augenzeugenbericht genua 21./22.07.
überfall auf die scuola diaz - gedächtnisprotokoll; geschrieben am 23.7.01-montag früh.
samstag, 21.7.01
früher abend/nachmittag (17.00-18.00?); ich bin im 3.stock des gsf-gebäudes in den indymedia-räumen auf der seite, die auf die strasse hinausgehen; von dort blickt mensch auf die genau gegenüberliegende, ca. 4-stöckige "scuola diaz". als ich laute stimmen von der strasse höre, schaue ich aus dem fenster und sehe, dass mehrere fahrzeuge langsam auf höhe der betroffenen gebäude durch die strasse fahren; ich weiss nicht mehr, wieviele davon polizeiwagen waren; im hof der schule sowie davor auf der strasse halten sich zahlreiche menschen auf; pfiffe/ausbuh-etc. sowie flaschenwurf (-würfe?) aus richtung der leute vor der scuola; keine reaktion seitens der polizei, fährt weiter/weg.
daraufhin alarmbereitschaft im imc-gebäude; wir packen sicherheitshalber unsere sachen zusammen; unangenehme, spannungsgeladene atmo macht sich breit.
am späteren abend lässt spannung erstmal nach; die leute in der schule gegenüber, die tagsüber meistens draussen auf dem schulvorhof waren, sind jetzt zum grösstenteil im gebäude; licht ist drinnen an, türen sind geschlossen (weiss nicht ob auch abgeschlossen o. verbarrikadiert), fenster vergittert (weiss nicht ob überall bzw. in allen stockwerken), hoftor zur strasse hin - weiss ich auch nicht, ob offen o. geschlossen.
ich bin wieder im 3. stockwerk des gsf-gebäudes, als es gegen 0.00 (?) in der strasse plötzlich zu aufruhr kommt; kann mich nicht mehr erinnern, ob sireneneinsatz bzw. wieviele und was für fahrzeuge; ich sehe nur jede menge polizisten in kampfmontur überfallartig auf den leeren schulhof stürmen, die unter kampfgeschrei sofort beginnen, die türen zur schule aufzubrechen; atmo schockierend, da polizei total hassig, superaggressiv, entfesselt wirkt; dadurch entsteht schlagartig panik-/angststimmung im imc; leute beginnen, aus unserem gebäude zu filmen u. fotografieren.
fast zur gleichen zeit, als die polizei nach 1-2 min.(?)gegenüber die türen aufgebrochen(?) hat und in das gebäude einstürmt, höre ich plötzlich auch bei uns vom flur her rufe: "sie kommen"/"policia"; panik bricht aus, da situation aufgrund dieser mega-aggressiven haltung der polizei überhaupt nicht einschätzbar ist und wir nicht wissen, was sie mit uns vorhaben und warum; alle laufen durcheinander, überlegen, ob verstecken oder verbarrikadieren oder was auch immer; fenster werden wegen möglichem tränengaseinsatz geschlossen, eine schnell errichtete barrikade aus tischen am eingang zum 3.stock wird doch wieder weggeräumt u. alle gehen mit erhobenen händen auf den flur in der hoffnung, dadurch eine eskalation der situation zu verhindern; weiss nicht mehr, wieviele polizisten dann anfangs in unseren flur stürmen, jedenfalls werden wir -nur auf italienisch u. sehr grob- angewiesen, uns alle im flur an den wänden entlang auf den boden zu setzen; wir können nun nichts mehr von den vorfällen in der scuola beobachten, da der flur nur fenster zum innenhof hat, dürfen anfangs auch noch nicht sprechen; die atmosphäre ist angst-/spannungsgeladen; ich erinnere mich konkret an 3 beamte, 2 in kampfmontur, helm, knüppel, einer mit mopedhelm, knüppel o. tonfa u. in zivilbekleidung, die unseren abschnitt des flurs sichern und alle räume mehrfach observieren; sachen werden nur sehr grob/oberflächlich durchsucht, grössere gegenstände wie taschen etc. vom flur entfernt.
