Neue Fotoserie von Carlos Hinrichtung

Anonym 23.07.2001 04:18 Themen: Globalisierung
Neue Fotoserie von Carlos Hinrichtung mit Erklärungen.
von  http://italy.indymedia.org/front.php3?article_id=6359&group=webcast

I have put together a more complete sequence of the photographs from multiple sources.
It is put together into a powerpoint presentation and the sequence is narrated with observations
about the images. I believe this makes what has happened clearer, and supports the position
that the shooting clearly does not qualifiy as justifiable homicide under the Italian legal codes.
Please feel free to circulate this story. It is a powerpoint file, which you can view with a web
browser, and is roughly 0.5MB.
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Ergänzungen

Hinrichtung?

Marco Caruso 23.07.2001 - 13:40
Hinrichtung? So wie ich das sehe, war es Totschlag oder Notwehr. Nach den "Notwehr"-Schüssen in den Rücken von Göteborg mußte man mit allem rechnen, und nachdem mich die Nachricht von Carlos Tod erreichte, dachte ich auch "Jetzt ist es passiert."

Selbst wenn man dem Bullen zugesteht, in einer subjektiven Notwehrsituation gehandelt zu haben, bleibt noch einiges zu klären. Kopfschuß vs Feuerlöscher, das ist unfaßbar, das darf nicht sein!

Bitte, redet nicht von einer "kaltblütigen Hinrichtung". Das war es nicht. Nichts ist trauriger, als wenn jemand mit den falschen Mitteln für die richtige Sache kämpft. Protest braucht Symbole, das ist wohl ein Naturgesetz der "Mediendemokratie". Aber Carlo ist kein zweiter Benno Ohnesorg. Wer versucht, ihn dazu zu machen, verschleißt nur seine Glaubwürdigkeit.

Carlos Wut ist auch meine Wut. Erklären wir, woher sie kommt.

Notwehr oder eiskalter Mord?

squarerigger 23.07.2001 - 14:40
Hier von Notwehr zu sprechen, ist in meinen Augen reiner Hohn.

Auch ein Warnschuß in die Luft hätte ausgereicht. Auf den Bildern ist zu erkenne, daß ein weiterer Demonstrant (mit lila Oberteil) in Deckung - vermutlich, weil er die Pistole gesehen hat. Hätte Carlo die Pistole wahrgenommen (durch Sichtkontakt oder eben durch einen Warnschuß), hätte auch er sicher abgelassen, denn niemand läßt sich gerne abknallen.

Gegen Notwehr sprich auch, daß Carlo Kopfschüsse erhielt. Notwehr bedeutet wohl auch, daß man sehr schnell feuern muß, also auch nicht gut zielen kann. Dabei ausgerechnet den Kopf zu treffen - und auch noch so, daß die Wunde tödlich ist - ist, sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich...

re squarerigger

Marco Caruso 23.07.2001 - 15:19
"Hier von Notwehr zu sprechen, ist in meinen Augen reiner Hohn." Ja. Wahrscheinlich hätte ein Warnschuß gereicht. Der Täter ist 20 Jahre, stand danach offenbar unter Schock. Er war in die Enge getrieben. Deshalb kann ich nicht von einer kaltblütigen Hinrichtung sprechen. Da muß man angesichts des Unfaßbaren die Fassung wahren und zwischen überzogener Notwehr, Totschlag, Mord im Affekt und Mord differenzieren. Was ich mich seitdem frage: Was muß das für eine Atmosphäre sein, in der es eine Option ist, dem Gegenüber ins Gesicht zu schießen? In der man in der Gruppe auf wehrlose Menschen einprügelt, wie die SA Schulen überfällt? Was braut sich da zusammen?

@caruso

gefangene 24.07.2001 - 02:29
ich denke, ähnlich wie du, dass wir hier nicht von einer hinrichtung/exekution reden sollten, sondern das der tod von carlos aus einer bestimmten situation heraus entstanden ist.
sehr falsch finde ich dagegen, den vergleich mit schulen überfallenden SA- Männern (!!!) vielmehr glaube ich, dass die allgemeine atmosphäre schon im vorfeld von polizeilicher seite unheimlich angeheizt wurde. die einfachen polizisten sind dieser propaganda wahrscheinlich sogar ganz besonders ausgesetzt. ich verweise hier auf die schulungsprogramme der polizei für ihre einsatztruppen, während der startbahn west, wo ihnen verklickert werden sollte, dass alle startbahngegner vermummte unpolitischen randalierer (...) sind - und sie dann omis und opis aus dem wald tragen mussten. vielleicht noch viel massiver wurde hier bei der der polizei eine `die wollten unseren tod´( bild-überschrift) stimmung geschürt, die die polizisten auch wirklich geglaubt haben. für mich wäre z.b die unglaubliche tat dieses jungen polizisten nicht sehr verwunderlich, wenn sie ihm, als gut gemeinten rat an den rookie, gesagt haben: die machen keine

auch als pdf-version

24.07.2001 - 11:30
auf der oben angegebenen seite gibt es die bilder jetzt auch als pdf-version.

