Über die Gewalt
Der Tod von Carlo Guiliani in Genua und die Gründe für die Gewalt
Es ist geschehen, was anscheinend geschehen mußte. In Genua ist der erste Tote in der Geschichte der neueren Antiglobalisierungsproteste zu beklagen. Die Bilder vom Vorfall (als wär es Kino, verdammt nochmal!) sind auf die Art, wie sie die Zeitung El Pais ausgewählt und angeordnet hat, relativ eindeutig:
http://www.elpais.es/fotografia/especiales/secuencia/1.html
Eine Gruppe von Demonstranten greift einen Polizeijeep an, einer von ihnen wird aus dem Jeep heraus erschossen und dann noch einmal, damit er auch ganz sicher tot ist, überrollt.
Selbstverständlich hat jetzt angesichts dieser Bilder die öffentliche Meinungsmache eingesetzt (SWR 3, ca. 12:00), in der davon gesprochen wird, daß die äußerst zurückhaltenden italienischen Polizisten sich schließlich ihrer Haut wehren mußten. Das ist nichts neues. Das gleiche wurde schon in Göteborg behauptet, und es wird weiterhin immer behauptet werden, wenn
jemand auf der Strecke bleibt, der gegen den kapitalistischen Status quo rebelliert.
Selbstverständlich tauchen in diesen Weißwaschungsversuchen die unausgesetzten, wohldokumentierten Provokationen der italienischen Polizei nicht auf, die wahllos Demonstranten zusammengeschlagen hatte, (was in einem Fall der Malträtierung einer Gruppe von Griechen sogar zu Protesten der griechischen Regierung geführt hat), nie wird erwähnt, wie durch Filzerei, Sicherheitsmaßnahmen, die nur als wahnsinnig beschrieben werden können (Luftabwehrraketen um Genua!), Druck, Terror, Observation eine Situation geradezu herbeibeschworen wird, in der so etwas geschehen muß. Und selbstverständlich bleibt auch das völlig berechtigte Anliegen der Demonstranten unerwähnt, das darin bestand und besteht, gegen einen Zustand zu rebellieren, in dem sich die Führer der industrialisierten Welt in aller Ruhe darüber auseinandersetzen, wie sie diesen Planeten zu ihrem Nutzen und Frommen verhackstücken können.
Das heißt wie immer, daß die eigentliche Ursache der Gewalt nicht erwähnt wird: die schreiende Ungerechtigkeit der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Weltordnung, die krasse Ungleichverteilung des Wohlstands sowohl zwischen Norden und Süden als auch zwischen oben und unten in den Metropolen, und die miserablen, der Tendenz nach immer staatsterroristischen Machtspiele (von der Wahlfälschung in den USA über Folter in der Türkei bis zu Massakern in Kolumbien), die diese Zustände für alle Zeiten weltweit sichern sollen.
Unabhängig von dem, was in Genua passiert ist, unabhängig von der Brutalität der Polizei und der Dummheit der Militanten, die einen Jeep mit bewaffneten Polizisten mit Holzlatten angreifen, unabhängig davon, daß heute in Genua die Fetzen fliegen werden (und bei den kommenden "Gipfeln", "Meetings", etc. ebenso) ist das das Thema, um das es eigentlich geht: Die Gewalt besteht, bevor ein Stein geflogen ist. Brecht hat es bündig in seinem Gedicht "Über die Gewalt" so ausgedrückt:
Über die Gewalt
Der reißende Strom wird gewalttätig genannt
Aber das Flußbett, das ihn einengt
Nennt keiner gewalttätig.
Der Sturm, der die Birken biegt
Gilt für gewalttätig
Aber wie ist es mit dem Sturm
Der die Rücken der Straßenarbeiter biegt?
