S1Leipzig: Störmanöver vs. Propagandamaschine

JoeD & more 04.09.2001 12:41
Beim Friedensfest der Stadt Leipzig auf dem Augustusplatz versammelte sich nicht nur die vielbeschworene "Zivilgesellschaft", sondern auch an die 70 GegenDemonstrantinnen, die nicht so ganz einverstanden damit waren, was der Oberbürgermeister da von sich gab.
I. Die Propaganda rollt an...

Gegen zehn Uhr war der Augustusplatz noch ziemlich leer, das Orchester probte, erste Stände wurden aufgebaut. Eine Wandzeitung verquickte Informationen über die "friedliche Revolution" 89 mit einem Schild mit der Botschaft, daß in Leipzig kein Platz für Extremisten sei, weder für rechts noch für links. Auf der Rückseite der Technikbühne prangte ein Bild, das "Bunt statt braun" verkündete. Bunt waren Luftballons, Drachen und Regenbogen, während auf der braunen Hälfte ein Nazi und ein grüngekleidetes "Wesen" mit Anarchie-Zeichen abgebildet war. Dies war sozusagen der Propagandarahmen des Friedensfestes "Leipzig. Gesicht zeigen." gegen Gewalt und Extremismus. Bezeichnend ist auch, dass das Wort "Nazi"; in dem Aufruf dazu, kein einziges Mal vorkommt.

Dieses Fest wurde kurzfristig eine Woche vorher in der Leipziger Volkszeitung verkündet, als Pfarrer Führer und der Kabarettist Bernd-Lutz Lange, Symbolfiguren des Herbstes 89 zu einem "zufälligen Treffen der Freunde von 89 auf dem Augustusplatz" aufrief. Wie ernst das Wort "zufällig" zu nehmen war bzw. dass es mit der staatskritischen Haltung von 1989 rein gar nichts zu tun hatte, zeigte sich, als die Stadt das Friedensfest zum gleichen Zeitpunkt ankündigte. Wer hier wen instrumentalisierte oder ob es abgesprochen war, sei nun dahingestellt. Das Fest sollte jedenfalls alle demokratischen Kräfte vereinen, weshalb auch das Courage-Bündnis ihre Kundgebung am Jüdischen Mahnmal in der Gottschedstraße zurückzog und die PDS ihr Friedensfest auf eine Stunde verkürzte.
Mit einem Schlag wurden lange Vorbereitungen über den Haufen geworfen. Entsprechend groß war das Unverständnis und die Wut bei der PDS und auch die Initiatorinnen der Courage-Kundgebung waren nicht wirklich erfreut. Trotzdem beugten sie sich vor der zu erwartetenden größeren Besucherzahl auf dem Augustusplatz, die wohl hauptsächlich auf den entsprechenden Werbeetat der Stadt zurückzuführen sind, mit dem die anderen beiden Veranstalterinnen nicht konkurrieren konnten.

Um ihr Fest zum Gelingen zu bringen wurden im Vorfeld spekulative Besucherinnenzahlen von 40.000 in Umlauf gebracht, des weiteren ging an die Angestellten der Stadt die Weisung an dem Fest teilzunehmen.


II. Störmanöver...

Mit der Zeit strömte immer mehr linkes Publikum heran. Die Lücken wurden dann durch die Bürgerinnen ausgefüllt, die zehn vor zwölf in Scharen zum Augustusplatz zogen. Als fünf vor zwölf die Schweigeminute für die Opfer des Faschismus beginnen sollte, wurde sie von den ersten Pfiffen und Trillerpfeifen durchbrochen. Dieses Crescendo sollte sich durch die ganze Rede des Oberbuergermeisters (OBM) Tiefensee ueber "Extremismus und Gewalt" ziehen. Insgesamt waren es wohl an die 70 GegendemonstrantInnen, die durch ihre Nähe zur Bühne mit Sprechchoeren "Nie wieder Deutschland!", "Heuchler!", "Nazis morden, der Staat schiebt ab, das ist das gleiche Rassistenpack" u.a.) und Trillerpfeifen selbst ein Zuhoeren in den vordersten Reihen fast unmoeglich machten. Mit Transpis (u.a. "Wer von Kapitalismus nicht reden will, soll von Gewalt schweigen") und dem Verteilen von Flugblättern wurde die "versammelte Zivilgesellschaft" mit der Sicht der Gegendemonstrantinnen konfrontiert. Während sie die Veranstaltung störten, wurden sie tätlich von Friedensfestbesucherinnen angegriffen und mit Kommentaren bedacht, wie "Ihr seid schlimmer als die Nazis!" und "Wieviel zahlen euch die Faschos dafür?".

