Kriegserklärung gegen Unbekannt

Tom Vogt 13.09.2001 17:32 Themen: Weltweit
Die NATO gegen den unbekannten Feind - aber ist präventive Notwehr und blinder Aktionismus wirklich die Antwort?
Erstmals in ihrer Geschichte hat die NATO den Bündnisfall erklärt. Wir haben also Krieg, ganz offiziell, und so werden die Terroranschläge vom Dienstag auch in den Medien überschrieben.

Nun wissen wir noch nicht, wer der Feind denn ist, wir haben also das wohl erste mal den Fall einer Kriegserklärung, gleich von vielen Staaten, gegen unbekannt. Und die Bundesregierung fällt wie die anderen europäischen Nationen hinter dem blinden Aktionismus der USA in Gleichschritt.

Dabei wissen wir alle, warum die Anschläge passierten - nämlich weil die USA ohne Rücksicht oder Mäßigung über so viele Nation und Völker auf dem Planeten hinweggetrampelt sind, daß sie in ganzen Erdteilen kaum mehr als Haß ernten, daß selbst ihre Verbündeten mehr Angst als Vertrauen empfinden. Terror ist die Kriegsführung derer, die keine anderen Wege mehr sehen, und häufig genug fühlen sie sich dabei genauso im Recht wie "unsere amerikanischen Freunde", die als Antwort Dörfer und Arzneimittelfabriken bombadieren.

Auch angesichts des Schreckens sind die Amerikaner sicher keine Nation mit besonderem Anspruch auf Moral und gutes Gewissen. Die unschuldigen Opfer der jüngsten Anschläge mögen in die tausende gehen, aber die Liste an Ländern welche dank amerikanischer Gewaltakte viel größere Opfer unter der Zivilbevölkerung zu beklagen hat, ist nicht gerade kurz. Nicht zu vergessen die US-Unterstützung für so manchen Bürgerkrieg, der nur mit amerikanischem Geld und Waffen in seiner vollen Grausamkeit geführt werden konnte.

Es mag in diesen Tagen nicht "politically correct" sein, aber es bleibt eine Tatsache daß die USA als Nation nur den Haß und die Gewalt geerntet haben, den sie seit Jahrzehnten säen. Die Toten vom Dienstag
tragen daran wenig Schuld - sie sind nur Teil dieser Nation gewesen, und in der Regel nicht der Teil, der ihren Kurs bestimmen konnte, allen Platitüden von Demokratie und Mitbestimmung zum Trotz.
Denn hier zeigt sich eine andere Dimension: Wenn wir eine Demokratie sind, wenn alle Gewalt vom Volke ausgeht, dann ist das Volk, also wir, auch für die Taten des Staates verantwortlich. Dann gibt es keine Unschuldigen.

Kein Zweifel besteht daran, daß die Anschläge die Nation USA getroffen haben. Tausende Unschuldige sind ums Leben gekommen, aber trotz aller "Business as usual" Bemühungen, ist Amerika kollektiv gelähmt - für einen kurzen Moment. Katharsis. Ohnmacht.
Dann aber setzt der Aktionismus ein. Die Geheimdienste und Ermittlungsbehörden, die im Vorfeld so katastrophal versagt haben, machen in kürzester Zeit Verdächtige ausfindig. Spuren bis nach Deutschland werden in Stunden entdeckt, der Ruf nach schärferen Überwachungsgesetzen wird laut, das FBI beginnt sofort mit der großflächigen Installation seines "Carnivore" e-mail Abhörsystems.

Aber können wir den US-Nachrichtendiensten glauben? Haben sie wirklich nichts gewußt, oder hatten sie vielleicht durchaus Hinweise,
Verdachtsmomente, aber nicht genug um einzugreifen? Wer könnte es ihnen verdenken, daß sie dies lieber verschweigen und sich unwissend stellen? Wenn nun in kürzester Zeit Verdächtige gefunden und Wohnungen durchsucht werden, ist das dann ein Ergebnis von Fahndungserfolgen oder von Erwartungsdruck?
Und spielen die Ermittlungen überhaupt eine
Rolle, wo im mediengesteuerten Amerika die Nachrichtensender doch längst einen Schuldigen gefunden haben?

