Genua: die Mitverantwortung deutscher Politik

+++grinsekatze+++ 06.08.2001 18:29 Themen: Repression
Es vergeht kaum ein Tag in dem im Moment nicht in den Massenmedien und den alternativen Medien über die Ereignisse in Genua berichtet und debatiert wird. Dabei geht es vor allem um die verhafteten Menschen, die noch immer in Gefängnissen sitzen und die Polizeigewalt der italienischen Carabinieri. Das ist gut so, doch bei weitem nicht alles. Immer mehr wird deutlich, daß diese in Deutschland schon lange nicht mehr dagewesene "liberale" Öffentlichkeit, die von den Massenmedien und einzelnen Politikern hergestellt wurde auch dazu dient Schuldige zu finden, in Italien, und wichtige Zusammenhänge auszuklammern. So wird beispielsweise die Frage der Mitverantwortung der deutschen Regierung völlig ausgeklammert.
Darüberhinaus will dieser Text auch einen perspektivischen Ansatz bieten.
Nach dem Bekanntwerden des Todes Carlos Guillanis durch die Nachrichtenticker der deutschen Presseagenturen forderte Bundeskanzler Schröder, man müsse der kleinen Schar von Militanten "mit allen Konsequenzen" deutlich machen, wo die Grenzen seien.

Wie bestellt fielen später Einheiten der italienischen Carabinieris über schlafende DemonstrantInnen in der Diaz-Schule her und prügelten alle Anwesenden, die es nicht schafften durch einen waghalsigen Sprung aus dem dritten Stock des Gebäudes oder gewagten Klettermanövern dem Schrecken zu entkommen, krankenhausreif. Zwei Betroffene lagen tagelang im Koma. Etliche wurden schwerverletzt. Direkt aus dem Krankenhaus wurden die Verletzten in ein, von den italienischen Zeitungen als "Lager" bezeichnetes, Gebäude, das laut Aussagen von Carabinieries extra für diesen Zweck, dem Überfall auf die Schule, eingerichtet wurde, verschleppt. Dort wurden die Verschleppten physisch und psychisch gefoltert und frühestens nach einem Tag in eins der Gefängnisse gesperrt. Erst nach vier Tagen ohne Kontakt zur Außenwelt und kaum bis keiner Nahrung, bekamen die Gefangenen die Möglichkeit mit einem Anwalt zu Sprechen und wurden einem Haftrichter vorgeführt. In den darauffolgenden Tagen entbrannte eine regelrechte Hetzjagd in Nord-Italien. Viele Menschen wurden auf der Heimreise von Trupps der Carabinieris verhaftet und sitzen teilweise noch immer im Gefängnis, darunter auch eine Theater-Gruppe, die kritisches Theater macht. Die grausamme Fratze des Berlusconi-Regimes wurde in diesen Tagen sichtbar.

Ob Schröder wußte welche Geister er rief, bleibt Spekulation. Fakt ist dagegen, daß Bundeskanzler Schröder die politische Mitverantwortung für diese Ereignisse trägt. Er forderte "mit allen Konsequenzen" vorzugehen und muß deshalb auch die Mitverantwortung für "alle Konsequenzen" tragen, auch weil er sehr genau wußte, an wen er diese Forderung stellte: Der Berlusconi-Regierung, die nach den Todesschüssen der Polizei und den Carabinieri für ihren lobenswerten Einsatz dankte. Dem italienischen Premier Silvio Berlusconi, der dem, für den Tod von Carlo Giulianis verantwortlichen, Carabinieri vorschlug, er solle sich erstmal einen Urlaub gönnen, und dessen Partei "Forza Italia" den Todesschützen daraufhin zu einem Gratisurlaub einlud. Der mit Berlusconi verbündeten faschistischen Partei "Alleanza Nazionale", deren "Sicherheits-Experte" und Feldwebel der Carabinieri, Filippo Ascierto in einem Radiointerview die Erschießung Carlo Guilianis folgendermaßen kommentierte: "Wäre jemand mit mehr Erfahrung an der Stelle jenes Carabinieri gewesen, hätte er mehr als einen umgelegt, denn juristisch war die Notwehrsituation ja gegeben."

