Zu den angeblich gefälschten CNN-Bildern

silversurfer 18.09.2001 17:59
Wie es aussieht waren die Bilder der feiernden Palästinenser doch echt. Doch das ist eigentlich auch gar nicht der Punkt. Die Frage ist, ob 15 feiernde Menschen repräsentativ sind. Die hätten bestimmt auch in Deutschland vor die Kamera bekommen werden können.
Der Text ist aus Telepolis, also wohl nichts für die Startseite.
Gerüchte und Verschwörungen

Janko Röttgers 18.09.2001
Angeblich gefälschte CNN-Bilder jubelnder Palästinenser sorgen für Aufruhr






Stunden nach dem Attentat auf das World Trade Center gingen die Bilder jubelnder Palästinenser um die Welt. Doch schon bald machte sich das Gerücht breit, CNN habe für diesen Beitrag Filmmaterial von 1991 verwendet. Für die FAZ ein klarer Fall von Verschwörung.

Einen Tag nach dem Attentat tauchte eine erregte Nachricht im Weblog der Indymedia-Website auf. Darin erklärte ein brasilianischer Student voller Empörung, die Berichterstattung nach dem Attentat sei ein typisches Beispiel für unsere Abhängigkeit von großen Medienkonglomeraten wie CNN. Weltweit würden Sender ihre Bilder übernehmen, ohne sie auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Dabei seien sie in diesem Fall eindeutig gefälscht gewesen:



"Diese Bilder wurden 1991 aufgenommen!!! Diese Bilder zeigen Palästinenser, die den Überfall auf Kuwait feiern!"




Das Gerücht verbreitete sich rasend schnell um den Erdball, fand sich bereits nach Stunden auf zahllosen Mailinglisten wieder. Doch bald tauchten Zweifel auf, ob CNN hier wirklich auf Archivbilder zugegriffen hatte. Vom Sender selbst folgen hochrangige Dementis. So erklärte Chief News Executive Tom Jordan auf der Mediennews-Website Poynter.org, das Gerücht sei "grundlos und lächerlich". Der Beitrag sei vielmehr von einem Reuters-Team am Tag des Attentats in Ost-Jerusalem aufgenommen worden. Ein Beweis dafür sei auch, dass einer der Palästinenser Osamar bin Laden lobe, und der sei schließlich gar nicht am Golfkrieg beteiligt gewesen. Auch Reuters und CNN Deutschland dementierten.


FAZ: "Die erste Verschwörung geht um"


Tatsächlich gibt es keine Gründe, den offiziellen Dementis nicht zu trauen. Für einen Beitrag in der gestrigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) war der Fall damit klar: CNN wurde Opfer einer Verschwörung von Globalisierungsgegnern, die durch gezielte Falschinformationen Zweifel am Nachrichtensender sähen wollten. Weshalb, so FAZ-Autor Michael Hanfeld, in den E-Mails auch der Hinweis nicht fehle, "dass die "Propagandamaschine" CNN nichts anderes zu tun habe, als Hass zwischen den Völkern zu schüren und die Welt auf einen Krieg vorzubereiten". Natürlich hätten die namentlich in dem Artikel nicht weiter benannten Globalisierungsgegner gar nicht erst bei CNN nachfragen müssen, um ihren Verdacht zu erhärten oder zu widerlegen. Für die FAZ ein klarer Fall von fehlender journalistischer Sorgfaltspflicht aufgrund ideologischer Scheuklappen.

Offenbar sind aber Recherchen aber auch für eine Zeitung wie die FAZ nicht mehr notwendig, wenn der Gegner erst einmal feststeht. Wer dem Gerücht einmal bis zum Ursprung folgt, landet früher oder später bei einem brasilianischen Studenten namens Marcio A. V. de Carvalho, der sich mittlerweile geläutert gibt. Am Tag des Attentats hatte eine Professorin in einem seiner Seminare erklärt, sie habe die Bilder bereits 1991 im Fernsehen gesehen und besitze dafür auch Beweise auf Video. Erhitzt von den Geschehnissen des Tages und der Tragweite der Vorwürfe veröffentlichte er diese im Netz und versprach, die Beweise in Form der Videoaufnahmen so bald wie möglich nachzuliefern. Als er seine Professorin jedoch darauf ansprach, erklärte diese plötzlich, keine derartigen Aufnahmen zu besitzen. Carvalho erklärte dazu bereits am Freitag letzter Woche:



"Ich entschuldige mich aufrichtig für diese ungeprüften Informationen, leider kann ich sie nicht belegen."





