Berlin: Protest gegen Vetreibung erfolgreich
Im Aufwertungsgebiet Prenzlauer Berg werden seit Wochen Obdachlose, Punks und Trinker vom frisch sanierten Helmholtzplatz vertrieben. Mit Freibier, Grill und einer Spontandemo protestierten über 100 Leute dagegen.
Im Berliner Altbaubezirk Prenzlauer Berg werden nicht nur die Häuser straßenzugweise saniert, sondern auch die öffentlichen Plätze. Für viele der neuen Bewohner, aber auch für die politischen Verantwortungträger im Bezirk verbindet sich mit dieser Aufwertung die Verwirklichung ihrer Vorstellungen vom "Leben in der Stadt". Punks, Obdachlose und Trinker stören das gewünschte Bild und sollen deshalb verschwinden. Mit einer Mischung aus sozialtechnischen Konzepten, einer übersichtlichen Platzgestaltung und ordnungspoltischer Repression werden deshalb Problemgruppen seit etwa zwei Wochen in ihrem Aufenthalt auf dem Platz beschränkt (siehe auch
http://www.de.indymedia.org/2001/07/4232.html)
Das BÜNDNIS GEGEN VERTREIBUNG hatte für den 24.07.01 um 20.00 zu einem Aktionstag unter dem Motto "Ich bin Trinker und das ist auch gut so... Grober Unfug gegen Vertreibung und Polizeigewalt" auf den Platz aufgerufen. (siehe
http://www.de.indymedia.org/2001/07/5013.html)
Über 100 Leute folgten dem Aufruf und belagerten zusammen mit den etwa 50 anwesenden Trinkern und Punks den frisch sanierten Park.
20.00 Mit freudigem Gejohle wurde die aus der Nachbarschaft besorgten Bierkästen begrüsst. Die Direktionshundertschaft des Abschnitts 76 war mit zwei Fahrzeugen und 8 Kollegen vor Ort und versuchte zunächst das Grillen zu verhindern. "In einer geschützten Grünfläche ist das nicht erlaubt. Und was nicht erlaubt ist, wird von uns auch verboten" so die etwas hermeneutische Begründung. Gegen das eigentlich untersagte "Niederlassen zum Trinken" wurde angesichts der etwa 120 Liter Bier, die in kürzester Zeit ordnungswidrig ausgetrunken wurden, nicht vorgegegangen. Nur eine etwas aufgeregte Stadträtin (Ines Saager, CDU) lief durch die Menge und versuchte einen Verantwortlichen zu finden um noch mal deutlich zu machen, dass sie das alles für eine Instrumentalisierung von Kranken hält, die hier mit dem Freibier in ihre Süchte zurückgetrieben werden...
20.30 die Protestierenden versammelten sich um den Grill und forderten lautstark die Möglichkleit zur Zubereitung der mitgebrachten Wurst-und Fleischwaren. Den Beamten der Berliner Polizei gelang es erst nach einigem Gerangel, mit einem Feuerlöscher die umstrittene Feuerstelle zu löschen. Die meterhohen Rauchschwaden sind begehrtes Fotoobjekt der zahlreichen Medienvertreter. Ein übereifriger Kollege des Löschkommandos wurde in dieser Hektik mit Bier übergossen und verletzte einen jungen Mann mit dem Feuerlöscher im Gesicht.
20.50 Nachdem der Kampf um die Wurst zumindest in der ersten Runde verloren schien, wird kurzerhand entschieden eine spontane und unangemeldete Demonstration gegen das Grillverbot auf dem Helmholtzplatz durchzuführen. Mit Forderungen gegen die Vertreibung am Platz zog die fröhliche Meute los. Mit Parolen wie "Würstchen für alle - sonst gibts Krawalle", "Wenn Frau Saager wirklich will, kann sie gern auf unseren Grill" oder "Ob Tofu oder Schweinespeck - den Helmi nehmt ihr uns nicht weg" wurde auf den lokalen Konflikt Bezug genommen. Mit Sprechchören wie "Yuppies raus, Penner rein - so soll unser Helmi sein" und "Wir sind keine Hooligans sondern echte Würstchenfans" gelang es die Aktion in allgemeinere Kontexte einzuordnen.
