S1Leipzig: Störmanöver vs. Propagandamaschine
Beim Friedensfest der Stadt Leipzig auf dem Augustusplatz versammelte sich nicht nur die vielbeschworene "Zivilgesellschaft", sondern auch an die 70 GegenDemonstrantinnen, die nicht so ganz einverstanden damit waren, was der Oberbürgermeister da von sich gab.
I. Die Propaganda rollt an...
Gegen zehn Uhr war der Augustusplatz noch ziemlich leer, das Orchester probte, erste Stände wurden aufgebaut. Eine Wandzeitung verquickte Informationen über die "friedliche Revolution" 89 mit einem Schild mit der Botschaft, daß in Leipzig kein Platz für Extremisten sei, weder für rechts noch für links. Auf der Rückseite der Technikbühne prangte ein Bild, das "Bunt statt braun" verkündete. Bunt waren Luftballons, Drachen und Regenbogen, während auf der braunen Hälfte ein Nazi und ein grüngekleidetes "Wesen" mit Anarchie-Zeichen abgebildet war. Dies war sozusagen der Propagandarahmen des Friedensfestes "Leipzig. Gesicht zeigen." gegen Gewalt und Extremismus. Bezeichnend ist auch, dass das Wort "Nazi"; in dem Aufruf dazu, kein einziges Mal vorkommt.
Dieses Fest wurde kurzfristig eine Woche vorher in der Leipziger Volkszeitung verkündet, als Pfarrer Führer und der Kabarettist Bernd-Lutz Lange, Symbolfiguren des Herbstes 89 zu einem "zufälligen Treffen der Freunde von 89 auf dem Augustusplatz" aufrief. Wie ernst das Wort "zufällig" zu nehmen war bzw. dass es mit der staatskritischen Haltung von 1989 rein gar nichts zu tun hatte, zeigte sich, als die Stadt das Friedensfest zum gleichen Zeitpunkt ankündigte. Wer hier wen instrumentalisierte oder ob es abgesprochen war, sei nun dahingestellt. Das Fest sollte jedenfalls alle demokratischen Kräfte vereinen, weshalb auch das Courage-Bündnis ihre Kundgebung am Jüdischen Mahnmal in der Gottschedstraße zurückzog und die PDS ihr Friedensfest auf eine Stunde verkürzte.
Mit einem Schlag wurden lange Vorbereitungen über den Haufen geworfen. Entsprechend groß war das Unverständnis und die Wut bei der PDS und auch die Initiatorinnen der Courage-Kundgebung waren nicht wirklich erfreut. Trotzdem beugten sie sich vor der zu erwartetenden größeren Besucherzahl auf dem Augustusplatz, die wohl hauptsächlich auf den entsprechenden Werbeetat der Stadt zurückzuführen sind, mit dem die anderen beiden Veranstalterinnen nicht konkurrieren konnten.
Um ihr Fest zum Gelingen zu bringen wurden im Vorfeld spekulative Besucherinnenzahlen von 40.000 in Umlauf gebracht, des weiteren ging an die Angestellten der Stadt die Weisung an dem Fest teilzunehmen.
II. Störmanöver...
Mit der Zeit strömte immer mehr linkes Publikum heran. Die Lücken wurden dann durch die Bürgerinnen ausgefüllt, die zehn vor zwölf in Scharen zum Augustusplatz zogen. Als fünf vor zwölf die Schweigeminute für die Opfer des Faschismus beginnen sollte, wurde sie von den ersten Pfiffen und Trillerpfeifen durchbrochen. Dieses Crescendo sollte sich durch die ganze Rede des Oberbuergermeisters (OBM) Tiefensee ueber "Extremismus und Gewalt" ziehen. Insgesamt waren es wohl an die 70 GegendemonstrantInnen, die durch ihre Nähe zur Bühne mit Sprechchoeren "Nie wieder Deutschland!", "Heuchler!", "Nazis morden, der Staat schiebt ab, das ist das gleiche Rassistenpack" u.a.) und Trillerpfeifen selbst ein Zuhoeren in den vordersten Reihen fast unmoeglich machten. Mit Transpis (u.a. "Wer von Kapitalismus nicht reden will, soll von Gewalt schweigen") und dem Verteilen von Flugblättern wurde die "versammelte Zivilgesellschaft" mit der Sicht der Gegendemonstrantinnen konfrontiert. Während sie die Veranstaltung störten, wurden sie tätlich von Friedensfestbesucherinnen angegriffen und mit Kommentaren bedacht, wie "Ihr seid schlimmer als die Nazis!" und "Wieviel zahlen euch die Faschos dafür?".