Einige Gegendemonstrantinnen stuermten spaeter, während Tiefensee gerade "Demokratie und Meinungsfreiheit" predigte, mit Transparent ("Courage zeigen: Deutschland den Krieg erklaeren") die Buehne. Daraufhin knueppelten schwarz gekleidete und vermummte Polizistinnen die Gegendemonstrantinnen auseinander. Vorher gelang es jedoch das Mikro abzustellen, ob durch Drüberstolpern oder spontanes Kabeldurchschneiden lässt sich schlecht sagen. Jedenfalls begann der OBM dann ein christliches Lied aus der Nikolaikirche anzustimmen, in das so manche Bürgerin einstimmte. Es bot sich schon ein seltsames Bild, bei dem frau nicht wußte, ob man lachen oder weinen sollte. Inzwischen hatte ein Polizeispalier einen Halbkreis vor der Bühne gebildet und der OBM konnte seine Rede fortsetzen, feierte die mutigen, friedliebenden und toleranten Leipziger Bürgerinnen und Bürger und propagierte, daß die heutige Situation, das Ziel und die Errungenschaft von 1989 sei und es diese, gegen aller Art von Extremisten, zu verteidigen gelte. Die Rede von Meinungsfreiheit und Demokratie verschmolz mit dem Bild von Polizistinnen, die Tiefensee abriegelten und die Meinungsäußerungen der Gegendemonstrantinnen filmten.

Nach Tiefensee sprach Pfarrer Führer, bei dem sich die Situation entspannte, auch wenn er ab und zu unterbrochen wurde. Er sagte zum Beispiel, daß die "Rechtsprechung nicht zur Rechts-sprechung verkommen dürfe".

Der Dirigent eines Orchesters wurde laut Bühnenansage am Auge verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Die genaue Ursache ist unklar. Die Buehnenansage gab an, die GegendemonstrantInnen haetten die Verletzung verschuldet.

Es kam zu keinen weiteren Zwischenfällen. Nach den Redebeiträgen begannen die Menschen nach Hause zu gehen, das Programm wurde bis 16:30 durchgezogen. Zu dem Zeitpunkt waren jedoch nur noch an die 50 Menschen auf dem Augustusplatz.
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Ergänzungen

ihr bestätigt euer klischee

- 04.09.2001 - 13:09
wenn jemand über meinungsfreiheit redet, schwarzvermummt auf die bühne zu stürmen und das mikro abzustellen, ist ja nun nicht gerade eine strategische glanzleistung. solches auftreten macht dieses absurde plakat (gibt es fotos davon?)
fast schon plausibel für brave leipziger bürger. hätte man schlauerweise mit den traurigen figuren kooperiert und die möglichkeit gehabt, vom podium zu sprechen, hätte man das, was man brüllen musste, auch in sanftem ton mikrofonverstärkt vortragen können. oder was schlaueres. naja.

action speaks louder than words!

Reisekader 04.09.2001 - 13:29
Also ich fands supi. ham die salonlastigen leipzigerInnen doch endlich mal was durchgezogen. genau richtig den stadt/staatsschützern in die image-show zu spucken. zur belohnung les ich jetzt auch phase2 ;-)

Wer war denn der Grüne mit Anarch Tag?

fragichmich 04.09.2001 - 13:37
und wieso war denn da Kein Schwarzes Wesen mit Anarch Tag, oder Rotes Wesen mit Rotem Stern? oder ein Braunes mit Sternenbanner oder Union Jack?

