Ausfuehrlicher Bericht ueber den Ueberfall
Bericht von dem Ueberfall auf die Schule Diaz in Genua in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Mit aktuelleren Informationen und Uebersetzungen von italienischen Zeitungen.
Bericht von dem Ueberfall auf die Schule Diaz in Genua in der Nacht von Samstag auf Sonntag.
Eine Delegation besuchte gestern das Frauengefaengnis in Vercelli. Auch dort wird von Misshandlungen berichtet.
Am Samstag, den 21.7.2001 um 23.56 Uhr haben Sondereinheiten der Carabinieri und der italienischen Polizei (ca. 200 Beamte) die Schule Diaz, in der GegnerInnen des G8-Gipfels uebernachteten, gestuermt. Die Polizeibeamten haben eine Seitentuer eingeschlagen und sind mit lautem Gebruell in das Gebaude gestuermt. Sekunden spaeter konnten Leute vom gegenueberliegenden Inedependent Media Center lautes Geschrei vernehmen. Die in der Schule Anwesenden wurden brutal zusammengeschlagen und schliesslich alle verhaftet. Ein Grossteil der Leute in der Schule wurde von SanitaeterInnen auf Bahren hinausgetragen. Sie waren schwer verletzt und blutbeschmiert, viele hatten Kopfverletzungen. Einige waren bewusstlos. Die allerwenigsten waren noch in der Lage zu laufen. Im Gebaude selbst wurde alles verwuestet, die 5 Computer kaputtgeschlagen, saemtliches Gepaeck ausgeschuettet, Geld und Reiseausweise sowie Kameras etc. geklaut. Nachdem alle in Krankenhaeuser und Knaeste abtransportiert worden waren, wurde bei der Besichtigung des Gebaudes ueberall Blut gefunden. Blut zwischen den Schlafsaecken, Blut auf den Klos, Blut im Treppenhaus. Ueberall, wo die Polizei Leute erwischt hat, die noch zu fliehen versucht haben, wurden sie auf der Stelle zusammmengeschlagen und misshandelt. Mehrere Personen wurden lebensgefaehrlich verletzt. Nach Presseangaben vom Sonntag wurden in der Schule 66 Personen festgenommen, 50 davon verletzt. Heute wird berichtet, dass bei der gesamten Operation 93 Personen festgenommen wurden, das schliesst auch die Leute ein, die sich in den umliegenden Strassen oder vor der Schule aufhielten. 15 ItalierInnen wurden freigelassen. Die verbleibenden 78 Personen aus unterschiedlichen Laendern sind noch in Haft. Nach Angaben einer Krankenhausangestellten aus dem San Martino Krankenhaus in Genua waren die Verletzten in einem unvorstellbarem, furchtbarem Zustand. Sie berichtete von multiplen und komplizierten Frakturen, eingeschlagenen Schaedeln und ausgeschlagenen Zaehnen. Viele befanden sich in einem Schockzustand, waren kreidebleich, kaum ansprechbar und hatten Angst, ueberhaupt beruehrt zu werden. Nach ihren eigenen Angaben hatte sie so etwas noch nie erlebt oder gesehen. Wir wissen sicher von Eltern, die vom Auswaertigen Amt informiert wurden, dass in einem Fall ein Mann an der Schaedeldecke operiert werden musste. Inzwischen muss er nicht mehr kuenstlich beatmet werden. In einem anderen Fall wurden die Eltern informiert, dass sich ihr Sohn nicht mehr in Lebensgefahr befindet. Mehr Informationen wurden den Eltern nicht gegeben. Einer anderen Person, einem Briten, wurden die Rippen gebrochen, was zu schweren Lungenverletztungen fuehrte. Es gibt bisher keine gesicherten Informationen ueber den Verbleib aller in der Schule Verhafteten. Bei vielen Leuten ist immer noch nicht klar, wo sie sich befinden, im Krankenhaus oder im Gefaengnis. Viele wurden auch zuerst ins Krankenhaus und danach ins Gefaegnis gebracht. AnwaeltInnen durften bisher niemand sehen, die Krankenhauser gleichen Polizeifestungen, niemand durfte rein. Der Schwester eines Schwerverletzten wurde gestern (23.7.) abend der Krankenbesuch verweigert.
