Stellungnahme zum Staatsterrorismus beim Genueser Weltwirtschaftsgipfel

univ.prof. bodo zeuner 25.07.2001 22:22
Es kommt darauf an, der Umwandlung des dem Recht und der Demokratie verpflichteten Staatsapparats in einen Terrorapparat der Herrschenden entgegenzutreten.
Ich bin der Vater von Katharina Zeuner, die am Morgen des 22. Juli 01 in der Schule Armando Diaz Opfer eines geplanten und brutalen Polizeiüberfalls auf friedliche und schlafende ProtestiererInnen gegen den Genueser Weltwirtschaftsgipfel wurde. Ich habe bis heute, Mittwoch, keinen Kontakt zu ihr bekommen, und ich hoffe, dass sie - entsprechend den Prognosen des Mailänder Konsulats der BRD - bald freigelassen wird.
Zugleich bin ich Professor für Politikwissenschaft und ein politisch engagierter Mensch.
Ich habe gestern bei der Pressekonferenz des Berliner Ermittlungsausschusses in beiden Rollen Stellung genommen, und bin gebeten worden, meine mündliche und spontane politische Stellungnahme nachträglich aufzuzeichnen. Das tue ich gerne:

Ich lese - zufällig - in diesen Tagen Sebastian Haffners Frühwerk „Geschichte eines Deutschen“. Darin wird besonders eindringlich beschrieben, wie sich im März 1933 bei fast unverändertem Alltag die Koordinaten des Privatlebens durch die Umwandlung des preußisch-deutschen Staats in eine antihumane Terrororganisation verändert haben. Es wird auch der mangelnde Widerstand der deutschen Bevölkerungsmehrheit und ihrer Führungsgruppen aus Parteien und Gewerkschaften gegen diese Umwandlung beschrieben.
Ohne die gegenwärtige Situation mit 1933 gleichsetzen zu wollen, was selbstverständlich unhistorischer Unfug wäre, scheint mir eine Gemeinsamkeit festhaltenswert: Es kommt darauf an, der Umwandlung des dem Recht und der Demokratie verpflichteten Staatsapparats in einen Terrorapparat der Herrschenden entgegenzutreten.
Wenn Polizisten, wenn Spezialeinheiten der Polizei es sich herausnehmen, politisch unliebsame Personen, wie in Genua geschehen, mitten in der Nacht zu überfallen und brutal, ja lebensgefährlich zu verprügeln, dann ist es zu Folterkellern wie denen der SA im Deutschland von 1933 nur noch ein Schritt. Wer den Überfall auf die Diaz-Schule in Genua als irgendwie entschuldbar durchgehen lässt, leistet Beihilfe zu einer schleichenden Faschisierung der Gesellschaft. Der italienische Innenminister Scajola hat erklärt: „Die Sicherheitskräfte verhielten sich mit beispielhafter Würde und können nicht dem Spott preisgegeben werden.“ Dies ist exakt die Sprache von Hitler und Göring aus dem Jahr 1933. Wenn Herr Scajola nicht abgelöst wird, wenn diese Denkweise sich durchsetzt, sind wir - in Italien und in Europa insgesamt - auf dem Weg in eine andere Republik.

Neben der Parallele zu 1933 sehe ich eine andere, im Ergebnis tröstlichere, die zum Sommer 1967 in Deutschland u d insbesondere in West-Berlin. Ein wildgewordener Polizist namens Kurras erschoss am 2. Juni 1967 beim von Demonstrationen begleiteten Schah-Staatsbesuch den friedlichen Demonstranten Benno Ohnesorg. Der West-Berliner Staatsapparat unter dem Regierenden Bürgermeister Heinrich Albertz stellte sich damals sofort und reflexartig voll hinter die Polizei einschließlich des tötenden Polizisten Kurras, Herr Albertz rief die Berliner auf, sich gegen den „Terror“ der demonstrierenden Studenten zu wehren. Der Polizeipräsident Dünsing rechtfertigte seinen brutalen, Hunderte von Verletzten produzierenden Knüppeleinsatz gegen Anti-Schah-Demonstranten vor der Deutschen Oper Berlin mit dem „Leberwurst-Prinzip“: Man müsse in die Mitte hineinstechen, damit es am Ende herausquillt. - Ein paar Wochen später waren Dünsing und Albertz nicht mehr im Amt, und Albertz sagte noch Etwas später, er sei nie so schwach gewesen wie an dem Tag, an dem er sich hinter seine Prügelpolizei gestellt habe.
Wie kam dieser Wandel? Durch beharrliche Demonstration gegen Staatsterror, durch mutiges Eintreten ganz vieler Menschen, vor allem StudentInnen, auf der Straße und in den Medien für Menschenrechte, durch beharrliche Untersuchungen eines - schon damals bestehenden! - Ermittlungsausschusses gegen Übergriffe der Polizei, durch massenhafte Aufklärung gegen die damals herrschende Mediengewalt (vor allem "Springer-Presse").