Das ist doch nur ne Defamierungskampagne!

Das Grüne Sicherheitrisiko 04.09.2001 - 13:43

so was kommt von sowas

eric cantona 04.09.2001 - 15:08
Für die Reden, vor allem die von OBM Tiefensee, haben andere Leute schon ganz anders dafür bezahlen dürfen.
Wer zugehört hat, wird nicht den nationalreaktionären völkischen Ton überhört haben, den Tiefensee anschlug. In jedem zweiten Satz hieß es nur "Wir", "Stolz", wahlweise Leipzig, Sachsen oder Deutschland.
Genau darin liegt auch die größte Gefahr, in denen die im BgR-Aufruf als Zivilgesellschaft bezeichnet wurden. Alle auf dem Augustusplatz waren gegen Nazis - ohne Zeifel, aber sie waren auch gegen jene, die nur in irgendeiner anderen als der Ihrigen Art und Weise Kritik an den Nazis oder sogar am Militarismus der Neuen Weltordnung hatten. Gegen Linke waren sie größtenteil sowieso.
Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte von Gewalt schweigen!

@ihrbestätigt...

rheinmainrandbewohnerin 04.09.2001 - 15:21
falsch. als in frankfurt am main am 07. april die selbbe nazi-klientel marschieren wollte, hat auch eine vertreterIn der autonomen antifa auf der bürgerlichen kundgebung gesprochen. das war aber keineswegs ein erfolg, sondern das glatte gegenteil. damit wurde den wirklich unsäglichen positionen, die auf dem podium von der frankfurter zivilgesellschaft vertreten wurden, die absolution von links erteilt, während die autonome antifa mehrere km weg den aufmarsch verhinderte. seitdem wird in ffm keine großartige bündnis-politik mehr betrieeben. das sprechen auf bürgers-kundgebungen kann zwar in engen grenzen und unter bestimmten bedingungen durchaus ein erfolg sein, aber gerade unter den gegebenen verhältnissen in leipzig und vor dem hintergrund des bundeswehr-einsatzes in mazedonien (der überhaupt nicht thema der zivilgesellschaft sein sollte und konnte), wäre ein auftritt desaströs gewesen. die einzige möglichkeit der intervention von links war die störung. ob die allerdings gerade mit dem stören einer schweigeminute anfangen sollte, ist fraglich.

gerechtfertigt

calvin 04.09.2001 - 16:26
schon allein das Transparent, was dort hing (so sinngemaess: gegen rechten und linken Extremismus)hat die Stoeraktionen gerechtfertigt. Diese Pseudoantifaschisten mit ihren "Friedensfesten", "Bunt statt Braun"-Feiern oder was weiss ich noch alles....

@rheinmainrandbewohnerin

Egal 04.09.2001 - 16:36
Was du von der Teilnahme autonomer Sprecherinnen an bürgerlichen Kundgebungen erzählst, ist eine konkrete Erfahrung mit der "Zivilgesellschaft". So etwas finde ich wichtig. Kannst du einen etwas längeren Bericht schreiben und bei indymedia posten?

Block und Konter

Lole 04.09.2001 - 19:27
Die Situation, die ich auf dem Augustusplatz vorfand, war unglaublich pervers. Ich versuchte mit meiner Stimme und einer Trillerpfeife den deutschnationalen Rotz des OB zu kommentieren, als mich mehrere Bürger angriffen. Das passierte aber nicht nur, wie sonst üblich, mit Sprüchen ("Ihr seid doch auch Nazis", "Achtet gefälligst die Meinungsfreiheit", "Wir wollen euch Chaoten hier nicht", "Keine Gewalt", ...), sondern mit tätlichen Angriffen. Ich war völlig perplex, als mich eine etwa fünfzigjährige Frau mit einem Fauststoss attackierte. Was soll ich da machen? Sie mit einem Block und Konter umhauen? Ich liess also den Konter weg und wurde daraufhin von mehreren Bürgern gleichzeitig angegriffen! Mit solchen Arschlöchern kann ich mich nicht gegen Nazis verbünden.

