westlichen Zivilisation" (zivilisiert vs. unzivilisiert? die eine „westliche Zivilisation"?) geben würde, wäre dieser Krieg nicht ihre Verteidigung, sondern das Aufzwingen der eigenen Werte. Dies ist durch nichts gutzuheißen, selbst wenn es so wäre, dass nur aus der sog. "westlichen Zivilisation" der Kommunismus hervorgehen könnte. Diese Annahme zu wissen, wie andere Menschen leben müssen und was das beste System für sie ist, ist sehr eurozentristisch. Mal abgesehen davon, dass die in den westlichen Staaten verbreiteten Werte nicht bessere Vorraussetzungen für eine emanzipatorische Revolution bieten als irgendwelche anderen.
Fight power not people!
Himbeereis für alle!
S.P.U.N.K. - antifa aachen
P.S. An Teile der antideutschen Gruppen in NRW: Setzt doch bitte nicht immer das Lesen der Bahamas voraus. Diese hat aus vielen Gründen (z.B. Vergewaltiger/Sexismus-Debatte) ihre Relevanz für Linke/linksradikale Diskurse verloren bzw. sich vollständig diskreditiert.
P.P.S. Unsere Kritik bezieht sich nicht nur auf dieses Papier, sondern genauso auf die nachfolgenden Texte der UnterzeichnerInnen. Wir werden uns weiterhin nicht mehr mit dieser Art der undifferenzierten Kritik auseinandersetzen. Wir sehen hier eine deutliche Überschreitung der Schmerzgrenze. Über eine Richtigstellung, auch bei den angesprochenen Gruppen, würden wir uns freuen und halten sie für angebracht.
P.P.P.S. Zum Thema Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Linken gibt es bereits gute Ansätze, die wir als sehr wichtig erachten und unterstützen, eure Herangehensweise ist unserer Meinung nach jedoch das Gegenteil davon.
Um Menschen, die den Text nicht vorliegen haben das Lesen zu erleichtern (und natürlich auch denen, die ihn noch gar nicht kennen), haben wir vor jeden der von uns geschriebenen Abschnitte den Teil des Papiers gesetzt, auf den wir uns im Folgenden beziehen.
Uns ist aufgefallen, dass die AutorInnen in ihrer Schrift lediglich die männliche Form verwenden. Es ist uns allerdings zu arbeitsintensiv, dies jedes Mal als Fehler zu markieren.
"Kritische Fragen an den friedensbewegten Protest
1.) Wenn es richtig ist, daß die Attentäter von New York und Washington "die Juden und ihre Schutzmacht Amerika" gleichermaßen gehasst haben (Spiegel, 24.9.01); wenn Bin Ladens Organisation "Al Qaeda" jetzt zur Ermordung von Amerikanern und Juden aufruft "wo immer (sie) sich befinden" (FR, 26.9.01); wenn es zu den Essentiales islamistischer Ideologie gehört, die Wallstreet, New York und die US-Ostküste überhaupt als Hort der "zionistischen Weltverschwörung" auszumachen - weshalb wird der Anschlag dann nicht als das benannt was es ist: nämlich ein faschistisches Massaker von eliminatorischen Antisemiten, welche die Juden, die USA und die westliche Zivilisation als Einheit betrachten und vernichten wollen?
Würde diese Charakterisierung zum eigenen Antiamerikanismus nicht passen?"
zu 1.) Der Text „Kritische Fragen an den friedensbewegten Protest" setzt sich aus Thesen zusammen die aufeinander aufbauen und aus denen heraus Fragen entwickelt werden. Dabei ergeben sich für uns mehrere Probleme. Zum einen erschien das Papier zu einem Zeitpunkt, an dem noch gar nicht bekannt war, wer für die Anschläge verantwortlich ist. Es war nicht bekannt, aus welchen Motiven heraus der Anschlag verübt wurde und so waren Spekulationen darüber, wer dafür die Verantwortung trägt eben nur Spekulationen und keine Gewissheit. Dies ist wichtig, weil die Kritik dieser antideutschen Gruppen voraussetzt, dass die TäterInnen bekannt sind und damit andere denkbare Motive generell ausschließt. Zum anderen werden Spekulationen in dem Papier zu Tatsachen erklärt: „...weshalb wird der Anschlag dann nicht als das denunziert, was er IST". Was zu Anfang des ersten Abschnitts noch vorsichtig formuliert wird ("WENN es richtig ist, ...") wird im weiteren Verlauf des Textes zunehmend zur Grundlage der Kritik an dem "friedensbewegten Protest" herangezogen (siehe auch Abs. 6.). Das Papier benennt nicht die Möglichkeit, dass verschiedene Gruppen für die Ausführung des Anschlages in Frage kommen. Im weiteren Verlauf des Textes hat dies zur Folge, dass die Aussagen anderer Gruppen (wie die von kein Mensch ist illegal) nur aus dem Blickwinkel, die TäterInnen bereits zu kennen, betrachtet und kritisiert werden. Dazu jedoch später mehr. Behandeln wir zunächst weiter den ersten Absatz.
Hier werden Begriffe verwendet, die wir als ideologisch vorbelastet begreifen, wie der der "westlichen Zivilisation" oder der des "Islamismus". Denn diese Begriffe werden auch und gerade von bürgerlichen und konservativen MedienvertreterInnen, PolitikerInnen u.a. als Kampfbegriffe eingesetzt. Sollten in einer kritische Analyse diese Begrifflichkeiten nicht inhaltlich eingrenzt oder kommentiert werden, um eine differenzierte Auseinandersetzung zu ermöglichen? Die Eingrenzung des Begriffes „Islamismus" nimmt der Text nur vor, indem festgestellt wird, dass es sich bei den "IslamistInnen" um AntisemitInnen handele: "wenn es zu den Essentiales islamistischer Ideologie gehört, die Wallstreet, New York und die US-Ostküste überhaupt als Hort der „zionistischen Weltverschwörung" auszumachen (...)". Kein Wort davon, dass der Begriff „Islamismus" unzutreffend ist (der Islam als Religion ist nicht explizit antisemitisch), kein Wort davon, dass der Begriff nur eine sehr kurze Geschichte aufzuweisen hat (er entstand erst nachdem das Feindbild des "Kommunismus" durch die Veränderung der weltpolitischen Lage nicht mehr tauglich war). Wenn mit „Islamismus" eine Form des Fundamentalismus gemeint sein sollte, warum wird das dann nicht so gesagt, sondern statt dessen ein rassistischer Kampfbegriff unkommentiert übernommen? Eine derartige, rassistische Argumentation hat für uns nichts mehr mit linker Politik zu tun.
