WEF Protest Salzburg - neueste INFOS

RZ 23.06.2001 12:50 Themen: Repression
dass die proteste anfang juli in salzburg keine friedlichen werden, dafür hat die österreichische exekutive schon vorgesorgt. in salzburg werden sich riot-police einheiten aus den verschiedensten städten des landes ein stell-dich-ein geben und dafür sorgen, dass - unabhängig von den vorbereitung der protestierenden - in dieser stadt eine stimmung der gewalt herrschen wird. wenn sich tausende polizistInnen auf den ausnahmezustand vorbereiten, ist das wohl auch kein wunder.
drei sperrkreise werden um das konferenzzentrum gezogen, die beiden inneren sind ausschließlich für wef-leuten reserviert, in diesem areal befinden sich nicht nur die wichtigsten nobel-hotels sondern auch eine menge banken und versicherungen. die einsatzzentrale der polizei wird im schloss mirabell sein, direkt neben dem kongressgebäude, in einer nahen schule wird ein notlazarett eingerichtet, als eigene waschmöglichkeit steht der exekutive das legendäre "tröpferlbad" zur verfügung. untergebracht und verpflegt werden die 5000 oder mehr polizistInnen und gendameriebeamtInnen in den bundesheerkasernen rund um salzburg. für polizei, gendamerie und die salzburger feuerwehr gibt es eine urlaubssperre für die zeit des wef-gipfels. angekündigt wurden weiters wega-beamtInnen aus wien, die elite-truppe cobra und bombenexpertInnen des innenministeriums.

es ist wahrscheinlich, dass die polizei versuchen wird, wie bei den chaostagen vor einigen jahren, die ganze stadt dicht zu machen und die individuelle bewegungsfreiheit der anreisenden demonstrantInnen auf ein minimum zu beschränken. fix ist der plan, an diesem wochenennde die reisefreiheit innerhalb der schengen-staaten aufzuheben und die grenzen zu den eu-nachbarländern genauer zu kontrollieren.

mit einem enormen polizeilichen aufmarsch und der damit verbundenen repression soll versucht werden, schon jedes aufflackern eines hörbaren protestes zu verhindern. um die geplante gewaltige und gewalttätige einschränkung der demonstrations- und meinungsfreiheit durch die polizei in salzburg legitimieren zu können, wird heute schon in einer medialen hetze jeglicher protest kriminalisiert, da werden dann auch sitzblockaden oder andere gewaltfreie direkte aktionen als aggressives handeln und die internationale mobilisierung als herankarren von ausnahmslos gewalttätigen randaliererInnen interpretiert.

auch wenn sich der salzburger polizei-chef karl schweiger gern ein liberales mäntelchen umhängen möchte, bei den widerständigen um gesprächsbereitschaft buhlt und eine angemeldete demonstration möchte, resultiert dies wohl weniger aus einem demokratischen grundverständnis, sondern aus dem versuch den protest gegen den wef-gipfel in legale schranken zu verweisen und damit nur jene kritischen stimmen zuzulassen, die sich durch das einschüchternde spiel der exekutive den mund verbieten lassen. legale schranken bedeuten in diesem zusammenhang nicht einmal bürgerlich-demokratische grundfreiheiten, sondern das wunschszenario der polizei.

die polizei versucht indes durch eine konstruierte differenz zwischen lokaler szene und internationaler mobilisierung ein auseinanderdividieren zwischen den »guten einheimischen« und den »bösen ausländischen« demonstrierenden. damit soll nicht nur die existenz einer lokalen radikalen linken von vornherein negiert und der bürgerlich-reformistischen protest (z.b. attac) als einzig legitimer dargestellt werden, obendrein bedient sich dieses klischee auch einer rassistischen abgrenzung und der in diesem land typischen denkunmöglichkeit einer konsequente kapitalismuskritik .

nach einer längeren pause werden nun bei demonstrationen (gegen die regierung) wieder wasserwerfer eingesetzt, an cs-gas einsätze können sich nur mehr die älteren erinnern, aufgrund der eigenen angst der staatsgewalt sowie der »sicherheitspolitik« der regierung ist aber anzunehmen, dass die polizei in salzburg alle ihr zur verfügung stehende mittel einsetzen wird. tituliert wird der einsatz unabhängig von den wahren begebenheiten wohl wieder als »deeskalationsstrategie«, genau jene »deeskalationsstrategie« der polizei führte bei den heurigen protesten gegen den opernball in wien zu einem haufen (teils schwer) verletzter demonstrantInnen.

unsere antwort darauf kann nicht der rückzug sein bzw. die konzentration auf rein »symbolischen« widerstand sondern nur ein verstärktes bemühen um eine bestmögliche vorbereitung der proteste, individuell wie kollektiv. das konzept der bezugsgruppen (affinity-groups) bietet dafür eine brauchbare basis, genauso wie eine organisierte gemeinsame anreise, die rechtzeitige information über rechtshilfe- und demosanistrukuren und die persönliche demovorbereitung.


aus TATblatt Nr. +167/168 vom 15. Juni 2001
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Ergänzungen

Auf nach Salzburg!

