24 km Friedensmarsch
Perugia-Assisi, 24 km - ein Friedensmarsch so lang wie seine Route!
14.10.01
Günter Melle
Sah es im Vorfeld so aus, als würden die Mißstimmungen zur Programmatik des Friedensmarsches überwiegen und ein erfolgreiches Gelingen des traditionellen Friedensmarsches in Frage stellen, haben dennoch heute mehr als 200 000 Menschen bekundet, dass jetzt die Gelegenheit ist, ihren Unmut gegen den Krieg zu artikulieren.
Alle zwei Jahre findet dieser Friedensmarsch statt, dessen Initiator der italienische Philosoph und Antifaschist Aldo Capitini war. Der größte italienische Denker der Gewaltlosigkeit starb im Jahre 1968 und hinterließ eine beachtliche Sammlung an Schriften zum Thema Pazifismus. Sein Marsch wurde indess zu seinem Angedenken fortgesetzt. Vor zwei Jahren, wurde er angesichts der Bombenangriffe der NATO auf Exjugoslawien gleich zweimal organisiert. Doch heute erreichte er eine nie dagewesene Teilnehmerzahl in der Geschichte der Friedensbewegung Italiens. Als die Spitze des Zuges die Stadt Assisi erreichte, begannen im 24 km entfernten Perugia gerade die letzten Demonstranten loszuziehen.
Keine der Organisationen, die sich im Vorfeld noch um die politische Linie gestritten hatten, fehlte und von den katholischen Pfadfindern über Rifondazione Communista, Attac, Rete Lilliput, Ulivo u.v.m. schallten die Losungen nach Beendigung des Krieges in Afghanistan. Der Zug, dessen Spitze pünktlich um 9 Uhr in Perugia abmarschierte, erreichte die Stadtmauern von Assisi um 14 Uhr 30. Zu dieser Zeit war noch kein Ende abzusehen und zwei Stunden später hatte die Hälfte des Zuges noch nicht ihr Ziel erreicht - noch füllten 13 km Menschen mit ihren Friedenstransparenten die Verbindungsstraße zwischen beiden Städten. Der Marsch verlief friedlich wie es seiner Tradition entspricht, jedoch mussten die Parteispitzen der Demokratischen Linken (PDS) deutliche Manifestationen des Unmuts über sich ergehen lassen. Immer wieder bekamen sie zu hören: “ihr seid in den Reihen des zivilen Ungehorsams geblieben, doch habt ihr mit der Unterstützung des Krieges genau das Gegenteil gezeigt.”
Zu hören waren beispeilsweise die Losungen der Organisatoren des Friedensmarsches "Nahrung, Wasser, Arbeit für alle!" aber auch die von Attac "Gewalt ist die letzte Möglichkeit der Dummköpfe!" oder Rifondazione Comunista "Wir wollen Gerechtigkeit - nicht Rache! Krieg und Terrorismus sind Angelegenheiten der Reichen!" Dies sind nur einige von vielen inhaltlichen Äußerungen der Teilnehmer, doch wie Agnoletti vom Genua Social Forum betonte, zu 99% zweifellos gegen den Krieg gerichtet.
Mit Perugia-Assisi hat Italien heute nach Genua seine zweite große Massendemonstration erlebt, die die Stärke der Bewegung, trotz der rechten Berlusconi Regierung dokumentierte. Nun, da die moderate parlamentarische Linke selbst nicht mehr für die politischen Geschicke des Landes verantwortlich zeichnet, scheint der gesellschaftliche Unmut, auch durch die große Anhängerschaft der Demokratischen Linken auf der Straße, verstärkt seinen Ausdruck zu finden
14.10.01
Günter Melle
Sah es im Vorfeld so aus, als würden die Mißstimmungen zur Programmatik des Friedensmarsches überwiegen und ein erfolgreiches Gelingen des traditionellen Friedensmarsches in Frage stellen, haben dennoch heute mehr als 200 000 Menschen bekundet, dass jetzt die Gelegenheit ist, ihren Unmut gegen den Krieg zu artikulieren.
Alle zwei Jahre findet dieser Friedensmarsch statt, dessen Initiator der italienische Philosoph und Antifaschist Aldo Capitini war. Der größte italienische Denker der Gewaltlosigkeit starb im Jahre 1968 und hinterließ eine beachtliche Sammlung an Schriften zum Thema Pazifismus. Sein Marsch wurde indess zu seinem Angedenken fortgesetzt. Vor zwei Jahren, wurde er angesichts der Bombenangriffe der NATO auf Exjugoslawien gleich zweimal organisiert. Doch heute erreichte er eine nie dagewesene Teilnehmerzahl in der Geschichte der Friedensbewegung Italiens. Als die Spitze des Zuges die Stadt Assisi erreichte, begannen im 24 km entfernten Perugia gerade die letzten Demonstranten loszuziehen.