Und überhaupt, was hat das Abhören von e-mail mit angeblichen Terroristen aus dem bekanntermaßen Internet-feindlichen Afghanistan zu tun, die mit Messern Flugzeuge entführen? Umstrittene High-Tech als Antwort auf effiziente Low-Tech. Sind die US-Behörden wirklich so dümmlich, oder nur so skrupellos, daß sie die "Gelegenheit" ausnutzen?

Viel erschreckender aber ist, daß die europäischen Nationen in diesen Tagen keinerlei eigenständiges Handlungsvermögen zeigen. Wir sind oftmals erwachsener als die Amerikaner, die als Nation in der Regel
das Verhalten eines pubertierenden Raufburschens zeigen. An uns wäre es, Besonnenheit statt Flucht nach vorne zu demonstrieren, zum Frieden statt zum Krieg aufzurufen, und die angeblich doch so tiefchristlichen Amerikaner auf Vergebung statt Vergeltung hinzuweisen. So schwer sie auch fallen mag, aber wir sollten uns vor Augen führen, daß niemand, auch nicht ein Fanatiker, ohne schweren Grund freiwillig in den Tod geht. Aus Sicht der Attentäter steht der Gegenschlag nicht bevor, aus Sicht der Attentäter war der Gegenschlag Dienstag.

Rache nach dem "Auge für Auge" Prinzip sollten wir nur dann nehmen, wenn wir auch bereit sind, eins unserer Augen herzugeben. Und als Zeichen der Solidarität und Stärke ist die Kriegserklärung vom Mittwoch denkbar ungeeignet - wer auch immer die Anschläge verübt hat, nach seiner Ansicht befindet er sich ohnehin bereits im Krieg.

Nein, die Rolle der Europäer in dieser Tragödie sollte vielmehr darin bestehen, den Amerikanern deutlich zu machen, daß sie endlich erwachsen werden müssen. Die Zeit der harmlosen Schulhofprügeleien ist vorbei. Dies ist kein Hollywood-Film - unter Erwachsenen hat Gewalt /Folgen/. Und Erwachsene haben Rechtsstaaten geschaffen, um genau die
grenzenlose Ausuferung von Gewalt und Gegengewalt zu verhindern, auf welche die Amis in diesen Tagen direkt zusteuern. In der wirklichen Welt kann man nicht jahrzehntelang Bürgerkriege schüren, unliebsame Regierungen stürzen und den Krieg überallhin tragen, ohne dafür selbst Opfer von Gewalt zu werden. Und so grauenvoll die Antwort in diesem Fall auch war, nur einer der schon beide Augen verloren hat sieht nicht, daß ein Weiterschrauben der Gewaltspirale, eine Kriegserklärung gegen das Böse in der Welt im Allgemeinen die Gewalt nicht beendet, sondern nur die Sargbestellung für die nächsten Opfer ist.

Es gibt keine einfachen Antworten auf das Problem des sogenannten internationalen Terrorismus. Es gibt nur langwierige und komplizierte Wege, mit Rückschlägen und Sackgassen. Für das pubertäre Amerika ist
die Welt noch einfach. Gut und Böse sind klar abgegrenzt und Rambo gewinnt am Ende. Europa aber sollte klüger sein, sollte seine reichhaltigen Erfahrungen nutzen, und statt eines voreiligen Schulterschlusses mit dem langsam rot anlaufenden Gorilla auch sehen,
daß er in seiner Wut auf Recht und Unrecht keinen Wert legen wird - und das hat er oft genug vorgeführt.

Oder hat Europa auch zuviel Angst vor Amerika als das wir wirklich für eine friedlichere Welt eintreten könnten?
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Ergänzungen

ghgdfsg

baby no. 3 13.09.2001 - 18:33
natürlich sind die terroristinnen nicht einfach vom himmel gefallen, sondern grösstenteils wohl motiviert durch die ungerechtigkeiten und die menschenverachtende weise, in der der herrschende kapitalismus (fast) alles unter sein ökonomisches diktat stellt. hier aber den gegensatz europa-amerika aufzmachen ist aber viel zu einfach und auch verfehlt. der kapitalismus in europa mag vielleicht auf den ersten blick als zivilisierter erscheinen, im endeffekt handelt es sich aber um die selbe kacke wie innen usa. deswegen sollte auch nicht das ach so erwachsene eur. den dummen amis ratschläge geben, sondern alle antikapitalistischen und antimilitaristischen linken in aller welt sollten sich zusammenschliessen und versuchen, den kapitalismus zu überwinden.