Zudem ist die verwendete Sprache polarisierend und unzutreffend, weil Begriffe verwendet werden, die uns (zunächst) nicht an die Ereignisse in Amerika erinnern: "ein faschistisches Massaker von eliminatorischen Antisemiten" ist ein Ausdruck, der uns an den Faschismus in Deutschland, den industriellen Massenmord denken lässt. Die gewählten Worte zu nutzen, um die Anschläge auf das WTC und das Pentagon zu beschreiben, halten wir für eine Relativierung und Verschleierung des Holocaust mit seiner unfassbaren Brutalität und Menschenverachtung. Dieses in Kauf zu nehmen, um die eigene Position deutlich zu machen, halten wir für sehr gefährlich. Es erinnert an die Kriegshetze während des Kosovo-Krieges, mit dem Unterschied, dass es damals noch PolitikerInnen waren, die den Kriegseinsatz der Bundeswehr als Lehre aus dem Holocaust verkauften. Zu dieser Zeit wurde diese Kriegshetze von vielen als revisionistische Argumentationsweise eingestuft.
Was in Amerika passiert ist, war extrem menschenverachtend. Das ist nicht zu entschuldigen oder zu rechtfertigen, gleichgültig welche Motivation hinter den Attentaten steht. Dazu später mehr.
Der Abschnitt schließt mit der Suggestivfrage, ob diese Charakterisierung nicht zum eigenen Antiamerikanismus passen würde. Suggestiv deshalb, weil die Frage in ihrer Konstruktion schon voraussetzt, dass der/ die LeserIn "antiamerikanisch" eingestellt ist und somit zu einer Positionierung gezwungen wird - eine Positionierung, die für jedeN LinkeN einfach ist. Rhetorisch schön gemacht: Am Ende des ersten Abschnittes bleibt das Gefühl die Frage richtig beantwortet zu haben und damit irgendwie zu "den Guten" zu gehören. Der Effekt ist die Einbindung des/ der LeserIn, aber nicht (nur) durch Überzeugung sondern durch den Einsatz von Rhetorik. Schade finden wir daran, dass Rhetorik normalerweise eingesetzt wird, um die eigene Position durchzusetzen, indem gewisse Tricks verwendet werden. Linke Politik sollte aber doch auf einen Austausch von Meinungen abzielen und jedem Menschen die Möglichkeit einer wirklich eigenen Positionierung eröffnen. Netter wäre es unserer Meinung nach gewesen, eine differenzierte Antwort zu ermöglichen. So hätte die Frage am Ende des ersten Abschnittes auch lauten können, dass Mensch sich selbst fragen solle, wie die eigene Positionierung in Bezug auf Amerika aussieht. Dies hätte Raum gelassen sich unter verschiedenen Aspekten mit den USA auseinander zusetzen (wirtschaftlich, militärisch, politisch, historisch, systemtheoretisch, kulturell etc) und dabei auch eine mögliche Parallele zwischen Antiamerikanismus und Antisemitismus konstruktiv zu hinterfragen.
"2.) Trägt das Objekt antisemitischer Projektionen (sei es die Stadt New York als Verkörperung des Kosmopolitischen, die USA oder die hinter alldem vermuteten Juden selbst) eine Verantwortung für diese? Analog hierzu: Sind Juden in Israel selber schuld, wenn sie von palästinensischen Selbstmordkommandos in die Luft gesprengt werden?"
Zu 2.) Diesen Absatz finden wir positiv, weil er deutlich macht, dass das Objekt einer antisemitischen Projektion für diese nicht selbst verantwortlich ist. Dies gilt für die USA ebenso, wie für den jüdischen Menschen in Israel. Antisemitische Projektionen zeichnen sich durch Zuschreibungen von Außen aus, deren Inhalte nicht von der uns umgebenden Welt abhängen, sondern deren Ursprung eine Ideologie ist.
"3.) Wenn es stimmt, daß die barbarischen Anschläge gegen die "Symbole der mammonistischen Weltherrschaft" (Horst Mahler) irgendwie in Zusammenhang mit globalen Verelendungsprozessen stehen, mithin einen "verzweifelten Ausdruck von Unterdrückung" (Flugblatt von Kein Mensch ist illegal, Wuppertal u.a.) darstellen, heißt das dann, daß die Verelendeten und Ohnmächtigen automatisch zu antisemitischen Amokläufern werden müssen?"
Zu 3.) Wir finden es richtig beschissen und völlig inakzeptabel, Horst Mahler und kein Mensch ist illegal in einem Atemzug zu nennen, als wäre es das selbstverständlichste der Welt. Weil Horst Mahler in den Anschlägen einen Angriff auf die "Symbole der mammonistischen Weltherrschaft" sieht und kein Mensch ist illegal Wuppertal einen Zusammenhang zwischen den Attentaten und Unterdrückung sieht, meinen sie also das gleiche? Der Staat USA als Teil des kapitalistischen Systems verfügt über eine nicht zu bestreitende Macht. Die Politik von Institutionen wie die des IWF oder der Weltbank, die zu einem nicht unbedeutenden Teil von Repräsentantinnen der USA getragen wird, hat reale und verheerende Auswirkungen. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben aufgrund ihrer Politik mehr Feinde und KritikerInnen als nur AntisemitInnen. Auch kein Mensch ist illegal wussten zu dem Zeitpunkt, als das Flugblatt verfasst wurde nicht, wer hinter den Anschlägen steht. Wenn sie schreiben, dass eine mögliche Ursache für Attentate auf das WTC und das Pentagon die Auswirkungen des globalisierten Kapitalismus sein könnte, so haben sie damit eine mögliche Motivation benannt. Sie haben damit nicht gesagt, dass Verelendung eine Rechtfertigung für Antisemitismus ist. Dass die Taten von AntisemitInnen begangen wurden war ebenfalls denkbar, aber eben nicht die einzige Möglichkeit. Hier wird wieder als Gewissheit verkauft, was im ersten Abschnitt noch vorsichtig formuliert wurde.
"4.) Ist es nicht vielmehr so, daß die Zivilisation durch Herrschaft und Ausbeutung zwar beständig Haß hervorbringt, die Leidenden aber immer noch die Entscheidung treffen müssen, ob sie diesen mit in der Tat barbarischen Ideologien wie dem klerikalfaschistischen Islamismus antisemitisch wenden oder aber emanzipatorisch gegen die Grundlage des Leidens, die Vergesellschaftung durch Kapital und Staat, richten?"
