Genoa revisited
Blütenlese aus den Anhörungen vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß zu Genua
Genoa revisited
Vor dem parlamentarischen Ausschuß in Rom, der den Polizeieinsatz beim G 8-Gipfel in Genua untersucht, flogen letzte Woche die Fetzen. Bei der Anhörung, die auch dazu dienen soll, die Kommandokette zu klären, über die der Befehl zur blutigen Erstürmung der Diazschule gelaufen ist, beschuldigten die drei von Innenminister Scajola geschassten hohen Polizeifunktionäre ihren obersten Chef, die Geheimdienste, das Genoa Social Forum und die römische Sondereinheit der Bereitschaftspolizei. Wer aber jetzt tatsächlich für den Einsatz und dessen Ablauf die Verantwortung tragen soll, bleibt weiterhin unklar.
Zur Entschädigung enthielten die Aussagen der Beamten dafür einige Überraschungen und Kuriosa. Der nunmehr ehemalige Polizeipräsident von Genua, Francesco Colucci, bestand nämlich darauf, den obersten Chef der italienischen Ordnungshüter, Gianni De Gennaro, persönlich von dem geplanten Einsatz an der Diazschule unterrichtet zu haben. Dieser hatte zuvor immer behauptet, erst im nachhinein davon erfahren zu haben.
Colucci bestätigte auch das anhaltende Gerücht, zwischen den Tute bianche und der Polizei hätte es Absprachen gegeben. In einer Spezialausgabe der Zeitschrift Analisi Difesa, die sich aus der Sicht der Ordnungskräfte monatlich mit Fragen zur militärischen und polizeilichen Sicherheit beschäftigt, konnte man, unabhängig davon, dergleichen auch schon lesen. Demnach habe die Sicherheitsbehörde ihrem Verhandlungspartner Luca Casarini, nach tagelangen Verhandlungen, zugesichert, es vor dem Bahnhof Brignole zu einer gefakten Strassenschlacht mit dem Demonstrationszug der "Ungehorsamen", mit einigen telegenen Festnahmen inklusive, kommen zu lassen. Die Polizei solle, habe Casarini verlangt, dafür Sorge tragen, daß sich die "bösen" Centri Sociali des Network nicht unter die "guten" mischten. Um dergleichen im Vorfeld zu verhindern, wollten die "Guten" ihrerseits bereits am Freitag morgen um 7 Uhr antreten. Sie würden auf 300 für den Kampf gerüstete Polizisten treffen. Beide Teile sollten sich bei ihrer Wrestlingveranstaltung gegenseitig nicht weh tun. Doch leider harrten die 300 Polizeikrieger, wie vormals Leutnant Drago in der Tartarenwüste, bis 14 Uhr vergebens beim vereinbarten Stelldichein aus. Die Tute bianche kamen nicht, und in der Zwischenzeit hatten die Tute nere bereits in halb Genua mit ihren Brandschatzungen begonnen. Soweit die Fachzeitschrift (Analisi Difesa - anno 2 nr 16 www.analisidifesa.com).
In einem Interview mit "il nuovo" beeilte sich Casarini natürlich derlei Vorwürfe zu entkräften. Allerdings in recht zweideutiger Weise. Ein Abkommen mit der Polizei habe es nie gegeben. Er habe nie mit Francesco Colucci oder einen der anderen in Rom angehörten Beamten gesprochen. Alle Vorhaben der Tute bianche - die symbolische Verletzung der roten Zone, die Demonstrationsroute, die Ausrüstung - seien öffentlich angekündigt und gezeigt worden. Es wären die Karabinieri gewesen, die den Zug der Tute bianche in der via Tolemaide, 500 Meter vor den Containern an der Stazione Brignole, bei denen erst die Polizei intervenieren sollte, angegriffen haben. Sie, die Karabinieri, hätten alles über den Haufen geworfen. An diesem Punkt des Gesprächs konnte die Interviewerin nur nachhaken, was denn die Karabinieri über den Haufen geworfen hätten. Etwa doch ein Abkommen? Casarinis Antworten waren durchwegs ausweichend (ilnuovo.it).