Innerimperialistische Widersprüche

Lin Wei 13.09.2001 - 18:36
Zwischen den USA und "Europa", als auch innerhalb Europas, z.B. zwischen Deutschland und Groß Britanien gibt es von Zeit zu Zeit unterschiedliche Interessen, die auch mit unterschiedlichen Methoden durchgesetzt werden sollen. In klassischer Sprache ausgedrückt heißt das, das es Widersprüche zwischen den verschiedenen imperialistischen Staaten gibt. Es ist aber falsch, sich für eine dieser Varianten zu entscheiden, z.B. gegen Amerika und für Europa. Das klingt nach Antiamerikanismus pur. Abzulehnen sind naürlich auch die Varianten "Amerika ist die absolute Verkörperung der Freiheit, des Guten usw." oder wie "wir" müsen jetzt alle zusammenstehen (USA/Europa). Aus sozialrevolutionärer Sicht, sind alle imperialistischen Varianten unterschiedslos abzulehnen. Klasse gegen Klasse - für den Kommunismus, für die Anarchie!

pubertäres amerika? aufgeklärtes europa?

einer der sich freut 13.09.2001 - 19:00
endlich mal eine einigermassen fundierte stellungnahme zum thema. das einzige was mich etwas stört ist die annahme, dass amerika nicht weiss was es tut. die usa sind nicht pubertär und sie wissen auch ganz genau, dass ihre aussenpolitik folgen für sie hat. deshalb haben sie auch schon seit langem auf die neuen gefahren durch den "internationalen terrorismus" hingewiesen.

und dass europa klüger sein soll, hmmm, warum? wenn man im globalen kapitalismus mitmischen will - und das will europa -, dann muss man diesen neuen "feind" auch bekämpfen.
deshalb die eiligen solidaritätserklärungen.

retro

t.tuwat 13.09.2001 - 19:30
WANN ENDLICH BRENNEN DEUTSCHE HANDELSZENTREN ???

Erst denken, dann schreiben!

eine wie keine 13.09.2001 - 20:05
Dieser Artikel ist so widersprüchlich und dumm, daß ein Kommentar zwangsläufig etwas länger ausfallen muß. Dummheit Nr. 1: Der Autor/die Autorin glaubt offenbar, daß die NATO die Ratschläge seines/ihres Stammtisches aufgreift und danach handelt. Die NATO soll nicht "Notwehr und Aktionismus" zeigen. Die Autorin scheint anzunehmen, daß die NATO freiwillig ihre Rolle als mächtigstes Militätbündnis der Welt aufgibt und dabei noch umsichtig handelt. Daß die NATO sich selbst aufgibt, ist aber nicht realistisch, und deswegen sucht sich unser Autor neue, mächtige Freunde:
Dummheit Nr. 2: Es gibt Nationen "mit besonderem Anspruch auf Moral und gutes Gewissen", die USA gehören nicht dazu, dafür aber die europäischen Nationen. Die sollen "eigenständiges Handlungsvermögen" zeigen, und zwar gegenüber der NATO. Daß sie selbst zur NATO gehören, scheint dem Autor entgangen zu sein. Aber es gibt ja Konkurrenz innerhalb der NATO, die EU-Staaten wollen selber zu einer Weltmacht vom Kaliber der USA werden, und darin, meint die Autorin, liege eben ihre besondere Würde. "Wir sind oftmals erwachsener als die Amerikaner, die als Nation in der Regel das Verhalten eines pubertierenden Raufburschen zeigen", behauptet sie und gibt damit nur zu erkennen, wie sehr sie sich wünscht, daß die Weltpolitik der USA im Vergleich zu der des zukünftigen europäischen Imperiums zum Sandkastenspiel verblaßt. Die erwachsenen Nationen sollen "keine Angst" vor den USA zeigen, und das kann nur heißen, daß sie sich im Namen eines Kampfes "für eine friedliche Welt" den USA in den Weg stellen sollen. Daß eine Konfrontation der EU mit den USA früher oder später in einen Weltkrieg führen würde, ist jedem denkenden Menschen einsichtig. Aber den pubertierenden Burschen und rot anlaufenden Gorillas muß nun mal auf die Finger geklopft werden, Weltkrieg hin oder her. Da jeder Krieg mit einem Frieden endet, kann man das ganze Friedenspolitik nennen. Als geradezu hellsichtig erscheint der Ratschlag, Europa solle "seine reichhaltigen Erfahrungen nutzen". Wie wär´s mit den Erfahrungen aus dem letzten Weltkrieg? Daß der Autor dabei nicht abseits stehen würde, wenn "das Volk, also wir" durch seine demokratischen Repräsentanten den Krieg beschließen würde, ist so gut wie sicher. Die Einsicht, daß "eine Kriegserklärung gegen das Böse in der Welt im Allgemeinen die Gewalt nicht beendet,sondern nur die Sargbestellung für die nächsten Opfer ist", sollte er sich selber hinter die Ohren schreiben.
Dummheit Nr. 3: Die Autorin scheint wirklich der Ansicht zu sein, daß die amerikanischen Geheimdienste, die sie dafür tadelt, "so katastrophal versagt" zu haben und nur scheinbare "Fahndungserfolge" zu zeigen, in Wirklichkeit von dem bevorstehenden Attentat gewußt haben und sich jetzt "unwissend stellen". Wenn das Denken aussetzt, schaltet sich der Verschwörungsautomat ein. Dieser produziert dann auch antisemitisch angehauchte Andeutungen wie die, daß die USA nach dem Prinzip Auge um Auge Rache üben. Dabei ist Rache im Vergleich zu den Verwaltungsmaßnahmen eines Staates ein relativ harmloses menschliches Motiv.
Dummheit Nr. 4: Der Autor identifiziert sich nicht nur mit den europäischen Staaten, sondern zeigt auch einige Sympathie für die Attentäter. Die USA haben nur bekommen, was sie verdienen, sie ernten nur, was sie gesät haben, so der Tenor. Verdient hätten die USA eine Weltrevolution, die ihre Existenz als Staat beendet. Es handelt sich hier aber nicht um eine revolutionäre Aktion, sondern um einen Massenmord, und das ist ein großer Unterschied. Dem eher christlich angehauchten Autor ist das aber egeal, ihn peinigen nur die Gewissensbisse, und so philosophiert er über Schuld und Unschuld - ausschlaggebend ist dann letzlich die Schuld.

