Lippmann: Unbegründete politische Prozesse
Die PDS hat die Bundesregierung zu verstärkten Anstrengungen für die Freilassung der nach dem G-8-Gipfel in Genua inhaftierten Deutschen aufgefordert und auch auf EU-Ebene gegen die weitere Inhaftierung vorstellig zu werden. Ziel müsse die bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten sein, sagte die niedersächsische PDS-Bundestagsabgeordnete Heidi Lippmann am Freitag in Berlin. Den Demonstranten werde zweifelsohne unbegründet ein politischer Prozess gemacht.
Heidi Lippmann: In Genua wird den Demonstranten aus anderen EU-Staaten unbegründet ein politischer Prozess gemacht
Eine Korrespondenz von Ekkehard Jänicke, Ökumenischer Pressedienst – Ecumenical Press Service (eps)
Berlin, 3. 8. 2001
Erneut hat die PDS hat die Bundesregierung zu verstärkten Anstrengungen für die Freilassung der nach dem G-8-Gipfel in Genua inhaftierten Deutschen aufgefordert und auch auf EU-Ebene gegen die weitere Inhaftierung vorstellig zu werden. Ziel müsse die bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten sein, sagte die niedersächsische PDS-Bundestagsabgeordnete Heidi Lippmann am Freitag in Berlin. Den Demonstranten werde zweifelsohne unbegründet ein politischer Prozess gemacht.
Lippmann war soeben von einer Reise nach Genua zurückgekehrt, bei der sie mit den 23 noch inhaftierten Deutschen und inhaftierten Mitgliedern des international besetzten Ensembles der VolxTheater-Kulturkarawane, vorwiegend Staatsbürger Österreichs,. gesprochen hatte.
Lippmann befürchtet, dass die Verhafteten auch in der kommenden Woche nicht auf freien Fuß gesetzt werden. Dann soll nämlich über ihre Haftbeschwerden verhandelt werden.
Nach Ansicht der PDS-Abgeordneten handelt es sich dabei um einen glatten Verstoß gegen EU-Recht und erst recht gegen das Schengener Abkommen. Laut Schengener Abkommen können „Verdächtige“ aus EU-Ländern, will man überhaupt den Begriff auf die Festgenommenen anwenden, bis zu einem möglichen Gerichtsverfahren in ihre Heimatländer überstellt werden. Damit sei die Begründung der italienischen Behörden für die fortgesetzte Inhaftierung der Deutschen und anderen EU-Bürger weder haltbar noch stichhaltig. Lippmann forderte das Auswärtige Amt daher zu einer juristischen Prüfung der Gesamtsituation auf. Dies würde auch Bürgern aus anderen EU-Staaten helfen, da die italienischen Behörden zur Gleichbehandlung aller EU-Bürger verpflichtet seien.
Angesprochen auf die Volxtheaterleute antwortete Lippmann, natürlich müsste auch die österreichische Regierung ebenso wie sie das von der deutschen erwarte, in Rom und Brüssel vorstellig werden. Der öffentliche Druck auf Wien, besonders im eigenen Land, habe auch dazu geführt, dass sich die konsularische Betreuung der festgenommenen österreichischen Staatsbürger sichtbar verbessert hat.
Den italienischen Behörden warf sie vor, sie wollten die ausländischen Demonstranten zu Sündenböcken für die Ausschreitungen bei dem Gipfel vor zwei Wochen machen. Dahinter stehe offenbar Furcht vor innenpolitischen Spannungen, falls man gegen italienische Gruppierungen vorgehe. Nach ihrer Einschätzung sei keiner der inhaftierten Deutschen und ebenso wenig Angehörige der VolxTheater-Kulturkarawane an Ausschreitungen beteiligt gewesen. Hier wird ein Exempel statuiert, sagte Lippmann. Bei den Theaterleuten käme mit ihrer Inhaftierung hinzu, dass offenbar die Freiheit künstlerischen Ausdrucks, damit auch das in allen Verfassungen von EU-Staaten garantierte Grundrecht der freien Meinungsäußerung erheblich verletzt, wenn nicht außer Kraft gesetzt wird.