Auch wenn wir wissen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt, können wir aus ihr lernen. Es gibt Dinge, die gleich bleiben und es gibt Neues. Gleich geblieben ist die Unmenschlichkeit von absoluter Herrschaft und eines entfesselten Kapitalismus. Gleich geblieben ist zum Glück auch die Fähigkeit der Menschen auf der ganzen Welt, sich gegen diese Unmenschlichkeit zu wehren. Neu ist unsere Chance, uns über internet zuzammenzutun. Neu ist, dass wir es nicht mehr mit einem deutschen, sondern mit einem italienischen, ja einem europäischen und tendenziell weltweiten Problem einer wild gewordenen Staatsgewalt zu tun haben. Neu und ermutigend ist, dass der Widerstand gegen globalisierte Ungleichheit und Ungerechtigkeit selber international geworden ist.

Der antidemokratische und bürgerfeindliche Staatsapparat des Berlusconi (und seiner Brüder im Geiste wie Schröder, Schily, Bush, Blair u.a.) ist nicht so leicht zu konterkarieren und zu deligitimieren wie der des Heinrich Albertz in West-Berlin 1967/68 (obwohl auch das uns damals viel Mühe kostete). Aber es lohnt sich, und es ist nicht chancenlos: Italien muss wieder ein Rechtsstaat werden. Und: Weder in Italien noch anderswo darf der Staatsapparat einfach so machen, was die gerade Herrschenden wollen. Und: Ohne eine demokratisch-rechtsstaatliche Regulierung des weltweiten Kapitalismus geht die Menschheit zu Grunde. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Treffen von Politikern. Aber diese Politiker müssen demokratische Politik machen und sich gegenüber dem wildgewordenen Kapital durchzusetzen versuchen.

P.S. Ich finde, dass seitens der in Genua angetretenen Gegner dieses Weltwirtschaftsgipfels zu wenig Kritik an dem ihnen aufgedrückten Etikett „Globalisierungsgegner“ geübt worden ist. Meine Tochter z.B. hat im letzten Jahr viel Zeit in Mexiko, Kuba und USA verbracht; für September hat sie ein Austauschprogramm mit Studentinnen aus Sibirien mit organisiert. Globaler geht’s doch kaum. Wogegen sie eintritt - und ich auch eintrete - , ist die spezifische, kapitalistische, die Konkurrenz intensivierende, die Verelendung der Verlierergruppen und die Spaltung von Gesellschaften verschärfende Form der „Globalisierung“. Wie wäre es also, wenn die Presse statt von „Globalisierungsgegnern“ einfach von „Internationalisten“ sprechen würde?
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Ergänzungen

Titel ergänzt

kostja 25.07.2001 - 22:47
Da der Titel nach dem posten abgeschnitten war, habe ich ihn ergänzt - wenns falsch ist, bitte nochmal melden. gruß:

