Kommentar

Anonym 22.07.2001 19:42 Themen: Globalisierung
Uebersetzung aus dem Englischen

Kommentar von Aktivisten des Schwarzen Blocks, Juli 21. 2001, Wir sprechen für einen Teil des schwarzen Blockes.

Wir sind mit der Absicht nach Genua gekommen, in die rote Sperrzone einzudringen, um den G8 Gipfel zu stoppen. Gestern ging die Polizei brutal gegen die Protestierenden vor. Sie wurden zusammengeschlagen, mit Tränengas und scharfer Munition angegriffen, nach Festnahme in der Haft gequält und es gab den Mord an einen Aktivisten.
Kommentar von Aktivisten des Schwarzen Blocks, Juli 21. 2001, Wir sprechen für einen Teil des schwarzen Blockes.

Wir sind mit der Absicht nach Genua gekommen, in die rote Sperrzone einzudringen, um den G8 Gipfel zu stoppen. Gestern ging die Polizei brutal gegen die Protestierenden vor. Sie wurden zusammengeschlagen, mit Tränengas und scharfer Munition angegriffen, nach Festnahme in der Haft gequält und es gab den Mord an einen Aktivisten.

Die Öffentlichkeit macht den Schwarzen Block als Hauptverantwortlichen für die Gewalt aus. Tag für Tag, produziert die kapitalistische Weltordnung Gewalttätigkeit vom unterschiedlichen Charakter. Armut, Hunger, Kriege, Polizeigewalt, Umweltvergiftung usw. bedeuten den Tod von Millionen Menschen. Hier wollen wir ansetzen.

Eingeschmissene Fenster von Banken und von multinationalen Konzernen sind symbolische Taten ,die von der Medienberichterstattung dankbar aufgegriffen werden (eigene Anmerkung) Selbstverständlich sind wir nicht mit der Zerstörung und dem Plündern der kleinen Läden und Autos einverstanden. Dieses ist nicht unsere Politik. Jedoch lassen wir uns auch nicht spalten. Widerstand zu teilen ist die übliche Art und Weise unseren Widerstand zu schwächen. Wir schätzen und zählen solidarische Kritik. Wir sind bestürzt und traurig über den Mord an Carlo Giuliane. Lasst uns unsere Trauer und Wut in Widerstand umwandeln.

If windows rattle then you cry, but you are silent when people die. History does never end. Viva la revolucion!
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Ergänzungen

wie recht ihr habt

polithooligan 22.07.2001 - 20:53
wie recht ihr habt! es gibt nur ein leben in der revolte!A.C.A.B

gegen spaltung

die daheimgebliebenen 22.07.2001 - 23:03
solidarische grüsse an euch - lasst euch nicht fertig machen von denen, die auf die spaltungsstrategie des staates abfahren - unser widerstand darf sich nicht an den grenzen der gesetze von unterdrückerstaaten spalten (das gefasel von gewaltlosigkeit ist scheinheilig!) -
wie immer gilt "ob friedlich oder militant - wichtig ist der widerstand" oder "es geht nicht um den unterschied zwischen gewalt und gewaltlosigkeit, sondern um neigung zur machtausübung und abneigung dagegen"

feuer und flamme für jeden staat!!

Das stimmt

DB 22.07.2001 - 23:26
Wenn die Gewalt die grossen Konzerne betrifft, teile ich die Meinung. Es darf aber keine kleinen treffen, da diese nichts dafür können und vermutlich ja auch unter den kapitalistischen System (Globalisierung) leiden.

Weiter so... DB

Kritik

calvin 23.07.2001 - 12:02
Ihr schreibt zwar, dass ihr gegen die Zerstörung kleiner Läden und das demolieren von Autos seit aber geschehen ist es trotzdem;ob in Göteburg oder jetzt in Genua. Und dafür kann mensch bestimmt nicht nur Polizeiprovokateure verantwortlich machen - das wäre zu einfach.
Auch scheint es mir, dass ihr wenig oder gar keine Rücksicht auf die Demonstranten nehmt die friedlich bleiben wollen.
Ich bin nun wirklich kein reiner Pazifist, aber ist es wirklich immer nötig Gewalt in dieser Form anzuwenden. Einige sollten sich darüber im klaren sein, dass Militanz nicht gleich Gewalt heissen muß!

geschichte

robbespierre 23.07.2001 - 16:38
Was wir in Genua, Göteburg, Seattle und noch vielen anderen Städten gesehen haben, ist nicht nur ein besonderes geschichtliches Ereignis! Es ist der Anfang "des" geschichtlichen Ereignisses. Hier gehen nicht nur ideologisch Gesinnte auf die Strasse, sondern eine ganze Klasse der bürgerlichen Gesellschaft. Das sich ihre Gewalt gegen Gipfel, Politiker oder den Staat richtet, zeigt nur den Grad an Unreife der Arbeiterklasse. Aber Sie entwickelt sich mehr und mehr. Wird stärker und organisierter. Mit jeder weiteren Demonstration, ob friedlich oder militant, entwickelt sich das Bewußtsein der Menschen zur historischen Wahrheit des Kampfes Arbeit gegen Kapital! In diesem historischen Kampf ist das Kapital die konservative Partei, die Arbeiterklasse die destruktive Partei. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Kampf nur dadurch entschieden werden kann, indem es zwischen beiden Klassen heißt heißt Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Aller Kampf beginnt mit Demonstrationen, und die Arbeiter merken, dass diese Demonstrationen nicht ausreichen um eine wirkliche Veränderung herbeizuführen. Das, was wir aus Genua zu lernen haben, sind zwei wesentliche Dinge:
1. Die Notwendigkeit einer globalen Veränderung aller bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse ist anerkannt, und offen ausgesprochen worden,
2. Diese Veränderung kann keine partielle, keine teilweise Veränderung sein. Sie sieht sich gezwungen eine vollständige, eine revolutionäre Veränderung zu sein. Denn das Elend der Menschheit ist nur der äußere Ausdruck der inneren ökonomischen Fehlerhaftigkeit der kapitalistischen Produktionsweise.
Und dieser Fehler wird sich noch weiter verstärken, und uns die notwendigen Waffen schmieden, mit denen wir gemeinsam -als globale Arbeiterklasse- eine neue Ära der Menschheitsgeschichte einläuten werden.
Mögen die herrschenden Klassen der bürgerlichen Gesellschaft vor der proletarischen Revolution erzittern, die Arbeiter haben in ihr nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.
Proletarier aller Länder, vereinigt euch!

