Der Bumerang kehrt zurück
Am 11. September 2001 richtete sich ein barbarischer Angriff gegen ein barbarisches Land. Das so etwas geschieht war historisch gesehen nur eine Frage der Zeit
Der Bumerang kehrt zurück
Am 11. September 2001 richtete sich ein barbarischer Angriff gegen ein barbarisches Land. Dass solches passiert, war historisch gesehen nur eine Frage der Zeit.
Die am 11. September verübten Angriffe auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington sind in ihrer menschlichen Größenordnung verheerend. Im äußersten Fall könnte diese Attacke den USA ähnlich viele Menschenleben abgefordert haben wie der Vietnamkrieg, der 56.000 GIs das Leben kostete. Doch auch politisch und historisch sind die Dimensionen atemberaubend. Auf das Imperium wurde in einer solchen Heftigkeit zurückgeschlagen, dass das Ereignis durchaus mit dem Germanenansturm auf das Römische Reich im dritten nachchristlichen Jahrhundert vergleichbar ist. Immerhin handelt es sich um den ersten Angriff auf das Territorium der USA seit Pearl Harbor. Beschränkt man sich auf das Festland ist es gar über 80 Jahre her, dass Pancho Villa so verwegen war, im Zuge der Mexikanischen Revolution einen Vorstoß auf amerikanisches Gebiet zu wagen. Selbstverständlich musste auch er mit einem durchgreifenden Gegenschlag dafür bezahlen.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Es gibt keine fortschrittliche Seite an diesem barbarischen Angriff, zumal er - wie bei jedem Akt des Terrors - tausende von unschuldigen Menschen in den Tod riss und nur zu einer Stärkung imperialistischer Politik nach außen und vermehrter Repression nach innen führen wird.
Für vieles wird dieser Angriff nun herhalten müssen und schon jetzt sind sich die Strategen des Kapitals keiner noch so künstlichen Konstruktion zu schade. So versicherte im ORF ein gewisser Herr Mateljka, seines Zeichens Sprecher einer Investmentfirma, die offensichtlich mit der vom Angriff besonders betroffen Investmentbank Morgan Stanley verbunden ist: Der Finanzwelt sei klar, dass es sich hierbei um eine Attacke auf das Herz des Kapitalismus gehandelt habe. Die Verbindung zwischen Terrorismus und der wachsenden Globalisierungs- bzw. Kapitalismuskritik ist damit hergestellt, und wird in nächster Zeit ein dankbares Echo finden, jede Wette.
Die Rückkehr zum Ursprung
Obwohl es nicht darum geht, darüber nachzudenken, wie sehr die USA diesen Angriff verdient haben, ist die von allen Politikern vorgetragene neue Frontlinie "Zivilisation gegen Barbarei" reine Heuchelei. Die USA haben in ihrer Geschichte über 200 Mal militärisch interveniert. Die Spuren der Hegemonie des US-Imperialismus in der Geschichte des 20. Jahrhunderts sind verheerend. Für die USA war keine Persönlichkeit zu monströs, kein Regime zu barbarisch, kein Fundamentalismus zu archaisch, um sie nicht im "Kampf gegen den Kommunismus" zu unterstützen. Nicht nur der jetzige Staatsfeind Nr. 1, Osama Bin Laden, ist eine Kreatur der CIA! "Klingende" Namen wie Saddam Hussein, General Suharto oder Augusto Pinochet konnten sich der Unterstützung der USA erfreuen, solange sie ihren Interessen entsprachen.
Die USA ist damit zum konterrevolutionärsten Faktor der Welt aufgestiegen. Jeder Versuch - war er in seinem Kern noch so zaghaft und reformerisch orientiert - eine vom Imperialismus unabhängige Entwicklung zu wagen, wurde von den USA gnadenlos vereitelt. Tatsächlich läßt sich die Weltgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg mit etwas Mut zur Lücke auf folgende Formel reduzieren: Während die Sowjetunion seit dem Aufstieg des Stalinismus nicht mehr als Exporteur der Revolution auftrat, betätigte sich die USA umso fleißiger als Exporteur der Konterrevolution.
