ASSASSINI!
Diskussionsbeitrag der Autonomen Antifa [M]zu den Ereignissen in Genua.
ASSASSINI!
Ein Diskussionsbeitrag der Autonomen Antifa [M]
Carlo Giuliani ist tot. Der 23jährige wurde am Freitag, den 20. Juli 2001 während der militanten Proteste gegen den G-8-Gipfel in Genua von einem Carabinieri mit einem gezielten Kopfschuss ermordet. Damit forderte der Widerstand gegen den globalen Kapitalismus sein erstes Todesopfer. Nach den Schüssen von Göteborg hat die polizeiliche Willkür eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Der linksradikale Widerstand, vor allem aber diejenigen, die bereit sind, die direkte Konfrontation mit der Staatsgewalt einzugehen, müssen die Frage auf-werfen, welche Konsequenzen aus den Todesschüssen zu ziehen sind.
Die Reaktionen
In Genua waren die Reaktionen unterschiedlich. Direkt nach den Schüssen wurde in den Camps vor Ort einerseits die Bewaffnung der Demonstrationen gefordert, um sich zu rächen, andererseits wurde die "Gewaltspirale" bemüht, um zur Friedfertigkeit aufzurufen. Beide Positionen sind unter dem unmittel-baren Eindruck der Todesschüsse entstanden und zu respektieren.
Nicht zu respektieren sind jedoch die ersten Diskussionen in den Tagen danach. Diese sind, in den bürgerlichen, aber auch in vielen vermeintlich linksradikalen Medien nach dem "Gipfel der Gewalt" gekennzeichnet von einer realen Unfähigkeit, das Gewesene zu verstehen. Der Unfähigkeit näm-lich, die Individuen, die sich für die Option der Militanz aus ihrem linksradi-kalen Selbstverständnis heraus entscheiden, als das wahrzunehmen, was sie sind: grundsätzliche Kapitalismuskritiker, die nicht zum Ziel haben, kon-struktiv mitzumachen, sondern sich bewußt allen Reformangeboten bürger-licher Politik verweigern. Der Versuch der medialen Rezeption, jegliche Ge-walt unter das Etikett des randalierenden "black bloc" zu bannen, versperrt die Sicht auf das eigentlich gewalttätige System: den Kapitalismus. Es wäre müßig die Rolle der Medien innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zu kritisieren, sondern es muß das Bestreben aller radikalen Kräfte sein, sich soweit wie mög-lich zum Phänomen des "black bloc" zuzuordnen.
Das muß auch der reformistischen Anti-Globalisierungsbewegung klar sein, die im nachhinein versucht, militanten Protest zu delegitimieren und den ide-ologischen Pazifistenknüppel schwingt. Die altbekannte Rechtfertigungs-rethorik vieler linker Kreise schweift ebenso ab von der Gewalttätigkeit der Verhältnisse, als auch von der Möglichkeit bewußter Militanz. Genua wird nun verschwörungstheoretisch oder mit Opfermythologie nachbereitet. So sollen es Polizeiprovokateure gewesen sein, die mit den Auseinanderset-zungen, die, wie zu lesen war, von der IRA, der ETA, vielleicht aber auch vom italienischen Geheimdienst, wahlweise auch von Faschisten, gesponsored wur-den, begannen. Hier schwingt in jedem Erklärungsversuch der Wunsch mit, auf der Seite der Provozierten und Guten zu stehen, welche lediglich ange-griffen wurden aber niemals aus eigener Überzeugung angreifen würden. Die Stellungnahme der Globalisierungsgegner und -befürworter zu den Krawallen ist letztlich der Seismograph des kritischen Gehaltes ihrer Position.
Radikale Kritik ist immer destruktiv
Das Potpourri der genannten Erklärungsmuster ist lang, bunt und vielfältig, genau wie die dazugehörige "Anti-Globalisierungsbewegung". Doch nichts davon ist wahr. Wahr hingegen ist nur, das ein Teil der Bewegung offensiv das angreift, was er als Symbole für den Kapitalismus setzt. Ob Banken, Autos, Geschäfte oder die Polizei: Sie anzugreifen ist für die Individuen ein Vorge-schmack auf Revolte und steht in der Öffentlichkeit als ein Ausdruck, der nicht zu vereinnahmen ist, der nicht positiv zu deuten ist, sondern allein durch seine rein negative Ausstrahlung die radikale Kritik an den Verhältnis-sen vermittelt. Radikale Kritik ist immer destruktiv. Und so ist auch die Wut auf den Straßen Genuas zu verstehen. Sie fordert nur eins: Das Ende der Gewalt. Und dieses Anliegen haben tausende militante Aktivisten am Samstag auf den Straßen nicht nur von Genua manifestiert. Die Zerstörung der Innen-stadt, die erneuten Angriffe auf Polizeistationen und Justizgebäude forderten lediglich die Überwindung der Gewalt und das heißt nichts weniger als die Abschaffung kapitalistischer Verwertung.