Mitverantwortlich gemacht hat sich auch Bundesinnenminister Otto Schily, der sich gerade erst mit Italiens Innenminister Claudio Scajola traf, gegen den die parlamentarische Opposition einen Untersuchungsausschuß fordert, um seine Rolle bei dem geplanten Massaker in der Diaz-Schule zu durchleuchten. In einem Zwiegespräch tüfftelten sie an den Plänen für eine europaweite Spezial-Polizeitruppe, die überall in Europa gegen DemonstrantInnen eingesetzt werden kann. "Auf deutschen Vorschlag kommt eine europäische Polizeiakademie zustande, dort könnte eine solche neue europäische Polizeieinheit gegen gefährliche Krawallreisende entstehen", so Schily.
Bereits im Vorfeld heizte Schily die Situation auf und pustete ins selbe Horn wie Bundeskanzler Schröder: "Eine internationale kriminelle Szene macht sich das große Medieninteresse und die Anwesenheit vieler Demonstranten zu Nutze. Diese Verbrecherbanden müssen konsequent und hart bekämpft werden". Wie das geht hat Schily vor den Protesten in Genua vorgeführt. In seiner Stellungnahme sagte er, Deutschland habe seine rechtlichen Möglichkeiten so weit es ging ausgeschöpft, «Krawalltouristen» an der Ausreise zu hindern. 81 Personen seien mit passrechtlichen Beschränkungen belegt worden.

Diese populistische Hetzkampagnen lieferten das politische Rückgrat der faschistoiden Gewaltorgien der italienischen Polizei, denn nur mit politischem Rückhalt wie aus Deutschland war z.B. der Überfall auf die Diaz-Schule durchführbar.

Unbeirrt alles Protestes, der sich gegen diese Entwicklungen abzeichnet, werden diese fortgeführt. "Es gibt kein Grundrecht auf Ausreise", stellte Ehrhart Körting, SPD klar, den Protest für freie Bewegung abschmetternd.
Neue Mauern werden errichtet. Längst vergangen geglaubte, schlimme Erfahrungen mit deutscher Politik kommen wie Schatten in die Gegenwart. Die Vergangenheit soll uns mahnen, doch deutsche Regierungs-Politiker verschließen ihre Augen. Die Medien verschließen die Augen und übrig bleiben wir, die nun endlich handeln sollten, bevor wir es nicht mehr können.
Und nebenbei arbeitet Schily gerade an einer neuen Einschränkung des Asylrechts und will u.a. sogenannte "Sammellager" (oder "Internierungslager") für Flüchtlinge errichten lassen. Es stink gewaltig im Staate Bundesrepublik Deutschland, in der Europäischen Union.

Diese Auswüchse des kapitalistischen Systems lassen deutlich erahnen wohin die Zukunft in den Augen der herrschenden Politiker, angetrieben durch die Kapitalinteressen der Industrie, führen soll. Was können wir dem entgegensetzen?

Wenn wir protestieren, zücken sie ihre Waffen. Eine Grenze wurde überschritten, wir können nicht mehr sicher sein, was passiert, wie sie auf unsere Stimmen reagieren werden.

Es ist jetzt wichtig Strukturen zu erstellen, Strukturen gegenseitiger Hilfe. Sie haben einen Krieg begonnen, haben ihr wahres Gesicht gezeigt, das Gesicht des Kapitalismus. Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen auf diesen Krieg einzusteigen und ihrem Angriff mit einem Gegenangriff kontern. Das ist ihre Sprache, die Sprache der Ausbeuter und Unterdrücker. Wir müssen mit unserer Sprache reagieren, unserer Solidarität. Uns nicht spalten lassen, sondern näher zusammenrücken. Die Zeit der großen Worte ist vorbei, jetzt müssen wir unsere Vision einer freien und menschlichen Gesellschaft ohne Hirarchien praktisch machen.