Abseits der militärischen Ebene bedeutete die Hegemoniestellung der USA auch auf wirtschaftlichem Gebiet eine beispiellose Durchdringungsmacht über die Länder der ex-kolonialen Welt. Über 100.000 Hungertode pro Tag sind nur die Speerspitze jenes statistischen Terror-Kabinetts, das für ein unfassbares Ausmaß von Leid und Misere auf diesem Planeten steht.
Somit ist Krieg, Terror und Aggression an einer seiner wichtigsten Ursprungsorte zurückgekehrt. Und obwohl der Angriff in seiner Motivation und Form barbarisch und reaktionär ist, traf er ein Land, das symbolisch für die Barbarei auf dieser Welt steht.
Die Innenwelt der Barbarei
Doch auch im Inneren der USA hat das Adjektiv "barbarisch" - ganz besonders im Verhältnis zum gesellschaftlichen Reichtum dieses Landes - seine Berechtigung. Immer wieder haben wir in den letzten Jahren über die enorme Ungleichheit von Einkommen und Eigentum in den USA berichtet, über riesige Stadtteile, deren Versorgungs- und Wohnsituation nur noch an die "Dritte Welt" erinnert. Wir betrachteten eine Gesellschaft, in der Gewalt allgegenwärtig, qualitativ hochwertige Bildung jedoch nur einer kleinen Elite vorbehalten ist. Und dort, wo sie öffentlich betrieben wird, muss sie in vielen Bundesstaaten auf des Gesetzgebers Geheiß die kreationistische Lehre (d. h. Erschaffung der Welt gemäß der Bibel) gleichberechtigt zur Evolutionstheorie lehren. Viele ArbeitnehmerInnen sind einer solchen Ausbeutungsintensität und so niedrigen Löhnen ausgesetzt, dass sie in Wahrheit nicht von ihrer Hände Arbeit überleben können - außer sie widmen ihre Hände mehreren Jobs zugleich. Es ist daher mehr als symbolisch, dass die Terroristen des jetzigen Angriffs nur deshalb an Bord der Maschinen gehen konnten, weil die Sicherheitsangestellten völlig überfordert, schlecht ausgebildet und skandalös niedrig entlohnt werden. Im Gesamten betrachtet, sind in den USA alle Bereiche, die wir (noch) ganz selbstverständlich der öffentlichen Sphäre zuordnen können - Verkehr, Bildung, Gesundheit, Wohnen etc. - sich selbst überlassen. Der Staat konzentriert sich auf seine Sicherheits- und Repressionsfunktion.
Dabei handelt es sich nicht um ein Phänomen der amerikanischen "Kultur", sondern um das geschichtliche Ergebnis eines Systems, dem es gelungen ist, die organisierte Arbeiterbewegung an einem nachhaltigen Aufstieg zu einem Machtfaktor zu hindern, der dem Kapital grundlegendste Reformen hätte abringen können.
Auch auf politischer Ebene präsentiert sich Amerika spätestens seit der letzten Präsidentenwahl als Land in tiefer gesellschaftlicher und moralischer Krise. Die "Demokratie" ist zu einer Zweiparteien-Farce geworden, von der sich, der Wahlbeteiligung zufolge, immer mehr AmerikanerInnen völlig abgewendet haben.
Krieg und Krise
So bekommt in den USA sowohl innen- als auch außenpolitisch das von Marx verwendete Bild einer kapitalistischen Gesellschaft, die sich selbst ihr Grab schaufelt, neue Brisanz - der Bumerang ist zurückgekehrt!
