Journalistin vermisst

ak kraak 22.07.2001 23:42 Themen: Repression
Unabhängige Berichterstatterin nach Polizei-Aktion bei IMC vermisst!
Kirsten Wagenschein, eine Mitarbeiterin von Ak Kraak und Junge Welt, wird seit der Rache-Aktion der Genuaer Polizei beim GSF-Centrum vermisst. Augenzeugen berichteten dass sie mit den anderen Gefangenen aus der Grundschule gegenüber des GSF weggebracht wurde.Zur Zeit weiß niemand wo sie sich befindet, die Genuaer Polizei hat eine Nachrichtensperre verhängt. Kirsten hatte eine offizielle Akkredetierung für den Gipfel, sowie einen gültigen Presseausweis.

Die Festnahme von Journalisten und die Zerstörung ihrer Arbeitsmaterialien ist Beweis genug für die unrechtsmäßigen Einsätze der Polizei. Wovor hat die Genuaer Polizei Angst??

Wir fordern die sofortige Freilassung von Kirsten sowie allen anderen in der Nacht Überfallenen!
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Ergänzungen

halt durch kirsten!!!!!!

bernd setzer 23.07.2001 - 03:21
des is ja mal voll die scheiße was da abgeht- freiheit für ALLE politischen gefangenen!!!!!!!(auch die unpolitischen ,klar!?)