Am 23.7. besuchte eine Delegation, bestehend aus dem Europaabgeordneten Luigi Vinci von der Partei Rifondazione Comunisti, einem Mitglied eines Sozialen Zentrums aus Mailand sowie einer Dolmetscherin aus Deutschland, den Frauenknast in Vercelli. Wir geben hier einen Bericht der Dolmetscherin wieder:
Von den verhafteten Frauen aus der Schule befinden sich 6 im Gefaengnis von Vercelli, mit 4 von ihnen wurde gesprochen: Nach einem 5-minuetigen Gespraech mit ihnen gibt es folgende Kurzeinschaetzung:
Alle Frauen gaben an, in der Schule geschlagen worden zu sein. Weiterhin erzaehlten alle Frauen, dass der Zustand der Maenner aus der Schule Diaz in jedem Fall schlimmer sei. Sie geben an, dass die Maenner die ganze Nacht auf dem Polizeirevier weiter gefoltert worden sind, da sie die ganze Nacht von Ihnen Schreie gehoert haben. Sie selber sind auf dem Polizeirevier weiter schikaniert worden: Beschimpfungen, Schlaege und Tritte beim aufs Klo gehen. Sie sagen alle aus, dass sie relativ gut bei weggekommen sind. Im Gefaengnis ist die Behandlung besser als bei den Bullen. Ihnen wurde teilweise erlaubt, Anrufe zu machen. Sie sind in 2-3 Zellen weitgehend (ausser 1 Person) nach Staatsangehoerigkeit geordnet.
Fast allen Frauen wird oeffentlicher Widerstand vorgeworfen. Mindestens ein Mann soll eine Angklage wegen versuchten Mord (Homicide) bekommen. Zusätzlich wurden Roentgenaufnahmen aus dem Krankenhaus konsfiziert.
Weiterhin traf die Dolmetscherin Italienerinnen, die bereits Samstagnachmittag verhaftet worden waren. Sie wurden gestern aus Vercelli entlassen. Sie berichten folgendes:
Sie selbst wurden auf dem Bullenrevier in Genua nicht geschlagen. Sie mussten sich jedoch 19 h mit den Haenden erhoben ohne Essen und Trinken an eine Wand stellen. Sie gaben an, dass die Bullen offen organisierte Faschisten waren. Es gab permanente Beschimpfungen wie " scheissjuedische Zigeunerin ", " Hasta la Victoria sempre" mit gleichzeitigem Hitlergruss, weiterhin wurden Mussolinibilder an den Waenden gesehen. Einer Person, der vorher die Beine gebrochen worden, konnte nicht an der Wand stehen, wurde weiter geschlagen bis sie sich irgendwie hingestellt hat. Die Bullenfrauen waren teilweise schlimmer als die Maenner. Haben die Frauen an den Haaren gezogen und gerissen. Sie wurden von den Festgenommenen Als "totale Psychopatinnen" bezeichnet. Weiterhin berichteten sie, dass Traenengas in die Zellen geworfen worden ist. Eine Person hat daraufhin Blut erbrochen.
Alle Inhaftierten bitten darum irgendwie Druck auszuueben und zu helfen !!!!
Hier endet der Bericht der Dolmetscherin. Die Gefangenen sitzen seit 60 Stunden im Knast (Stand Dienstag, 24.7., 12.00 Uhr)
Weitere Informationen: Am Montag wurden insgesamt noch min. 38 Personen in und um Genua oder an der Grenze festgenommen. Es ist gefaehrlich sich zur Zeit in Genua aufzuhalten. Sie haben in Bars und Kneipen nach auslaendischen Leuten gesucht. Einige wurden bereits wieder entlassen. Anderen drohen Haftbefehle wegen Pluenderung und Verwuestung.
Alle in der Schule Verhafteten haben morgen (25.7.) einen Haftpruefungstermin und kommen evt. frei.
Insgesamt waren gestern noch 570 Personen im Krankenhaus und ueber 100 im Knast. Wir haben eine Liste mit 60 Deutschen und weiteren 32 Gefangenen aus 12 unterschiedlichen Laendern. Die Gefangenen befinden sich in folgenden Gefaengnissen : Alessandria, Pavia, Vercelli und Voghera und Genova.
Bericht der italienischen Zeitung Corriere della Serra (Zahl der Verhafteten siehe oben) ueber den Blitz ueberfall auf die Schule Diaz vom 24.7. , Seite 5: Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter in der Angelegenheit Blitz. Die Namen eines Grossteiles der noch 78 verbliebenen Gefangenen sind den jeweils fuer sie zustaendigen Behoerden aus 13 Laendern uebergeben worden. Sie worden bisher wg. Fluchtgefahr nicht freigelassen. Es gibt eine Reihe italienische PolitikerInnen, die mit den Gefangenen sprechen und wissen wollen, ob es wahr ist, dass sie, die Gefangenen und in der Schule sich befindlichen Personen von der Polizei misshandelt worden sind. Der Staatsanwaltschaft wurden die Festnahmen erst am Sonntag um 18.30 uebermittelt, also erst 18.5 Stunden nach dem Ueberfall. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die ganze Durchsuchung als "peinlich". Die Familien haben zum Teil keine Nachrichten und Informationen ueber den Gesundheitszustand/Haftgrund/Aufenthaltsort u.s.w. ihrer Toechter und Soehne.