Natürlich wissen wir, dass ein Angriff selbst dieser Größenordnung weder Geschichte in ihrer großen Gesamtheit macht noch wirkliche Ursache einer Wirtschaftskrise sein kann. Der oft zitierte Zusammenhang von "Zufällen" sowie spektakulären Ereignissen einerseits und der Intensivierung und dem Sichtbarwerden von Krisen auf jeder Ebene der Gesellschaft andererseits, wird jedoch auch nach diesen Angriffen seine Wirkung zeigen. Die meisten Analysten betrachten den Kursverfall an den Börsen nach diesen Ereignissen nicht nur als kurzes Strohfeuer. Die amerikanische Konjunktur wird fast nur noch vom privaten Konsum vor dem Absturz bewahrt. Das Zusammenspiel von aufkommenden Krisenbewusstsein und Ausgaben-Zurückhaltung der hochverschuldeten amerikanischen Haushalte könnte einer tiefen und langen Rezession das letzte Startsignal geben. Ein Grund mehr für die Herrschenden in den USA auf eine nationale "Einheit gegen den Terror" zu setzen - mit den entsprechenden Folgen für die ex-koloniale Welt und die demokratischen Rechte in den USA selbst.
Hegemonie ade?
Das bedeutet natürlich eine vordergründige Stärkung des Imperialismus und der Reaktion. Aus einem längerfristigen historischen Blickwinkel könnten die Angriffe vom 11. September aber auch den Anfang vom Ende des Hegemoniestatus der USA bedeuten. Dieser Status wurde seit dem Ende des Ersten Weltkriegs aufgebaut, nach dem Zweiten Weltkrieg gefestigt und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zum Zenit gebracht. Dabei wurde - wie oben beschrieben - im Verlauf des 20. Jahrhunderts auf der Welt und in den USA selbst ein kolossales Widerspruchspotential geschaffen. Dieses Potential entlud sich "in die falsche Richtung" am 11. September zum ersten Mal in heftigen Blitzen.
Ob die Ereignisse von 11. September den Beginn des Abstiegs der Vereinigten Staaten von ihrer weltgeschichtlichen Bedeutung genauso ankündigen wie es die Germaneneinfälle im Römischen Reich taten, bleibt natürlich hehre Spekulation. Dass dieser Abstieg unvermeidbar ist, steht dabei genauso außer Zweifel, wie die Tatsache, dass er von einer Epoche großer Auseinandersetzungen, Umbrüche und Konvulsionen begleitet sein wird. Eine der wichtigsten Fronten in diesen Auseinandersetzung wird dabei entlang von Klassenlinien verlaufen. Dies ist der Grund, warum die etwas pathetische anmutende Versicherung, das 21. Jahrhundert wird zuerst einmal eine Epoche von Krieg, Revolution und Konterrevolution sein, berechtigt ist. Wenn das 20. Jahrhundert zu einem guten Teil unter den Vorzeichen US-amerikanischer Hegemonie gestanden hat, so wird das 21. unter ihrem Verfall und dem Aufstieg der Idee einer sozialistischen Weltkonföderation stehen. Gelingt das nicht, sollte man sich über das Gesicht der Welt im 22. Jahrhundert lieber keine Vorstellung machen.
David Mayer
Am 11. September 2001 richtete sich ein barbarischer Angriff gegen ein barbarisches Land. Dass solches passiert, war historisch gesehen nur eine Frage der Zeit.
Die am 11. September verübten Angriffe auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington sind in ihrer menschlichen Größenordnung verheerend. Im äußersten Fall könnte diese Attacke den USA ähnlich viele Menschenleben abgefordert haben wie der Vietnamkrieg, der 56.000 GIs das Leben kostete. Doch auch politisch und historisch sind die Dimensionen atemberaubend. Auf das Imperium wurde in einer solchen Heftigkeit zurückgeschlagen, dass das Ereignis durchaus mit dem Germanenansturm auf das Römische Reich im dritten nachchristlichen Jahrhundert vergleichbar ist. Immerhin handelt es sich um den ersten Angriff auf das Territorium der USA seit Pearl Harbor. Beschränkt man sich auf das Festland ist es gar über 80 Jahre her, dass Pancho Villa so verwegen war, im Zuge der Mexikanischen Revolution einen Vorstoß auf amerikanisches Gebiet zu wagen. Selbstverständlich musste auch er mit einem durchgreifenden Gegenschlag dafür bezahlen.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Es gibt keine fortschrittliche Seite an diesem barbarischen Angriff, zumal er - wie bei jedem Akt des Terrors - tausende von unschuldigen Menschen in den Tod riss und nur zu einer Stärkung imperialistischer Politik nach außen und vermehrter Repression nach innen führen wird.
