New York - Washington - 11.09.2001 - 09.00

Karl-Alexander 16.09.2001 18:50 Themen: Weltweit
Die militärpolitische Situation in der Welt hat sich nach den Terroranschlägen in den USA grundsätzlich gewandelt. Nach US-Präsident Bush (12.09.01) werden diese Gewaltakte als Kriegshandlungen eingestuft, Bundeskanzler Schröder (11.09.01) sprach von einer "Kriegserklärung an die zivilisierte Welt". Politische Kommentare sprechen einhellig von einem "Krieg gegen die freie Welt". Wie ist die gegenwärtige Lage zu beurteilen?

1. Der Angriff am 11.09.01 galt vornehmlich zivilen Zielen (World Trade Center) und forderte deshalb vor allem unter Zivilisten eine außergewöhnlich hohe Zahl an Toten und Verletzten. Die Angriffe auf das Pentagon und den Präsidentensitz in Camp David waren eher diffus, trafen militärische Einrichtungen nur peripher und forderten selbst dort vor allem unter Zivilisten und Verwaltungsbeamten Opfer aber weniger unter Militärs und schon gar nicht unter hochrangigen Politikern.

2. Die "freie Welt" bzw. die "zivilisierte Welt" (es ist gegenwärtig nicht definiert, wer das ist) befinden sich seit dem 11.09.2001 in einem globalen Krieg. Dieser Krieg trägt den Charakter eines modernen Weltkrieges mit dem von dem führenden Militärstrategen Martin van Creefeld schon in den 90er Jahren ausführlich beschriebenen Symptomen terroristischer Gewalthandlungen nicht zwischen Staaten, sondern zwischen Machtgruppen, wobei sich alle Seiten terroristischer Methoden bedienen werden.

3. Die US- und anderen westlichen Geheimdienste, die noch wenige Minuten vor der Anschlagswelle keinerlei konkrete Informationen über das Ereignis besaßen, geben bereits 24 Stunden später immer mehr sich verdichtende Hinweise auf den möglichen Haupttäter: Osama Bin Laden.

4. Es ist augenfällig, dass die Struktur der Aktion vom 11.09.2001 nicht nur einen erheblichen finanziellen, personellen und logistischen Aufwand voraussetzte, sondern auch intimste Kenntnisse über interne Sicherheits- und Luftverkehrssysteme in den USA. Unabhängig davon, ob die Spur tatsächlich zu Osama Bin Laden führt, müssen hier Insider US-amerikanischer Herkunft am Werk gewesen sein.

5. US-Verteidigungsminister Powell erklärt am 12.09.2001 die gesamte Welt auf unabsehbare Zeit zum Kriegs-Operationsgebiet der amerikanischen Streitkräfte.

6. Damit nimmt der Terroranschlag neben der von Politikern und Journalisten behaupteten Vergleichbarkeit zu Pearl Harbor (1941) zumindest in der Art der Ermächtigung zur unumschränkten Kriegführung eher einen kriegsauslösenden Charakter an, wie der Überfall auf den Sender Gleiwitz (1939).

7. Die USA und möglicherweise ihre Verbündeten, die sich jedoch im Rahmen der NATO bis jetzt aus der militärichen Verantwortung geradezu abkoppeln, nehmen für sich in Anspruch, von nun ab überall auf der Welt militärisch intervenieren zu können.
Jegliche Norm völkerrechtlicher Kriegführung steht damit unter absolutem Veto der US-Regierung. Die Gesetze des Krieges sollen neu geschrieben bzw. vielmehr abgeschafft werden. Es wird künftig keine Regeln der Kriegführung mehr geben. Die Grenze zwischen Krieg und Frieden besteht nicht mehr. Beide Seiten werden sie jeweils in eigenem Ermessen überschreiten.

8. Dass nahezu ausschließlich zivile Opfer zu beklagen sind, kontrastiert scharf mit den Möglichkeiten der Täter, eigentlich jedes Ziel in den USA angreifen zu können. Sie haben demnach die militärische und politische Führung aus ihren Zielen ausgespaart, auch wenn den Tätern Zieloptionen z.B. gegen das Weiße Haus unterstellt werden.
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Ergänzungen

Sender Gleiwitz und der Reichstagsbrand

Eva 17.09.2001 - 00:10
Danke für den klaren Text. ich möchte noch einen Schritt weitergehen und an die Art und Ausführung des Reichstagsbrandes am 27.2.1933 erinnern, der den Nazis ermöglichte den ausnahmezustand zu verhängen und ihre Terrorherrschaft/Diktatur zu errichten. Nicht umsonst wird noch heute in der BRD die freie Forschung an diesem immernoch niocht aufgklärten Fall verhindert u.a. vom Spiegel/Augstein. Ich ahne, dieses Muster wird sich auch hier wiederholen. Damals wie heute spielen Geheimdienste eine maßgebliche Rolle. Übrigens viele Gestapoakten lagern heute noch in den Archiven der CIA. Akten des KGB sind in den Jahren nach dem Moskauer Putsch verschwunden, einer der russischen ArchivAngestellten, Fred Firsov arbeitet inzwischen in den USA. Ich glaube nicht, daß er mit leeren Händen kam. Wenn man sich die Geschichte weiter vorstellt, könnte man auf einen Plot a la James Bond kommen, daß einem schlecht wird. Also auch Sowietkrieg in Afghanistan - Mudschaheddin - Bin Laden - CIA - etc. ...