Flüchtlinge, einfache Menschen, Ausgegrenzte, Obdachlose, Verfolgte, AntikapitalistInnen, AnarchistInnen, ... auf der ganzen Welt werden von ihren Regierungen und deren Bündnisse ausgebeutet und unterdrückt. Uns alle eint der Wunsch nach Emanzipation, Selbstbestimmung und Selbstorganisierung. Es ist stärkend zu wissen, daß überall auf der Welt Menschen sich gegen diese Zustände auflehnen und ihr Leben in die eigene Hand nehmen wollen. Uns eint eine weltweite Solidarität und wir knüpfen Netze um uns auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Es ist auch wichtig zusammenzukommen, bei internationalen Treffen, zu diskutieren, voneinander zu lernen und unseren Unmut lautstark und unüberhörbar kundzutun.
Genauso wichtig ist auch die lokale Vernetzung in unseren Städten und Bezirken in denen wir wohnen und auch dort vor Ort aktiv den kapitalistischen Regierungen und Verwaltungen Sand ins Getriebe zu streuen. Eine Demonstration z.B. in einer deutschen Stadt kann nicht nur die Polizeigewalt in Genua verurteilen und die Freilassung der Gefangenen fordern, denn in unübersehbarem Zusammenhang dazu steht auch beispielsweise die von Schily geforderte Errichtung von "Internierungslagern" für Flüchtlinge, deren Residenzpflicht, ...

Wir können nicht nur einen aktuellen Aspekt der Auswirkungen des Kapitalismus aufgreifen, sondern müssen die Zusammenhänge deutlich machen. Dies ist kein Kampf gegen etwas, sondern für ein freies, selbstbestimmtes Leben weltweit. Nicht die Zusammenarbeit mit regierungstragenden NGOs und hirarchischen Gruppen ergibt eine Bewegung für das Leben, für die Menschen, sondern die Solidarität und Vernetzung mit Menschen unterschiedlichster Einstellungen und Gedanken, deren Ziel eine herrschaftslose, freie und menschliche Gesellschaft ist.

"Ihr könnt die Revolution nicht kaufen. Ihr könnt die Revolution nicht machen. Ihr könnt nur die Revolution sein."
in diesem Sinne: no border - no nation - one world
Freiheit für alle Gefangenen in Genua - und weltweit.
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Ergänzungen

sehr guter text

blaubär 06.08.2001 - 20:25
Hallo!
Wirklich sehr guter Text, werde ihn ausdrucken und weiterverteilen. Momentan ist der Text noch doppelt hintereinander, könnt ihr vielleicht beheben...
+ ihn zu den Diskussionsbeiträgen zu Genua ergänzen.

GSG 9-Ausbilder in Italien

Lole 06.08.2001 - 22:10
Ich bin nicht nach Genua gefahren, da unsere Dojo ein großes Karatecamp genau an jenem Wochenende in Freiburg veranstaltete. Eigentlich sollte Rüdiger Schwinte, ein Ausbilder der GSG 9 in Bonn, einer unserer Lehrer sein. Er kam allerdings nicht, da er dienstlich nach Genua musste. Niemand kann mir erzählen, dass der als einfacher Straßenbulle eingesetzt wurde.

Jawohl der Tod

E T 06.08.2001 - 23:40
ist ein Meister aus Deutschland, ob die vom BKA im Sinne der Diktatur in Peru mit hingeschlachteten Tupac Amaru, oder die GSG 9 oder Andere Lehrmeister oder Mordgeräte (NVAPersonen Minen von DASA) oder Mordtechnologie, wieder in Aller Welt, der Tod ist ein Meister aus Deutschland, und die Hölle (Conti in USA, BMW in Afrika, VW in Brasilien) davor auch!

?

SovietStar 07.08.2001 - 00:43
---Zitat---
Nicht die Zusammenarbeit mit regierungstragenden NGOs und hirarchischen Gruppen ergibt eine Bewegung für das Leben
-----------

Würdest du kommunistische Parteien und Verbände als hierachisch bezeichnen? Dann müsstest du sie konsequent gesehen ausschlißen. Das ist Sektierertum. Kommunisten waren immer die revolutionäre Gruppe/Partei, die am konsequentesten den Kapitalismus angegriffen hat und es selbstverständlich noch tut. Nenn mir eine anarchistische Revolution. Ich nenn dir zwei sozialistische: Russland 1917, Cuba 1959.

Deutsche Datenübermittlung an Folterknechte

Bertold 07.08.2001 - 00:47
Ein Aspekt fehlt mir noch in dem Text: Die Weitergabe der Daten der deutschen Polizei an die italienische, von der unser Innenminister auch in Zukunft nicht ablassen will. Die entsprechende verantwortliche italienische Polizei rechtfertigte zunächst ihre Folterungen damit, dass die Deutschen aus dem Schulzentrum schon bei den deutschen Sicherheitsbehörden schon als 'Krawalltouristen' gemeldet gewesen seien. Wer Daten über Personen an Sicherheitsbehörden weitergibt, deren Beamte mit faschisten Zeichen Demonstranten maltretieren, leistet so schrecklichen Ereignissen wie sie in Genua passierten (und die kritische Öffentlichkeit mit Recht an frühere chilenische Verhältnisse erinnerte) Vorschub.

