Zur Gewaltdebatte bei ATTAC

wirlassenunsnichtauseinanderdividieren 12.07.2001 00:53
Die schweren Krawalle beim EU-Gipfel in Göteborg sowie das rabiate Vorgehen der schwedischen Polizei bis hin zum Schusswaffeneinsatz gegen Protestierende haben auch auf Seiten sozialer Bewegungen eine rege Diskussion ausgelöst. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Verhältnis zu den gewaltbereiten Teilen des Widerstands gegen die Globalisierung. Im folgenden geht es um die Diskussion der Gewaltfrage, wie sie innerhalb sozialer Bewegungen geführt wird, die keinerlei physische Gewalt anwenden, sehr wohl aber gegebenenfalls zivilen Ungehorsam bzw. passiven Widerstand praktizieren. Hintergrund ist die aktuelle Debatte innerhalb des deutschen ATTAC-Netzwerks.
Die Stellungnahme von attac-Deutschland (auch bei indymedia veröffentlicht), das Verhalten in Salzburg, die Behauptung das attac/linksruck-Bündnis sei das einzige, welches nach Genua mobilisiert, der Eurozentrismus und das Verdrängen der Tatsache, daß die jetzige Bewegung ihren Ursprung im Süden nahm (Chiapas, PGA usw.) sind bestens geeignet den Widerstand zu spalten. Das wissen auch "die da Oben". So werden diese Themen gern in den Medien aufgegriffen, in der Hoffnung diese Spaltung zu erreichen. Einiger der Gründe für das Verschwinden der Bewegung in den 80ern war neben Repression der Gruppenegoismus, das Fehlen einer Diskussionskultur, Fraktionierung, Intoleranz und Dogmatismus. Auslöser war der Streit in Holland zwischen konkurrierenden (!!!) Projekten. Der "Staat" heizte die Situation an, indem Agent Provocateur spalterisch mitdiskutierten (siehe die "Kritik" an den Tue Bianche, die sich jetzt scheinbar als FAKE herausstellt!) und die bürgerlichen Medien mit-polarisierten. Gerade jetzt vor Genua besteht hier wieder eine sehr große Gefahr, daß die Bewegung (die ja von ihrer Vielfalt lebt) zerfällt. Um zu zeigen, daß es etwa mit attac auch Gemeinsamkeiten gibt und nach solchen zu suchen, um Spaltung zu verhindern, dokumentiere ich im folgenden eine Veröffentlichung zur Momentanen Debatte.

Kommentar zur ATTAC Stellungnahme von Thomas Fritz (BLUE 21)

1. Entgegen der häufig vorgebrachten Behauptung, die militanten Auseinandersetzungen am Rande der diversen Gipfel schadeten den politischen Zielen der globalisierungskritischen sozialen Bewegung, lässt sich empirisch aus Sicht des deutschen ATTAC-Netzwerks festhalten, dass 1.die Medien in der Bundesrepublik erst aufgrund der Krawalleein großes Interesse an ATTAC entwickelt haben, was sichz.B. in einer Steigerung der "hits" auf die ATTAC-Homepageund der Mitgliederzahlen niederschlägt; 2.die Darstellung jenseits der Regenbogenpresse relativdifferenziert geworden ist (was sie nicht immer war). Zum Teil wird ATTAC sogar großes Wohlwollen entgegengebracht undansatzweise werden auch ATTAC-Forderungen transportiert.Daher ist die in dem ATTAC-Diskussionspapier zur Gewaltfragevorgebrachte Medienkritik ("einseitig", "sensationslüstern") nur teilweise zutreffend.

2. Vielmehr erscheint ATTAC als Nutznießerin der Ausschreitungen am Rande der Gipfel. Für dieses widersprüchlich-symbiotische Verhältnis zwischen friedlichem und militantem Protest ist ATTAC aber nur ein Beispiel von vielen. Es ist geradezu eine historische Konstante, dass größere soziale Konflikte auch durch gewaltsame Auseinandersetzungen begleitet wurden. Die Legitimität der jeweiligen Forderungen wurde dadurch jedoch nicht zwangsweise unterminiert. So errang die Forderung nach Abschaffung von AKWs trotz der Existenz eines militanten Flügels der Anti-AKW-Bewegung hohe gesellschaftliche Akzeptanz. Manche behaupten sogar, dies sei eine der Erfolgsbedingungen der Anti-AKW-Bewegung gewesen. Insofern ist die Aussage des ATTAC-Diskussionspapiers, Strategien, die auf Militanz setzen, seien theoretisch falsch und politisch schädlich, zu hinterfragen.

