Eindruecke ueber die Lage in Genoa 17 Juli

concat at Genua 17.07.2001 19:17
Der Pressehetze und der taeglich nervoeser und aggressiver werdenden Polizei, ueberhaupt der fortschreitenden Militarisierung von Genoa im Zuge des Schutzes des G8-Treffens, steht eine breite Bewegung von AktivistInnen, italienisch sowie international, gegenueber, die durch ihre Masse, ihre fundierte Kritik und ihr breites Spektrum jegliche Luege und Hetze der Regierenden, mit denen sie den Protesten und der Kritik im Vorfeld begegneten, an der Realitaet scheitern laesst. Die Demokratie, die den "hohen Herren" so gar nicht passen will, laesst sich nicht verbieten.
"G8 Aktivisten fallen in Genua ein", so gestern die Schlagzeile einer italienischen Zeitung. Fast mutet es an als ob diese Schlagzeile schon Wochen zuvor festgelegt wurde, denn es sammeln sich zwar AktivistInnen in Genua, das Stadtbild wird allerdings zum einen von den in der ganzen Stadt presaenten Carabinieri, die militaerischste Untergruppe der italienischen Polizei, und dem zur Zeit hauptsaechlich durch Plakate und Vorbereitungen der Gegenaktionen praesenten Widerstand der italienischen Bevoelkerung dominiert.
Bis vor einer Woche sollten noch alle Demonstrationen verboten werden. Als sich allerdings eine Masse von Protestierenden ungeahnten Ausmasses abzeichnete, es werden zwischen hundert und zweihunderttausend Menschen erwartet, die sich nicht um das von der Regierung ausgesprochene Verbot einer kritischen Meinungsaeusserung, sprich das Verbot von Demonstrationen, scherten und auch ankuendigten, wenn keine Schlafmoeglichkeiten fuer die Aktoivieten zur Verfuegung gestellt werden eben solche zu besetzten, lenkte die Regierung schliesslich unter Einschraenkungen ein und stellte Schlafmoeglichkeiten und einem grossen Buendnis, welches einen grossteil des Gegengipfels organisiert, auch finanzielle Mittel zur Verfuegung.
Uebliche staatliche Stoerungen, wie zB das Herauszoegern der "Uebergabe" der Schlafplaetze und Versammlungsoertlichkeiten, konnten allerdings die Selbstorganisation der Proteste und den Beginn des Gegengipfels nicht aufhalten. Dieser begann gestern morgen in alternativen Raeumlichkeiten, und wird ueber die gesamten "Gipfeltage" fortgefuehrt.
Einer der Hauptorganisatoren der Proteste ist das GSF, das Genoa Social Forum, ein breites Buendnis von ca 800 (!) Gruppen, die ein Spektrum von parlamentarischen Gruppen wie zb die gruene italienische Partei, ueber Gewerkschaften, Gruppen wie Ya basta, anarchische Gruppen bis hin zu katholischen Gruppen, einschliesslich Nonnen. Dieser Bandbreite des Buendnisses, wobei es noch mehr Gruppen gibt die sich nicht der GSF angeschlossen haben, und der erwarteten Anzahl von Aktivisten, steht die nunmehr laecherlich wirkende Behauptung der Regierenden gegenueber, es wurde sich bei den Protestierenden um "einen anarchistischen Reise-Protestzirkus handeln", um Tony Blairs Worte zu benutzten. Oder um "Polithooligans", oder Jugendliche in ihrer rebellischen Phase, welche mit "Aktivurlaub mit politischen Anspruch" ihre Sommerferien verbringen.
Dem gegenueber stehen Plakate, die in ganz Italien haengen, Fluechtlinge die Repressionen allein fuer ihre Anwesenheit in Genoa in Kauf nehmen um "im Herzen der Bestie" zu demonstrieren, Plakate und Broschueren, die quer durch ganz Italien paesaent sind, eine Akzeptanz in der Bevoelkerung repraesentierend, das unglaublich breite Buendnis der Gegenaktivitaeten, die ungeheure Anzahl der erwarteten Protestierenden, die Argumente und Alternativen des Gegengipfels, und last but not least die Antworten der Regierung auf die Kritik der AktivistInnen.

