Stimmung in der Genueser Bevoelkerung

philippstein 18.07.2001 16:54 Themen: Globalisierung
Schulterklopfen und Zuzwinkern: Eindruecke von der Stimmung in der Genueser Bevoelkerung zu den Protesten gegen G8-Gipfel
"Ab morgen ist der Laden geschlossen. In den naechsten Tagen gehen wir zu den Demonstrationen!" Der schon etwas angegraute Zeitungsverkaeufer blickt entschlossen und zwinkert uns zu. Wie er scheinen viele Genuesen zu denken. In Laeden sieht man/frau Plakate gegen den G8-Gipfel und mit der Forderung nach einem Schuldenerlass fuer die Dritte Welt. Und in einem Gemuesegeschaeft klopfen uns der Besitzer und freundliche Kunden auf die Schulter und heissen uns in Genua willkommen. Angst vor den "Polit-Hooligans" ist bei den Menschen trotz der hysterischen Berichterstattung in den grossen Zeitungen und der Bombenanschlaege bislang nicht zu spueren. Nur die Banken, Geschaefte und Restaurants in der Innenstadt und im Randbereich der "Roten Zone" verbarrikadieren sich mit Brettern und Metallplatten.
Bei der Polizei freilich scheinen nach dem Bombenanschlag vom Montag die Nerven blank zu liegen. So wurden sieben BerlinerInnen von einem zitternden Beamten gestoppt und festgenommen weil zwei von ihnen in der Naehe eines Polizeirevier in (leere) Abfall-Kartons geschaut hatten. Nachdem die verdaechtigen Behaelter kontrolliert worden waren, konnten die Festgenommenen das Polizeirevier verlassen.

Auch die Plakatwaende spiegeln die Bedeutung des Gipfels fuer das politische Leben in der Stadt wieder. Rifondazione Communista, Sozialdemokraten, Gruene und sogar die Faschisten von "Fiamma Tricolore" haben Plakate mit Parolen gegen "Gi-otto" - italienisch fuer G8 - kleben lassen.





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Ergänzungen

18.07.2001 - 18:22
Dass die Faschos gegen Gi-otto sind ja klar

Warum gibt man den Faschos hier einen Raum?

Durrutti 19.07.2001 - 11:36
Der Bericht und die Bilder find ich gut, fast alle, aber warum schlagt ihr einen beinahe anerkennenden Ton an wenn ihr von den Faschos schreibt und warum zeigt ihr deren Plakat völlig unkommentiert?
Den Rest fand ich gut!

Hoch die... und Kampf dem....

www.opentheory.org

Schleichwerbung 20.07.2001 - 04:48
>>Dass die Faschos gegen Gi-otto sind ja klar
>>Warum gibt man den Faschos hier einen Raum?
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>>Warum gibt man den Faschos hier einen Raum? 19.07.2001

>>Der Bericht und die Bilder find ich gut, fast alle, aber >>warum schlagt ihr einen beinahe anerkennenden Ton an wenn >>ihr von den Faschos schreibt und warum zeigt ihr deren >>Plakat völlig unkommentiert? Den Rest fand ich gut! Hoch >>die... und Kampf dem....
>>Durrutti
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Also, beide Einwände kann ich kaum verstehen.
1. Der Autor schreibt, "sogar die Faschisten" also dass ist dich schon fast eine Wertung oder? ;)

2. Es wird das unkommentierte Plakat moniert. Warum frage ich mich - handelt doch der Arktikel nicht von rechtsgerichteter Propaganda, sondern von "Eindruecken der Stimmung".
Und ich möchte daher sogar die journalistische Sorgfalt des Schreibers loben, auch ein Plakat der "Faschisten" abgebildet zu haben.

Meinungen wie die Euren, die nach Zensur rufen - oder wie ist die Frage "Warum gibt man den Faschos hier einen Raum?" sonst zu verstehen - gehen mir langsam wirklich auf den Geist.
Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass sogar unter manch vermeintlich "rechtem" Schädel _manch_ gute Idee und ordentliche Werte stecken.
Es sind "nur" _Teile_ der Kultur/Verhaltensweisen der "Rechten" die angegriffen gehören. Aber das ist bei den "linken" nicht anders. Auch hier ist das Spektrum der Meinungen breit gefächert und es gibt _Teile_, die sinnlose Gewalt und Zerstörung für ein legitimes Mittel halten und damit ebenso falsch liegen wie gewaltätige Nazis.
In allen Fällen sind es nur (mir fehlt ein besserers Wort)
"Teile" die nicht richtig laufen und ausschliesslich die Beseitigung dieser "Teile" sollten Grundlage des Wiederstandes sein und nicht die sinnlose Einschränkung von Rechten.
Gesetz dem Fall dass die Bevölkerung und alle eines Tages tatsächlich konkret alles "falsche" und "richtige" identifizieren und dementsprechend korrigieren, dann bleiben warscheinlich die wenigsten hier aufgewachsenen Menschen, ob nun rechts, links oder wasweissich, von tiefgreifenden persöhnlichen Veränderungen verschohnt.

Und weder Zensur, noch die gebetsartig wiederholte Forderung nach "Verdrängung" der ungeliebten Meinungen werden uns jemals entscheidene Schritte in Richtung "Paradies" bringen.

Friede mit Euch
USW