Selbstbestätigungsritual

Dr. Kluge 04.09.2001 - 20:37
> Alle auf dem Augustusplatz waren gegen Nazis - ohne Zeifel, aber sie waren auch gegen jene, die nur in irgendeiner anderen als der Ihrigen Art und Weise Kritik an den Nazis [...] hatten.

Schon gemerkt? Das trifft genauso auf die GegendemonstrantInnen zu.

> ...wurde die "versammelte Zivilgesellschaft" mit der Sicht der Gegendemonstrantinnen konfrontiert...

Eben, konfrontiert. Stattdessen wäre es echt gut gewesen, diese Sicht zu _vermitteln_. Schien aber keineR dran interessiert zu sein.
Ich habe zunehmend den Eindruck, dass es bei derartigen Störveranstaltungen nur noch darauf ankommt, sich selbst als die politisch/moralisch Überlegenen abzufeiern. Vielleicht noch darauf: ein paar restriktive Reaktionen zu provozieren, damit man dann sich wieder einmal bestätigt hat, dass man mit den Spießern eben nicht zusammen gehen kann. Sind halt alles Faschisten, auch wenn sie gegen Faschisten demonstrieren.

> Ich versuchte mit meiner Stimme und einer Trillerpfeife den deutschnationalen Rotz des OB zu kommentieren, als mich mehrere Bürger angriffen.

Klingt für mich wie: Wenn ich Vati in die Stiefel pisse und er mir danach eine klebt, ist er ein Faschist.

@Dr. Klugscheißer

Lole 04.09.2001 - 22:13
> Wenn ich Vati in die Stiefel pisse und er mir danach eine klebt, ist er ein Faschist.

- Ich habe die Bürgers nicht als Faschisten bezeichnet, sondern ein Bündnis mit ihnen gegen die Faschisten ausgeschlossen. Ich beschwere mich auch nicht über ihre Attacken, sondern über die Heuchelei, mit der sie mich attackieren und zeitgleich für Meinungsfreiheit und gegen Gewalt eintreten.

> Sind halt alles Faschisten, auch wenn sie gegen Faschisten demonstrieren.

- Dein Satz zeigt, dass du das Vorurteil hast, wir würden alles und jeden, der eine von unserer abweichende Meinung hat, als Faschisten bezeichnen. Das Phänomen ist weitverbreitet und zielt darauf ab, jeglichen Vergleich zum Faschismus unmöglich zu machen. Damit wird der Faschismus als historischer Vorgang abgetan. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine zeitlose politische Einstellung, die nicht nur bei Menschen vorkommt, die sich selbst als Faschisten bezeichnen.

problematisch...

lena 04.09.2001 - 23:08
...wird es für mich, wenn ich mir vorstelle, ich sei so eine brave leipziger bürgerin bei diesem fest gewesen. ich habe eine antifaschistische haltung und besuche deswegen eine solche veranstaltung. von anarchie weiß ich nicht viel, außer dass das diese chaoten mit den bunten haaren sind, die einen immer anschnorren. und jetzt kommen zu dieser veranstaltung ein paar leutchen von dieser sorte und stören auf eine art und weise, dass ich nicht einmal die möglichkeit habe zu hören, was der redner sagt, also wogegen diese merkwürdigen leute überhaupt sind. ich kriege mit, dass scheinbar alle und jeder beschimpft werden, und manieren haben diese gestalten auch nicht...
was erwartet ihr? meint ihr, dass die angepasste, friedliebende leipziger bürgerin mit euch sympathisieren wird? meint ihr, dass sie sich überhaupt die mühe machen wird, über die gründe für euer verhalten nachzudenken? es ist doch viel leichter, alles in die ecke "extremisten" zu schieben, mit denen will sie dann nichts zu tun haben. natürlich ist das scheiße, aber leider realität! wenn man die leute überfordert, schalten sie ab und lassen nichts mehr an sich ran, und das war dann wohl ziemlich kontraproduktiv... meine vorstellung von anarchie beinhaltet es, den menschen unsere ideale näherzubringen und nicht, ihnen zu zeigen, dass man sie scheiße findet!