Diese Gewaltausbrüche, die nun auch von Linken kritisiert werden, das Spek-takel, was sich medial konstruiert, hat die reformistischen Globalisierungsgeg-ner hart getroffen. Die meisten von ihnen, und da hat die heterogene Bewe-gung ihren gemeinsamen Nenner, glauben, dass die "sinnlose" Gewalt ihre Argumente und Verbesserungsvorschläge übertönt und somit für die Öffentlichkeit nicht wahrnehmbar gemacht hat. Resultat ist ein noch vehementeres Pochen auf die eigene Ernsthaftigkeit und eine Distanzierung vom gewalttäti-gen Rest. Der Kurzschluß dieser Argumentationskette ist jedoch offensicht-lich, denn da wo es knallt, da sind Kameras und in der Regel auch Journalisten. Die öffentliche Diskussion, die damit entsteht, braucht nichts so sehr wie Kritiker, die sich vom neu entdeckten "black bloc" distanzieren und ihre konstruktive Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft seriös und friedlich transportieren wollen. Von Gerhard Schröder über den Spiegel bis zu Attac und anderen Weltverbesserern sind sich alle einig: Der Kapitalismus produ-ziert Probleme, die nach Lösungen schreien. Diese zu finden im gemeinsamen Dialog, in der Abgrenzung zum "gewalttätigen Mob", der einfach nicht die Spielregeln akzeptiert, ist momentan die Forderung vieler und eint diese.. Auf dem Weg zur Modernisierung, in der Imanenz des Systems befangen, verliert die "Anti-Globalisierungsbewegung" jedoch jeglichen emanzipatorischen Ge-halt und kreuzt in ihren Statements zu oft reaktionäre Bahnen. Der Vorwurf an eine bürgerliche Presse, sie würde ausschließlich die Gewaltausbrüche rezi-pieren und nicht darüber berichten, wie es "wirklich war", verkennt die Zusammenhänge zwischen Spektakel und Kritik. Das breitenwirksamste Medium ist in der bürgerlichen Gesellschaft immer das Spektakel. Erst durch dieses wird ein Forum geschaffen, in dem die Reformer erhört und ihre Positionen bereitwillig diskutiert werden. Kritiker, seid froh, wenn es knallt und paßt auf Euch auf.
Von Genua nach Ottawa nach...
Für die radikale Linke kann es jedoch nicht um eine Beteiligung am Forum der Reformen gehen. Eine Analyse, die den Kapitalismus als ein totales und jedes Individuum durchziehendes Verhältnis begreift, verfällt nicht der Ver-lockung des besser-machen-wollens. So banal es klingen mag: Der militante und somit negative Ausdruck in Genua war für die linksradikale Bewegung ein Erfolg. Denn es ist gelungen, sich von dem Großteil der Globalisierungs-gegner, den Heimatschützern und Schuldenerlassforderern abzugrenzen, und sich als radikale und organisierte Kraft in den Medien zu etablieren. Unter den gegebenen Umständen kann der Sinn und Zweck öffentlicher Proteste nur der sein, eine Option auf die Abschaffung und Überwindung des Kapitalismus zu transportieren. Sollte die Reaktion der G-8 Länder die sein, in Zukunft im kleinen Rahmen irgendwo im Wald, der Wüste oder in den Bergen zu tagen, sollte der radikalen Widerstand seine aktionistische Beliebigkeit nutzen und die nächst größere Stadt anreisen...
Carlo Giuliani ist tot. Der 23jährige wurde am Freitag, den 20. Juli 2001 wäh-rend der militanten Proteste gegen den G-8-Gipfel in Genua von einem Carabinieri mit einem gezielten Kopfschuss ermordet. Nicht gestorben ist jedoch der Kampf für ein Ende der Gewalt. Weiter lebt eine Perspektive jen-seits von Staat, Nation und Kapital.
Solidarität mit den Gefangenen und Verletzten.
Für den Kommunismus.