Hey SovietStar!!!

@ 07.08.2001 - 01:22
Wie wärs mit Spanien 19??(fällt mir gerade nicht ein)
und Ukraine 1918,die Machno-Bewegung wurde übrigens von der Roten Armee niedergeschlagen
Soviel dazu.

@bertold

+++grinsekatze+++ 07.08.2001 - 02:01
da hast du recht, das ist ein sehr wichtiges gebiet, das ich ausgeklammert habe. geht mensch erstmal auf das thema ein, finden sich erschreckend viele einzelheiten, die die mitarbeit deutscher behörden in genua aufzeigen. mir fällt gerade auch noch die kooperation deutscher zivi-bullen mit der polizei in genua ein. konstruktive kritik bitte an meine e-mail-adresse. ich versuche den text noch etwas auszubauen und an den kommunisten: vielleicht sollte ich den text trennen in eine analyse und einer perspektivischen !!unhirarchischen!! einschätzung einer weltweiten bewegung von unten, wichtig dabei wäre dann schon auch die frage der zusammenarbeit mit hirarchischen kommunistischen gruppen

nochmal an soviet star

+++grinsekatze+++ 07.08.2001 - 02:13
es geht bei einer weltweiten bewegung von unten zwar auch um die abschaffung des kapitalismus, das darf aber nur als ein aspekt von herrschaftsverhältnissen gesehen werden. ist der kapitalimus beseitigt (ja, das wär ja schonmal was...) gibt es noch immer herrschaftsformen, siehe den ex-"real sozialismus". für eine freie und menschliche gesellschaft zu kämpfen muß immer auch bedeuten, daß sich der kampf auch gegen sexismen, rassismen, patriarchalismen und anderen formen der herrschaft richtet (und zwar angefangen bei sich selbst), welche menschen anderen menschen unterordnet und über ihr schicksal entscheiden. alle menschen müssen selbst über sich und ihr leben bestimmen können, nur so kann eine freie und menschliche gesellschaft entstehen.

es gibt welche, die sich führen lassen wollen

Anarcho 07.08.2001 - 02:40
Ist ja ganz schön ekelhaft, was hier so enige loslassen: "Würdest du kommunistische Parteien undVerbände als
hierachisch bezeichnen? Dann müsstest du sie konsequent gesehen ausschlißen."
Nicht alle Kommunisten sind autoritäre Dogmaten, die einem Führer hinterherlaufen. "Kommunisten
waren immer die revolutionäre
Gruppe/Partei, die am
konsequentesten den
Kapitalismus angegriffen hat und
es selbstverständlich noch tut." Das ist eine Lüge! Kommunisten sind für Staat, Gefängnisse,
Polizei, Gewalt und so weiter - Anarchisten sind sind da wesentlich radikaler, wenn sie die jetzigen Zustände völlig
ablehnen. Kommunisten wollen eine andere Herrschaftsform. Anarchisten keine!
"Nenn mir eine anarchistische
Revolution. Ich nenn dir zwei
sozialistische: Russland 1917,
Cuba 1959." Erstens: Anarchismus ist auch eine sozialistische Variante - nur eben eine ohne Macht
und Herrschaft. Zweitens: Russland begann als Volksaufstand. Überall bildetetn sich ab Februar 1917 Räte (Sowjets)
- Die Bolschewisten übernahmen die Sowjets durch Unterwanderung (typische Trotzkistentaktik) oder durch offene
Gewalt. Politische Gegener wurden umgebracht. (Konterrevolution) - Weitere freie (anarchistische) Revolutionen:
1917 in der Ukraine (Machnow) - wurde 1921 von der Roten Armee blutig unterjocht. 1936: Spanien - Die
Stalinisten und Faschisten waren stärker. Davon abgesehen halte ich den SovjetStar für einen Provokateur, der
hier total vom Thema ablenkenund Streit entfachen will.

Was sind die Differenzen?