Hier angefügt der Originaltext der persönlichen Erklärung von Heidi Lippmann:
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Persönliche Erklärung von Heidi Lippmann:
Während meines Besuchs vom 31.7. – 2. 8. 2001 bei den 23 im Anschluss an den G-8 Gipfel in und um Genua inhaftierten politischen Gefangenen deutscher Staatsangehörigkeit und der internationalen Theatergruppe von der Volxtheater-Kulturkarawane wurden mir von den Gefangenen verschiedene handschriftliche Resolutionen mit der Bitte um Bekanntmachung überreicht, die übereinstimmend die folgenden Punkte beinhalten:
Resolution
Wir verurteilen
- die Misshandlungen bei der Festnahme in der Schola Diaz und bei Festnahmen an anderen Orten
- die Misshandlungen, die Androhung sexueller Gewalt, den Psychoterror, den Schlafentzug und die Beleidigungen und Beschimpfungen im Polizeigewahrsam
- die Androhung und Ausübung von Gewalt um Aussagen und Unterschriften zu erzwingen
Wir protestieren
- gegen das unberechtigte Festhalten – hierbei handelt es sich um einen Freiheitsentzug aus politischen Gründen
- dagegen, dass uns falsche Beweisstücke untergeschoben wurden
- gegen die anfänglich komplette Kommunikationssperre und die mangelnde Aufklärung über unsere Rechte in der Haft
- dagegen, dass wir teilweise bis zu 1 Woche ohne anwaltliche Betreuung waren
- gegen die teilweise Isolationshaft einzelner Gefangener
- gegen die politische Kriminalisierung.
Wir fordern
- die bedingungslose Freilassung aller im Zusammenhang mit dem G-8-Gipfel Inhaftierten, da die Freiheitsberaubung unbegründet ist
- wir fordern die Herausgabe aller persönlichen Gegenstände und Fahrzeuge.
WIR PROTESTIEREN GEGEN DIE POLITISCHE KRIMINALISIERUNG!
Im Namen von G-8-Gefangenen aus Genua, Pontedicimo, Pavia und Alessandria
Berlin, den 3.8.2001
Heidi Lippmann
Eine Korrespondenz von Ekkehard Jänicke, Ökumenischer Pressedienst – Ecumenical Press Service (eps)
Berlin, 3. 8. 2001
Erneut hat die PDS hat die Bundesregierung zu verstärkten Anstrengungen für die Freilassung der nach dem G-8-Gipfel in Genua inhaftierten Deutschen aufgefordert und auch auf EU-Ebene gegen die weitere Inhaftierung vorstellig zu werden. Ziel müsse die bedingungslose Freilassung aller Inhaftierten sein, sagte die niedersächsische PDS-Bundestagsabgeordnete Heidi Lippmann am Freitag in Berlin. Den Demonstranten werde zweifelsohne unbegründet ein politischer Prozess gemacht.
Lippmann war soeben von einer Reise nach Genua zurückgekehrt, bei der sie mit den 23 noch inhaftierten Deutschen und inhaftierten Mitgliedern des international besetzten Ensembles der VolxTheater-Kulturkarawane, vorwiegend Staatsbürger Österreichs,. gesprochen hatte.
Lippmann befürchtet, dass die Verhafteten auch in der kommenden Woche nicht auf freien Fuß gesetzt werden. Dann soll nämlich über ihre Haftbeschwerden verhandelt werden.
Nach Ansicht der PDS-Abgeordneten handelt es sich dabei um einen glatten Verstoß gegen EU-Recht und erst recht gegen das Schengener Abkommen. Laut Schengener Abkommen können „Verdächtige“ aus EU-Ländern, will man überhaupt den Begriff auf die Festgenommenen anwenden, bis zu einem möglichen Gerichtsverfahren in ihre Heimatländer überstellt werden. Damit sei die Begründung der italienischen Behörden für die fortgesetzte Inhaftierung der Deutschen und anderen EU-Bürger weder haltbar noch stichhaltig. Lippmann forderte das Auswärtige Amt daher zu einer juristischen Prüfung der Gesamtsituation auf. Dies würde auch Bürgern aus anderen EU-Staaten helfen, da die italienischen Behörden zur Gleichbehandlung aller EU-Bürger verpflichtet seien.