ich glaube, dass die polizei die fenster in den räumen zur strasse hin wieder geöffnet hat (von fenstern im flur weiss ich es sicher, da ich es gesehen habe, wie sie sie wieder aufmachten) da wir sie ja vorher eigentlich alle geschlossen hatten; schreie von der anderen strassenseite lassen mir das blut in den adern gefrieren; ich hab den kopf voll von horrorbildern, was sie mit den menschen dadrüben wohl gerade machen. tränengas dringt ein, sie schliessen die fenster trotzdem nicht, obwohl viele leute husten. eine person sagt irgendwas zu den 'beamten', wird daraufhin angeschnauzt (war zu weit weg, weiss nicht, worum es ging) und von der polizei aus dem flur weggebracht; nach ca. 20 min(?) kommen dann zwei leute mit akkreditierungsausweisen in unseren flur; sie scheinen 'auf unserer seite' zu sein, dürfen auch kurz mit uns reden; ob sie fotografiert haben, weiss ich nicht mehr. sie gehen dann nach wenigen minuten wieder, später kommen nochmal welche, glaube ich.
nach etwa einer dreiviertel stunde erscheint irgendeine frau im vorraum des flures, die mit der polizei redet; kurz darauf verlassen die 'beamten' dann erst unseren flur, kurz darauf auch das gsf-gelände auf unserer seite der strasse; wir sind wieder 'frei'.. ob die computer/server noch laufen, weiss ich nicht.
in der schule gegenüber scheint der grösste teil der dreckigen arbeit in der zwischenzeit, während wir im flur sassen, erledigt; ich sehe aber noch vereinzelt polizei v.a. in den oberen geschossen, von dort sind auch ein paar krasse schreie (angst/schmerz/verzweiflung, also nichts aggressives oder so) von menschen zu hören; eine frau schreit irgendwann aus einem der obersten stockwerke erst zweimal ganz laut/fast tierisch 'ohne worte', danach zweimal 'bastardis' - hört sich total schlimm an, mir läufts das rückgrat rauf und runter aus ohnmächtiger verzweiflung, angst und wut.
vielleicht eine halbe std.(?) nachdem die polizei unser gebäude verlassen hat, kommen mehrere krankenwagen an; (drüben ist es mittlerweile total still); sanitäterInnen rennen ins schulgebäude, zahlreiche tragbahren werden hineingebracht; auf der strasse versammeln sich immer mehr menschen (ca. 200 zum schluss?), auch presse steht auf der strasse und filmt/fotografiert die ereignisse, mehrere pressescheinwerfer sind an, ich weiss aber nicht, wieviele davon 'indy' sind und wer von woanders.
auf der strasse wird der eingang zum schulhof durch mehrere reihen polizisten gesichert; die strasse steht in beide richtungen voller polizeifahrzeuge und krankenwagen, dicht über den gebäuden kreist die ganze zeit ein hubschrauber.
dann beginnt der abtransport der verletzten; einige, die noch laufen können, werden zu fuss hinausgebracht (ich selber habe knapp 10 davon gesehen), ca. 15-20 menschen mit tragbahren; einige davon liegen total still, es ist nicht zu erkennen, ob sie bei bewusstsein sind; andere bewegen sich, einer person zittern/zucken ständig ganz massiv die beine, ansonsten rührt sie sich nicht weiter; teilweise sind die leute auf den bahren abgedeckt, manchmal nur bestimmte körperpartien; viel blut.
die umstehenden auf der strasse u. im vorgarten des imc-gebäudes begleiten jede der hinaustransportierten personen mit lauten, an die polizei gerichteten protestrufen. etwa 2-3mal, werden die rufe (bastardis/assassinis) besonders laut, als, wie mir zwei leute berichteten, grosse, schwarze plastiksäcke hinausgetragen werden; es ist nicht zu sehen, was darin ist (ich habs nur später auf video gesehen, war schwer zu erkennen) und die leute befürchten, es könnten bodybags sein; tote? es würde mich nach dem, was ich hier erlebt habe, nicht mehr überraschen. ich weiss auch nicht, ob diese schwarzen säcke von der polizei oder der ambulanz herausgetragen bzw. weggefahren wurden. die ganze szenerie ist absolut beklemmend. zwischendurch kommt nochmal ein neuer verstärkungstrupp zur absperrung des schulgeländes an, die wesentlich frischer scheinen als ihre auszuwechselnden kollegen (der schlägertrupp ist glaube ich mittlerweile längst weggefahren worden); letztere können offensichtlich gar nicht schnell genug in ihre truppentransporter einsteigen.