Es brauchte schon Ansoino Andreassi, den ebenfalls entlassenen stellvertretenden Polizeichef, der vor dem Parlamentsausschuß sagte, seines Wissens habe es keine Absprachen mit den Tute bianche gegeben. Alles, was die politische Polizei über diese wüssten, stamme von in deren Kreise "eingesickerten Agenten". Der 61jährige Andreassi, der vormals, als Mitglied der Kommunistischen Partei, ein Hardliner im Kampf gegen die Roten Brigaden und die Autonomia gewesen ist, offenbarte ein weiteres, für die Polizei peinliches Detail: Zur Bekämpfung der die Taktik der Tute nere anwendenden Gruppen habe man eine Spezialeinheit angefordert, das Karabinieribataillon "Tuscania", eine Eliteeinheit der Fallschirmjäger (s. jungle world 15/2000). Doch die hätten sich, ohne Stadtplan, in den Strassen Genuas verirrt. Der Anstoß zu dem nächtlichen Einsatz der römischen Spezialeinheit der Bereitschaftspolizei (Noa) in der Diazschule ging jedenfalls von Andreassi aus, mit der Durchführung der Aktion habe er jedoch nichts mehr zu schaffen gehabt.
Noa (Nucleo operativo antisommossa) ist eine mobile Truppe zur Aufstandsbekämpfung, die erst in den letzten Monaten zusammengestellt und in Ponte Galeria, vor den Toren Roms, ausgebildet wurde. Diese Ausbildung beinhaltete auch eine Unterweisung im Gebrauch der neu angeschafften Gummiknüppel, den sog. tonfa, die von zwei eigens aus Los Angeles eingeflogenen Polizeisheriffs erteilt wurde. Auf die Schulter des Chefs dieser Truppe, Vincenzo Canterini, scheint man nun alle Schuld am Polizeimassaker im Hauptquartier des Genoa Social Forum abladen zu wollen.
Arnaldo La Barbera, der Dritte im Bunde der gefeuerten Polizisten, Chef der Antiterrorpolizei Ucigos, erzählte dem Ausschuss, er habe vor Ort an der Diazschule empfunden, die Männer Canterinis wären unmittelbar vor ihrem Einsatz derart unter Strom gestanden, daß er, La Barbera, Canterini abgeraten hätte, sie einzusetzen. Canterini hat bislang stets seine Leute in Schutz genommen und die Exzesse anderen Polizisten, die innerhalb der Schule in Zivil agiert hätten, Kriminalpolizisten oder Leute von der politischen Polizei etwa, angelastet. Wie auch immer: Laut La Barbera tragen die Geheimdienste Sisde und Sismi Schuld an der verworrenen Lage in Genua. Sie hätten nur wenige und dazu völlig unbrauchbare Hinweise weitergegeben.
Alfredo Sabella, der, als Leiter der Gefängnisverwaltungen, auch Vorgesetzter der innerhalb der Bolzanetokaserne prügelnden Spezialeinheit der Gefängnispolizei (Gom) ist, wurde ebenfalls vor dem Ausschuss angehört. Unglaublich, aber wahr: Obwohl Sabella persönlich in Genua zugegen war, hat man ihn dennoch damit beauftragt, die Übergriffe seiner Mannschaft intern zu untersuchen. Er betrachtet die Anwürfe gegen seine Truppe als "Fledderei".
Während also vor dem Parlament schmutzige Wäsche gewaschen wird und dort kaum jemand noch von den Torturen und Blessuren der verhafteten G8-Gegner spricht, hat die Staatsanwaltschaft von Genua die ersten 16 Anzeigen, u.a. wegen Körperverletzung, gegen einige Polizisten vorbereitet, die in der Nacht des 21. August an der fatalen Razzia beteiligt waren. Es handelt sich um 9 Anführer der mobilen Einheiten der Bereitschaftspolizei und um sieben Polizeibeamte. Und am Montag wird im Ausbildungslager an der Ponte Galeria wieder die Aufstandsbekämpfung trainiert. Um sich auf den bevorstehenden Nato-Gipfel in Neapel (oder genauer in Pozzuoli) vorzubereiten, werden aus den 13 in Italien vorhandenen Kasernen der Bereitschaftspolizei jeweils 20 bis 30 Mann nach Rom geschickt. Ihre Ausbilder werden Leute sein, gegen die gerade wegen der Polizeiübergriffe in Genua ermittelt wird.
e.g.