La Repubblica, Montag 23.07.2001 (S. 1 und 3)
In der verwüsteten Schule
Blut und Zerstörung die Spuren der Prügelei
von Concita de Gregorio
GENUA - Frisches Blut, noch flüssig und glänzend wie Himbeersirup. Eine
Bibel, eine Rolle Toilettenpapier, Blut. Eine Metallschachtel voller
Präservative, ein Tagebuch mit der Telefonnummer von Micha: 2152635. Don
Quichote ohne Einbanddeckel, Blut. Damenbinden, Olivendosen, Reisewecker,
Blut. Ein zerrissener polnischer Reisepass. Eine Geldbörse aus Lederimitat,
leer, mit einer Adresse: Nancy und Darryl Beal, 1051224 W 10th Ave.
Vancouver, Canada. Bitte Eltern verständigen.
?Never seen anything like this?, sagt unbeweglich Richard, 24 Jahre, aus den
Londoner Suburbs. Niemals zuvor gesehen, nicht in Europa, seit 50 Jahren
nicht.
Deswegen wird Ihnen übel werden, und vielleicht werden Sie es auch nicht
glauben. Aber wenn Sie um halb zwei Uhr morgens in die hübsche Schule
Armando Diaz hineingegangen wären, als nach der Verwüstung noch niemand
durchgegangen war, hätten Sie dies gesehen. Zwei Mädchen Arm in Arm in einer
Ecke, ganz allein in dem leeren Gebäude. Eine davon schmächtig, mit zwei
Zöpfen an den Seiten, vielleicht zwanzig, vielleicht Amerikanerin. Von
krampfartigen Seufzern geschüttelt, unfähig zu weinen. Die andere, die
fragt: ?Why?? und sie antwortet nicht. Eine Turnhalle übersät mit
ausgeleerten Rucksäcken, zertretene Brillen, aufgerissene Fotoapparate,
herausgerissene Filmrollen, Unterhosen, Melonen, Comics, Tennisschuhe,
Thunfischdosen. Schlafsäcke, die noch warm sind, in den Gängen, und dort
auch die ersten Blutflecken. Dicht und dunkel. Sie führen nach oben. Die
Treppe hoch. In der Ecke der erste rote Streifen, wie von jemand, der mit
dem Kopf dagegen geschlagen und dann zu Boden gerutscht ist. Erster Stock:
Rote Pfützen. Vor der Tür der Klasse 2ab zwei Bücher in einer noch flüssigen
Pfütze: Minuet for Giutar von Vladimir Zupan und Miracle of the Rose von
Jean Genet. Das Blut führt in die Toiletten. Im Waschbecken liegt ein von
der Wand gerissenes Kruzifix, rot beschmiert. Im WC-Becken ist Blut, auch
auf den Heften mit den Krankmeldungen der Schüler und auf den in einer Ecke
gestapelten Klassenbüchern. Es sind Spritzer auf dem eleganten Türschild,
auf dem in gekünstelter Kursivschrift geschrieben steht: ?Carla Angela
Castelli, Schulleiterin?. Auch die Tür selbst ist besudelt, denn das Blut
ist überall, vor allem aber in den Ecken und an den Wänden: Das Blut von
Flüchtenden. Eine Spur wie aus einem Horrorfilm führt hinunter ins
Untergeschoss: Am Ende der Treppe ist eine stets zu öffnende Tür, ein
Notausgang. Sie muss die Ängste jemandes miterlebt haben, der versuchte,
hier hinauszukommen. Die Tür war von außen mit einem Schloss verriegelt. Der
hier flüchten wollte, hat am Türgriff gezerrt, hat ihn aus der Tür
herausgerissen. Nichts. Verschlossen. Und dann unten am Boden seine
Blutstropfen und wieder hinauf Stufe für Stufe, als er die Treppe wieder
hochkam.
93 haben sie weggebracht aus der Schule, die die Gemeinde Genua den
Jugendlichen des Social Forum so großzügig angeboten hatte. Einen nach dem
anderen auf der Krankentrage, durch einen Korridor von Polizisten mit
verdecktem Gesicht, mit Taschentüchern vor der Nase, Helm und Schild.