meine lieblingsfarbe ist nicht rot...

wohlstandskind 24.07.2001 - 01:50
...aber ich will trotzdem das alle menschen gleich sind.
arbeiterklasse, wenn ich das schon höre! ich bin schülerin, bin vielleicht mal arbeitslos, vielleicht verdien ich auch mal ganz gut (bin ich dann ein schlechter mensch?)
was sollen diese ganzen schlagwörter immer?proletariat? ich bin keine proletarierin, ich bin ein mensch-MENSCHEN ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH!
was die spaltung in "militante" und friedliche demonstranten angeht:das was da abgelaufen ist und immer noch abläuft ist m.E. sehr gefährlich für die protestbewegung. wichtig ist jetzt ein dialog und keine gegenseitigen verurteilungen. für mich gibt es keine bösen und guten demonstranten.ich denke, die ziele waren die gleichen, über die mittel der einzelnen sollte man wohl in zukunft besser im vorfeld reden, damit während der demo nicht solche feindseligkeiten und ausgrenzungen innerhalb der bewegung entstehen.hunderttausendmenschen werden ich nie ganz einig sein, aber sie sollten sich gegenseitig respektieren und voneinander lernen-das ist gemeinschaft, und wir werden es nur gemeinsam schaffen....

lernen!

robbespierre 24.07.2001 - 09:40
Das Wohlstandskind möchte, dass alle Menschen gleich sind?! Aber worin unterscheiden wir uns dann von den Faschisten und den Stalinisten? Sicher sprach Sie über die gerechte Verteilung zwischen Rechten und Pflichten innerhalb der Gesellschaft, sowie über eine gerechte Verteilung des Produkts der Arbeit an alle Menschen! Doch dieser Wunsch setzt das Vorhandensein einer inhärenten Ungerechtigkeit bezüglich dieser Dinge in der bestehenden Welt voraus! Was bedeutet, dass ein Teil dieser Gesellschaft sich im Eigentumsrecht, ein anderer Teil der Gesellschaft sich nicht im Eigentumsrecht befindet. Aber dieser Unterschied ist nichts anderes, als der Unterschied zwischen Kapital und Arbeit! Du hast vergessen, dass hier niemand über "gute" oder "schlechte" Menschen redet! Was den Proletarier zu dem macht was er ist, liegt nicht in der Bezeichnung, sondern in seiner besonderen gesellschaftlichen Stellung als Recht-, Macht- und Besitzloser. Träfe dies nicht zu, würde so etwas wie in Genua wohl nicht passieren. Aber zu verstehen, wie die inneren Gesetze der bürg. Ökonomie dazu führen, dass der Unterschied auf ein immer höheres Niveau gesetzt wird, darin liegt Deine Aufgabe als Schülerin -und das heißt lernen, lernen und nochmals lernen! Wenn Du später mal gut verdienst, dann bist Du ebensowenig ein "schlechter" Mensch wie der Großunternehmer, den die globale Konkurrenz dazu zwingt seine Produkte billiger zu produzieren, also Menschen in die Arbeitslosigkeit entläßt oder das Lohnniveau verringert. Wer Lust hat darüber zu diskutieren, der melde sich unter:  fulcrum.mikojan@gmx.de

Agitation ist dran!

Buenaventura 24.07.2001 - 13:35
ich gebe Wohlstandskind recht, gehe aber davon aus, dass sie Kritik und Diskussion auch für Lebensnotwendig. meiner Meinung nach, ist es an der Zeit, dass sich Gruppen bilden die sich bemühen, linke Inhalte für die "normalos"(dummes Wort, ich weiss) zu übersetzen, und in ihrem Kontext abzuholen. dabei sollten zum Beispiel Schlagwörter wie Proletariat und Revolution vermieden und umschrieben werden, um nicht gleich alle Rolläden runterklappern zu sehn.

Agitation? keineswegs!

robbespierre 24.07.2001 - 14:32
Wer über "linke Inhalte" redet, zeigt damit nur sein Unverständnis für die politische Ökonomie. Geschichte wird nicht von linken oder rechten Inhalten geschrieben, sondern von Menschen die unter ganz bestimmten ökonomischen Vorraussetzungen leben und arbeiten. Es geht hier eben nicht um irgendwelche ideologisch bestimmten "Inhalte", ganz egal welchen Namen sie tragen, sondern darum mit einer wissentschaftlichen Methode die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Evolutionen aufzuzeigen. Aber dafür braucht man Kenntnis der Ökonomischen Zusammenhänge einer Gesellschaft. Wenn wir vor 200 Jahren die Geburt und die Entwicklung der büprgerlichen Gesellschaft gesehen haben, die sich in demselben Verhältnis zum Feudalismus befand wie wir uns heute zur Marktwirtschaft befinden, und heute den Anfang eines Auflösungsprozesses dieser Gesellschaft miterleben, so wurzelt diese Tatsache in den von jeder menschlicher Willkür unabhängigen ökonomischen Verhältnissen. Daher die Idiotie einiger "Globalisierungsgegner", man könne den Prozess der Globalisierung rückgängig machen, und die Menschheit in der Zeit zurückversetzen. Aber die Globalisierung ist nicht unser Gegner, sondern die kapitalistische Form der Globalisierung. Diese ist aufgrund ihrer eigenen Gesetze aber unfähig weiterhin die Probleme unserer Welt zu lösen -denn sie ist die Ursache aller Probleme! So, wie sie die Ursache aller Probleme darstellt, erzeugt sie aber zugleich auch die Lösung der Probleme -durch ihren historischen Untergang!

an robespierre

Buenaventura 24.07.2001 - 16:15
du hast schon recht. der Begriff "linke Inhalte" ist schon nicht so toll. was ich damit meine, sind eben ökonomische Zusammenhänge, die du gerade recht gut beschrieben hast. schreib das doch mal für "normalmenschen", ohne sie vor den Kopf zu stossen. ich höre ja auch niemandem zu, der mich für einen Idioten hält.

an buenaventura

robbespierre 24.07.2001 - 20:36
Wer Strassenschlachten schlagen will, der darf die Schlacht auf dem Papier nicht scheuen! Etwas weniger Zimperlichkeit! Auch mit Wörtern wird Krieg geführt. Auch hier muß man lernen etwas wegzustecken! Wichtig ist allein die inhaltliche Herausforderung, sowie das Resultat in der Form der Erkenntnis der objektiven Realität. Daher auch die Wichtigkeit der täglichen proletarischen Agitation, Propaganda und Diskussion als geistige Reflexion der Wirklichkeit. Hier allein liegt unser Schutz vor der Propaganda und der heuchlerischen und verlogenen Agitation der reaktionären Bourgeoisie! Die große Kunst besteht nicht darin eine Überzeugung zu haben, sondern darin, diese wissenschaftlich exakt zu fundieren. Es ist die Aufgabe von Studenten und anderen Intellektuellen, die theoretische Führerschaft im praktischen Kampf der Arbeiterklasse (dieser Begriff selbst muß auch noch erläutert werden!) zu übernehmen. Es ist ihnen "vorherbestimmt" zur Avantgarde des Proletariats zu werden.