keine Autorin, sondern ein Autor

eine wie keine 13.09.2001 - 20:17
Ach so, der Autor heißt also Tom, hatte ich anfangs nicht gesehen.

Wenn...

granno 13.09.2001 - 20:47
wenn nur mehr leute so denken würden... (oder das erkannt hätten, aber leider haben andere medien mehr einfluss)
volle unterstützung für den beitrag!
Die USA (oder besser, die leute an der macht!) sind zu 90% (oder noch mehr) selbst schuld an den anschlägen, bei aller trauer und bei allem mitleid mit den (unschuldigen)opfern und angehörigen, ich glaube, dass das unheil was die (regierung der) USA anderen bis jetzt zugefügt hat bei weitem schwerwiegender ist, als die anschläge vom dienstag (oder sämtliche terror oder kriegsaktionen gegen die usa)!
aber es ist nie gut wenn menschen gewaltsam sterben! (besonders wenn sie eigentlich selbst opfer einer machtgeilen maschinerie sind)

Köln

Rotkehlchen 13.09.2001 - 21:47
in köln waren heute ein paar leute auf der Domplatte und hatten transpas mit: kein gegenschlag dabei und es gab auch Flugblätter von der Friedensbewegung. Ich weiß das sich das nicht so toll anhört aber... läuft denn sonst garnix? Naja auf jeden fall treffen die sich dort morgen wieder un fünf.
läuft was in anderen Städten?

Falsche ANSÄTZE

Utz 13.09.2001 - 23:00
Das Problem der Linken in der Auseinandersetzung mit dem Massenmord von New York ist, dass nicht analytisch differenziert wird, warum dieser Massenmord stattfand. Da es islamische Fanatiker, strukturell islamische Faschisten, wobei letzteres ideologiegeschichtlich stimmt, nicht aber in einer Faschismusdefinition, die sich auf den historischen europäischen Faschismus bezieht, sind, die den Mord begangen haben, muß man sich einige Punkte vergegenwärtigen. Für Faschisten ist das konkrete Leben von Individuen und der angegriffene Symbolwert gleichbedeutend. Faschismusähnliche Ideologien wie der Islamismus basieren auf diesem Konzept. Eine real niemals existierende Vergangenheit wird mythologisiert, das heißt, in eine religiöse Sphäre gehoben. Das Ziel, um das es religiös bestimmten Faschisten geht, ist ein irreales. Die Auflösung in der Selbstvernichtung definiert sich über die Vernichtung eines äußeren Feindes. Den strukturell faschistischen Islamismus zeichnet aus, dass die Erlösung im Jenseits gefunden wird, in der Selbstaufopferung. In diesen Konstruktionen (Allahs Söhne, deutsche Volksgemeinschaft...) existiert ein Individuum per se nicht.