Autonome Antifa [M]
Juli 2001
Ein Diskussionsbeitrag der Autonomen Antifa [M]
Carlo Giuliani ist tot. Der 23jährige wurde am Freitag, den 20. Juli 2001 während der militanten Proteste gegen den G-8-Gipfel in Genua von einem Carabinieri mit einem gezielten Kopfschuss ermordet. Damit forderte der Widerstand gegen den globalen Kapitalismus sein erstes Todesopfer. Nach den Schüssen von Göteborg hat die polizeiliche Willkür eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Der linksradikale Widerstand, vor allem aber diejenigen, die bereit sind, die direkte Konfrontation mit der Staatsgewalt einzugehen, müssen die Frage auf-werfen, welche Konsequenzen aus den Todesschüssen zu ziehen sind.
Die Reaktionen
In Genua waren die Reaktionen unterschiedlich. Direkt nach den Schüssen wurde in den Camps vor Ort einerseits die Bewaffnung der Demonstrationen gefordert, um sich zu rächen, andererseits wurde die "Gewaltspirale" bemüht, um zur Friedfertigkeit aufzurufen. Beide Positionen sind unter dem unmittel-baren Eindruck der Todesschüsse entstanden und zu respektieren.
Nicht zu respektieren sind jedoch die ersten Diskussionen in den Tagen danach. Diese sind, in den bürgerlichen, aber auch in vielen vermeintlich linksradikalen Medien nach dem "Gipfel der Gewalt" gekennzeichnet von einer realen Unfähigkeit, das Gewesene zu verstehen. Der Unfähigkeit näm-lich, die Individuen, die sich für die Option der Militanz aus ihrem linksradi-kalen Selbstverständnis heraus entscheiden, als das wahrzunehmen, was sie sind: grundsätzliche Kapitalismuskritiker, die nicht zum Ziel haben, kon-struktiv mitzumachen, sondern sich bewußt allen Reformangeboten bürger-licher Politik verweigern. Der Versuch der medialen Rezeption, jegliche Ge-walt unter das Etikett des randalierenden "black bloc" zu bannen, versperrt die Sicht auf das eigentlich gewalttätige System: den Kapitalismus. Es wäre müßig die Rolle der Medien innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zu kritisieren, sondern es muß das Bestreben aller radikalen Kräfte sein, sich soweit wie mög-lich zum Phänomen des "black bloc" zuzuordnen.
Das muß auch der reformistischen Anti-Globalisierungsbewegung klar sein, die im nachhinein versucht, militanten Protest zu delegitimieren und den ide-ologischen Pazifistenknüppel schwingt. Die altbekannte Rechtfertigungs-rethorik vieler linker Kreise schweift ebenso ab von der Gewalttätigkeit der Verhältnisse, als auch von der Möglichkeit bewußter Militanz. Genua wird nun verschwörungstheoretisch oder mit Opfermythologie nachbereitet. So sollen es Polizeiprovokateure gewesen sein, die mit den Auseinanderset-zungen, die, wie zu lesen war, von der IRA, der ETA, vielleicht aber auch vom italienischen Geheimdienst, wahlweise auch von Faschisten, gesponsored wur-den, begannen. Hier schwingt in jedem Erklärungsversuch der Wunsch mit, auf der Seite der Provozierten und Guten zu stehen, welche lediglich ange-griffen wurden aber niemals aus eigener Überzeugung angreifen würden. Die Stellungnahme der Globalisierungsgegner und -befürworter zu den Krawallen ist letztlich der Seismograph des kritischen Gehaltes ihrer Position.
Radikale Kritik ist immer destruktiv
Das Potpourri der genannten Erklärungsmuster ist lang, bunt und vielfältig, genau wie die dazugehörige "Anti-Globalisierungsbewegung". Doch nichts davon ist wahr. Wahr hingegen ist nur, das ein Teil der Bewegung offensiv das angreift, was er als Symbole für den Kapitalismus setzt. Ob Banken, Autos, Geschäfte oder die Polizei: Sie anzugreifen ist für die Individuen ein Vorge-schmack auf Revolte und steht in der Öffentlichkeit als ein Ausdruck, der nicht zu vereinnahmen ist, der nicht positiv zu deuten ist, sondern allein durch seine rein negative Ausstrahlung die radikale Kritik an den Verhältnis-sen vermittelt. Radikale Kritik ist immer destruktiv. Und so ist auch die Wut auf den Straßen Genuas zu verstehen. Sie fordert nur eins: Das Ende der Gewalt. Und dieses Anliegen haben tausende militante Aktivisten am Samstag auf den Straßen nicht nur von Genua manifestiert. Die Zerstörung der Innen-stadt, die erneuten Angriffe auf Polizeistationen und Justizgebäude forderten lediglich die Überwindung der Gewalt und das heißt nichts weniger als die Abschaffung kapitalistischer Verwertung.