Zu 4.) Abgesehen davon, dass wir die Wortwahl für völlig unemanzipatorisch halten ("klerikalfaschistischer Islamismus"), sind auch wir durchaus der Meinung, dass Menschen für Ideen die sie sich zu eigen machen und für jede ihrer Handlungen einigenverantwortlich sind. Aber hat denn hier irgendjemand behauptet, dass Herrschaft und Ausbeutung zwangsläufig zum Antisemitismus führe? An wen richtet sich dieser Denkanstoß? Oder war das wieder eine der Fragen, bei der wir mit dem Gefühl weiterlesen dürfen, eben doch irgendwie zu "den Guten" zu gehören?
"5.) Wenn das Leiden an der Zivilisation keine Rechtfertigung für antisemitische Mordtaten sein kann, weshalb wird in der Antikriegsbewegung dann fast durchgängig die "Politik der USA, Europa, des IWF usw." als "Ursache" (Flugblatt von Kein Mensch ist illegal, Wuppertal u.a. ) für die Anschläge ausgemacht?"
Zu 5.) Hier wird Rechtfertigung gleichgesetzt mit Ursache. Die Begriffe bedeuten aber nicht das gleiche. In Abs. 4.) steht, dass "Zivilisation durch Herrschaft und Ausbeutung (...)beständig Haß hervorbringt", wenn sich dieser Hass in irgendeiner Form entlädt, so kann dieser Zusammenhang als eine mögliche Ursache benannt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Form in der sich der Hass entlädt zu rechtfertigen ist.
Viel schlimmer an diesem Abschnitt ist jedoch, dass hier kein Mensch ist illegal Wuppertal vorgeworfen wird, faschistische Morde zu rechtfertigen. Hier werden zwei völlig unterschiedliche Ansätze zusammengeworfen. Die Annahme, es handele sich um einen antisemitischen Anschlag (was durchaus sein kann) wird mit der Annahme, es handele sich um einen Anschlag der im Zusammenhang mit der Politik des IWF etc. steht, verknüpft. Die Begriffe Rechtfertigung und Ursache werden beliebig ausgetauscht. Daraus entsteht die Unterstellung an kMii, sie würden Antisemitismus durch die Politik des IWF u.a. rechtfertigen. Eine sehr propagandistische und gefährliche Art der Politik und bestimmt keine linke. Falls dies von den AutorInnen wenig durchdacht und unglücklich formuliert gewesen sein sollte, wäre eine Richtigstellung an kMii Wuppertal sicherlich angebracht.
"6.) Erzwingt die Tatsache, daß von islamistischer Seite nach dem gleichen Ursache-Wirkung-Schema der Anschlag vom 11.9. (sowie die Aktion von Hamas, Islamischem Jihad usw. in Israel) rationalisiert wird, nicht notwendig den Schluß, daß Antikriegsbewegung und die expliziten Apologeten des islamistischen Terrors geistig miteinander verwand sind? Werden nicht beiderseits die negativen Folgen der objektiv abstrakten Prozesse der globalisierten Kapitalakkumulation personalisiert und auf die USA als Sitz der "zionistischen Weltverschwörung" bzw. des "internationalen Finanzkapitals" projiziert?"
Zu 6.) Ufff... wo anfangen? Das gleiche Ursache-Wirkungs-Schema? Die Antikriegsbewegung (wie auch immer ihr jetzt auf die kommt) soll also die USA als Sitz der zionistischen Weltverschwörung sehen? Gibt es dafür irgendwelche Hinweise? Oder ist das mal eben eine Annahme eurerseits?
Sicherlich will niemand von uns die Personalisierung von abstrakten Prozessen (z.B. Kapitalismus an die USA zu koppeln). Dennoch ist eine Personalisierung des "internationalen Finanzkapitals" nicht gleichzusetzen mit der Annahme, es gebe eine "zionistische Weltverschwörung". Internationales Finanzkapital ist ein Begriff, der eine Wirklichkeit beschreibt. Im Gegensatz dazu ist die "zionistische Weltverschwörung" definitiv nicht existent. Es gibt keine "zionistische Weltverschwörung". Wenn diese Begriffe als gleichbedeutend verwendet werden, so erweckt dies jedoch den Eindruck, als seien beide Begriffe entweder falsch oder wahr. Birgt diese Kopplung der Ausdrücke nicht selbst antisemitische Züge?
Noch mal: Der Text wurde zu einer Zeit geschrieben, in der unklar war, wer die TäterInnen sind. Zu dieser Zeit die Anschläge vom 11.9. mit den Anschlägen in Israel zu vergleichen, zeigt auf, dass die TäterInnen für die antideutschen AutorInnen bereits feststanden. Hier ist eine weitere Unstimmigkeit. Wie bereits ausgeführt, lässt die Tatsache, dass das WTC zerstört wurde, die Möglichkeit zu, dass es sich um antisemitische Anschläge handelt. Allerdings lässt sie nicht den Rückschluss zu, dass es sich zwangsläufig (!) um antisemitische Anschläge handeln muss. Dieser Rückschluss, der hier dennoch vorgenommen wird, ist explizit antisemitisch, da die AutorInnen eine zwingende Verbindung zwischen dem Welthandelszentrum und jüdischen Menschen herstellen. Diese Projektion, die auch die antideutsche Bewegung als antisemitisch einstuft, machen sich die AutorInnen dennoch zu eigen. Hierzu ist noch zu sagen, dass wir uns durchaus vorstellen können, dass diese Projektion nicht gewollt ist. Ein Grund mehr, nächstes Mal eine deutlichere Ausdrucksweise zu wählen, um diesen Unstimmigkeiten vorzubeugen.
"7.) Was spricht prinzipiell dagegen, klerikalfaschistische Terrorregime wie die Taliban zu beseitigen und damit den ihnen (noch) Unterworfenen ein erträglicheres Leben zu ermöglichen und zudem die Gefährdung von Juden im Nahen Osten durch den Islamismus zu mindern?
Wäre im gegenwärtigen Konflikt die Verteidigung der westlichen Zivilisation und des ihr immanenten Glücksversprechens von Emanzipation und Wohlstand nicht die Vorraussetzung dafür, eben dieses in kommunistischer Absicht gegen die kapitalistischen Verhältnisse selbst zu wenden und damit auch ihre barbarische Kehrseite, den Antisemitismus jedweder Provenienz, perspektivisch durch Revolution zu beseitigen?"
Zu 7.) Prinzipiell spricht nichts dagegen Regime zu beseitigen. Frage ist nur, was bedeutet beseitigen, wer beseitigt, aus welchen Interessen heraus wird wer beseitigt, wer bestimmt was Terrorregime sind und was nicht und durch was soll explizit dieses überhaupt ersetzt werden? Aber prinzipiell spricht da erst mal nichts gegen(...). Im Gegensatz dazu spricht etwas dagegen Regime auf Menschen zu projizieren und diese zu beseitigen.
