Presse versus KÖPI Part 3

Operation Gipfelsurm 06.07.2001 19:50 Themen: Medien
Daß es die MacherInnen des "FOCUS" mit dem selbstkreierten "Markwort des deutschen Journalismus" (ja, wir meinen das mit den Fakten) selbst nicht immer so genau nahmen, ist an und für sich nichts Neues.Daß man sich jetzt aber auf das Niveau von Revolverblättern ala Bild einpegeln will, beweist ein Artikel in der aktuellen Ausgabe:
Daß es die MacherInnen des "FOCUS" mit dem selbstkreierten "Markwort des deutschen Journalismus" (ja, wir meinen das mit den Fakten) selbst nicht immer so genau nahmen, ist an und für sich nichts Neues.Daß man sich jetzt aber auf das Niveau von Revolverblättern ala Bild einpegeln will, beweist ein Artikel in der aktuellen Ausgabe:

"Europas Chaos - Parade

Politholigans,so warnen Verfassungsschützer,sind die Vorhut eines neuen Terrorismus.

Auch Chaoten mögen Helden. Marc war so einer, jahrelang."Ich bin in der Szene gefeiert worden", berichtet der Hamburger Strassenkämpfer, " weil ich es immer ordentlich krachen ließ". (Hier scheinen wohl auch die "AutorInnen" nicht hintenan stehen zu wollen, Anm.GipfelstürmerInnen). Der 29-jährige warf Molotow-Cocktails gegen Polizisten, demolierte Autos mit Baseballschlägern, verwüstete Filialen von Mc Donalds und Mercedes. Krawallexzesse seien für ihn normal gewesen. "Ich habe gegen alles und nicht mehr für etwas gekämpft". Mit den militanten Linksradikalen will Marc seit kurzem nichts mehr zu tun haben und beteuert, nur noch friedlich zu demonstrieren. Von seinen einstigen Kampfgefährten wird er deshalb verachtet. "Jeder, der nicht blinde Gewalt befürwortet, wird als Hippie beschimpft" ,beobachtet Marc eine Radikalisierung der Szene. Und in diesem Jahr, so ist er überzeugt, wird es besonders knallen."
So beginnt ein unsäglicher Hetzartikel im "Nachrichten"magazin Focus. Die Proteste von Genua werden zum "Höhepunkt der Chaosparade" erklärt. Natürlich wissen die Autoren auch, wo die Zentren des Bösen auszumachen sind. "Auch deutsche Aktivisten werben bundesweit in "Chaotenläden wie der "Roten Flora" in Hamburg oder der Berliner Köpi für den Italientrip. In Trainingscamps bereiten sich "Polithooligans" auf Ausschreitungen vor." Garniert wird das Ganze mit Fotos der KÖPI (Bildunterschrift:"Chaotenfestung: Im Berliner Szenetreff "Köpi" werben italienische Aktivisten für Randale beim G8 Gipfel in Genua") und der FLORA ( Bildunterschrift:"Anarchistenbunker: Die Rote Flora dient seit Jahren als Treffpunkt linksextremistischer Gruppierungen").
Der Begriff " Politholigans" bringt alle Voraussetzungen mit, zum Unwort des Jahres gekürt zu werden. Und es ist traurig genug, daß medizinische Workshops oder Rechtsinfos bitter nötig sind für alle, die von ihrem Recht auf politische Meinungsäusserung Gebrauch machen wollen. Die Ereignisse in Göteborg haben dies auf tagische Weise klargemacht.
Auch zur Taktik der "Polithools" fördern die Schmieranten des Focus Erstaunliches zutage: "Strikte Befehle gibt es in der linksextremistischen Szene allerdings nicht. Die Banden entscheiden die Gewaltaktionen spontan vor Ort. Dabei mischen sie sich, wie zuletzt in Göteborg, in Kleinstgruppen von drei oder vier Aktivisten unter die friedlichen Demonstranten.Dann beginnen sie, zu randalieren und Steine zu schmeissen, tauchen anschließend wieder in der Menge unter." Wo die AutorInnen das wohl beobachtet haben wollen, bleibt ihr Geheimnis.
Doch weiter im Text: " Mit dem Schlagwort "Globalisierung" hat die seit Jahren zersplitterte und zum Teil zerstrittene Szene ein neues Feindbild." Das "Schlagwort Globalisierung" wird jedoch vor allem von seinen ProtagonistInnen immer dann in die Diskussion geworfen, wenn es darum geht, Sozialstandards abzubauen, Löhne zu kürzen oder Arbeitszeiten zu erhöhen. Die grenzenlose Freiheit des Kapitals ist keineswegs das, was wir unter Globalisierung verstehen und sie ist auch kein quasi-Naturgesetz, wie uns immer wieder Glauben gemacht werden soll.
Uns als "Globalsierungsgegner" zu bezeichnen, ist schlichtweg falsch.Wir stehen für den Wegfall aller Grenzen, die die Unterdrückten weltweit trennen und als wichtiges Spaltungsinstrument der Herrschenden fungieren.
Ist es etwa "Globalisierung", wenn der Kapitalmarkt der Beitrittsländer in die EU so schnell wie möglich uneingeschränkt geöffnet werden soll, ArbeiterInnen aus diesen Ländern die Arbeitserlaubnis jedoch noch 7 Jahre lang verweigert wird ? Ist es Globalisierung, wenn die USA bedingungslose Öffnung aller Märkte fordern, selbst jedoch eins der restriktivsten Importgesetze haben? Oder wenn AusländerInnen nach den Plänen der Süßmuth-Komission erst einen Punktetest über ihren Verwertbarkeitsgrad für die deutsche Wirtschaft absolvieren sollen, bevor sie ins Land gelassen werden ?
Natürlich darf im Reigen der Reisechoten auch ein Hinweis auf die PDS nicht fehlen, wenn auch der Vorwurf, daß sich Königs Wusterhausener Antifas in der örtlichen PDS-Geschäftsstelle treffen, um sich auf die Proteste von Göteborg vorzubereiten,mehr als erbärmlich ist (wenn er überhaupt stimmt). Besonders breiten Raum nimmt natürlich wieder die Mobilsierung über das Internet ein: "Gegenüber "FOCUS" räumt Heiner Wegesin, Leiter des Brandenburger Verfassungsschutzes ein: "Die Krawalle hatten für uns ein echtes Überraschungsmoment, weil wir über den Mobilisierungseffekt der internetgestützen Kampagne erstaunt waren."
Auf das uns auch in Zukunft noch so manche Überraschung gelingt...