Für vieles wird dieser Angriff nun herhalten müssen und schon jetzt sind sich die Strategen des Kapitals keiner noch so künstlichen Konstruktion zu schade. So versicherte im ORF ein gewisser Herr Mateljka, seines Zeichens Sprecher einer Investmentfirma, die offensichtlich mit der vom Angriff besonders betroffen Investmentbank Morgan Stanley verbunden ist: Der Finanzwelt sei klar, dass es sich hierbei um eine Attacke auf das Herz des Kapitalismus gehandelt habe. Die Verbindung zwischen Terrorismus und der wachsenden Globalisierungs- bzw. Kapitalismuskritik ist damit hergestellt, und wird in nächster Zeit ein dankbares Echo finden, jede Wette.
Die Rückkehr zum Ursprung
Obwohl es nicht darum geht, darüber nachzudenken, wie sehr die USA diesen Angriff verdient haben, ist die von allen Politikern vorgetragene neue Frontlinie "Zivilisation gegen Barbarei" reine Heuchelei. Die USA haben in ihrer Geschichte über 200 Mal militärisch interveniert. Die Spuren der Hegemonie des US-Imperialismus in der Geschichte des 20. Jahrhunderts sind verheerend. Für die USA war keine Persönlichkeit zu monströs, kein Regime zu barbarisch, kein Fundamentalismus zu archaisch, um sie nicht im "Kampf gegen den Kommunismus" zu unterstützen. Nicht nur der jetzige Staatsfeind Nr. 1, Osama Bin Laden, ist eine Kreatur der CIA! "Klingende" Namen wie Saddam Hussein, General Suharto oder Augusto Pinochet konnten sich der Unterstützung der USA erfreuen, solange sie ihren Interessen entsprachen.
Die USA ist damit zum konterrevolutionärsten Faktor der Welt aufgestiegen. Jeder Versuch - war er in seinem Kern noch so zaghaft und reformerisch orientiert - eine vom Imperialismus unabhängige Entwicklung zu wagen, wurde von den USA gnadenlos vereitelt. Tatsächlich läßt sich die Weltgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg mit etwas Mut zur Lücke auf folgende Formel reduzieren: Während die Sowjetunion seit dem Aufstieg des Stalinismus nicht mehr als Exporteur der Revolution auftrat, betätigte sich die USA umso fleißiger als Exporteur der Konterrevolution.
Abseits der militärischen Ebene bedeutete die Hegemoniestellung der USA auch auf wirtschaftlichem Gebiet eine beispiellose Durchdringungsmacht über die Länder der ex-kolonialen Welt. Über 100.000 Hungertode pro Tag sind nur die Speerspitze jenes statistischen Terror-Kabinetts, das für ein unfassbares Ausmaß von Leid und Misere auf diesem Planeten steht.
Somit ist Krieg, Terror und Aggression an einer seiner wichtigsten Ursprungsorte zurückgekehrt. Und obwohl der Angriff in seiner Motivation und Form barbarisch und reaktionär ist, traf er ein Land, das symbolisch für die Barbarei auf dieser Welt steht.
Die Innenwelt der Barbarei
Doch auch im Inneren der USA hat das Adjektiv "barbarisch" - ganz besonders im Verhältnis zum gesellschaftlichen Reichtum dieses Landes - seine Berechtigung. Immer wieder haben wir in den letzten Jahren über die enorme Ungleichheit von Einkommen und Eigentum in den USA berichtet, über riesige Stadtteile, deren Versorgungs- und Wohnsituation nur noch an die "Dritte Welt" erinnert. Wir betrachteten eine Gesellschaft, in der Gewalt allgegenwärtig, qualitativ hochwertige Bildung jedoch nur einer kleinen Elite vorbehalten ist. Und dort, wo sie öffentlich betrieben wird, muss sie in vielen Bundesstaaten auf des Gesetzgebers Geheiß die kreationistische Lehre (d. h. Erschaffung der Welt gemäß der Bibel) gleichberechtigt zur Evolutionstheorie lehren. Viele ArbeitnehmerInnen sind einer solchen Ausbeutungsintensität und so niedrigen Löhnen ausgesetzt, dass sie in Wahrheit nicht von ihrer Hände Arbeit überleben können - außer sie widmen ihre Hände mehreren Jobs zugleich. Es ist daher mehr als symbolisch, dass die Terroristen des jetzigen Angriffs nur deshalb an Bord der Maschinen gehen konnten, weil die Sicherheitsangestellten völlig überfordert, schlecht ausgebildet und skandalös niedrig entlohnt werden. Im Gesamten betrachtet, sind in den USA alle Bereiche, die wir (noch) ganz selbstverständlich der öffentlichen Sphäre zuordnen können - Verkehr, Bildung, Gesundheit, Wohnen etc. - sich selbst überlassen. Der Staat konzentriert sich auf seine Sicherheits- und Repressionsfunktion.