Diese Gewaltausbrüche, die nun auch von Linken kritisiert werden, das Spek-takel, was sich medial konstruiert, hat die reformistischen Globalisierungsgeg-ner hart getroffen. Die meisten von ihnen, und da hat die heterogene Bewe-gung ihren gemeinsamen Nenner, glauben, dass die "sinnlose" Gewalt ihre Argumente und Verbesserungsvorschläge übertönt und somit für die Öffentlichkeit nicht wahrnehmbar gemacht hat. Resultat ist ein noch vehementeres Pochen auf die eigene Ernsthaftigkeit und eine Distanzierung vom gewalttäti-gen Rest. Der Kurzschluß dieser Argumentationskette ist jedoch offensicht-lich, denn da wo es knallt, da sind Kameras und in der Regel auch Journalisten. Die öffentliche Diskussion, die damit entsteht, braucht nichts so sehr wie Kritiker, die sich vom neu entdeckten "black bloc" distanzieren und ihre konstruktive Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft seriös und friedlich transportieren wollen. Von Gerhard Schröder über den Spiegel bis zu Attac und anderen Weltverbesserern sind sich alle einig: Der Kapitalismus produ-ziert Probleme, die nach Lösungen schreien. Diese zu finden im gemeinsamen Dialog, in der Abgrenzung zum "gewalttätigen Mob", der einfach nicht die Spielregeln akzeptiert, ist momentan die Forderung vieler und eint diese.. Auf dem Weg zur Modernisierung, in der Imanenz des Systems befangen, verliert die "Anti-Globalisierungsbewegung" jedoch jeglichen emanzipatorischen Ge-halt und kreuzt in ihren Statements zu oft reaktionäre Bahnen. Der Vorwurf an eine bürgerliche Presse, sie würde ausschließlich die Gewaltausbrüche rezi-pieren und nicht darüber berichten, wie es "wirklich war", verkennt die Zusammenhänge zwischen Spektakel und Kritik. Das breitenwirksamste Medium ist in der bürgerlichen Gesellschaft immer das Spektakel. Erst durch dieses wird ein Forum geschaffen, in dem die Reformer erhört und ihre Positionen bereitwillig diskutiert werden. Kritiker, seid froh, wenn es knallt und paßt auf Euch auf.
Von Genua nach Ottawa nach...
Für die radikale Linke kann es jedoch nicht um eine Beteiligung am Forum der Reformen gehen. Eine Analyse, die den Kapitalismus als ein totales und jedes Individuum durchziehendes Verhältnis begreift, verfällt nicht der Ver-lockung des besser-machen-wollens. So banal es klingen mag: Der militante und somit negative Ausdruck in Genua war für die linksradikale Bewegung ein Erfolg. Denn es ist gelungen, sich von dem Großteil der Globalisierungs-gegner, den Heimatschützern und Schuldenerlassforderern abzugrenzen, und sich als radikale und organisierte Kraft in den Medien zu etablieren. Unter den gegebenen Umständen kann der Sinn und Zweck öffentlicher Proteste nur der sein, eine Option auf die Abschaffung und Überwindung des Kapitalismus zu transportieren. Sollte die Reaktion der G-8 Länder die sein, in Zukunft im kleinen Rahmen irgendwo im Wald, der Wüste oder in den Bergen zu tagen, sollte der radikalen Widerstand seine aktionistische Beliebigkeit nutzen und die nächst größere Stadt anreisen...
Carlo Giuliani ist tot. Der 23jährige wurde am Freitag, den 20. Juli 2001 wäh-rend der militanten Proteste gegen den G-8-Gipfel in Genua von einem Carabinieri mit einem gezielten Kopfschuss ermordet. Nicht gestorben ist jedoch der Kampf für ein Ende der Gewalt. Weiter lebt eine Perspektive jen-seits von Staat, Nation und Kapital.
Solidarität mit den Gefangenen und Verletzten.
Für den Kommunismus.
Autonome Antifa [M]
Juli 2001
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Kritische Auseinandersetzumg mit dem Text der
Ich hoffe, daß Menschen aus der AA(M) diese Kommentare lesen, um sich der Diskussion zu stellen, sollte diese
etwas höheres Niveau haben, als sonst in Internetforen üblich.
Diese Kritik ist solidarisch gemeint. Sie ist wichtig und kann helfen gemeinsam Strategien zu entwickeln und ein
Gegenseitiges Verstehen/Aktzepieren voranzutreiben.
