Brot, Bomben und Lügen
1. Für eine sofortige Einstellung des westlichen Angriffskrieges in Afghanistan
Die USA führen derzeit einen Angriffskrieg gegen Afghanistan, möglicherweise bereiten sie auch einen Angriffskrieg gegen weitere Länder vor. Sie tun dies mit Zustimmung der NATO und der G8-Staaten im Rahmen der üblichen imperialistischen Arbeitsteilung; dass die europäischen Regierungen einen Stil des "nachdenklich Bombardieren" bevorzugen, heißt nicht, dass es hier irgendwelche Differenzen gäbe. Dieser Angriffskrieg ist ein verbrecherischer Akt, und er liegt mitnichten im Interesse der westlichen Bevölkerungen.
Die USA führen derzeit einen Angriffskrieg gegen Afghanistan, möglicherweise bereiten sie auch einen Angriffskrieg gegen weitere Länder vor. Sie tun dies mit Zustimmung der NATO und der G8-Staaten im Rahmen der üblichen imperialistischen Arbeitsteilung; dass die europäischen Regierungen einen Stil des "nachdenklich Bombardieren" bevorzugen, heißt nicht, dass es hier irgendwelche Differenzen gäbe. Dieser Angriffskrieg ist ein verbrecherischer Akt, und er liegt mitnichten im Interesse der westlichen Bevölkerungen.
Das Entsetzen über die Anschläge des 11. September kann nichts daran ändern, dass Terror weder mit Gegenterror noch mit Krieg zu beantworten ist. Die Rhetorik, die Anschläge seien eine Kriegserklärung gewesen, soll gezielt von der Fragwürdigkeit von Vergeltungsschlägen ablenken. Es gibt bislang kein Verfahren, keine der Öffentlichkeit vorgelegten Beweise, keinen darauf gestützten Auslieferungsantrag; dass die Taliban-Regierung Osama bin Laden nicht in vorauseilendem Gehorsam "einfach so" ausgeliefert hat, gilt als ausreichender Grund für einen Krieg gegen Afghanistan. Dass die militärischen Aktionen der Ergreifung Bin Ladens gelten sollten, ist seit den immer massiveren Bombardements als Lüge offensichtlich: Kriegsziel ist das Auswechseln der afghanischen Regierung. Die Opferzahlen des westlichen Angriffskrieges werden die Zahl der Toten in
New York und Washington um ein Vielfaches überschreiten. Der Krieg tötet nicht nur die, die von Bomben getroffen werden; er tötet auch die, die seit dem Truppenaufmarsch vor ihm zu fliehen versuchen und an Hunger und Kälte
sterben werden. Der Zynismus der Nahrungsmittelpakete, die mit Grüßen vom
amerikanischen Volk hinterhergeworfen werden, wird sie nicht retten.
2. Gegen die Mystifizierung der Anschläge
Die Anschläge vom 11.September sind keine Anschläge auf "die Zivilisation".
Es sind auch keine Proteste gegen Armut und Kapitalismus. Es sind Verbrechen,
politisch motivierte Anschläge, und Massaker als Teil einer machtpolitischen
Strategie. Wenn sie tatsächlich von radikal-islamistischen Terrororganisationen im Umkreis von El-Quaida und Bin Laden verübt sind, haben sie einen ziemlich konkreten Hintergrund. Zum einen sind es Racheakte für den erneuten Bündniswechsel des Westens in Afghanistan, nämlich von den
Taliban zur Nordallianz, an die in jüngster Zeit große Waffenlieferungen vorbereitet wurden und deren militärischer Führer, Massud, im April auf Einladung des Europa-Parlaments zu strategischen Gesprächen mit Solanas u.a. zusammentraf, bevor er zeitgleich mit den Anschlägen von einem Selbstmordkommando ermordet wurde. Zum anderen reihen sich die Anschläge in
eine Serie von Mordanschlägen seit 1993, die gegen Angehörige des US-Militärs, der US-Geheimdienste und anderer Einrichtungen in arabischen Ländern verübt wurden und die Ziele verfolgen sollen, die von Bin Laden und anderen Terror-Organisatoren immer wieder genannt wurden: Abzug amerikanischer Truppen aus allen arabischen Ländern; Ende des militärischen und ökonomischen Krieges gegen den Irak; Entzug der westlichen Unterstützung für "gefügige" Satelliten-Regime wie Saudi-Arabien.
Diese Ziele (nicht die Anschläge!) finden in der Bevölkerung der arabischen
Länder weite Zustimmung, und sie sind berechtigt. Das Problem ist, dass der
militärisch-ökonomische Komplex des islamistischen Terrors sich diese, an
sich schwer abweisbaren, Ziele zu eigen macht, um sein eigenes Süppchen
darauf zu kochen. Er behauptet, dass diese Ziele nur durch ihn zu erreichen
sind; dass sie nur mit seinen faschistischen Mitteln erreichbar sind; und
dass sie nur zusammen mit einigen anderen Zielen erreichbar sind, die man
ebenfalls als faschistisch bezeichnen muss: der Errichtung fundamentalistischer "Gottesstaaten" a la Taliban, der Vernichtung Israels, der totalen Allmacht der islamistischen religiösen und militärischen Führer.
Die Mystifizierung der Anschläge verdeckt, dass die westlichen Regierungen keine Antwort auf dieses Problem haben; ja dass sie es auch gar nicht lösen wollen, weil sie mit dem Terror auch alle legitimen arabischen Ansprüche bekämpfen möchten, die dem westlichen imperialen Anspruch zuwiderlaufen. Die Mystifizierung verdeckt, dass der sunnitische Fundamentalismus, Osama bin Laden und die Taliban vom Westen gezielt aufgebaut, finanziert und
aufgerüstet wurden, im Rahmen der größten CIA-Aktion seit dem Zweiten Weltkrieg; zunächst um die Sowjetunion zu bekämpfen, später um in Ungnade gefallene Protegés durch andere Kräfte zu ersetzen. Und sie verdeckt auch, dass der Westen andere Versuche in der arabischen Region, Souveränität und reale Selbstbestimmung zu erlangen, konsequent zerstört hat oder ausbluten ließ.
