Mobilisieren über Internet?

H. Krüger 21.08.2001 23:36
Global Action Day in Berlin: Hat davon nur eine kleine Indymedia-Fangemeinde mitgekriegt?
Bei der Mobilisierung zum Global Action Day in Berlin habe ich erstmals das Fehlen von Plakaten im öffentlichen Raum ernsthaft wahrgenommen. Könnte es sein, daß sich über die zunehmende Beliebtheit des tatsächlich glorreichen Indymedia-Netzwerkes eine gewisse Mobilisierungs-Praxis-Müdigkeit einschleicht bzw. verstärkt? Wenn wir nicht noch weiter in die Ecke von Privatveranstaltungen auf der Straße (Demos)rücken wollen, sollten wir gerade zum Genua-Desaster viel und aufklärend plakatieren. Ich wäre dabei. Eine tolle Internetseite ersetzt noch keine Straßenmobilisierung, klar oder? -nicht auch nur annähernd!
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Ergänzungen

hallo

günter 21.08.2001 - 23:50
plakatieren kostet irgendwie ein wenig ... oder was ???
2000 in berlin ... viele hundert woanders ... das ist schon ziemlich gut ... darüberhinaus hättest du doch plakate kleben können ... ich finde das schon ok ... erzähle deinen freunden von indymedia, von nadir und was weiß ich noch ... die werden es weiter erzählen usw ...

Plakatieren kostet fast nix

Dr. No 22.08.2001 - 01:37
Das was oben steht stimmt leider. Viele denken sich Indymedia und Stressfaktor.squat.net reichen. Dazu gibts noch ne Handvoll Flugis. Das was an Plakaten verklebt wurde (Copyshop ist nich sehr teuer - kann jeder selbst nmachen, es gab genuch Vorlagen im Netz), wurde sogar noch von welchen Indy-Aktivisten verklebt. Die Aktionen, die von den paar Leuten am A20 auf die Beine gestellt wurden waren echt heftig. Dass kaum jemand auf die Idee kam, liegt daran, daß sich alle auf Indymedia als Serviceunternehmen verlassen. Was hier noch mal gesagt werden muss: Nur im Netz anzukündigen bringt nur wenig Leute auf die Straße. Für dicke Aktionen mit vielen 1000 Leuten muss plakatiert und rechtzeitig mobilisiert werden....

Nur Web-Mobilisierung reicht sicher nicht

Tom 22.08.2001 - 03:25
Klar kann jeder losgehen, und selber plakatieren, und auch seinen Freunden von nadir und indymedia erzählen, beides ganz tolle und sehr nützliche Seiten, Respekt!

Viele der a20-Aktionen waren so eine Art Klein-Grüppchen-Info-Guerilla (Leichenumrisse aufs Pflaster malen, rote Farbe dazu / an Brücken Transpis anbringen, usw...). Zu solchen Anlässen kann man nicht großartig mobilisieren, sonst sind die Büttel schon zuerst da.

Ich freue mich wirklich über die Vielzahl dieser Aktionen zum a20, nur hätte ich mir z.B. für HH eine Großdemo, eine Reclaim-the-streets-Party, oder ähnliches gewünscht. Für Menschen, die sich örtlich und zeitlich nun mal nicht dauernd in Szene-Zusammenhängen bewegen, war die Abwesenheit jeglicher Infos zum a20 im öffentlichen Raum schade, wenn gleichzeitig die Bereitschaft bestand, sich zu beteiligen. Im Web habe ich bezüglich HH nur von einer "Kundgebung" am Hbf mit anschließender Fahrt nach Bremen gelesen.
An dieser "Kundgebung" hätte man aus Versehen auch dran vorbeilaufen können. Keine Flugis, Transpis, keine Flaggen, keine Infos. Nur ein paar Grüppchen von Bekanntenkreisen, die alle für sich wortkarg in der Gegend rumstanden. Personen, die ich ansprach, hatten auch keine Ahnung, was außer der Fahrt nach Bremen noch so läuft. Als jemand in einer beschissenen finanziellen Situation war mir das Standard-Bahn-Ticket nach Bremen zu teuer, also wars das für mich am a20 gewesen.
Tja schade, das in HH nix Großes lief, denn auch jenseits der üblichen Zusammenhänge und Grüppchen, gibt es viele Menschen, die das Flexibilisierungs-Gesabbel, die den Kapitalismus irgendwie leid sind, und die sich an größeren Aktionen sicher beteiligen würden.
Größere Demos laufen in HH meistens ab als Reaktion auf Schweinereien vom Senat in Sachen Hafen und Flora oder gegen die Nazis. Schön wäre auch mal eine starke Straßenpräsenz für etwas, für die klassenlose und herrschaftsfreie Gesellschaft, für den Drei-Stunden-Tag, für eine andere Welt, usw...
Aber so etwas erfordert eine Form von Organisation und Zusammenarbeit, von der es noch zu wenig gibt. Nur so kann dann auch größer und wirkungsvoller mobilisiert werden.

Das ist doch Alles Maximierungs Denken

E T 22.08.2001 - 23:24
Was als GAD abgegangen ist war doch schon Gewaltig, Plakate kleben, kann man doch in den Meisten Komunen vergessen, an Privat Häusern ist Sachbeschädigung, und es nicht zur Freude der Hausbesitzer, an Öffentl. Einrichtungen ist kleben auch verboten, und aufhängen Gebührenpflichtig, was noch geht ist Flugis in Schulen und Unis, das mit dem Net ist schon die Beste Legalste und Sauberste Lösung. Mailing Listen sind ja auch nicht jermanns Sache, weil dann immer die Mail zugespamt ist.

war doch o.k.

igor 25.08.2001 - 18:18
also nach meinen zählungen haben sich alein in doofland über 3000 leute an aktionen in mindestens 40 städten von aachen bis zweibrücken beteiligt, ich muss meinen erinnerungsapparat schon ziemlich strapazieren, um mich zu erinnern, wann wir das das letzte mal in deutschland mitten im sommerloch (!!!) hingekriegt haben. aber natürlich- plakatieren und mobilisierungssprühen schadet nie

Hallo Dr. No

25.08.2001 - 18:46
Kopieren ist teuer und viele die eben keine Nichtregierungsorganisationen sind haben das Geld nicht, und Soliarbeit kostet ja auch Geld. Wer Mobilisierungsmüdigkeit kritisiert hat noch nicht gemerkt dass Armut zunimmt, allein die zunemende Zahl von Sozialleistungsbeziehenden in Berlin spricht Bände - wer ZUVIEL Geld hat soll Plakate drucken, an indymedia oder den Gefangenen in Genua und Göteborg SPENDEN. Ich finde jedenfalls, dass eine Beteiligung von über 40 Städten in der BRD und mehreren Städten weltweit an einem Montag äusserst beachtlich und alles andere als müde ist.

Dr. No 25.08.2001 - 19:02
Ich stimme Dir in Deiner Einschätzung des A 20 natürlich zu. Allerdings haben Menschen, die nicht jeden Tag auf Indymedia surfen nichts oder zumindest nichts konkretes erfahren. Und 20 A3-Kopien (zwischen 2 und 4 Mark) sind vielleicht nicht für alle, aber zumindest für viele bezahlbar. 10 Leute, die 20 Kopien machen ergibt schon 200. Naja, früher gings auch...