Die Tragödie vom 14. September

Gian-Franco Camuso 17.09.2001 02:14 Themen: Militarismus
Am vergangenen Freitag, mittags um zwölf, standen viele Menschen in Solidarität mit den Opfern der Attentate in den U.S.A. für 3 Minuten still. Traurig, dieser Moment der kollektiven, grenzüberschreitenden Trauer.
Viele Dinge, die im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den Staaten geschehen und erwähnt werden, zeigen Spuren von manipulativem und propagandistischem Charakter auf. So ähnelt die Rhetorik Bushs, Powells und Cheneys verblüffend derjenigen des Kalten Krieges. Hier die Guten, da die Bösen. Hier die freie Welt, da das dunkle Regime, hier die Demokratie, da die Diktatur.
Wenn von einem Angriff auf die U.S.A. gesprochen wird, so ist das korrekt. Wenn aber kurz darauf die Attentate als Angriffe auf die Demokratie und die freie Welt gewertet werden, so zeugt dies mehr von Propaganda als von Objektivität. Die U.S.A., die Demokratie schlechthin (so jedenfalls ihre Rhetorik), gleich mit diesen Begriffen gleichzusetzen ist Betrug: Wenn in New York die Schwarzen in Slums dahinvegetieren und nebenan die Weissen in Hochhäusern wohnen, wenn Rassismus nichts anderes als ein vergangenes und verdrängtes Thema (die Anti-Rassisumskonferenz von Durban zeigte es nur zu deutlich) ist, wenn... es gibt zuviele Argumente, die die Vereinigten Staaten von der demokratischen Idee trennen. Ebenso scheinen die amerikanischen Supermenschen auf noch nie was von Demokratie in der Aussen- und Handelspolitik gehört zu haben.
Auch mit einer freien Welt ist die U.S.A. nicht vergleichbar. Zur Freiheit gehört weit mehr, als illegal und unterbezahlt arbeiten, ohne Heim und unter dem Existenzminium leben zu müssen. Wenn sich eine Mensch Freiheiten gar nicht mehr leisten kann, weil sie von materiellen Umständen abhängt, wenn die Freiheit an Diskriminierung zu Grunde geht, wenn die eigene Freiheit in ungleichem Masse auf die Kosten der Freiheit des anderen geht, dann exekutiert sich dieser Begriff von selbst.
Dieses Hochhalten der amerikanischen Werte Freiheit und Demokratie ist nichts Neues, sie tritt vor allem in politischen Extremfällen immer wieder zu Tage. Nicht zuletzt auch mit diesem rhetorischen Mittel versucht die amerikanische Regierung nun, das Volk geeint hinter sich und seine (Kriegs-)Pläne zu bringen, von innenpolitischen Schwierigkeiten und den zunehmenden aussenpolitischen Differenzen mit dem Rest der Welt abzulenken.
Und der Westen fällt darauf herein. Kein Wort gegen die Staaten, keine Bemerkungen zu deren terroristischen Machenschaften, im Gegenteil: Kopf voran in einen neuen Krieg. Nur ist der Gegner noch nicht allen klar. Hauptsache Krieg also? Hauptsache Rache und Vergeltung, Hass?
Und dann noch der globale Trauertag. Überall harrten sie zu bestimmten Zeitpunkten für Minuten aus, in der Schweiz unterbrachen viel Betriebe um 12 Uhr mittags ihre Geschäfte, liess die SBB während dreier Minuten keine Züge mehr aus den Bahnhöfen, stoppten Menschen auf ihrem Weg. Wofür? Für die Demokratie, für die freie Welt? Für Amerika? Für die Opfer? Gegen die Terroristen aus Afghanistan, gegen Terrorismus als solchen? Wofür auch immer, es geschah nicht zuletzt auf Diktat der U.S.A. Auch die bürgerlichen Medien, allen voran CNN spielten mit.