3. Die Politik des Westens: wie von Bin Laden bestellt
Was ist nun die aktuelle Politik des Westens gegenüber diesem Problem? Sie
wirkt, als hätten Bin Laden und die anderen Exponenten islamistischer
Terrororganisationen persönlich sie bestellt: Die USA stellen sich auf eine
mindestens 10jährige massive Truppenpräsenz ein, im Prinzip sollen amerikanische Truppen für immer auf dem Boden arabischer Länder stationiert bleiben. Der Westen stützt fragwürdigste Regime mit politischen,
ökonomischen und militärischen Geschenken, sofern sie nur an der Kriegs-Koalition
teilnehmen; Menschenrechte spielen dabei keine Rolle. Die Einbeziehung des
Irak als Ziel militärischer Operationen ist sehr wahrscheinlich, ein Ende des Embargo ist in weite Ferne gerückt. Mit der Aufrüstung der Nordallianz greift der Westen zum dritten Mal massiv in den afghanischen Bürgerkrieg ein, und er
wird auch die Nordallianz fallen lassen, sobald sie Kritik an der westlichen
Politik und an den westlichen Bomben übt. All dies ist Wasser auf die Mühlen
des Terrors.
4. Genua hoch zehn
Entzivilisierung und Entdemokratisierung schreiten dabei auch im Westen selbst voran. Nach dem Willen der US-Regierung sollen bei der totalen Operation "Terrorbekämpfung" alle Trennungen zwischen Militär, Polizei, Geheimdiensten und ökonomischer Politik aufgehoben werden. Der umfassende, totale Krieg gegen unbotmäßige Länder, der so zur realen Drohung wird,
benutzt die UNO nicht einmal mehr als Feigenblatt: keine internationale
Instanz wird die "Beweise" gegen Afghanistan auch nur zu Gesicht bekommen
haben, bevor die USA angreifen. Der proklamierte 10-Jahres-Plan, der
militärische, ökonomische und politische Interventionen umfassen soll und
damit den Charakter einer autoritären Weltinnenpolitik hat, wird im Kreis
von Kriegskabinetten verhandelt, eine Gruppe von vielleicht zwanzig Menschen
weltweit entscheidet über die Ausrichtung der Weltpolitik der nächsten 10
Jahre. Die bisherige Anmassung der G8-Treffen wird damit noch übertroffen.
Was hier vorbereitet wird, ist Genua hoch zehn. Dazu passt auch, dass
Notstandsgesetze nach innen vorbereitet werden, um Widerstand und Kritik
durch totalitäre Kontrolle und Zensur zu ersticken: die Abmahnungen von
LehrerInnen in Sachsen, die es wagten die US-Politik zu kritisieren, geben
einen ersten Vorgeschmack.
5. Die Dominanzkultur dreht durch
Der Westen hat durchaus ökonomische und geostrategische Interessen in
Afghanistan. Es geht um das Pipeline-Projekt von Baku zum arabischen Meer, es geht generell um die Sicherung des westlichen Zugriffs aufs Öl in der ganzen
Region; es geht beim "Kampf gegen den Terror" auch um die "Sicherheit"
weltweit agierenden Kapitals und seiner Repräsentanten und Angestellten.
Dennoch ist das ökonomische und militärstrategische Kalkül in bezug auf den
jetzigen Krieg widersprüchlich und keineswegs klar, und unter der Hand auch
umstritten.
Dagegen ist seit langem keine militärische Operation so stark von den
Bedürfnissen patriarchaler Dominanzkultur geprägt gewesen, und zwar auf
beiden Seiten: der phallische Charakter des Anschlagsziels vom 11.September
kommt nicht von ungefähr. Das Vorgehen der USA ist geprägt von der Panik vor
Kontrollverlust. Mehr als alles andere geht es um die Illusion, "das Heft
wieder in der Hand zu haben": "the conflict, begun on the timing and terms of
others, will end in a way, and at an hour, of our choosing" (Bush). Es geht um die Unvorstellbarkeit, selbst Opfer zu sein, die jetzt militärisch ausradiert werden soll. Die patriarchale Dominanzkultur der Gegenseite funktioniert anders; sie drückt sich aus in der Rechtfertigung der Massaker
als Gebot der Ehre, als Wiederherstellung gekränkter männlicher Identität, und in der wegwerfenden Geringschätzung des eigenen Lebens (ebenso wie des Lebens "zufällig Betroffener"). Es ist eine innerpatriarchale Konstellation,
die von klassischen Frontstellungen wie Kolonisator/Kolonisierter,
hegemoniale/marginalisierte Männlichkeit usw. durchzogen ist.
Das Drama ist, dass jedes rationale Interesse, das Leben eigener
Bevölkerungen zu schützen, Gefahren abzuwenden, und Verbrechen gegen andere
Bevölkerungen zu vermeiden, dabei vollständig unter die Räder kommt. Jede
weitere Runde von Terroranschlägen, Bombardements, neuen Terroranschlägen,
neuen Bombardements wird diesen Wahnsinn weiter nähren, der seine KritikerInnen als "Weicheier" beiseiteschiebt. An genau diesem Punkt hat Wickert Recht, dass die Logik auf beiden Seiten dieselbe ist. Und es ist auf beiden Seiten ein guter Job, Mullah zu sein - sprich, zu denen zu gehören, deren Position immer besser und deren Handlungsspielräume immer größer
werden, je weiter die Gewaltspirale sich dreht, und je mehr Opfer sie kostet.
6. Neue Weltordnung II: Schnäppchenmarkt für Zyniker
Im Zuge der "internationalen Koalition gegen den Terror" werden derzeit
Verhandlungen geführt, die weit über den Krieg gegen Afghanistan hinausgehen
und einige wesentliche Konkretisierungen und Veränderungen der nach 1989
proklamierten "Neuen Weltordnung" zum Gegenstand haben. Jenseits aller noch
halbwegs legitimierten internationalen Organe und ohne jede Beteiligung der
Bevölkerungen ist hier ein wilder Schnäppchenmarkt für Zyniker aller Couleur
entstanden. Die USA haben unverhohlen erklärt, die "new benchmark" (Powell),
d.h. der Maßstab für die Politik der USA gegenüber anderen Staaten, sei
ausschließlich deren Unterstützung für den US-Krieg gegen Afghanistan und
alle weiteren Maßnahmen in diesem Zusammenhang. Die Regierungen der Staaten,
die an der Koalition teilnehmen, möchten sich dies umgekehrt in verschiedenster Weise bezahlen lassen. Pakistan braucht Geld; Indien möchte Zustimmung für seine Kashmir-Politik; Russland will Freispruch für seinen eigenen Staatsterror in Tschetschenien; die Liste ist lang. Auch wenn sich in der Koalition eine gewisse imperiale Überspannung der USA ausdrückt und die Notwendigkeit, an der Illusion völlig unbeschränkter nationalstaatlicher
Handlungsfreiheit Korrekturen vorzunehmen, so ist von dieser Art Kuhhandel
zwischen Regimen nur eine weitere Verschärfung der menschenverachtenden und
autoritären Züge der aktuellen Weltordnung zu erwarten.