Wenn USA und NATO ein Regime beseitigen wollen, so liegt dies weder daran, dass sie Unterworfenen ein erträglicheres Leben ermöglichen wollen, noch daran, dass sie die Gefährdung Israels durch AntisemitInnen mindern wollen. Es geht hier um Interessen, die herzlich wenig mit Menschlichkeit zu tun haben. Für uns stellt sich die Frage, ob die Interessen und die Politik der westlichen Allianz nicht sogar die Gefährdung Israels steigert.
Auch zu dem Zeitpunkt, an dem der Text geschrieben wurde, war bereits klar, dass die Ankündigung der „Beseitigung" des Talibanregimes einen Krieg begründet. Bedeutet damit nicht die Frage, was gegen eine „Beseitigung" spricht, eigentlich die Frage, was gegen einen Krieg spricht? Es könnte so verstanden werden. Explizit wird hier nicht der NATO-Krieg befürwortet, die Vorgehensweise der Kriegsherren wird aber dennoch argumentativ unterstützt.
Gegen Krieg zu protestieren heißt nicht, sich mit einem Terrorregime zu solidarisieren, sondern sogenannte "Kollateralschäden" (also die Ermordung von Menschen) nicht hinzunehmen und sich mit den Menschen die dort leben und selbst unter dem Regime leiden, zu solidarisieren. Gegen den Krieg zu protestieren kann auch heißen, darauf aufmerksam zu machen, wer von dem Krieg am stärksten betroffen ist. Die Beseitigung des Talibanregimes durch (bisher) USamerikanische und britische Soldaten hat nichts mit einer Revolution von unten zu tun sondern ist Durchsetzung eigener Machtinteressen und der eigenen Weltanschauung.
Selbst wenn es etwas wie die "westlichen Zivilisation" (zivilisiert vs. unzivilisiert? die eine „westliche Zivilisation"?) geben würde, wäre dieser Krieg nicht ihre Verteidigung, sondern das Aufzwingen der eigenen Werte. Dies ist durch nichts gutzuheißen, selbst wenn es so wäre, dass nur aus der sog. "westlichen Zivilisation" der Kommunismus hervorgehen könnte. Diese Annahme zu wissen, wie andere Menschen leben müssen und was das beste System für sie ist, ist sehr eurozentristisch. Mal abgesehen davon, dass die in den westlichen Staaten verbreiteten Werte nicht bessere Vorraussetzungen für eine emanzipatorische Revolution bieten als irgendwelche anderen.
Fight power not people!
Himbeereis für alle!
S.P.U.N.K. - antifa aachen
P.S. An Teile der antideutschen Gruppen in NRW: Setzt doch bitte nicht immer das Lesen der Bahamas voraus. Diese hat aus vielen Gründen (z.B. Vergewaltiger/Sexismus-Debatte) ihre Relevanz für Linke/linksradikale Diskurse verloren bzw. sich vollständig diskreditiert.
P.P.S. Unsere Kritik bezieht sich nicht nur auf dieses Papier, sondern genauso auf die nachfolgenden Texte der UnterzeichnerInnen. Wir werden uns weiterhin nicht mehr mit dieser Art der undifferenzierten Kritik auseinandersetzen. Wir sehen hier eine deutliche Überschreitung der Schmerzgrenze. Über eine Richtigstellung, auch bei den angesprochenen Gruppen, würden wir uns freuen und halten sie für angebracht.
P.P.P.S. Zum Thema Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der Linken gibt es bereits gute Ansätze, die wir als sehr wichtig erachten und unterstützen, eure Herangehensweise ist unserer Meinung nach jedoch das Gegenteil davon.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
Auch wenn ich Euern Text ok finde...
AABler
@aabler
ich denke, also
ideologiekritik bitte übernimm das regime, denn aufklärung hat hier ihre grenze!
die indifferenz von diagnose und programmatitik, der an absolutheit grenzende zustand des verlust kritischer denkfähigkeit, ist seine voraussetzung, ebenso wie es sein resultat darstellt.nicht am rassismus und sexismus, an diesem verabsolutierten teufelskreis drehen die sogenannten antideutschen durch.
die angeblich in den resten der neuen linken stattfindende auseinandersetzung mit dem antisemitismus, von dem man, obwohl man ihn ständig benutzt, eigentlich gar keinen begriff hat, ist in diesen für eine kritik, die nichts als ihre wirkungslosigkeit bewirkt, zum umstand gwordenen zustand, ein selbstgespräch, in dem die organischen intellektuellen des denkenden es, ihre ideologiehaftigkeit gegenseitig absichern.
dieser art von intelligenz scheint auch der hiesige kommentar-filter zu sein. wie sonst erklärt sich (für es-denker) bzw. (für reflektierende) lässt sich erklären, dass hier antisemitischer wahn (ob strukturell oder formvollendet)sich bahn brechen kann.
"man kann nicht von einem wesentlichen unterschied sprechen, wenn man ihn nicht analsieren kann." m.focault
@ "AABler"
Ich denke
Können wir, auch bei den Kommentaren, beim Inhalt bleiben?
Vorsicht
AntiAntisemitismus vs AntiRassismus
Hier ein ähnlicher Text.
Noch ein kurzer Hinweis
"verpiss dich nazi!" ????????????????????????
Verleumdung!
Die Spinner die sich hier als "Unabhängige Antifa" aus Berlin ausgeben und im Namen der Antifaschistischen Aktion Berlin [AAB] das Wort ergreifen, haben nicht das geringste mit der AAB zu tun !!!
Wir fordern hiermit die Verantwortlichen von indymedia.de auf die Kommentarfunktion zu entfernen! Ausser Verleumdungen und Beschimpfungen taugt diese für rein gar nichts.
An die antifa Aachen - Gruppe s.p.u.n.k.
so eine auseinandersetzung, aus der auch eigene ansätze erwachsen, war schon lange mal nötig
viele grüße
@antifa aachen
?????????????????????????????????????????????
WAS GEHT AB? Ich vermag nicht mehr zu folgen.