Natürlich hinkt der Vergleich, denn die Globalisierungsproteste sind kein "reißender Strom" sondern eher ein Rinnsal, das oft nicht einmal weiß, wohin es fließen soll, und das "Flußbett" ist eher ein betonierter, mit Wachtürmen und Stacheldraht versehener Kanal, auf dessen Freiflächen überall Werbeplakate kleben. Trotzdem:
Nur die ganz große Gewalt, die über Flugzeugträger und Polizeihundertschaften
verfügt, erhält den Zustand der Welt aufrecht, in dem wir uns jetzt befinden.
Es ist müßig, sich über die Gewalt von Demonstranten zu erregen, solange diese Tatsache nicht anerkannt wird.
Grüße,
M. Hammerschmitt
http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/high.html
http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/low_linkskurve.html
http://www.elpais.es/fotografia/especiales/secuencia/1.html Eine Gruppe von Demonstranten greift einen Polizeijeep an, einer von ihnen wird aus dem Jeep heraus erschossen und dann noch einmal, damit er auch ganz sicher tot ist, überrollt.
Selbstverständlich hat jetzt angesichts dieser Bilder die öffentliche Meinungsmache eingesetzt (SWR 3, ca. 12:00), in der davon gesprochen wird, daß die äußerst zurückhaltenden italienischen Polizisten sich schließlich ihrer Haut wehren mußten. Das ist nichts neues. Das gleiche wurde schon in Göteborg behauptet, und es wird weiterhin immer behauptet werden, wenn
jemand auf der Strecke bleibt, der gegen den kapitalistischen Status quo rebelliert.
Selbstverständlich tauchen in diesen Weißwaschungsversuchen die unausgesetzten, wohldokumentierten Provokationen der italienischen Polizei nicht auf, die wahllos Demonstranten zusammengeschlagen hatte, (was in einem Fall der Malträtierung einer Gruppe von Griechen sogar zu Protesten der griechischen Regierung geführt hat), nie wird erwähnt, wie durch Filzerei, Sicherheitsmaßnahmen, die nur als wahnsinnig beschrieben werden können (Luftabwehrraketen um Genua!), Druck, Terror, Observation eine Situation geradezu herbeibeschworen wird, in der so etwas geschehen muß. Und selbstverständlich bleibt auch das völlig berechtigte Anliegen der Demonstranten unerwähnt, das darin bestand und besteht, gegen einen Zustand zu rebellieren, in dem sich die Führer der industrialisierten Welt in aller Ruhe darüber auseinandersetzen, wie sie diesen Planeten zu ihrem Nutzen und Frommen verhackstücken können.
Das heißt wie immer, daß die eigentliche Ursache der Gewalt nicht erwähnt wird: die schreiende Ungerechtigkeit der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Weltordnung, die krasse Ungleichverteilung des Wohlstands sowohl zwischen Norden und Süden als auch zwischen oben und unten in den Metropolen, und die miserablen, der Tendenz nach immer staatsterroristischen Machtspiele (von der Wahlfälschung in den USA über Folter in der Türkei bis zu Massakern in Kolumbien), die diese Zustände für alle Zeiten weltweit sichern sollen.
Unabhängig von dem, was in Genua passiert ist, unabhängig von der Brutalität der Polizei und der Dummheit der Militanten, die einen Jeep mit bewaffneten Polizisten mit Holzlatten angreifen, unabhängig davon, daß heute in Genua die Fetzen fliegen werden (und bei den kommenden "Gipfeln", "Meetings", etc. ebenso) ist das das Thema, um das es eigentlich geht: Die Gewalt besteht, bevor ein Stein geflogen ist. Brecht hat es bündig in seinem Gedicht "Über die Gewalt" so ausgedrückt:
Über die Gewalt
Der reißende Strom wird gewalttätig genannt
Aber das Flußbett, das ihn einengt
Nennt keiner gewalttätig.
Der Sturm, der die Birken biegt
Gilt für gewalttätig
Aber wie ist es mit dem Sturm
Der die Rücken der Straßenarbeiter biegt?