Auch die deutsche Regierung will in diesem Sommerschlußverkauf nicht zurückstehen. Im Gegenzug für bedingungslose Unterstützung der Militäroperationen der USA, soll wieder einmal eine deutsche "Normalisierung"
durchgesetzt werden: die vollständige, offene Rückkehr zur Großmachtspolitik,
die Möglichkeit selbst wieder kriegsführende Macht zu sein, die Stärkung
internationalen Einflusses (Sitz im Weltsicherheitsrat usw.). Das ist
gemeint, wenn Schröder die "Nachkriegszeit" für beendet erklären will.
All dies ist an Verantwortungslosigkeit kaum zu überbieten. Fremde Opfer
zählen ebenso wenig, wie Risiken für die eigene Bevölkerung; Fragen von
Rechtmäßigkeit und Sinn des derzeitigen Krieges geraten völlig in den
Hintergrund: der Afghanistan-Krieg wird zum Medium einer Neuaushandlung dessen, wer in einem zeitgemäßen Imperialismus welche Rolle spielen darf und kann.
7. Was tun?
In diesem Krieg gibt es keine Seite des Guten; und es gibt keine wünschenswerte Tendenz, die von den Anschlägen des 11.September hervorgerufen würde, auch nicht indirekt. Beides kann nicht überraschen. In den Diskussionen um einen neuen Internationalismus ist immer wieder betont worden, dass es nicht funktioniert, sich auf eine Seite des Guten schlagen
zu wollen, und dass es keinen inneren Automatismus gibt, der aus den
Widersprüchen wie durch Geisterhand in eine bessere Zukunft führt.
Was ist daher jetzt zu tun?
a) Den Widerstand gegen den westlichen Angriffskrieg stärken
Trotz der Beteuerungen ist die allgemeine Stimmung bislang nicht übermäßig
positiv für den Krieg. Vielen ist klar, dass die Gegenschläge von heute die
Selbstmordattentate von morgen sind. Viele sind schockiert, wie leichtfertig
von den Regierungen weiterhin Gefahren für uns selbst in Kauf genommen werden. Viele erinnern sich auch daran, dass alle Beweise des Westens für den jugoslawischen "Hufeisenplan" sich später als Propaganda-Lüge herausstellten;
oder dass die Bombardements 1998 im Sudan nachweislich zivile Ziele
zerstörten. Viele können sich jetzt nicht nur besser vorstellen, was es
bedeutet, in Israel zu leben, sondern sie fragen auch, ob das die richtige
Perspektive für die gesamte westliche Welt ist. Es gibt viele Zugänge zu der
richtigen Entscheidung, aktiv gegen den Krieg vorzugehen. Wir sollten sie
nicht auf den üblichen linken Nebenschauplätzen (Stichwort
Antiamerikanismus) zerreden.
b) Für eine Revision der weltweiten Interventionspolitik
Die heutige Situation ist wesentlich auch ein Ergebnis der Politik, die seit 1990 als Neue Weltordnung definiert und militärisch abgesichert wird. Auch die Bundeswehr hat in den Verteidigungspolitischen Richtlinien 1991 erklärt, es gehe nicht mehr um Landesverteidigung, sondern um die Sicherung "unseres" Zugriffs auf Rohstoffe und um die weltweite Verteidigung "unserer"
Interessen mit den Mitteln des Krieges. Der ökonomische und militärische
Neokolonialismus beinhaltet tödliche Risiken für uns selbst. Die Alternative
liegt in einer kooperativen Weltordnung, nicht in einer noch weiteren
Aufrüstung.
c) Für eine Anerkennung berechtigter Ansprüche
Eine internationalistische Gegenbewegung wird sich auch dazu durchringen
müssen, den arabischen Anspruch auf Selbstbestimmung und Souveränität, auf
Abzug westlichen Militärs und Ende der Interventionspolitik, anzuerkennen
und zu unterstützen, wenn dieser Anspruch nicht weiterhin von Fundamentalisten
und Terrororganisationen ausgebeutet werden soll. Der einzige Gegenanspruch,
mit dem dies verknüpft werden kann und muss, ist in diesem Fall die
Anerkennung des Existenzrechts und legitimer Sicherheitsbedürfnisse Israels.
d) Für eine kooperative Weltordnung von unten
Eine internationalistische Gegenbewegung hierzulande wird ferner den Dialog
mit oppositionellen und kritischen Gruppen in arabischen Ländern (und im
Exil) suchen müssen, auch in Israel und Palästina, um herauszufinden, was
darüber hinaus Umrisse einer kooperativen Politik sein können. Sie wird
diese Politik letztlich gegen den Widerstand der politischen Eliten des Westens durchsetzen müssen (so wie andere das in ihren Ländern tun müssen). Im
Moment ist von großer Bedeutung, kritische Stellungnahmen zur Logik des Krieges zu
übersetzen und zugänglich zu machen (Beispiel RAWA), sowie klarzumachen,
dass es unabhängige und kritische Gruppen und Bewegungen auch in arabischen
Ländern gibt, und was sie wollen. Es gilt ferner zu unterstreichen, dass
eine akzeptierte, offene Einwanderungsgesellschaft in politischer, religiöser und Herkunfts-Pluralität, die beste Chance ist, für eine Politik internationaler Kooperation verständnis- und handlungsfähig zu werden.
Auch ein Weg, wie er hier skizziert ist, enthält Risiken und Gefahren. Auch
er ist langfristig, schwierig, nicht unbedingt sofort erfolgreich. Aber es
ist der einzige, den man gehen kann, wenn einem das Leben (das eigene und
das Anderer) wichtiger ist als Herrschaft und Dominanz. Und es wird ihn niemand
gehen, wenn nicht wir.
New York und Washington um ein Vielfaches überschreiten. Der Krieg tötet nicht nur die, die von Bomben getroffen werden; er tötet auch die, die seit dem Truppenaufmarsch vor ihm zu fliehen versuchen und an Hunger und Kälte
sterben werden. Der Zynismus der Nahrungsmittelpakete, die mit Grüßen vom
amerikanischen Volk hinterhergeworfen werden, wird sie nicht retten.
2. Gegen die Mystifizierung der Anschläge
Die Anschläge vom 11.September sind keine Anschläge auf "die Zivilisation".