Vor dem parlamentarischen Ausschuß in Rom, der den Polizeieinsatz beim G 8-Gipfel in Genua untersucht, flogen letzte Woche die Fetzen. Bei der Anhörung, die auch dazu dienen soll, die Kommandokette zu klären, über die der Befehl zur blutigen Erstürmung der Diazschule gelaufen ist, beschuldigten die drei von Innenminister Scajola geschassten hohen Polizeifunktionäre ihren obersten Chef, die Geheimdienste, das Genoa Social Forum und die römische Sondereinheit der Bereitschaftspolizei. Wer aber jetzt tatsächlich für den Einsatz und dessen Ablauf die Verantwortung tragen soll, bleibt weiterhin unklar.
Zur Entschädigung enthielten die Aussagen der Beamten dafür einige Überraschungen und Kuriosa. Der nunmehr ehemalige Polizeipräsident von Genua, Francesco Colucci, bestand nämlich darauf, den obersten Chef der italienischen Ordnungshüter, Gianni De Gennaro, persönlich von dem geplanten Einsatz an der Diazschule unterrichtet zu haben. Dieser hatte zuvor immer behauptet, erst im nachhinein davon erfahren zu haben.
Colucci bestätigte auch das anhaltende Gerücht, zwischen den Tute bianche und der Polizei hätte es Absprachen gegeben. In einer Spezialausgabe der Zeitschrift Analisi Difesa, die sich aus der Sicht der Ordnungskräfte monatlich mit Fragen zur militärischen und polizeilichen Sicherheit beschäftigt, konnte man, unabhängig davon, dergleichen auch schon lesen. Demnach habe die Sicherheitsbehörde ihrem Verhandlungspartner Luca Casarini, nach tagelangen Verhandlungen, zugesichert, es vor dem Bahnhof Brignole zu einer gefakten Strassenschlacht mit dem Demonstrationszug der "Ungehorsamen", mit einigen telegenen Festnahmen inklusive, kommen zu lassen. Die Polizei solle, habe Casarini verlangt, dafür Sorge tragen, daß sich die "bösen" Centri Sociali des Network nicht unter die "guten" mischten. Um dergleichen im Vorfeld zu verhindern, wollten die "Guten" ihrerseits bereits am Freitag morgen um 7 Uhr antreten. Sie würden auf 300 für den Kampf gerüstete Polizisten treffen. Beide Teile sollten sich bei ihrer Wrestlingveranstaltung gegenseitig nicht weh tun. Doch leider harrten die 300 Polizeikrieger, wie vormals Leutnant Drago in der Tartarenwüste, bis 14 Uhr vergebens beim vereinbarten Stelldichein aus. Die Tute bianche kamen nicht, und in der Zwischenzeit hatten die Tute nere bereits in halb Genua mit ihren Brandschatzungen begonnen. Soweit die Fachzeitschrift (Analisi Difesa - anno 2 nr 16 www.analisidifesa.com).
In einem Interview mit "il nuovo" beeilte sich Casarini natürlich derlei Vorwürfe zu entkräften. Allerdings in recht zweideutiger Weise. Ein Abkommen mit der Polizei habe es nie gegeben. Er habe nie mit Francesco Colucci oder einen der anderen in Rom angehörten Beamten gesprochen. Alle Vorhaben der Tute bianche - die symbolische Verletzung der roten Zone, die Demonstrationsroute, die Ausrüstung - seien öffentlich angekündigt und gezeigt worden. Es wären die Karabinieri gewesen, die den Zug der Tute bianche in der via Tolemaide, 500 Meter vor den Containern an der Stazione Brignole, bei denen erst die Polizei intervenieren sollte, angegriffen haben. Sie, die Karabinieri, hätten alles über den Haufen geworfen. An diesem Punkt des Gesprächs konnte die Interviewerin nur nachhaken, was denn die Karabinieri über den Haufen geworfen hätten. Etwa doch ein Abkommen? Casarinis Antworten waren durchwegs ausweichend (ilnuovo.it).