Buenaventura 26.07.2001 - 14:21
vielen Dank für deine Belehrungen. der Punkt ist, dass ein bestimmter Stil eine Diskussion fruchtbar macht. Menschen müssen schon offen sein um zu verstehen. du musst auch erst die Realität des anderen verstehen, bevor du ihm deine beschreiben kannst. wenn das so einfach ist, hier wissenschaftliche Diskussionen zu führen, bei denen die Rechnung dann aufgeht, wie in der Mathematik, dann mach doch mal. du hast sicher schon massig Leute überzeugt. deine Gedanken von der studentischen Avantgarde sind elitär und arrogant-da gibt es so viele Argumente dagegen, dass es mir zu blöd ist, die alle aufzuzählen. selbst wenn es denn so wäre, müsstest du die Arbeiterklasse(der Begriff muss WIRKLICH neu definiert werden) auch erst überzeugen.
für eine Welt ohne Herrschaftsstrukturen!

Keine Angst verehrte bürgerliche Ökonomen...

robbespierre 26.07.2001 - 15:17
...ganz sicher wollte euch der freche Buenaventura nur einen bösen Schreck einjagen, als er euch sozusagen dumme hegelsche Phrasen an den Kopf warf, und euch euren heißgeliebten homo oeconomicus quasi aus dem Schoße trieb! Folgt man seiner Argumentation, so befindet man sich glatt im Jahre 1824 wieder, und Hegel metaphysiert und spekuliert darüber, wie die Idee die Welt erschuf. Die Metaphysik und die Spekulationen sind überhaupt der Platz an dem sich Buenaventura am liebsten herumtummelt. Heißen wir Ihn gemeinsam im 21. Jahrhundert mit den Worten willkommen: Das menschliche Bewußtsein kann nie irgendetwas anderes sein, als das menschliche bewußte Sein. Und das bewußte Sein, ist ihr täglicher Lebensprozeß. Gleich den utopischen Sozialisten, spricht Buenaventura vom Kommunismus als einer Art Menschheitsbeglückungsidee, die nur noch in die Welt eingeführt werden muß, indem die Menschen nur ordentlich überzeugt werden. Arbeiter, hütet euch vor ihren Lügen! Sie sind wie die katholischen Priester, die glauben die "ewige" Gerechtigkeit dadurch zu erreichen, indem sie von deren himmlischer Vorstellung quasi beseelt sind. Aber so lange die Menschen Ihre Gerechtigkeit im Himmel suchen, können sie sie nicht auf Erden finden. Oder wie die modernen bürgerlichen Volkswirtschaftler, die den Menschen vorgaukeln man könne den Wohlstand für alle erreichen, indem man die Gesetze des Marktes nur ungestört wirken läßt, und immer dann, wenn diese Gesetze mal wieder ihren wahren destruktiven Charakter zeigen, sie mit staatlichen Eingriffen in das Wirtschaftsleben, doch alle wissenschaftlich nur möglichen Massnahmen ergreifen um das Elend von den Menschen abzuwenden. Und zu guter letzt die "hochbegabten" Globalisierungsgegner, die glauben man könne die Menschen vor den destruktiven Ergebnissen des Freihandels bewahren, indem man ihm ein menschliches Antlitz verleiht. Aber worin unterscheiden sich alle diese Weltbefreier dann von den alten SED-Schergen, die die selbe gute Absicht hatten? Sie alle wollten ein Verbesserungsideal verwirklichen, doch sie vergaßen, dass dieses Verbesserungsideal, welches sie in die Welt einführen wollten, selber nichts anderes war als der Reflex der bestehenden Welt nur in ihren Köpfen, und dass es in Folge dessen völlig unmöglich ist die Gesellschaft auf einer Basis revolutionieren zu wollen, die selber nur der verschönerte Schatten dieser Gesellschaft ist. Doch je mehr dieser Schatten Gestalt annahm, mußte man feststellen, dass diese Gestalt, weit davon entfernt ihre erträumte Verklärung zu sein, just nichts anderes als die Gestalt der bestehenden Gesellschaft war. Tut mir wirklich Leid Buenaventura, aber in der Liga spielst Du noch nicht. Das muß ja nicht so bleiben!! Trotzdem danke für die Herausforderung! Nur so kommt man wirklich voran. Es geht hier um nichts persönliches!

Buenaventura 27.07.2001 - 13:24
oh Mann, du bist ja kluuug! danke, dass du dich auf meine Ebene herabgelassen hast, UND nicht persönlich geworden bist. deine Argumente sind echt entwaffnend.

aufgegeben?

robbespierre 30.07.2001 - 12:04
Wenn du dich im Schlagabtausch mit den konservativen Parteien der bürgerlichen Gesellschaft befindest, gegen die sich deine Überzeugung von irgendwelchen "linken Inhalten" (welche das auch immer sein mögen??) ja augenscheinlich richtet, gehst du dann auch so schnell in die Knie? Du mußt nicht glauben, dass die es dir leichter machen! Eigentlich wollte ich dir schon Respekt zollen, für die Hartnäckigkeit, mit der du deine Ansichten vertrittst, denn daran erkennt man wirkliches Interesse an der Sache der Arbeiterklasse, auch wenn diese Überzeugungen nicht immer voll ausgereift sind! Das sind sie auch bei mir noch lange nicht. Du mußt nicht glauben, dass ich mir das alles aus dem Ärmel ziehe! Dahinter stehen viele Jahre harter Privatstudien! Du mußt mir schon ein wenig Kenntnis der politischen Ökonomie zugestehen! Oder aber, du zeigst wenigstens in nur einem einzigen Kommentar etwas ökonomischen Inhalt. Und genau darauf kommt es an!!! Hör auf über den Zynismus zu jammern, den ich dir an den Kopf werfe. Denn dieser Zynismus liegt in der Natur der bürgerlichen Gesellschaft (zu der auch du gehörst!), und nicht in dem, wie ich ihn ausdrücke! In der "Sache" sind wir Kameraden, und da heißt es voneinander zu lernen! Die Auseinandersetzungen werden noch viel schlimmer werden. Ihr Möchte-gern-Revoluzzer wollt immer das die Bewegung nicht gespalten wird. Dabei versteht ihr nicht einmal worin diese Spaltung begründet liegt. Also fass dir ein Herz, und kämpfe!