Dabei handelt es sich nicht um ein Phänomen der amerikanischen "Kultur", sondern um das geschichtliche Ergebnis eines Systems, dem es gelungen ist, die organisierte Arbeiterbewegung an einem nachhaltigen Aufstieg zu einem Machtfaktor zu hindern, der dem Kapital grundlegendste Reformen hätte abringen können.
Auch auf politischer Ebene präsentiert sich Amerika spätestens seit der letzten Präsidentenwahl als Land in tiefer gesellschaftlicher und moralischer Krise. Die "Demokratie" ist zu einer Zweiparteien-Farce geworden, von der sich, der Wahlbeteiligung zufolge, immer mehr AmerikanerInnen völlig abgewendet haben.
Krieg und Krise
So bekommt in den USA sowohl innen- als auch außenpolitisch das von Marx verwendete Bild einer kapitalistischen Gesellschaft, die sich selbst ihr Grab schaufelt, neue Brisanz - der Bumerang ist zurückgekehrt!
Natürlich wissen wir, dass ein Angriff selbst dieser Größenordnung weder Geschichte in ihrer großen Gesamtheit macht noch wirkliche Ursache einer Wirtschaftskrise sein kann. Der oft zitierte Zusammenhang von "Zufällen" sowie spektakulären Ereignissen einerseits und der Intensivierung und dem Sichtbarwerden von Krisen auf jeder Ebene der Gesellschaft andererseits, wird jedoch auch nach diesen Angriffen seine Wirkung zeigen. Die meisten Analysten betrachten den Kursverfall an den Börsen nach diesen Ereignissen nicht nur als kurzes Strohfeuer. Die amerikanische Konjunktur wird fast nur noch vom privaten Konsum vor dem Absturz bewahrt. Das Zusammenspiel von aufkommenden Krisenbewusstsein und Ausgaben-Zurückhaltung der hochverschuldeten amerikanischen Haushalte könnte einer tiefen und langen Rezession das letzte Startsignal geben. Ein Grund mehr für die Herrschenden in den USA auf eine nationale "Einheit gegen den Terror" zu setzen - mit den entsprechenden Folgen für die ex-koloniale Welt und die demokratischen Rechte in den USA selbst.
Hegemonie ade?
Das bedeutet natürlich eine vordergründige Stärkung des Imperialismus und der Reaktion. Aus einem längerfristigen historischen Blickwinkel könnten die Angriffe vom 11. September aber auch den Anfang vom Ende des Hegemoniestatus der USA bedeuten. Dieser Status wurde seit dem Ende des Ersten Weltkriegs aufgebaut, nach dem Zweiten Weltkrieg gefestigt und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zum Zenit gebracht. Dabei wurde - wie oben beschrieben - im Verlauf des 20. Jahrhunderts auf der Welt und in den USA selbst ein kolossales Widerspruchspotential geschaffen. Dieses Potential entlud sich "in die falsche Richtung" am 11. September zum ersten Mal in heftigen Blitzen.