P.S.: Woanders nennt der Typ mich Geschichtsfälscher weil ich sage, dass Stalin den deutschen Faschismus von der Landkarte gefegt hat, und bestimmt kein Faschist war. Vielleicht sollte man wirklich besser die Kommentarfunktion abschaffen.
an alle verleumder
oh weh
Antirassismus und seines Multikulti-Programms" ... laut antideutschen sektierern gibts also nur eines: antira oder gegen rassismus sein. nach den antideutschen schliesst also das eine das andere aus? soll ich so die äußerungen verstehen, daß alle islamisten weggebombt werden sollen? das fordern übrigens auch die republikaner. ich glaube auch, daß sich die antideutschen (warum reden die nur und kämpfen nicht in der bundeswehr?) selbst disqualifiziert haben mit ihrem unsinn und ihren üblen beleidigungen und lügen. das schönste: oben jault einer auf, weil sein gott stalin beim namen genannt wird: faschist! (was übrigens keine gleichsetzung mit hitler ist - der war nazi, das ist nicht ganz das gleiche)
schreibfehler
laut
antideutschen sektierern gibts also nur
eines: antira oder gegen antisemitismus sein.
?????????????????????????????????????????????
Ich war nicht in Durban
.....
Kontext, mein Freund, Kontext!
about text
ach ja der restliche kindergarten sollte sich vielleicht in irgendwelchen klatsch-communities austoben...
und beider antideutschen seite komm ichn ich drauf?!? nur registrierte....
Antideutsches Denken ist kranker Selbsthass
Wie auch immer normal sind diese Typen nicht und es kotzt einen an bei Demos mit solchen Arschlöchern zusammen zu sein.Diese geistigen Tiefflieger sollten Plato lesen aber der ist für diese Idioten auch schon ein Nazi.
Ich nehme diese Leute nicht ernst weil sie alles ablehnen was sie nicht verstehen und das ist das Meiste glaubt es mir.
Uff...
"Antideutsche" haben u.a. das Problem, Hardcore-Deutsch zu sein in Bezug auf ihre deutsche Gründlichkeit, sich auf einen Begriff zu beschränken, und den zu einer Religion und einem Hauptthema inner"linker" Szene-"Debatten" zu machen, welche naturgemäß, außerhalb dieser Szene, niemanden interessiert. Das Ganze erinnert an Zeiten, wo jede Studi-Gruppe oder "Bezugsgruppe", wenn es schon mal keinen aktuellen Anlaß gab, GEGEN etwas zu demonstrieren, sich erstmal von einer Sexismus-Debatte zur nächsten schwang. Dies führte zu einem inquisitorischen Klima, welches dem einer katholischen Sekte nicht unähnlich war. "Äh, Du, ich geh´ ja auch nicht mehr an den Baggersee, oder in die Sauna, weil is´ ja auch irgendwie sexistisch da, weil die sind ja auch alle so nackt da..."
Heute scheint Antisemitismus bei "linken" Grüppchen das Lieblingsthema zu sein.
Sexismus und Antisemitismus weltweit zu bekämpfen, ist bitter notwendig, nur ist diese deutsche Gründlichkeit und Profilneurose, mit der Szene-Grüppchen das Ganze zur völligen Groteske mit bizarren Ergebnissen katapultieren (siehe Kommentar von Pete weiter oben), absolut kontraproduktiv, traurig, und führt -zu Recht- dazu, daß eigentlich es gutmeinende Menschen, nach einer gewissen Zeit, diesen unerträglichen Szenenmief verlassen, und sich ins Private zurückziehen.
Es gibt klare, linke, soziale Alternativen für eine andere Welt ohne kapitalistische Ausbeutung, in der jeder Mensch frei von Angst und Bedrohung leben kann. Was ist z.B. mit den Erwerbslosen in den Fluren von Sozi und A-Amt, den Menschen in Scheiß-Jobs? Anscheinend kümmert sich bis jetzt nur die FAU und Kolinko in der Linken hier um solche Drecksarbeit des realen Alltags. Was ist mit einer Perspektive, klaren Forderungen, Programmen und Organisationsformen, anstatt innerszenischen Neurosen und Grotesken?
O.K., und nun, wer Lust hat, kann mich ja nun nach meinem Kommentar als "Sexisten" oder "Antisemiten" outen, bekämpfen oder steinigen, bzw. zur Löschung dieses Kommentars aufrufen...wenn´s denn hilft...
@-
@Buenaventura
ich habe noch nie gehört,
...
Wer hat denn die Diskussion vorangetrieben?
T.Selec
einfach ignorieren...
@-2
anmerkungen zu dem Papier aus Aachen
zu 1) Meiener Meinung nach handelt es sich tatsächlich um Fragen und nicht um Feststellungen, worauf auch das Wort "wenn" hinweist. Aber wie auch immer, vielleicht geht es darum auch gar nicht. Wer auch immer den Anschlag verübt hat, ein tendenziell antisemitische Weltbild steckt da hinter. Warum sonst ein Anschlag auf das WTC? Auch halte ich These, der Anschlag habe etwas faschisitisches für richtig. Wie ist es sonst zu nennen, wenn Menschen die einzige Erfüllung ihres Lebens darin sehen, sich selber umzubringen um dabei möglichst viele andere menschen in den Tod zu reißen? Ein Anschlag in solch einer Größenordnung kann doc nur auf einen Vernichtungswahn zurückgeführt werden, es war den Attentätern doch klar, wieviele Opfer sie hervorbringen würden. Zu dem Begriff islamismus: Es handelt sich dabei nicht um einen "rassistischen Kampfbegriff" (wieso denn?9, sondern um die Bezeichnung für ein poltische Bewegung. Deshalb ist ja auch nicht von "dem Islam an sich" die Rede. Es wäre sicherlich kritisch anzumerken, daß eine genaue Kenntnis über die Unteerschiede zwischen verschiedenen islamisitischen Bewegungen und deren Ideologien tatsächlich bei vielen kaum vorhanden ist, darüber sollte diskutiert werden.
