CNN, Indymedia und Gerüchte über jubelnde Palästinenser

Mr. Burns 22.09.2001 04:53 Themen: Indymedia
"Wag The Dog" hieß da mal so ein Film...
oder: CNN fälscht doch.
Sofort nach den Anschlägen in New York und Washington schien für die Medien -die Führung übernahm wieder einmal CNN- klar zu sein, daß dieses Verbrechen nur von einem Bösewicht verübt worden sein kann. Beweise: Keine. Später dann wurden Spuren gefunden, die so offensichtlich gelegt wurden, daß Zweifel angeraten sind. Nach dem ersten Schock schwenkten die Medien dann schnell in die von CNN vorgegebene Kriegsberichterstattung um: Im Stundentakt wurden Berichte wiederholt, in denen der ausgewählte Feind -DIE Moslems- in düstersten Farben gemalt wurde. Das Feindbild war so schnell so gut aufgebaut, daß bereits einen Tag später die ersten Vorfälle über pogromartige Überfälle auf Moscheen und Menschen, die für Moslems gehalten wurden, bekannt wurden. Einige Medien später ruderten zurück und erklärten, daß natürlich nicht alle Moslems Terroristen seien, sondern nur einige.
In dieser Situation wurde dann bei Indymedia ein Bericht von dem Studenten Marcio A. V. de Carvalho aus Brasilien am 12. September veröffentlicht, der sich sicher war, daß die von CNN weltweit verbreiteten Bilder über jubelnde Palästinenser (die unterstreichen sollten, wer der Feind ist) in wirklichkeit 10 Jahre alt sind und aus dem Golfkrig stammen. Diese Nachricht verbreitete sich rasend schnell. Meldungen wie diese: "Doch nun stellt sich heraus, dassdas Filmmaterial aus dem Jahre 1991 ist. Dies sind Bilder feiernder Palestinenser nach der Invasion der Amerikaner in Kuwait. Ein Lehrer von Brasilien hat Videoaufnahmen, welches der gleichen Bilder zeigt." gingen um die Welt.
Kurze Zeit später tauchten bei Indymedia allerdings die ersten Zweifel auf. So schrieb ein User der deutschen Seite zu den Aufnahmen: "Eine jubelnde Person trägt ein Handy am Hosenbund, Handys gab es 1991 noch nicht (erst recht nicht in diesen Regionen)" und auf der US-Seite wurde gepostet, daß auf den Bildern ein Auto mit Baujahr 1995 zu sehen war. Der Student aus Brasilien, der die Meldung anfangs verbreitete, dementierte diese etwas später wieder. Doch das Gerücht ging weiter um die Welt. Allein auf Indymedia.de wurde es noch 4 mal gepostet, aber von der Moderationsgruppe nicht auf die Startseite gehoben.
Ein Grund für die Hartnäckigkeit der Gerüchte dürfte sein, daß CNN spätestens seit dem Golfkrieg von Vielen als Fälschungssender der US-Regierung wahrgenommen wird. Das Gerücht wurde von höchster CNN-Stelle dementiert.
Die rechte Tageszeitung FAZ schrieb dann etwas von "Verschwörungstheorien" die umlaufen. Das Netzmagazin Telepolis schrieb dazu: "Für einen Beitrag in der gestrigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) war der Fall damit klar: CNN wurde Opfer einer Verschwörung von Globalisierungsgegnern, die durch gezielte Falschinformationen Zweifel am Nachrichtensender sähen wollten. Weshalb, so FAZ-Autor Michael Hanfeld, in den E-Mails auch der Hinweis nicht fehle, "dass die "Propagandamaschine" CNN nichts anderes zu tun habe, als Hass zwischen den Völkern zu schüren und die Welt auf einen Krieg vorzubereiten". Natürlich hätten die namentlich in dem Artikel nicht weiter benannten Globalisierungsgegner gar nicht erst bei CNN nachfragen müssen, um ihren Verdacht zu erhärten oder zu widerlegen. Für die FAZ ein klarer Fall von fehlender journalistischer Sorgfaltspflicht aufgrund ideologischer Scheuklappen.
Offenbar sind aber Recherchen aber auch für eine Zeitung wie die FAZ nicht mehr notwendig, wenn der Gegner erst einmal feststeht."

