Beitrag auf indymedia-Israel zur momentanen Kriegshetze

von Irit Katriel 16.09.2001 17:09 Themen: Weltweit
"Alle in einem Boot - fatalistische angst (1)" von Irit Katriel ist einer der Beiträge zu den Anschlägen in New York und der momentanen Kriegshetze, die indymedia Israel in ihre Mittelspalte gesetzt haben.

"Ich blicke auf die Straße und es sieht aus wie Beirut, aber dies ist hier - genau in meinem Hinterhof" (ein amerikanischer Bürger auf CNN, Sept 12).
Alle in einem Boot - fatalistische Angst

"Ich blicke auf die Straße und es sieht aus wie Beirut, aber dies ist hier - genau in meinem Hinterhof" (ein amerikanischer Bürger auf CNN, Sept 12).

Es kann sein, dass Bush und Blair es selbst glauben, wenn sie sagen, dass dies Anschläge auf die "freie und demokratische Welt" seien. Es kann sein, dass CNN-Redakteure glaubten, sie sprächen die tatsächlichen Sorgen des Durchschnittsamerikaners an, als sie die Zuschauer ständig in den ersten zehn Stunden des Chaos und der Panik beruhigten, "Bush sei an einem sicheren Ort". Es kann sein, dass der Priester, der von einem CNN-Reporter gebeten wurde, den Menschen zu raten, wie sie mit der Angst umgehen sollte, es ernst meinte, als er vorschlug: "Betet für die Verletzten, die Vermissten und besonders (!) den Präsidenten".

Aber die Quintessenz für die normale Amerikanerin (2) ist, dass Beirut in ihrem Hinterhof ist. Wie Millionen auf der Welt, zahlt sie für Verbrechen, die sie nicht begangen hat.

Wir hörten die Köpfe der amerikanischen und israelischen Kriegsmaschinen, als sie immer wieder ihr Beileid für die Zivilisten aussprachen, die sie umgebracht hatten.
Sie erklärten, dass sie leider keine Wahl gehabt hätte. Ein lokaler Diktator opfert zynisch die zivile Bevölkerung, bringt Kinder in die Schusslinie, nutzt ihren Tod als politischen Erfolg. Jeder Akt des Mordens ist immer gerechtfertigt, immer notwendig, immer für eine gute Sache. Es ist wahrscheinlich, dass die Zerstörer Manhattans die gleiche Logik benutzten, um ihre Handlungen zu rechtfertigen. Es ist die einzige Logik, die in unserer Welt verstanden wird.

Nun versuchen Bush und Blair die "freie und demokratische" Welt zu vereinen gegen die Dritte Welt. Sie fragen stumpf: "Auf welcher Seite steht ihr?" und hören sich an, als formten sie die Koalition für den Dritten Weltkrieg. Sie glauben es wahrscheinlich selbst, wenn sie sagen, dass der Weg, die Freien (das heißt: sich selbst) zu schützen, sei, höhere Zäune zu errichten, mehr Freiheiten einzuschränken, und darüber hinaus Afghanistan oder Iran oder Irak oder alle drei zu zerstören.

Und man hört CNN's professionelle Liberale mahnen, an die Zivilisten zu denken, wenn man das Unrecht vergelte. Wie altbekannt und grotesk das ist. Als ob sie jemals an Zivilisten - in anderen Ländern und ihrem eigenen - dächten. Als sei diese Message etwas anderes als grünes Licht, um in den Krieg zu ziehen.

Die Dummen unter ihnen denken, dieser Krieg sei über Amerikaner, die in New York starben. Die Hinterhältigen wissen, dass sie einen Krieg über die Hegemonie ausrufen. Beide, die Dummen und die Hinterhältigen sind Macht trunken und denken, sie würden nicht in Beirut enden.

Dies ist die Art der "Freiheit und Demokratie" die Bush und Blair geschaffen haben:
Beirut ist in Deinem Hinterhof und Du verstehst nicht worum dieser Krieg geht, weil die Medien nur mystische Erklärungen zum "Bösen gegen die Zivilisation" anbieten. Und während Tausende Menschen unter den Trümmern begraben sind, sollst Du für den Präsidenten beten.

Wenn sie Dich fragen: "Auf welcher Seite stehst Du?", sage ihnen, Du stehst auf der Seite derer, die begraben liegen unter den Überresten ihrer "Neuen Weltordnung".

1 "angst" im Original Deutsch
2 im Original "American", aber im Folgenden benutzt die Autorin die weibliche Form.

Hier noch einige Kommentar zu dem Beitrag auf Indymedia Israel


Anonym: Ich habe dem wenig hinzuzufügen. Es macht mich ebenfalls krank, wie die Presse die Situation in einen Comic "Demokratie gegen das Böse" macht.