3. Selbstverständlich kann bedauert werden, dass Gewalt sozialen Bewegungen Aufmerksamkeit verschafft, sie dadurch gelegentlich erst politisch ernstgenommen werden. Angenehmer wäre es, phantasievolle Aktionen oder brillant formulierte Statements brächten Schlagzeilen ein. Das tun sie aber nunmal nur in seltenen Fällen. Das Bedauern über diesen Missstand ist insofern gleichbedeutend mit dem Bedauern darüber, in einem Gesellschaftssystem leben zu müssen, dass derartige und noch wesentlich drastischere Widersprüche am laufenden Band produziert.

4. Das symbiotische Verhältnis zwischen friedlichem und militantem Protest als solches wenigstens zur Kenntnis zu nehmen, heißt noch lange nicht, Gewalt gutzuheißen oder gar die eigene Festlegung auf gewaltlosen Protest aufgeben zu müssen. Es heißt aber sehr wohl, sich nicht die Spaltung des Protestes durch den Staat, dessen ideologische Begleitmusiker oder Medien aufzwingen zu lassen. Wie eine solche Spaltung praktisch aussehen kann, hat der WTO-Chef Mike Moore skizziert. Er schlägt einen Verhaltenskodex für Nichtregierungsorganisationen (NRO) vor, der u.a. die Ablehnung von Gewalt beinhaltet. Bei Nichtunterzeichnung könnten Staat, Stiftungen oder Unternehmen die Finanzierung von NRO verweigern. Folgsame NRO würden mit erweiterten Partizipationsmöglichkeiten belohnt. (Hier der Link auf den Text) Diese Strategie ist allerdings weder neu, noch phantasievoll, und wird bei näherer Betrachtung von Förderpraktiken längst exekutiert.

5. Zwar betont das ATTAC-Diskussionspapier, dass niemand aus der globalisierungskritischen Bewegung a priori ausgegrenzt werden dürfe (Ausnahme Nationalisten und Chauvinisten), faktisch stellt die Existenz dieses Papiers aber, schon allein aufgrund seines öffentlichen Charakters, eine unmissverständliche Distanzierung von militantem Protest dar. Die vermeintliche Intention und die faktische Wirkung stehen in offensichtlichem Gegensatz. Für eine soziale Bewegung hätte es eines solchen Papiers aber gar nicht bedurft. Die Aktionsformen und inhaltlichen Forderungen von ATTAC sind vergleichsweise klar, die Festlegung auf Gewaltlosigkeit ist unumstritten, und auch die Medien zählen ATTAC zu den "gemäßigten" KritikerInnen des Globalisierungswahns. Die Frage ist also unvermeidbar, wem oder was ein solches Papier überhaupt nutzt. Man könnte sich darauf zurückziehen zu sagen, der Diskurs solle angeregt und tiefergelegt oder Orientierungsmarken für Orientierungslose angebracht werden. Alles edle Motive. Die Vermutung, um des guten Rufes willen könnte auch ein Distanzierungsmotiv vorgelegen haben, kann jedoch auch nicht umstandslos ins Reich der Phantasie verbannt werden.