Auf die mensch sicherlich gespannt sein darf, eine Vorgeschmack gab schon eine konservative italienische Zeitung mit ihrer ebenfalls gestrigen Schlagzeile, die den Protest der AktivistInnen mit der Angst, welche die Bevoelkerung einst gegenueber der Einfuehrung der Einsenbahn gegenueber hatte. Herrlich, die Massen sind zu dumm und zu aemgstlich um zu erkennen, was gut fuer sie ist, was Fortschritt bedeutet.
Dass dies eine laecherliche Maer ist, wird jeder der dem Gegengipfel oder der bei den Protesten formulierten Protset nur ein klein wenig Gehoer leiht, als infame, ja laecherliche ausflucht erkennen.
Die Fakten stehen auf der Seite der Aktivisten, auf der anderen Seite Gewalt und der die Forderung den "hohen" Herren zu vertrauen, dass sie das Beste fuer uns, ja fuer die ganze Welt wollen.
Das aus dem Munde angesehener Moerder wie Putin
oder Bush in einem Kreise, der an sich schon undemokratische Strukturen an sich repraesentiert, denn seit wann besteht die Welt aus acht Staaten?, dass eruebrigt jegliches kritisches Hinterfragen, so hoffen sie und die kommerzielle Presse plappert es gefaellig nach.
Die AktivistInnen haben ihre eigenen Weg gefunden was sie von dem G8-Gipfel halten.

Am 19.Juli findet eine von Fluechtlingen selbst organisierte Demonstration statt. Dieser Tag steht zum Schutzt der Fluechtlinge, da sich auch Illegalisierte unter ihnen befinden werden, ganz unter dem Zechen der Fiedfertogkeit, soweit zumindest der Konsens des GSF.

Das Motto des 20.Juli ist hingegen "siege of the red zone". Siege bedeutet soviel wie belagern, erstuermen. Die rote Zone, in der die Regierung dem "gemeinen Poebel" verboten hat seine Meinung zu aeussern, sich ueberhaupt dort aufzuhalten, wird nicht anerkannt. Es ist erklaertes Ziel es gesamten Buendnisses in diese Zone einzudringen, allerdings wird die Polizie als Hinderniss, nicht als Feind betrachtet, Steine und Stoecke sind ebenfalls geaechtet, mensch ueberlaesst die Gewalt dem Staat. Die Ya Basta sind schon eifrig am Treppen bauen, denn die rote Zone wird mittlerweile von einer fuenf Meter hohen Absperrung aus Stahl und Beton umgeben.


Die "hohen" Herren bauen sich sich eine Burg ...

Am 21.Juli wird die zweite genehmigte Demonstration stattfinden, zu der auch etliche Gewerkschaften anreisen. Zu dieser Demonstration werden ca 100.000 Menschen erwartet.

Wir werden sehen wie sich die Situation weiter entwickelt undveraendert, ihre Luegen haben nicht gewirkt wie sie es sich erwartet haben. Die Menschen die sich an diesen Tagen hier in Genoa versameln um sich gegen das G8-Treffen zu artikulieren, gegen ein Treffen zu dem sich auch "angesehene Moerder" wie Bush oder Putin zusammenfinden, um eine neoliberale Globalisierung vorranzutreiben, behauptend es waere zum Besten aller, und einer Gegenbewegung zu ihrer Zukunftsvision mit Stahl, Beton, Repressionen und Hetze und Luegen antworten.
Es sind Menschen, die ihr Gewissen nicht verkaufen, Menschen die sich die Muehe machen einer Moral zu folgen, so unterschiedlich ihre Ansaetze und Visionen auch sind.
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Ergänzungen

gut

vn 17.07.2001 - 20:43
echt guter artikel und sowas steht nur hier bei den nicht wichtigen artikeln echt schlecht da mir der artikel viele fragen beantwortet hat aber dafür ist ja das intilligente
sortier system verantwortlich.
demo potsdam 19.7. haupthbf. 1600uhr