ich verlasse den ort des geschehens nach einer weile, zum schutz (zumindest in der hoffnung..)ausgerüstet mit meiner presseweste etc., weil ich wegen dieser unglaublich brutalen vorfälle total am ende bin u. herumlaufen muss um nicht durchzudrehen; überall in den benachbarten strassen polizei, sie hat das viertel drumherum abgesperrt, kein mensch ausser anwohnerInnen o. anderen autorisierten personen darf hinein; eine frau, die auch nicht hineindurfte aber die einsatzkräfte gefragt hat, was los sei, bekam die antwort, der polizei sei gesagt worden, da hätte es eine besetzung gegeben.
nach ca. einer stunde (gegen 3.00-4.00?)kehrte ich wieder in die strasse zurück; die polizei war mittlerweile restlos weg, krankenwägen auch, und die schule konnte betreten werden. es war - schlimm; im grossen vorraum der schule lag alles durcheinander, persönliche dinge, blutiges verbandsmaterial, rucksäcke u. schlafsäcke, teilweise mit blut beschmiert; ein computerraum im erdgeschoss war von der polizei völlig verwüstet worden, die rechner zerschlagen etc.; an mehreren stellen im gebäude waren blutlachen auf dem boden, blut an den wänden, an einer stelle auch ein ca. 1m langes brett dessen eines ende voller blut war, daneben an der wand ein grosser blutfleck; einige der blutlachen im gebäude sahen besonders krass aus, da das blut sehr dick und dunkel u. stellenweise mit leberartigen/-farbigen verdickungen durchsetzt war. überall waren presseleute u. andere, alles wurde fotografiert. mehrere leute erzählten mir noch,dass der boden an einigen stellen frisch gewischt war, aber ich war zu fertig mit der welt, nochmal reinzugehen um mir das anzugucken.
wir verbrachten den rest der nacht in übelster stimmung; viele leute standen unter schock, brachen total zusammen, weinten, kamen überhaupt nicht klar mit dem, was sie da in den letzten stunden erlebt/gesehen hatten; ich selber fühlte mich wie in einem albtraum, konnte sogar dann kaum schlafen, als es morgens hell wurde und die sonne ach-so-fröhlich durch die fenster und auf die kreisenden hubschrauber schien, da ich, ganz abgesehen von den gefühlen bezüglich der gesamtvorgänge und der betroffenen selbst, ständig die angst im nacken hatte, sie könnten so eine aktion auch nochmal bei uns abziehen - warum auch immer; ich konnte die ganze situation absolut nicht mehr einschätzen; das war kein 'normaler'(...) polizeieinsatz gewesen sondern eine für mich ganz neue kategorie, die ich in dieser form persönlich noch nie erlebt habe.
anrufe am folgenden tag bei der deutschen botschaft brachten nur das ergebnis, dass niemand dort irgendwas wusste; es seien keine verhaftungen von 'deutschen' gemeldet worden (in der scuola waren mindestens 60 menschen! es ist bis jetzt nicht möglich, sie in irgendeiner form zu kontaktieren), und somit seien auch keine näheren erkundigungen/auskünfte möglich...ich habe echt verdammte angst um die ganzen leute, sowohl die verhafteten, die im krankenhaus, als auch alle, die noch irgendwie aus dieser verfluchten stadt herauskommen müssen; sie sind einer unglaublichen polizei- bzw. staatlichen willkür ausgesetzt, die überall und immer mehr die entwicklung des 'vereinten europa' begleitet - in diesem fall mal ganz ohne die übliche maske.. abschliessend, um diese tendenzen zu verdeutlichen, noch ein fazit berlusconis, geäussert am darauffolgenden tag: die gehälter der polizei sollen erhöht werden. ciaociao faschismus.