Es sind auch keine Proteste gegen Armut und Kapitalismus. Es sind Verbrechen,
politisch motivierte Anschläge, und Massaker als Teil einer machtpolitischen
Strategie. Wenn sie tatsächlich von radikal-islamistischen Terrororganisationen im Umkreis von El-Quaida und Bin Laden verübt sind, haben sie einen ziemlich konkreten Hintergrund. Zum einen sind es Racheakte für den erneuten Bündniswechsel des Westens in Afghanistan, nämlich von den
Taliban zur Nordallianz, an die in jüngster Zeit große Waffenlieferungen vorbereitet wurden und deren militärischer Führer, Massud, im April auf Einladung des Europa-Parlaments zu strategischen Gesprächen mit Solanas u.a. zusammentraf, bevor er zeitgleich mit den Anschlägen von einem Selbstmordkommando ermordet wurde. Zum anderen reihen sich die Anschläge in
eine Serie von Mordanschlägen seit 1993, die gegen Angehörige des US-Militärs, der US-Geheimdienste und anderer Einrichtungen in arabischen Ländern verübt wurden und die Ziele verfolgen sollen, die von Bin Laden und anderen Terror-Organisatoren immer wieder genannt wurden: Abzug amerikanischer Truppen aus allen arabischen Ländern; Ende des militärischen und ökonomischen Krieges gegen den Irak; Entzug der westlichen Unterstützung für "gefügige" Satelliten-Regime wie Saudi-Arabien.
Diese Ziele (nicht die Anschläge!) finden in der Bevölkerung der arabischen
Länder weite Zustimmung, und sie sind berechtigt. Das Problem ist, dass der
militärisch-ökonomische Komplex des islamistischen Terrors sich diese, an
sich schwer abweisbaren, Ziele zu eigen macht, um sein eigenes Süppchen
darauf zu kochen. Er behauptet, dass diese Ziele nur durch ihn zu erreichen
sind; dass sie nur mit seinen faschistischen Mitteln erreichbar sind; und
dass sie nur zusammen mit einigen anderen Zielen erreichbar sind, die man
ebenfalls als faschistisch bezeichnen muss: der Errichtung fundamentalistischer "Gottesstaaten" a la Taliban, der Vernichtung Israels, der totalen Allmacht der islamistischen religiösen und militärischen Führer.
Die Mystifizierung der Anschläge verdeckt, dass die westlichen Regierungen keine Antwort auf dieses Problem haben; ja dass sie es auch gar nicht lösen wollen, weil sie mit dem Terror auch alle legitimen arabischen Ansprüche bekämpfen möchten, die dem westlichen imperialen Anspruch zuwiderlaufen. Die Mystifizierung verdeckt, dass der sunnitische Fundamentalismus, Osama bin Laden und die Taliban vom Westen gezielt aufgebaut, finanziert und
aufgerüstet wurden, im Rahmen der größten CIA-Aktion seit dem Zweiten Weltkrieg; zunächst um die Sowjetunion zu bekämpfen, später um in Ungnade gefallene Protegés durch andere Kräfte zu ersetzen. Und sie verdeckt auch, dass der Westen andere Versuche in der arabischen Region, Souveränität und reale Selbstbestimmung zu erlangen, konsequent zerstört hat oder ausbluten ließ.
3. Die Politik des Westens: wie von Bin Laden bestellt
Was ist nun die aktuelle Politik des Westens gegenüber diesem Problem? Sie
wirkt, als hätten Bin Laden und die anderen Exponenten islamistischer
Terrororganisationen persönlich sie bestellt: Die USA stellen sich auf eine
mindestens 10jährige massive Truppenpräsenz ein, im Prinzip sollen amerikanische Truppen für immer auf dem Boden arabischer Länder stationiert bleiben. Der Westen stützt fragwürdigste Regime mit politischen,
ökonomischen und militärischen Geschenken, sofern sie nur an der Kriegs-Koalition
teilnehmen; Menschenrechte spielen dabei keine Rolle. Die Einbeziehung des
Irak als Ziel militärischer Operationen ist sehr wahrscheinlich, ein Ende des Embargo ist in weite Ferne gerückt. Mit der Aufrüstung der Nordallianz greift der Westen zum dritten Mal massiv in den afghanischen Bürgerkrieg ein, und er
wird auch die Nordallianz fallen lassen, sobald sie Kritik an der westlichen
Politik und an den westlichen Bomben übt. All dies ist Wasser auf die Mühlen
des Terrors.
4. Genua hoch zehn
Entzivilisierung und Entdemokratisierung schreiten dabei auch im Westen selbst voran. Nach dem Willen der US-Regierung sollen bei der totalen Operation "Terrorbekämpfung" alle Trennungen zwischen Militär, Polizei, Geheimdiensten und ökonomischer Politik aufgehoben werden. Der umfassende, totale Krieg gegen unbotmäßige Länder, der so zur realen Drohung wird,
benutzt die UNO nicht einmal mehr als Feigenblatt: keine internationale
Instanz wird die "Beweise" gegen Afghanistan auch nur zu Gesicht bekommen
haben, bevor die USA angreifen. Der proklamierte 10-Jahres-Plan, der
militärische, ökonomische und politische Interventionen umfassen soll und
damit den Charakter einer autoritären Weltinnenpolitik hat, wird im Kreis
von Kriegskabinetten verhandelt, eine Gruppe von vielleicht zwanzig Menschen
weltweit entscheidet über die Ausrichtung der Weltpolitik der nächsten 10
Jahre. Die bisherige Anmassung der G8-Treffen wird damit noch übertroffen.
Was hier vorbereitet wird, ist Genua hoch zehn. Dazu passt auch, dass
Notstandsgesetze nach innen vorbereitet werden, um Widerstand und Kritik
durch totalitäre Kontrolle und Zensur zu ersticken: die Abmahnungen von
LehrerInnen in Sachsen, die es wagten die US-Politik zu kritisieren, geben
einen ersten Vorgeschmack.
5. Die Dominanzkultur dreht durch
Der Westen hat durchaus ökonomische und geostrategische Interessen in
Afghanistan. Es geht um das Pipeline-Projekt von Baku zum arabischen Meer, es geht generell um die Sicherung des westlichen Zugriffs aufs Öl in der ganzen
Region; es geht beim "Kampf gegen den Terror" auch um die "Sicherheit"
weltweit agierenden Kapitals und seiner Repräsentanten und Angestellten.
Dennoch ist das ökonomische und militärstrategische Kalkül in bezug auf den
jetzigen Krieg widersprüchlich und keineswegs klar, und unter der Hand auch
umstritten.