Es brauchte schon Ansoino Andreassi, den ebenfalls entlassenen stellvertretenden Polizeichef, der vor dem Parlamentsausschuß sagte, seines Wissens habe es keine Absprachen mit den Tute bianche gegeben. Alles, was die politische Polizei über diese wüssten, stamme von in deren Kreise "eingesickerten Agenten". Der 61jährige Andreassi, der vormals, als Mitglied der Kommunistischen Partei, ein Hardliner im Kampf gegen die Roten Brigaden und die Autonomia gewesen ist, offenbarte ein weiteres, für die Polizei peinliches Detail: Zur Bekämpfung der die Taktik der Tute nere anwendenden Gruppen habe man eine Spezialeinheit angefordert, das Karabinieribataillon "Tuscania", eine Eliteeinheit der Fallschirmjäger (s. jungle world 15/2000). Doch die hätten sich, ohne Stadtplan, in den Strassen Genuas verirrt. Der Anstoß zu dem nächtlichen Einsatz der römischen Spezialeinheit der Bereitschaftspolizei (Noa) in der Diazschule ging jedenfalls von Andreassi aus, mit der Durchführung der Aktion habe er jedoch nichts mehr zu schaffen gehabt.
Noa (Nucleo operativo antisommossa) ist eine mobile Truppe zur Aufstandsbekämpfung, die erst in den letzten Monaten zusammengestellt und in Ponte Galeria, vor den Toren Roms, ausgebildet wurde. Diese Ausbildung beinhaltete auch eine Unterweisung im Gebrauch der neu angeschafften Gummiknüppel, den sog. tonfa, die von zwei eigens aus Los Angeles eingeflogenen Polizeisheriffs erteilt wurde. Auf die Schulter des Chefs dieser Truppe, Vincenzo Canterini, scheint man nun alle Schuld am Polizeimassaker im Hauptquartier des Genoa Social Forum abladen zu wollen.
Arnaldo La Barbera, der Dritte im Bunde der gefeuerten Polizisten, Chef der Antiterrorpolizei Ucigos, erzählte dem Ausschuss, er habe vor Ort an der Diazschule empfunden, die Männer Canterinis wären unmittelbar vor ihrem Einsatz derart unter Strom gestanden, daß er, La Barbera, Canterini abgeraten hätte, sie einzusetzen. Canterini hat bislang stets seine Leute in Schutz genommen und die Exzesse anderen Polizisten, die innerhalb der Schule in Zivil agiert hätten, Kriminalpolizisten oder Leute von der politischen Polizei etwa, angelastet. Wie auch immer: Laut La Barbera tragen die Geheimdienste Sisde und Sismi Schuld an der verworrenen Lage in Genua. Sie hätten nur wenige und dazu völlig unbrauchbare Hinweise weitergegeben.
Alfredo Sabella, der, als Leiter der Gefängnisverwaltungen, auch Vorgesetzter der innerhalb der Bolzanetokaserne prügelnden Spezialeinheit der Gefängnispolizei (Gom) ist, wurde ebenfalls vor dem Ausschuss angehört. Unglaublich, aber wahr: Obwohl Sabella persönlich in Genua zugegen war, hat man ihn dennoch damit beauftragt, die Übergriffe seiner Mannschaft intern zu untersuchen. Er betrachtet die Anwürfe gegen seine Truppe als "Fledderei".