Natürlich hinkt der Vergleich, denn die Globalisierungsproteste sind kein "reißender Strom" sondern eher ein Rinnsal, das oft nicht einmal weiß, wohin es fließen soll, und das "Flußbett" ist eher ein betonierter, mit Wachtürmen und Stacheldraht versehener Kanal, auf dessen Freiflächen überall Werbeplakate kleben. Trotzdem:
Nur die ganz große Gewalt, die über Flugzeugträger und Polizeihundertschaften
verfügt, erhält den Zustand der Welt aufrecht, in dem wir uns jetzt befinden.
Es ist müßig, sich über die Gewalt von Demonstranten zu erregen, solange diese Tatsache nicht anerkannt wird.
Grüße,
M. Hammerschmitt
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http://www.cityinfonetz.de/homepages/hammerschmitt/low_linkskurve.html
NIXSPAM.Marcus.Hammerschmitt@t-online.de
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Ergänzungen
3 Kommentare, die ich hier mal kommentiere
Wrdlbrmpft
Hass als Reaktion ist verständlich - und soll bestimmt
auch (wieder mal!)erzeugt werden! Neu ist das alles
nicht: vgl. die Eskalations-Ereignisse nach der
Ermordung Benno Ohnesorgs damals bei den 68ern!
Folge: immer stärkere Isolierung der radikalen Linken,
jede Menge sinnloses Blutvergießen, inklusive
Ermordung von Menschen in Gefängnissen, Zensur,
Treibjagden usw. - bis hin zur Zerschlagung des größten
Teils der links-oppositionellen Infrastruktur. Diese
Strategie der Herrschenden sollte nicht noch einmal
erfolgreich sein. Ein kühler Kopf, Intelligenz und
Phantasie sind gefragt.
2.)
Die Herrschenden definieren, was Gewalt ist von Doro
wenn gewaltfreie Aktionen den Nerv der Herrschenden stören, so ändern Sie den
Gewaltbegriff. Bereits einfache Sitzblockaden vor Kasernen gegen neue
Mittelstrecken-Raketen wurden von deutschen Gerichten als "Gewalt" angesehen.
Das Bespritzen eines Nato-Generals mit Blut wurde von Ingeborg Wurster im
ZDF-heute Kommentar als "Verbrechen" bezeichnet. Bereits das Sprühen einer
Parole wie "RAF siegt" ist Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Und
wenn Alexander Schubart zur Startbahn-West gesagt hat: "Kommt alle", so wurde
dies mit 3 Jahren Gefängnis in erster Instanz geahndet. Trotzdem bin ich gegen
Gewalt, da es nichts bringt, auf die Polizei Steine zu werfen. Zu unserem
Polizei&Justiz Verbund passt aber, das eine Anzeige gegen SS-Mörder nach dem
2. Weltkrieg mal 14 Jahre lang unbearbeitet liegen gelassen wird. In einem Buch
über Buchenwald, geschrieben von Überlebenden wird gezeigt, auf welcher Seite
dieser Staat trotz aller Lippenbekenntnisse steht.
... von Yo
Doro hat recht! Ich warne auch davor, Begriffe zu
verwurschteln: Militanz und Gewalt ist nicht dasselbe. Hat militanter Widerstand an
bestimmter Stelle seinen Sinn (selbst einer der größten Helden unseres Kanzlers
war militanter Widerständler: Stauffenberg), so ist einfache Gewalt meist sinnlos.
Was denkt ihr, warum so viele agent provocateur in Genua sind?
Zu den gezeigten Bildern: Die Situation entstand nicht im Schwarzen Block, sondern
bei den Tute Bianches. Die wurden von den Bullen in eine Falle getrieben und
sofort und ohne Analss angegriffen. Was dann passierte: Angriff auf die Bullen und
Steine werfen dürfte zum Großteil Wut gewesen sein (die das Denken leider
blockierte) - Sicher waren die Bullen in einer scheiß Situation. Aber
selbstverschuldet.
Nebenbei: Italienische Medien reden eine Spaltung der Bewegung herbei. Lasst
Euch nicht benutzen. Seid wachsam. Hier sind viele Bullen am mitdiskutieren, die
mit Extremst-Radiaklität für Streit sorgen wollen.
Hallo Autor,