Dagegen ist seit langem keine militärische Operation so stark von den
Bedürfnissen patriarchaler Dominanzkultur geprägt gewesen, und zwar auf
beiden Seiten: der phallische Charakter des Anschlagsziels vom 11.September
kommt nicht von ungefähr. Das Vorgehen der USA ist geprägt von der Panik vor
Kontrollverlust. Mehr als alles andere geht es um die Illusion, "das Heft
wieder in der Hand zu haben": "the conflict, begun on the timing and terms of
others, will end in a way, and at an hour, of our choosing" (Bush). Es geht um die Unvorstellbarkeit, selbst Opfer zu sein, die jetzt militärisch ausradiert werden soll. Die patriarchale Dominanzkultur der Gegenseite funktioniert anders; sie drückt sich aus in der Rechtfertigung der Massaker
als Gebot der Ehre, als Wiederherstellung gekränkter männlicher Identität, und in der wegwerfenden Geringschätzung des eigenen Lebens (ebenso wie des Lebens "zufällig Betroffener"). Es ist eine innerpatriarchale Konstellation,
die von klassischen Frontstellungen wie Kolonisator/Kolonisierter,
hegemoniale/marginalisierte Männlichkeit usw. durchzogen ist.
Das Drama ist, dass jedes rationale Interesse, das Leben eigener
Bevölkerungen zu schützen, Gefahren abzuwenden, und Verbrechen gegen andere
Bevölkerungen zu vermeiden, dabei vollständig unter die Räder kommt. Jede
weitere Runde von Terroranschlägen, Bombardements, neuen Terroranschlägen,
neuen Bombardements wird diesen Wahnsinn weiter nähren, der seine KritikerInnen als "Weicheier" beiseiteschiebt. An genau diesem Punkt hat Wickert Recht, dass die Logik auf beiden Seiten dieselbe ist. Und es ist auf beiden Seiten ein guter Job, Mullah zu sein - sprich, zu denen zu gehören, deren Position immer besser und deren Handlungsspielräume immer größer
werden, je weiter die Gewaltspirale sich dreht, und je mehr Opfer sie kostet.
6. Neue Weltordnung II: Schnäppchenmarkt für Zyniker
Im Zuge der "internationalen Koalition gegen den Terror" werden derzeit
Verhandlungen geführt, die weit über den Krieg gegen Afghanistan hinausgehen
und einige wesentliche Konkretisierungen und Veränderungen der nach 1989
proklamierten "Neuen Weltordnung" zum Gegenstand haben. Jenseits aller noch
halbwegs legitimierten internationalen Organe und ohne jede Beteiligung der
Bevölkerungen ist hier ein wilder Schnäppchenmarkt für Zyniker aller Couleur
entstanden. Die USA haben unverhohlen erklärt, die "new benchmark" (Powell),
d.h. der Maßstab für die Politik der USA gegenüber anderen Staaten, sei
ausschließlich deren Unterstützung für den US-Krieg gegen Afghanistan und
alle weiteren Maßnahmen in diesem Zusammenhang. Die Regierungen der Staaten,
die an der Koalition teilnehmen, möchten sich dies umgekehrt in verschiedenster Weise bezahlen lassen. Pakistan braucht Geld; Indien möchte Zustimmung für seine Kashmir-Politik; Russland will Freispruch für seinen eigenen Staatsterror in Tschetschenien; die Liste ist lang. Auch wenn sich in der Koalition eine gewisse imperiale Überspannung der USA ausdrückt und die Notwendigkeit, an der Illusion völlig unbeschränkter nationalstaatlicher
Handlungsfreiheit Korrekturen vorzunehmen, so ist von dieser Art Kuhhandel
zwischen Regimen nur eine weitere Verschärfung der menschenverachtenden und
autoritären Züge der aktuellen Weltordnung zu erwarten.
Auch die deutsche Regierung will in diesem Sommerschlußverkauf nicht zurückstehen. Im Gegenzug für bedingungslose Unterstützung der Militäroperationen der USA, soll wieder einmal eine deutsche "Normalisierung"
durchgesetzt werden: die vollständige, offene Rückkehr zur Großmachtspolitik,
die Möglichkeit selbst wieder kriegsführende Macht zu sein, die Stärkung
internationalen Einflusses (Sitz im Weltsicherheitsrat usw.). Das ist
gemeint, wenn Schröder die "Nachkriegszeit" für beendet erklären will.
All dies ist an Verantwortungslosigkeit kaum zu überbieten. Fremde Opfer
zählen ebenso wenig, wie Risiken für die eigene Bevölkerung; Fragen von
Rechtmäßigkeit und Sinn des derzeitigen Krieges geraten völlig in den
Hintergrund: der Afghanistan-Krieg wird zum Medium einer Neuaushandlung dessen, wer in einem zeitgemäßen Imperialismus welche Rolle spielen darf und kann.
7. Was tun?
In diesem Krieg gibt es keine Seite des Guten; und es gibt keine wünschenswerte Tendenz, die von den Anschlägen des 11.September hervorgerufen würde, auch nicht indirekt. Beides kann nicht überraschen. In den Diskussionen um einen neuen Internationalismus ist immer wieder betont worden, dass es nicht funktioniert, sich auf eine Seite des Guten schlagen
zu wollen, und dass es keinen inneren Automatismus gibt, der aus den
Widersprüchen wie durch Geisterhand in eine bessere Zukunft führt.
Was ist daher jetzt zu tun?
a) Den Widerstand gegen den westlichen Angriffskrieg stärken
Trotz der Beteuerungen ist die allgemeine Stimmung bislang nicht übermäßig
positiv für den Krieg. Vielen ist klar, dass die Gegenschläge von heute die
Selbstmordattentate von morgen sind. Viele sind schockiert, wie leichtfertig
von den Regierungen weiterhin Gefahren für uns selbst in Kauf genommen werden. Viele erinnern sich auch daran, dass alle Beweise des Westens für den jugoslawischen "Hufeisenplan" sich später als Propaganda-Lüge herausstellten;
oder dass die Bombardements 1998 im Sudan nachweislich zivile Ziele
zerstörten. Viele können sich jetzt nicht nur besser vorstellen, was es
bedeutet, in Israel zu leben, sondern sie fragen auch, ob das die richtige
Perspektive für die gesamte westliche Welt ist. Es gibt viele Zugänge zu der
richtigen Entscheidung, aktiv gegen den Krieg vorzugehen. Wir sollten sie
nicht auf den üblichen linken Nebenschauplätzen (Stichwort
Antiamerikanismus) zerreden.
b) Für eine Revision der weltweiten Interventionspolitik
Die heutige Situation ist wesentlich auch ein Ergebnis der Politik, die seit 1990 als Neue Weltordnung definiert und militärisch abgesichert wird. Auch die Bundeswehr hat in den Verteidigungspolitischen Richtlinien 1991 erklärt, es gehe nicht mehr um Landesverteidigung, sondern um die Sicherung "unseres" Zugriffs auf Rohstoffe und um die weltweite Verteidigung "unserer"
Interessen mit den Mitteln des Krieges. Der ökonomische und militärische
Neokolonialismus beinhaltet tödliche Risiken für uns selbst. Die Alternative
liegt in einer kooperativen Weltordnung, nicht in einer noch weiteren
Aufrüstung.