Im Gebäude gegenüber rufen Hunderte von jugendlichen an den Fenstern:
Mörder, Faschisten. Ein Hubschrauber ist ganz knapp über dem Dach, als wolle
er landen; er tut es aber nicht. Eine Gasse mitten in der Nacht.
Scheinwerfer von Panzerfahrzeugen, Tausende von Uniformierten. Sie haben die
Abgeordneten und Senatoren, die hinein wollten, geschlagen, zu Boden
geworfen und ihnen das Hemd zerrissen: Ramon Mantovani, mit dem Gesicht zur
Wand und zerrissenem Hemd. Gigi Malabarba, Schläge mit dem Schild auf den
Rücken. ?Ich bin Seantor der Republik; ich will nur reden?, sagte er. Die
zwanzigjährigen Wehrdienstleistenden schlugen ihn. Auch Graziella Mascia,
Loredana De Petris und Luisa Morgantini waren da alles gewählte
Parlamentarierinnen. Sie ließen weder die Anwälte durch, die ihren Ausweis
zückten, noch die Journalisten aus aller Welt, während aus dem dunkel
daliegenden Schulgebäude Schreie von Jugendlichen zu hören waren. Schreie in
voller Lautstärke, vor allem Hilferufe von Frauen. Man sah Glas von drinnen
nach draußen splittern, hörte Schläge. Dutzende und Aberdutzende von
Polizisten waren drinnen, und draußen zwei leitende Beamte mit Funkgeräten:
?Roberto, bring die Abgeordneten weg?, sagte der elegante Große, der blau
angezogen war, mit schwarzen Haaren und Bart. Dann begannen die
Krankentragen herauszukommen.
Auf der ersten lag ein Mädchen mit gespaltenem Kopf, vermutlich ohnmächtig,
mit zwei orangenen Gurten festgebunden. Sie ließ auf der Straße einen viele
Meter langen Blutstreifen zurück, bis hin zum Krankenwagen. ?Mörder? riefen
die Jugendlichen am Gebäude gegenüber, dem Media Centre, dem von Vittorio
Agnoletto geleiteten Kommunikationszentrum des GSF [Genoa Social Forum].
Auch Agnoletto ist draußen geblieben, während die Krankentragen vorbeizogen.
Wenigstens dreißig waren es. Jemand war mit weißen Tüchern bedeckt, so dass
man das Gesicht nicht sehen konnte. Als vier Polizisten mit einem riesigen
und schweren Sack herauskamen, hörte man rufen: ?Es gibt einen Toten.?
?Wir schliefen?, erzählte Michael Gieser, der einzige der drei
Zurückgebliebenen, der in der Lage war zu sprechen. Er ist 30 Jahre alt und
arbeitet in einer Luxemburger NGO, macht in Brüssel ?Erziehung zur
Gewaltlosigkeit?. ?Es war Mitternacht, und wir schliefen in unseren
Schlafsäcken. Sie schlugen gegen die Tür und riefen ,Polizei'. Instinktiv
sind wir aufgestanden und nach oben geflüchtet. Sicher, das war ein Fehler,
aber wir waren alle mitten im Schlaf. Sie ließen uns mit dem Bauch flach auf
den Boden legen. Wühlten alles durch, machten alles kaputt, zerrissen
Dokumente. Sie brüllten, beschimpften uns und schlugen mit den Knüppeln auf
die am Boden Ausgestreckten ein. Ich sah, wie mehrere Mädchen ohnmächtig
wurden. Ich bin geflüchtet, als sie die Tür öffneten, um den ersten
Massakrierten herauszubringen. Er war noch in seinem Schlafsack. Ich muss an
die Jüngsten denken, die dort stundenlang blutend, verängstigt und allein
geblieben sind. Und ich möchte Ihrem Land für die vorzügliche
Gastfreundschaft danken.? Er spricht französisch.
Die ?Hausdurchsuchung? dauerte zwei Stunden. Etwa zwanzig Jugendliche wurden
im Gefangenentransporter weggebracht, die Hände am Hinterkopf. Die Polizei
zog sich in Schlachtordnung, der ?Schildkröte?, zurück. Auf dem Boden zurück
ließen sie Geldstücke, Präservative, Damenbinden, zerfetzte Reisepässe. Und,
mehr als alles andere, Blut. Das kleine Mädchen mit den runden
Brillengläsern hebt eine Brieftasche vom Boden auf und sieht sich um. Von
all den Fragen, die sie in diesem Moment stellen könnte, wählt sie diese
aus: ?Und wie kommen sie jetzt ohne Papiere nach Hause?? Es ist der 22.