Wir müssen uns hüten, unsere Symbolwerte auf die Symbolwerte des islamischen Faschismus zu übertragen. Der Hass der Islamisten richtet sich gegen 1789, gegen die amerikanische Unabhängigkeit, gegen bürgerlich-demokratische Rechte, NICHT gegen die kapitalistische Ausbeutung mit emanzipatorischer Perspektive auf ein sozialistisches Morgen. Der Massenmord von New York war der Angriff einer Epoche (eines mystifizierten islamischen Mittelalters) geegn eine andere (die europäische Moderne). es stimmt, dass die USA außenpolitisch und innenpolitsch gegen die indigene Bevölkerung vor allem ein expansionistisches und imperialistisches Land sind. Sie sind und waren aber auch immer ein progressives Land. Diese Ambivalenz, eine Ambivalenz des Kapitalismus, der eine revolutionäre und emanzipatorische Entwicklung aus dem Feudalismus war, blühte in den USA auf. Die Siedler in den USA, das agrarische Kapital der Selbstversorgung war, wie Marx auffiel, ein entscheidender emanzipatorischer Schub. Die amerikansichen Kolonien waren im 19. Jahrhundert um Welten demokratischer als Europa. Sicher, die andere Seite ist die Blutspur, die die USA seit ihren Anfängen durchzieht, Folge der kapitalistischen Expansion. Dabei Europa, wie dies ja rot-grüne Melange ist, als positiven Gegenpol zu setzen, ist allerdings dumm, entweder zynisch oder zumindest ein Zeichen von Unwissenheit. Wieviel Millionen Menschen wurden denn von den Briten als Kolonialmacht geschlachtet, König Leopold von Belgien ließ im Kongo ungefähr 2,5 Millionen Menschen umbringen, von der spanischen Conquista dürftest du gehört haben, Frankreich hat allein im Algerienkrieg Millionen ermordet... Auschwitz war ganz nebenbei, keine Erfindung der Amerikaner, sondern des sympathischen Volkes, dessen Bundeskanzler es (DAS deutsche Volk) heute hinter Amerika stellt. Die nehmen sich da alle nichts. Demokratische Bürgerrechte, die in Jahrhunderten errungen wurden, und kolonialimperialistische-kapitalistische Außenpolitk sind leider zwei Seiten einer Medaille, die zusammengehören.

Faschisten jedweder Coleur lehnen aber gerade diese Bürgerrechte ab, die "westliche Dekadenz", "Verfaultheit", nicht den Kapitalismus, sondern den "schnöden Mammon" und sehen in der islamistischen Variation als dessen Alternative einen Gottesstaat, in dem Dieben die Hand abgehackt, in dem Mörder und Gotteslästerer gevierteilt werden, in dem Frauen eine Ganzkörperverschleierung tragen... Dass diese religiösen Faschisten in den Palästinensergetthos breite Zustimmung finden, liegt auf der Hand, als falsche Lösung der sozialen Frage. Hier hat es das auch gegeben, man denke an Kraft- und Freude, man denke an die SA, die gerade das proletarisierte Kleinbürgertum einfingen, welches in vormodernen Strukturen dachet, aber der modernen kapitalistischen Warenzirkulation ausgesetzt war.

Mit George W. Bush, einem White Anglo Saxon Protestant, also ebenfalls einem religiösen Fundamentalisten, hat dieses Gelichter den passenden Counterpart gefunden. Die Denkstrukturen der dichotomen und manichäischen Weltbilder der Mörder von New York und des amerikanischen Präsidenten, der vielleicht bald der Mörder von Karáchi, Teheran, Bagdad oder Kabul sein wird, sind gleich. Religiöser Fundamentalismus zeichnet sich, da hast du recht, aus durch ein gutes, das in der Vernichtung des Bösen sich erweist. Leider fechten sie diese archaischen Kämpfe nicht unter sich aus, sondern auf Kosten der Bevölkerung, mehrere 100.000 Menschen im Irak im Ölkrieg, mehrere 10.000 jetzt in New York. Das der Bruder im Geiste, der einer anderen "Volksgemeinschaft" angeört, von Ben Nidal, George W. Bush die Vernichtung des Symbols von "god´s own country" mit einem Inferno beantworten wird, halte ich eigentlich für sicher.