c) Für eine Anerkennung berechtigter Ansprüche
Eine internationalistische Gegenbewegung wird sich auch dazu durchringen
müssen, den arabischen Anspruch auf Selbstbestimmung und Souveränität, auf
Abzug westlichen Militärs und Ende der Interventionspolitik, anzuerkennen
und zu unterstützen, wenn dieser Anspruch nicht weiterhin von Fundamentalisten
und Terrororganisationen ausgebeutet werden soll. Der einzige Gegenanspruch,
mit dem dies verknüpft werden kann und muss, ist in diesem Fall die
Anerkennung des Existenzrechts und legitimer Sicherheitsbedürfnisse Israels.
d) Für eine kooperative Weltordnung von unten
Eine internationalistische Gegenbewegung hierzulande wird ferner den Dialog
mit oppositionellen und kritischen Gruppen in arabischen Ländern (und im
Exil) suchen müssen, auch in Israel und Palästina, um herauszufinden, was
darüber hinaus Umrisse einer kooperativen Politik sein können. Sie wird
diese Politik letztlich gegen den Widerstand der politischen Eliten des Westens durchsetzen müssen (so wie andere das in ihren Ländern tun müssen). Im
Moment ist von großer Bedeutung, kritische Stellungnahmen zur Logik des Krieges zu
übersetzen und zugänglich zu machen (Beispiel RAWA), sowie klarzumachen,
dass es unabhängige und kritische Gruppen und Bewegungen auch in arabischen
Ländern gibt, und was sie wollen. Es gilt ferner zu unterstreichen, dass
eine akzeptierte, offene Einwanderungsgesellschaft in politischer, religiöser und Herkunfts-Pluralität, die beste Chance ist, für eine Politik internationaler Kooperation verständnis- und handlungsfähig zu werden.
Auch ein Weg, wie er hier skizziert ist, enthält Risiken und Gefahren. Auch
er ist langfristig, schwierig, nicht unbedingt sofort erfolgreich. Aber es
ist der einzige, den man gehen kann, wenn einem das Leben (das eigene und
das Anderer) wichtiger ist als Herrschaft und Dominanz. Und es wird ihn niemand
gehen, wenn nicht wir.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
recht nett
soso, es gibt also einen "militärisch-ökonomische(n) Komplex des islamistischen Terrors" naja, man lernt nie aus. sorry, aber das sind interimsbegriffe vermengt mit populärzeug, das kann keiner ernst nehmen.
"...Exponenten islamistischer Terrororganisationen..." - ??? was soll das sein? ein exponent ist die basis einer potenz, aber auch wenn ihr ´exponat´ meint, find ich das irgendwie unpassend.
"Genua hoch zehn..." - also bitte leute bleibt auf dem teppich, das sind zusammenhänge wo keine zusammenhänge sind.
"...patriarchaler Dominanzkultur geprägt gewesen, und zwar auf beiden Seiten: der phallische Charakter..." das ist populismus leute, ihr wollt alle ins boot holen, auch wenn ihr dafür irgendwelchen blödsinn zusammenkonstruiert.
so, jetzt zum positiven:
"...Es geht um das Pipeline-Projekt von Baku zum arabischen Meer..."endlich endlich endlich spricht´s mal jemand aus!
"Schnäppchenmarkt für Zyniker..." herrlich leute, mehr solche metaphern!
die nachkriegszeit hat, zumindest in den letzten tagen, nur putin für beendet erklärt, oder?
"...die Anerkennung des Existenzrechts und legitimer Sicherheitsbedürfnisse Israels..." - yes, der lang versuchte spagat zwischen antisemitismus und hysterischem palästina-gekreisch ist geglückt! und nichts von beidem kann man diesem artikel unterstellen, egal was jezt nach mir gepostet wird.
auch die quintessenz des textes (und dieser famose abschluss!) gefällt mir. insgesamt kommt die analyse zu kurz und der kommentar überwiegt, der jedoch ist geistvoll und scharfsinnig. insofern besser als jede bislang erschienene taz-kolumne.
was tun?
c. spehr zeigt aber keinen realistischen loesungsansatz auf, sondern versucht einen netten, "vernuenftigen" und "voelkerfreundlichen" imperialismus zu stricken. wieder jemand, der aus auschwitz und 2 imperialistischen weltkriegen nichts gelernt hat. schade!
doch fragen wir mal nach: von welchem "selbst" geht c. spehr aus, wenn er vom "selbstbestimmungsrecht" der "araber" spricht? und gibt es auch bei ihm keine klassen mehr?
so sehr all die mehr oder weniger bewegten friedensfreund/innen auch sehnsuchtsvoll ihren frieden mit dem kapital machen wollen: leider - leider ist da nix zu machen: wer ja sagt zum kapitalismus, der bekommt auch seine kapitalverbrechen stets mitgeliefert.
das, worum sich die buergerliche linke immer noch gern drum herumdrueckt steht also immer noch auf der tagesordnung: die aufhebung der alten scheisse, wozu auch die einteilung der welt in nationalstaaten gehoert.
aus arabern und juden muessen menschen werden! aber fuer uns hier gilt: zuerst muss mal der deutsche aufgehoben werden, bevor er an seiner hundemarke erstickt und vor lauter winseln das argumentieren verlernt!
weder krieg noch frieden, sondern soziale revolution!
anmerkung
Nee, USA finde ich nicht so dolle aber die Ziele von Al-Aquida noch weniger, also: Nazis und Antisemiten raus...
der reihe nach
Araber und Juden sind Menschen. Sie wollen alle nach ihrer Fasson selig werden, auf ihrem eigenen Stück Land leben und eigentlich niemanden etwas böses tun. Dein Phrasen gehen völlig an der Sache vorbei. Deine kritik ist unpolitisch, weil sie nicht unterscheiden kann.
Und wenn du dich noch so anstrengst, die DEUTSCHEN , so wie du sie dir vorstellst und wie sie zu 80-90% hier vorkommen, werden sicher nicht in absehbarer Zeit das Argumentieren erlernen. Mit oder ohne Hund. Auf die Vernunft zu bauen ist ein frommer Wunsch.