Juli, drei Uhr nachts. Der G 8 ist zu Ende.
Eine Delegation besuchte gestern das Frauengefaengnis in Vercelli. Auch dort wird von Misshandlungen berichtet.
Am Samstag, den 21.7.2001 um 23.56 Uhr haben Sondereinheiten der Carabinieri und der italienischen Polizei (ca. 200 Beamte) die Schule Diaz, in der GegnerInnen des G8-Gipfels uebernachteten, gestuermt. Die Polizeibeamten haben eine Seitentuer eingeschlagen und sind mit lautem Gebruell in das Gebaude gestuermt. Sekunden spaeter konnten Leute vom gegenueberliegenden Inedependent Media Center lautes Geschrei vernehmen. Die in der Schule Anwesenden wurden brutal zusammengeschlagen und schliesslich alle verhaftet. Ein Grossteil der Leute in der Schule wurde von SanitaeterInnen auf Bahren hinausgetragen. Sie waren schwer verletzt und blutbeschmiert, viele hatten Kopfverletzungen. Einige waren bewusstlos. Die allerwenigsten waren noch in der Lage zu laufen. Im Gebaude selbst wurde alles verwuestet, die 5 Computer kaputtgeschlagen, saemtliches Gepaeck ausgeschuettet, Geld und Reiseausweise sowie Kameras etc. geklaut. Nachdem alle in Krankenhaeuser und Knaeste abtransportiert worden waren, wurde bei der Besichtigung des Gebaudes ueberall Blut gefunden. Blut zwischen den Schlafsaecken, Blut auf den Klos, Blut im Treppenhaus. Ueberall, wo die Polizei Leute erwischt hat, die noch zu fliehen versucht haben, wurden sie auf der Stelle zusammmengeschlagen und misshandelt. Mehrere Personen wurden lebensgefaehrlich verletzt. Nach Presseangaben vom Sonntag wurden in der Schule 66 Personen festgenommen, 50 davon verletzt. Heute wird berichtet, dass bei der gesamten Operation 93 Personen festgenommen wurden, das schliesst auch die Leute ein, die sich in den umliegenden Strassen oder vor der Schule aufhielten. 15 ItalierInnen wurden freigelassen. Die verbleibenden 78 Personen aus unterschiedlichen Laendern sind noch in Haft. Nach Angaben einer Krankenhausangestellten aus dem San Martino Krankenhaus in Genua waren die Verletzten in einem unvorstellbarem, furchtbarem Zustand. Sie berichtete von multiplen und komplizierten Frakturen, eingeschlagenen Schaedeln und ausgeschlagenen Zaehnen. Viele befanden sich in einem Schockzustand, waren kreidebleich, kaum ansprechbar und hatten Angst, ueberhaupt beruehrt zu werden. Nach ihren eigenen Angaben hatte sie so etwas noch nie erlebt oder gesehen. Wir wissen sicher von Eltern, die vom Auswaertigen Amt informiert wurden, dass in einem Fall ein Mann an der Schaedeldecke operiert werden musste. Inzwischen muss er nicht mehr kuenstlich beatmet werden. In einem anderen Fall wurden die Eltern informiert, dass sich ihr Sohn nicht mehr in Lebensgefahr befindet. Mehr Informationen wurden den Eltern nicht gegeben. Einer anderen Person, einem Briten, wurden die Rippen gebrochen, was zu schweren Lungenverletztungen fuehrte. Es gibt bisher keine gesicherten Informationen ueber den Verbleib aller in der Schule Verhafteten. Bei vielen Leuten ist immer noch nicht klar, wo sie sich befinden, im Krankenhaus oder im Gefaengnis. Viele wurden auch zuerst ins Krankenhaus und danach ins Gefaegnis gebracht. AnwaeltInnen durften bisher niemand sehen, die Krankenhauser gleichen Polizeifestungen, niemand durfte rein. Der Schwester eines Schwerverletzten wurde gestern (23.7.) abend der Krankenbesuch verweigert.
