Agit Prop Aktion in Goslar

campas 27.07.2001 12:29
Anlässlich der Ermordung Carlo Guilianis fand am Monag den 23.7. eine provokante Umfrage in der Goslarer Innenstadt statt.
Agit – Prop – Aktion

Als Reaktion auf den Tod eines 23-jährigen Demonstranten in Genua überlegte sich eine Gruppe vom Anarchistischen Sommercamp eine gefakte Umfrage in Goslar durchzuführen.
Als Student/Innen verkleidet, die von einer Komission des Bundesamtes für Verfassungsfragen beauftragt wurde, gingen wir am Montag Mittag in die Goslarer Innenstadt.
Die Befragten bekamen nach der Umfrage von den „Student/Innen“ die Indymedia Adresse, wo angeblich die Auswertung und weitere Infos zu finden wären. Außerdem wurden den Befragten von Umstehenden Aktivist/Innen gezielt das Flugblatt „Demokratie made in Europe“ ausgehändigt, welches auch später auf der Demo verteilt wurde.
Das Ziel der Aktion war, durch die provozierenden Fragen zum Nachdenken anzuregen, z.B.: „Warum fragt eine staatliche Institution, ob die Pressefreiheit eingeschränkt werden sollte?“


Der Einleitungstext des Fragebogens:

Komission des Bundesamtes für Verfassungsfragen



Umfrage zu den aktuellen Ereignissen während der Regierungs- und Wirtschaftskonferenzen

Aufgrund der Ereignisse der letzten Monate im Rahmen der Treffen von Ministern und Repräsentanten der Weltwirtschaftsländer, hat die Europäische Union die Notwendigkeit erkannt, die Gesetzgebung gegen solche Straftaten zu verändern.

Dieses Formular soll Meinungen der EU-BürgerInnen sammeln und daraus einen Gesetzentwurf entwickeln. Dieser soll der aktuellen Situation angemessen sein und dem Ernst der Probleme Rechnung tragen, die sich in der steigenden Gewaltbereitschaft zeigt.

Fühlen Sie sich durch die Ausschreitungen und die dadurch verbundenen Ereignisse in Göteborg und Genua bedroht? Sind Sie dafür, daß gezielt der finale Rettungsschuß angewendet wird,auch unter dem Gesichtspunkt der dadurch folgenden finanziellen Einsparungen für medizinische Versorgung und Gerichtsverhandlungen?

Sind Sie dafür, daß Polizisten auch in Situationen die Schußwaffe einsetzen, die derzeit als Bagatelldelikte gelten? Finden Sie, daß die Presse über solche Ereignisse berichten sollte?
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Ergänzungen

respekt messieurs dames

erfreuter 27.07.2001 - 13:58
vielleicht ein wenig zu heftig, aber .....hammer! ich auch!

Eine etwas ersthaftere Umfrage

Hass 27.07.2001 - 17:14
würde mich schon interessieren.
Wieviele von den deutschen haben wohl da wieder ein
Funkeln in den Augen bekommen bei dem was sie über die
Polizei in Genua gehört haben.

Auf alle Fälle zuviel. Ich schätze 33%.

mutig

Sebastian 27.07.2001 - 17:37

So ne Aktion kann verdammt illegal sein. Ich erinnere mich
an eine Agit-Prop Aktion in Berlin, wo sie im Namen der Stadt Berlin eine Informationsbroschüre an Haushalte geschickt haben, mit dem Inahlt, dass Berlin soundsoviel Einwohner und soundsoviel Bunkerplätze im Falle eines Atomkriegs hat und dass es viel zu wenig sind, man sich an einer Verlosung um einen Bunkerplatz bewerben kann.
Die Anlagen lauteten auf Urkundenfälschung, Amtsanmaßung und mehr. Es gab glaub ich sogar Gefängnisstrafen. Also ganz schön mutig sowas.

Ergebnis

Spearhead 27.07.2001 - 18:21
Jetzt würde mich aber doch interessieren, was die Leute so gesagt haben...

Gratulation!

27.07.2001 - 22:32
Super Aktion, von denen sollte es noch viel mehr geben! Auswertung würde mich auch interessieren :)

Zur Auswertung

campas 28.07.2001 - 17:34
Eigentlich war da noch ne Tabelle mit den Ergebnissen angehängt, aber das hat wohl nich geklappt. So aus dem Kopf würden wir sagen: Die Fragen "Fühlen sie sich durch die Ausschreitungen & die dadurch verbundenen Ereignisse in Göteborg und Genua bedroht?" & "Sind sie dafür, dass Polizisten auch in Situationen die Schußwaffe einsetzen, die derzeit als Bagatelldelikte gelten?" Wurden überwiegend mit NEIN beantwort.
Die Frage "Sind sie dafür, dass gezielt der finale Rettungsschuß angewendet wird, auch unter dem Gesichtspunkt der dadurch folgenden finanziellen Einsparungen für medizinische Versorgung und Gerichtsverhandlungen?" wurde überwiegend mit JA beantwortet, wobei sehr viele von Notfällen sprachen und die finanziellen Einsparungen gestrichen haben wollten.
Außer 5 Personen wollten alle das die Presse über solche Vorfälle berichtet, eine Person legte wert darauf, dass die Presse sachlicher & nicht so hetzerisch berichten sollte.
Soviel zur Auswertung, genauere Zahlen wissen wir nicht auswendig und unsere Ergebnisse haben wir jetzt leider nicht mehr...
Lasst sie nicht ausruhen!! Wir kämpfen weiter - Jetzt erst recht!!

Etwas subtiler?

staat-is-tick 28.07.2001 - 17:52
Was war das Ziel der Aktion - die eigenen Vorurteile zu bestätigen oder Leute zum Nachdenken anzuregen? Ich befürchte eher Kategorie 2.
Aber ist es wirklich das, was wir jetzt brauchen?

Staat-is-tick

campas 29.07.2001 - 23:10
Ziel war es zum denken anzuregen. Wir denken das haben wir, zumindest zum Teil, auch geschafft. Außerdem haben wie schon gesagt, die Befragten danach auch ein Flugi bekommen & wenn es ging etwas erzählt bekommen. Da nachmittags auch noch die Demo war (was wirklich in Kleingoslar nich oft vorkommt) werden schon ein paar Menschen ihr Hirn mal zum denken & nicht nur für die lebensnotwendigen Körperfunktionen gebraucht haben. Wieviele mensch mit so etwas erreicht is doch immer die Frage.
Vorurteile wollten wir ganz bestimmt nicht bestätigt bekommen. Das ist natürlich teilweise passiert. es gab jedoch auch ein positives feedback das nicht zu verachten ist.
Was möchtest Du denn bitte subtiler machen? Denn so ganz unssubtil war das ganze nun auch nicht.
Stay wild!