Ob die Ereignisse von 11. September den Beginn des Abstiegs der Vereinigten Staaten von ihrer weltgeschichtlichen Bedeutung genauso ankündigen wie es die Germaneneinfälle im Römischen Reich taten, bleibt natürlich hehre Spekulation. Dass dieser Abstieg unvermeidbar ist, steht dabei genauso außer Zweifel, wie die Tatsache, dass er von einer Epoche großer Auseinandersetzungen, Umbrüche und Konvulsionen begleitet sein wird. Eine der wichtigsten Fronten in diesen Auseinandersetzung wird dabei entlang von Klassenlinien verlaufen. Dies ist der Grund, warum die etwas pathetische anmutende Versicherung, das 21. Jahrhundert wird zuerst einmal eine Epoche von Krieg, Revolution und Konterrevolution sein, berechtigt ist. Wenn das 20. Jahrhundert zu einem guten Teil unter den Vorzeichen US-amerikanischer Hegemonie gestanden hat, so wird das 21. unter ihrem Verfall und dem Aufstieg der Idee einer sozialistischen Weltkonföderation stehen. Gelingt das nicht, sollte man sich über das Gesicht der Welt im 22. Jahrhundert lieber keine Vorstellung machen.
David Mayer
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Ergänzungen
och mönsch
schön wär´s- stattdessen muss auch der letzte bratzkopf hier seine ansichten zu den anschlägen verquasen. und dabei auch weissgott nix neues schreiben. habt ihr alle keinen friseur? nix für ungut: der text hat durchaus seine berechtigung - aber doch eher als beitrag in einem board oder so...
super geschrieben
Ihr linken Saftnasen
Zweitens: Zumindest eine Intervention der USA in ihrer 200jährigen Geschichte wird man wohl in linken Kreisen akzeptieren: Die Befreiung des europäischen Kontinents von der wirklichen Barbarei.
So einfach ist es wirklich nicht!
woher man sein denken hat...
könnte sich auch auf eine reihe anderer beiträge beziehen.
leute fragt euch mal wieso ihr alle in so eine
kollektive antiamerikanische hetzte verfallt,
wo dieses denken herkommt in deutschland.
klar die amis sind die monster des zwanzigsten jahrhunderts
da kann man dann leicht vergessen was die eigenen
deutschen eltern und großeltern so getrieben haben
im zwanzigsten jahrhundert.
@ David
Zudem scheinst du auf einem Auge blind zu sein, wie sonst könntest du schreiben: "Während die Sowjetunion seit dem Aufstieg des Stalinismus nicht mehr als Exporteur der Revolution auftrat, betätigte sich die USA umso fleißiger als Exporteur der Konterrevolution." Daß die USA ihre Werte von Freiheit und Gleichheit jedem aufs Auge drücken will ist unstrittig. Daß die Sowjetunion jedoch ihrerseits jemals Abschied davon nahm ist schlichtweg falsch. Ich nenne hier nur mal Afghanistan und die Besetzung der CSSR 1968.
@ "soldaten sind mörder"
"es gibt zwei staaten in der welt, die wie keine anderen im 20.Jh den tod über die welt gebracht haben: deutschland und usa."
Ich bitte dich, das meinst du jetzt nicht ernst, oder? Wenn du schon den "Tod" an Nationen festmachst, anstatt an Systemen, dann vergiß bitte nicht die Gewinner der Goldmedaille: die Sowjetunion.
WTC-Firmen
wurden ganze Firmen samt Personal ausgelöscht. Die meisten Firmene haben aber erst einmal nur ihr Büro und Geld
verloren. Hier eine Übersicht über alle Firmen im WTC:
Querfrontscheisse
ich hab so ungefähr ne idee, was du meinst.
als nächstes kommt jemand auf die idee bin laden und hitler zu vergleichen. beide waren sie zwillingsbrüder des bush-clans und wurden als böse überterroristen oder so ähnlich aufgebaut, um dann ordentlich reingehen zu können. der unterschied zwischen afghanistan und deutschland ist dann nur noch der, das wir die besatzungszeit schon hinter uns haben. wenn man aus den wilden germanen zivilisierte machen konnte, müsste das mit den mullah omars doch auch gehen oder nicht?
habe ich mir das jetzt richtig zusammengeschraubt und ne querfront zwischen rot- und heimatfront oder so, fragt sich hein nun?