Eine mögliche Antwort

DBP 25.07.2001 - 23:28
Ja, das klingt nicht schlecht. Nur denken hier bei Indymedia wohl schon viele in die gleiche oder ähnliche Richtung. Natürlich sind auch hier viele entsetzt über die faschisierenden Entwicklungen, aber ich vermute, dass die Menschen, die von der Dramatik der Ereignisse erst noch überzeugt werden müssen, nicht zuerst hier zu suchen sind, da viele Leute hier schon reichlich Erfahrungen und praktisches Wissen in diesem Gebiet gesammelt haben. Was ich Ihnen empfehle, ist, ihre Stellung, ihr Wissen und ihre Position einzusetzen, um Leute zu erreichen, die anders oder von anderen nicht erreicht werden können. Die Stärke der Bewegung ist ihre Diversität und die gesamtgesellschaftliche Durchdringung und gegenseitige Befruchtung. Suchen Sie kreative Wege, die Message zu verbreiten, und vor allem, die kreative Diversität und den Willen, sich nichts und niemandem zu unterwerfen, bei allen Menschen anzuregen, dann kann der Faschismus ihnen nichts mehr anhaben. Noch ein Tipp: Der offene, staatliche Faschismus ist die extremste Form, anderen seinen Willen aufzuzwingen. Das geistige Grundmuster dazu wird jedoch in der ganzen Gesellschaft überall dort gelegt, wo von Gehorsam -- auch gegenüber Gesetzen -- die Rede ist und bei Zuwiderhandlung mit Gewaltanwendung gedroht wird. Was das Prinzip unserer Gesetze ist. Die Lösung kann nur darin liegen, dass die Menschen freiwillig ihre inneren, ethisch-moralischen, und ihre praktischen Qualitäten (oder Tugenden, in einem nicht-moralisierenden Sinn) entwickeln, so dass sie keine Herrschenden über sich mehr brauchen und so die Gesetze überflüssig machen. Zum PS: Schöne Liste, aber es fehlt noch mindestens der ostasiatische Raum... Ich stimme mit der Anmerkung aber voll überein. Schöne Grüße!

25.07.2001 - 23:50
Ich denke, dass alle mit Dir und allen Anderen mitfühlen, hoffen und bangen, dass unsere Kinder, Freunde, Bekannte, Genossen - das alle bald wieder rauskommen!!!
Viel Kraft und Mut Euch/Uns allen!!!

sröbele ziemlich deutliche worte

irie&iriemama 25.07.2001 - 23:53
ströbele hat gerade in den tagesthemen ziemlich deutlich gesagt was in genua passiert ist. jetzt kriegt auch langsam die breite masse mit was los ist. wir müssen weiter auf die straße. was ist mit demo oder mahnwache in hamburg???

Italien in Faschistischer Epoche

Augenzeuge 25.07.2001 - 23:54
ich war auch in der schule und wollte noch was ergaenzen was scheinbar wenige nur gesehen haben. Als die letzten Verletzte aus der Schule getragen wurden, war ein Mensch in Anzug da der die ganze Operation ueberwacht hat. Er hat eine Italienische Flagge um den Oberkoerper eines Polzisten (der Einsatzleiter wahrschienlich) als Belohnung umgehaengt. Ich konnte das aus dem dritten Stockwerk der Schule gut beobachten, aber ich weiss nicht ob jemand das fotografiert hat. wenn ja bitte auf indymedia posten.

rechtsstaat?

vega 26.07.2001 - 00:16
ich stimme dem zu, aber ich kritisiere, wie auch schon "dbp" angedeutet hat, die lösung in einer "wiederherstellung des rechtsstaates" zu sehen. selbst in deutschland existiert dieser nicht, da es wohl die grösste lüge ist dass alle menschen vor dem gesetz gleich sind bzw. ein angeklagter schuldlos ist, bis seine schuld bewiesen wurde. letzteres findet genügend beispiele in dem ausreiseverbot für aktivistInnen, die zum teil nie angeklagt waren oder die anklage fallengelassen wurde.
ich denke auch, dass dieses statement hier auf wenig widerspruch treffen wird, es also in anderen medien viel mehr kontroversen "anrichten" könnte, um so mehr leute zum nachdenken und diskutieren anzuregen...
meine solidarität mit den gefangenen und verletzten aktivistInnen in genua!!

Begriffe

Sebastian 26.07.2001 - 00:25
Der Begriff Globalisierungsgegner ist tatsächlich irreführend, sollte man vielleicht mal drüber nachdenken, ob das nicht von manchen Menschen negativ aufgefaßt wird, da die 'offiziellen' Medien diesen Begriff ja bewußt negativ besetzen...vielleicht auch unwichtig...