Buenaventura 30.07.2001 - 22:04
du bringst mich schon zum Lachen. ich war weg und konnte nicht überlegt antworten. spontan fand ich schon, dass du ein richtig arroganter und verirrter Arsch bist, naja jez glaub ich, du bist ein recht lustiger Kerl. ok. grundsätzlich bemühe ich mich, meinen Stil möglichst luzid zu halten, jedenfalls unter Freunden und Genossen die beste Weise eine Entwicklung in einem Gespräch zu bekommen. ich hatte eigentlich auch gar nicht vor auf diese Weise mit irgendwelchen bürgerlichen Wichsern zu diskutieren, das kann und will ich gar nicht.deswegen fällt es mir auch sehr schwer, auf deine Polemik zu antworten. ich hatte ja schon Probleme deine Sätze zu entschlüsseln. inhaltlich hat mich dann aber nicht viel von dir vom Hocker gehauen.
natürlich muss es den Menschen erst schlecht gehen, bevor sie was ändern wollen. nur muss man hier Überzeugungsarbeit leisten, sonst rennen sie eher zu den Faschos als zu uns. ich weiss nicht was du sonst von mir wissen willst. ein ökonomisches Konzept ist schwierig. die Kritik ist klar! Marktwirtschaft ist unbeständig, führt zur Ausbeutung und ist ein Selbstläufer. echte Demokratie muss her, und kein Putsch von einem Haufen Intellektuellen und ihrer Privatarmee. ich könnte natürlich jetzt mein gesamtes Konzept hier beschreiben. aber eigentlich bist du ja hier der Spitzenintellektuelle, und ganst dich wunderbar ausdrücken. dann bemühe dich mal deine Inhalte nicht hinter der Form zu verstecken. also Küsschen Robbes

Onslaught!

robbespierre 31.07.2001 - 17:57
"Die Marktwirtschaft ist unbeständig!" Aber nicht unbeständiger als Sklaverei und Feudalismus! Sie "führt" nicht zur "Ausbeutung", sie ist Ausbeutung! Auch in Zeiten allgemeiner Prosperität. Was ist "echte" Demokratie? Gibt es auch unechte? Es gibt z. B. die bürgerliche Form von Demokratieà das Mehrparteiensystem. Dieses haben wir bis zur Perfektion entwickelt, trotzdem erkennen wir, dass diese Form von Demokratie die politische Manifestation der Rechte der herrschenden Klasse der bürgerlichen Gesellschaft ist. Aber nur deshalb, weil sie die politische Macht inne hat! Wie errang sie diese Macht? Indem sie das feudale monopole Grundeigentum in das moderne geteilte Grundeigentum überführte. Indem sie die mittelalterlichen Korporationen in der modernen Konkurrenz auflöste. Indem sie an die Stelle des Leibeigentums das bürgerliche Privateigentum setzte. Indem sie aus den Leibeigenen Lohnarbeiter machte. Die bürgerlichen ökonomischen Verhältnisse existierten aber im Keim, bevor die bürgerliche Gesellschaft 1789 mit dem Sturm auf die Bastille die politische Macht errang. Namentlich seit dem 12. und 13. Jahrhundert! Unsere heutige Lebensweise also eine 500 jährige Entwicklung nahm, bevor die materielle Basis reif für eine endgültige Umgestaltung aller Lebens-, Arbeits- und Produktionsverhältnisse, und zwar unter die Herrschaft der bürgerlichen Klasse, war. Am Tag ihres Sieges, erschien diese Umgestaltung aber nicht als das idealisierte Reich der Bourgeoisie, sondern als die Befreiung der Menschheit an sich. Letztlich hat sie nur an die Stelle einer alten Klassengesellschaft eine neue gesetzt, nur unter den ökonomischen Gesetzen des Privateigentums. Aber niemand kam auf die "Idee" einen Kapitalismus "einzuführen". Genau das ist aber der Anspruch der Sozialisten in Bezug auf "ihren" Sozialismus! Würdest du mich verstehen, wenn ich dir sage, dass der Sozialismus schon heute im Keim existiert? Die Frage ist, wann ist die materielle Basis bereit für die politische Macht der Arbeiterklasse. Genua zum Beispiel, ist nur der Beweis für die Existenz eines Reifeprozesses, nicht aber für das Erreichen eines besonderen Reifegrades! Es ist eine mühselige Aufgabe, aus den ökonomischen Gesetzen der bürgerlichen Gesellschaft die Notwendigkeit ihres Untergangs und den unvermeidlichen Sieg der Arbeiterklasse zu entwickeln. Aber es ist möglich dies zu tun. Und noch mehr! Es ist möglich zu erklären, warum die Arbeiterklasse nicht in der Lage ist eine alte Klassengesellschaft durch eine neue zu ersetzen. Sie wird vielmehr die Klassengegensätze an sich aufheben! Nicht, weil dies ihre "Idee" ist, sondern weil sie durch ihre ökonomischen Natur dazu gezwungen wird! Du siehst: Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Wir reden von den Arbeitern, wie von einer Herde Zirkuspferde, die immer, wenn der Dresseur Hopp sagt, zu springen bereit ist, und dafür ein Stück Zucker bekommt. Die Arbeit unserer sogenannten Sozialisten besteht nun darin, aus einem Stück Zucker, zwei oder drei zu machen! Worum es aber wirklich geht, das ist die Macht über den Zucker an sich!