Gbranarchist 07.08.2001 - 09:14
Wer die Auseinandersetzung in der I.Internationale kennt sieht dass Anarchisten und Kommunisten grundsätzlich dieselben Ziele haben. Die Frage ist nur der Weg. Auch sollte man nicht alle Kommunisten in ein Topf werfen. Alle möglichen Oppositionellen wurden in der KPR durch Wischinski-Prozesse zum Tode verurteilt, selbst die die zum Stalinismus wieder desertierten(Radek); auch die IgnatzReissFraktion. In Spanien wurden nicht nur Anarchosyndikalisten (CNT) ermordet von Stalinisten sondern auch POUM-Mitglieder (Nin z.B.). Anarchisten und POUM (Kommunisten der LO und RO) hatten gemeinsame FRONTabschnitte. Rufmordkampagnen ohne Inhaltliche Programmatische Diskussionen sind destruktiv. Warum z.B. hetzen jetzt verschiedene (nicht alle) sog. "Marxisten" gegen Anarchisten ohne ein Wort über das eigene Program zu verlieren. Wir-sind-besser Kampagnen ohne Program sind unklug und lassen uns dumm sterben.

Kommunisten

SovietStar 07.08.2001 - 17:29
Fakt ist: Kommunistische Parteien besitzen Hierachien (Kreisvorstand, Bezirksvorstand, Parteivorstand). Wenn mensch der Argumentation des Autors folgt, müssten Kommunisten nun vom antikapitalistischen Kampf ausgeschlossen werden. Das war meine Frage und meine Kritik. Ich bin kein Provokateuer oder sonstwas. Zum Thema Anarchie oder Kommunismus: ich möchte das eigentlich hier nicht diskutieren, das ist hier Off Topic. Aber dafür gibts sicher andere Foren, kennt jemand eins?

Projekt S

dot. 07.08.2001 - 19:17
Kommunisten errichteten den Staat, der sich selbst zerstören sollte.(frei nach Lenin) Dieser Staat tat es nicht. Er lebte weiter, herrschte und mordete.

Der Ziel eines Kommunisten ist nicht ein anderer Staat, sondern die endgültige Zerstörung des Staates, wie es die Anarchisten selbst fordern. Doch die Wege dorthin scheiden sich. Die Anarchisten wollen die sofortige Abschaffung des Staates. Die Kommunisten dagegen die Errichtung der Diktatur des Proletariats in staatlicher Form zur Unterdrückung und endgültigen Vernichtung der kapitalistischen Gedanken und Aktivitäten.

Feuer und Flamme jedem Staat.

unknown 07.08.2001 - 23:10
Ein sehr guter Text, was die Verantwotung der deutschen Politik für Genua und die immer autoritärer werdende Entwicklung der EU angeht.
Jedoch trägt ein Ausschluss der Kommunisten nicht zur Einheit der Bewegung bei. Ganz im Gegenteil ist diese Spaltung nur im Interesse der Herrschenden.
Denn schliesslich sind dies auch Gruppen, die entschieden gegen die kapitalistitische Globalisierung protestieren. Selbst wenn in der BRD kommunistische GruppieruóNûÉœTðu4fž×$uHh zu autonomen nur eine Minderheit darstellen sollten, ist dies in anderen Ländern durchaus nicht so. In Frankreich haben sich z.B. die LCR und in Italien die PRC intensiv an der Antiglobalisierungsbewegung und auch an der Demo in Genua beteiligt.
Und überhaupt, wer sagt denn, dass Kommunisten inzwischen nicht auch die Notwendigkeit einsehen, neben dem Kapitalismus nicht auch den Sexismus, Rassismus zu bekäpfen? Habt ihr nicht mal im Erwägung gezogen, dass in diesen Fragen ein Lernprozess stattgefunden haben kann?
etc. etc....

emanzipatorische politik....

Anarcho 07.08.2001 - 23:22
meinst du diese sachen eigentlich ernst die du da schreibst? natürlich werden kompromisse gemacht, wenn eine
hierarchische gruppe demokratische (oder besser noch basisdemokratische) strukturen hat, gibt es natürlich
gemeinsamkeiten. leninistische kaderorganisationen fallen da raus - sie stellen aber auch nicht die mehrheit der
progressiven kräfte. da sie selbst zum sektierertum neigen ("reinheit der lehre"), sind sie zumeist
splitterorganisationen. deiner argumentation zufolge müsste auch mit nazis zusammengearbeitet werden. (die
argumentieren übrigens ähnlich, wenn sie beim castor mitmachen wollen). leninistische kaderorganisationen sind
anti-emantzipatorisch, ich weiß nicht was hier eine zusammenarbeit bringen soll. zumal die neue bewegung, die 1994
in chiapas ihren anfang nahm, dem charakter nach eigentlich libertär ist (auch wenn jetzt kommies auf den zug mit
aufgesprungen sind). sieh dir einfach mal die struktur dieser seite an! da ist kein zk, welches nachrichten macht und
repressiv wirkt.