@lena

Lole 04.09.2001 - 23:30
Das stimmt, ich glaube auch nicht, dass wir mit der Aktion irgendjemanden überzeugen konnten. Aber wie soll das auch gehen, gegen einen OB, der seine Heuchelei per Mikrofon verbreitet. Wir haben auch nicht versucht, den Leuten vor der Bühne zu zeigen, dass wir sie scheisse finden, sondern den Leuten auf der Bühne. Vielleicht hilft ja der Anblick der komplett in schwarz gekleideten, mit schwarzen Skimasken vermummten und mit langen Bambusstöcken bewaffneten Bullen. Da müssen sich doch auch beim naivsten Bürger mit antifaschistischer Haltung Zweifel einstellen, dass die oder jene, die sie beschützen, die "Guten" sind, oder?

@lole

pikachu 05.09.2001 - 09:40
da machste es dir aber sehr einfach. der normalbürger sieht im gegensatz zu dir nicht den prügelnden Brutalo in Rüstung auf der Demo, sondern den lieben netten Polizisten der alten Omas über die Strasse hilft. Geht mir übrigens nicht unähnlich, ich bin sauer auf die Polizisten, die am 1.9. so sinnlos rumgeknüppelt haben, aber deswegen hasse ich noch lange nicht die gnaze Polizei, wär auch ein bisschen sinnlos. An der Ecke wirst du die Bürger also auch nicht knacken. Und abgesehen davon denke ich das grade bei älteren Leuten da noch ne ganz andere Haltung herrscht. Während unsereins ziemlich empört ist, wenn er sinnlos einen Platzverweis kriegt und das dann mit ziemlicher Gewalt klargemacht bekommt, denkt sich Otto Normalbürger eher "der Polizist hat das gesagt, also warum machen die jungen Leute das nicht ? Selber schuld. Schließlich ist die Polizei das Gesetz."

@pikachu

Lole 05.09.2001 - 13:27
Eben weil die Autoritätshörigkeit bei den deutschen traditionell extrem ausgeprägt ist, finde ich eine offene Missachtung der ungerechten Gesetze notwendig. Erst wenn das Unerhörte getan wird, werden die Grenzen des Möglichen verschoben. Mit dieser Aktion haben wir ja ganz klar die bürgerlichen Regeln missachtet, denn bürger lässt jeden ausreden, auch wenn er ein Mikrofon hat und gerade wenn es ein OB ist. Genau das hat ja die Bürger so aufgeregt und sie aus ihrem Trott gerissen. Denn der Staat tut alles, damit selbst eine Anti-Nazi-Kundgebung wie ein Einkaufsbummel erscheint.

action speaks louder than words 2

ehemaliger Reisekader 05.09.2001 - 17:58
Genau, es war total supi!!! Die Flugblätter wurden Gottseidank schnell von den couragierten BürgerInnen weggeworfen. Kaum vorstellbar dass sie sich an dem Sarkasmus des/der SchreiberIn ergötzt hätten. Spitze war auch das kurzzeitige Match mit einigen BürgerInnen. Schade, dass das SEK dazwischen ging, es hätte noch interessant werden können. Ich plädiere dafür, dass nächste Mal einfach die gesamte BürgerInnenmenge mit einigen hundert Leuten anzugreifen und aufzumischen. Dann endlich könnten wir Deutschland wahrhaftig von der Karte streichen, denn bekanntlich muß Frankreich ja bis Polen reichen.
ROT FRONT!!!