Einige Gegendemonstrantinnen stuermten spaeter, während Tiefensee gerade "Demokratie und Meinungsfreiheit" predigte, mit Transparent ("Courage zeigen: Deutschland den Krieg erklaeren") die Buehne. Daraufhin knueppelten schwarz gekleidete und vermummte Polizistinnen die Gegendemonstrantinnen auseinander. Vorher gelang es jedoch das Mikro abzustellen, ob durch Drüberstolpern oder spontanes Kabeldurchschneiden lässt sich schlecht sagen. Jedenfalls begann der OBM dann ein christliches Lied aus der Nikolaikirche anzustimmen, in das so manche Bürgerin einstimmte. Es bot sich schon ein seltsames Bild, bei dem frau nicht wußte, ob man lachen oder weinen sollte. Inzwischen hatte ein Polizeispalier einen Halbkreis vor der Bühne gebildet und der OBM konnte seine Rede fortsetzen, feierte die mutigen, friedliebenden und toleranten Leipziger Bürgerinnen und Bürger und propagierte, daß die heutige Situation, das Ziel und die Errungenschaft von 1989 sei und es diese, gegen aller Art von Extremisten, zu verteidigen gelte. Die Rede von Meinungsfreiheit und Demokratie verschmolz mit dem Bild von Polizistinnen, die Tiefensee abriegelten und die Meinungsäußerungen der Gegendemonstrantinnen filmten.
Nach Tiefensee sprach Pfarrer Führer, bei dem sich die Situation entspannte, auch wenn er ab und zu unterbrochen wurde. Er sagte zum Beispiel, daß die "Rechtsprechung nicht zur Rechts-sprechung verkommen dürfe".
Der Dirigent eines Orchesters wurde laut Bühnenansage am Auge verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Die genaue Ursache ist unklar. Die Buehnenansage gab an, die GegendemonstrantInnen haetten die Verletzung verschuldet.
Es kam zu keinen weiteren Zwischenfällen. Nach den Redebeiträgen begannen die Menschen nach Hause zu gehen, das Programm wurde bis 16:30 durchgezogen. Zu dem Zeitpunkt waren jedoch nur noch an die 50 Menschen auf dem Augustusplatz.
Gegen zehn Uhr war der Augustusplatz noch ziemlich leer, das Orchester probte, erste Stände wurden aufgebaut. Eine Wandzeitung verquickte Informationen über die "friedliche Revolution" 89 mit einem Schild mit der Botschaft, daß in Leipzig kein Platz für Extremisten sei, weder für rechts noch für links. Auf der Rückseite der Technikbühne prangte ein Bild, das "Bunt statt braun" verkündete. Bunt waren Luftballons, Drachen und Regenbogen, während auf der braunen Hälfte ein Nazi und ein grüngekleidetes "Wesen" mit Anarchie-Zeichen abgebildet war. Dies war sozusagen der Propagandarahmen des Friedensfestes "Leipzig. Gesicht zeigen." gegen Gewalt und Extremismus. Bezeichnend ist auch, dass das Wort "Nazi"; in dem Aufruf dazu, kein einziges Mal vorkommt.
Dieses Fest wurde kurzfristig eine Woche vorher in der Leipziger Volkszeitung verkündet, als Pfarrer Führer und der Kabarettist Bernd-Lutz Lange, Symbolfiguren des Herbstes 89 zu einem "zufälligen Treffen der Freunde von 89 auf dem Augustusplatz" aufrief. Wie ernst das Wort "zufällig" zu nehmen war bzw. dass es mit der staatskritischen Haltung von 1989 rein gar nichts zu tun hatte, zeigte sich, als die Stadt das Friedensfest zum gleichen Zeitpunkt ankündigte. Wer hier wen instrumentalisierte oder ob es abgesprochen war, sei nun dahingestellt. Das Fest sollte jedenfalls alle demokratischen Kräfte vereinen, weshalb auch das Courage-Bündnis ihre Kundgebung am Jüdischen Mahnmal in der Gottschedstraße zurückzog und die PDS ihr Friedensfest auf eine Stunde verkürzte.