Angesprochen auf die Volxtheaterleute antwortete Lippmann, natürlich müsste auch die österreichische Regierung ebenso wie sie das von der deutschen erwarte, in Rom und Brüssel vorstellig werden. Der öffentliche Druck auf Wien, besonders im eigenen Land, habe auch dazu geführt, dass sich die konsularische Betreuung der festgenommenen österreichischen Staatsbürger sichtbar verbessert hat.
Den italienischen Behörden warf sie vor, sie wollten die ausländischen Demonstranten zu Sündenböcken für die Ausschreitungen bei dem Gipfel vor zwei Wochen machen. Dahinter stehe offenbar Furcht vor innenpolitischen Spannungen, falls man gegen italienische Gruppierungen vorgehe. Nach ihrer Einschätzung sei keiner der inhaftierten Deutschen und ebenso wenig Angehörige der VolxTheater-Kulturkarawane an Ausschreitungen beteiligt gewesen. Hier wird ein Exempel statuiert, sagte Lippmann. Bei den Theaterleuten käme mit ihrer Inhaftierung hinzu, dass offenbar die Freiheit künstlerischen Ausdrucks, damit auch das in allen Verfassungen von EU-Staaten garantierte Grundrecht der freien Meinungsäußerung erheblich verletzt, wenn nicht außer Kraft gesetzt wird.
Hier angefügt der Originaltext der persönlichen Erklärung von Heidi Lippmann:
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Persönliche Erklärung von Heidi Lippmann:
Während meines Besuchs vom 31.7. – 2. 8. 2001 bei den 23 im Anschluss an den G-8 Gipfel in und um Genua inhaftierten politischen Gefangenen deutscher Staatsangehörigkeit und der internationalen Theatergruppe von der Volxtheater-Kulturkarawane wurden mir von den Gefangenen verschiedene handschriftliche Resolutionen mit der Bitte um Bekanntmachung überreicht, die übereinstimmend die folgenden Punkte beinhalten:
Resolution
Wir verurteilen
- die Misshandlungen bei der Festnahme in der Schola Diaz und bei Festnahmen an anderen Orten
- die Misshandlungen, die Androhung sexueller Gewalt, den Psychoterror, den Schlafentzug und die Beleidigungen und Beschimpfungen im Polizeigewahrsam
- die Androhung und Ausübung von Gewalt um Aussagen und Unterschriften zu erzwingen
Wir protestieren
- gegen das unberechtigte Festhalten – hierbei handelt es sich um einen Freiheitsentzug aus politischen Gründen
- dagegen, dass uns falsche Beweisstücke untergeschoben wurden
- gegen die anfänglich komplette Kommunikationssperre und die mangelnde Aufklärung über unsere Rechte in der Haft
- dagegen, dass wir teilweise bis zu 1 Woche ohne anwaltliche Betreuung waren
- gegen die teilweise Isolationshaft einzelner Gefangener
- gegen die politische Kriminalisierung.
Wir fordern
- die bedingungslose Freilassung aller im Zusammenhang mit dem G-8-Gipfel Inhaftierten, da die Freiheitsberaubung unbegründet ist
- wir fordern die Herausgabe aller persönlichen Gegenstände und Fahrzeuge.
WIR PROTESTIEREN GEGEN DIE POLITISCHE KRIMINALISIERUNG!
Im Namen von G-8-Gefangenen aus Genua, Pontedicimo, Pavia und Alessandria
Berlin, den 3.8.2001
Heidi Lippmann
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Liebe Heidi, lieber Ekkehard
Ich kann nicht mit für Heidi sprechen, aber
Schaut mal nach Österreich, dort muss jetzt sogar, wie gerade aus Wien im Alternativradio Orange höre, nun durch den öffentlichen Druck im Lande die Rechtsregierung aktiv werden und zeigt schon fleissiges Nacharbeiten.