3) Ihr ärgert euch darüber, daß Horst Mahler und KMii aus Wuppertal in einem Satz genannt werden. Das stellt sicherlich erstmal eine Provokation dar. Dennoch frage ich mich schon, warum bestimmte Linke nicht endlich einmal zur Kenntnis nehmen, wie oft sich ihre Positionen mit denen der Faschos überscheniden. Das ist echt nix neues und sollte nicht ständig für Empörung sorgen, sondern viel eher eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Positionen fördern. Vielleicht haben einige von euch Kontraste gesehen, als vermeintliche Linke wortwörtlich die selben Sachen gesagt haben, wie Udo Voigt (NPD).Das ärgert mich viel eher und stößt stark auf. Weiterhin schreibt ihr, die USA hätten aufgrund ihrer Politik viele Kritiker, nicht nur Antisemiten. Genau in dieser Stellungnahme liegt das Problem: Die pOlitik der USA wird erstens stark vereinfacht (was ist "die Politik" der uSA), zweitens als perönliche Boshaftigkeit der verschiedenen US-Politiker dargestellt. Nicht die kapitalisitische Weltordnung wird als Ursache für die Politik gesehen, sondern das Bewußte Kalküle "gemeiner " pOlitiker! Äußerst problematisch, der Antiamerikanismus wird genau hier deutlich.Mit dieser Argumentation seid ihr wieder dabei: Was unterscheidet euch dann von den Leuten, die tatsächlich Israel für die Anschläge verantwortlich machen? Die "Kritik" einiger Linker und bürgerlicher Politiker und Medien an Israel läuft auf der gleichen Ebene, eigentlich ist Israel demnach aufgrund seiner "falschen" Politik Schuld an den Anschlägen. Versteht ihr, worauf ich hinaus will? Wenn ihr selber sagt, daß jeder Mensche für seine Ideologie selber verantwrtolich ist und damit im Grunde der These der Antideutschen da zustimmt, entkräftet ihr das Ganze wieder, indem ihr sagt, die USA haben doch irgendwie Schuld daran. Und wenn einige Linke immer reflexartig darufhin verweisen, die Anschläge hätten allein "soziale" Ursachen (als ob die Leute automatisch in die Hände von Islamisten getrieben würden)dann ist doch klar, worauf das hinausläuft. Mit Verwechslung von Ursache und Wirkung hat das nix zu tun. Wenn ich davon ausgehe, daß die "sozialen Ursachen" die Ideologie doch nicht rechtfertigen, warum nenne ich sie dann überhaupt?
4) Ich finde den Begriff Klerikalfaschisten sehr zutreffend.
6) Die Unterscheidung zwischen den Begriffen "internationales finanzkapital2 und "zionistische Weltverschöwrung", und die vermeintlich unterschiedliche Ideologie, die eurer Meinung nach hinter den beiden Begriffen steckt, finde ich schwach.Beide Denkmuster sind tendenziell bis offen antisemitisch und stellen eine verkürzte "Kritik" dar, sie sind geistig verwandt miteinander und liegen dicht beisammen.Ihr jedoch behauptet, genau dies sei selber antisemitisch, weil die Antideutschen den Begriff "internationales Finanzkapital" in Verbindung mit Juden und Jüdinnen bringen üwrden. Schon wieder eine anstrengede Verdrehung, wo mir langsam unklar wird, was in manchen Köpfen so herumspukt. Die Verbindung wird nicht hergestellt, sondern es wird auf Denkmuster und deren antisemitischem Charkater verwiesen, die hinter der Annahme stehen, das "Finanzkapital" als Hauptübel des Kapitalismus darzustellen. Schlußwort: Schade finde ich, daß ihr in euren P:S-Sachen Töne anschlgt, die selber wieder eine produktive Diskussion stören, die ich immer noch für sinnvoll halte. Auch wennich durchaus nicht alle in der bahamas vertrenen Positionen teile, finde ich die ganze Hatz langsam wirklich albern. Ein wahrheitskern steckt in vielen ihrer Artikel und ich glaube langsam, genau das ärgert hier so viele. Dag
?
Antideutscher gegen die Antideutschen!!!
Ideologie doch nicht rechtfertigen, warum nenne ich sie dann überhaupt?" Drag weiter oben
Rechtfertigungen und Ursachenforschung sind zwei verschiedene Dinge. Das "rationalisieren", das heißt zu fragen welche Interessen, Akteure stehen hinter etwas,was bringt sie dazu zu handeln wie sie handeln und nicht das verschieben auf ein nicht mehr hinterfragbare Metaphysische Ebene war ein ziel der Aufklärung und der späteren "Linken". Ihr begebt euch auf die selbe Argumentationsebene wie die Faschos, die in Rasse und Kultur die "Triebkraft" der Geschichte sehen und nicht in objektiven materialistichen Ursachen wie zum Beispiel ökonomischen Interessen. Deshalb seid ihr vom Grundprinzip keine "Linken" und solltet eure Disskussionen lieber mit interl. Rechten wie von der Jungen Freiheit führern. Die vertreten ähnliche Positionen wie ihr.
es lebe die metaphysik, du argumentenritter
Antdeutsch= reaktionär??
Die Frage nach den materiellen Ursachen eines Konflikts und den sich daraus entwickelden irrationalen Handlungsweisen hat nichts damit zu tun ihnen objektive Vernunft zu zugestehen. Die Frage ist, welche gesellschaftlichen Voraussetzungen müßen gegeben sein, damit ideologische Lösungen Massenwirksam werden. Ideologie wird es immer geben, auch jenseits der ökonomischen Verhältnisse, nur ist ihre Bedeutung die sie inerhalb der Gesellschaft hat unterschiedlich, und lässt sich ohne die materiellen Bedingungen einer Gesellschaft nicht verstehen.
was persönliches zwischendrin
Gruß privat !1
wer hat bambi getötet?
möglichkeit a. der negativen bewertung zu entgehen (und die wohl simpelste möglichkeit dem ressentiment zu begegnen) währe es zu sagen: ich bin nicht unordenlich also gut, oder aber: ordnung interessiert mich einen scheiss und das ist toll.
blöd nur dass sich hieraus ergibt dass die zuordnung nationalität und die zuschreibungskategorie "ordnung" hier für sinnvoll erachtet werden und deshalb gestärkt in die nächste runde gehen können. wer gewinnt? der mit den dickeren armen.
der jude (in der allgemeinen, intuitiven rezeption) taugt nicht für die symetrische konstruktion da ihm die nationalität (als kosmopolit/vaterlandsloser geselle/sozialist) fehlt. wir wissen: das verhältnis zwischen den konzepten nation und nicht-nation kein besonders ausgewogenes ist. hieraus erklären wir uns nicht nur weshalb die staatenlosen juden (ausserhalb deutschlands, denn hier wurde nicht lange unterschieden) in den mit dem ns sympatisierenden oder okkupierten ländern oftmals die einzigen waren die man den deutschen auszuliefern bereit war. ein jude mit nationalität hatte also eine weitaus grössere chance zu überleben. wie ist das also mit der nation gegen die wir alle sind?
zur kritik an diesem antide. text: manche logischen denkfiguren funktionieren eben nur wenn man die möglichkeit der jüdischen verhaltensweise, der jüdische verschleierung und manipulation, dem manichäismus/dualismus, der verdinglichung von abstrakten,... wenn man also nicht daran glaubt dass der antisemitismus auch ohne das objekt im realen raum existiert verwiesen wird. antisemtismus ohne juden also.
vielen dank für ihre aufmerksamkeit.