Wieviele Tote verursacht die US-amerikanische Aussen- und Handelspolitik täglich? Wer stand still, als im Balkan mal wieder Krieg tobte, wer unterbricht seinen Gang wegen den unterdrückten Palästinensern, Tschetschenen, Afrokolumbianern, Zapatisten? Wenn am letzten Freitag schon geschwiegen werden sollte, dann gab es genug andere Anlässe dafür, dann könnten wir jeden Tag stundenlang schweigen und uns besinnen. Die Feinde kommen nicht nur vom Taliban-Regime.
Tatsächlich geschieht gerade ein Angriff auf die Demokratie. Allerdings von Seiten der U.S.A. (Informations-)Manipulation und gezielte Propaganda, ein in Kürze für u.a. Kriegszwecke verabschiedetes 40 Milliardenbudget, rhetorische Angriffe auf arabische Staaten und die islamische Religion, etc. sprechen nicht gerade von demokratischen Feingefühl, viel eher von Macht. Düstere Zukunftsaussichten steigen aus dem Staub der Trümmer Manhattens auf...
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Ergänzungen

Meine Meinung

dooodi 17.09.2001 - 12:51
Ja genau, wenn immer Leute zusammenrücken und eine kollektive Meinung aufkommt die Euch nicht passt, dann wurden die Leute angeblich manipuliert. Ich war ein großer Bush-Hasser bis letzte Woche, aber heute werde ich eine Amerika-Flagge auf mein Auto kleben, auch um Leuten wie Dir zu sagen, dass sie sich ins Knie ficken können.

Vielen Dank für diese Analyse

F.W. 17.09.2001 - 12:52
Vielen Dank für diese Analyse, sie ist sehr treffend.
Gruß

Zensur

dooodi 17.09.2001 - 12:55
Ihr könnt zensieren soviel Ihr wollt, die Meinung der Bevölkerung werdet IHR nicht ändern können.

Wie fühlt man sich eigentlich?

doodi 17.09.2001 - 13:00
Wie fühlt man sich eigentlich, wenn man es nur noch durch Zensur schafft, die eigene Meinung so erscheinen zu lassen als sei sie die Meinung vieler?

Eine Meinungsäußerung

MaPe 17.09.2001 - 14:11
Wie sehen denn Deine alternativen Maßnahmen aus, Gian-Franco? Was kann man besser machen? Kritisieren kann schließlich jeder! Natürlich ist die Rhetorik von Bush und Co. mehr als unglücklich. Natürlich traue auch ich keinem Ex-Gouverneur der Dutzende von Todesurteilen unterschrieben hat über den Weg. Aber wäre es wirklich besser gewesen, einfach mit dem normalen Tagesgeschehen weiterzumachen? Gerade dieses Innehalten sollte uns doch die neuen Gefahren in der Welt, aber auch Versäumnisse in der Vergangenheit seitens der ach so zivilisierten Welt bewußt werden lassen. Außerdem finde ich es nie verfehlt, Solidarität und Zeichen für Leidende und gegen gewalttätige Aktionen zu zeigen, mögen sie auch nicht die einzigen Ungerechtigkeiten auf der Welt sein. Gewalt darf einfach keine Chance haben, als politisches Mittel benutzt zu werden oder damit Druck auszuüben, aufgrund welcher Ungerechtigkeiten in der Welt auch immer. Gewalt kann man nicht rechtfertigen! Deswegen halte auch ich nichts von sogenannten "Vergeltungsschlägen", schon gar nicht gegen irgendeine Zivilbevölkerung. Aber trotz der für mich unfaßbaren Tatsache, daß sich die US-Bevölkerung bei der letzten Wahl für den Todes-Gouverneur von Texas entschieden haben, fühle ich mich mit diesen Menschen verbundener denn je. Ist das denn so falsch?

Hallo Doodi

bbah 17.09.2001 - 14:18
Mensch Doodi,
wenn du den Bush und die Ammiländer so prima findest, dann wander doch dahin aus und nimm gleich den oder die mit, die oder der für dich getippt hat. Du Armer.

17.09.2001 - 14:30
HIROSHIMA , NAGASAKI , WOUNDED KNEE , AGENT ORANGE , NAPALM AUF KINDER , TODESSTRAFE , WELTVERSCHMUTZUNG , ... , doodie findet das so geil, dass er dafuer ...