"Damit forderte der Widerstand gegen den globalen
Kapitalismus sein erstes Todesopfer."
Kleine Anmerkung: Das gilt vielleicht für Europa. Vor einigen Wochen wurden bei Protesten gegen IWF in
Indonesien 3 Aktivisten ermordet. Weitere in Brasilien und Mexiko.
"Nicht zu respektieren sind jedoch die ersten Diskussionen in den Tagen danach. Diese sind......... gekennzeichnet von einer realen Unfähigkeit,
das Gewesene zu verstehen." Zustimmung. Dank der massiven Gegenöffentlichkeit durch Indymedia und
anderen war es möglich diese Lügen zu durchbrechen. Schröder verlor so die Hoheit über das
Sommerlochthema.
"Der Versuch
der medialen Rezeption, jegliche Gewalt unter das Etikett des randalierenden "black
bloc" zu bannen, versperrt die Sicht auf das eigentlich gewalttätige System: den
Kapitalismus."
Einige Zusammenstöße am 21. waren Wut-Reaktionen von eigentlich weniger Militanten Menschen, andere
Reaktionen waren Notwehr. Die Eigentliche Gewalt ging von Polizei und Staat aus.
"Es wäre müßig die Rolle der Medien innerhalb der bürgerlichen
Gesellschaft zu kritisieren, sondern es muß das Bestreben aller radikalen Kräfte sein,
sich soweit wie möglich zum Phänomen des "black bloc" zuzuordnen.
Das muß auch der reformistischen Anti-Globalisierungsbewegung klar sein, die im
nachhinein versucht, militanten Protest zu delegitimieren und den ideologischen
Pazifistenknüppel schwingt." Vorsicht bei dieser Formulierung! Black Block ist eine von vielen möglichen
radikalen Aktionsformen, die auch von anderen militanten AktivistInnen kritisiert wird. Außerdem: Pazifismus muß
nicht unbedingt reformistisch sein. Die Massivität von Gewalt ist kein Maß für Radikalität (Beispiele gibt es genug).
Außerdem ist hier eine klare Abgrenzung zu pazifistischen und reformistischen Teilen der Bewegung zu sehen.
Spaltung also?
"Die altbekannte Rechtfertigungsrethorik vieler linker
Kreise schweift ebenso ab von der Gewalttätigkeit der Verhältnisse, als auch von
der Möglichkeit bewußter Militanz. Genua wird nun verschwörungstheoretisch oder
mit Opfermythologie nachbereitet. So sollen es Polizeiprovokateure gewesen sein,
die mit den Auseinandersetzungen, die, wie zu lesen war, von der IRA, der ETA,
vielleicht aber auch vom italienischen Geheimdienst, wahlweise auch von
Faschisten, gesponsored wurden, begannen." Das ist nicht ganz richtig. Die Gewalttätigkeit der Verhältnisse
soll überwunden werden. Viele Kritisieren den Ansatz, daß dies nur mit ebensolcher Gewalt geschen könne.
Zusätzlich muß klar zwischen überlegten und unüberlegten Aktionen unterschieden werden: In Genua gingen die
meisten Militanten ziemlich überlegt vor und suchten sich Ihre Ziele genau aus. Andere zerdepperten wahllos alles
was im Weg war - incl. Autos von Aktivisten. Daß hier auch Zivis versucht haben, mitzumischen ist angesichts der
vielen Bilder und Augenzeugenberichten nicht zu leugnen.
"Radikale Kritik ist immer destruktiv" Diese Aussage ergibt kein Sinn, wenn nicht geklärt wird, was destruktiv
bedeutet. Leicht ist darunter Ziellosigkeit und ein Mangel an Utopie/Visionen zu verstehen.
"Das Potpourri der genannten Erklärungsmuster ist lang, bunt und vielfältig, genau wie
die dazugehörige "Anti-Globalisierungsbewegung". Doch nichts davon ist wahr." Spätestens hier sollten die
Alarmglocken schrillen: Dies ist eine Aussage, wie sie nur von autoritären KommunistInnen gemacht werden kann.
Wer entscheidet was wahr ist? Die Bibel? Werden hier sämtliche Diskurse mit einer Handbwegung vom Tisch
gewischt???