Buenaventura 24.07.2001 - 13:40
ich bin auch gegen den Begriff Exekution. Notwehr wars aber natürlich auch nicht, das ist schon klar. ich finde nur, dass wir uns lächerlich machen, wenn wir hier ständig von einer Exekution sprechen. der Bulle war ja schon in Bedrängnis. so wird es auf jeden Fall die Öffentlichkeit sehn. Trauer um Carlo

versachlichung

Andreas 25.07.2001 - 12:21
wie nicht anders zu erwarten war, wurde hier keine sekunde gezoegert, die toedlichen schuesse von genua als "mord", spaeter gar als "hinrichtung" zu bezeichnen. die gemueter sind erhitzt - wie sollte es anders sein. gleichwohl moechte ich einen kleinen beitrag zur versachlichung der debatte leisten, auch wenn es hier nicht jeder/jedem recht sein wird.

um eines klar zu stellen: ich war in genua aber wohlgemerkt *kein augenzeuge*. trotzdem traue ich mir zu, zu den geschehnissen mehr sagen zu koennen als manch anderer hier, weil ich a) mit einem augenzeugen gesprochen habe (namentlich: dylan martinez, der reuters-fotograf, der die aufschlussreichste bilderserie geschossen hat) und b) die entwicklung im vorfeld mitbekommen habe, die zu der verhaengnisvollen situation gefuehrt hat.

folgendes ist fest zu halten:

1. das opfer war kein kind von traurigkeit. wer mit einem feuerloescher nach jemandem wirft, nimmt in kauf, dass bei einem treffer ein mensch sterben koennte. sowas nennt man bedingten toetungsvorsatz. auch auf den bildern, die vor den schuessen entstanden sind, ist zu sehen, dass der wurf mit dem feuerloescher nicht carlos erster angriff auf den carabineri-jeep war.

2. das polizeifahrzeug war eingekesselt. es wurde von drei seiten staendig attackiert. der reuters-fotograf, mit dem ich gesprochen habe, hat der polizei gegenueber zu protokoll gegeben, dass der fahrer des wagens mehrfach versucht habe, zurueck zu setzen (die rueckfahrleuchte ist auf allen bildern zu sehen), davon aber abstand genommen hat, wohl um niemanden zu ueberfahren. der fahrer selbst hat ausgesagt, er habe nicht wegfahren koennen, weil hinter dem fahrzeug staendig demonstranten umherliefen, die das verhindern wollten. er habe angst gehabt, jemanden zu toeten, wenn er trotzdem gefahren waere.

3. der taeter war keineswegs, wie es hier immer heisst, ein fuer solche faelle bestens geschulter mann. er war anfang zwanzig (zwei jahre juenger als das opfer) und erst seit einigen monaten bei der polizei. seine ausbildung hatte gerade erst angefangen. seine aussagen sind zwar im detail widerspruechlich, aber im kern stellt alles darauf ab, dass er um sein leben gefuerchtet hat - was ihm wohl abzunehmen ist. der reuters-fotograf hat weiterhin ausgesagt, er habe nicht den eindruck, als habe der polizist gezielte schuesse abgegeben. es habe eher so ausgesehen, als habe er die waffe aus dem eingeschlagenen fenster gerichtet, um sich den weg "irgendwie frei zu schiessen". demnach sind auch nicht nur zwei schuesse gefallen, sondern sechs oder sieben. allerdings haben offenbar nur zwei getroffen; die aber toedlich.

4. das ueberrollte opfer: augenzeugen (d. martinez und andere) und der fahrer des wagens haben uebereinstimmend ausgesagt, dass die flucht nach hinten angetreten wurde, als der fahrer beim blick zurueck festgestellt habe, dass keiner mehr im weg stand. aus dem blickwinkel zwischen fahrer- und beifahrersitz war das am boden liegende opfer nicht zu sehen. die anderen demonstranten waren gefluechtet, als die schuesse fielen. der fahrer sah die chance, zu entkommen und fuhr los. erst zurueck - und ueberrollte das opfer mit dem linken rad der hinterachse, dann seitlich vorwaerts, wobei er erneut vom selben rad ueberrollt wurde. der zu diesem zeitpunkt wohl schon tote carlo lag zu keinem zeitpunkt im direkten sichtfeld des fahrers, der ferner zu protokoll gegeben hat, dass er zwar gemerkt habe, ueber etwas druebergefahren zu sein, allerdings nicht realisiert hatte, dass es sich um einem menschen handelte. was auch gut moeglich ist: die dicke holzbohle und zwei verkehrsschilder, mit denen die demonstranten das fahrzeug zuvor beackert hatten, lagen ebenfalls herum.