Aufruf zur Vernunft Pt 1

Kreuzberg 23.07.2001 - 05:50
Die ganze Diskussion um "gewalttätige" und "gewaltfreie" scheint von den Medien diktiert. Die Aktivisten in diese
beiden Kategorien zu stecken scheint mir unsinnig:
1.) Für einige ist bereits Notwehr Gewalt, für andere nur offensive Aktionen. Für die einen ist Gewalt gegen Sachen
Gewalt, für andere nicht. Die Medien diktieren seit einem Jahr, daß Sitzblockaden und Torten Gewalt sind. Gewalt
von Staatseite wird meist ausgeblendet oder als gerechtfertigt empfunden. (das gilt auch für strukturelle Gewalt, die
oft gar nicht wahrgenommen wird) - Es ist also erst schon mal eine Definitionssache, was Gewalt ist.
2.) Zu den Leuten, die Gewalt ausüben. Auch hier gilt zu unterscheiden: Notwehr, Wut, Vorsatz, mit Vorheriger
Überlegung, Blind oder aus Lust an Gewalt.
Jeder Kampf von unten oder jede Revolte war dadurch gekennzeichnet, daß die Masse weder homogen in ihren
Ansichten, noch gleich in der Wahl der Mittel ist!
- In der DDR (hab ich miterlebt) gab es auch einige sehr frustrierte Menschen, die Polizisten angriffen. Bei den
großen Demos gab es Bürgerrechtler, die "Keine Gewalt" riefen und versuchten, die Leute "ruhig" zu halten. Ich
denke dies war einer der Gründe für die große Sympathie in der Bevölkerung.
- In Indien (Gandhi) war es nicht nur das friedliche, was zum Sieg führte. Hinter Gandhi stand eine große Bewegung,
die auch Gewalt einsetzte. Da sie sehr groß und daher sehr stark war, verlieh sie Gandhi "mehr Gewicht".
- In den 80ern waren es gerade militante Aktionen, die es möglich machte, Kreuzberg nicht in eine große Autobahn
zu verwandeln. Leider zerbrach die Bewegung an Repression und Spaltung (wegen der Gewaltfrage, die von
Provokateuren angeheizt wurden)
- Die RAF und andere militante Gruppen isolierten sich von der Gesellschaft immer mehr und wurden so zu einer Art
"Anti-Werbung" für die Linke
- Im Nahen Osten oder in Irland oder auf dem Balkan gibt es nur Militanz - Friedliche Lösungen werden prinzipiell
von den Parteien abgelehnt. Dies soll keine Anklage sein, da es Ursachen dafür gibt. Doch wird ein Ende des
Konflikts, ein Gewinnen verhindert.
Ich halte es für wichtig zu erkennen, daß eine Spaltung oder Trennung in "Gute" und "Böse" keinen Sinn ergibt. Ich
weiß, daß es einige Aktivisten gibt, die friedliche Methoden prinzipiell ablehnen - die meisten haben ein verklärtes
Revolutionsbild von Arbeitermassen, die mit wehender Roten Fahne in einem Krieg die proletarische Weltrevolution
erkämpfen. Doch daß Veränderung im Kopf anfängt wird nicht realisiert. Das System ist nicht die Polizei und die
Regierung, sondern die Strukturen, wie wir miteinander umgehen. (Ich meine hiermit nicht militante Aktivisten - die
sehr vernünftige Aktionen machen - sondern wirklich die die ich beschrieben habe: die Gewalt als einziges
Mittel anerkennen und menschenverachtend sind - die meisten sind anpolitisierte Kids)
Auf der anderen Extrem-Seite gibt es Menschen, die gerade erkennen, daß einiges nicht ok läuft. Natürlich sind die
erst mal noch etwas Loyal und hoffen auf den Staat. Diese glauben, daß der Schwarze Block an allem Schuld ist und
daß es ein Erfolg wäre mit dem Kanzler zu reden. Ich finde, daß die Haltung vieler "radikalerer" Leute zur Abgrenzung,
Beschimpfung und zum Wegstoßen dieser Menschen ein Fehler ist. Wir müssen uns ja nicht miteinander lieben oder
deren Ideen annehemen und gut finden - Aber Fakt ist: Jeder fängt irgendwo an aufzuwachen. Es ist unsere Chance
genau jetzt, wo immer mehr Menschen mit unseren Idealen sympathisieren (oder Verständnis empfinden) zu
wachsen. Es bringt nichts um der "Reinheit der Lehre willen" (auch Sektierertum genannt) lieber eine kleine
marginalisierte Gruppe zu bleiben. Natürlich gilt es auch den Standpunkt klar zu machen, warum wir dem System
konfrontativ gegenüber stehen - und nicht nur in Szene-Sprache, die niemand versteht. (Ein Freund, der gerade
"aufwacht" sagte zu mir: All die Parolen und Plakate und Aktionen die er immer gesehn hat, haben ihn eher
abgestoßen - die neueren Aktionsformen (die unverkrampfter sind und durchaus militant sein können: tute bianche,
rts, spaßguerilla) haben eine ganz andere Wirkung.
Der größte Teil der aktiven Menschen ist nicht Teil der genannten Extreme, lässt sich aber hier- oder dorthin ziehen.
Oft spielen dabei Mißverständnisse eine Rolle. Bei vielen Streits entdecke ich, daß beide Seiten dasselbe meinen,
aber aufgrund einer anderen Ausdrucksweise denken verschieden klingen. Meine Frage: Denkt Ihr wirklich, mit
gegenseitigen Beleidigungen und Unterstellungen eine gemeinsame Vision zu haben? Gehört zu einer besseren
Welt nicht auch gegenseitiges Verständnis? Ist es nicht klar, daß viele sauer sind, weil nachdem in Genua der
Schwarze Block auf die Ya Bastas stieß eine Tute Bianche-Aktion nicht mehr möglich war? Sicher heizen Bullen in
Zivi die Situation an. Aber mit mehr Disziplin und Verstand und Solidarität hätten sie weitaus weniger Erfolg.
Nebenbei ist mir übrigens aufgefallen, daß sich hier bei Indymedia nicht "friedliche" und "gewalttätige" gestritten
haben, sondern Leute die sich in folgendem Punkt unterscheiden: Gewalt als erstes oder einziges Mittel und Gewalt
als manchmal nötiges, aber letztes Mittel. Ich will hier keine Wertung vornehmen, da ich auf Dogmatismus und ich
kenne die "Reine Lehre" keinen Bock habe.
Ich erinnere mich gerade an dieses Märchen, wo zwei Frauen vor dem Richter stehen und sich um ein Baby streiten.
Der Richter sagt: Na dann teilen wir das Baby in 2 Teile - für jede eines. Darauf hin sagt die eine: Nein, dann soll die
andere das Baby haben. Das war dann für den Richter die wahre Mutter. - - Genau dies lässt sich auf die
Bewegung anwenden: Starrsinn und Beharren auf die "Reine Lehre" und Spaltung/Marginalisierung in Kauf nehmen
oder aber Kompromisse eingehen, aufeinander zugehen, Solidarität und Verständnis zeigen, Kritik zugänglich
sein (nicht reflexartig alles abschmettern), Offen und bereit sein, andere Entwürfe, Ideen zu aktzeptieren. Leider ist
Deutschland DAS Land des Dogmatismus und der Spaltungen (komischerweise sind aber die meisten Aktivisten
genau dagegen). Doch in anderen Ländern ist das nur wenig besser. Wusstet Ihr, daß im spanischen Bürgerkrieg
jede Kommune/Stadt/Dorf das "neue System" auf ihre Art und Weise (pragmatisch) umsetzte und es so einen
"Flickenteppich" verschiedener Ansätze gab? Nicht wie in Russland, wo eine Idee einem ganzen Reich aufgedrückt
wurde - ob passend oder nicht. Ist ja auch klar: wenn nur eine Idee sich durchsetzen darf, hieße daß, daß ich
diktiere, wie die Menschen nach meiner Idee in (zB) Brasilien und China zu leben haben. Was Quatsch ist - soll jeder
selbst entscheiden.

