Ohnmacht! Was wollen wir?

+++grinsekatze+++ 08.08.2001 00:13 Themen: Weltweit
Berichte über die Gewaltorgien der italienischen Polizei in Genua finden bis in die Massenmedien Gehör. Bundestagsabgeordnete befassen sich mit dem Fall, eine internationale Untersuchung der Ereignisse wird gefordert. Eines ist klar: Die Gefangenen müssen raus. Brutale Misshandlungen und willkürliche Verhaftungen finden noch immer statt. Die Menschen in den Gefängnissen sind psychisch und physisch am Ende.
Ohnmacht! Was wollen wir?
Es ist gut, dass die italienische Regierung und ihr faschistischer Innenminister unter schwerem Beschuss stehen. Doch das kann und darf nicht alles sein. Zu tief sitzen die Erlebnisse aus Genua, zu groß die Wunden, die sie uns angetan haben. Jetzt versuchen sie ihre Hände reinzuwaschen. Lassen wir uns nicht täuschen: Schuldig an diesem ungreifbaren Ausmaß faschistoider Polizeigewalt ist nicht nur die italienische Regierung.
Schuldig ist auch Gerhard Schröder, der nach den Protesten in Göteborg und auch während Genua, forderte "mit aller Härte" gegen DemonstrantInnen vorzugehen. Resultat: 1 Toter, ca. 500 Verletzte, etliche Folterungen, Misshandlungen und Erniedrigungen, die Abschaffung der Menschenwürde und grundsätzlicher Rechte. An seinen Fingern klebt Blut!
Zum ersten Mal seit langem wird das Blut gezeigt und wahrgenommen, welches die Regierungen der kapitalistischen Länder produzieren. Deutlich gemacht an Menschen, die gegen diese Zustände protestieren wollten. Doch tagtäglich gibt es in ganz Europa und auf der ganzen Welt Opfer dieser Politik, des kapitalistischen Wirtschaftsystems und dem damit verbundenen Ausbau eines internationalen Polizeistaats. Flüchtlinge, aus allen Ländern der Welt, die meistens noch weit schlimmere Folterungen und Misshandlungen erfahren mussten als wir Protestierenden von Genua, werden in Europa in einem Lagersystem eingepfercht und ihnen werden grundlegende Rechte verweigert. Auch hier vor unserer Nase. Es gibt nur einen Unterschied: unsere Stimmen werden vernommen, solange wir weiße EU-Bürger sind, haben wir viel Unterstützung und Öffentlichkeit, die Stimmen der Flüchtlinge dagegen werden kaum wahr genommen, sie gehen im gesellschaftlichen Rassismus unter. Deshalb sollte unser Kampf gegen die bestehenden Bedingungen immer auch ein Kampf Schulter an Schulter mit diesen Menschen sein.
Deutsche Polizei misshandelt und tötet genauso skrupellos wie italienische. Das Problem macht nicht an Staatsgrenzen halt. Diese Grenzen gelten nur für uns Menschen. Das Problem, die Gewalt der Polizei und die Unterdrückung und Ausbeutung, kennt keine nationalen Grenzen. Diese Grenzen sind nur ein weiteres Instrument, uns unter Kontrolle zu halten, nur ein weiterer Aspekt der Repression.
Die Medien nennen uns “Globalisierungsgegner”, doch wir sind Erdbewohner, Menschen, die sich solidarisieren mit den Ausgebeuteten und Unterdrückten auf der ganzen Welt. Uns eint der Wunsch nach Selbstbestimmung, unsere Stimmen erheben sich gemeinsam gegen jede Form von Herrschaft. Überall werden Menschen misshandelt, gefoltert, deportiert, eingesperrt, ermordet. Verantwortlich dafür sind die Politiker, die ihre Anweisungen geben. Verantwortlich dafür sind die ausführenden Organe vor Ort. Verantwortlich dafür ist die zügellose Industrie. Verantwortlich dafür sind die Medien, die uns belügen. Verantwortlich dafür sind die Menschen die zusehen und schweigen.

zur erinnerung und zum weitersagen:
am 20. august ist global action day - seid also kreativ und haut auf den putz!
jedeR mit seinen/ihren mitteln: jede kleine aktion ist wichtig genauso wie jede große, an diesem tag protestieren wir alle zusammen an verschiedensten orten...
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Ergänzungen

Kundgebung

08.08.2001 - 11:19
Heute ist um 19.00 in HH am ital. Konsulat eine Kundgebung für die Gefangenen in Genua! (weiss jemand wo sich das Konsulat befindet?)

konsulat in HH

ich 08.08.2001 - 12:14
in der feldbrunnenstr. ( paralell zur rothenbaumchausee )

naja

zweifelnder 08.08.2001 - 15:48
ich find es kurzfristig auch ok, wenn ströbele und andere nicht ganz so rechte parlamentarier sich für die freilassung der gefangenen einsetzen. aber vertrauen in untersuchungsausschüsse eines bürgerlichen staates haben? die werden ne weile rumrüren, und sobald die öffentlichkeit n neues thema gefunden hat, werden sie die untersuchung stillschweigend und ergebnislos einstellen. so war es immer und so wird es immer sein! die waren schuldigen weden so und so nicht zur rechenschaft gezogen werden, die heißen nämlich u.a. schröder, blair und bush (plus deren hintermänner aus der wirtschaft)!
leute wie ströbele haben die funktion (auch wenn sie selbst sich darüber nich im klaren sind), die leute, die gesehen haben, zu was das system fähig ist, wieder aufzufangen und ihnen vertrauen in die auch so gerechte und grundgute demokratie einzuflößen!
KEIN GOTT, KEIN STAAT, KEIN HERR, KEIN SKLAVE

Zu Spät

Unkraut 08.08.2001 - 19:57
Schade, den HH Termin habe ich zu spät mitbekommen. Dennoch ein kleiner Beitrag von mir. Auf der Homepage vom DGB (www.dgb.de) gibt es auch was zum Thema Globalisierungsgegner, kein Bedauern über das Geschehene Unrecht von Genua, sondern ein ganz billiger Kommentar um sich von "platter Kapitalismuskritik" abzugrenzen. Weltfremd und peinlich, meiner Meinung nach. Das fühlt sich widerlich an, wenn die größte ArbeitnehmerInneninteressenvertretung dieses Landes einem in den Arsch tritt.
Fast Schilylike! Die Forderung nach einer europäischen "Krawallbrigade" ist eigentlich eher das Betätigungsfeld von Herrn Schill, aber der Mann mit einem y statt einem zweiten l kann das auch ganz gut: billiger law and order Verbal-Hooliganismus! Und ansonsten kein Bedauern.
Kick it!

einfach wech ...

Unkraut 08.08.2001 - 21:19
Der DGB-Beitrag ist plötzlich wech von der Page, da haben wohl die Protestmails und Faxe gewirkt. Spuck aus - sortier! Nachdenken!

die linken finden

Anja 10.08.2001 - 13:01
Schaut mal auf www.labornet.de, ein Netz linker Gewerkschafter.