Die Folgen hier, Militarisierung der Innenpolitk, vermehrte rassistische Übergriffe durch Staatsorgane und "westlich-zivilisierte" Bürger auf Menschen arabischer Herkunft, nicht öffentlich thematisierte Zerstörung von Grundrechten... werden schrecklich sein. Wir sollten uns auf das Schlimmste gefaßt machen. Für die Linke brechen harte Zeiten an.

Denn wir leben 1984 und Ozeanien führt Krieg

eis

jan 14.09.2001 - 00:48
Die kriegsähnlichen terroranschläge auf die symbolischen zentren amerikanischer macht, die aber eben auch zehntausende mit in den tod rissen, mit dem hinweis auf die allseits bekannte amerikanische hegemonialpolitik zu relativieren, ist aus meiner sicht absolut unzulaessig. Auch in den kommentaren findet sich teilweise versteckte bis offene freude. Natürlich ist zur erklärung der anschläge die ananlyse der amerikanischen politik der letzten jahrzehnte, oder besser die analyse der wahrnehmung von amerikanischer politik und machtausübung notwendig, aber es kann sie nicht entschuldigen. Die amerikanische gesellschaft verbirgt ihre interessen nicht und sie hat keine bedenken, sie in der ganzen welt zu verfolgen, sie verfolgt sie aber nur im grenzfall militärisch, sondern meistens wirtschaftlich (ich halte das für eine verbesserung im vergleich zu älterer machtpolitik), d. h. sie erlegt sich gewisse selbstbeschränkungen auf und die wurzeln auch aus meiner sicht im amerikanischen politischen system. Offener terror gegenüber der bevölkerung ist kein instrument amerikanischer politik, wohl aber ein instrument in der politik von anderen staaten, die - und dafür danke ich gott mit allem amerikanischen pathos - nicht so mächtig sind. Wie kann man eine berechtigte kritik an den usa, die vollkommen legitim und notwendig ist und nebenbei von den usa auch vertragen wird, und immer den ausbau der offenen gesellschaft (ganz allgemein gesprochen) zum ziel haben sollte verbinden mit einer apologie des terrors? Der mord am geschaeftsmann ist nicht legitim.
jan

Der Artikel ist entsetzlich und widerwärtig

Ella B. 14.09.2001 - 00:49
Tom Voigt, ich bin vollkommen entsetzt über Deinen Artikel.

Getötet und verletzt wurden hier nicht Militärs, Politiker oder Staatsführer, sondern unschuldige Menschen, die wie jeden Tag ihrer Arbeit nachgegangen sind.

Kennst Du den Unterschied?? Waren die Toten für das Elend der Welt verantwortlich?

Deine Formulierung "...auch angesichts des Schreckens sind die Amerikaner sicher keine Nation mit besonderem Anspruch auf Moral und gutes Gewissen..." ist ein unglaublicher Euphemismus. Zuerst einmal hat jeder Mensch, ganz universell, den Anspruch auf Unversehrtheit und "Moral".

"...die unschuldigen Opfer der jüngsten Anschläge mögen in die tausende gehen, aber die Liste an Ländern welche dank amerikanischer Gewaltakte viel größere Opfer unter der Zivilbevölkerung zu beklagen hat, ist nicht gerade kurz..." Was soll das? Dürfen irgendwelche Kamikazes jetzt nach dem Auge-umAuge-Prinzip soviele Amerikaner, Deutsche, Franzosen, ... umbringen, bis nach Deiner Ansicht die Schuld gesühnt ist? Ich könnte kotzen!

Dein Artikel ist nicht nur "politically incorrect", sondern menschenverachtend, niederträchtig und charakterlos.

Es gibt keine Unschuldigen? Die Menschen, die dort hingeschlachtet wurden, sollen Schuld auf sich geladen haben, damit rechtfertigst Du diese Morde? "...Dann gibt es keine Unschuldigen..:"?