In einigen Zeitungen war dann auch über Indymedia und die Grenzen des Open Posting so einiges zu lesen:
In der Jungle World erschien ein für die Zeitung eigentlich untypischer Artikel, der über die Linke im Netz herzog. Neben den Auslassungen über Rechtschreibfehler bei Kommentaren hieß es über Indymedia:
"Man weiß dort aber immerhin mehr als alle westlichen Geheimdienste dieser Welt. Zumal für die Indy-User schon Stunden nach dem Attentat definitiv feststeht, dass die Bilder der feiernden Palästinenser gefälscht sind. Beweis: Das Posting eines Brasilianers in der englischsprachigen Sektion des Networks, der einen Lehrer kennt, der weiß, dass die Party der Palästinenser in Wirklichkeit im Jahr 1991 anlässlich der Besetzung Kuwaits aufgenommen wurde.
Das reicht, um sofort große Aufregung hervorzurufen. »Wo ist der englische Text zuerst veröffentlicht worden? Gibt es Beweise, wie das tape mit diesen Bildern? Das muß veröffentlicht werden. Geahnt haben wir sowas schon, aber Beweise und dann ab an alle Redaktionen«, fordert »Gina«, »eine Supernachricht!« freut sich ein Namenloser, »ab damit zu dpa«. »Ab damit zum Gericht«, jubelt User »Globus«, während andere schon die juristischen Voraussetzungen prüfen, aufgrund deren zweifellos schon bald die ersten Sendelizenzen eingezogen werden. Kurz darauf ist die schöne heiße Spur, die auf eine Weltfernsehverschwörung gegen die Palästinenser hinwies, jedoch deutlich erkaltet. Indymedia.org und watership.org scheinen sich gegenseitig als Quelle zitiert zu haben, nun wird es mangels Beweisen wieder einmal nichts mit dem Abschalten von CNN und Co. "

Die Taz war da mit ihrer Kritik etwas solidarischer: ".......Vor allem unabhängige Medienplattformen wie Indymedia (www.indymedia.org) und der Politiknewsletter Counter Punch (www.counterpunch.com), zu dessen Autoren der angesehene Linguist und Medientheoretiker Noam Chomsky gehört, hatten die Meldung zuerst ohne Überprüfung veröffentlicht ......... Doch die Meldung über die angeblich gefälschten Palästinenserfeiern zeigt nun erstmals die Grenzen von Plattformen wie Indymedia auf. Dadurch, dass jeder in den E-Mail-Foren Meldungen, ob wahr oder unwahr, verbreiten kann, wie es ihm beliebt, könnte die gewonnene Glaubwürdigkeit baldverloren gehen. Zumindest der Autor der "CNN-Falschmeldung" hat aus dem Vorfall bereits eine grundlegende Lehre gezogen: "Wenn alternative Medien glaubhaft sein wollen, müssen wir unsere Quellen überprüfen", schreibt er in seinem Dementi an Indymedia."

Telepolis verwies dagegen auf die "selbstheilenden" Kräfte eines Netzwerkes: "... Zumal gerade die dafür von der FAZ verantwortlich gemachten Globalisierungsgegner zu den ersten gehörten, die sich an eine fundierte Faktenprüfung machten. Im Weblog der Indymedia-Website erklärte am Sonntag ein gewisser Mackie, warum die Bilder nicht von 1991 stammen können: In dem Film sei ein Ford Transit einer Baureihe zu sehen, die erst seit 1995 hergestellt werde."

