Genua hin- und zurück

Roberto Greco 17.07.2001 15:45
Vorbereitung auf die Genua-Fahrt.

Genua hin- und zurück -Roberto Greco-
17.07.2001

Auch wir werden in Genua mit dabei sein, d.h. falls wir auch ankommen. So wie sich die Nachrichten anhören, ist kaum mit einem reibungslosen Durchlass am schweizerisch-italienischen Grenzübergang Chiasso zu rechnen. Die Aussetzung des Schengener Abkommens und die zeitweilige Wiedereinführung der Grenzkontrollen durch die italienischen Behörden bedeutet für all diejenigen, die über die benachbarten EG-Länder nach Italien einreisen, dass ihnen wenig nützen wird, auf das Grundrecht der Reisefreiheit zu pochen. Per Dekret ist es im sogenannten nationalen Interesse eingeschränkt und wie es aussieht, haben gleich mehrere Nationen ein Interesse daran, dass ihre Bürger, nicht Geschmack am Krawalltourismus finden.

Begleitet wird diese Maßnahme durch eine Propagandawelle, die Bewegung der Globalisierungsgegner als gewalttätig zu diskreditieren. Richtig terminiert explodierte gestern in einer genueser Polizeistation eine Briefbombe, wobei ein junger Carabinieri verletzt wurde. Die Organisatoren des Gegengipfels in Genua sind sich einig, dass es sich hierbei nur um eine Provokation handeln kann. Für den Sprecher des Sozialforums Vittorio Agnoletto geht es darum, die Bewegung in der Darstellung ihrer Ziele mundtot zu machen. Im Vorfeld des G8-Gipfels steigt die Spannung und die Herrschenden geraten in Panik, dass ihr Konzept der neoliberalen Ausplünderung der Welt auch in den kapitalistischen Metropolen auf entschiedenen Widerstand stößt. Mit allen Mitteln versuchen sie über Genua den Belagerungszustand zu verhängen. Bahnhöfe und Flughäfen sollen während des Gipfels gesperrt werden, der Bahnhof Brignole wurde bereits geschlossen, wogegen heute die Basisgewerkschaften Cobas Aktionen wie die Blockierung wichtiger Eisenbahnknotenpunkte angekündigt haben.

Die Hysterie der Herrschenden scheint verständlich angesichts der Tatsache, dass die Bewegung in Italien enorme Unterstützung findet. Sie wird auch anders als in Deutschland von Teilen der Arbeiterbewegung mitgetragen. Für den 20. Juli haben die Cobas (Basis-)Gewerkschaften einen Generalstreik angekündigt, für dessen Durchführung noch eifrig mobilisiert wird. Die Arbeiter von Alfa Romeo in Genua haben bereits erklärt, den Generalstreik zu befolgen. Sie tun dies aus der Einsicht heraus, dass “die Liberalisierung des kapitalistischen Marktes Ausbeutung und Elend globalisiert!” In dem Aufruf der Alfa Romeo Arbeiter heisst es weiter: “Jeden Tag sterben 30.000 Kinder nur weil ihnen die notwendigen Arzneimittel fehlen, 250 Millionen Kinder zwischen sieben und dreizehn Jahren werden gezwungen unmenschliche Arbeiten auszuführen, weil sie überleben wollen. Mehr als 820 Millionen Menschen leiden unter Hunger, wovon 507 Millionen nicht einmal das vierzigste Lebensjahr erreichen. Dieses ökonomische System tötet alle drei Jahre soviele Männer, Frauen und Kinder wie in den sechs Jahren des 2. Weltkrieges.”

Bei solchen Stellungnahmen von Arbeiterorganisationen wird ersichtlich wie gefährlich diese neue Bewegung für das Kapital ist und sie ist eine würdige Antwort auf den Versuch der sozialistischen Arbeiterbewegung entgültig den Garaus zu machen. Wenn auch in Deutschland noch wenig von diesem frischen Wind der sozialen Bewegung zu spüren ist, die etablierten Parteien noch munter ohne größeren Widerstand auf das Spielchen des Sozialabbaus setzen, werden es dennoch auch hierzulande immer mehr Menschen, die der neuen internationalistischen Botschaft Gehör schenken:

"Dieses ökonomische System funktioniert für 20% der Weltbevölkerung sehr gut, jedoch nur, weil es die übrigen 80% ausbeutet, erniedrigt und unmenschlich behandelt!"

Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Endlich mal ne positive Nachricht

Gretchen 17.07.2001 - 17:36
Hoch die internationale Solidarität ! Viva la Cobas !

Kick ass

Spearhead 17.07.2001 - 19:06
Hey, ein wirklich motivierender Text :-) Burn down Babylon!

endlich mal

Solidarische Grüße an alle Kämpfenden 17.07.2001 - 23:04
so etwas nützliches, wie ein Generalstreik. Die Säcke bei der Rendite packen und ihnen den Grundstock ihrer Macht verweigern, die (funktionierende) Befehlsgewalt über andere Menschen. Hoffentlich solidarisieren sich viele ItalienerInnen mit diesem Streik(versuch), sodaß die da oben in Genua ihr Kartago erleben und endlich mal die globalisierungskritische Bewegung Unterstützung von der "Normalbevölkerung" erfährt und nicht mehr als vollkommen verrückte Spinner und als Gefahr wahrgenommen werden.