samstag, 21.7.01
früher abend/nachmittag (17.00-18.00?); ich bin im 3.stock des gsf-gebäudes in den indymedia-räumen auf der seite, die auf die strasse hinausgehen; von dort blickt mensch auf die genau gegenüberliegende, ca. 4-stöckige "scuola diaz". als ich laute stimmen von der strasse höre, schaue ich aus dem fenster und sehe, dass mehrere fahrzeuge langsam auf höhe der betroffenen gebäude durch die strasse fahren; ich weiss nicht mehr, wieviele davon polizeiwagen waren; im hof der schule sowie davor auf der strasse halten sich zahlreiche menschen auf; pfiffe/ausbuh-etc. sowie flaschenwurf (-würfe?) aus richtung der leute vor der scuola; keine reaktion seitens der polizei, fährt weiter/weg.
daraufhin alarmbereitschaft im imc-gebäude; wir packen sicherheitshalber unsere sachen zusammen; unangenehme, spannungsgeladene atmo macht sich breit.
am späteren abend lässt spannung erstmal nach; die leute in der schule gegenüber, die tagsüber meistens draussen auf dem schulvorhof waren, sind jetzt zum grösstenteil im gebäude; licht ist drinnen an, türen sind geschlossen (weiss nicht ob auch abgeschlossen o. verbarrikadiert), fenster vergittert (weiss nicht ob überall bzw. in allen stockwerken), hoftor zur strasse hin - weiss ich auch nicht, ob offen o. geschlossen.
ich bin wieder im 3. stockwerk des gsf-gebäudes, als es gegen 0.00 (?) in der strasse plötzlich zu aufruhr kommt; kann mich nicht mehr erinnern, ob sireneneinsatz bzw. wieviele und was für fahrzeuge; ich sehe nur jede menge polizisten in kampfmontur überfallartig auf den leeren schulhof stürmen, die unter kampfgeschrei sofort beginnen, die türen zur schule aufzubrechen; atmo schockierend, da polizei total hassig, superaggressiv, entfesselt wirkt; dadurch entsteht schlagartig panik-/angststimmung im imc; leute beginnen, aus unserem gebäude zu filmen u. fotografieren.
fast zur gleichen zeit, als die polizei nach 1-2 min.(?)gegenüber die türen aufgebrochen(?) hat und in das gebäude einstürmt, höre ich plötzlich auch bei uns vom flur her rufe: "sie kommen"/"policia"; panik bricht aus, da situation aufgrund dieser mega-aggressiven haltung der polizei überhaupt nicht einschätzbar ist und wir nicht wissen, was sie mit uns vorhaben und warum; alle laufen durcheinander, überlegen, ob verstecken oder verbarrikadieren oder was auch immer; fenster werden wegen möglichem tränengaseinsatz geschlossen, eine schnell errichtete barrikade aus tischen am eingang zum 3.stock wird doch wieder weggeräumt u. alle gehen mit erhobenen händen auf den flur in der hoffnung, dadurch eine eskalation der situation zu verhindern; weiss nicht mehr, wieviele polizisten dann anfangs in unseren flur stürmen, jedenfalls werden wir -nur auf italienisch u. sehr grob- angewiesen, uns alle im flur an den wänden entlang auf den boden zu setzen; wir können nun nichts mehr von den vorfällen in der scuola beobachten, da der flur nur fenster zum innenhof hat, dürfen anfangs auch noch nicht sprechen; die atmosphäre ist angst-/spannungsgeladen; ich erinnere mich konkret an 3 beamte, 2 in kampfmontur, helm, knüppel, einer mit mopedhelm, knüppel o. tonfa u. in zivilbekleidung, die unseren abschnitt des flurs sichern und alle räume mehrfach observieren; sachen werden nur sehr grob/oberflächlich durchsucht, grössere gegenstände wie taschen etc. vom flur entfernt.