Freie Marktwirtschaft

Armin Reich 26.07.2001 - 02:03
Der Kampf für einen sauberen Rechtsstaat ist verloren. Sämtliche Freiheitsrechte werden zur Zeit geradezu mit Brachialgewalt ausgehebelt. Die Menschen werden in Arm und Reich (Versager und Erfolgreiche) getrennt, als wäre es die normalste Sache der Welt. Kaum jemand von den hohen Herren nimmt mehr das Wort "soziale Marktwirtschaft" in den Mund, wir leben in einer freien Marktwirtschaft. Der Medienapparat steht wie ein Block als 4. Institution des Staates da, eine Rolle, die sie sonst in Diktaturen spielt. Es weht den Gerechten ein eisiger Wind entgegen.
Dies spielt sich ab, weil den Herrschenden sehr wohl klar ist, was in den nächsten Jahren kommen wird. Nicht die schöne, neue Welt, wo uns die Technik zu einem ach so tollen Leben verhilft wird es sein. Dieser Kapitalismus droht zu platzen wie ein aufgeblähter Windbeutel. Wegen der ökologischen Katastrophe. Wegen dem uferlos ausgereizten Finanzmarkt. Wegen einer planlosen Politik, die jahrzehntelang den Profit über jedes vernünftige Konzept gestellt hat. Genua war für sie nur ein kleiner Schritt in die Zukunft, ein Test für kommende Rebellionen.
Was kommt ist schon seit langer Zeit absehbar. Es stand z.B. in der Studie Global 2000 in den 80er Jahren und es verläuft genau so, wie vorhergesagt. Die Macht kapselt sich ab und will nichts davon wissen. Wir müssen uns mit anderen Gedanken vertraut machen. In unserem Land:
- Abschaffung des Deutschen Bundestages unter eventueller Beibehaltung des Bundesrats und der Länderparlamente als föderatives Instrument.
- Räteversammlungen, die aus den sozialen Bewegungen, der Gewerkschaft, der NGOs heraus gebildet werden und teilweise Regierungsverantwortung übernehmen.
- Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien
- Dezentralisierung, die globalen Strukturen nutzen uns am meisten, wenn sie vorrangig informeller Natur sind
- Säuberung von Polizei und Militär von totalitären Seilschaften, evtl. neue Einheiten.
- Die Liste ist noch endlos lang.
Natürlich soll das nicht heißen, gleich die Maschinenpistole auszupacken und Revolution zu spielen, aber wir sollten uns auch mit diesem Gedanken befassen. Das Ganze klingt für Menschen, die sich im wohlbehüteten Rechtsstaat wähnen absurd. Aber das da keiner lacht! Nicht nur ich sehe pessimistisch in die Zukunft und wir haben nur eine Chance, diese zu bestehen, wenn sie denn tatsächlich so schwarz kommt: wohl vorbereitet zu sein.
Je mehr Menschen sich entscheiden, gemeinsam in einem Boot zu sitzen und je entschiedener sie es tun, desto einfacher werden wir das Desaster, in das uns der Kapitalismus führt, durchstehen. Laßt uns darüber diskutieren, nicht über das, was uns trennt.

auch eine mögliche antwort

displacing 26.07.2001 - 02:21
bodo zeuners (und vieler anderer) stellungnahme ist höchstwahrscheinlich eine herausforderung an die "bewegung". diversität wird nicht ewig bleiben. spaltung wird kommen. das liegt in der natur der sache. doch wieviel kompromiß verträgt die "bewegung"? es kommt nicht einmal darauf an diese frage zu beantworten. sondern mut zu zeigen sie zu stellen. unabnhängig von den antworten.
es wird noch genug zeit sein die richtigen antworten zu finden.

ScheißaufdummeWörterdiealleszueinfachmachen

Mannem68er 26.07.2001 - 02:40
Das mit dem Begriff "Globalisierungsgegner" ist schon verdammt wichtig. Und zwar im negativen Sinn. Damit kriegen wir wieder einmal den "die-sind-gegen-alles-Stempel" aufgedrückt, was natürlich perfekt zu dem Bild der prügelnd-brandschatzend-zerstörenden Horden passt, das in den Medien verbreitet wird. Alles in allem sind wir damit für die Öffentlichkeit ein destruktiver Haufen, der völlig planlos und von der Globalisierung einfach nur überfordert ist.

Aber nein! Wir sind nicht gegen Fortschritt und das Zusammenwachsen der Welt. Wir sind POSITIV, KONSTRUKTIV und FORWÄRTSGEWANDT! Wir müssen verhindern, dass unsere Werte einfach als antiquiert abgetan werden können. Und deshalb sind wir KEINE GLOBALISIERUNGSGEGNER!!!!

Internationale Solidarität - Smash capitalism!