(muss ausgefüllt werden)

(muss ausgefüllt werden) 23.07.2001 - 06:23

Stimmt - die Medien sind auf Spaltung aus. Die fangen jetzt an, Gruppen wie attac geradezu zu umwerben, damit
diese mit den Radikalen brechen sollen. Gerade gemäßigte Gruppen bringen viele Menschen zusammen. Eigentlich
sollten wir denen solche Texte, wie den hier schicken (zb labour.net und so weiter) oder sie allgemein verbreiten. Was denken die anderen? Und wir sollten so ehrlich sein und erkennen, daß der Black Block instrumentalisiert wurde und diese Aktionsform überdacht werden sollte. Vergesst nicht, wir haben es mit einem europäischen Faschismus zu tun

Und was sagen die Diktatoren?

george o. 23.07.2001 - 08:59
Alle Politiker (bis auf die Franzosen) warem vom Polizeieinsatz begeistert. Jetzt soll unbedingt die Polit-kartei her.

Toni Blair meinte am Samstag, er wäre im Gegensatz zu den 200 000 Demonstranten immerhin demokratisch gewählt
worden
Und das beste kommt noch: In Frankfurter Rundschau wurden Worte des Sozialfaschisten Schröder
wiedergegeben... Auszug aus dem FR-Text:
" "Schreiben Sie das mal!" fordert Schröder eine Journalistin auf. "Und haben Sie geschrieben, daß wir eine prima
Rentenreform gemacht haben?"
Auch auf die Frage, ob die Demonstranten vielleicht gekommen sind, weil sie das Gefühl haben, dass Globalisierung
ihre Lebensweise und ihre Grundwerte in Frage stellt, reagierte der Kanzler unwirsch. "Reden Sie doch nicht so
einen Unsinn", poltert Schröder"
Bei Yahoo habe ich gelesen, daß irgendein franz. Minister meinte, es könnte ein weltweiter "Mai 68" auf
uns zukommen. (Zur Erinnerumg: Der Pariser Mai war eine Fast-Revolution. Millionen auf der Straße - aus dem
Studentenaufstand ist eine Volksbewegung geworden. Die Polizei lässt sich nicht mehr blicken - Panzer rollen auf
Paris zu.... Naja leider sind dann doch die Leute wieder umgekippt)

telepolis

el don 23.07.2001 - 12:36
ganz interessant:
 http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/on/9144/1.html
jetzt fragen auch andere medien mal nach was wirklich los ist.