"Wahr hingegen ist nur, das ein Teil der Bewegung offensiv das angreift, was er als
Symbole für den Kapitalismus setzt. Ob Banken, Autos, Geschäfte oder die Polizei:
Sie anzugreifen ist für die Individuen ein Vorgeschmack auf Revolte und steht in
der Öffentlichkeit als ein Ausdruck, der nicht zu vereinnahmen ist, der nicht positiv
zu deuten ist, sondern allein durch seine rein negative Ausstrahlung die radikale
Kritik an den Verhältnissen vermittelt." Diese Formulierung zeugt von verkürzter Kapitalismuskritik. Selbst
wenn alle Banken dieser Welt abgefackelt sind, entsteht nicht die bessere Welt. Die jetzigen Verhältnisse gehören
beseitigt - aber eine andere Gesellschaft entsteht nicht von allein. Sie muß aufgebaut werden. Außerdem ist
Revolution etwas, was sich auch im Kopf abspielt - ein großes Umdenken.
"Das Ende
der Gewalt. Und dieses Anliegen haben tausende militante Aktivisten am Samstag
auf den Straßen nicht nur von Genua manifestiert. Die Zerstörung der Innenstadt,
die erneuten Angriffe auf Polizeistationen und Justizgebäude forderten lediglich die
Überwindung der Gewalt und das heißt nichts weniger als die Abschaffung
kapitalistischer Verwertung.
Diese Gewaltausbrüche, die nun auch von Linken kritisiert werden, das Spektakel,
was sich medial konstruiert, hat die reformistischen Globalisierungsgegner hart
getroffen. Die meisten von ihnen, und da hat die heterogene Bewegung ihren
gemeinsamen Nenner, glauben, dass die "sinnlose" Gewalt ihre Argumente und
Verbesserungsvorschläge übertönt und somit für die Öffentlichkeit nicht
wahrnehmbar gemacht hat." Wie wäre es trotzdem, wenn Ihr mal kritisch Eure Strategie hinterfragt. Es ist
einfach nicht sehr schlau, immer wieder die selbe Strategie anzuwenden. Das macht berechenbar. Das hatten auch
die AktivistInnen des "richtigen" Schwarzen Block in den 80ern erkannt. Es muß möglich sein, nach solchen
Protesten zu anaysieren, was gut lief und wo Fehler gemacht wurden. Was wie besser gemacht werden kann. Eine
Verweigerung der Kritik und bloßes Rechtfertigen sorgt tatsächlich für Streit und Schwächung in der Bewegung
"Resultat ist ein noch vehementeres Pochen auf die
eigene Ernsthaftigkeit und eine Distanzierung vom gewalttätigen Rest. Der
Kurzschluß dieser Argumentationskette ist jedoch offensichtlich, denn da wo es
knallt, da sind Kameras und in der Regel auch Journalisten." Auch nicht ganz richtig: Friedliche Proteste
(Online-Demo) war in allen Medien und die militanten in Nizza nicht. Es gibt immer solche Beispiele und solche
"Für die radikale Linke kann es jedoch nicht um eine Beteiligung am Forum der
Reformen gehen."
Das ist natürlich richtig. Sollte eine Reform aber Menschenleben retten können, sollte diese nicht
abgelehnt werden. - Zumal eine Revolution nun wirklich nicht bevorsteht.
"Der militante und somit negative
Ausdruck in Genua war für die linksradikale Bewegung ein Erfolg. Denn es ist
gelungen, sich von dem Großteil der Globalisierungsgegner, den Heimatschützern
und Schuldenerlassforderern abzugrenzen, und sich als radikale und organisierte
Kraft in den Medien zu etablieren." Das ist eine grobe Fehlinterpretation
"Sollte die Reaktion der G-8 Länder
die sein, in Zukunft im kleinen Rahmen irgendwo im Wald, der Wüste oder in den
Bergen zu tagen, sollte der radikalen Widerstand seine aktionistische Beliebigkeit
nutzen und die nächst größere Stadt anreisen... " Oder die eigentliche Idee der Global Action Days
aufnehmen: Aktionen rund um den Globus in allen Ländern.
Seien wir besser als die, die wir bekämpfen!!! Solidarität und Vernunft!
Solidarisch?
"Diese Kritik ist solidarisch gemeint." Ich bin ja mittlerweile einiges von Euch gewohnt (siehe
Ich weiss, das ist alles gaaaanz lange her und das sind ja alles nur falsche Auslegungen des Kommunismus gewesen (Achtung, das war Sarkasmus). Heutige Kommunisten sind lieb, fortschrittlich und helfen am liebsten alten Damen über die Strasse.
Manchmal kann man garnicht so viel Luft holen, wie man Schreien möchte.
