euer demonstrationsrecht in genua

ECAS 10.07.2001 11:50 Themen: Weltweit
hotline für kostenlose juristische hilfe
Demonstrationsrecht in Genua (Übersetzung dt.)

(dieser text richtet sich leider nur an eu-bürgerinnen. die übersetzung des englischen textes erfolgte nach besstem wissen und gewissen. das original auf englisch und französisch steht bei indymedia italien. die übersetzerin)

von ECAS Mon Jul 9 '01
phone: 00 32 2 548 049
mail: ecas@ecas.org.
 http://www.ecas.org


gerüchten zufolge sollen an der italienischen grenze demonstantinnen an der einreise gehindert werden. aber nach den europäischen gesetzen habt ihr das recht, an den demonstrationen in genua teilzunehmen.

eure rechte: (zum ausdrucken und mitnehmen)


einige leute, die im dezember 2000 zum gipfel in nizza fahren wollten, wurden an der grenze festgehalten, vor allem zwischen frankreich und italien. die italienische regierung hat angekündigt, dass es für den g8 gipfel verstärkte sicherheitsmassnahmen geben wird.
dieser text ist für alle, die nach genua fahren wollen:
a) was sind eure rechte;
b) wen könnt ihr kontaktieren, wenn ihr an der grenze festgehalten werdet;
c) wen könnt ihr kontaktieren, wenn ihr an der grenze oder in italien festgenommen werdet.
die zeitweise wiedereinführung von grenzkontrollen in schengenland hat keine auswirkung auf eure rechte. lasst euch nicht für dumm verkaufen.

falls ihr bürgerinnen eines mitgliedsstaates der europäischen union seid, habt ihr das recht, frei nach italien zu reisen, wann immer ihr wollt. dieses recht ist festgehalten im artikel 18 des eu-vertrags (eure rechte als eu-bürgerinnen) und im artikel 49 des eu-vertrags (eure rechte als leistungsnehmerinnen in italien). die behörden können dieses recht auf freizügigkeit nur ausser kraft setzen (also euch am grenzübertritt hindern) wenn sie dies gemäss dem eu-recht rechtfertigen (direktive 64/221).
wenn ihr eine eu-grenze nach italien überschreiten wollt, solltet ihr wissen:

die grenzbeamtinnen haben kein recht euch zu fragen, warum ihr reist (entscheidung des europäischen gerichtshofes: komission gegen niederlande 1992);

die grenzbeamtinnen haben kein recht euch an der weiterreise zu hindern, es sei denn sie können dies damit rechtfertigen, dass ihr eine gefahr für die öffentliche ordnung, die öffentliche sicherheit oder die öffentliche gesundheit darstellt (direktive 64/221);

auf dieser basis können die grenzbeamtinnen euch nur an der weiterreise hindern, wenn die entscheidung aufgrund eurer persönlichen aktivitäten gefällt wurde - die entscheidung ist illegal, wenn sie pauschal gefällt wird (artikel 3 direktive 64/221);

ein privatunternehmen und die öffentlichen verkehrsmittel (z.b. bahn) müssen euer recht auf freizügigkeit respektieren. wenn sie entscheiden, euch nicht zu transportieren, müssen sie das auf der basis der direktive begründen;

die italienischen behörden können euch nicht ausweisen, ohne euch eine schriftliche begründung zu geben, warum ihr ausgewiesen werdet und die möglichkeit, gegen diese entscheidung zu klagen. (artikel 8 und 9 der direktive 64/221).

eure möglichkeiten: wenn ihr an der grenze festgehalten werdet, braucht ihr schnell (kostenlosen) juristischen rat. der european community advisory service (ecas), eine nichtregierungsorganisation mit sitz in brüssel, hat eine hotline, bei der ihr für sofortigen juristischen rat anrufen könnt. ecas ist verbunden mit einer reihe von ngo's in den mitgliedsstaaten die euch kostenlos helfen und beraten können. diese hotline ist eingerichtet worden, um menschen zu ihrem demonstrationsrecht zu verhelfen.
wir werden euch rechtlich beraten und wenn möglich bei den behörden für euch intervenieren, um euch die einreise nach italien zu ermöglichen oder um die ausweisung zu verhindern. falls das nicht möglich ist, können wir die rechtliche vertretung eures falles gegen den staat übernehmen.

was könnt ihr tun: ruft an (englisch, spanisch, französisch, italienisch und deutsch):
00 32 2 548 0494 - die ecas hotline, wo euch anwältinnen kostenlos und sofort beraten werden. es gibt mehrere leitungen. oder email an  ecas@ecas.org . falls ihr mehr hilfe braucht oder vor gericht geht, werden wir euch an eine italienische anwaltsvereinigung verweisen, die euch kostenlos helfen kann.

sagt uns: euren namen und nationalität; eine kontaktadresse oder telefonnummer; wo ihr seid; eine kurze beschreibung was passiert ist; z.b. von wo aus ihr losgefahren seid, welche transportmittel ihr benutzt habt, wer euch aufgehalten hat; was die begründung der beamtinnen dafür ist.

was wir tun werden: wir werden euch sofort beraten, was als nächstes zu tun ist, was eure rechte sind, und über die wahrscheinlichkeit einer schnellen lösung. wir werden so schnell wie möglich eine italienische ngo kontaktieren, die euch weiterhelfen kann.

welche sprachen: wir haben leute, die euch auf englisch, französisch, italientisch, spanisch und deutsch helfen können.

dieser text ist von einem bündnis progressiver anwältinnenvereinigungen aus europa, die zusammen arbeiten um das damonstrationsrecht in europa zu schützen.