6. Neben vielen Einzelpersonen und VertreterInnen unterschiedlicher Gruppen, Parteien, Verbände, Gewerkschaften und Kirchen sind Nichtregierungsorganisationen maßgebliche Initiatorinnen und Trägerinnen von ATTAC und seinen Kampagnen. Nach der Gründung des deutschen ATTAC-Ablegers, der anfänglich eher nach einem ExpertInnenNetz für Finanzmarktfragen aussah, wurde sehr schnell von den AktivistInnen der wesentlich dringendere Bedarf nach einer globalisierungs-kritischen sozialen Bewegung geäußert und diese Umorientierung von ATTAC schließlich auch vorgenommen. Dabei scheint aber noch nicht reflektiert worden zu sein, dass die Erfolgsbedingungen von NRO und sozialen Bewegungen sich in mancherlei Hinsicht unterscheiden. Der Erfolg von NRO verdankt sich nicht nur, aber auch einer weitgehenden Akzeptanz auf Seiten der Herrschenden, welche durch wohldosierte, systemkonforme Reformvorschläge begrenzter Reichweite erreicht wurde. Aufgrund ihrer spezifischen Erfolgsbedingungen können NRO im übrigen auch ein besonderes Interesse an einer Distanzierung gegenüber militantem Protest haben. Eine soziale Bewegung wie ATTAC jedoch kann sich nicht die Erfolgsbedingungen von NRO als eigene Grenze setzen und zum Beispiel bei gut verdaulichen Reformvorschlägen stehen bleiben. Das geht schon gar nicht, wenn mit dem Slogan "Eine andere Welt ist möglich" operiert wird. Selbst bei Aufbietung aller Phantasie ist es z.B. unmöglich, mit der Tobin-Steuer auch nur ansatzweise die Vorstellung von einer "anderen" Welt zu unterfüttern. Kurzum, eine soziale Bewegung mit dem Anspruch von ATTAC hat, anders als NRO, gesellschaftliche Alternativen zu thematisieren. Aus dieser Forderung sollte allerdings keine pauschale Diskreditierung von Reformpolitik abgeleitet werden. Sofern Reformen emanzipatorisches Potenzial innewohnt - das ist beileibe nicht bei allen NRO-Reformvorschlägen der Fall - haben sie eine wichtige Funktion bei der Vermittlung von Handlungsmöglichkeiten und -kompetenzen.

7. Der magische siebte Punkt führt zu der zwangsläufigen Schlussfolgerung, dass die Thematisierung gesellschaftlicher Alternativen ohne radikale Kritik des Bestehenden nicht möglich ist. Eine Wurzelbehandlung des Kapitalismus ist also unumgänglich, und die ist bekanntlich schmerzhaft. Nur, die Notwendigkeit, dass Globalisierungskritik Kapitalismuskritik sein muss, wird mit der wünschenswerten Klarheit fast nur noch von denjenigen formuliert, in deren Kreisen die Militanten vermutet werden. NRO tun das nicht, soziale Bewegungen eher selten und verschämt, gelegentlich trauen sich noch manche versprengten WissenschaftlerInnen oder PublizistInnen. Das ist aber ein Problem. Wenn Kapitalismuskritik nicht aus diesen winzigen Nischen herausfindet und wieder hegemoniefähig wird, bleibt auch die Formulierung gesellschaftlicher Alternativen notwendig begrenzt, widersprüchlich und unzulänglich. Die öffentliche Distanzierung von jenen Nischen ist dabei in jedem Fall kontraproduktiv.

Thomas Fritz, BLUE 21, Juli 2001 Die hier vertretenen Positionen sind diejenigen des Autors.

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Links zur vorangehenden Debatte:

Diskussionspapier von attac
Beitrag von Susan George
Vielfalt in Göteborg (englisch)
Was wollen wir erreichen?
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Ergänzungen

Klaus Kinski 12.07.2001 - 01:13
Genau! tun wir den scheisser nicht den gefallen! mich nerven viele gruppen auch. auch die stumpfen Diskussionen hier auf Indymedia haben eher zerstörerisch gewirkt - genau das ideale betätigungsfeld für den vs.
wir sollten auf spaltungsversuche mit köpfchen regieren, sonst ist schbell vorbei. und die haltung, die wahrheit gepachtet zu haben ist eh eine gefährliche krankheit von einigen von uns!
Distanzierung von anderen Ansätzen: nein ------ Kritik und Diskussion mit Niveau und Inhalten: ja!

Hoffentlich bleiben die Ansichtebn es auch

E T 12.07.2001 - 01:21
Normen von Nischen beherschen die Masse, ich kann mir das schon Bildlich vorstellen, die Erste Globale Nischen Regierung, aus Möglichst Einer Radikaler Minderheit, Weiteres erspare ich mir, war aber ein Schön Langer Text.

Zu Klaus

E T 12.07.2001 - 01:31
Wie soll man das denn verstehen? Kreative Selbstkritik nutzt dem VS? Diskussionen um Gewalt sind Stumpf? Diskussion überhaupt sind Spaltungsversuche? und der Letzte Absatz, ist mir Total Unklar, eine Diskussion ist eine Diskussion mit Nivau, möglichst Kein Anderer mit Anderer Meinung mit diskutiert.

Zu Klaus

E T 12.07.2001 - 01:31
Wie soll man das denn verstehen? Kreative Selbstkritik nutzt dem VS? Diskussionen um Gewalt sind Stumpf? Diskussion überhaupt sind Spaltungsversuche? und der Letzte Absatz, ist mir Total Unklar, eine Diskussion ist eine Diskussion mit Nivau, wenn möglichst Kein Anderer mit Anderer Meinung mit diskutiert.