AUA

pressure 05.09.2001 - 18:03
AUAUAUAUAAA!!
Liebe leipziger "linke",
wenn ihr für meienungsfreiheit seit, dann solltet ihr es auch ertragen können ein euch nicht genehme meinung zu hören. hören, zuhören, zugehört hat euch dann wahrscheinlich keiner mehr, diese chance habt ihr wohl vertan. aber sind ja eh alle böse, böse faschos.
aber hauptsache es ist mal wieder irgendwas gestört worden,
das alles klingt für mich extrem nach kindergartenaktion,
motto: haupsache dagegen!
am arsch, mit so spinnern wird das nie was hier!!
ihr habt euch ins eigene fleisch geschnitten, herzlichen glückwunsch!!

@pressure und die restlichen gutmenschen

rollo 06.09.2001 - 01:44
komm mal wieder runter, pressure! ich weiss ja nicht, ob du die obigen beiträge gelesen hast, aber wenn, müsste dir und allen anderen, die die aktion auf ddem augustusplatz kritisieren ,dann doch aufgefallen sein, dass NIEMAND die bürgers als faschisten bezeichnet hat (im gegenteil, deutlich klargestellt wurde, dass sie das nicht sind und trotzdem keine partner im kampf gegen den faschismus (weil der nämlich notwendigerweise auch den kampf gegen das kapital beinhalten muss, oder er greift zu kurz)).
das einzige argument, dass du und deinesgleichen dennoch fröhlich rumtrompeten, ist aber genau dieses: die bösen antifas haben so paranoia, dass sie in jeder bürgerin nen fascho erkennen und deswegen unterschiedslos alle plattmachen wollen. deutlicher als mit dem spruch "leipzig braucht keine extremisten - weder von rechts noch von links" kann die zivilgesellschaft doch gar nicht machen, wo sie steht. und im übrigen: was solln son bürgerlicher toleranzmist wie "meinungsfreiheit" eigentlich real sein?
FUCK STAAT, KAPITAL & ZIVILGESELLSCHAFT!

@ehemaliger Reisekader

unwählbar 06.09.2001 - 11:42
fand ich auch schade, das mit dem SEK

@ action....

kim 06.09.2001 - 19:42
.... wenns zu laut wird, ist´s oft schon so uebersteuert, dass frau kein ton mehr vasteht.....

lena 06.09.2001 - 23:56
irgendwie verstehe ich den sinn von dieser störaktion nicht so recht!!! mit solchen aktionen kann man bei irgendwelchen bonzenversammlungen ankommen, aber doch nicht da, wo die ganz "normalen" bürgerinnen rumlaufen und auch noch mit edlen absichten gegen den faschismus! für die wirkt das doch einfach nur abschreckend, das schreiben die an der aktion beteiligten ja sogar in ihrem artikel (kommentar: "wieviel zahlen euch die faschos dafür?"). es müsste sich mal überlegt werden, ob es ziel ist, sich zu profilieren oder den menschen anarchie zu vermitteln...
ich denke: beides ist sinnvoll, aber jedes zu seiner zeit!
im übrigen denke ich sehr wohl, dass mensch den faschismus kritisieren kann ohne diese kritik auf den kapitalismus auszuweiten, ich kenne genug antifaschistisch eingestellte menschen, die nicht antikapitalistisch sind und ich würde mir nicht anmaßen, deren faschismuskritik nicht ernst zu nehmen!!!