Hier könnte die Geschichte jetzt zu ende sein. Ist sie aber nicht.
Die Bilder scheinen tätsächlich gefälscht zu sein. Die FAZ hat sich scheinbar zu früh gefreut. Das war zumindest in einem Beitrag des TV-Magazins "Panorama" zu erfahren. Die Bilder selbst waren schon irgendwie echt. Nur eben inszeniert.
Eine Meldung eines anonymen Users, wurde von den Indymedia-Moderationsleuten nicht auf die Startseite gehoben, da der Text, der mit: "das magazin panorama (ard), brachte gestern den ungekürzten bericht der spontan sich zusammenfindenden jubelnden "menschenmenge" in palästina. in diesem ungekürzten bericht kam hervor, das die jubelnde frau mit kopftuch nach eigener angabe durch das versprechen kuchen für ihren jubel zu kriegen sich den bereits jubelnden kindern anschloss (sie sagte sie wäre bestürzt über die vorfälle in ny). sie ist im ungekürzten bericht für ca. 1 min zu sehen, dann dreht sie sich weg und geht weiter..... " beginnt, zunächst für ein weiteres Gerücht gehalten wurde, das überprüft werden musste.
Und tatsächlich, auch in der Online-Version des Spiegels vom 21.September ist zu lesen, daß diese Bilder gestellt sind: "Jetzt heißt es, ein Teil dieser Bilder sei möglicherweise gestellt, der Rest alt."
Etwas weiter unten heisst es dann:
"... "Die Frau mit dem Kopftuch hat später gesagt, sie habe in die Kamera gejubelt, weil man ihr Kuchen versprochen hat", so Krüger-Spitta. Die Palästinenserin habe erklärt, sie sei entsetzt gewesen, als sie sah, in welchem Kontext ihr Jubel gezeigt wurde. Sie verabscheue die Taten in New York und Washington. Was ist die Wahrheit?
Schon in der vergangenen Woche fegten aufgeregte Mails zu einem ähnlichen Fall rund um den Erdball. CNN habe zehn Jahre alte Bilder verwendet, um damit den angeblichen Jubel der Palästinenser zu belegen. Ein brasilianischer Student, Marcio, hatte am Mittwoch auf der Website von Indymedia, einer unabhängigen Medienplattform, einen Brief gepostet. Er schrieb, er habe Beweise dafür, dass die Bilder die am 11. September bei dem amerikanischen Nachrichtensender zu sehen waren, gefälscht seien. Das Filmmaterial stamme aus dem Jahr 1991 und zeige Freudenfeiern von palästinensischen Jugendlichen nach dem irakischen Einmarsch in Kuweit. Einer seiner Dozenten habe Videoaufzeichnungen von damals und sie mit den aktuellen Berichten verglichen. Fazit: Beide Bilder seien identisch. CNN mache Stimmung gegen die Palästinenser.
Nur zwei Tage später, am Freitag, ruderte Marcio zurück. Die Informationen seien nur eine Vermutung gewesen, der Hochschullehrer könne seinen Verdacht nicht beweisen. Doch da war es schon zu spät. Bis heute geistern Mails mit der Fehlinformation durch das Netz, bis heute erhalten viele Redaktionen, auch wir, immer wieder besorgte Hinweise von Lesern. CNN International hat den Vorwurf gegenüber SPIEGEL ONLINE heftig dementiert. Auch Reuters TV, die das Material an CNN geliefert haben, beeilten sich, die Vorwürfe zu entkräften. Sogar auf der Website von Indymedia selbst gab es Zweifel an dem Vorwurf. Ein Leser erklärte, die Bilder könnten gar nicht aus dem Jahr 1991 stammen, weil darauf ein Ford aus einer Baureihe von 1995 zu sehen sei."

Ob sich hier CNN noch einmal äußert oder die FAZ ihren Irrtum eingesteht? Vielleicht nach dem Krieg, aber jetzt muß die Propagandamaschinerie erst einmal rollen....

Hier ein Link zu Die USA, die Medien und der Krieg von Linkeseite.de
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Also da fällt mir doch ein...

Berliner 22.09.2001 - 05:10
Wer erinnert sich nicht an den "Skandal", als herauskam, daß verschieden Journalisten Geld an Nazis gezahlt haben, damit die mal so ordentlich was los machen.....

Vorschlag: Trennung von Fakten und Meinungen

Peter Mast 22.09.2001 - 06:59
Um solche Pannen wie die Palästinenser-Geschichte in Zukunft zu vermeiden (weil es der Glaubwürdigkeit schadet), sollte man bei Indymedia vielleicht dazu übergehen, Info- und Meinungsbeiträge redaktionell zu trennen.

Konkret also: das Angebot der Seite zu trennen in einen Teil, der nur reine Informationsbeiträge umfaßt, deren Fakten absolut abgesichert und belegt sein müssen und in einen Teil, in dem dann beliebige und freie Meinungsbeiträge (inklusive der beliebten Verschwörungstheorien und Spekulationen aller Art) ihren Platz finden.