Buenaventura 01.08.2001 - 18:49
sehr interessante Historie. deine Schlüsse daraus klingen interessant, sind aber sehr vage. ich hab nicht die Bücher gelesen, die du gelesen hast. wie denkst du denn soll das aussehen, eine Entwicklung zu einer befreiten Welt? Klassengegensätze aufheben klingt sehr gut, den unabwendbaren Untergang des Kapitalismus finde ich auch logisch. du hast wohl auch Recht, dass sowas nicht allein aus einer Idee entstehen kann, diese ökonomischen Mechanismen müssen aber durchsichtig gemacht werden, für die Zeiten in denen die Zeit reif geworden ist- wenn die Verhältnisse nicht mehr erträglich sind. sonst geht das alles nach hinten los. naja, dass das alles von ganz allein kommen soll(meinst du das so?, nur ökonomische Zwänge, ohne unser Zutun?), das glaube ich nicht. das andere Problem ist auch, dass wir in den westlichen Ländern, die Bourgeoisie, die armen Länder das Proletariat der Welt sind. der Westen ist militärisch viel stärker, von dem her seh ich da auch keine Möglichkeiten. alles sehr interessant, du musst aber wohl noch konkreter werden.

erste Erklärungen!

robbespierre 02.08.2001 - 12:49
Was ist Kommunismus? Kommunismus ist die "Lehre" von der Befreiung der Arbeiterklasse! Was beinhaltet diese Lehre? Die wissenschaftliche Erklärung der gesellschaftlichen Evolutionen und der menschlichen Wesensnatur, der politischen Ökonomie und ihrer gesellschaftlichen Verhältnisse, Materialismus und Ideologie, usw. usf.! Es gibt keine Ökonomie, die dich "vom Hocker haut", aber es gibt die politische Ökonomie, die alles negiert, was du affirmirst, die alles affirmiert, was du negierst. Mit einem Wort: sie stellt deine bürgerliche Ideologie in Frage! Diese bürgerliche Ideologie geht vom menschlichen Wesen, seiner Seele, seinem Bewusstsein, als einem abstrakten Ding aus, das zu unserer Welt gehört, wie z.B. ein Stuhl, ein Haus oder ein Baum zu dieser Welt gehört, aber unabhängig von dieser Welt ist. Die Geschichte erscheint uns daher äußerlich als die Abfolge von "Ideen". Du stellst daher sehr richtig die Frage, wie es sein kann, dass der Kommunismus verwirklicht wird, ohne das Zutun von Menschen! Aber aus dem selben Grund, erkennen wir im Wesen des Christentums, nur in seinem theoretischen Verhalten, die wahrhaftige Menschlichkeit, während die Praxis immer nur unter ihrer "schmutzig jüdischen" Erscheinungsform gefasst und fixiert wird. Aber die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. Denn in der Praxis muss der Mensch die Macht und die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Die Frage nach Sein oder Nichtsein des menschlichen Denkens, das von der Praxis isoliert betrachtet wird, ist eine rein scholastische Frage. Unsere heutige Lehre von der Erziehung der Menschen und der Veränderung der Umstände vergisst, dass die Umstände von den Menschen verändert werden, und das die Erzieher selbst erzogen werden müssen. Wir sind daher gezwungen die Gesellschaft in 2 Teile zu sondieren, von denen der eine über den anderen erhaben ist! ERGO: natürlich ist die gesellschaftliche Veränderung bedingt durch das Zutun der Menschen, aber bevor dieses Zutun zu einem revolutionären Zutun wird, müssen alle gesellschaftlichen Verhältnisse, wie sie der Kapitalismus täglich schafft, bereit dafür sein. Das bedeutet, dass die Geschichte (mit uns Menschen) auch dann ihren Gang geht, wenn es die kommunistische Lehre nicht gäbe. ABER: es musste zu dieser Lehre kommen, da sie in den bestehenden bürgerlichen Verhältnissen begründet liegt! Sie ist ein Produkt der Geschichte, weil sie von Menschen erarbeitet wurde, die selbst das Produkt der bürgerlichen Verhältnisse sind. Francis Wheen schrieb eine Biographie über Karl Marx, in der er feststellt, dass in den Industriestaaten viele Menschen zu Wohlstand gekommen sind. Seine Schlussfolgerung: "...wir sind alle zu Bourgeois geworden...". Hier zeigt sich, wie wenig sich der Biograph in sein Objekt hinein gedacht hat! Klassengegensätze drücken sich nicht zwingend in Wohlstand und Elend aus, sondern immer darin, wer die Macht über (heißt im Eigentum ist) die Produktionsmittel hat, und wer von dieser Macht ausgeschlossen ist. In der Tat führt die bürgerliche Gesellschaft den schlimmsten Kampf noch immer gegen sich selbst. Z.B. Einzelhändler, Personengesellschaften, Einzelunternehmen, Selbständige, also "kleine Kapitalisten", die in der Konkurrenz der Globalisierung keine Zukunft haben werden, kämpfen viel mehr gegen das Großkapital als die Arbeiter. Das Resultat: ihre Enteignung vom Produktionsmittel, und das "Herabstoßen" in die Klasse der Arbeiter! Unsere Schlussfolgerung: wir sind alle zu Proletariern geworden! Jetzt müsste ich ökonomisch deduzieren, wie diese Entwicklung den Widerspruch zwischen der ständigen Vermehrung des materiellen Reichtums der Gesellschaft und der ständigen relativen Verringerung der Kaufkraft der Konsumenten, notwendig zu immer häufigeren und schlimmeren ökonomischen Krisen führt. Wie sich der relative Wohlstand der Vergangenheit in einen immer heftiger werdenden Überlebenskampf in der Zukunft entwickelt. Ist der Zirkulationsprozess des Kapitals endgültig zusammengebrochen, dann steht die Menschheit vor der Entscheidung, entweder in tiefster Barbarei zu versinken, oder aber das Privateigentum zu enteignen, und es in gemeinschaftliches Eigentum zu überführen, und damit das Fundament des Kommunismus zu schaffen!

fuck lenin 02.08.2001 - 14:19
ich bin aber kein arbeiter. will ich gar nicht sein. die arbeiter haben 33 hitler gewählt....

weiter gehts!