Die USA überschreiten die Grenzen

Jef 17.09.2001 - 11:33
der Humanen Kriegsführung, schon seit der Ausrottung der Indianer, der Ureinwohner Amerikas, von den US Greuel, in Korea und Vietnam ganz zu schweigen.

bokoffzki 17.09.2001 - 14:35
nur ein kurzer hinweis: Powell ist Außenminister und nicht Verteidigungsminister, was die Sache aber nicht besser macht.
Mir scheint, viele viele Kräfte haben nur auf solch einen Anlaß gewartet, um jetzt nach außen und innen loszuschlagen. Was da bedeutet, muß ein jeder für sich selbst klarstellen...

FICK MEIN GEHIRN

17.09.2001 - 15:24
beweise wird es keine geben, ( BLACK BOX laesst sich icht mehr auswerten...), die beunruhigenden meldungen ueber das WETTER treten in den hintergrund (frage: wieviele tote allein diese woche aufgrund von ueberschwemmungen, stuermen oder wetterbedingten hunger?),und wir versuchen so zu tun, als ob es einfach so weiter ginge, wie bisher...

Lieber Karl-Alexander

nix für ungut 17.09.2001 - 15:26
zu Punkt 1 und 8: Ob der Schlag Zivilisten traf oder andere, halte ich für ziemlich gleichgültig. Dir scheint so etwas wie eine Beseitigung der Verantwortlichen vorzuschweben. Damit würde sich aber nicht viel ändern: bringt man den Chef einer Bande um, stehen gleich eine ganze Reihe von Nachfolgern bereit. Der Staat kann zwar nur über Repräsentanten bestehen, aber seine Macht entspringt nicht aus den Eigenschaften von Bush, Schröder, Powell usw. Sonst müßten diese Einzelpersonen von Natur aus über mysteriöse, übermenschliche Kräfte verfügen. Aber bekanntlich kann auch ein ziemlicher Dummkopf wie Bush ein Staatsmann sein. Der Wille des Staates ist nur der verselbständigte, zu einer eigenen Macht konstituierte Wille der Staatsbürger. Die Abschaffung der Staaten ist wünschenswert, dafür braucht es aber mehr als ein paar Leute abzuknallen.
zu Punkt 4 und 6: Du hast sicher recht, daß die Attentäter mit den Gepflogenheiten amerikanischer Sicherheitssysteme vertraut waren. Dafür müssen sie nicht von der US-Regierung angeheuert worden sein. Du sagts ja auch selbst, daß die Spur trotzdem zu Bin Laden führen kann. Daß die CIA o. ä. hinter den Anschlägen steckt, wie einige auf diesen Seiten vermuten, halte ich für höchst unwahrscheinlich. Die USA haben Angst vor einem Verlust ihrer Weltmacht und vor einem Börsencrash, und sie betrachten dieses Ereignis sicherlich nicht als ein gutes Omen. Deshalb ist der Vergleich mit Gleiwitz (den Überfall auf den Sender Gleiwitz inszenierten die Deutschen selbst) oder Pearl Harbor (die USA verhinderten den Angriff nicht, obwohl sie davon offenbar wußten) eher unpassend.
zu Punkt 7: Was hilft es, auf die Gesetze des Krieges zu pochen? Die Voraussetzung, daß es solche Gesetze gibt, ist doch, daß Kriege geführt werden, und das ist schon einmal schlecht. Und wer soll solche Gesetze garantieren, wenn nicht eine überlegene Macht, die nicht zögert, die Einhaltung kriegerisch zu erzwingen? Wer könnte diese Macht sein, wenn nicht ein Zusammenschluß der mächtigsten Staaten? Schließlich: daß internationales Recht von einem Staat oder Bündnis mit genügend Gewaltpotential ignoriert werden kann, zeigt nur, daß Gewalt dem Recht vorgängig ist. Wenn das Recht gebrochen werden kann, ohne geahndet zu werden, existiert es nicht mehr. Gäbe es eine Antikriegsbewegung, die tatsächlich die Einhaltung des internationalen Rechts erzwingen könnte, wäre sie zu viel sinnvolleren Dingen fähig.