Eine Lösung anzubieten, ist nicht unsere erste Aufgabe. Es ist die Aufgabe aller vernünftigen und politisch engagierten Menschen Widerstand gegen die Vorherrschaft des ökonomischen Denkens zu leisten. Diese Aufgabe ist bereits sehr schwierig. Jeder kann das effektiv nur an Ort und Stelle wo er/sie lebt. Daher ist deine Verachtung des Nationalstaates auch kontraproduktiv. Es hilft nur denen, die durch die Schwächung der Souveränität und des Selbstbestimmungs- rechtes der Staaten, die Regeln der WTO, des IWF und die Wahnvorstellungen der Herren Prodi, Monti, Solana, etc. mit aller Gewalt durchdrücken wollen.
anananas
@ mastermindchaos
c. spehr ? ... den kenn ich doch !
"Die Aliens sind unter uns!" - Cristoph Spehr
Lasst euch nicht von dem Titel täuschen...
der Untertitel lautet
"Herrschaft und Befreiung im demokratischen Zeitalter"
und trifft den Inhalt des Buches.
SEHR ZU EMPFEHLEN !!!
und ich bin Anspruchsvoll
rudi vergas einige nebensätze...
an die anmerker
zum anderen: der konkrete mensch hat die nationalitaet und religion negiert, im begriff des menschen ist darob der palaestinenser, araber, mohammedaner, der israeli und jude und erst recht der christ und deutsche aufgehoben. die identifikation mit dem abstraktem ist es gerade, was den menschen fesselt und ihn auf einer entfremdeten stufe haelt. lest dazu doch mal die fruehschriften von marx: die "pariser manuskripte", die judenfrage sowie die kritik am hegel´schen rechtssystem.
nieder mit der entfremdeten selbstbestimmtheit der nationalisten!
es lebe die konkrete selbstbestimmung des menschen!
Nieder mit der Politik!
Die Politik ist der Feind des Spontanen, des Begehrens und der sozialen Interaktion.
Werden wir radikal anti-politisch! Er-sie-obern wir das *soziale* Terrain zurück!
an peppi
klasse! du bist ein seltenes exemplar. du kannst ja nicht nur lesen, sondern sogar auch noch kritisch reflektieren und logisch schlussfolgern! und so etwas in indymedia deutschland!
wunderbar, wie du den demokratischen universal-homo oeconomicus mit seinen nationalchauvinistischen partial-interessen konfrontierst, der dann a posteriori - und das bringt der moderne postfaschismus mit sich - terror und kriege samt auschwitz nicht nur legitimiert, sondern auch seine grauenhafte massenvernichtung hinwegwalsert.
damit hast du den buergerlich-faschistischen charakterkern der volksbefreiungsfreunde und aufrechten demokraten wunderbar demaskiert. bitte schreibe mehr solcher brillianten kommentare, damit wir von dir lernen koennen!
karin
So so
In welcher Geschloßenen hat man Internetzugang?
wer nicht lesen kann sollte auch nicht mailen
dass das "selbstbestimmungsrecht des volkes" zu einem militanten beschneidungsrecht des anderen wird, zeigt doch wohl das nicht endenwollende gemetzel in jugoslawien auf. nach wie vor hat übrigens die UCK grossalbanien auf ihre selbstbestimmungs-fahnen geschrieben... und teile der deutschen bourgeoisie würden auch gern weltweit wieder selbst bestimmen wollen, wer volk und wer nicht-volk ist..., weshalb sie sich ja auch massiv in den "zivilisationskrieg" einmischen will. selbstbestimmung der nationen bzw. "des volkes" riecht verdammt nach heimatvertriebenenverbänden und HEILigen kriegen für ein abstraktes selbst... - womit wir aber nun genau sehen, daß der spehr-ansatz (wie auch der der PDS) keinen ausweg aus den hundezwingern bringt...
wer nicht lesen kann sollte auch nicht mailen
dass das "selbstbestimmungsrecht des volkes" zu einem militanten beschneidungsrecht des anderen wird, zeigt doch wohl das nicht endenwollende gemetzel in jugoslawien auf. nach wie vor hat übrigens die UCK grossalbanien auf ihre selbstbestimmungs-fahnen geschrieben... und teile der deutschen bourgeoisie würden auch gern weltweit wieder selbst bestimmen wollen, wer volk und wer nicht-volk ist..., weshalb sie sich ja auch massiv in den "zivilisationskrieg" einmischen will. selbstbestimmung der nationen bzw. "des volkes" riecht verdammt nach heimatvertriebenenverbänden und HEILigen kriegen für ein abstraktes selbst... - womit wir aber nun genau sehen, daß der spehr-ansatz (wie auch der der PDS) keinen ausweg aus den sich gegenseitig bekriegenden hundezwingern bringt...
wer nicht lesen kann sollte auch nicht mailen
dass das "selbstbestimmungsrecht des volkes" zu einem militanten beschneidungsrecht des anderen wird, zeigt doch wohl das nicht endenwollende gemetzel in jugoslawien auf. nach wie vor hat übrigens die UCK grossalbanien auf ihre selbstbestimmungs-fahnen geschrieben... und teile der deutschen bourgeoisie würden auch gern weltweit wieder selbst bestimmen wollen, wer volk und wer nicht-volk ist..., weshalb sie sich ja auch massiv in den "zivilisationskrieg" einmischen will. selbstbestimmung der nationen bzw. "des volkes" riecht verdammt nach heimatvertriebenenverbänden und HEILigen kriegen für ein abstraktes selbst... - womit wir aber nun genau sehen, daß der spehr-ansatz (wie auch der der PDS) keinen ausweg aus der welt der sich gegenseitig bekriegenden hundezwinger bringt...
Hallo ???
(Raum Hessen/Thüringen)
an buenoventura
> hey Karin, danke. du weisst alles, und verstehst alles. du hast die Welt im Ganzen begriffen,
nein. ich helfe Stephen W. Hawking gerade bei der suche nach der weltformel. diese forschung ist also noch nicht abgeschlossen.
>und das gibt dir das Recht andere zu kraenken, und zu bestimmen wer denken kann und wer nicht.
gehen wir mal chronologisch vor: wer fing denn mit den beleidigung an? war das nicht der weiSSkittel "muslimpapa", der peppi am liebsten ´ne spritze verpaSSen und die klappse auf die "geschloSSene" einweisen will?
>hoer mal zu, ich bin auch gegen Nationalismus. aber einfach anderen Menschen auf der ganzen Welt vorzuschreiben, was sie zu fuehlen und wie sie zu denken haben,
übertreibst du jetzt nicht etwas? meine äußerungen richteten sich interaktiv an die, die sich angesprochen fühlen
>weil du jetzt begriffen hast was geht
????was geht????
>(als Deutsche! mit deutscher Geschichte!)
woher nimmst du, daß ich deutsche(r) bin? kannst du mir mal das geheimnis deiner virtuellen ferndiagnose mitteilen?
>finde ich der Hammer.
wozu brauchst du einen hammer?