robbespierre 02.08.2001 - 16:47
Was ist Kommunismus? Kommunismus ist die "Lehre" von der Befreiung der Arbeiterklasse! Was beinhaltet diese Lehre? Die wissenschaftliche Erklärung der gesellschaftlichen Evolutionen und der menschlichen Wesensnatur, der politischen Ökonomie und ihrer gesellschaftlichen Verhältnisse, Materialismus und Ideologie, usw. usf.! Es gibt keine Ökonomie, die dich "vom Hocker haut", aber es gibt die politische Ökonomie, die alles negiert, was du affirmirst, die alles affirmiert, was du negierst. Mit einem Wort: sie stellt deine bürgerliche Ideologie in Frage! Diese bürgerliche Ideologie geht vom menschlichen Wesen, seiner Seele, seinem Bewusstsein, als einem abstrakten Ding aus, das zu unserer Welt gehört, wie z.B. ein Stuhl, ein Haus oder ein Baum zu dieser Welt gehört, aber unabhängig von dieser Welt ist. Die Geschichte erscheint uns daher äußerlich als die Abfolge von "Ideen". Du stellst daher sehr richtig die Frage, wie es sein kann, dass der Kommunismus verwirklicht wird, ohne das Zutun von Menschen! Aber aus dem selben Grund, erkennen wir im Wesen des Christentums, nur in seinem theoretischen Verhalten, die wahrhaftige Menschlichkeit, während die Praxis immer nur unter ihrer "schmutzig jüdischen" Erscheinungsform gefasst und fixiert wird. Aber die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. Denn in der Praxis muss der Mensch die Macht und die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Die Frage nach Sein oder Nichtsein des menschlichen Denkens, das von der Praxis isoliert betrachtet wird, ist eine rein scholastische Frage. Unsere heutige Lehre von der Erziehung der Menschen und der Veränderung der Umstände vergisst, dass die Umstände von den Menschen verändert werden, und das die Erzieher selbst erzogen werden müssen. Wir sind daher gezwungen die Gesellschaft in 2 Teile zu spalten, von denen der eine über den anderen erhaben ist! ERGO: natürlich ist die gesellschaftliche Veränderung bedingt durch das Zutun der Menschen, aber bevor dieses Zutun zu einem revolutionären Zutun wird, müssen alle gesellschaftlichen Verhältnisse, wie sie der Kapitalismus täglich schafft, bereit dafür sein. Das bedeutet, dass die Geschichte (mit uns Menschen) auch dann ihren Gang geht, wenn es die kommunistische Lehre nicht gäbe. ABER: es musste zu dieser Lehre kommen, da sie in den bestehenden bürgerlichen Verhältnissen begründet liegt! Sie ist ein Produkt der Geschichte, weil sie von Menschen erarbeitet wurde, die selbst das Produkt der bürgerlichen Verhältnisse sind. Francis Wheen schrieb eine Biographie über Karl Marx, in der er feststellt, dass in den Industriestaaten viele Menschen zu Wohlstand gekommen sind. Seine Schlussfolgerung: " wir sind alle zu Bourgeois geworden...". Hier zeigt sich, wie wenig sich der Biograph in sein Objekt hinein gedacht hat! Klassengegensätze drücken sich nicht zwingend in Wohlstand und Elend aus, sondern immer darin, wer die Macht über (heißt im Eigentum ist) die Produktionsmittel hat, und wer von dieser Macht ausgeschlossen ist. In der Tat führt die bürgerliche Gesellschaft den schlimmsten Kampf noch immer gegen sich selbst. Z.B. Einzelhändler, Personengesellschaften, Einzelunternehmen, Selbständige, also "kleine Kapitalisten", die in der Konkurrenz der Globalisierung keine Zukunft haben werden, kämpfen viel mehr gegen das Großkapital als die Arbeiter. Das Resultat: ihre Enteignung vom Produktionsmittel, und das "Herabstoßen" in die Klasse der Arbeiter! Unsere Schlussfolgerung: wir sind alle zu Proletariern geworden! Jetzt müsste ich ökonomisch deduzieren, wie diese Entwicklung den Widerspruch zwischen der ständigen Vermehrung des materiellen Reichtums der Gesellschaft und der ständigen relativen Verringerung der Kaufkraft der Konsumenten, notwendig zu immer häufigeren und schlimmeren ökonomischen Krisen führt. Wie sich der relative Wohlstand der Vergangenheit in einen immer heftiger werdenden Überlebenskampf in der Zukunft entwickelt. Ist der Zirkulationsprozess des Kapitals endgültig zusammengebrochen, dann steht die Menschheit vor der Entscheidung, entweder in tiefster Barbarei zu versinken, oder aber das Privateigentum zu enteignen, und es in gemeinschaftliches Eigentum zu überführen, und damit das Fundament des Kommunismus zu schaffen!

Buenaventura 03.08.2001 - 13:40
ok, wir sind uns einig: das Bedürfnis nach revolutionärer Veränderung kommt, wenn es kommen wird. ich sehe aber immer noch die Tendenz dass es bei uns in die andere Richtung laufen wird, jedenfalls kurz und mittelfristig(Faschismus).
Ausserdem- wie könnte eine Entwicklung zum Sozialismus konkret aussehen? zu irgendeinem Zeitpunkt muss es so etwas wie eine Revolution geben, weil die Besitzenden nichts freiwillig hergeben. (was sich nicht mit dem widersprechen muss, was du sagtest) - wenn der Zeitpunkt gekommen ist, die Produktionsmittel sind Allgemeineigentum- was kann verhindern, dass sich Gruppen von Menschen exklusiv Produktionsmittel aneignen, und sich damit bereichern wollen? ein starker Staat kann ja nicht die Antwort sein.
immer noch enorm wichtig finde ich, dass ökonomische Mechanismen und alternative Gesellschaftskonzepte vermittelt werden. kann sein, dass es auch DAZU kommen MUSS. ohne A kein B. ich bin dir auch weiterhin dankbar, wenn du dich bemühst möglichst einfach zu schreiben. ein Teil des letzten Textes war schon etwas an der Grenze.