und zum darueber nachdenken noch was:

"moerder" ist - jedenfalls nach deutschem recht, in italien wirds aehnlich sein - wer aus mordlust, zur befriedigung des geschlechtstriebs, aus habgier oder sonst aus niedrigen beweggruenden, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefaehrlichen mitteln oder um eine andere straftat zu ermoeglichen oder zu verdecken, einen menschen toetet (nachzulesen im § 211 StGB).

von "mordlust" wird gesprochen, wenn der toetungsvorgang an sich den alleinigen antrieb zur tat bildet. befriedigung des geschlechtstriebs kommt wohl kaum in betracht. habgier wohl auch nicht. sonstige niedrige beweggruende: niedrig sind beweggruende, die nach allgemeiner sittlicher bewertung auf tiefster stufe stehen und deshalb besonders verwerflich, ja veraechtlich sind. heimtueckisch toetet, wer in feindlicher willensrichtung die objektiv gegebene arg- und wehrlosigkeit seines opfers bewusst zur toeung ausnutzt. arglos ist, wer sich keines angriffs von seiten des taeters versieht. wehrlos ist, wer bei beginn des angriffs infolge seiner arglosigkeit in seiner natuerlichen abwehrbereitschaft und -faehigkeit stark eingeschraenkt ist. grausam toetet, wer dem opfer besonders starke schmerzen aus gefuehlloser, unbarmherziger gesinnung zufuegt.

ich spare mir die weitere juristische exkursion, die jetzt in die abgrenzung zwischen mord und totschlag bzw. gefaehrlicher koerperverletzung mit todesfolge ausufern wuerde. aber festzuhalten ist, dass der vorliegende fall nicht mal tatbestandsmaessig ein mord ist. von der frage der rechtswidrigkeit (ggf. notwehr) will ich garnicht reden.

aber das hier muss auch noch raus: eine "hinrichtung" ist nach allgemeiner definition die gezielte, meistens "aufwandsminimierte" toetung eines gefangenen, jedenfalls fluchtunfaehigen, bei der der scharfrichter zu keinem zeitpunkt einer gefahr ausgesetzt ist.

FAZIT: die todesschuesse von genua waren alles andere als ein mord oder eine hinrichtung. moeglicherweise erfuellen sie den tatbestand des totschlags. allerdings ist auch das hoechst zweifelhaft. ich glaube kaum, dass der hilfspolizist, der die schuesse abgegeben hat, von irgendeinem gericht der welt fuer schuldig befunden wuerde, tatbestandsmaessig, rechtswidrig und schuldhaft einen menschen totgeschlagen zu haben. gleichwohl ist unrecht geschehen.

meinem rechtsverstaendnis wuerde es entsprechen, wenn ernsthaft versucht wuerde, der wirklich verantwortlichen dieser tragoedie habhaft zu werden. wer ist das? wer hat es zu verantworten, dass jugendliche hilfspolizisten, die nichtmal ihre ausbildung abgeschlossen haben, mit schusswaffen ausgestattet in solche riots geschickt werden? ist scharfe munition bei riot-polizei ueberhaupt sinnvoll? hat die einsatzleitung vor ort vermeidbare fehler gemacht, als sie die parole ausgegeben hat, die randalierenden gruppen zu verfolgen? haette man sie abziehen lassen sollen, statt zu versuchen, kleiner gruppen habhaft zu werden, um sie zu verhaften?

eine menge harter tobak hier. aber fuer mich steht fest, dass jemand gestorben ist, der nicht haette sterben sollen. ja, und auch dieses: der vielleicht nicht menschen mit schweren gegenstaenden hatte angreifen sollen.

schreibt eure meinung bei yopi!!!

andreas 27.07.2001 - 12:07
ich habe meine meinung zur globalisierung jetzt bei yopi.de reingeschrieben.

ich kann nur jedem empfehlen, seinen senf dort reinzuknallen, um diesen bild-lesern mal kräftig entgegen zutreten.