Fälschungen, Verschwörungen und der Wahrheitsgehalt der Bilder


Viel Aufregung um nichts, könnte man meinen. Interessant ist allerdings, warum das Gerücht so schnell auf fruchtbaren Boden fiel und sich im Netz in Windeseile verbreitete. Einerseits hat dies sicher mit den Strukturen der Aufmerksamkeitserzeugung und -verstärkung zu tun, die im Netz schon mal weitaus harmlosere Nichtigkeiten weltbekannt und Seltsamkeiten zum Kult werden lassen. Wie sonst ist zu erklären, dass die weltweit berühmteste aller Webcams nichts anderes zeigte als eine billige Kaffemaschine? Andererseits hat die Ausnahmesituation direkt nach den Attentaten sicher zur schnellen Verbreitung des Gerüchts beigetragen.

Vielleicht lohnt es sich aber auch, noch einmal einen Blick auf die fraglichen Bilder zu werfen. Die Kamera zeigt auf einen Cafe-Eingang, in dem sich ein paar Leute aufhalten. Ein Auto wird gezeigt, dann eine Frau und ein paar Kinder vor dem Cafe. Die Kamera schwenkt zurück auf den Cafe-Eingang, dann wieder auf das Auto. Insgesamt treten nicht viel mehr als 15 Personen auf, auch wenn die Kameraführung auf den ersten Blick eine größere Gruppe suggeriert. Dass die Aufnahmen dieser 15 Personen stellvertretend für "die feiernden Palästinenser" um die Welt ging, hat vielerorts Verwunderung hervorgerufen. So erklärte auch der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes Siegfried Weischenberg gegenüber der Netzeitung, man habe diese Bilder nicht immer wieder zeigen dürfen, ohne sie richtig einzuordnen. Weischenberg wörtlich:


"Mit solchen Szenen werden Vorurteile gestützt."


Das große Echo auf das Fälschungsgerücht entsprang wohl nicht zuletzt einem allgemeinen Unbehagen im Umgang mit diesem Bildern. Einer Verschwörung bedurfte es dafür nicht. Zumal gerade die dafür von der FAZ verantwortlich gemachten Globalisierungsgegner zu den ersten gehörten, die sich an eine fundierte Faktenprüfung machten. Im Weblog der Indymedia-Website erklärte am Sonntag ein gewisser Mackie, warum die Bilder nicht von 1991 stammen können: In dem Film sei ein Ford Transit einer Baureihe zu sehen, die erst seit 1995 hergestellt werde.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

endlich...

einer 18.09.2001 - 18:04
Genau! Auch zu Genua wurde ja so berichtet. Es wurden einfach bestimmte Dinge weggelassen oder nur kleine Ausschnitte gezeigt. Das ist wesentlich geschickter, als einfach platt zu lügen. Es würde schön sein, wenn hier auf der Seite nicht so schnell für Verschwörungstheorien Platz gemacht würde. Etwas nachdenken kann nie schaden....

Leider glaubt man gerne Gerüchte

Informer 19.09.2001 - 18:18
Es wäre gut, wenn sich die Kritiker ein Globalisierung nicht auf die gleiche Stufe stellen würden. Es ist schon peinlich einer solchen nicht belegbaren Theorie nachzulaufen. Erst Beweise, dann die öffentliche Meldung. Ansonsten macht der Gerüchteverbreiter nichts anderes als ganz billige Propaganda in Form von Desinformation.
peinlich

na ja...

Prof. Rhino 20.09.2001 - 13:42
"Die hätten bestimmt auch in Deutschland vor die Kamera bekommen werden können."

Z.B. in der autonomen Szene?

LOL

f

f 20.09.2001 - 15:52
Darum geht es nicht? Doch genau darum geht es. Indymedia, so es jemals eine Glaubwürdigkeit besessen hat, hat diese verloren. Dass jetzt behauptet wird, es gebe nur wenige jubelnde Palästinenser, spricht von einer tiefgreifenden Unkenntnis der Lage und ist nur noch peinlicher. Armes Männlein, dass du so etwas schreiben musst. Geh lernen!

Fälschung ?

leo leodolter 20.09.2001 - 17:10
Hab gerade ein mail von einem Freund aus Bosnien
bekommen der dieses Gerücht hinterfragt.
Ich pers. halte CNN für das Lügenmaul der Sender schlechthin- und die Perversion -diese Bilder sofort zu senden und damit neuen Hass und Vorurteile zu bilden-
ist bad taste schlechthin-
einer Fälschung bedurfte es dazu wahrscheinlich wirklich nicht- selbst in Bosnien zeigen die Menschen auch unverhohlen ihre Genugtuung- und wen wundert es-dass dies so ist- bei der Blutspur die Amerika schon hinter sich hat
ist es in Vietnam-Japan+ den Armenhäusern der Welt wohl ähnlich