Mit einem Schlag wurden lange Vorbereitungen über den Haufen geworfen. Entsprechend groß war das Unverständnis und die Wut bei der PDS und auch die Initiatorinnen der Courage-Kundgebung waren nicht wirklich erfreut. Trotzdem beugten sie sich vor der zu erwartetenden größeren Besucherzahl auf dem Augustusplatz, die wohl hauptsächlich auf den entsprechenden Werbeetat der Stadt zurückzuführen sind, mit dem die anderen beiden Veranstalterinnen nicht konkurrieren konnten.
Um ihr Fest zum Gelingen zu bringen wurden im Vorfeld spekulative Besucherinnenzahlen von 40.000 in Umlauf gebracht, des weiteren ging an die Angestellten der Stadt die Weisung an dem Fest teilzunehmen.
II. Störmanöver...
Mit der Zeit strömte immer mehr linkes Publikum heran. Die Lücken wurden dann durch die Bürgerinnen ausgefüllt, die zehn vor zwölf in Scharen zum Augustusplatz zogen. Als fünf vor zwölf die Schweigeminute für die Opfer des Faschismus beginnen sollte, wurde sie von den ersten Pfiffen und Trillerpfeifen durchbrochen. Dieses Crescendo sollte sich durch die ganze Rede des Oberbuergermeisters (OBM) Tiefensee ueber "Extremismus und Gewalt" ziehen. Insgesamt waren es wohl an die 70 GegendemonstrantInnen, die durch ihre Nähe zur Bühne mit Sprechchoeren "Nie wieder Deutschland!", "Heuchler!", "Nazis morden, der Staat schiebt ab, das ist das gleiche Rassistenpack" u.a.) und Trillerpfeifen selbst ein Zuhoeren in den vordersten Reihen fast unmoeglich machten. Mit Transpis (u.a. "Wer von Kapitalismus nicht reden will, soll von Gewalt schweigen") und dem Verteilen von Flugblättern wurde die "versammelte Zivilgesellschaft" mit der Sicht der Gegendemonstrantinnen konfrontiert. Während sie die Veranstaltung störten, wurden sie tätlich von Friedensfestbesucherinnen angegriffen und mit Kommentaren bedacht, wie "Ihr seid schlimmer als die Nazis!" und "Wieviel zahlen euch die Faschos dafür?".
Einige Gegendemonstrantinnen stuermten spaeter, während Tiefensee gerade "Demokratie und Meinungsfreiheit" predigte, mit Transparent ("Courage zeigen: Deutschland den Krieg erklaeren") die Buehne. Daraufhin knueppelten schwarz gekleidete und vermummte Polizistinnen die Gegendemonstrantinnen auseinander. Vorher gelang es jedoch das Mikro abzustellen, ob durch Drüberstolpern oder spontanes Kabeldurchschneiden lässt sich schlecht sagen. Jedenfalls begann der OBM dann ein christliches Lied aus der Nikolaikirche anzustimmen, in das so manche Bürgerin einstimmte. Es bot sich schon ein seltsames Bild, bei dem frau nicht wußte, ob man lachen oder weinen sollte. Inzwischen hatte ein Polizeispalier einen Halbkreis vor der Bühne gebildet und der OBM konnte seine Rede fortsetzen, feierte die mutigen, friedliebenden und toleranten Leipziger Bürgerinnen und Bürger und propagierte, daß die heutige Situation, das Ziel und die Errungenschaft von 1989 sei und es diese, gegen aller Art von Extremisten, zu verteidigen gelte. Die Rede von Meinungsfreiheit und Demokratie verschmolz mit dem Bild von Polizistinnen, die Tiefensee abriegelten und die Meinungsäußerungen der Gegendemonstrantinnen filmten.
Nach Tiefensee sprach Pfarrer Führer, bei dem sich die Situation entspannte, auch wenn er ab und zu unterbrochen wurde. Er sagte zum Beispiel, daß die "Rechtsprechung nicht zur Rechts-sprechung verkommen dürfe".
Der Dirigent eines Orchesters wurde laut Bühnenansage am Auge verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Die genaue Ursache ist unklar. Die Buehnenansage gab an, die GegendemonstrantInnen haetten die Verletzung verschuldet.