Während also vor dem Parlament schmutzige Wäsche gewaschen wird und dort kaum jemand noch von den Torturen und Blessuren der verhafteten G8-Gegner spricht, hat die Staatsanwaltschaft von Genua die ersten 16 Anzeigen, u.a. wegen Körperverletzung, gegen einige Polizisten vorbereitet, die in der Nacht des 21. August an der fatalen Razzia beteiligt waren. Es handelt sich um 9 Anführer der mobilen Einheiten der Bereitschaftspolizei und um sieben Polizeibeamte. Und am Montag wird im Ausbildungslager an der Ponte Galeria wieder die Aufstandsbekämpfung trainiert. Um sich auf den bevorstehenden Nato-Gipfel in Neapel (oder genauer in Pozzuoli) vorzubereiten, werden aus den 13 in Italien vorhandenen Kasernen der Bereitschaftspolizei jeweils 20 bis 30 Mann nach Rom geschickt. Ihre Ausbilder werden Leute sein, gegen die gerade wegen der Polizeiübergriffe in Genua ermittelt wird.
e.g.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Die Polizei sagt die Wahrheit!
Was soll der Schwachsinn? Ein Bulle sagt es hätte Absprachen mit den Tute Bianche gegeben und du glaubst es sofort. Obwohl andere Bullen und die Sprechen der Bewegung (nicht nur Tute Bianche) das zurück weisen.
Was bringt dich dazu in so einem polemischen und denunziatorischen Ton abzulästern (oder hast du beweise, die du uns nicht vorgelegt hast?)?
Wenn die Polizei recht hat (wie hast du eigentlich fest gestellt welcher Polizist recht hatte: die jenigen, die die Absprachen leugneten oder der eine, der sagte es hätte welche gegeben?), dann sind auch alle schwarz Gekleideten Terroristen aus dem Black Bloc und Carlo Giuliani ist aus Notwehr erschossen worden...
Der Bulle sagt es sei die Absprache einer mehrstündigen Straßenschlacht getroffen worden ... wie will man denn sowas Absprechen wie das was in Genua passiert ist? Wie sollten denn die Tute überhaupt irgendwelche Zusagen machen und warum? Egal nicht wahr? Hauptsache du kannst dich wieder ein bißchen wichtig machen und gegen "die mit der falschen Linie" hetzen. Trauriger Schwachsinn, wenn die Leute, die sich für Genossen halten das Verwirrspiel der Bullen aufgreifen und voll mitmachen.
Übrigens habe ich noch ein paar grandiose Meldungen für dich (und die wurden sogar von mehr als einem Bullen bestätigt):
1) Die österreichischen Verhafteten haben sich abgesprochen und alle Übergriffe erfunden.
2) Die deutschen DemonstrantInnen die verhaftet wurden, sind gefährliche Terroristen der internationalen Terrororganisation "Black Bloc", die in Genua die Stadt zerstört haben und deswegen Zigarettenfilter in ihren Jackentaschen hatten (unabdingbar zum Bau von Molotovcocktails).
3) Bin Laden wird auf dem G-8 in Genua einen Anschlag versuchen
lesetipp
www.jungle-world.com
try and see!
Denunzationen abwehren
Die Geschichte mit den Tute Bianche die sich um 7 Uhr morgens mit der Polizei treffen wollen um einen Schaukampf zu liefern, ist wirklich ein haarsträubender Blödsinn, die eine Blinde mit Krückstock als Bullen-Denuzation erkennt.
Es wird gerne so dargestellt, das die Tute Bianche nur Manövieremasse ihrer SprecherInnen sind, aber wenn mensch schaut wo die AktivistInnen herkommen aus der Mexiko-Soli-Bewegung und aus den Centri Sociali, dann müßte jedeR Mann/Frau wissen, das diese Leute nicht so blöld sind.
Woher dieser Hass?
Lieber nachdenken als rumpoltern!
Und wenn ihr nicht der Meinung seid, daß die Linke neue Aktionsformen, Vermittlungsansätze usw. braucht, dann müsst ihr ja nicht danach suchen.
Es gibt genügend Leute die eingesehen haben, das es an der Zeit ist einiges zu überdenken und den Versuch zu starten linksradikale Politik vermittelbar zu machen, im Alltag zu verankern und die Basis zu verbreitern. Das ist mit den linksradikalen Konzepten der vergangenen 20 Jahre offensichtlich nicht möglich (die Zeiten ändern sich auch...).