Am 23.7. besuchte eine Delegation, bestehend aus dem Europaabgeordneten Luigi Vinci von der Partei Rifondazione Comunisti, einem Mitglied eines Sozialen Zentrums aus Mailand sowie einer Dolmetscherin aus Deutschland, den Frauenknast in Vercelli. Wir geben hier einen Bericht der Dolmetscherin wieder:
Von den verhafteten Frauen aus der Schule befinden sich 6 im Gefaengnis von Vercelli, mit 4 von ihnen wurde gesprochen: Nach einem 5-minuetigen Gespraech mit ihnen gibt es folgende Kurzeinschaetzung:
Alle Frauen gaben an, in der Schule geschlagen worden zu sein. Weiterhin erzaehlten alle Frauen, dass der Zustand der Maenner aus der Schule Diaz in jedem Fall schlimmer sei. Sie geben an, dass die Maenner die ganze Nacht auf dem Polizeirevier weiter gefoltert worden sind, da sie die ganze Nacht von Ihnen Schreie gehoert haben. Sie selber sind auf dem Polizeirevier weiter schikaniert worden: Beschimpfungen, Schlaege und Tritte beim aufs Klo gehen. Sie sagen alle aus, dass sie relativ gut bei weggekommen sind. Im Gefaengnis ist die Behandlung besser als bei den Bullen. Ihnen wurde teilweise erlaubt, Anrufe zu machen. Sie sind in 2-3 Zellen weitgehend (ausser 1 Person) nach Staatsangehoerigkeit geordnet.
Fast allen Frauen wird oeffentlicher Widerstand vorgeworfen. Mindestens ein Mann soll eine Angklage wegen versuchten Mord (Homicide) bekommen. Zusätzlich wurden Roentgenaufnahmen aus dem Krankenhaus konsfiziert.
Weiterhin traf die Dolmetscherin Italienerinnen, die bereits Samstagnachmittag verhaftet worden waren. Sie wurden gestern aus Vercelli entlassen. Sie berichten folgendes:
Sie selbst wurden auf dem Bullenrevier in Genua nicht geschlagen. Sie mussten sich jedoch 19 h mit den Haenden erhoben ohne Essen und Trinken an eine Wand stellen. Sie gaben an, dass die Bullen offen organisierte Faschisten waren. Es gab permanente Beschimpfungen wie " scheissjuedische Zigeunerin ", " Hasta la Victoria sempre" mit gleichzeitigem Hitlergruss, weiterhin wurden Mussolinibilder an den Waenden gesehen. Einer Person, der vorher die Beine gebrochen worden, konnte nicht an der Wand stehen, wurde weiter geschlagen bis sie sich irgendwie hingestellt hat. Die Bullenfrauen waren teilweise schlimmer als die Maenner. Haben die Frauen an den Haaren gezogen und gerissen. Sie wurden von den Festgenommenen Als "totale Psychopatinnen" bezeichnet. Weiterhin berichteten sie, dass Traenengas in die Zellen geworfen worden ist. Eine Person hat daraufhin Blut erbrochen.
Alle Inhaftierten bitten darum irgendwie Druck auszuueben und zu helfen !!!!
Hier endet der Bericht der Dolmetscherin. Die Gefangenen sitzen seit 60 Stunden im Knast (Stand Dienstag, 24.7., 12.00 Uhr)
Weitere Informationen: Am Montag wurden insgesamt noch min. 38 Personen in und um Genua oder an der Grenze festgenommen. Es ist gefaehrlich sich zur Zeit in Genua aufzuhalten. Sie haben in Bars und Kneipen nach auslaendischen Leuten gesucht. Einige wurden bereits wieder entlassen. Anderen drohen Haftbefehle wegen Pluenderung und Verwuestung.
Alle in der Schule Verhafteten haben morgen (25.7.) einen Haftpruefungstermin und kommen evt. frei.
Insgesamt waren gestern noch 570 Personen im Krankenhaus und ueber 100 im Knast. Wir haben eine Liste mit 60 Deutschen und weiteren 32 Gefangenen aus 12 unterschiedlichen Laendern. Die Gefangenen befinden sich in folgenden Gefaengnissen : Alessandria, Pavia, Vercelli und Voghera und Genova.
Bericht der italienischen Zeitung Corriere della Serra (Zahl der Verhafteten siehe oben) ueber den Blitz ueberfall auf die Schule Diaz vom 24.7. , Seite 5: Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter in der Angelegenheit Blitz. Die Namen eines Grossteiles der noch 78 verbliebenen Gefangenen sind den jeweils fuer sie zustaendigen Behoerden aus 13 Laendern uebergeben worden. Sie worden bisher wg. Fluchtgefahr nicht freigelassen. Es gibt eine Reihe italienische PolitikerInnen, die mit den Gefangenen sprechen und wissen wollen, ob es wahr ist, dass sie, die Gefangenen und in der Schule sich befindlichen Personen von der Polizei misshandelt worden sind. Der Staatsanwaltschaft wurden die Festnahmen erst am Sonntag um 18.30 uebermittelt, also erst 18.5 Stunden nach dem Ueberfall. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die ganze Durchsuchung als "peinlich". Die Familien haben zum Teil keine Nachrichten und Informationen ueber den Gesundheitszustand/Haftgrund/Aufenthaltsort u.s.w. ihrer Toechter und Soehne.
