G8: Polizeiaktion gegen Medienzentrum

Radio Z 22.07.2001 17:29
Lena Herrmann beobachtete im Auftrag von Radio Z die Protestaktionen der Anti-Globalisierungsbewegung in Genua. Sie war Augenzeugin, als martialisch gerüstete Polizisten in die Gebäude eindrangen, in denen sich die Räume des Genua Social Forum, ein Pressezentrum und eine Erste-Hilfe-Station befanden.
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"Radio Z-Journalistin Augenzeugin der Polizeiaktion gegen das Medienzentrum"

Auszüge des Interviews von Sonntag 22.07.2001, 13.45 Uhr als Text


Radio Z: In den Medien ist die Rede vom Hauptquartier der GipfelgegnerInnen, das von der Polizei durchsucht worden sei?

L.H.: In Genua wurden zwei Grundschulen angemietet, die sich gegenüberliegen . In der einen Schule war das indymediazentrum, das Pressezentrum des Genua Social Forum, eine Pressestelle für bürgerliche Journalisten, außerdem der Santitätsraum. In dem Gebäude gegenüber gab es weitere Computer, hauptsächlich haben da Leute geschlafen.


Radio Z: Was hast du mitbekommen von den Ereignissen?

L.H.: Ich befand mich in dem Gebäude, das als Medienzentrum genutzt wurde. Gegen 21 Uhr sind die ersten Polizeiwagen an der Schule vorbeigefahren. Viele sind da bereits aus Angst vor einer Razzia abgereist. Gegen 0 Uhr hörten wir plötzlich oben Schreie und dass die Polizei da sei. Einige Leute versuchten die Türen zu verrammeln . In der Schule gegenüber, die als Schlafsaal genutzt wurde, war Polizei. Wir sahen Leute auf dem Boden liegen - regungslos. Dann waren sie auch schon bei uns. Wir mussten uns - Hände und Füsse breitmachen - an die Wände lehnen, und uns eine Stunde lang hinstellen. Sie durchsuchten in der Zwischenzeit alles oberflächlich. Wir hatten grosses Glück, dass wir nicht geschlagen wurden. Wir hatten grosse Angst, da wir nicht wussten was geschehen würde. Leute hatten es gerade noch geschafft die Computer auszumachen, damit sie nicht an wichtige Daten kommen. Nach einer Stunde wurde die Polizei aus einer Schule wieder herausgeschickt. Anwälte hatten das durchgesetzt.


Radio Z: Musste denn der Polizei bewusst sein, dass es JournalistInnen sind, die sie durchsucht und denen sie Gegenstände wegnimmt, die diese für ihre Arbeit brauchen.

L.H.: Auf jeden Fall. Auch viele Leute die bei indymedia in diesem Moment gearbeitet haben waren akkreditierte Journalisten, sie hatten offizielle Presseausweise, es waren hauptsächlich Leute aus dem Ausland. Das wussten sie schon, das hat sie jedoch offenbar nicht interessiert.
Schlimmer war noch, was an der anderen Schule passierte. Dort sind sie auch eingedrungen. Es gelang nicht mehr rechtzeitig das Tor zu schliessen. Innen haben noch Leute versucht über Baugerüste zu fliehen, das ist auch vielen gelungen. Als die Polizei dann in Kampfausrüstung hereinkam, legten sich die Leute auf den Boden oder versuchten sich zu verstecken. Ich habe mit Leuten gesprochen, die sich im Gebäude aufhielten: die Polizei ist wirklich hereingekommen und hat alles kurz und klein geschlagen, auf Personen eingeprügelt, die am Boden lagen. Mindestens 10 Menschen wurden auch auf Tragen abtransportiert, andere hatten Kopfverletzungen, Verletzungen an Armen und Beinen....


Radio Z: War denn das Gebäude umkämpft und diese Verletzten gab es im Rahmen von Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten?

L.H.: Nein, so etwas wie Gegenwehr gab es überhaupt nicht. Im Gebäude waren teilweise JournalistInnen, teilweise ganz unterschiedliche Leute. Aber nicht irgendwelche Leute, die Gegenwehr leisten. Es dachte auch niemand an Gegenwehr, denn die Leute hatten wahnsinnige Panik. Es war einfach ein Gemetzel. Die Polizei ist da hineingegangen um alles kurz und klein zu schlagen und das hat sie dann auch gemacht und stiess dabei auf keinerlei Gegenwehr.


Radio Z: Wie ist denn insgesamt das Klima in der Stadt. Wir hörten von einigen Leuten die Angst hatten und sich teilweise schon gestern abend unfahrplanmässig auf den Rückweg machten?

L.H.: Ich denke es geht vielen Leuten so wie uns. Wir sind jetzt erst mal aufgebrochen und wollen diese Stadt hinter uns lassen. Die Polizei hat am gleichen Abend schon angefangen einfach Leute zu verhaften, die z.B in der Pizzeria essen waren. Heute morgen wurden Leute in der Nähe verhaftet, weil sie einfach eine schwarze Jacke im Gepäck hatten. Zum Glück sind doch noch viele Menschen da, machen Öffentlichkeitsarbeit, sprechen mit der Presse und verfassen Protestschreiben.


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Ergänzungen