Also: Woher dieser Hass? - Aus konservativem Traditionalismus? Angst vor dem Neuen?
Für eine offenen und phantasievolle Diskussion, bei der jene die eine andere Ansicht vertreten nicht gleich mit Erfindungen und Umdeutungen als Verräter abgestempelt werden (das ruft doch unangenehme Erinnerungen an die Argumentation der klassischen stalinistischen KP´s hervor).
Am 14.7., also eine Woche vor dem Tod von Carlo Giuliani in Genua, schrieb der Grünenpolitiker Luigi Manconi in "La Repubblica":
"Seit 1989 wurde in Italien kein Molotowcocktail mehr geworfen. Seit einem Jahrzehnt finden kaum noch Strassenschlachten statt, jedenfalls keine, die in der Heftigkeit mit denen der siebziger Jahre vergleichbar sind. Es gibt eher Aufführungen von Strassenschlachten und simulierte Zusammenstöße. Meist erwecken diese kriegerischen Performances - dank der Fotos und Fernsehbilder - den Anschein echt zu sein. Von seltenen Ausnahmen jedoch abgesehen, handelt es sich um Inszenierungen...Das Verdienst einer unblutigen Administration der öffentlichen Ordnung im letzten Jahrzehnt ist eben jene "virtuose Kombination" aus kontrolliert gesteuerter Aggressivität seitens der Demonstranten und Verhandlungsgeschick seitens der für die öffentliche Ordnung Verantwortlichen...Im Verlauf eines Treffens im Polizeipräsidium einer norditalienischen Stadt erörterten vor anderthalb Jahren die Verantwortlichen für die öffentliche Ordnung und einige Leader(!)eingehend, neben Strecke der Demonstration, auch deren Abschluß und stimmten schließlich in allen Details überein. Man einigte sich auf einen durch eine Hausnummer gekennzeichneten, mit Genehmigung der Ordnungskräfte erreichbaren Punkt, und auf einen weiteren, durch eine sukzessive Nummer gekennzeichneten, nicht mehr "genehmigten", sondern "tolerierten" Punkt. Der Raum zwischen beiden sukzessiven Grenzen - etwa hundert Meter - war dann das "Schlachtfeld" eines völlig unblutigen und nahezu vollständig simulierten (aus den Fernsehaufnahmen ging dies jedoch nicht hervor) Kampfes zwischen Demonstranten und der Polizei... "
Soweit zu den Absprachen, die halt in Genua, aus verschiedenen Gründen, nicht mehr funktioniert haben.
Wer auch einem Politiker nicht glauben mag, braucht nur den einen oder anderen Blick in die Erzeugnisse der einschlägigen italienischen anarchistischen und autonomen Presse aus den letzten zwei Jahren zu werfen.
Einschlägige anarch. und autonome Presse??
Außerdem ist deine Reaktion wieder mal typisch: Wer deine Einschätzung nicht teilt, weiß einfach nicht bescheid und hat nicht genung einschlägige Presse gelesen ...
Hahahaha. So ein Geschwätz. Glaubst du deinen eigenen Märchen?
Ich war selbst auf einigen Vorbereitungen und Aktionen der Tute Bianche (als Delegierter) und habe nie etwas von Absprachen mitbekommen. Also waren die Absprachen mit der Polizei entweder so geheim, das sie nicht einmal dem Vorbereitungsgremium mitgeteilt wurden - dann ist aber unklar wie sie überhaupt eigehalten werden sollten - oder es hat sie nicht gegeben...
Und was vor Genua betrifft.... war denn das Vordringen in den Abschiebeknast in Via Corelli in Mailand und die anschließende vorübergehende Schließung auch abgesprochen mit der Polizei? Und in Bologna war der Sturm auf das Nazi-Treffen und die anschließende Auflösung des Kongresses (der ja vorher ausdrücklich genehmigt war) auch abgesprochen?
Egon erzähl keinen Quatsch. Das hört sich ja an als würdest mit Nachnamen Krenz heissen.