Anonym: Ich bin tief traurig und wütend, dass dieser Akt benutzt werden wird, um den Palästinensern ihre Rechte zu verweigern. Ein schrecklicher Akt wurde begangen, auf den ein hilfloses Volk - die Palästinenser - keinen Einfluss hat.

(übersetzt von Blue)
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Ergänzungen

Ein interessanter Beitrag

thelumpi 16.09.2001 - 18:56
Danke für die Übersetzung!

hummel 16.09.2001 - 23:15
Was wird dazu wohl der antideutsche Splitter sagen? Na klar: Indymedia Israel ist zutiefst antisemitisch! *lol*

Neuigkeut

maria 16.09.2001 - 23:50
In der kath. Kirche wurden heute nach den Messen Unterschriftenlisten ausgelegt und die Leute wurden in den Messen dazu aufgefordert sie zu unterschreiben. In dem dazugehörigen text wurden die Politiker an ihre Verantwortung erinnert und es wurde vor einem Krieg gewarnt.
das hört sich zwar nicht sehr kämpferisch an aber ich finde es gut. Ansonsten habe ich das gefühl das alle in eine totale Starre verfallen sind.Ach so die listen sind heute abend nach berlin gefaxt worden.

Hoch die Antinationale Solidarität!

Karl 16.09.2001 - 23:56
Nicht Antisemitisch, aber oft genau so verpeilt(das nennt sich z.B. dann Antizionistisch,siehe N. Finkelstein). Warum auch nicht sind schließlich auch nur Menschen die im Kapitalismus leben, und aus dem ergeben sich dann Verblenndungsmomente, wie man an euch ja sieht.

informationen vor ort

shiva´s little helper 17.09.2001 - 00:00
es wäre sehr informativ wenn weitere artikel und "free media" news aus dem nahen osten objektiv übersetzt werden könnten.

hdf

luku 17.09.2001 - 00:31
kann mich nur voll und ganz Hummel anschließen. und an Karl:
jetzt auf einmal sind die Menschen, die in Israel leben einfach nur Menschen, die im Kapitalismus leben. sie vertreten ja nicht deine Meinung. sonst siehst du sie immer nur unter dem Blickwinkel, dass es Juden sind und schimpst alle Menschen Antisemiten, die sich für die Rechte der Palästinenser einsetzen, oder einfach Palästinenser sind, die auf ihre Rechte bestehen

freie Medien im Nahen Osten?

Blue 17.09.2001 - 00:37
Weiß denn jemand von freien Medien im Nahen Osten außerhalb Israels?

purer selbsthass!!??

dirk 17.09.2001 - 00:50
ja karl, du hast recht.genauso wie alle menschen nach genua usw. gefahren sind,getrieben vom puren antisemitismus,haben die indys aus israel einen grauenhaften selbsthass in sich.eigene gedanken,eigenen kopf,eigene augen mit denen sie sehen was vor ihrer haustür passiert?nein ,natürlich nicht!denken können sowieso nur bahamas+die antideutsvhenkommis berlin.deshalb:ab jetzt solidarität mit usa,gegen den faschistisch/antisemitischen terror! warum? weil es kein anderes problem gibt als den antisemitismus.und antisemitisch ist schliesslich jede/er,auch viele juden,vorallemdie,die frieden wollen.

...

Klaus Kinkel 17.09.2001 - 01:49
(sehr witzig, dirk) an blue: sind auf indymedia.israel denn keine links oder so? ich kann mir vorstellen, daß es da schon verbinungen gibt. sonst weiss ich, daß sich gerade um ein indy-palestine beworben wird. die könnten vielleicht direkt angeschrieben werden (lists.indymedia.org - New imcs - dort sind einige Mails von denen).

Karl hat recht

peng 17.09.2001 - 15:37
"Ein lokaler Diktator opfert
zynisch die zivile Bevölkerung, bringt Kinder in die Schusslinie, nutzt ihren Tod als
politischen Erfolg. Jeder Akt des Mordens ist immer gerechtfertigt, immer notwendig,
immer für eine gute Sache." Das trifft ja wohl am ehesten auf die palästinensischen Führer zu.

bitte nuechtern!

