3.000 bei Friedensdemo in Dresden

Latscher 17.09.2001 20:56 Themen: Militarismus
Ein Bündnis verschiedener Initiativen hatte für heute Abend kurzfristig zu einer Demo gegen den Krieg, für frieden mobilisiert.
Von der TeinehmerInnenzahl von bis zu 3.000 Leuten waren alle überrascht.
Ein so hohes Mobilisierungspotential, noch dazu sehr kurzfristig hatte niemand für möglich gehalten. So waren die Bullen denn auch für Dresdner Verhältnisse ausgenommen wenige und dementsprechend zurückhaltend.

Es waren sehr viele junge Menschen, aber auch viele ältere unterwegs. Die Demo zog einen Rundkurs vom Theaterplatz über das Neustädter Ufer und den Pirnaischen Platz zurück zur Semperoper.
Auf Redebeiträge wurde verzichtet, es wurde lediglich darauf hingewiesen, "daß dies eine Demonstration für Frieden und gegen Krieg" sei.
Ob dies ausreicht, um die bürgerlichen Presse davon abzuhalten, die Demo für die "amerikanische Sache" zu vereinnahmen, darf bezweifelt werden.
Insgesamt war eine US-Flagge zu sehen, die den Trägern nicht abgenommen wurde.

In der Tradition der Montagsdemonstrationen werden jetzt in Dresden wieder regelmäßig um 18Uhr auf dem Theaterplatz Demonstrationen stattfinden.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Ich bin gar nicht überrascht

Heino Schlagserstar 17.09.2001 - 21:36
dass 3000 Dresdner nach einem Angriff auf einen Verbündeten vorab gegen die Verteidigung demonstrieren, Demos gegen den Angriffskrieg Deutschlands gegen Jugoslawien aber nicht stattgefunden haben.
Deutschland bleibt Deutschland, Dresden bleibt Dresden.

es ist german angst

rfo 18.09.2001 - 02:13
es ist einfach wieder german angst, die umsich greift. das deutsche volk sieht sich bedroht und schon erwacht der friedenswille, genauso wie in golfkrieg I.

es wäre schön, wenn dieser friedenswille auch beim kríeg gegen YU vorhanden gewesen wäre, da er aber nicht da war, wäre es trotzdem ein unverzeilicher fehler auf diese german angst nicht einzugehen. also runter vom linken ross und den friedenswillen aufgreifen statt arrogant zuhause zu sitzen und überheblich zu lächeln.
deutsche linke bleiben deutsche linke - was zu ändern wäre

Nutzen wir die Chance für das Ganze

Yo 18.09.2001 - 03:33
Genau, in dieser Situation sind alle Menschen erreichbar für Ziele und Vorstellungen . Die gemeinsame Basis ist Frieden und der ist langfristig nur durch eine gerechtere Welt zu erhalten. Also geht auf die Demos und diskutiert über die unhaltbare Weltordnung. Sagt, dass die Bedrohung nicht (nur) von der Terroristen ausgeht sondern langfristig von der Politik des Westens, von uns. Viele werden das sofort verstehen, da sie es schon immer wussten, es aber lieber verdrängten, das Leben war so schoen und einfach...SOLIDARITÄT

...

Pete 18.09.2001 - 03:53
Das mit der "german angst" ist eigentlich typisch. Überall kämpfen die Menschen zu erst für sich (Bsp: Emanzipation)... wohin übrigens platter Antiamerikanismus führen kann, zeigt diese Textstelle aus dem Tagesspiegel:

Mit antiamerikanischen und rassistischen Parolen reagieren
Rechtsextremisten auf die Anschläge in den USA. Die
härteste Polemik gibt der ehemalige RAF-Terrorist und
jetzt für die NPD agierende Horst Mahler von sich: "Die
militärischen Angriffe auf die Symbole der
mammonistischen Weltherrschaft sind (...) eminent wirksam
und damit rechtens", verbreitet der in Berlin praktizierende
Anwalt im Internet. "Dem Vernichtungskrieg der Globalisten
gegen die Kulturen der Völker ist jetzt erstmals auf
amerikanischem Boden eine militärische Niederlage
beigebracht worden." Und: "Der Luftschlag der noch
unbekannten Todeskommandos hat das Herz dieses
Ungeheuers getroffen und für einen Tag gelähmt. Die
Symbolkraft dieser militärischen Operation zerschmettert
die Selbstgefälligkeit der auf Heuchelei gegründeten
westlichen Zivilisation."

Nach Ansicht von Experten der
Sicherheitsbehörden sind Mahlers
Äußerungen "an Brutalität und
Zynismus nicht zu übertreffen".
Zwar hätten sich in Internet-Foren
mehrere Neonazis mit Parolen
gemeldet, "die auf primitive Weise
ähnlich krass sind", doch sei Mahlers
Beitrag "singulär".