Das schließt niemanden aus, aber erleichtert die Arbeit für alle, die an korrekten (und die herrschende Öffentlichkeit ggf. korrigierenden) Informationen interessiert sind. Fakes und Desinformation gibt es woanders genug, das muß nicht auch noch bei einer Seite wie Indymedia sein.

Fakten und Meinungen

benni 22.09.2001 - 09:42
Bitte Fakten und Meinungen nicht trennen. Meinungen sind immer auch Fakten und Fakten sind immer auch Meinungen.

Das ist im Grossen wie im Kleinen

Krümel 22.09.2001 - 10:46
Bloss in der Alltäglichen Berieselung fällt es schon gar nicht mehr auf, aber ich glaube, seit der Bejubelung des Grossen Helmut, und seiner Gravierenden Folgen, hat sich im Kleinen doch schon ein Klein Wenig geändert.

juchhu!

la chajm 22.09.2001 - 10:49
...und linker antisemitismus?ich tippe mal auf fakt.
noch ein paar worte zu dem jungle world artikel. ihr habt leider nicht den wirklich guten teil zitiert, jene abschnitte des textes, in denen indymedia und anarchie.de user darueber debattierten ob nun nicht auch zwei flugzeuge gereicht haetten, eine zwar eigentlich unfassbare reaktion, jedoch, und damit zurueck zum anfang, war genau dies bei der verfasstheit der linken deutschen zu befuerchten und zu erwarten gewesen. denn jubelnde linke deutsche waeren auf cnn zumindest fuer einige nette leute keine ueberraschung gewesen.

es gab...

bgd 22.09.2001 - 11:39
doch mittlerweile weitmehr als diese ersten bilder.
in palästina sind anti-amerikanische jubel-demos mit mehreren tausend teilnehmern abgelaufen, und auch in deutschland wurden bei fascho-aufmärschen schon amerikanische flaggen verbrannt.
mag sein das cnn etwas daran gedreht hat bei den ersten aunahmen, aber inhaltlich ändert es nichts.

Der Letzte Grosse Massenmord der Medien

Jef 22.09.2001 - 12:04
war die Grosse Medienhatz und Meinungsmache auf die Sogenannten Kampfhund, da konnt man Richtig die Zügel und die Peitsche der Progrom Politiker sehen, die sie den Medien angelegt hatten.

palästinenser und deutsche linke

dag 22.09.2001 - 14:12
Hallo, jetzt geht die "Diskussion" über diese Bilder schon wieder los...Nur mal eine Frage an die schlauen Aufklärer der großen Medienverschwörung: WORUM geht es eigentlich? Was wollt ihr mit den Meldungen über gefälschte Bilder beweisen? Daß es Antiamerikanismus unter PalästinenserInnen nicht gibt? Daß es dort keine islamischen Funmdamentalisten gibt, die nach jedem Selbstmordattentat in Israel eine Party schmeissen? Wenn sich wenigstens eine/r hier mal Mühe machen würde, die israelischen Medien zu checken, dann wäre euch vielleicht aufgefallen, daß in der Haaretz (israelische Tageszeitung) von mehreren Freudenfeiern in der westbank zu lesen war. Selbst wenn diese Bilder also gefälscht sind, heißt es noch lange nicht, daß es gar keine Freudenfeiern gegeben hat!
Wie wärs endlich mal mit einer Diskussionen über Antiamerikanismus und islamischen Fundamentalismus?

ein team der israelischen amee hat den film g

urgl 22.09.2001 - 14:37
laut jerusalem times war es die israelische armee, die den film gemacht hat:

Israel Stages Anti-US Demonstration (english)
by The Jerusalem Times
4:00am Sat Sep 22 ´01
This article, apparently from the Jerusalem Times, alleges sweets were given to the Palestinian Children to pose for the CNN film