Die völkischen Positionen der Antideutschen
oder: Die Antinationalen
„Wenn wir uns als antideutsch bezeichnen, so tragen wir der Tatsache Rechnung, daß die deutsche Bevölkerung – heute auch – ein Kollektiv von besonderer Gefährlichkeit ist. Anti-deutsch bedeutet deshalb auch: Abkehr von der bisherigen linken Praxis der Massenorientierung.“
„Solange der Anspruch auf Revolutionierung dieser Massen bestehen bleibt, solange werden die künftige Kundschaft mit allen Tricks umworben, ihre Taten entschuldigt und ein taktisches Verhältnis aufgemacht.“
„Antirassismus ... wird, er muß minoritär sein“
Die „Antinationalen“ entstanden Anfang der 90er aus Teilen der Konkursmasse der K-Gruppen und konstituierten sich 1990 auf der großen „Anti-Wiedervereinigungsdemo“ in Frankfurt, welche unter dem Motto „Nie wieder Deutschland“ stand. Sie drehten sich um 180 Grad und behaupteten das abstrakte Gegenteil von dem, was sie in ihrer politischen Vergangenheit beflügelt hatte: statt als Freund und Repräsentant der Arbeiterklasse aufzutreten, wandten sie sich mangels gesellschaftlicher Perspektive in einer Art (antideutschem) Reflex auf die veränderte Lage in Deutschland gegen alle(s) Deutsche(n) zugleich, ob nun Arbeiter oder Kapitalist, Nazi oder Antifaschist. Zwischen Staatsgewalt, Kapitalinteressen und vereinnahmten Menschen (wenn diese auch z.T. immer wieder „willige Vollstrecker“ sind) wird also nicht unter-schieden. Die „Antinationalen“ haben von ihrem Avantgarde-Dasein der Vergangenheit nicht Abschied genommen, sondern stellen nun ihre Abgehobenheit erneut in neuer Form unter Beweis.
An den Spruch Kaiser Wilhelms II anlehnend könnte man ihre politische Maxime folgendermaßen zusammenfassen: „Wir kennen keine Klassen mehr, nur noch Deutsche!“. Im Mittel-punkt ihres politischen Denkens stehen der deutsche Faschismus und Auschwitz („Deutschland denken heißt Auschwitz denken“), die „unvergleichliche Bösartigkeit“ und die „Besonderheit“ alles Deutschen. Somit nähern sich die Antinationalen, die gerne Worte wie „spezifisch“, „besonders“ und „bestimmt“ gebrauchen, sehr dem Rassismus, den sie selbst vorgeben abzu-lehnen (so reden sie von einem „Webfehler“ der Deutschen und von einer „sozio- und psychogenetischen Geschichte“ des „Rassenhaß der Deutschen“; darin unterscheiden sie sich in nichts von ihren selbst gewählten „antifaschistischen Bündnispartnern“ z.B. in den USA. „Es ist richtig, die deutsche Nation als eine kranke und geistig unausgeglichene Nation, als eine Gruppe von potentiellen Kriminellen zu behandeln.“ (Harry Hopkins, ein enger Mitarbeiter von Präsident Roosevelt; Daniel Goldhagens Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ zielt in die gleiche Richtung. Die Quintessenz seines Buches läßt sich in dem Aphorismus „Keine Deutschen – kein Holocaust“ zusammenfassen, die Juden stehen in diesem Werk als einzige Opfer des Nazi-Faschismus da (Gleichgültigkeit gegenüber nicht-jüdischen Opfern wie Sinti und Roma, Behinderten, Homosexuellen, Kommunisten, etc.) und der Autor flieht sich in eine Art biologischen Kollektivismus, der das deutsche Volk als eine monolithische Einheit sieht und das Problem „ethnisiert“. Ähnlich wie der Großteil der Historikerzunft und die Antinationalen denkt er in den Kategorien von Nationen und nicht in denen von sozialen Klassen. Die Bedin-gungen des Krieges hätten es den Deutschen ermöglicht, ihre eigentliche Berufung zu zeigen und in die Tat umzusetzen.) Solche ideologischen Versatzstücke sollten das Vorgehen der Alliierten gegen das imperialistische Hitlerdeutschland rechtfertigen.). „Die Deutschen“ sind für sie ein „barbarischer Stamm“. Eine Art negativer Nationalismus prägt ihr politisches Weltbild. Wenn sie davon reden, daß etwas „spezifisch deutsch“ wäre, so ist dies schon fast rassistisch und setzt voraus, daß „deutsch“ etwas in Fleisch und Blut Übergegangenes oder gar Angeborenes ist.
Der Dreh- und Angelpunkt allen politischen Wirkens ist für sie die Nazi-Vergangenheit An-statt diese Vergangenheit klar zu analysieren und mit der Gegenwart in einen Zusammenhang zu stellen, begegnen sie ihr mit moralischer Ablehnung, „politischer Empörung“ und einem antideutschen Wahn. Das, was sie selbst ablehnen, die Konstruktion von Nationen, erledigen sie immer wieder von neuem für „die Deutschen“.
Wenn sie Politiker dieses Landes kritisieren, dann nicht aufgrund ihrer realen, heutigen Politik, sondern aufgrund ihrer „braunen Flecken auf den weißen Westen“, was beinhaltet, daß die Politik der meisten BRD-Politiker in Ordnung geht, sofern sie keine Nazi-Vergangenheit haben. Ihre Kritik an kapitalistischen Firmen besteht darin, daß einige von ihnen früher einmal Zwangsarbeiter beschäftigt haben – heute nicht mehr.
Da es außer den Nazi-Verbrechen und der Nazi-Vergangenheit für die Antinationalen keine Kritik an den Verhältnissen in Deutschland zu geben scheint und sie auch jegliche Massen- oder Überzeugungsarbeit unter dem „Volk der Täter“ ablehnen, existieren Probleme wie Arbeitslosigkeit, Sozialabbau oder Umweltverschmutzung nicht oder sind nebensächlich. So werden vor dem „größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte“ alle anderen Verbrechen zur unwichtigen (weil nicht „interessanten“ und „aufsehenserregenden“) Nebensache; von gesellschaftlichen Ursachen ganz zu schweigen. Selbst haben sie es einmal in etwa so ausgedrückt, daß Leute ohne Auschwitz das Leben ganz passabel und den Berliner Kudamm wunderschön finden müßten (in was für einem Land leben solche Menschen, die so etwas behaupten und wie gut muß es ihnen gehen?). Wer Kritik an ihrer Sicht der Dinge übt und soziale Aspekte als Beweggründe für das Handeln der Menschen anführt, macht sich zum „Komplizen Deutschlands“. Solch ein abstruses Ideologiegebäude läßt einen den demokratisch ausgeschmückten Polizeistaat und das Leben in Ausbeutung, Bevormundung und Entfremdung in der Überzeugung ertragen, daß dies Leben immer noch besser ist als unter Hitler. Somit ist das Denken der Antinationalen nicht nur ein Teil des bürgerlichen Sumpfes, in dem der Großteil der Linken steckt, sondern er führt tief in ihn hinein, so daß ein Hinauskommen unmöglich wird, weil ausländische bürgerliche Staaten unkritisch als „Bündnispartner“ gesehen werden, etc..