über Rechtsradikalismus

robbespierre 17.08.2001 - 15:02
Unabhängig von den Kenntnissen, welche uns die politische Ökonomie vermittelt, sollten wir wohl endgültig das Thema Rechtsradikalismus klären! Aber dieser ist nichts von der politischen Ökonomie unterschiedenes. Man muss ihn in derselben Art und Weise behandeln, wie den Linksradikalismus, den Anarchismus oder den utopischen Sozialismus des französischen 19. Jahrhunderts. Sie alle sind besondere Erscheinungsformen der bürgerlichen Gesellschaft. Es entspricht ganz dem Unverständnis für politische Ökonomie, dass sowohl der ReRa als auch der LiRa einander die Existenzberechtigung absprechen. Ganz so, wie die konservative bürgerliche Partei beiden die Existenzberechtigung abspricht, und auf sich selbst den Anspruch der universellen Wahrheit erhebt. Beiden gemeinsam ist die Kritik dieser "universellen Wahrheit". Aber so kritisch sie sich dem Bürgertum gegenüber verhalten, so unkritisch verhalten sie sich zu sich selbst! Mit Recht werfen sie dem Bürgertum in ihrer Argumentation Phraserei vor, doch sie vergessen, dass sie den Phrasen ihrer Gegner nichts anderes als Phrasen entgegenzusetzen haben. Sie wollen ein Verbesserungsideal in die Welt einführen, aber ohne die Welt in ihrer Existenz, oder aber in ihrer Entwicklung begriffen zu haben. Die notwendige Folge eines solchen Verbesserungsideals ist oben schon beschrieben worden. Beider Kritik gründet sich auf inakzeptable Zustände in der bürgerlichen Gesellschaft- sind ihre Opposition. Dabei stellt der ReRa eine viel logischere Konsequenz dieser Zustände dar als der LiRa. Worauf gründet sich der Konservatismus der "bürgerlichen Mitte"? Auf eine Illusion von der "unsichtbaren Hand", auf die schnöde Verwertung des toten Mammons. Worauf gründet sich der Konservatismus des ReRa? Auf eine romantische Verklärung des Nationalstaates. In diesem sieht der Nationalist die Offenbarung seiner biederen kleinbürgerlichen Wünsche und Träume. Sie ist sein persönlicher Schutz vor dem Anarchismus des globalen Marktes. Doch vergisst er dabei, dass dieser Nationalstaat ein ebensolches Produkt der Geschichte ist, wie er selbst als Nationalist, und dass dieses Produkt geschichtlich genauso vergänglich ist wie alles andere der bürgerlichen Gesellschaft. Worauf gründet sich der Konservatismus der Linken? Auf die bloße Utopie, auf die primitive Indignation über den herrschenden status quo. Diese konnte nichts anderes erzeugen als die verräterische bürgerliche Sozialdemokratie, die seit Seattle von der Arbeiterklasse nun endlich genauso bekämpft wird wie sie es verdient. Die heutige Entwicklung dessen, was wir als die freie Konkurrenz bezeichnen, ist die einzige rationale Antwort auf die diese verhimmelnden bürgerlichen Ökonomen und die diese verteufelnden bürgerlichen Sozialisten. Nach meiner Einschätzung ist ein zweites Drittes Reich heute ebenso möglich wie ein zweiter "Turmbau zu Babel"- nämlich gar nicht! Die internationale Vernetzung (Kommunikation, Distribution, Produktion, usw. usf.) geht einher mit wachsender Abhängigkeit der Volkswirtschaften voneinander. Daran führt kein Weg vorbei. Diese Entwicklung begreift in sich selbst die vollständige Absorption des Nationalstaats! Und in dieser Absorption liegt die größte Waffe der Arbeiterklasse- nämlich ihre globale Vereinigung"!

Buenaventura 23.08.2001 - 19:00
wenn ich recht verstehe, ist was du sagst, einfach dass die Welt sich irgendwann von allein reguliert, weil Menschen keinen Bock drauf haben, sich ausbeuten zu lassen. das verstehe ich jedenfalls unter deiner politischen Oekonomie.
quasi: Menschen muessen zusammenleben, raufen sich irgendwann zusammen, was voellig unabwendbar und eigentlich unbeeinflussbar ist. Das Faschismus nicht mehr moeglich ist, glaube ich nicht. diese Welt macht Angst, und es ist gut moeglich, dass ein ordentlicher Prozentsatz der Bevoelkerung sich daran klammert, einfach aus Panik.
jedenfalls sehe ich ueberhaupt nicht, dass das gegessen sein muss. sorry, deine Argumentation finde ich nicht so sonderlich zwingend. das ist alles moeglich, aber mehr auch nicht. dass alle Loesungsansaetze und Theorien sich aus dem Bestehenden entwickeln ist ja auch ganz klar. worauf sonst koennten Menschen aufbauen? ok, aber was macht dich so sicher, in welche Richtung sich alles Entwickelt. ich habe ja schon Schwierigkeiten, die kleinsten Dinge vorauszusehen, geschweige denn die gesamte Menschheitsgeschichte.

Aller Anfang ist schwer!

robbespierre 28.08.2001 - 11:34
Und wenn ich Dich recht verstehe, dann sagst Du, dass Du gar nichts verstanden hast! Gut! Das ist ein leidlicher, aber notwendiger Anfang.
Was bedeutet das, dass sich die "Welt von allein reguliert"? War sie bisher etwa nicht reguliert? Zum Beispiel durch die Gesetze der Lohnarbeit? Oder heißt das, dass die Welt irgendwann einmal reguliert war, aber dann diese Regulation irgendwie verloren gegangen ist? Woher kam diese Regel, nach der sich die Welt einst richtete? Wer hat sie gemacht? Wie ist sie denn verloren gegangen? Zumindest kann sie keine wissenschaftliche Regel gewesen sein, denn die Wissenschaftlichkeit eines Gesetzes zeichnet sich ja gerade dadurch aus, keine Ausnahme von ihr zuzulassen, und ebenso nicht verlierbar zu sein. Ist sie aber keine wissenschaftliche Regel, so kann sie nur eine künstliche, vom Menschen geschaffene Regel sein, und dann stellen wir uns mal wieder auf den hegelschen Standpunkt von 1824, und müssen erklären, wie die Idee der Welt existieren konnte, bevor die Welt existierte. Das verstehe wer will! Deine Begründung ist schon irgendwie schlagend: "weil die Menschen keinen Bock drauf haben, sich ausbeuten zu lassen". Wenn sie aber keinen "Bock" drauf haben sich ausbeuten zu lassen, wieso haben sie dies dann die letzten 4000 Jahre mit sich machen lassen? "Menschen müssen zusammen leben" - das ist der einzige Satz, mit dem Du dir nicht selber ins Gesicht schlägst! Sie "raufen sich zusammen", aber haben sie das nicht schon einmal 1789 getan, als der feudalen Monarchie der endgültige Todesstoss versetzt wurde? Wie ich sehe, ist das Thema Faschismus sehr sensibel bei Dir ausgeprägt! Worin liegt hier eigentlich euer Problem? Ich habe nie gesagt, dass Faschismus nicht mehr möglich ist! Ich selbst erlebe seine biedere kleinbürgerliche Wiedergeburt jeden Tag. Ich habe aber sehr wohl gesagt, dass ein 2. Drittes Reich nicht mehr möglich ist. Und zwar im realen materiellen Sinne. Aber vielleicht hast Du ja eine Möglichkeit gefunden, wie Deutschland ein 2. Drittes Reich aufbauen könnte mit einem volkswirtschaftlichen Kapital, das zu 80% in ausländischer Hand ist! Vielleicht produzieren ja die ausländischen Firmen, welche in deutscher Hand sind, für uns die Rüstungsgüter, damit wir gegen die selben Firmen dann Krieg führen können. Welch eine Logik!
In der Tat, der Faschismus erlebt weltweit eine Renaissance. Aber nicht in der Form von 1933, sondern als kranke Ausgeburt eines vom Aussterben bedrohten Kleinbürgertums, von ewig gestrigen Konservativen, von Beamten und Angestellten, die so unglaublich viel Stolz auf unser geliebtes Deutschland empfinden. Aber mit bloßen nationalstaatlichen Phrasen kann man die Arbeiterklasse nicht mehr überzeugen. Sie ist die stärkste Kraft in der heutigen Welt. Sie fühlt diese Kraft täglich stärker und bewusster. Denn sie ist eine progressive Klasse. Sie weiß sich selbst als einzige praktische Befreiung vom Joch des Kapitals. Sie braucht nicht mehr auf die Hilfe von "außen" zu warten, denn sie hat begriffen, dass in ihr selbst alle notwendigen Mittel zur Befreiung vorhanden sind. Und sie setzt der Welt die Pistole auf die Brust: "Entweder du bist für mich, oder du bist gegen mich, und dann mach dich auf deinen Untergang gefasst!"