Glaubwürdigkeit und so

Hannes 20.09.2001 - 19:08


Was Indymedia lehrt: Geht kritisch mit Informationen um. Kein Medium fälscht so, wie die TV-Stationen CNN und
Co. Sicher handelt es sich bei obigen Text um eine Ente und es wäre schön, wenn der Autor erst mal etwas
recherchiert hätte. Aber die Moderationsleute haben diesen Texta auch gar nicht auf die Startseite gehoben.
Zusätzlich steht auf der Startseite in der Mittelspalte ein Link zu einem Text, der das Gerücht wiederlegt. Also:
Wichtig ist, was draus gemacht wird. Und das CNN tatsächlich in der Vergangenheit gefälscht hat, ist wohl kein
Geheimnis.

alles ganz einfach oder so....

grau 21.09.2001 - 01:43
also die faz lassen wir jetzt einmal aussen vor, deren (un-)glaubwürdigkeit ist mir einfach zu nichtig zu belegen. 1. cnn ist schlichtweg völlig verantwortungslos mit den bildern umgegangen. dass die meldung eine ente war, nun, das kann ich entschuldigen, sie hat ein diffuses gefühl, wo der "feind" (pardon) steht, aber verstärkt. die penetrante, schon fast iterierende (oh, da krame ich aber wörter aus meinem informatik-unterricht der 9.ten klasse hervor, meine lehrerin wäre stolz auf mich, würde sie denn überhaupt den zusammenhang erfassen, was ich meine...) wiederholung der bilder auf cnn, das trommelfeuer dieser bilder, dass auf all die menschen, geschockt vom anschlag wie sie waren, einprasselte, das ist meines erachtens der eigentliche skandal. das ist schlichtweg kriegstreiberei. und von der faz vermutlich kein bisschen hinterfragt. in einer solchen situation ist die rolle der medien mehr als gross, ihre macht und ihr einfluss auf die gefühle der menschen und damit auch auf ihre handlungen. was den mächtigen möglich erscheint (und den nicht-so-mächtigen auch), was sie vielleicht durch ihre berichterstattung erst (moralisch) möglich erscheinen lassen, legitim erscheinen lassen. diese stimmungen werden sehr schnell kreiert (vermutlich nie waren die medien in der letzten zeit so voll von einem thema, wurden wir so stark mit "nachrichten" mit tendenzen beschossen wie in der letzten woche). und sind mehr als machtvoll. zum umgang mit meldungen auf indymedia. der -wie soll ich sagen- ungemein verdienstvolle vorteil von indymedia ist, dass jeder alles direkt veröffentlichen darf. alles, was er will. so wir die, o gott, welch grausig ernstes wort an dieser stelle, journalistische sorgfalt vernachlässigen, werden wir und auch das ganze system anfällig für lauter enten. dafür, uns selbst zum narren zu halten. (was auch interessant ist, weil wir dadurch lernen, was wir eigentlich glauben und was nicht und wieso). es wäre zum beispiel schon hilfreich, nur noch artikel mit eindeutig belegten quellen(angaben) auf die startseite zu nehmen, aber ich sehe das auch nicht als muss. letzendlich muss sich ja auch die faz eingestehen, dass sie die ente erst einmal geglaubt hat und sie selbst ja auch erst später kritisch wurde. also blöde gesagt, es liegt in der macht eines jeden einzelnen, was er für voll nimmt, was und wem er vertraut und was/wem nicht. so. auf geht´s.

Worauf kommt es denn nun an?

klaus 22.09.2001 - 00:22
Ich habe mir gerade den CNN-Bericht als Video noch einmal angeschaut und war verblüfft zu hören, dass dort ausdrücklich auf die Nichtrepräsentativität der Bilder hingwiesen wurde.

Verblüfft bin ich auch, jetzt hier zu lesen, dass es gar nicht darauf ankomme ob ein Gerücht nun richtig oder falsch sei. Wenn ich diese Bemerkung richtig verstehe, dann kommt es auf etwas anderes an: die Gerüchte müssen die richtige Gesinnung erkennen lassen. Dann sind sie unabhängig vom Wahrheitsgehalt "richtig".

Erstaunlich

fritsch 28.09.2002 - 15:10
Schon erstaunlich, wie groß offensichtlich der Hass gegen CNN ist. Obwohl doch gerade dieser Sender immer versucht keine unbestätigten Nachrichten auf Sendung zu bringen. Durch CNN und seinen vielen Korrespondenten wird uns doch die Möglichkeit gegeben zu erfahren, was wirklich an der Kriegsfront passiert. Im Gegensatz zu vielen anderen US- Nachrichtensendern, wie zum Beispiel Fox News oder MSNBC betreibt CNN keine US Propaganda , sondern versucht über beide Seiten eines Konfliktes zu berichten. Ein Garant dafür sind die vielen Nicht-amerikanischen Mitarbeiter die bei CNN tätig sind.
Zu der Anmerkung die meint, dass 15 Palästinenser nicht repräsentativ sind, kann ich nur sagen, dass meine Mutter zu jener Zeit in Gaza City war und der Jubel unter den Palästinensern tatsächlich riesig war.