Falscher Ort

SovietStar 07.08.2001 - 23:28
Wie gesagt, ich finde, dass hier der falsche Platz für eine Anarchie vs. Kommunismus Diskussion ist, möchte aber gerne auf die Postings eingehen. Kennt jemand ein geeignetes Forum?

Ich verstehe das nicht...

unknown 08.08.2001 - 12:19
Wie willst du festzustellen, welche Organisation eine demokratische Struktur hat oder eine leninistische Kaderorganistion ist? Vielleicht ist das nicht in jedem Fall ein Widerspruch? Welches Verhalten einer "leninistischen Kaderorganisation" im Zusammenhang im Genua war so schwerwiegend, das du den Ausschluss von Kommunisten forderst?
Ausserdem mich mit einem Faschisten zu vergleichen ist schon starker Tobak.

Dies ist kein sehr solidarisches Verhalten, sondern du grenzt Leute aus der Antiglobalisierungsbewegung aus, die nicht deiner Meinung sind.

hey leute, kommt mal wieder runter !!!

+++grinsekatze+++ 08.08.2001 - 13:24
ich wollte mit diesem text keine diskussion über kommunismus vs. anarchismus anzetteln, genausowenig wie ich kommunisten aus der sog. anti-globalisierungsbewegung ausschliesen wollte. lest doch nochmal genau das zitat, das das alles ausgelöst hat: "Nicht die Zusammenarbeit mit regierungstragenden NGOs und hirarchischen Gruppen ergibt eine Bewegung für das Leben, für die Menschen, sondern die Solidarität und Vernetzung mit Menschen unterschiedlichster Einstellungen und Gedanken, deren Ziel eine herrschaftslose, freie und menschliche Gesellschaft ist." die betonung liegt in einer zusammenarbeit mit MENSCHEN "unterschiedlichster Einstellungen und Gedanken". ich kritisiere ORGANISATIONEN mit hirarchischen strukturen. Die sog. Anti-Globalisierungsbewegung ist für mich wie bereits oben erwähnt wurde (da schließe ich mich an) eine libertäre. das schließt allerdings eine kooperation mit kommunisten nicht aus, doch diese müssen auch die dezentrale, unhirarchische struktur achten und respektieren, sonst kann es doch keine bewegung von unten sein.
viel viel wichtiger ist aber doch der hauptinhalt des textes, die mitverantwortung deutscher politik. wer den ausklammert, um spalterische diskussionen zu führen wirkt meiner meinung nach sehr kontraproduktiv. falls ich mich falsch ausgedrückt habe und diese diskussion damit ausgelöst habe bitte ich das zu entschuldigen. das war nicht der zweck meines aufsatzes. ich arbeite gerade an einer überarbeiteten fassung, deshalb wäre ich über konstruktive kritik dankbar. cheers !!

X

Anarcho 08.08.2001 - 13:37
1.) Ist es sehr einfach zu sehen, ob ein Gruppe einigermaßen demokratisch ist oder nicht. Bei Linksruck, Spartakist, DKP oder PK ist ziemlich klar was das für leute sind. Da lehne ich zusammenarbeit in den meisten punkten ab. das hat für mich nichts mit spaltung zu tun, da wir genau das gegenteil wollen.
2.) Ich habe niemanden mit nazis verglichen. ich habe die art der argumentation mit nazis verglichen. das ist ein kleiner unterschied.

Sektierertum

SovietStar 08.08.2001 - 13:59
Eine nicht-Zusammenarbeit mit konsequent antikapitalistischen Kräften (wie z.B. der DKP) halte ich für sektiererisch. Nicht das zu erreichende Ziel, was gegebenenfalls nur im Bündnis zu erreichen ist, stellt dann den zentralen Diskussionspunkt dar, sondern Diskussionen über "Hierachien" oder "Kaderorganisationen". Erinnert mich verdammt an K-Sekten wie MLPD etc.