Die Antinationalen sind der Aufschrei frustrierter „Linker“, die mit ihrem negativen Nationa-lismus nur ihre Perspektivlosigkeit manifestieren. Die einstige „Aburteilung“ aller Gollwitzer Bürger als Rassisten und Antisemiten anläßlich ihres dortigen Auftretens verdeutlichte ihre Bedrouille: da sie weder aufklären können noch wollen, verallgemeinern sie lieber gleich und suchen gar nicht erst die politische Auseinandersetzung. Ihr „antifaschistischer Kampf“ be-schränkt sich darauf, sich unter hysterisch skandierten „Nie wieder Deutschland!“-Rufen als „MigrantInnen“ zu „outen“, die Deutschlandfahne zu verbrennen und alle, die nicht ihrer „Friß oder stirb“-Ideologie folgen, von vornherein als Rassisten zu beschimpfen. Sie schreien hyste-risch gegen die Nation an und machen sie allein dadurch zu einer Art Fetisch bzw. Mythos. Es ist die alte Peinlichkeit. Ihr „Antinationalismus“ ist nichts anderes als negativer Nationalismus, keineswegs Internationalismus. Er hat keinerlei Perspektive auf gesellschaftliche Veränderung und gleicht moralischer Selbstbefriedigung (durch das Aus-der-Masse-heraustreten).
Was den 2. Weltkrieg angeht, so ist man der Propaganda-Lüge vom „gerechten“ Krieg „Faschismus gegen Demokratie“ aufgesessen. Die Antinationalen erkennen nicht die Rolle, welche diese Begründung spielte und sie wollen nicht erkennen, daß auf allen Seiten materielle Interessen vorhanden waren und der 2. Weltkrieg ebenfalls wie der 1. ein imperialistischer war (man erinnere sich an die Grenzverschiebungen, Reparationen, an die Vertreibungen und die nationalistische Hetze auf allen Seiten, etc.). Sie wollen nicht sehen, daß der Westen den „Kampf für die Demokratie“ dazu nutzte, um die Klassengegensätze herunterzuspielen. So forderten selbst Gewerkschaften und sozialistische und kommunistische Parteien dazu auf, Streiks zu unterlassen, da diese dem Kampf gegen Hitlerdeutschland schaden würden. Von der Rassentrennung in den USA oder der Kolonialpolitik der westlichen Alliierten ganz zu schweigen (hier spielte auch die französische KP eine widerwärtige Rolle).
Die Menschenfeindlichkeit ihrer kuriosen politischen Anschauungen gipfelt in ihrer Forderung „Bomber Harris, do it again!“ anläßlich des 50. Jahrestages der Bombardierung Dresdens durch die Alliierten im 2. Weltkrieg. Sie lassen uns wissen, daß es bei den Bombardierungen Deutschlands durch die Alliierten „die Richtigen“ getroffen habe. Dabei ist diese Ansicht pervers und zutiefst menschenverachtend und das „linke“ Gegenstück zur Rechtfertigung der Verbrechen des NS-Staates durch die Nazis. Gerade solches Denken treibt viele in die Hände der Nazis, die diese Thematik für sich beanspruchen, weil die Linke den Bombenwurf nicht angreift, weil die Bomben ja auf Nazi- Deutschland fielen. Doch auch hier gilt für uns: Verbre-chen müssen beim Namen genannt werden, egal von wem sie begangen werden bzw. wurden. Der 2. Weltkrieg war ebenso ein imperialistischer wie es eben auch der Krieg der NATO gegen Jugoslawien war. „Für Nation und Rasse“ und „Für die Menschenrechte“ sind da nur zwei verschiedene moralische Begründungen und dienen der Verschleierung der wirtschaftlichen Tatsachen und Beweggründe. Opfer aller imperialistischen Kriege war stets die Arbeiterklasse, ob nun im Widerstand, stillschweigend oder „Hurra!“-schreiend. Daran verdient haben stets die Rüstungsfabrikanten und die am (Wieder-)Aufbau beteiligte Industrie. Es gibt keinen „guten“ imperialistischen Krieg. Und nur weil von den ca. 80 Millionen Deutschen und Österreichern nur die wenigsten wirklich aktiven Widerstand geleistet haben, rechtfertigt das nicht, sie dem deutschen oder einem anderen Imperialismus zu opfern. Die Verzweiflung der „Antinationa-len“ wird auch darin deutlich, daß sie bei der Bekämpfung der „Gefährlichkeit Deutschlands“ auf das Ausland als „antifaschistischen Bündnispartner“ setzen. Dieses könne das „Modell Deutschland“ beenden oder zumindest „die Deutschen“ hemmen.
Ihre Fixierung auf die deutsche Vergangenheit bringt ihre eigentliche Sorge zum Vorschein: daß es wieder einmal so kommen könnte wie damals. Daß sich die Geschichte aber meist nicht wiederholt, daß sich die Gesellschaft weiterentwickelt hat und daß ihre imaginären Bündnis-partner alle selbst „Flecken“ auf den „weißen Westen“ haben (keine braunen, sondern demokratisch-legitimierte), darüber schweigen sie lieber, weil sie sonst ihren politischen Bankrott völlig eingestehen müßten. Ihre Kritiklosigkeit der Gegenwart, d. h. kapitalistischen Normali-tät, gegenüber offenbart aber auch ihre moralische und soziale Selbstzufriedenheit.
aus unserer Broschüre "Auschwitz als Alibi" (erschienen im Januar 2001)
Heute würden wir (nach den Erfahrungen nach dem 11. September und dem Verhalten der Antideutschen) würden wir unsere Kritik an ihnen noch schärfer formulieren. Bedacht werden sollte auch, daß die völkische Position der Antideutschen keine irgendwie "linke" ist. In Israel würden sie mit ihrer Position der kompromißlosen Verteidigung Israels (eines bürgerlichen Staates!) auf der extremen Rechten zu finden sein (in guter Gemeinschaft mit rechtsextremen israelischen Siedlern). Sie vertreten also Positionen, die selbst kein israelischer "Linker" vertritt.