Can anyone get hold of the paper referenced below, and send a scan to verify this?
QUOTE
This might prove interesting to analysts; it is drawn from the 14 September
issue of the Jerusalem Times which was delivered to my house and scanned
this morning. It is on the front page of Vol. VIII, no. 397:
Israel Stages Anti-US Demonstration
A team sent by the Israel Defense Ministry to film Palestinian children
rejoicing in East Jerusalem staged the event that was later circulated in
the US and around the world.
A member of the team approached the Juhaina Sweets Shop and gave the owner
200 shekels and asked him to distrïbute the sweets to the children,
according to the owner of the shop.
Veteran Israeli political analyst Meron Benvenisti, a former deputy mayor
of Jerusalem, noted in Ha´aretz (Thursday Sept. 13):
"A team from the Spokesman´s Office of the Israel Defense Forces was sent
to film the scenes of joy and candy being handed out in East Jerusalem `for
public relations purposes" Benvenisti wrote.
- TJT Staff

 http://www.indymedia.org/front.php3?article_id=66140&group=webcast

und heute dreht das ganze im kreis

urgl 22.09.2001 - 14:59
heute bezieht sich die jerusalem times dann auf die meldung aus brasilien - wie irre !



CNN misuse
of Palestinian reaction to attack on US
The scenes
of Palestinian street celebrations that CNN quickly broadcast as
celebrating the attack on the World Trade Center in the US are actually
old images of Palestinians celebrating the invasion of Kuwait in
1991.
A professor at the State University of Campinas, Brazil, has a video recording of those scenes from the 1991 Gulf War. He sent electronic
messages denouncing this fraud to CNN, and to Brazil´s biggest TV
network O´Globo, as well as to the daily press, according to Milka
Rindzinski of the Mennonite Center in Montivideo, Uruguay.
The professor denounced what he classified as ´a crime against public
opinion.´

Hallo dag es geht um die Prokution von

Jef 22.09.2001 - 15:00
von Feindbildern und die schaffung der Legitimitation der Kriegsverbrechen, durch Medienmanipulation, nach dem Vorbild Verflossener Diktatoren.

"Palästina" fälscht und verhaftet !

Karl 22.09.2001 - 16:40
Wenn ihr den Jungle World Artikel "Einsamer Verbündeter" gelesen hättet(müßte auch im Netz stehen), hätte sich die ganze Dikussion schon erledigt. Darin wird berichtet das ein norwegischer Journalist der Aufnahmen von Jubelfeiern machte von der palistinensischen Autonomiebehörde verhaftet und sein Filmmaterial beschagnaht wurde, außerdem wurden andere Teams daran gehindert diese zu Filmen. Und überhaupt warum sollen in "Palästina" keine Freudenfeste stattfinden (?)die finden schließlich nach Selbstmordanschlägen auf israelische Zivilisten auch immer statt.

2 bemerkungen

Pete 22.09.2001 - 16:52
1.) Indymedia.de funktioniert etwas anders, als die anderen Indys: Postings erscheinen zunächst auf der OpenPosting-Seite. Wenn es sehr großer Unsinn ist, kommt der nicht auf die Startseite.
2.)Zu den Antisemitismusvorwürfen der Antideutsch-Sekte ist wohl schon genug gesagt worden. Für die ist jeder, der anders denkt oder etwa die Frechheit besitzt, den Standpunkt israelische Linker zu vertreten, ein böser Antisemit. dabei ist Antideutsch/Bahamsa selbst zur rassistischen und faschistoiden sekte mutiert!

Buenaventura 22.09.2001 - 17:26
hallo. mal wieder zum Antiamerikanismus und islamischem Fundamentalismus. das gibts. ok. es gibt auch jede Menge Arschloecher unter den Palaestinensern. ausserdem sind viele schlecht gebildet und wahnsinnig wuetend, was bekanntlich nicht sehr gut fuer eine humanistische, nuechterne Haltung ist. aber. bekanntlich gibt es auch juedische Fundamentalisten, die sich mit islamischen ueberhaupt nix schenken, und die sitzen dort in der Regierung. Massenhaft! und in den Siedlungen. Massenhaft. und verhalten sich wie Riesenarschloecher. und sitzen am laengeren Hebel. Der Unterschied ist, die Israelis sind staerker, und sind es schon lange. d.h. es gibt hier jede Menge strukturelle Gewalt und Unterdrueckung. und das heisst, wir muessen nicht solidarisch mit Palaestinensern sein, weil sie eine superkorrekte libertaer sozialistische Bewegung sind, sondern weil sie die Arschkarte gezogen haben, weil sie eben Palaestinenser sind. Gegen Rassismus, Antisemitismus und schlicht Dummheit. und warscheinlich wird mir jetzt wieder antisemitismus vorgeworfen, ohne inhaltlich zu diskutieren.