(es lebe die europäische bürokratie! wie gut, dass noch ein paar leute da durchsteigen. die übersetzerin)
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Ergänzungen

Ja! Haut ihnen die eigenen §§ um die Ohren!

juristischer Widerstand 11.07.2001 - 01:18
Supergroßes Danke! an alle die solch ausführliche Informationen erstellt und übersetzt haben. Die Verfasser dieses Papiers stehen für einen dicken Sandkronbrocken im Getriebe des System, zur richigen Zeit, am richtigen Ort das mögliche tun. Mit ihren eigenen Waffen zurück schlagen, die Schwächen und Lücken in und durch die eigenen Regeln kennen und nutzen! Wissen ist Macht. Ein VIVA solchen Juristen! Da weis man wieder wofür man Jura studiert.

Korrekt! Danke

11.07.2001 - 01:39

kleine Ergänzung

Nietzsche 11.07.2001 - 13:32
Generell haben die Wichtigtuer an den Grenzen nicht das Recht zu fragen wohin die Reise geht. Auch weiter Fragen wie Beruf oder Arbeitsplatz geht die nichts an.

gut gemeint...

nörgler 11.07.2001 - 21:20
versteht mich nicht falsch, diese juristische arbeit ist ein wertvoller und notwendiger versuch des selbstschutzes. was allerdings die 'verwundbarkeit' der schweine durch ihre eigenen waffen angeht bin ich aus erfahrung pessimistisch. na ja, aber völlig vergeblich ist es mit sicherheit nicht!

Naive Verblendete Zottelige Idioten

Fabian 17.07.2001 - 13:15
Ich hoffe echt, dass jeder von euch verhaftet, eingesperrt wird, und erst freigelassen wird, wenn er zur Gesinnung gekommen ist!

Ihr fahrt doch nach Genua nicht wegen der friedlichen Demonstration sondern nur um Krawalle zu machen, hauptsache die Innenstädte demolieren, dass macht spaß, ne?

Das ganze tarnt ihr dann unter einer angeblichen politischen Botschaft, nur seltsam, dass sich dann tips finden auf eueren Internetseiten, wie man mit heißen Tränengaspatronen umgehen soll und was man beachten soll falls man verhaftet wird.

Niemend wird ohne Grund inhaftiert, wer jedoch einen am Boden liegenden Sicherheitsmann mit einem Stein bedroht, der sollte sich auch nicht wundern wenn sein Kollege ihn mit einem Schuss aus seiner Dienstwaffe retten will.

Euch mag es wahrscheinlich unangenehm sein, aber diese Szene in Göteburg mit dem Polizisten, die erinnert mich doch Stark an Lens und die rechten Hooligans die auch "hauptsache Krawall" praktiziert haben, und dadurch ebenfalls einen Polizisten fast zu Tode geprügelt haben!

Fabian

Fabian, was soll das?

rot-grüner 17.07.2001 - 15:17
Fabian, was soll das?
Du wirst doch nicht ernsthaft denken, dass alle hier militante Autonomen sind??? Ein Großteil der Indymedia-User sind friedlich und manche verabscheuen Gewalt total! Für diesen Großteil sind diese Rechtshilfen sehr nützlich!
Außerdem schadet eine solche interne Heze der Linken, also lass soetwas in Zukunft!
MgG

3. September 1791

Horst Uhlen 20.07.2001 - 10:35
Zitat aus der franzoesischen Verfassung vom 3.9.1791 wegen des schion damals erwaehnten, Jahrtausende alten gewollten Prinzips der "Vergesslichkeit" der R e g i e r e n d e n (nicht der Regierten!) in bezug auf ihre eigenen Gesetze: "Da die Vertreter des franzoesischen Volkes, als Nationalversammlung eingesetzt, erwogen haben, dass die UNKENNTNIS, das VERGESSEN oder die VERACHTUNG der Menschenrechte die einzigen Ursachen des oeffentlichen Ungluecks und der Verderbtheit der Regierungen sind, haben sie beschlossen, die natuerlichen, unveraeusserlichen und heiligen Rechte der Menschen in einer feierlichen Erklaerung darzulegen ...." Also, es ist das verbrecherische und gewollte System der Regierenden, das Recht zu brechen. Deshalb mein Dank an die Initiative der Anwaeltinnen und viel Erfolg fuer alle Teilnehmer. Wer Recht bricht, soll selber gebrochen werden.