ich glaube, dass die polizei die fenster in den räumen zur strasse hin wieder geöffnet hat (von fenstern im flur weiss ich es sicher, da ich es gesehen habe, wie sie sie wieder aufmachten) da wir sie ja vorher eigentlich alle geschlossen hatten; schreie von der anderen strassenseite lassen mir das blut in den adern gefrieren; ich hab den kopf voll von horrorbildern, was sie mit den menschen dadrüben wohl gerade machen. tränengas dringt ein, sie schliessen die fenster trotzdem nicht, obwohl viele leute husten. eine person sagt irgendwas zu den 'beamten', wird daraufhin angeschnauzt (war zu weit weg, weiss nicht, worum es ging) und von der polizei aus dem flur weggebracht; nach ca. 20 min(?) kommen dann zwei leute mit akkreditierungsausweisen in unseren flur; sie scheinen 'auf unserer seite' zu sein, dürfen auch kurz mit uns reden; ob sie fotografiert haben, weiss ich nicht mehr. sie gehen dann nach wenigen minuten wieder, später kommen nochmal welche, glaube ich.
nach etwa einer dreiviertel stunde erscheint irgendeine frau im vorraum des flures, die mit der polizei redet; kurz darauf verlassen die 'beamten' dann erst unseren flur, kurz darauf auch das gsf-gelände auf unserer seite der strasse; wir sind wieder 'frei'.. ob die computer/server noch laufen, weiss ich nicht.
in der schule gegenüber scheint der grösste teil der dreckigen arbeit in der zwischenzeit, während wir im flur sassen, erledigt; ich sehe aber noch vereinzelt polizei v.a. in den oberen geschossen, von dort sind auch ein paar krasse schreie (angst/schmerz/verzweiflung, also nichts aggressives oder so) von menschen zu hören; eine frau schreit irgendwann aus einem der obersten stockwerke erst zweimal ganz laut/fast tierisch 'ohne worte', danach zweimal 'bastardis' - hört sich total schlimm an, mir läufts das rückgrat rauf und runter aus ohnmächtiger verzweiflung, angst und wut.
vielleicht eine halbe std.(?) nachdem die polizei unser gebäude verlassen hat, kommen mehrere krankenwagen an; (drüben ist es mittlerweile total still); sanitäterInnen rennen ins schulgebäude, zahlreiche tragbahren werden hineingebracht; auf der strasse versammeln sich immer mehr menschen (ca. 200 zum schluss?), auch presse steht auf der strasse und filmt/fotografiert die ereignisse, mehrere pressescheinwerfer sind an, ich weiss aber nicht, wieviele davon 'indy' sind und wer von woanders.
auf der strasse wird der eingang zum schulhof durch mehrere reihen polizisten gesichert; die strasse steht in beide richtungen voller polizeifahrzeuge und krankenwagen, dicht über den gebäuden kreist die ganze zeit ein hubschrauber.
dann beginnt der abtransport der verletzten; einige, die noch laufen können, werden zu fuss hinausgebracht (ich selber habe knapp 10 davon gesehen), ca. 15-20 menschen mit tragbahren; einige davon liegen total still, es ist nicht zu erkennen, ob sie bei bewusstsein sind; andere bewegen sich, einer person zittern/zucken ständig ganz massiv die beine, ansonsten rührt sie sich nicht weiter; teilweise sind die leute auf den bahren abgedeckt, manchmal nur bestimmte körperpartien; viel blut.
die umstehenden auf der strasse u. im vorgarten des imc-gebäudes begleiten jede der hinaustransportierten personen mit lauten, an die polizei gerichteten protestrufen. etwa 2-3mal, werden die rufe (bastardis/assassinis) besonders laut, als, wie mir zwei leute berichteten, grosse, schwarze plastiksäcke hinausgetragen werden; es ist nicht zu sehen, was darin ist (ich habs nur später auf video gesehen, war schwer zu erkennen) und die leute befürchten, es könnten bodybags sein; tote? es würde mich nach dem, was ich hier erlebt habe, nicht mehr überraschen. ich weiss auch nicht, ob diese schwarzen säcke von der polizei oder der ambulanz herausgetragen bzw. weggefahren wurden. die ganze szenerie ist absolut beklemmend. zwischendurch kommt nochmal ein neuer verstärkungstrupp zur absperrung des schulgeländes an, die wesentlich frischer scheinen als ihre auszuwechselnden kollegen (der schlägertrupp ist glaube ich mittlerweile längst weggefahren worden); letztere können offensichtlich gar nicht schnell genug in ihre truppentransporter einsteigen.