"globalisierung und ihre gegner" lautet dort das oberthema. könnt ihr ja mal lesen.

 http://www.yopi.de/beitrag.php3?sessionID=0&id=271414&katid=965125

wer war carlo giuliani?

jan 27.07.2001 - 22:12
gibt es irgendwo infos zur person? weiß jemand was über carlo? schließlich ist nicht eine nummer gestötet worden, sondern ein mensch.

:-?

Noch mehr Fakten!

"Der Verfolgte" 29.08.2001 - 17:48
@Andreas:

Man kann alles so auslegen, wie man will.
Hier meine version, auch bestehend aus FAKTEN:
Ich war leider nicht in Genua, dafür aber schon oft genug auf anderen demos, daher kenne ich die anspannung, den stress und die gefahr.
zurück zu Genua:
Es ist klar, dass beide personen, Carlo, sowie der junge Polizist aus dem Polizeiauto sehr gestresst waren und nicht an die folgen ihrer handlungen dachten.
Der typ im lila shirt sah den polizisten mit der waffe und rannte daraufhin vom polizeiauto in richtung beifahrertür weg.
Carlo sah dann infolge nun freier sicht die waffe und bückte sich um den feuerlöscher aufzuheben, welcher zuvor aus dem polizeiwagen flog, vielleicht sogar um die demonstranten damit zu verscheuchen.
Diesen hielt Carlo nun (anscheinend zum schutz) vor sein gesicht.
Ich weiss nicht, wie oft der polizist schoss, aber klar ist, dass er scharf geschossen hat. Hätte er ca. 5 cm tiefer in Carlos gesicht geschossen, so hätte er den feuerlöscher getroffen, welcher in folge des hohen druckes "explodiert" wäre.
Außerdem schoss er, als Carlo sich schon abwenden wollte (es ist möglich, dass er erst jetzt die waffe sah). Dies ist daran zu erkennen, dass die kugel in der seite seines kopfes einschlug, was heisst, dass Carlo sich schon zur seite gewendet hat. und zwar in die richtung, in die auch der typ mit dem lila shirt floh.
Beim nun folgenden zurückfahren des fahrzeugs sah zwar der fahrer durch seine rückspiegel nichts, der junge polizist wusste aber, dass er jmd. getroffen hat, welcher da jetzt noch liegen muss. Vielleicht hat er den am boden liegenden (verblutenden) Carlo sogar noch gesehen, zumal er immernoch im hinteren teil des wagens saß.
Am verwunderlichsten ist jedoch, dass kurz nach dem zurücksetzten über 50 polizisten in der nähe des fahrzeuges eintrafen.
Warum also musste der polizist schießen, wenn doch auch diese so nahe truppe hätte eingreifen können?

Ob es nun mord, totschlag oder was weiss ich war, darüber kann man sich streiten.
Am wahrscheinlichsten jedoch ist vorsätzlicher mord.

"wer hat es zu verantworten, dass jugendliche hilfspolizisten, die nichtmal ihre ausbildung abgeschlossen haben, mit schusswaffen ausgestattet in solche riots geschickt werden?"
Zu diesem satz gebe ich dir völlig recht!

Bitte zeige mir ein foto, auf dem das rücklicht des polizeifahrzeuges leuchtet. Ich habe kein einziges gesehen, noch nicht einmal als Carlo gerade von dem Wagen überfahren wird, wo offensichtlich ist, dass der wagen gerade zurücksetzt. Der Grund: Die rückleuchte war schon eingeschlagen! Du sagtest aber, dass es ständig leuchtete.

Auf einem anderen REUTERS-foto sieht wann dann den toten Carlo mit eimem polizei-shirt. Wer hat ihm das angezogen? Und warum?

Noch etwas:
Warum reden alle nur über Carlo?
Der zensierte Chor der Medien will uns vergessen lassen, dass in Genua noch eine junge frau im krankenhaus in folge ihrer schweren verletzungen starb.
Und was ist mit den ganzen, immernoch gefangenen?!

Fuck Cops

Klemo 29.10.2001 - 13:36
Was in Italien Pasirt ist find ich mega scheise. Die ganzen Radikalen gehören alle in den Knast, ich meine damit natürlich die Bullen.Ich vinde gut das die Leute auf die straße gehen und Banken und andere Luchsus einrichtungen zerstören um so ihren wiederstand zu zeigen. Alerdings finde ich es foll scheise wifiele leute aus dem sogenanten Schwarzen block auf die fresse bekommen haben. Eigendlich wolte ich auch nach genua fahren, konte es mir aber nicht Leisten. Jetzt wo ich die Bilder sehe freue ich mich das ich nicht hingefahren bin und noch gesund bin. Ich möchte mich bei allen Aktifisten bedanckendas sie trotz des riesikos dort hin gefahren sind!