Auch ihr anderen, die danach schreien, dass "Handelszentren brennen sollen", die ihr Toms menschenverachtenden Artikel begrüsst, ich hoffe sehr, dass ich euch nie im Leben treffe, euch sehen oder euren Mist hören muss. Ihr seid nicht besser als die, die in NY oder sonst irgendwo auf der Welt Menschen quälen, foltern und schlachten. Eure Scheiss-Moral und eure Selbstgerechtigkeit gleicht der der Attentäter, die sich das Recht herausnehmen, für ihre Sache, ihre Idee zu töten. Würdet ihr dann auch zum Mörder werden? Ich glaube es fast...

Gewalt und Mord sind immer falsch, egal wer sie ausübt. Die USA, Europa oder irgendwelche Terroristen.

Ozeanien führt Krieg

O´Brien 14.09.2001 - 01:00
Für die Linke waren es schon immer harte Zeiten, egal ob Ozeanien Krieg führt oder nicht. Denn die wichtigste Kriegführung ist ja die GEIISTIGE Kriegsführung. Und da haben die von Allah mit Blödheit geschlagenen Pamphletlinken, deren Revolutionäre Pose in die klammheimliche Schadenfreude abgeglitten ist, der der Welt ja keinen besseren Kommentar zu geben haben als "selber Schuld", "geschieht euch recht" oder "WIR armen" (nicht die armen Opfer, sondern wir selbst, die wir beim Zusehen Freude empfanden und jetzt Angst haben müssen vor Ausweiskontrollen) .... ganz schlechte Ausgangsbedingungen. Wenn die staatliche Repression gegen Linke immer härter wird, dann eben deswegen, weil sie der liberalen Mitte nicht erklären können, daß sie ehrenwerte Ziele vertritt. Auf ein gewisses Wohlwollen der Mitte bleibt sie aber angewiesen.

zustimmung

jan 14.09.2001 - 01:00
ich kann mich ella b. nur anschliessen. über aller politik und analyse vergißt man das menschsein.
jan

Last euch nicht verblöden

(/-) 14.09.2001 - 10:58
Ihr wollt alle so große Linke sein????
Habt ihr euch auch beim Völkermord in Ruanda wo so um die 800.000 Mensachen abgeschlachtet wurden dermassen geistige Duelle geliefert Ich glaube kaum.
Ihr last euch doch selber von den Medien verleiten.
Die Wahrheit so fern es eine gibt ist eh anders.
Außerdem es trift doch eh immer die Unschuldigen, Schwachen und nicht die Veranwortlichen.
Und wenn mann bedenkt was jeden Tag auf der Erde pasiert müßte die deutsche Flage (KOTZ) jeden Tag im Jahr auf Halbmast hängen und nicht nur wenn mal den sogenanten GUTEN und Verdeidiger der zivilisierten Welt den Amis mal was pasiert.
Leben in Ruanda etwa Barbaren ihr IDIOTEN?????

Lob

Jürgen 14.09.2001 - 12:02
Mit einigen Ausnahmen die beste Diskussion die ich in den letzten Tagen auf indymedia gelesen habe. Auch der Startartikel gehört - auch wenn ich die Meinungen des Autors nicht teilen kann - zu den besseren, überlegteren auf diesen Seiten.

tagesthemen

durutti 14.09.2001 - 15:06
hi, die autorin des eingangsbeitrags möge sich einmal den kommentar in den tagesthemen vom 12.9. anhören.

ARD? ZDF??

mracar 18.10.2001 - 00:21
berichte bei der ARD und ZDF?!?!
weisst du denn gar nicht wie die zwei
sender LÜGEN und HETZEN?!!!! nicht zu vergessen
ihre SUBJEKTIVEN (zu99.9%) mit absicht
falschen meinungen/aussagen?!!!!!

--> ARD UND ZDF verbreiten nur LÜGEN LÜGEN LÜGEN
und sind die grössten hetzer !!!
sind die grössten schweine !!! berichten nur was sie wollen.
nebenbei: wieso berichten die zum beispiel nichts über die alltäglichen kriege in ganz afrika? über die ausbeutung der arbeitnehmer in china. dazu sag ich nur, wer sich selber aufklären will bzw. seinen horizont über die "globalisierung" sich erweitern möchte, muss sich das buch: NO LOGOS unbedingt durchlesen. da könnt ihr erfahren wie kaffee oder nike usw. von kindern hergestellt wird.


LEUTE, unbedingt: ----....NO LOGOS....---- lesen !!!!!