Es geht ja nicht nur um Diese

Jef 22.09.2001 - 18:17
es geht um Medienmanipulation deren Sinn und Zweck überhaupt, Wer macht Was Warum.

Ihr seid alle böse...

RedAlert 22.09.2001 - 19:26
Es geht mir nicht darum wer die Guten und die Bösen sind oder ob Palestinenser jubeln oder nicht.
Aber hier wurde evt. eine Hetztkampagne gegen Palestinenser mit gefälschten Bildern gestartet.
Wenn es eine Kampagne gegen Amis wäre würde ich mich auch drüber ärgern. Ist mir egal gegen wen das geht, mich kotzt an, dass es anscheinend überhaupt passiert (wenn sich in diesem Fall da wohl auch niemand so sicher sein kann).

Aufmerksamkeit

leona 22.09.2001 - 21:33
Es ist allgemein bekannt, dass alte Bilder mit neuen Nachrichten belegt werden. Das hat mit der Struktur der Medien zu tun. Es liegt ein großer Konkurrenzdruck auf den einzelnen Medien - gute Recherche und schnelle Bilder sind teuer. Aber auch Indymedia wird aufgrund seiner Struktur nie vor solchen Falschmeldungen sicher sein. D. h. jeder sollte IMMER aufmerksam und vorsichtig mit Meldungen umgehen. Ob die Bilder nun echt waren oder nicht, irgendwo gab es bestimmt Menschen die gefeiert haben. Aber, dass diese Bilder überhaupt und in dieser Häufigkeit gezeigt wurden hatte seinen Sinn.

Die Bilder sind echt, aber was zeigen sie?

evil.one 22.09.2001 - 22:00
Würde es eure Analyse ändern, wenn tatsächlich zwei, drei Dutzend Leute in Palästina gefeiert hätten? Ist es nicht eigentlich viel krasser, daß anhand solcher Bilder der Eindruck vermittelt wurde, daß ein Großteil der Pälestinenser die Anschläge abfeiern würde. Das ist mir schon in der Nacht aufgefallen, immer wieder die Bilder der brennenden und zusammenstürzende Türme des WTC und die Bilder *der feiernden Pälestinenser* im Wechsel, obwohl ja nicht wirklich viele zu sehen waren und so viel Feier war da nicht.
Aber für die Nachbetrachtung hier vielleicht nochmal der Grundgedanke: Manipulierende Medien brauchen keine Bilder fälschen, es reicht den passenden Ausschnitt zu wählen. Naja lest einfach den Artikel bei electronicintifada der sagt eigentlich alles.

Kein Beweis und trtozdem erschreckend....

Rosebutt 23.09.2001 - 12:05
Morgän!
Habe von einem Freund diese Email bekommen und dachte mir das ich sie wohl an eine breitere Öffentlichkeit bringen sollte.
Lest sie Euch mal durch und überlegt selbst was ihr davon haltet.

Die Mail geht gerade herum, und bezieht sich auf die CNN-Bilder der jubelnden Palästinenser nach dem Anschlag vom 11.9.

Absender dieser Nachricht ist Professor Wolfgang Jocher aus Linz.

"Liebe Freunde und Geschäftspartner,
CNN hat die Palästinenser in den Nachrichten gezeigt,
die nach dem Terrorakt in Amerika auf den Strassen gefeiert haben.
Viele von uns waren empoert, ich mit eingeschlossen.
Doch nun stellt sich heraus, dass das Filmmaterial aus dem Jahre
1991 ist. Dies sind Bilder feiernder Palästinenser nach der
Invasion der Amerikaner in Kuwait.
Ein Lehrer aus Brasilien hat Videoaufnahmen, welche dieselben
Bilder zeigen.
Ich bitte euch allen Leuten, die ihr kennt, diese Mail weiterzuleiten,
damit die Welt erfahren kann, wieviel Dreck hinter den Medien
versteckt ist.
Freundliche Grüße in tiefer Betroffenheit
Wolfgang Jocher"

Der ursprüngliche Absender dieser Mail ist Dr. Oeller aus
St. Gallen (Schweiz), der Prof. Jocher als "bedachter und seriöser
Mensch"
seit Jahren bekannt ist.
Auch wir sind nicht in der Lage, den wahrheitsgehalt dieser nachricht
nachzuprüfen. Jedoch sollte uns die verlogene Berichterstattung
in vielen Medien von den "Feldzügen" gegen Irak und Jugoslawien
noch gut in Erinnerung geblieben sein....