La Repubblica, Montag 23.07.2001 (S. 1 und 3)
In der verwüsteten Schule
Blut und Zerstörung die Spuren der Prügelei
von Concita de Gregorio
GENUA - Frisches Blut, noch flüssig und glänzend wie Himbeersirup. Eine
Bibel, eine Rolle Toilettenpapier, Blut. Eine Metallschachtel voller
Präservative, ein Tagebuch mit der Telefonnummer von Micha: 2152635. Don
Quichote ohne Einbanddeckel, Blut. Damenbinden, Olivendosen, Reisewecker,
Blut. Ein zerrissener polnischer Reisepass. Eine Geldbörse aus Lederimitat,
leer, mit einer Adresse: Nancy und Darryl Beal, 1051224 W 10th Ave.
Vancouver, Canada. Bitte Eltern verständigen.
?Never seen anything like this?, sagt unbeweglich Richard, 24 Jahre, aus den
Londoner Suburbs. Niemals zuvor gesehen, nicht in Europa, seit 50 Jahren
nicht.
Deswegen wird Ihnen übel werden, und vielleicht werden Sie es auch nicht
glauben. Aber wenn Sie um halb zwei Uhr morgens in die hübsche Schule
Armando Diaz hineingegangen wären, als nach der Verwüstung noch niemand
durchgegangen war, hätten Sie dies gesehen. Zwei Mädchen Arm in Arm in einer
Ecke, ganz allein in dem leeren Gebäude. Eine davon schmächtig, mit zwei
Zöpfen an den Seiten, vielleicht zwanzig, vielleicht Amerikanerin. Von
krampfartigen Seufzern geschüttelt, unfähig zu weinen. Die andere, die
fragt: ?Why?? und sie antwortet nicht. Eine Turnhalle übersät mit
ausgeleerten Rucksäcken, zertretene Brillen, aufgerissene Fotoapparate,
herausgerissene Filmrollen, Unterhosen, Melonen, Comics, Tennisschuhe,
Thunfischdosen. Schlafsäcke, die noch warm sind, in den Gängen, und dort
auch die ersten Blutflecken. Dicht und dunkel. Sie führen nach oben. Die
Treppe hoch. In der Ecke der erste rote Streifen, wie von jemand, der mit
dem Kopf dagegen geschlagen und dann zu Boden gerutscht ist. Erster Stock:
Rote Pfützen. Vor der Tür der Klasse 2ab zwei Bücher in einer noch flüssigen
Pfütze: Minuet for Giutar von Vladimir Zupan und Miracle of the Rose von
Jean Genet. Das Blut führt in die Toiletten. Im Waschbecken liegt ein von
der Wand gerissenes Kruzifix, rot beschmiert. Im WC-Becken ist Blut, auch
auf den Heften mit den Krankmeldungen der Schüler und auf den in einer Ecke
gestapelten Klassenbüchern. Es sind Spritzer auf dem eleganten Türschild,
auf dem in gekünstelter Kursivschrift geschrieben steht: ?Carla Angela
Castelli, Schulleiterin?. Auch die Tür selbst ist besudelt, denn das Blut
ist überall, vor allem aber in den Ecken und an den Wänden: Das Blut von
Flüchtenden. Eine Spur wie aus einem Horrorfilm führt hinunter ins
Untergeschoss: Am Ende der Treppe ist eine stets zu öffnende Tür, ein
Notausgang. Sie muss die Ängste jemandes miterlebt haben, der versuchte,
hier hinauszukommen. Die Tür war von außen mit einem Schloss verriegelt. Der
hier flüchten wollte, hat am Türgriff gezerrt, hat ihn aus der Tür
herausgerissen. Nichts. Verschlossen. Und dann unten am Boden seine
Blutstropfen und wieder hinauf Stufe für Stufe, als er die Treppe wieder
hochkam.
93 haben sie weggebracht aus der Schule, die die Gemeinde Genua den
Jugendlichen des Social Forum so großzügig angeboten hatte. Einen nach dem
anderen auf der Krankentrage, durch einen Korridor von Polizisten mit
verdecktem Gesicht, mit Taschentüchern vor der Nase, Helm und Schild.
Im Gebäude gegenüber rufen Hunderte von jugendlichen an den Fenstern:
Mörder, Faschisten. Ein Hubschrauber ist ganz knapp über dem Dach, als wolle
er landen; er tut es aber nicht. Eine Gasse mitten in der Nacht.