Gefangene aus Voghera frei gesprochen

Ban 26.07.2001 - 02:47
Wenn Katharina auch in Voghera war, ist sie jetzt wahrscheinlich freigesprochen (wie 19 andere Frauen auch, die da heute Haftprüfung hatten) und weiter in Polizeigewahrsam (nach Ablauf der 96 Stunden) und im Bus auf dem Weg nach Pavia, wo alle heute freigesprochenen Frauen gesammelt an die Grenze gefahren werden sollen. Die Angehörigen, die den ganzen Tag vor dem Gefängnis in Voghera gewartet haben, haben ihre Kinder und auch die Anwälte immer noch nicht gesehen. Der deutsche Botschafter durfte keine der Verhandlungen verfolgen. Außer von einem Abgeordneten und einem Pfarrer, die heute beide mit den Gefangenen gesprochen haben (und berichtet haben, dass es keiner extrem schlecht geht), hat sie niemand gesehen. Die Polizei schikaniert weiter und versucht, keine Informationen zu geben. Niemandem. Bitte veröffentlicht weiter alles, was Ihr über die, die noch in Italien sind, wisst! Dass sie nach dem (vermuteten) Freispruch der in Diaz mitgenommenen, immer noch in Polizeigewahrsam sind, macht viele unserer Hoffnungen zunichte. Wir warten seit Sonntagmorgen auf Nachrichten!! Zwischendurch erfahren wir immer wieder was, was aber schon längst überholt ist. Krankenhäuser, Gefängnisse usw. Wo meine Schwester jetzt ist, weiß ich nie. Geschweige denn, wie es ihr geht! Heute morgen soll sie noch einmal beim Zahnarzt gewesen sein, es wurden ihr bei dem Überfall Zähne ausgeschlagen. Das bestätigte dann (auf Nachfrage) auch Galliera. Helft uns! Veröffentlicht alles, was Ihr erfahrt! Allen Vermissten eine gute Heimkehr! Gebt nicht auf ! Wir sind bei Euch!!!

Begriffsverwirrung

kju 26.07.2001 - 13:07
Die Kritik hier am Begriff "Globalisierungsgegner" ist berechtigt, allerdings ist mir unverständlich, warum man umgekehrt genauso wild mit unpassenden Begriffen um sich wirft.

Wesentliche Merkmale des Faschismus sind Nationalismus und Führerprinzip, des weiteren ist eine faschistische Gesellschaftsordnung nicht ohne weiteres mit Kapitalismus vereinbar.

 http://encarta.msn.de/find/Concise.asp?z=1&pg=2&ti=761568245&MSID=096819e2832e4866a32566228a301c3e

Kommentar gelöscht

Bödefeld 27.07.2001 - 00:38
Hier stand ein faschistischer, rassitischer, sexistischer oder generell menschenverachtender Kommentar. Solche Kommentare werden von den Moderationskollektiven ins Müllarchiv geschmissen. Um diese Maßnahme transparent zu halten, kann das Müllarchiv jederzeit durch eine mail an die Kontaktliste zugesandt werden.

bitte keine internationalisten

sahnehaeubchen 27.07.2001 - 14:31
International sind die Faschos leider auch und Solidarität zwischen Nationen kann ich überhaupt nicht brauchen - also bitte lieber antinational

"Globalisierungsgegner"?

Staatsfeind 28.07.2001 - 01:02
Hallo!

Um ehrlich zu sein wundert es mich immer wieder, warum der Begriff "Globalisierungsgegner" verwendet wird. Mancher wird sich fragen: Was kann schlimm an Globalisierung sein? Und mit Unverständnis reagieren.

Ist es nicht viel treffender, alle sog. "Globalisierungsgegner" als "Antikapitalisten" zu benennen? Immerhin geht es ja um die Kritik an dem kapitalistischen System und seine fatalen (globalen) Auswirkungen auf die Menschheit.
Ich könnte mir vorstellen, dass mehrere 0815-Bürger eher Solidarität denen zollen, die gegen Kapitalismus kämpfen.

Herr Zeuner!

Ich bedaure, dass Ihre Tochter in die Gewalt der Polizei geraten ist. Ich bin mir sicher, Sie werden Ihren Zorn nicht hinunter schlucken, sondern aktiv gegen solche Verhältnisse informieren!

M.

und unsere bundesregierung?

torsten 28.07.2001 - 01:34
warum befindet sich nur hans-christian ströbele in italien und kümmert sich um das, was vorgefallen ist? warum nicht der bundesaußenminister fischer oder gar der bundeskanzler?? der druck auf italien hätte wesentlich mehr gewicht, wenn nicht irgendein abgeorndeter des deutschen bundestages den italienern auf die füße träte, sondern die deutsche bundesregierung! wir dürfen nicht nur von den italienern konsequenzen fordern, sondern müssen auch die bundesregierung um eine sofortige eindeutige stellungnahme und - vor allem - ein wesentlich stärkeres engagement in dieser sache fordern!