Den gesamten, 3 Seiten langen Artikel hier abzutippen war uns die Mühe nicht wert.Möglicherweise ist er ab nächste Woche in Online-Archiv des "FOCUS" zu bestaunen.
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Ergänzungen

Und

systemchrash 07.07.2001 - 02:48
Die nehmen auch noch Geld dafür, Frechheit.

20.09.2001 - 22:43
Nun werde ma nicht antiliberal, du denkst hier sehr totalitär. Warum sollte ein Magazin, das sich an eine zielgruppe richtet, die Angst vor Randalierern und Liebe zum Bestehenden hat, denn etwas anderes berichten? Auch
derartige Artikel schaffen Aufmerksamkeit.
Es steht ja jedermann frei ein alternatives Magazin zu gründen, das anders berichtet. Fragt sich nur, ob es die Zielgruppe lesenswert findet. Auf der Strasse werden noch viel härtere Positionen laut. gut finde ich, dass du globalisierungsgegner ablehnst, das klingt ja auch zu sehr nach "Anti".

anti

Art 20.09.2001 - 22:44
Nun werde ma nicht antiliberal, du denkst hier sehr totalitär. Warum sollte ein Magazin, das sich an eine zielgruppe richtet, die Angst vor Randalierern und Liebe zum Bestehenden hat, denn etwas anderes berichten? Auch
derartige Artikel schaffen Aufmerksamkeit.
Es steht ja jedermann frei ein alternatives Magazin zu gründen, das anders berichtet. Fragt sich nur, ob es die Zielgruppe lesenswert findet. Auf der Strasse werden noch viel härtere Positionen laut. gut finde ich, dass du globalisierungsgegner ablehnst, das klingt ja auch zu sehr nach "Anti".