Lektüre zu Pt1 und Pt2

Symbol 23.07.2001 - 13:41
Literaturtip für eine offene, sich befreiende Haltung:
Christoph Spehr, "Die Aliens sind unter uns - Herrschaft und Befreiung im demokratischen Zeitalter".
Vor dem formbaren Hintergrund einer fiktiven(?) Alieninvasion auf der Erde beleuchtet er die Strukturen von Herrschaft in unserer Zeit und (!) Wege hinaus.
Zu empfehlen auch der Essay "Gleicher als andere" von ihm, mit dem er 2000 den Preis der Rosa-Luxemburg-Stiftung bekam.
Mal wieder lachen beim Lesen politischer Literatur? Fesselnd und höchst motivierend! Ein echter Tip!
Irgendwo gibt's dazu auch ein Open-Theory-Projekt, wo jede mitmachen kann, die Lust hat (und Netzanschluß!).

salomonisches Urteil

salomo 23.07.2001 - 16:34
@Kreuzberg
Schöner Beitrag.Du gehst aber davon aus, daß alle Menschen Zugang zu ihrem Vernunftdenken haben.Ich weiß nicht, ob das der Fall ist.
Außerdem möchte ich daraufhinweisen, daß der Richter der "König Salomo"(etwa 965-926 v. Chr.-laut Brockhaus) war.
Solidarische Grüße
Der Kampf für eine bessere Welt geht weiter-mag er auch noch so aussichtslos sein, sie verändert sich jeden Moment, und wir bestimmen die Richtung?!

Buenaventura 24.07.2001 - 16:22
toller Beitrag Kreuzberg! vielleicht als Artikel statt als Komment bringen?

Danke

dan 24.07.2001 - 17:29
Danke für Eure Kommentare!
Ich bin seit zwei Tagen aus Genua zurück und kann noch keinen klaren Gedanken fassen.
Das was hier über die "Gewalt-Frage" geschrieben wurde spiegelt meine Hoffnung von einer gemeinsamen Richtung wider.
Die äusserst aggressive Staatsgewalt, seit ich auf dem Weg nach Genua war, liegt mir noch schwer auf den Knochen und in meinen Gedanken.
Danke für Eure Kommentare...
dan

Gretchenfrage

Chekov 24.07.2001 - 20:35
Tja, die Gewaltfrage ... muß denn das Rad immer wieder neu efunden werden? Also laß ich mal kluge Leute von früher sprechen:
Karl Marx:
"Die Kommunisten haben die Gewalt nicht erfunden, sie haben sie vorgefunden."
George Orwell:
"Wer das Schwert erhebt, wird durch das Schwert umkommen, steht in der Bibel. Wer das Schwert nicht erhebt, kommt aber wahrscheinlich durch stinkende Krankheiten um."
Erich Fried:
"Die Gewalt kann man nicht mit Gewalt besiegen. Aber vielleicht auch nicht ohne Gewalt."
Was ich sagen wollte: Trauert um den Toten, denkt an die Verletzten und Verhafteten, laßt Euch nicht beirren oder spalten - und produziert nicht falschen Heroismus und hohles Märtyrertum, bitte, das ist unwürdig.

was is den nu mit kirsten?

steffs kumpel 26.07.2001 - 01:00
weiss denn jemand was, kann das wiederauftauchen v. kirsten auch mitgeteilt werden, nicht nur ihr verschwinden?
liebe und solidarische grüsse an alle. ihr seid klasse.

kirsten istwieder frei

26.07.2001 - 16:34