Es kam zu keinen weiteren Zwischenfällen. Nach den Redebeiträgen begannen die Menschen nach Hause zu gehen, das Programm wurde bis 16:30 durchgezogen. Zu dem Zeitpunkt waren jedoch nur noch an die 50 Menschen auf dem Augustusplatz.
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Ergänzungen
ihr bestätigt euer klischee
fast schon plausibel für brave leipziger bürger. hätte man schlauerweise mit den traurigen figuren kooperiert und die möglichkeit gehabt, vom podium zu sprechen, hätte man das, was man brüllen musste, auch in sanftem ton mikrofonverstärkt vortragen können. oder was schlaueres. naja.
action speaks louder than words!
Wer war denn der Grüne mit Anarch Tag?
Das ist doch nur ne Defamierungskampagne!
so was kommt von sowas
Wer zugehört hat, wird nicht den nationalreaktionären völkischen Ton überhört haben, den Tiefensee anschlug. In jedem zweiten Satz hieß es nur "Wir", "Stolz", wahlweise Leipzig, Sachsen oder Deutschland.
Genau darin liegt auch die größte Gefahr, in denen die im BgR-Aufruf als Zivilgesellschaft bezeichnet wurden. Alle auf dem Augustusplatz waren gegen Nazis - ohne Zeifel, aber sie waren auch gegen jene, die nur in irgendeiner anderen als der Ihrigen Art und Weise Kritik an den Nazis oder sogar am Militarismus der Neuen Weltordnung hatten. Gegen Linke waren sie größtenteil sowieso.
Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte von Gewalt schweigen!
@ihrbestätigt...
gerechtfertigt
@rheinmainrandbewohnerin
Block und Konter
Selbstbestätigungsritual
Schon gemerkt? Das trifft genauso auf die GegendemonstrantInnen zu.
> ...wurde die "versammelte Zivilgesellschaft" mit der Sicht der Gegendemonstrantinnen konfrontiert...
Eben, konfrontiert. Stattdessen wäre es echt gut gewesen, diese Sicht zu _vermitteln_. Schien aber keineR dran interessiert zu sein.
Ich habe zunehmend den Eindruck, dass es bei derartigen Störveranstaltungen nur noch darauf ankommt, sich selbst als die politisch/moralisch Überlegenen abzufeiern. Vielleicht noch darauf: ein paar restriktive Reaktionen zu provozieren, damit man dann sich wieder einmal bestätigt hat, dass man mit den Spießern eben nicht zusammen gehen kann. Sind halt alles Faschisten, auch wenn sie gegen Faschisten demonstrieren.
> Ich versuchte mit meiner Stimme und einer Trillerpfeife den deutschnationalen Rotz des OB zu kommentieren, als mich mehrere Bürger angriffen.
Klingt für mich wie: Wenn ich Vati in die Stiefel pisse und er mir danach eine klebt, ist er ein Faschist.
@Dr. Klugscheißer
- Ich habe die Bürgers nicht als Faschisten bezeichnet, sondern ein Bündnis mit ihnen gegen die Faschisten ausgeschlossen. Ich beschwere mich auch nicht über ihre Attacken, sondern über die Heuchelei, mit der sie mich attackieren und zeitgleich für Meinungsfreiheit und gegen Gewalt eintreten.
> Sind halt alles Faschisten, auch wenn sie gegen Faschisten demonstrieren.
- Dein Satz zeigt, dass du das Vorurteil hast, wir würden alles und jeden, der eine von unserer abweichende Meinung hat, als Faschisten bezeichnen. Das Phänomen ist weitverbreitet und zielt darauf ab, jeglichen Vergleich zum Faschismus unmöglich zu machen. Damit wird der Faschismus als historischer Vorgang abgetan. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine zeitlose politische Einstellung, die nicht nur bei Menschen vorkommt, die sich selbst als Faschisten bezeichnen.
problematisch...
was erwartet ihr? meint ihr, dass die angepasste, friedliebende leipziger bürgerin mit euch sympathisieren wird? meint ihr, dass sie sich überhaupt die mühe machen wird, über die gründe für euer verhalten nachzudenken? es ist doch viel leichter, alles in die ecke "extremisten" zu schieben, mit denen will sie dann nichts zu tun haben. natürlich ist das scheiße, aber leider realität! wenn man die leute überfordert, schalten sie ab und lassen nichts mehr an sich ran, und das war dann wohl ziemlich kontraproduktiv... meine vorstellung von anarchie beinhaltet es, den menschen unsere ideale näherzubringen und nicht, ihnen zu zeigen, dass man sie scheiße findet!