@kim

Reisekader 07.09.2001 - 13:09
ey,nicht unwitzig ;-)

felix kon 07.09.2001 - 15:20
Ich fand die Aktion auf dem "Friedensfest" (was für ein Hohn, und das zu einer Zeit als SPD-Grüne-CDU-FDP in Mazedonien deutsche Truppen aufmarschieren lassen!) sehr gelungen, insb. die Transparentaktion vor der Bühne. Das war übrigens auch ein Bild, das in den überregionalen Medien gebracht wurde, nämlich Menschen, die ein Transparent hochhalten "Courage zeigen!" und anschließend von vermummter Riotpolice angegriffen werden.
Ich kenne den Redebeitrag des OB nicht im Wortlaut, aber ich kann mir schon vorstellen, daß der mächtig stolz auf Leipzig, Sachsen, Deutschland und die D-Mark ist. Wer auf so eine Propagandaveranstaltung der Zivilgesellschaft geht, weiß, was sie/ihn dort erwartet, was mensch dort aus den Lautsprechern der "bürgerlichen Mitte" für Heuchelei und Seifenblasen hören wird.
Gegen diese aus Steuergeldern finanzierte Propagandabeschallung kann mensch doch eigentlich nur per Flugblattverteilung aufklären und per Trillerpfeife/Sprechchören stören.
Ich jedenfalls habe keine Lust mir am 62. Jahrestags des militärischen Überfalls der Wehrmacht auf Polen national-stolzes Gewäsch anzuhören oder Gleichsetzungen von Nazis und AntifaschistInnen. Gerade der 1. September sollte gegen eine derartige Instrumentalisierung durch a) Nazis (also hier die freien Kameradschaften und die NPD) und b) bürgerliche Kriegstreiber mit Totalitarismuskeule (z.B. der leipziger OB) verteidigt werden, nicht nur von uns Linken. (Bis Anfang der 1990er Jahre wäre das noch ein breiter Konsens in der bundesdeutschen Gesellschaft gewesen; aber heute lockt den Bürger/die BürgerIn ja mehr: Deutschland spielt wieder erste Liga im Weltgeschehen, hat im Kosovo ein nettes Protektorat und darf gegenüber den Staaten Ost- und Mitteleuropas wieder Forderungen aufstellen. Da scheint bürgers ja auch gerne die Zerstörung der sozialen Netze und die Militarisierung nach innen und außen in Kauf zu nehmen... schön blöd!)
Ein letztes: Gegen diese heuchelnde, von "Menschenrechten und Toleranz" faselnde, aber Bomben und Knüppel einsetzende Zivilgesellschaft ist eine "Kriegserklärung" vollauf gerechtfertigt. Wir sind momentan (und auf mittlere Sicht) sicher schwach an Kräften, können aber dennoch so manchen kleineren oder größeren Sieg erringen. - Soziale und politische Kämpfe täglich führen - Kein Friede mit Kapitalismus und Nationalismus!

jojo 08.09.2001 - 12:49
die leipziger weiß eigentlich immer ziemlich gut bescheid. wurzen, kirschberghaus etc. wenn es aber um kritische fragen an sie selbst geht, wird auf einmal unwissen vorgeschützt. wer hat denn nun den armenischen dirigenten auf dem podium verletzt? haben tiefensee, das sek oder brave bürger etwas geworfen, das ihn getroffen haben könnte? mehrere augenzeugen behaupten, dass die linksradikalen störer ihn attackiert haben. wenn das stimmt, wäre es ein grund, mal zu überlegen, ob die pauschale verdammung aller andersdenkenden politisch sinnvoll ist. wieso wissen antifas überhaupt, dass alle anderen, die zu einer tiefensee-kundgebung kommen, nur spießer sind? bisher habe ich außerdem angenommen, dass bündnisse gegen nazis auf einem minimalkonsens beruhen - nämlich der ablehnung von rassismus -, was aber nicht heißt, das ich von jedem erwarte, dass er sich mit an die straße stellt und nazis beschmeißt und beschimpft. ohne die aggressive denunziation aller biederen nazi-gegner hätte man vielleicht auch mehr leute für sitzblockaden auf der nazi-route gewinnen können. übrigens: es waren nie und nimmer 1000 leute, die nahe des hauptbahnhofs den nazis paroli geboten haben. aber image geht wohl immer noch vor analyse und genauigkeit.