Militärschläge sind nötig

18.09.2001 - 07:27
(reposted von Telepolis)

Die Taliban sind eine der barbarischsten und primitivsten Machtgruppen der Welt. Sie gefährden das gesamte Gleichgewicht der Region. So wie Hussein sind sie ein Gegner, der ausgeschaltet werden muss im Interesse der Menschen, die dort leben, aber auch im Interesse der Weltgemeinschaft. Das galt vor dem Anschlag und es gilt erst recht danach. Gewalt und Krieg sind nie sauber und müssen vermieden werden, aber gegen eine Gruppe wie die Taliban nutzen Sanktionen herzlich wenig (und Sanktionen sind alles andere als harmlos -- sie sind nur weniger offensichtlich tödlich).

Ja, die USA sind hauptverantwortlich dafür, dass die Taliban an die Macht gelangten - sie haben das Regime bis kurz vor dem Anschlag gefördert -, und sie haben auch Bin Laden unterstützt, als er ihnen nützlich war. Es gilt jedoch eine einfache Regel: Ein Feuer, das man selbst anzündet, sollte man auch löschen. Natürlich sollte dies auch innenpolitische Konsequenzen haben (stärkere Kontrolle der Geheimdienste, Reglementierung der Rüstungsindustrie usw.), aber diese werden unter der Bush-Regierung sicher nicht erfolgen. Und sie werden ja auch von den Medien kaum gefordert, mit gutem Grund.

Kann ein Krieg Afghanistan befrieden? Die Bevölkerung dort unterstützt mehrheitlich die Taliban nicht, und die Nordallianz ist jederzeit zum Kampf bereit. Wenn man es will, kann man das Regime relativ kurzfristig stürzen und Bin Ladens Kopf auf dem Silvertablett servieren (besser noch, man gibt ihm vorher noch ein Flugticket nach Bagdad und erledigt zwei Fliegen mit einer Klappe). Viel wichtiger als der militärische Krieg ist der kulturelle. Was Postmoderne in der Regel nicht kapieren: Eine weltweite Säkularisierung ist notwendig, um solche Anschläge, und Terror-Regimes, zu verhindern. Wie die CIA in den 50ern den "kulturellen Krieg" gegen den Kommunismus geführt hat, muss er jetzt gegen den Islam geführt werden - und zwar nicht, indem man ein Übel gegen ein anderes austauscht.

Ob dies geschieht, wage ich zu bezweifeln, schließlich kann man mit Krieg eine Menge Geld machen. Die pauschale Ablehnung eines Militärschlages gegen Afghanistan seitens der europäischen Intellektuellen finde ich jedoch verdächtig, insbesondere angesichts des Schweigens zur Vorbereitung des Mazedonien-Konflikts, der Unterstützung der UCK usw. (auch TP hat hierzu vergleichsweise wenig gebracht). Tatsache ist, dass wenn die Operation *richtig* durchgeführt wird, Afghanistan schon in wenigen Jahren kulturell neu erblühen könnte, von der Steinzeit in die Moderne. Eine radikal-pazifistische oder postmoderne Einstellung hilft niemandem, wenn man es mit Terroristen und Diktatoren zu tun hat.

Deshalb: FÜR die Befreiung Afghanistans mit einem gezielten
Militärschlag und anschließendem demokratischem, kulturellem und industriellem Neuaufbau. GEGEN Destabilisierung des Balkans durch Waffenlieferungen, fragwürdige Abkommen und Verletzung der staatlichen Souveränität. GEGEN internationalen Waffenhandel, GEGEN Landminen und die Unterstützung nichtdemokratischer Regimes zur Kontrolle von
Ressourcen. FÜR eine weltweite kulturelle Kampagne zur Säkularisierung und zur Einhaltung von grundlegenden Menschenrechten. Das sind die Ziele, die Intellektuelle in Europe verteidigen sollten. Nehmt vor allem endlich die Rüstungsindustrie aufs Korn - die ignoriert so ziemlich jeder, warum wohl?

Und wer wissen will, warum Menschen zu solchen Terror-Taten fähig sind, der lese:
 http://www.violence.de/prescott/bulletin/article-d.html

ausgerechnet dresden

bomber harris 18.09.2001 - 12:14
klar, dass die dresdner auf die straße gehen...
die erinnern sich an den ach so blinden terror gegen ihre schöne stadt, als 1945 die bösen thommis alles plattgebombt haben und nun trifft das gleiche grausame schicksal unsere freunde in NYC.

so oder so ähnlich TUMB dürften die meisten dresdner da rangehen. die rennen ja auch jedes jahr massenhaft auf die straße, um der bombadierung ihrer stadt zu gedenken.
dass sie aber deshlab bombadiert wurden, weil sie das nazi-regime trugen bzw. größtenteils teil dabvon waren, und der terror, den deutschland verbreitete, nur so gestoppt werden konnte, spielt dabei keine rolle... die spinnen die dresdner! die sollen mal schön zu hause bleiben und sich schämen.