Seltsam, oder? In meinen Augen ist dies eine realistische Möglichkeit, ohne das ich natürlich handfeste Beweise dafür habe ...

die leidige diskussion....

dag 24.09.2001 - 18:02
um Israel und Palästina geht immer weiter, wobei sich alle Beteiligten mal wieder nur Phrasen um die Ohren werfen und einander nicht zuhören. Nachwievor dient dieses Thema wohl nur noch dazu, sich innerhalb der Linken zu streiten und wild herumzuprojizieren. Also gut, nur noch ein paar Anmerkungen:Jef, ich hab keine Ahnung was du mir sagen willst, vielleicht will ich es lieber gar nicht wissen...Kriegshetze, Medienmanipulation,das geht in diesem Kontext schon wieder in eine ganz üble Richtung.Dennoch möchte ich dich nochmal kurz darauf hinweisen, daß weder alle europäischen Staaten noch Amerika völlige Israelsolidarität an den Tag legen. Vielmehr scheint sich gerade während der Intifada in einigen europäischen Staaten die Wahrnehmnung zugunsten der PalästinenserInnen verschoben zu haben.Zu "Buenaventura": Ich darf dich mal gerade zitieren, ja? Es heißt da so schön in deinem Beitrag: "...es gibt auch jede Menge Arschlöcher unter den Palästinensern, ausserdem sind viele schlecht gebildet und wahnsinnig wütend...". Aha. Das weiß ich auch. Läßt sich jetzt so eine politische Ideologie erklären? Läßt sich der Zuwachs des islamischen Fundamentalismus innerhalb der palästinensischen Gesellschaft etwa damit abtun, daß diese Menschen schlecht gebildet und "Arschlöcher" sind? Darum geht es doch gar nicht.Sicherlich trägt die israelische Politik der Liquidationen usw. nicht zur Verminderung dieser Bewegung bei.Auch mögen die Lebensbedingungen den ein oder anderen zur Unterstützung dieser bringen. Dennoch handelt es sich hier um eine Bewegung mit einer handfesten Ideologie.Es gehört schon einiges dazu, sich freiwillig in die Luft zu sprengen und zahlreiche ZivilistInnen mit sich in den Tot zu nehmen.Abgesehen von dem dahinter stehenden Antisemitismus stellt die Vorstellung, ein vermeintlich politische Ziel durch einen solchen Selbst/Massenmord zu erreichen, alles andere als eine emanzipatorische Handlung dar. Naja, immerhin wird ein solcher Mord ja mit dem Versprechen von 70 Jungfrauen belohnt und der Märtyrerehre, tolle Ideologie, nicht wahr.Zur schlechten Bildung: Wer ist denn dafür bitte schön verantwortlich, etwa Israel??
Nun noch ein Satz zu den "jüdischen Fundamentalisten", bevor ich zuviel schreibe... Es steht ausser Frage, daß es auch diese gibt, aber wenn du die Politik der jetzigen Regierung mitverfolgst, dürfte dir aufgefallen sein, daß genau diese Sharon auf tiefste kritisieren, ginge es nach ihnen, würde die ganze Westbank weggebombt. Die radikale Kach-organisation wurde ausserdem in Israel verboten. Davon kann auf palästinensischer Seite kaum die Rede sein!