"90% der Bevölkerung müssen wir auf unsere Seite bringen, dem Rest haben wir nichts zu sagen. Sie müssen vernichtet werden." (Stalin) Insofern übt ruhig weiter fleissig solidarische Kritik, ihr könnt ja mal raten, wer bei Säuberungen nach einer kommunistischen Revolution als erste verschwinden würden. Man sieht sich dann in Bautzen, bis dann!
Differenzierung
Anton Pannekoek, Paul Mattik u.a.:Marxistischer Antileninismus aus dem ca ira Verlag
Für die staaten- und klassenlose Weltgesellschaft!!
Für den Kommunismus, für die Anarchie !!
Bautzen ist ein Knast in der ehemaligen DDR
Kommunismus, yeah!
Was manchmal unter dem Begriff "Anarchisten" firmiert kann getrost unter dem Begriff "Inhaltslose" laufen, und da meine ich garnicht so sehr die "AnarchistInnen" hier, sondern solche Leute wie den Ex-Genossen Jens (denn wer auf die Art spaltet wie du es tut ist EX). Hier wird manchmal eine dermaßen perverse totalitarismustheoretische und antikommunistische Hetze betrieben, dass das manchmal nicht von bürgerlichen Medien zu unterscheiden ist. Die Staatsdoktrin vom bösen totalitären Kommunismus der wegen der falschen staatskaptitalistischen Auslegung(das war tatsächlich kein Kommunismus, denn der kann erst nach der WELTrevolution bestehen, ganz einfach) mindestens genauso diskrediutiert ist wie es Faschismus auf der Oberfläche ist (denn demokratischen Faschismus gibt es ja , siehe Österreich).
JA, ICH BIN KOMMUNIST (wenn ich mcih schon so positionieren muss)! Aber nein, ich finde Stalin natürlich scheiße und finde dogmatisch-traditionskommunistische Gruppen und blöde Kapitalismusanlysen doof und ja, ich habe absolut kein Problem mich mit AnarchistInnen zu solidarisieren. Schade, dass das bei dir, Jens, im umgekehrten Fall nicht so ist.
Da gab es aml ein (wenn auch pathetisches) Lied: "Die schwarze Front und ..." Ach nein, habe ich mir wohl eingebildet.
zu "Hans Martin Schleyer"
Mein Beilied. Man kann das aber behandeln, z.B. mit Geschichtsbüchern.
> Was manchmal unter dem Begriff "Anarchisten"
> firmiert kann getrost unter dem Begriff "Inhaltslose"
> laufen
Für diesen Halbsatz gibt es meine vollste Zustimmung.
> das war tatsächlich kein Kommunismus, denn der
> kann erst nach der WELTrevolution bestehen, ganz
> einfach
Na Prost, besser kann man einen totalitären Anspruch wohl kaum auf den Punkt bringen. Der Staatskommunismus ist keineswegs eine Falschauslegung des "echten" Kommunismus, sondern seine konsequente Weiterentwicklung. Der "echte" Kommunismus ist gesellschaftlich und wirtschaftlich nicht überlebensfähig, deshalb ist er dazu gezwungen, in anderen Gesellschaftssystemen "Anleihen" zu machen, wobei es bisher vollkommen egal war, bei welchen. Notfalls(?) bedient man sich halt auch mal bei faschistischen Gesellschaftssystemen und das eigene System zu sichern.
1,2,3 oder IV.Internationale?
Welche Internationale?
Ich weiß daß 1917 nach der Oktoberrevolution allemöglichen Anarchisten sich den Kommunisten anschlossen und die linken Sozialrevolutionäre sogar die Rätemacht unterstützten. Ach übrigens Dogmen sind indiskutabel! Falls irgendjemand von euch was von der International Workers Association (I.Internationalen) gehört hat sollte entdeckt haben, daß die Auseinandersetzung nicht um die Klassenlose Gesellschaft, sondern um den Weg dorthin geht! Warum gehen soviele Linke nicht nur in Bewegungen vor der IV.,III. und II.Internationale, sondern zur IAA oder davor?
Die ganzen heutigen "Marxisten" vom Sozialdemokraten zum Trotzkisten bieten ihm keine Lösung an! Der Vater von Carlo ist in der CGIL. Wieso ist der Sohn nicht auch Kommunistischer Gewerkschafter? Stalinistische Dogmen, pseudotrotzkistische Organisationen und sozialdemokratische Nationalisten sehen in ihren Augen nicht besonders Links aus. Übrigens die Antifaschistische Aktion ist historisch aus Thälmanns unvermögen enstanden Sozialdemokratische (Sozialfaschistische) Arbeiter zum Kommunismus zu brechen. Die AA war ursprünglich nur eine Übergangsorganisation der KPD. Trotzdem haben Anarchisten den Anspruch gegen das KApital zu Kämpfen und Links zu sein. Das viele Stalinisten einen Gewaltkult gegen andere Linke haben ist nix neues, doch wie sieht es mit der Gewalt gegen den deutschen Imperialismus aus?