@lena
@lole
@pikachu
action speaks louder than words 2
ROT FRONT!!!
AUA
Liebe leipziger "linke",
wenn ihr für meienungsfreiheit seit, dann solltet ihr es auch ertragen können ein euch nicht genehme meinung zu hören. hören, zuhören, zugehört hat euch dann wahrscheinlich keiner mehr, diese chance habt ihr wohl vertan. aber sind ja eh alle böse, böse faschos.
aber hauptsache es ist mal wieder irgendwas gestört worden,
das alles klingt für mich extrem nach kindergartenaktion,
motto: haupsache dagegen!
am arsch, mit so spinnern wird das nie was hier!!
ihr habt euch ins eigene fleisch geschnitten, herzlichen glückwunsch!!
@pressure und die restlichen gutmenschen
das einzige argument, dass du und deinesgleichen dennoch fröhlich rumtrompeten, ist aber genau dieses: die bösen antifas haben so paranoia, dass sie in jeder bürgerin nen fascho erkennen und deswegen unterschiedslos alle plattmachen wollen. deutlicher als mit dem spruch "leipzig braucht keine extremisten - weder von rechts noch von links" kann die zivilgesellschaft doch gar nicht machen, wo sie steht. und im übrigen: was solln son bürgerlicher toleranzmist wie "meinungsfreiheit" eigentlich real sein?
FUCK STAAT, KAPITAL & ZIVILGESELLSCHAFT!
@ehemaliger Reisekader
@ action....
ich denke: beides ist sinnvoll, aber jedes zu seiner zeit!
im übrigen denke ich sehr wohl, dass mensch den faschismus kritisieren kann ohne diese kritik auf den kapitalismus auszuweiten, ich kenne genug antifaschistisch eingestellte menschen, die nicht antikapitalistisch sind und ich würde mir nicht anmaßen, deren faschismuskritik nicht ernst zu nehmen!!!
@kim
Ich kenne den Redebeitrag des OB nicht im Wortlaut, aber ich kann mir schon vorstellen, daß der mächtig stolz auf Leipzig, Sachsen, Deutschland und die D-Mark ist. Wer auf so eine Propagandaveranstaltung der Zivilgesellschaft geht, weiß, was sie/ihn dort erwartet, was mensch dort aus den Lautsprechern der "bürgerlichen Mitte" für Heuchelei und Seifenblasen hören wird.
Gegen diese aus Steuergeldern finanzierte Propagandabeschallung kann mensch doch eigentlich nur per Flugblattverteilung aufklären und per Trillerpfeife/Sprechchören stören.
Ich jedenfalls habe keine Lust mir am 62. Jahrestags des militärischen Überfalls der Wehrmacht auf Polen national-stolzes Gewäsch anzuhören oder Gleichsetzungen von Nazis und AntifaschistInnen. Gerade der 1. September sollte gegen eine derartige Instrumentalisierung durch a) Nazis (also hier die freien Kameradschaften und die NPD) und b) bürgerliche Kriegstreiber mit Totalitarismuskeule (z.B. der leipziger OB) verteidigt werden, nicht nur von uns Linken. (Bis Anfang der 1990er Jahre wäre das noch ein breiter Konsens in der bundesdeutschen Gesellschaft gewesen; aber heute lockt den Bürger/die BürgerIn ja mehr: Deutschland spielt wieder erste Liga im Weltgeschehen, hat im Kosovo ein nettes Protektorat und darf gegenüber den Staaten Ost- und Mitteleuropas wieder Forderungen aufstellen. Da scheint bürgers ja auch gerne die Zerstörung der sozialen Netze und die Militarisierung nach innen und außen in Kauf zu nehmen... schön blöd!)
Ein letztes: Gegen diese heuchelnde, von "Menschenrechten und Toleranz" faselnde, aber Bomben und Knüppel einsetzende Zivilgesellschaft ist eine "Kriegserklärung" vollauf gerechtfertigt. Wir sind momentan (und auf mittlere Sicht) sicher schwach an Kräften, können aber dennoch so manchen kleineren oder größeren Sieg erringen. - Soziale und politische Kämpfe täglich führen - Kein Friede mit Kapitalismus und Nationalismus!