21.30 Nach dem Rundgang gab es zur Überraschung vieler und vor allem der Polizei doch einen brennenden Grill auf dem Platz. Von dieser Situation überfordert wurden zwei Hundertschaftseinheiten der Einsatzpolizei (14. EH) zum Platz beordert. Mehrere Versuche, der z.T. behelmten Beamten an den Grill zu gelangen, scheiterten an der Menge von Hungrigen. Diese lies sich einfach nicht beiseite schieben. Erst nach einem Wechsel der Leitungskompetenz wurde mit Überraschungsangriff der Beamten dem Fest ein Ende gesetzt. Der Grill wurde umgestossen, mit Löschwasser übergossen und beschlagnahmt.
Das Ende eines fröhlichen Abends endete also in einem lächerlich überzogenen Polizeieinsatz, der von den Anwesenden spöttisch kommentiert wurde. Die Bilanz aus der Sicht des BÜNDNIS GEGEN VERTREIBUNG fällt positiv aus. Neben der massiv anwesenden Lokalpresse sind auch viele Bezirkspolitiker auf den Platz gekommen und können die bestehenden Probleme nicht mehr leugnen. Die Berliner Polizei bewies ein weiteres Mal ihr mangelndes Einschätzungsvermögen und machte mit dem völlig überzogenen Einsatz gegen einen Grill nicht nur sich selbst lächerlich, sondern auch die geltenden Nutzungsvorschriften auf dem Platz.
Trotz dieser erfolgreichen Öffentlichkeit gegen die Vertreibung wird das BÜNDINS GEGEN VERTREIBUNG auch in den kommenden Wochen das Geschehen auf dem Helmholtzplatz im Auge behalten und wenn nötig weitere Aktionen vorbereiten.
Kontakt zur Gruppe kann über die unten angegebene Adresse aufgenommen werden.
http://www.de.indymedia.org/2001/07/4232.html) Das BÜNDNIS GEGEN VERTREIBUNG hatte für den 24.07.01 um 20.00 zu einem Aktionstag unter dem Motto "Ich bin Trinker und das ist auch gut so... Grober Unfug gegen Vertreibung und Polizeigewalt" auf den Platz aufgerufen. (siehe
http://www.de.indymedia.org/2001/07/5013.html) Über 100 Leute folgten dem Aufruf und belagerten zusammen mit den etwa 50 anwesenden Trinkern und Punks den frisch sanierten Park.
20.00 Mit freudigem Gejohle wurde die aus der Nachbarschaft besorgten Bierkästen begrüsst. Die Direktionshundertschaft des Abschnitts 76 war mit zwei Fahrzeugen und 8 Kollegen vor Ort und versuchte zunächst das Grillen zu verhindern. "In einer geschützten Grünfläche ist das nicht erlaubt. Und was nicht erlaubt ist, wird von uns auch verboten" so die etwas hermeneutische Begründung. Gegen das eigentlich untersagte "Niederlassen zum Trinken" wurde angesichts der etwa 120 Liter Bier, die in kürzester Zeit ordnungswidrig ausgetrunken wurden, nicht vorgegegangen. Nur eine etwas aufgeregte Stadträtin (Ines Saager, CDU) lief durch die Menge und versuchte einen Verantwortlichen zu finden um noch mal deutlich zu machen, dass sie das alles für eine Instrumentalisierung von Kranken hält, die hier mit dem Freibier in ihre Süchte zurückgetrieben werden...
20.30 die Protestierenden versammelten sich um den Grill und forderten lautstark die Möglichkleit zur Zubereitung der mitgebrachten Wurst-und Fleischwaren. Den Beamten der Berliner Polizei gelang es erst nach einigem Gerangel, mit einem Feuerlöscher die umstrittene Feuerstelle zu löschen. Die meterhohen Rauchschwaden sind begehrtes Fotoobjekt der zahlreichen Medienvertreter. Ein übereifriger Kollege des Löschkommandos wurde in dieser Hektik mit Bier übergossen und verletzte einen jungen Mann mit dem Feuerlöscher im Gesicht.