Irgendwie sind mir die Netgebühren

E T 12.07.2001 - 01:40
langsam zu Schade für indymedia, es kommt mir vor, als wenn in fast Allen Artiken Händeringend mit der Kreativität eines Winkeladvokatos einer Versicherungsellschaft, nach Gründen für eine Legitimierung für Illegale Gewalt auf Demos gesucht wird, sucht Weiter aber ihr werdet diese Legitimierung für Gewalt nicht finden.

Original-Statement?

Christian D. 12.07.2001 - 02:32
Hallo, interessante Dokumentation. Allerdings finde ich die originale Stellungnahme von attac nicht, die ja auch bei Indymedia veröffentlicht wurde. Könnt ihr die nicht wenigstens als link angeben, sonst weiß man ja gar nicht worüber man diskutiert. (Und ist auch ein besserer Stil für eine Dokumentation, beide Seiten nebeneinanderzustellen)

1) Mißerverstanden? - 2)URL

Klaus Kinski 12.07.2001 - 02:48
Mensch ET! "Kreative Selbstkritik nutzt dem VS" hab ich doch gar nich geschrieben! Lies nochmal! Gerade Konstruktive Kritik anstatt Spaltung sollte unsere Kultur bestimmen!
Ich habe nur einen kritischen text dazu gefunden.: http://www.de.indymedia.org/2001/06/3617.html
den erwähnten text hab ich irgendwo in der bürgerlichen presse (die meiner meinung nach verzerrt dastellte) erwähnt gefunden. war wohl ein gefundenes fressen für die.....

Ein weiterer vernünftiger Text von denen:  http://www.de.indymedia.org/2001/06/3675.html

Schöner Text...

Rippel 12.07.2001 - 07:28
Es wird schwierig den Verleumdungen , Spaltungsversuchen, direkten physischen Verfolgungen usw. der "Herrschenden" zu widerstehen , aber durch dieses Fegefeuer muß jede Bewegung durch, daß ist immer Teil des Kampfes. Nur nie vergessen wo der Gegner steht und nicht ständig die "eigenen" Reihen säubern. Die KPD hat da ja in den 30er Jahren ein abschreckendes Beispiel geliefert mit fatalen Folgen...
ob friedlich oder militant - was zählt das ist der widerstand..

Artikel zum Thema

der nestscheißer 12.07.2001 - 09:27
auch zu ATTAC steht da was drin. Sozialismus oder Barbarei!

sorry

der nestscheißer 12.07.2001 - 09:40
habe mich verschrieben, die richtige Anschrift lautet:

Sorry Klaus

E T 12.07.2001 - 20:45
da habe ich was missverstanden, so wie du das sagst ist das so wie ich das auch meine, die Randalos, werden etwas Friedlicher, Gesellschaftsfähiger, und die Friedlichen werden vielleicht Etwas Massiver, dann können doch Alle damit leben, die Cops wissen nicht wo sie mit Legitimation in eine Demo stürmen und Knüppeln können, und die Friedlichen Demos können Relativ Sicher sein, das obwohl sie Friedlich bleiben, von den Cops aufgemischt, und Platt gemacht werden.

Sorry Korrektur

E T 13.07.2001 - 01:10
obwohl sie Friedlich bleiben Nicht trotzdem von den Cops aufgemischt werden, sollte es heissen.

Es ist nicht so einfach, wie es scheint......