Warum verteidigt ihr nicht Opfer imperialistischer Hetzkampagnen und Hexenjagden, sondern wollt sie beseitigen?
Sei nicht ein Narr und laß dich nicht durch imperialistische Medienhetze zu einem Handlanger des Imperialismus machen. Verteidige die Anarchisten gegen den gemeinsamen Feind, dem Kapital. Die Differenzen klären wir unter uns und lassen sie nicht durch bürgerliche Medienhysterie entscheiden. SCHLIESS DICH DER VERTEIDIGUNG DES SCHWARZEN BLOCKS AN, ANSONSTEN NIMMT DER STAAT SICH DANN MORGEN DEINER AN! Für ANARCHIE und KOMMUNISMUS! Viva la revolution ouvriere!
Kommunisten
unsere fahnen sind schwarz rot
*Nehmt euch selbst nicht so wichtig!!* Tout pour tous ...RIEN POUR NOUS ! ZAPATA VIVE !
Gott schütze die Autonome Antifa [M] -
Was am Ende dieser Entwicklung an Gesellschaft herauskommt -und jetzt erstmal nur als "Kommunismus" firmiert, kann zum gegebenen Zeitpunkt unmöglich positiv bestimmt werden. Als negative Ausschlusskriterien kann aber festgehalten werden: Kein Markt, kein Staat, keine Nation und keine Herrschaft. Also nix mit Bautzen. Und ob in dieser Gesellschaft dann rote Fahnen geschwenkt werden oder ob sie als Anarchie, Kommunismus oder Staaten- und Klassenlose Weltgesellschaft bezeichnet wird, ist dann Schnuppe.
Solche Aussagen wie, "der Kommunismus" sei als gesellschaftliches System nicht lebensfähig, zeugen einzig und allein davon, das der- oder diejenige, der/die sie aufstellt keine Ahnung hat, um was es eigentlich geht.
Über die Reinheit der Lehre
schreibst Du, den Kommunisten geht es gar nicht darum ein staatskapitalistisches System, wie SU oder DDR
aufzubauen. Ich sehe es etwas differennzierter: Die sog. kritischen (od. libertären) Kommunisten, die etwa eine
Räterepublik anstreben scheinen wirklich da reinzupassen. Nicht aber die, die sich auf Lenin, Trotzki oder Mao
berufen. Gerade Lenin und Trotzki waren es doch, die Oppositionelle verschleppen und ermorden ließen, die
Aufstände gegen den Parteiapparat blutig niederschlugen und die 1921 in die Ukraine (wo ein freier Sozialismus
-Machnow- existierte) einmarschierten und ein übles Gemetzel starteten. Über den Massenmörder Mao muß wohl
nichts mehr gesagt werden. Wer sich auf diese Verbrecher beruft und jegliche Kritik abschmettert, wird wohl kaum
für eine bessere Welt kämpfen. Zur Erinnerung: Die neue Bewegung ist ihrem Charakter nach libertär und enstand
1994 in Chiapas. Emilio Zapata war Anarchist und wird als einer der Vorbilder gehandelt. Die Zapatisten (so nennen
sich die politisch aktiven Chiapas auch) sagten Dinge wie: "Wir können gar nicht sagen wohin der Weg führt, weil wir
einen neuen Weg gehen, der durch ständiges Reflektieren "entdeckt" wird. (Ist nur sinngemäß) - Damit wird klar
gemacht, daß die ganzen "Bücher der Wahrheit" und "Ich kenne den wahren Weg - folgt mir" - Gesülze eine klare
Abfuhr erteilt wird. Was die Antifa M angeht: Dies ist eine extrem dogmatische Gruppe, die jegliche Kritik
abschmettert und nicht im geringsten Selbstkritik zeigt. Wege, die weiter gehen als "Ich zertrümmere eine
Telefonzelle" werden abgelehnt und bekämpft. Die M ist ein Fossil aus den 80ern und zu einer wirklichen Erneuerung
nicht in der Lage, wie ein Blick auf deren Seite zeigt. (insofern finde ich den obersten Kommentar am deutlichsten)