Schröder von Haider zu Berlusconi

Messerjocke 28.07.2001 - 01:56
Bei Haider hat Schröder noch pressewirksam den besorgten Antifaschisten gemimt. Bei Berlusconi keine Spur mehr von Bedenken. Sitzt mit dem beim G8 zusammen und raucht Zigarre.
Mein Gott ist das piefig !

hegel und Adorno

klaus baum 28.07.2001 - 17:18
Eine persönliche Anmerkung zum Begriff "Globalisierungsgegner": Obwohl dieser Begriff seit längerem schon eine Differenzierung erfahren hat, verwendet ihn DIE ZEIT vom 26.7.01 in mehreren Artikeln zum Thema Globalisierung sehr undifferenziert.
In der Tradition der Philosophie Hegels und des deutschen Idealismus gibt es die Unterscheidung zwischen "partikular" und "universell".
So bedeutet zum Beispiel "die Herrschaft des Partikularen", dass begrenzte, eingeengte Vorstellungen von Menschen im Medium von Machtausübung über andere Menschen dominieren, ihre Entfaltung zu einem universellen Wesen unterdrücken.
Was wir in den letzten Jahren, insonderheit seit 1989, erleben, ist die Herrschaft des Partikularen als globale Herrschaft, das heißt, die Herrschaft rücksichtsloser Profitmaximierung über alle anderen Aspekte und Möglichkeiten des Menschseins.
Globalisierung ist der Versuch, die weltweite Herrschaft kapitalorientierten Denkens durchzusetzen.
Dagegen richtet sich die Globalisierungskritik.
Es gibt in der Tradition Hegels noch einen weiteren nützlichen Begriff, der in den sechziger Jahren sehr häufig zu lesen war: den der bestimmten Negation.
Ich bin in diesem Sinne nicht gegen Globalisierung, aber gegen die globale Unterwerfung menschlichen Daseins unter den partikularen Aspekt des Geldes, der Gewinnmaximierung zu Lasten vieler Menschen.
Was wir erleben, ist die Globalisierung des Partikularen, aber nicht die Globalisierung einer universellen Humanität.
Bestimmte Negation meint: die inhumanen Auswüchse der Globalisierung zu verneinen und die positiven Aspekte der Globalisierung zu bejahen.
Das ist zwar selber noch relativ abstrakt gesprochen und ist allenfalls im Sinne einer vorläufigen Differenzierung zu verstehen.

Suche Genua T-Shirts

Florian 29.07.2001 - 13:50
Suche dringend T-Shirts mit Text oder Fotos, die auf das Massaker und den Mord in Genau bezug nehmen. Kontakt bitte per Email:  kante-online@gmx.de

"Globalisierungsgegner"?

Klaus Baum 30.07.2001 - 21:22
Dieses Link

 http://www.taz.de/pt/2001/07/30/a0132.nf/text

führt zu einem hervorragenden Artikel in der TAZ, der deutlich macht, daß der Begriff "Globalisierungsgegner"
in irreführender Weise verwendet wird.

sie haben recht!!!

alexandra 01.08.2001 - 14:40
lieber herr professor, sie haben recht und sie nennen die dinge auch beim namen. da sich die eskalationsstrategien der polizei, das einschüchtern von kritikerInnen im vorfeld und der einsatz von provokateuren bei jedem gipfel wiederholen, ist es staatsterrorismus der marke strategie der spannung. damit soll der protest auf vielfache weise gebrochen und kanalisiert werden. zuerst durch eine aufoktroyierte gewaltdebatte und konkrete einschüchterung aller durch polizeiübergriffe a la genua, dann durch das "vorschreiben" des richtigen, also braven (pseudo-)protests via entsprechender medienkommentare. das kollektive schweigen europäischer regierungen wird allenfalls dann mal gebrochen, wenn druck von unten kommt wie jetzt wegen gefangener, die freizulassen sind. was auf ein europäisches einverständnis dieser vorgangsweise gegen protest schliessen lässt...
gut ist auch der vorschlag, sich nicht als globalisierungsgegner bezeichnen zu lassen, denn es geht gegen DIESE globalisierung der g-8. ich weise in meinen berichten und kommentaren auch immer wieder darauf hin, aber angesichts des medienmainstreams ist es ein kampf gegen windmühlen....