Scheinwerfer von Panzerfahrzeugen, Tausende von Uniformierten. Sie haben die
Abgeordneten und Senatoren, die hinein wollten, geschlagen, zu Boden
geworfen und ihnen das Hemd zerrissen: Ramon Mantovani, mit dem Gesicht zur
Wand und zerrissenem Hemd. Gigi Malabarba, Schläge mit dem Schild auf den
Rücken. ?Ich bin Seantor der Republik; ich will nur reden?, sagte er. Die
zwanzigjährigen Wehrdienstleistenden schlugen ihn. Auch Graziella Mascia,
Loredana De Petris und Luisa Morgantini waren da alles gewählte
Parlamentarierinnen. Sie ließen weder die Anwälte durch, die ihren Ausweis
zückten, noch die Journalisten aus aller Welt, während aus dem dunkel
daliegenden Schulgebäude Schreie von Jugendlichen zu hören waren. Schreie in
voller Lautstärke, vor allem Hilferufe von Frauen. Man sah Glas von drinnen
nach draußen splittern, hörte Schläge. Dutzende und Aberdutzende von
Polizisten waren drinnen, und draußen zwei leitende Beamte mit Funkgeräten:
?Roberto, bring die Abgeordneten weg?, sagte der elegante Große, der blau
angezogen war, mit schwarzen Haaren und Bart. Dann begannen die
Krankentragen herauszukommen.
Auf der ersten lag ein Mädchen mit gespaltenem Kopf, vermutlich ohnmächtig,
mit zwei orangenen Gurten festgebunden. Sie ließ auf der Straße einen viele
Meter langen Blutstreifen zurück, bis hin zum Krankenwagen. ?Mörder? riefen
die Jugendlichen am Gebäude gegenüber, dem Media Centre, dem von Vittorio
Agnoletto geleiteten Kommunikationszentrum des GSF [Genoa Social Forum].
Auch Agnoletto ist draußen geblieben, während die Krankentragen vorbeizogen.
Wenigstens dreißig waren es. Jemand war mit weißen Tüchern bedeckt, so dass
man das Gesicht nicht sehen konnte. Als vier Polizisten mit einem riesigen
und schweren Sack herauskamen, hörte man rufen: ?Es gibt einen Toten.?
?Wir schliefen?, erzählte Michael Gieser, der einzige der drei
Zurückgebliebenen, der in der Lage war zu sprechen. Er ist 30 Jahre alt und
arbeitet in einer Luxemburger NGO, macht in Brüssel ?Erziehung zur
Gewaltlosigkeit?. ?Es war Mitternacht, und wir schliefen in unseren
Schlafsäcken. Sie schlugen gegen die Tür und riefen ,Polizei'. Instinktiv
sind wir aufgestanden und nach oben geflüchtet. Sicher, das war ein Fehler,
aber wir waren alle mitten im Schlaf. Sie ließen uns mit dem Bauch flach auf
den Boden legen. Wühlten alles durch, machten alles kaputt, zerrissen
Dokumente. Sie brüllten, beschimpften uns und schlugen mit den Knüppeln auf
die am Boden Ausgestreckten ein. Ich sah, wie mehrere Mädchen ohnmächtig
wurden. Ich bin geflüchtet, als sie die Tür öffneten, um den ersten
Massakrierten herauszubringen. Er war noch in seinem Schlafsack. Ich muss an
die Jüngsten denken, die dort stundenlang blutend, verängstigt und allein
geblieben sind. Und ich möchte Ihrem Land für die vorzügliche
Gastfreundschaft danken.? Er spricht französisch.
Die ?Hausdurchsuchung? dauerte zwei Stunden. Etwa zwanzig Jugendliche wurden
im Gefangenentransporter weggebracht, die Hände am Hinterkopf. Die Polizei
zog sich in Schlachtordnung, der ?Schildkröte?, zurück. Auf dem Boden zurück
ließen sie Geldstücke, Präservative, Damenbinden, zerfetzte Reisepässe. Und,
mehr als alles andere, Blut. Das kleine Mädchen mit den runden
Brillengläsern hebt eine Brieftasche vom Boden auf und sieht sich um. Von
all den Fragen, die sie in diesem Moment stellen könnte, wählt sie diese
aus: ?Und wie kommen sie jetzt ohne Papiere nach Hause?? Es ist der 22.
Juli, drei Uhr nachts. Der G 8 ist zu Ende.
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Schengen Vereinbarung wieder gültig
Genießt das schöne Wetter und die gute Luft in den Bergen!
120 Tage von Sodom
Nachspiel
Das ist faschistoid...
Immer kämpfen
Hey, vielleicht gewinnen wir sogar!
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