ich verlasse den ort des geschehens nach einer weile, zum schutz (zumindest in der hoffnung..)ausgerüstet mit meiner presseweste etc., weil ich wegen dieser unglaublich brutalen vorfälle total am ende bin u. herumlaufen muss um nicht durchzudrehen; überall in den benachbarten strassen polizei, sie hat das viertel drumherum abgesperrt, kein mensch ausser anwohnerInnen o. anderen autorisierten personen darf hinein; eine frau, die auch nicht hineindurfte aber die einsatzkräfte gefragt hat, was los sei, bekam die antwort, der polizei sei gesagt worden, da hätte es eine besetzung gegeben.
nach ca. einer stunde (gegen 3.00-4.00?)kehrte ich wieder in die strasse zurück; die polizei war mittlerweile restlos weg, krankenwägen auch, und die schule konnte betreten werden. es war - schlimm; im grossen vorraum der schule lag alles durcheinander, persönliche dinge, blutiges verbandsmaterial, rucksäcke u. schlafsäcke, teilweise mit blut beschmiert; ein computerraum im erdgeschoss war von der polizei völlig verwüstet worden, die rechner zerschlagen etc.; an mehreren stellen im gebäude waren blutlachen auf dem boden, blut an den wänden, an einer stelle auch ein ca. 1m langes brett dessen eines ende voller blut war, daneben an der wand ein grosser blutfleck; einige der blutlachen im gebäude sahen besonders krass aus, da das blut sehr dick und dunkel u. stellenweise mit leberartigen/-farbigen verdickungen durchsetzt war. überall waren presseleute u. andere, alles wurde fotografiert. mehrere leute erzählten mir noch,dass der boden an einigen stellen frisch gewischt war, aber ich war zu fertig mit der welt, nochmal reinzugehen um mir das anzugucken.
wir verbrachten den rest der nacht in übelster stimmung; viele leute standen unter schock, brachen total zusammen, weinten, kamen überhaupt nicht klar mit dem, was sie da in den letzten stunden erlebt/gesehen hatten; ich selber fühlte mich wie in einem albtraum, konnte sogar dann kaum schlafen, als es morgens hell wurde und die sonne ach-so-fröhlich durch die fenster und auf die kreisenden hubschrauber schien, da ich, ganz abgesehen von den gefühlen bezüglich der gesamtvorgänge und der betroffenen selbst, ständig die angst im nacken hatte, sie könnten so eine aktion auch nochmal bei uns abziehen - warum auch immer; ich konnte die ganze situation absolut nicht mehr einschätzen; das war kein 'normaler'(...) polizeieinsatz gewesen sondern eine für mich ganz neue kategorie, die ich in dieser form persönlich noch nie erlebt habe.
anrufe am folgenden tag bei der deutschen botschaft brachten nur das ergebnis, dass niemand dort irgendwas wusste; es seien keine verhaftungen von 'deutschen' gemeldet worden (in der scuola waren mindestens 60 menschen! es ist bis jetzt nicht möglich, sie in irgendeiner form zu kontaktieren), und somit seien auch keine näheren erkundigungen/auskünfte möglich...ich habe echt verdammte angst um die ganzen leute, sowohl die verhafteten, die im krankenhaus, als auch alle, die noch irgendwie aus dieser verfluchten stadt herauskommen müssen; sie sind einer unglaublichen polizei- bzw. staatlichen willkür ausgesetzt, die überall und immer mehr die entwicklung des 'vereinten europa' begleitet - in diesem fall mal ganz ohne die übliche maske.. abschliessend, um diese tendenzen zu verdeutlichen, noch ein fazit berlusconis, geäussert am darauffolgenden tag: die gehälter der polizei sollen erhöht werden. ciaociao faschismus.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
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auch dagewesen
im weiteren verlauf jener nacht streunten übrigens immernoch Zivibullen durch die Schule - als wir am Aufräumen waren, entdeckte ich zweie im ersten Stock, wie sie gerade munter Schubladen durchguckten, um sich anschließend ihre frisch geplünderten Disketten in den heilgebliebenen PC´s anzuschauen.
bodybags