20.50 Nachdem der Kampf um die Wurst zumindest in der ersten Runde verloren schien, wird kurzerhand entschieden eine spontane und unangemeldete Demonstration gegen das Grillverbot auf dem Helmholtzplatz durchzuführen. Mit Forderungen gegen die Vertreibung am Platz zog die fröhliche Meute los. Mit Parolen wie "Würstchen für alle - sonst gibts Krawalle", "Wenn Frau Saager wirklich will, kann sie gern auf unseren Grill" oder "Ob Tofu oder Schweinespeck - den Helmi nehmt ihr uns nicht weg" wurde auf den lokalen Konflikt Bezug genommen. Mit Sprechchören wie "Yuppies raus, Penner rein - so soll unser Helmi sein" und "Wir sind keine Hooligans sondern echte Würstchenfans" gelang es die Aktion in allgemeinere Kontexte einzuordnen.
21.30 Nach dem Rundgang gab es zur Überraschung vieler und vor allem der Polizei doch einen brennenden Grill auf dem Platz. Von dieser Situation überfordert wurden zwei Hundertschaftseinheiten der Einsatzpolizei (14. EH) zum Platz beordert. Mehrere Versuche, der z.T. behelmten Beamten an den Grill zu gelangen, scheiterten an der Menge von Hungrigen. Diese lies sich einfach nicht beiseite schieben. Erst nach einem Wechsel der Leitungskompetenz wurde mit Überraschungsangriff der Beamten dem Fest ein Ende gesetzt. Der Grill wurde umgestossen, mit Löschwasser übergossen und beschlagnahmt.
Das Ende eines fröhlichen Abends endete also in einem lächerlich überzogenen Polizeieinsatz, der von den Anwesenden spöttisch kommentiert wurde. Die Bilanz aus der Sicht des BÜNDNIS GEGEN VERTREIBUNG fällt positiv aus. Neben der massiv anwesenden Lokalpresse sind auch viele Bezirkspolitiker auf den Platz gekommen und können die bestehenden Probleme nicht mehr leugnen. Die Berliner Polizei bewies ein weiteres Mal ihr mangelndes Einschätzungsvermögen und machte mit dem völlig überzogenen Einsatz gegen einen Grill nicht nur sich selbst lächerlich, sondern auch die geltenden Nutzungsvorschriften auf dem Platz.
Trotz dieser erfolgreichen Öffentlichkeit gegen die Vertreibung wird das BÜNDINS GEGEN VERTREIBUNG auch in den kommenden Wochen das Geschehen auf dem Helmholtzplatz im Auge behalten und wenn nötig weitere Aktionen vorbereiten.
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Ergänzungen
prima
ich möchte allen anwesenden und vor allem der berliner polizei von herzen danken, daß sie aus dem abend ein derart absurdes spektakel gemacht haben.
ich war nur bis etwa 2200 da, weil ich noch nen anderen termin hatte, aber bis dahin war die polizei auf jeden fall für den einen oder anderen lacher gut. besonders hervorheben möchte ich diesen kleinen, dicken streifenpolizisten, der bei der ersten grill-löschung wie panisch mit nem spaten in der hand rumhantierte. aber die jungbullen waren auch niedlich. nachdem einer der trottel den grill gelöscht hatte, gerieten die vollkommen in panik. neben mir stammelte einer der jungs panisch in sein fesch am kragen getragenes mikro irgendsowas wie "haben hier eine aufgebrachte menge... ziehen uns jetzt zurück..."
wiedereinmal: nicht zu fassen, wie bekloppt man offenbar sein darf, und bei dem laden trotzdem noch nen job bekommt.
ps: ich hab auch wieder ein paar fotos gemacht.
FREU!
FREU
jubel!
grins
Auf, auf zum Helmi!
Mauerpark am gleichen Abend
LACH MICH TOT!