Einige auch der deutschen Festgenommenen von Göteborg und Genua sind Kinder von Prommis, die auch ihrerseits den Druck auf Schröder und Fischer verstärken. Nur ist meines Erachtens die Solidarität in Deutschland noch entwickelbar und muss noch verstärkt werden. Die Konsulatsaktionen heute tragen auf den einen Seite dazu bei, die Öffentlichkeitsarbeit, wie sie von Stroebele oder jetzt Heidi praktiziert wird , auf der anderen Seite.
Da inzwischen auch etablierte Medien anfangen, kritischere Töne anzuschlagen, liegen wir richtig, oder was meinen die anderen Indymedia-LeserInnen!
Ekkehard
Warum hier versteckt ???
Noch ein Weckruf, liebe ModeratorInnen!
Sandra
Re: Weckruf
Hinzu kommt: Das Veröffentlichen von Nachrichtenagentur-Meldungen ist kostenpflichtig. Die haben ein Copyright - Geld für Gedanken und Wissen.
eps ist eine NON-PROFIT-Agentur
eps /ecumenical press service / ist eine non-profit-agentur auf ehrenamtlicher Basis, die seit über 12 Jahren zu Themen wie Frieden, Gerechtigkeit und Umwelt / Mitwelt im breitesten Sinne in alternativen Medien für freie Radios, offene Kanäle und alternative Daten- und Mailboxnetze / früher das CL-Netz und weltweit APC-Comlink / Informationen kostenlos verbreitet. Die Rechte liegen bei den Autoren, falls kommerzielle Medien abdrucken oder übernehmen wollen wie bei Indymedia selbst. Es gibt kein Problem, eps-Artikel anderes zu behandeln als andere Postings!
Ekkehard Jänicke für das eps-Team in Deutschland und Österreich
Leitet das ruhig den Moderatorinnen weiter!
wenig hoffnung
gestern gabs auch eine pk in wien zu den österr. gefangenen - die sie aus demselben grund brauchen wie die deutschen, weil der schwarze block ja angeblich aus unseren ländern kommt -, über die ich ausführlich berichte unter
parteien?!
Parteienpromotion
Parteienpromotion
Lotti, Du hast 'nen Rad ab
Zufällig kenne ich auch die Szene bei Euch ganz gut und ich bin mir sicher, dass die Genossin Lippmann, ich nenne sie so, obwohl ich mit Parteien wenig am Hut hab, nicht unbedingt das grosse Wohlgefallen der RealpolitikerInnen in der PDS erntet, für das was sie tut. Aber sie nutzt ihr gewähltes Amt, um den Druck zu verstärken und Ziegen und Böcken, denen so etwas nicht gelegen kommt, stehen für mich auf der anderen Seite der Barrikade.
Sogar im schwarzen Südtirol berichtete der Rundfunk über Heidis Genua-Visite. Wenn's statt dessen die Presskonferenz von Lotti Revoluzz gewesen wäre, da hätt kein Schwein Notiz genommen, es sei denn, Du hättest des nackert für SAT1 vor dem Brandenburger Tor gemacht, dann hättens aber auch nur die Sexisten mitbekommen.
Mach weiter so, auch wenn es ein Mann geschrieben hat, ein Rätekommunist, passt des auch für Dich, Lotti!
DER REVOLUZZER
Komposition: Béla Reinitz
Text: Erich Mühsam
War einmal ein Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit.
Und er schrie: "Ich revolüzze!"
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor.
Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Strassen Mitten,
Wo er sonsten unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt.
Sie vom Boden zu entfernen
Rupfte man die Gaslaternen
Aus dem Strassenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus.
Aber unser Revoluzzer
Schrie: "Ich bin der Lampenputzer
Dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!
Wenn wir ihn das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen.
Laßt die Lampen stehn, ich bitt! -
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit."
Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich.
Dann ist er zu Haus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich, wie man revoluzzt
Und dabei doch Lampen putzt.
Schreib auch weiter Blech, Lotti, die Karawane zieht weiter!
Marie, autonome GipfelstürmerInnen in Bolzano / Bozen