Buenaventura 24.09.2001 - 18:24
ich wuenschte, du wuerdest erst mal genau lesen, was ich schreibe. der Punkt ist, dass auf beiden Seiten Menschen stehen, von denen niemand besser oder schlechter ist als der andere. was du sagst ist, ja, wir wissen das es auf beiden Seiten Arschloecher gibt, dann zaehlst du auf, was fuer Arschloecher auf der einen Seite stehn. Strukturelle Gewalt ist nicht ok. und das muss aufhoeren. die Politik Israels ist ungerecht, das muss aufhoeren. und schau dir mal an, wie Palaestina aussieht, und dann sag mir, wie hier eine gescheite Infrastruktur entstehen kann. klar sind die arm wegen der Israelis. was ist denn deine Schlussfolgerung? weil sie halt faule Araber sind? lies wirklich erst mal durch, was ich geschrieben habe. klar ist die Hamas Scheisse, und zum kotzen das so viele die gut finden. aber es gibt Gruende fuer alles. und es ist und bleibt ein Fakt, dass die Palies die absolut schwaecheren sind, und die Israelis das ausnutzen.

Pressefreiheit versus Meinungsmanipulation

se_plick 26.09.2001 - 19:03
Nun wissen wir also dank CNN, F.A.Z. und allen, die es schon immer gewusst haben, dass die am 11.09. gezeigten Aufnahmen der jubelnden Palaestinenser nicht von 1991, sondern tatsaechlich vom Tag des Geschehens waren, auch wenn sie laut Recherchen von "Panorama", SPIEGEL etc. vermutlich nachgestellt waren. Es heisst sogar, sie haetten um der Objektivitaet Willen nachgestellt werden muessen, da die palaestinensische Autonomiebehoerde authentische Aufnahmen vergleichbarer Szenen verboten habe.

Diese These verdient eingehender Betrachtung. Grundsaetzlich ist natuerlich ein derartiges Verbot der Berichterstattung, wenn es denn in dieser Form stattgefunden hat, als Zensur entschieden zu brandmarken. Andererseits ist aber auch die Verantwortung der Medien fuer die Wirkung ihrer naturgemaess selektiven Ausschnitte aus der Wirklichkeit und ihr oftmals gedankenloser bzw. gezielt propagandistischer Einsatz dieser Macht zu thematisieren. Da muss man sich doch leider fragen, wozu denn die "authentischen" Bilder von jubelnden Palaestinensern verwandt worden waeren? Sicherlich genau so wie die vermutlich nachgestellten Aufnahmen: videoclipmaessig immer wieder zwischen die Bilder der in das WTC einstuerzenden Flugzeuge montiert, um in den Betrachtern gezielt bestimmte Assoziationen auszuloesen! Ist es da nicht nachvollziehbar, dass ein offensichtlich bestuerzter Jassir Arafat und mit ihm die gesamte palaestinensische Autonomiebehoerde kein Interesse an derartigen Bildern hat. Man stelle sich nur vor, Deutschland wuerde in den Augen der USA zu den ueblichen Verdaechtigten gehoeren, und amerikanische Kamerateams wuerden US-Flaggen verbrennende Nazis filmen wollen und das dann als *die* Reaktion *der* Deutschen auf die Terroranschlaege in alle Welt verkaufen -- wer haette Zweifel daran, dass nicht auch die freiheitsliebenden (?) deutschen Behoerden "aus nationalen Interessen" alles dafuer tun wuerden, dass solche Bilder nicht erscheinen? (Immerhin ist es ja auch gelungen, eine beachtliche, aber letztlich "harmlose" Demonstration von 10.000 Kriegsgegnern am 22.09. in Berlin entweder vollstaendig aus der "Berichterstattung" herauszuhalten, oder sie derartig mit den Bildern US-Flaggen verbrennender Nazis zu verquicken, dass die klare, humanistische Botschaft "Keine Vergeltung! Kein Krieg!" geradezu in ihr Gegenteil verkehrt wurde...)

Was folgt aus diesen Ueberlegungen?
Wie man es auch dreht und wendet, es bestaetigt sich das Sprichwort von der Wahrheit als dem erstem Opfer aller Kriege. Dagegen die Pressefreiheit zu verteidigen, heisst nicht nur, von aussen auferlegte Beschraenkungen in der Berichterstattung zurueckzuweisen, sondern auch, der gezielten Meinungsmanipulation --insbesondere durch die monopolistischen Massenmedien-- entgegenzuwirken.

B. Heinz 27.09.2001 - 18:07
Bravo!