@ "Bomber Harris"

Mord bleibt mord, ob braun oder rot, oder grü 18.09.2001 - 12:49
also dein Beitrag ist so leid es mir tut einfach nur krank. Parallelen zu Dresden zu ziehen und zu rechtfertigen das eine Stadt die ohne militärische Anlagen und Rüstungsindustrie über Nacht "ausradiert" wurde ist einfach nur geschmacklos.Die vielen hunderttausend Flüchtlinge also alte,Frauen und Kinder die in Dresden getötet wurden, sind also alles nur logische Opfer einer verfehlten Politik ?
dann erkläre hier doch öffentlich folgende These . "Die "JudInnen" sind an ihrem unglück selber schuld, da sie Deutschland 1933 den Krieg erklärten"
(New York Post 1933). Jeder wird das zurecht für schwachsinn halten und genau so schwachsinnig ist deine Rechtfertigung für die Bombardierung von städten in denen es nur zivilopfer geben kann.Dann ist in "deiner Welt" jeder Afghane ein Taliban-Verbrecher ?, jeder Tootsie oder Hooto ein massen mörder ? das zeugt von geistiger tieffliegerei.

anti kriegs demo in koeln ?

tuennes 18.09.2001 - 14:49
weiss jemand was von einer anti-kriegs-demo in koeln?

mord bleibt mord und schnaps ist schnaps

b. harris 18.09.2001 - 14:54
ein regime wird eben nicht nur von militärischen anlagen und einer rüstungsindustrie getragen, sondern auch von menschen. interessante diskussion: wo beginnt die mitschuld? bei denen, die soldaten waren? den blockwärten? denen, die einfach weggeguckt haben? die mütter, die ihren sohn unwidersprochen in den krieg haben ziehen lassen? der opa, der nicht mehr beim juden einkaufen ging?

wenn wir uns einigen können, dass mitschuld da beginnt, wo man das schreckliche zulässt, bekommen wir in der tat eine spannende debatte zu afghanistan! dort gibt es immerhin eine relevante opposition (anders als in deutschland damals), die bewaffnet gegen das regime kämpft.

einerseits bedeutet das für die afghanen, dass sie eher eine möglichkeit haben sich zu entscheiden, auf welcher seite sie stehen wollen, andereseits, bedeutet das auch, dass es eher andere möglichkeiten gibt, mit einem regime fertig zu werden, als durch bomben.

Anti-Kriegs-Demo in Köln

indy 18.09.2001 - 15:25
Gerad kam an die indymedia-liste folgende Info: In Köln findet täglich zwischen 16 und 18 Uhr eine Mahnwache auf der Domplatte statt und am Freitag, den 28.09. eine Demo mit (vorläufigem) Treff Domplatte um 17.00.

äpfel und birnen

rfo 18.09.2001 - 18:07
afghanistan mit dem driten reich zu vergleichen oder dresdenerInnen von von damals mit dresdenerinnen von heute zu vergleichen funktioniert nicht. damit werden paralitäten erzeugt, die nicht vorhanden sind. dresden in der brd ist nicht dresden im dritten reich und afghanistan ist nicht hitler-deutschland.
vielleicht haben die dresdenerInnen etwas aus der bombardierung ihrer stadt gelernt und sind dadurch was anderere Kriege betrifft sensibilisierter.
und ob die 3000 dieselben sind, die die zerstörung dresden beweinen mag ich bezweifeln.

klar gab´s Demos!!!

dabei gewesen 18.09.2001 - 18:46
Na klar gab´s Demos gegen den Angriffskrieg gegen Yugo! War doch selbst dabei. Hat die PDS organisiert und zu Hochzeiten waren 10.000 Leute da. Eigentlich nicht zu übersehen, oder?!

klar

jule 18.09.2001 - 23:04
klar, war nicht zu übersehen. ich war auch dabei.
und zu behaupten, daß die zerbombung dresdens ausschlaggebend für die überwindung hitlers war.... sehr fraglich. politisches engagement der massen VORM Krieg wäre vielleicht hilfreich gewesen.
so wie jetzt.

Bombe_ Harris

Klobürste 19.09.2001 - 17:11
An Bombe_ Harris
Eure-Deine-Eure(?) Theorie! - Wir unterhalten uns noch!