Buenaventura 17.09.2001 - 18:27
klar, und palaestinenser sind wilde Tiere, die ihre Kinder nicht lieben, und an die Front schicken. ich wuerde echt gerne mal eine nuechterne Diskussion ueber euren Antisemitismusbegriff sehen. also, sobald ich davon ausgehe, dass es maechtige und reiche gibt, die versuchen, die Welt zu ihren Gunsten zu manipulieren bin ich Antisemit?
natuerlich kann es dazu tendieren, und man sollte wach sein, genau wie man auch wach sein muss gegenueber schleichendem Rassismus. nicht wahr, liebe Antideutsche?
ich finds auch der Hammer, dass ihr staendig anderen Menschenverachtung vorwerft und selbst eine total beschissene und beleidigende Sprache benutzt.

freude

18.09.2001 - 03:48

???Antis???

kai 18.09.2001 - 11:58
Na, das ist doch mal wieder ne schöne debatte- alle verharren schön auf dem was sie gelernt haben, scheissegal wie die aktuelle lage ist. Isreal hat ein existensrecht; und das hat seinen grund in der jahrhundertelangen verfolgung von jüdinnen und juden.dementsprechend hat es auch ein sehr reales sicherheitsinteresse,da es umgeben von staaten/bewegungen ist, von denen ein grossteil die juden am liebsten ins meer treiben wollen. Es gibt viele gründe an der Besatzungspolitik israels kritiken zu äussern, nur sollte diese stets eine solidarische sein - gerade die der deutschen linken. ob aber die israelische autorion vom kapital verblendet wurde - na ich weiss nicht..

Was geht ab?

Rüdiger 18.09.2001 - 14:39
Während ihr hektisch, aufgeregt und intolerant über einen Antisemistismusbegriff "redet", bereitet sich die westliche Welt auf einen (begrenzten) Weltkrieg vor.
Der Artikel ist gut. Schön mal etwas aus Israel zu hören.

Buenaventura 18.09.2001 - 18:01
gibt es irgendwo ein Forum, in dem das Thema mal diskutiert werden koennte. mir scheint auch, dass wir alle da ueberreagieren(mich eingeschlossen).

Ja,ja, herauslesen kann man immer!!

Dennis 18.09.2001 - 18:56
Oh ja, natürlich soll man auch in dieser Zeit nicht vergessen, was Amerika und die hochrangigsten "Volksvertreter" unserer "Industriestaaten" darstellen: Die
Speerspitze des internationalen, imperialistischen Grosskapitalismus´, aber angesichts der Entwicklungen der letzten Woche zu jedem offiziellen Kommentar den linksintellektuellen Hund von der Leine zu lassen ist nicht nur überflüssig, sondern auch peinlich und bei zeiteneinfach falsch! Natürlich laufen die offiziellen Formulierungen auf "Demokratie gegen das Böse" hinaus, was wohl aber auch zu erwarten war, ist dies doch das Selbstverständnis der Postulaten, aber was zum Teufel ist im Kern (lässt man das plakative "demokratisch" mal aussen vor) so falsch daran??
Klar, die Formulierung ist Mumpitz, der Norden ist, was er ist, dazu brauchen wir kein Wort mehr zu verlieren, aber Kritik an seinem momentanen Handeln sollte jetzt recht vorsichtig benutzt werden. Die Bedrohung, die Amerika eine Visitenkarte geschickt hat, betrifft und bedroht nun wirklich alle, Industriestaaten wie den Süden, sie zerstört alles, wofür Menschen, die sich über die Abläufe in der Welt im klaren sind, kämpfen, bedrohen ihre Ziele, die Ziele des Süden, der erklärten "Globalisierungsgegner", weil sie diese Bewegung um Jahre zurückwerfen kann. Auch deshalb müssen alle in diesen Zeiten gemeinsam agieren, und eine Zerschlagung dieser Terrorstrukturen scheint wohl unumgänglich. Das in Folge natürlich klammheimlich bis offen dreist imperialistische Forderungen und Wünsche umgesetzt werden, ist fatal und zu verurteilen, aber unter welchem Banner als dem der "Freiheit und Demokratie" soll sich die Welt offiziell den versammeln und natürlich, wer betet, soll für die Opfer beten, aber auch, und zwar auch "besonders" für Öl-Cowboy George, denn der sitzt am roten Drücker und könnte im schlimmsten Fall weit mehr Opfer hervorbringen als das New Yorker Amargeddon, also denkt mal nach, bevor ihr euch in eurem manchmal selbstgerechten Verständnis zu solchen profiierungsversuchen hinreissen lasst

Buenaventura 19.09.2001 - 00:52
was willst du denn sagen? das wir alle uns hinter Amiland stellen sollen? kann ja wohl nicht sein. den Terrorismus werden "wir" wohl nicht zerstoeren koennen. da ueberschaetzen sich die Amis-denke ich- gewaltig. du hast schon recht, dass man mit Formulierungen und antihaltung aufpassen muss. aber es spricht doch nix dagegen herauszuheben, dass die 10 mal mehr Dreck am Stecken haben, als alle Bin Ladens zusammen.

22.09.2001 - 10:45
gut dass diese Seite jemand übersetzt!!!!Merci!!!!