Keine der Organisationen, die sich im Vorfeld noch um die politische Linie gestritten hatten, fehlte und von den katholischen Pfadfindern über Rifondazione Communista, Attac, Rete Lilliput, Ulivo u.v.m. schallten die Losungen nach Beendigung des Krieges in Afghanistan. Der Zug, dessen Spitze pünktlich um 9 Uhr in Perugia abmarschierte, erreichte die Stadtmauern von Assisi um 14 Uhr 30. Zu dieser Zeit war noch kein Ende abzusehen und zwei Stunden später hatte die Hälfte des Zuges noch nicht ihr Ziel erreicht - noch füllten 13 km Menschen mit ihren Friedenstransparenten die Verbindungsstraße zwischen beiden Städten. Der Marsch verlief friedlich wie es seiner Tradition entspricht, jedoch mussten die Parteispitzen der Demokratischen Linken (PDS) deutliche Manifestationen des Unmuts über sich ergehen lassen. Immer wieder bekamen sie zu hören: “ihr seid in den Reihen des zivilen Ungehorsams geblieben, doch habt ihr mit der Unterstützung des Krieges genau das Gegenteil gezeigt.”
Zu hören waren beispeilsweise die Losungen der Organisatoren des Friedensmarsches "Nahrung, Wasser, Arbeit für alle!" aber auch die von Attac "Gewalt ist die letzte Möglichkeit der Dummköpfe!" oder Rifondazione Comunista "Wir wollen Gerechtigkeit - nicht Rache! Krieg und Terrorismus sind Angelegenheiten der Reichen!" Dies sind nur einige von vielen inhaltlichen Äußerungen der Teilnehmer, doch wie Agnoletti vom Genua Social Forum betonte, zu 99% zweifellos gegen den Krieg gerichtet.
Mit Perugia-Assisi hat Italien heute nach Genua seine zweite große Massendemonstration erlebt, die die Stärke der Bewegung, trotz der rechten Berlusconi Regierung dokumentierte. Nun, da die moderate parlamentarische Linke selbst nicht mehr für die politischen Geschicke des Landes verantwortlich zeichnet, scheint der gesellschaftliche Unmut, auch durch die große Anhängerschaft der Demokratischen Linken auf der Straße, verstärkt seinen Ausdruck zu finden
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Ergänzungen
megraphics
Italien mal wieder in vorderster Front
Dazu kommt, dass viele zu Hause geblieben sind, weil sie die Anwesenheit von DS-Funktionären auf der Demo angekotzt hat. Diese konnten zwar z.T. in den Medien, aber keinesfalls auf der Demo den Ton angeben. Vielmehr waren das die im "Volk von Genua" vereinten Organisationen. Und wie dort auch wieder sehr viele junge Leute, die zeigten, dass diese Bewegung lebt. - Das alles trotz der unsäglichen Hetze, die aus dem Regierungslager und Berlusconis Medienimperium kam: die sogenannten "Globalisierungsgegner" als Helfershelfer von Bin Laden.
Die Bewegung hat heute nochmals Punkte gesammelt, indem sie sich nicht von der Anwesenheit der Rutelli, D´Alema und Co zu Scharmützeln hat provozieren lassen. Die virtuellen Ohrfeigen, die der Sprecher der neopolitanischen "No global", Caruso, im Vorfeld der Demo den mitmarschierenden Kriegsbefürwortern von der "Linken" pressewirksam versprochen hatte, wurden nicht praktisch vollzogen; dafür saßen sie umso besser, und die Kritiker hatten die Lacher auf ihrer Seite.
Alles in allem kann sich die italienische (nicht nur)Friedensbewegung über einen sehr gelungenen Arbeitstag freuen.
Aber Ruhe wird nicht einkehren: für den 19. Oktober haben die UniCobas, Vereinigung von autonomen Basisgewerkschaften, zum Generalstreik aufgerufen. Gestern wurde ein landesweiter Schülerstreik für den 25. Oktober beschlossen. Es lohnt sich, ein Auge auf Italien zu behalten.
Danke
Wie ich dich beneide!
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