>ich finde es bezeichnend, dass du die Ursachen der Probleme in Palaestina und Yugoslavien hauptsaechlich auf der Seite der Schwaechsten siehst.
oups: noe. von "ursachen" haben wir noch nicht gesprochen. die liegen in der ursprünglichen akkumulation;-, die ihren ursprung bekanntlich in england hatte, n´est ce pas?
>ueberall sonst auf der Welt wollen Menschen, die die gleiche Sprache sprechen und die gleiche Kultur haben sich selbst bestimmen wollen.
ich wüßte nicht, daß ich die gleiche (unternehmens-)kultur wie Schrempp, Stiehl und Henkel habe und den gleichen kulturbeutel, wie Schröder, Scharping und Fischer benutze. wenn du von "selbstbestimmung" faselst: von welchem "selbst" gehst du eigentlich aus?
>das ist einfach so, und kein Staat hat das Recht ihnen das streitig zu machen.
hmm. da wo der bürgerliche staat existiert kann von wirklicher selbstbestimmung doch gar keine rede sein. höchstens von selbstexpropriation, oder? außerdem genieSSt der SStaat alle rechte, weshalb ihm die ERlauchte bourgeoisie auch das gewaltmonopol übertragen hat.
>Mensch kann den Nationalismus kritisieren. aber
damit seine Unterdrueckung auf einer Seite zu rechtfertigen ist beschissen.
ich sehe keine "rechtfertigung" meinerseits. ich lehne kapitalakkumulation, ware-geld-beziehung, klassen und nationalstaaten in jeder form ab, weil ich sein wesen und seinen inhalt schon negiere.
>es ist ja nicht so, dass die Serben und Israelis kein Nationalgefuehl haben.
was willst du damit(aus-drücken)?
>das heisst, der staerkere Uebervorteilt in dem Fall den Schwaecheren.
aber genau das ist doch das argument gegen jede spielart des nationalismus. angenommen, du hättest den vorsitz in einer schlagkräftigen UNO: wenn du im entfesselten imperialistischen konkurrenzkampf einer - von seinen produktiv- und destruktivkräften her starken nation - die mittel der "übervorteilung" nimmst, stärkst du damit wiederum die "andere seite", die dies dann benutzt, um seine vorteile wahrzunehmen. dem teufelskreis imperialistischer konkurrenz entkommen wir doch dadurch nicht, oder? und nimm mal das kräfteverhältnis im inneren jeder nation: der bürgerliche staatsapparat mit seinem repressions- und gewaltmonopol stärkt die bourgeoisie und schwächt das proletariat, wodurch die herrschende klasse uns tagtäglich "übervorteilen" und terrorisieren kann. langsam aber sicher müßte uns doch in diesem nationalstaatlichen kulturbeutel die luft ausgehen, oder? aber Ihr volksbefreiungsfreunde röchelt noch in eurem todesk(r)ampf: "es lebe die volksfront für die nationale selbstverstümmelung!"
und damit ist in aller deutlichkeit dargelegt, daß sich mein selbst in radikalem widerspruch zu jeder abstrakten identität, insbesondere der nation befindet. verkrümel dich dahin, wo du hingehörst: ins lager der nationalrevolutionäre und -sozialisten vom schlage henning eichbergs!
Schröders Taktik
Wohl wahr. Aber offensichtlich kommt er Gerhard Schröder sehr zustatten. "Der General", wie der "stern" ihn nennt, will unbedingt in der 1. Reihe Platz nehmen, und er geht dafür ebenso über Leichen wie seine Freunde Bush und Blair.
Teilweise hat der "führende Sozialdemokrat" sein Ziel ja schon erreicht. Wäre nur noch zu überlegen, ob er nicht intelligent genug ist, um seine wahre Rolle in dem grenzenlosen(!) Spiel zu erkennen, oder ob er kaltblütig genug ist, Deutschland um der persönlichen Machtgeilheit willen (die er mit Fischer und anderen gemeinsam hat) in immer neue Kriege hinein zu ziehen.
Aus der Geschichte nichts gelernt? So ist es! Wer heute "Terror" sagt, bekommt auf die Frage "Wollt Ihr den... Krieg?" die gleiche Antwort wie die (Ver-)Führer im 20. Jahrhundert. Die Menge folgt wieder nach - erfolgreich manipuliert von denkfaulen, egozentrischen Journalisten ohne Zivilcourage in den (Volks-)Sendern und Verlagen der Gegenwart.
Taliban-Regime
Deswegen sind die Taliban der Feind...nicht wegen dem 11.September, sondern wegen den Toten Afghanen, die unter den Taliban gefoltert und hingerichtet wurden...Ich finde da sollten die Pazifisten unter euch die augen nicht zudrücken, weil Bomben genauso unberechtigt sind wie das verbrecherische Taliban-Regime....
nachtrag
ich finde du siehst nur dir seite der USA.
richtig, USA ist auf eben diese ziele fixiert die du beschreibst, aber jetzt kommen wir/die EU !
WIR sind die naechste grossmacht und die gewachenen strukturen von demokratie und menschenrechte die EU ausmachen werden immer mehr einfluss in die internationale politik gewinnen. mit fischer und hoffentlich auch bald anderen korrekten koepfen in der EU werden wir zunehmend die konfliktloesung bestreiten. und wir haben eben NICHT den imperialistischen, machtpolitischen etc. ansatz.
die USA hat es mit dem anschlag schwer erwischt und eine andere reaktion war von den USA nicht zu erwarten, traurig aber wahr. aber so was wird es in 10 jahren nicht mehr geben, diese art des alleingangs der es im endeffekt doch war.
In bezug auf die beurteilung der USA bin ich ueberwiegend dakor (schreibweise?) aber ich finde du der westen ist nicht mit den USA gleichzusetzen, auch wenn sich jetzt alle hinter die USA stellen.
Akademische Lehre unter Beschuss
Kleines Gedicht von mir;.)
Doch meistenst nicht den Grund versteht
Den der Terror hegt und pflegt
Sie gelten als Supermacht
Doch bald ist Schicht im Schacht
Denn verschickt wird der Antrax
Von Osama per Fax
Tausende Soldaten
Werden verbraten
In einem Krieg
Ohne Aussicht auf Sieg
Doch sie werden fallen vom hohen Pferd
Denn es wird enden wie Goliath gegen den Zwerg
Wenn Osama bin Laden
Wirft mit seinen Granaden
Was soll der Scheiß
Denkt sich auch der Scheich
Und schickt seine Männer
Zum Napalm-Verbrenner
Bush wurde erschossen
Das haben wir genossen
Denn jetzt ist endlich schluss
Mit dem Anti-Terror-Beschluss