Weiße Überzieher und Absprachen
Das wirft ein bezeichnendes Licht auf die Strukturen der "Weißen Überzieher". Dass es nämlich bei diversen Anlässen Absprachen gab und dass diese auch zum Konzept gehören, wurde vom "Tute-Chef" Casarini in diversen Interviews selbst geäußert. Nur in Bezug auf Genua will sich keiner eindeutig äußern
wenn mensch schaut wo die AktivistInnen herkommen aus der Mexiko-Soli-Bewegung und aus den Centri Sociali, dann müßte jedeR Mann/Frau wissen, das diese Leute nicht so blöld sind
Wenn schon, dann aus "einem Teil der Centri Sociali. Und zwar bei weitem aus dem kleineren, dafür aber "professionelleren". Die meisten CS wollen mit den Tute Bianche nichts zu tun haben bzw. wegen deren Nähe zu Rifondazione Comunista und wegen der inszenierten Spektakel nicht mit ihnen identifiziert werden. Zur "Mexiko-Soli-Bewegung", besonders zur "Schutztruppe" während der Karawane von Chiapas nach Mexiko-City, gibt es einen (erhellenden) Beitrag unter
Mit "blöd" hat das alles i.Ü. überhaupt nichts zu tun; die Organisierung und Strategie der Tute Bianche ist Teil eines politischen Konzepts. Deswegen ist es viel sinniger sich über das Konzept auseinanderzusetzen, als empört darauf zu reagieren, wenn mal jemand was über die praktischen Auswirkungen schreibt, die dieses Konzept (folgerichtig) hat...
Da ist in Italien nicht viel...
Versuchs z.B. mal mit der anarchistischen Wochenzeitung "Umanita Nova". Die gibt es seit mehr als dreißig Jahren. Oder vielleicht "Lotta di Clase" von der anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft USI? Die hat über 4.000 Mitglieder. Ist natürlich nicht viel. Von der anarchistischen Föderation FAI noch nie was gehört? Fahr mal wieder nach Italien und schau dich um. Da wirst du dann vielleicht feststellen, dass es dort weitaus mehr AnarchistInnen gibt, als Tute Bianche.
Umanità nuova?
Die USI hat villeicht 4.000 Mitglieder, die Cobas aber habern aber 100 mal mehr Mitglieder und sind ungefähr so "revolutionär" wie die USI
Und wo sind die ganz vielen Centri sociali die angeblich mit den TB´s nichts zu tun haben??
Das ist doch wirklich völliges Geschwätz. Ihr legt euch die Dinge zurecht wie sie euch am besten passen und das soll dann Italien sein.
Es gibt mehr Anarchisten in Deutschland als in Italien und selbst in Deutschland würde ich nicht behaupten, dass es sich um eine besonders große Strömung handelt. Abgesehen davon, dass ich solche KLassifizierungen für Schwachsinn halte und eher darauf schaue was die Leute konkret machen und da finde ich in Italien die meisten Anarcho-Sachen nicht besonders politisch (wie z.B. die totale Fixierung auf Punkrock-Kultur in Turin oder die dort betriebene völlige Polarisierung nach dem Motto "Schwein oder Mensch" u.v.m.)
volkszählung
aber es gibt sie.
die meisten sind spanier
kein mensch weiß warum...
...sie sind die söhne von habenichtsen
oder von leuten, die wenig haben.
wer angst vor ihnen hat
wird sie nicht sehen,
die anarchisten...
(léo ferré)
im ernst gianni, willst du damit etwa ausgerechnet jetzt provozieren, dass sich alle anarchisten in italien einen farbigen overall überziehen, damit sie sichtbar werden, gerade wo die tute bianche den ihren ausgezogen haben? das ist ja unfair.
quatsch
Es geht lediglich darum mit dem Gerücht aufzuräumen es gäbe in ITalien Massen von Anarchisten, die nur nicht zum Zuge kommen, weil sich die Weltgemeinschaft, die Presse und die moderate Linke verschworen haben um sie in den Hintergrund zu drängen und dafür einige wenige Tute Bianche gehyped werden ...
Das entspricht nicht der Realität.