Buenaventura 01.09.2001 - 23:13
naja, ich will doch hoffen, dass das Thema Faschismus bei mir ein sensibles ist. Du siehst deine Begriffsdefinitionen als absolut an. daher fuehlst du dich immer furchtbar im Recht. deine Definition von Arbeiterklasse faende ich da auch mal interessant. hast du schon mal in ner Fabrik gearbeitet? weisst du, wie die da drauf sind. ganz viele sind aeusserst rechts. dass sich das Kapital immer weiter internationalisiert, stinkt denen oft auch. warum sollten sies dann nicht rueckgaengig machen wollen. die Geschichte wiederholt sich nicht, dass heisst auch, dass es kein 3 Reich wiedergeben kann. es kann aber sehr wohl faschistische Strukturen geben, und vielleicht auch etwas aehnliches wie das 3 Reich.
der Punkt ist,dass du mit einer geschichtlichen Zwangslaeufigkeit argumentierst. und die halte ich fuer Unsinn. so einfach ist die Welt doch nicht. und motz nur weiter, ich finde das inzwischen sehr lustig.

sehr induktiv!

robbespierre 05.09.2001 - 09:41
Du solltest lieber nicht Methoden und Erkenntnisse, die aus diesen Methoden gewonnen werden, aburteilen, wenn du diese 1.: nicht kennst und 2.: selber keine Methode, geschweige denn irgendeine Erkenntnis entgegenzusetzen hast. Woher weißt du, welche Begriffsdefinitionen ich verwende, und welche ich davon als absolut ansehe? Wo habe ich jemals mit geschichtlicher Zwangsläufigkeit argumentiert? Wenn ich sage, dass auch die bürgerliche Gesellschaft keine ewig währende Gesellschaft ist, d.h. diese ebenso vergänglich ist wie Feudalismus und Sklaverei vor ihr, dann war das für dich "logisch"! Warum war das für dich "logisch"? Weil es deinen pseudokommunistischen Tagträumen von einer "gerechten" Welt entspricht? Alles was ich dir bisher gesagt habe, sind Indizien dafür, wie man zu richtigen Schlüssen überhaupt erst kommt! Aber wenn du glaubst, das irgendwann einmal irgendwer dir eine vollständige Erklärung der Menschheit und ihrer Welt auf dem Silbertablett serviert, an der du dann nur noch die Syllogismen, welche Immanuel Kant übrigens Antilogismen genannt hätte, kritisieren kannst, da hast du dich getäuscht. Es wird dich freuen zu hören, dass du mit deinem "Problem" keineswegs allein dastehst. Du reihst dich ein in die Gruppe der altbekannten utopischen Sozialisten, wie Lasalle, Proudhon oder Fourier, die alle glauben das Heil der Menschheit in der Vernunft, der Gerechtigkeit oder dem Ideal gefunden zu haben. Aber keiner von diesen Phantasten konnte diese Begriffe auch nur annähernd richtig deuten. Daher sah deren Sozialismus aus wie eine Kapitalismus mit rosarotem Schleifchen. Das ist ganz typisch für alle bürgerlichen Linken! Von diesen kommt so dummes Phrasengeschwätz wie "gerechter Lohn", "gerechte Arbeitszeit" usw. usf.. Für mich gibt es keine größere Beleidigung als jemanden einen "bürgerlichen Sozialisten" zu nennen. Leider machen deine Kommentare genau diesen Eindruck auf mich. Ein schöner Sozialismus ist das, der die Proletarier von Profession verewigt, und ihnen die Knute schmackhaft macht, indem man sie mit Zucker beschmiert. Wenn du die früheren Kommentare aufmerksamer gelesen hättest, dann hättest du eine vollständige und umfassende Definition des Begriffes Arbeiterklasse gefunden. Aber nachdenken ist ja schon zu viel verlangt für den selbstgenügsamen Bürgersozialisten. Und im gleichen Moment anderen vorwerfen, sie würden es sich zu "einfach" machen. Nun, da ich ja offensichtlich deinen Ansprüchen von einer "komplizierten" Erklärung für die Welt nicht genüge, dann bin ich ja mal gespannt, welche Begründung du hast, das es mit der geschichtlichen Zwangsläufigkeit des Untergangs der bürgerlichen Gesellschaft nicht so weit her sein kann! Es würde mich ebenso interessieren, wie deine faschistischen Strukturen aussehen. Übrigens: ich habe täglich mit der Produktion zu tun. Und ich habe die gleiche Erfahrung gemacht wie du. Aber ich habe auch gesehen, wie deutsche Arbeiter an der Seite von türkischen, polnischen, tschechischen, ungarischen, kroatischen usw. Arbeitern für eine Gleichberechtigung innerhalb der Belegschaften gekämpft haben. Und ich habe sogar noch viel mehr gesehen. Na jetzt zeig mal was du kannst! ;-)