Die Alternative

Zero 17.09.2001 - 14:47
Ganz einfach: Verstaendnis, Zusammenarbeit und Liebe sind die Alternative zu "massiver Vergeltung" (sprich: Hass, Gewalt und Krieg). Ohne Hass, den sich die USA leichtfertig erworben haben, gaebe es keinen Terror. Mit Hass schneidet man sich ins eigene Fleisch und wenn jemand die USA mag, dann sollte er KEINEN Krieg anfangen - sonst wer der Terror den wir gesehen haben erst der Anfang...

yes!

aki 17.09.2001 - 15:39
Doodi!
Das war ja sehr überzeugend!
Diese messerscharfe Logik!
Und diese überzeugende Argumentation!
Ich bin beeindruckt!
Einen schönen Flug wünsch ich Dir!
Und: Bild-Zeitung nicht vergessen!

An Indymedia

Ego 17.09.2001 - 15:42
Liebe Indymedia-Leute!
Bitte schafft die Rubrik Kommentare ab. Dieses Tastaturgemotze bringt nichts und ist es nicht wert, ins Netz gestellt zu werden. Schade ist es natürlich um die Kommentare, die wirklich inhaltlich sind. Aber derer sind es zu wenige. Also Bitte, bitte...

An Indymedia

Ego 17.09.2001 - 15:42
Liebe Indymedia-Leute!
Bitte schafft die Rubrik Kommentare ab. Dieses Tastaturgemotze bringt nichts und ist es nicht wert, ins Netz gestellt zu werden. Schade ist es natürlich um die Kommentare, die wirklich inhaltlich sind. Aber derer sind es zu wenige. Also bitte, bitte...

Vielleicht reicht ja ein Entschuldigung

Kitekat 17.09.2001 - 22:47
Auch ich bin der Meinung, daß dieses Tastaturengemotze oder diese kriegerischen verbalen Auseinandersetzungen wenig Hoffnung auf Frieden bringt.
Laßt uns es doch einfach so sagen, sollten wir den Terroristen nicht die gleiche Möglichkeit geben, wie den Amerikanern beim Abschuß auf ein iranisches Passagierflugzeug"Entschuldigung, das war ein Versehen"
Klingt zwar hart aber eines Wissen alle, wer "der Böse" ist, würden jetzt gerne gezeigt bekommen wer "der Gute" ist.

dooodie nein dummie

read fight 17.09.2001 - 22:50
ja deine Solidarität mit den USA zeigt auf welcher Seite du stehst, auf der Seite des Krieges und des Terrors, Ihr verteidigt die USA dieses terrorregime und den Staat Israel dabei sind euch die Menschen egal, oder??? in Israel regiert die extreme Rechte und ihr verteidigt das???Hass auf DEUTSCHLAND ja aber dann auch HASS auf DIE USA und was soll die BAHAMAS-Scheiße mit lang lebe Israel??? wir wollen die mächtigen bekämfen , und nicht die Menschen auf dieser WElt deshalb macht WEITER!!! KEIN GOTT !!!KEIN STAAT!!! KEIN VATERLAND!!! DER HAUPTFEIND STEHT IM EIGENEN LAND!!! und zwar in jedem !!! KLASSE GEGEN KLASSE!!!es ist das letzte pro USA zu disk. und die MORDE in ISRAEL zu rechtfertigen oder habt ihr SCHAMM davor UNRECHT zu KRITIS:???und damit das niemand falsch versteht auch diese DEUTSCHEN kotzen mich an trauern auf Befehl , wo war dieses Volk 1939??? da hätte man das NAZIPACK verjagen sollen besser noch 33 DEUTSCHLAND UND USA HABEN DAS GLEICHE SYSTEM HASS BEIDEN

Aber...

MaPe 18.09.2001 - 13:50
...jetzt bitte keinen Herzinfarkt kriegen, oder so! Kann mal jemand ein paar Baldrian für diesen durchgeknallten Typen besorgen? Also demnächst erstmal ganz tief durchatmen, read fight, wenn Du mal wieder ein paar unqualifizierte Haßtiraden ins Netz stellen willst. Schließe mich den obigen Forderungen an. Kommentare solcher Qualität haben es echt nicht verdient veröffentlicht zu werden.