K. Hoffnung 13.07.2001 - 08:50
Den folgenden Kommentar habe ich schon mal bei Indymedia veröffentlicht. Dennoch passt er hier noch mal rein, weil ich einerseits die Idee des Haupttextes hier teile, dass es für den Widerstand kontraproduktiv ist, wenn sich die verschiedenen Strömungen Genua in aller Öffentlichkeit gegenseitig ausgrenzen oder sogar aktiv bekämpfen. Es gibt hierzu nur die Alternative, wenn es jeder Aktionsform ermöglicht wird, wie in Prag, örtlich unabhängig von einander agieren zu können. Die Situation in Genua ist momentan eine andere, als sie im Haupttext beschrieben wird. Er beinhaltet den Fehler, die aktuelle Konfliktlinie zwischen Attac und den TB zu ziehen, die so gar nicht besteht.Sie, und mit ihnen bestimmte Sozialen Zentren in Italien sind allesamt Bestandteil des Sozialen Forums Genua, ein Zusammenschluss von über 500 Gruppen weltweit. Sie mobilisieren gemeinsam für das Event und haben folgerichtig einen gemeinsamen Gewaltverzicht unterzeichnet (s.u). Der Haupttext läßt an Seriösität vermissen, indem er die Kritik an TB von Autonomen und AnarchistInnen in Italien als FAKE bezeichnet. Das zeigt die Lobby, die die TB durch die mediale Inszenierung ihres Widerstandes bei uns besitzen. Eine Gruppe, die selbst behaupten, AnarchistInnen und Autonome hätte zur Zeit und früher keinen Stellenwert in Italien und würde auch nicht nach Genua mobilisieren, weil sie am Antiglobalisierungskampf nicht interessiert seien. Diese Art der Ausgrenzung verbirgt eine große Gefahr für den Widerstand gegen die Globalisierung. Es ist sogar möglich,dass in Genua die BündnispartnerInnen des Sozialen Forums Genua aktiv an einer Befriedung der Szenerie beteiligen. Dass wäre dann wirklich im Sinne des Verfassungsschutzes......

Hier der bereits von mir als Kommentar veröffentlichte Text:Friedlich oder militant...................... 11.07.2001 10:28

Ich möchte in diesem Zusammenhang mal auf den Konflikt zwischen Autonomen, anarchistischen und anderen unabhängigen Gruppen in "Italien" einerseits und dem Sozialen Forum Genua als breiten Bündnis als ihr Gegenpart, eingehen. In den Beiträgen auf Indymedia wurde er oft als typisch linkes Szenegeplänkel abgetat. Es geht in diesem Zusammenhang darum, dass bestimmte dominante Gruppen des Bündnisse, wie Attac, die vertretenen Parteien (aus Deutschland z.B. PDS, KPD), oder Gruppen wie SAV und Linksruck und für Italien vor allem die TB´s, sich von vornerein auf eine bestimmte Form des Protest festlegen. Die folgene Stellungnahme zur Gewalt ist nachzulesen auf der Seite des Sozialen Forums Genua. Zitat: "(...)we have amply discussed and studied the political choices and strategies to be adopted during the demonstrations promoted by us in these days. We therefore solemnly declare: We chose to act in a respectful manner towards the city and towards all people, whether they wear a uniform or not." Die KritikerInnen werfen diesem Forum vor, dass mit dieser Erklärung Menschen, die sich für andere Protestformen entscheiden, zum Freiwild für Staatsgewalt erklärt werden. Durch diese Entsolidarisierung, durch die Abgrenzung zu militanten Protestierenden ist der Schritt in eine Auseinanderdividierung des Protestes in Gut und Böse getan. Damit sind den Medienberichterstattern / innen ihre Stichworte in ihre Notizblöcke diktiert. Weil es schon jetzt Absprachen des Sozialen Forums mit den Behörden gegeben hat und die Stadt Genua für diesen ihr genehmen "Widerstand" auch Infrastruktur, wie z.B. Schlafräume anbietet, droht im Gegenzug, dass BündnisanhängerInnen während des Protests aktiv gegen Menschen mit differenten Handlungsansatz eingreifen. Prag war gerade deshalb erfolgreich, weil jede Gruppe ihr Konzept örtlich unabhängig voneinander umsetzen konnte. In Genua ist diese Strategie in Gefahr. Die TB´s z.B gehen sogar soweit zu behaupten, dass es in Italien nur eine Autonome bzw. anarchistische Szene mit marginaler Randbedeutung gebe, die sich für Genua nicht interessiere. Tatsächlich aber mobilisieren sehr viele Menschen des Spekrums (nicht nur aus Italien) für Genua und auch am Ort selbst, wird es eigene Anlaufstellen geben. Leider fehlt es an einer notwendigen überregionalen Vernetzung von Autonomen bzw. anarchistischen Gruppen untereinander. Die meisten Kontakte aus "Deutschland", auch der autonomen Gruppen laufen vor allem über die umfangreichen Strukturen des Sozialen Bündnisses. Genua bietet auch die Möglichkeit, zur Besserung dieses Zustandes. Auf nach Genua!


Unsere Kritik an ATTAC u.a.

antideutscher kommunist 15.07.2001 - 16:57