Dani 23.06.2001 - 15:09
Für alle, die es noch nicht wissen:

Am Sonntag 1. Juli 16:00 Uhr Bahnhofsplatz Salzburg Beginn der Demo! Anreise sollte schon am Vormittag passieren. Aufgrund des großen Polizeiaufgebotes und dem Aussetzen des Schengen-Abkommens wird es schwierig werden nach Österreich und danach vor allem nach Salzburg zu kommen.

Smash the WEF

Warum nicht noch früher

Voice of Protest 23.06.2001 - 15:26
Ich bin dafür, dass die Demo schon Stunden vor dem Gipfel stattfinden sollte. Auch rate ich allen, die können, bereits jetzt nach Österreich zu reisen.
Wenn wir nicht durchkommen, planen wir eine Demo vor einem Grenzübergang.

ziviler ungehorsam bei der anreise

w.o.w. 23.06.2001 - 16:41
für die aktionsatge in genua wurde zu zivilem ungehorsam schon auf der anteise aufgerufen. dies wäre sicher auch für die reise nach salzburg sehr interessant und wichtig. aktionen wie grenzblockaden sind ein teil davon. kreativität kennt keine grenzen.

zum thema grenzblockaden:
die sind in österreich nur dann erlaubt werden, wenn sich landeshauptleute - die regierungschefInnen in den provinzen - aus fpö, övp usw daran beteiligen. dies haben die blockaden zu temelin eindrucksweise gezeigt. alle anderen blockaden sind laut deeskalationsprofi innenminister ernst strasser zu viel der provo und werden als gewalttätige aktionsform angesehen. es wäre an der zeit, haider und konsorten als gewalttäter zu orten ....

blockieren statt demonstrieren

anarcho 23.06.2001 - 21:25
leute, ich hab keine lust auf gekloppe.
wer salzburg kennt, weiss, dass wir keine chance haben, eine strassenschlacht gegen die polizei zu gewinnen .

nehmen wir ein anderes ziel:
blockieren wir ganz oesterreich!
dezentral und ueberall

ist einfacher, und die polizei hilft uns...

Grenzübergange blockieren !

Voice of Protest 23.06.2001 - 22:37
Wir sollten uns einen Grenzübergang aussuchen und ihn blockieren. Vielleicht können wir sogar mehrere blockieren.
Der Phantasie keine Grenzen setzen!
Nur eins ist wichtig : Friedlich und organisiert!

Grenzen blockieren

AntiFa 24.06.2001 - 12:54
Grenzen blockieren bringt in Österreich gar nichts (außer man demonstriert gegen Temelin...), da eine derartige Blockade ganz schnell wieder aufgelöst werden würde. Vor allem dann, wenn zu dieser Zeit die Grenzen mit Zöllnern + Polizei besetzt sind, da a das Schengen-Abkommen außer Kraft gesetzt wird. Wir sollten uns alle in Salzburg treffen und dann wenn es sein muss uns vielleicht eine Ersatz-Stadt (Österreich ist ja nicht so groß) aussuchen. Graz, Linz oder sogar Klagenfurt (Haider...) würden sich jedenfalls gut dafür anbieten...

nicht so pessimistisch

blockit 24.06.2001 - 13:12
blockaden bringen immer was. deshalb sind sie ja so verhasst von österreichs eliten. je mehr desto besser. siehe checkpoint austria. da war ja ganz schön was los und das medienecho enorm...

Frank Hertel

26.06.2001 - 00:50
Das Ziel des Protestes muß eine Massenbewegung sein. Die kann man nur hinkriegen, wenn man sich an die Gewohnheiten der Masse anpaßt. Die Masse haßt nichts so sehr wie Gewalt. Jeder Steinewerfer zerstört das Medienbild des friedlichen Aufstandes und hilft damit dem Angegriffenen der Masse die ganze Bewegung als gewaltbereit vorzugaukeln. Sich mit der Polizei zu prügeln ist Kinderei. Was kann eine Zwistel gegen die Atombombe ausrichten und welche friedliche Gesellschaft wird durch Gewalt erstritten? Ich bin für ein Auspacken der alten Hippiemethoden: free love, Blumen und diesmal keine Drogen. Irgendwann klappt es. Die Guten gewinnen immer.