Ich war in Göteborg

Susan George 21.06.2001 12:33
Ein Augenzeugenbericht
Ich war in Göteborg
Von Susan George
ATTAC Schweden hat jetzt zwischen 4.000 et 5.000 Mitglieder. Gemessen an der
schwedischen Bevölkerung ist das genauso viel oder mehr als in Frankreich - und
das weniger als ein Jahr nach der Gründung. Das ist ein bedeutendes politisches
Phänomen.
ATTAC Schweden bereitete den Gipfel in Göteborg seit mehreren Monaten vor und
führte Verhandlungen mit der Regierung und der Polizei, damit die Demonstrationen
gewaltfrei verlaufen. Der Vorsitzende des Rates von ATTAC, Hans Abramsson, der
einen Lehrstuhl für Friedens- und Konfliktstudien inne hat, stand im Zentrum des
Vorbereitungsprozesses. America Vera-Zavala traf mit dem Premierminister Goran
Persson zusammen (das Photo von America im Hemd mit rotem ATTAC Symbol ne-ben
Persson war auf der Titelseite von „Metro“ – der Tageszeitung des Gipfels). All
dies steht in der schwedischen Tradition der Absprachen und des Konsenses und
nach Aussage der ATTAC-Mitglieder konnte gegenseitiges Vertrauen geschaffen
werden.
Die Anstrengungen waren jedoch vergebens. Die Probleme begannen am Donners-tag
Nachmittag. Die Regierung hatte mehrere Schulen geöffnet, damit die Aktivisten
dort übernachten konnten. Es kursierte das Gerücht, dass in einer Schule Waffen
versteckt seien. Die Leute in der Schule weigerten sich, die Schule zu verlassen.
Darauf hin ließ die Polizei große Container bringen, um die Zugänge zur Schule zu
blockieren. Es gab erste Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestieren-den
in einem benachbarten Park, wo die Polizei entgegen der Zusage bei den Ver-handlungen
mit berittenen Einheiten eingriff.
Dennoch ereignete sich am Donnerstag nichts Schwerwiegendes, auch wenn die
Lage zunehmend gespannter wurde. Am Freitag wurden die Mitglieder der Gruppen
„Globalisation from Below“, „Ya Basta“ und „Tutte Bianche“ aus der Schule gedrängt.
Ich selbst war am Freitag im Alternativdorf, wo in Zelten zahlreiche Organisationen
Foren veranstalteten. Aber weniger als 500 Meter weiter hatten die Konfrontationen
und die Zerstörung bereits begonnen.
Auf der großen Avenue, die die Göteborger mit den Champs Elysées zu vergleichen
pflegen, war am Abend keine einzige Scheibe mehr ganz. Ungefähr zweihundert
Personen war es gelungen, tausend oder mehr Polizisten in Auseinandersetzungen
zu verwickeln. Die Polizei, deren Fahrzeuge zerstört worden waren, war völlig über-fordert
und gab scharfe Schüsse ab. Mindestens eine Person wurde im Unterleib ge-troffen
und wurde schwer verletzt, andere wurden leicht verletzt. Die Schweden
kannten derartige Gewalttätigkeit auf ihrem Territorium bisher nicht und waren
schwer schockiert.
Ich verurteile mit aller Klarheit und Eindeutigkeit diese Gewaltakte - und dies aus
mehreren Gründen. Unabhängig von den philosophischen Fragen, die damit verbun-den
sind und jenseits der Tatsache, dass unsere schwedischen Freunde ziemlich
traumatisiert sind, spielt die Gewalt dem Gegner in die Hände. Selbst wenn es Pro-vokationen
gab, auch wenn die Polizei zuerst mit Handgreiflichkeiten begonnen ha-ben
sollte, wie dies häufig der Fall ist, werden wir alle über einen Kamm geschert.
Die Medien sprechen natürlich nur über die Gewalt. Unsere Ideen, die Gründe für
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Ergänzungen

Dream sweet, Susan George!

21.06.2001 - 14:43
Selbst wenn es Provokationen
gab, auch wenn die Polizei zuerst mit Handgreiflichkeiten begonnen haben sollte, wie dies häufig der Fall ist, werden wir alle über einen Kamm geschert.
Es tut mir natürlich leid für ATTAC und ihre große Vorsitzende, wenn sie mit allen anderen über einen Kamm geschoren wird. Denn verdient hat es diese Sorte von Kapitalismus-Reformern, deren Argumentationen ("böses Finanzkapital") u.a. dem Antisemitismus Tür und Tor öffnen, sicherlich nicht.Es gab allerdings eine Menge Leute in Göteborg, die nicht zum internationalen Stiftungs-Jetset gehören, der sich auf der Straße nicht blicken läßt. Und die haben im Gegensatz zu Susan George leider am eigenen Leibe erfahren, dass die Polizei eben nicht "die Handgreiflichkeiten begonnen haben sollte", sondern nahezu jede Demo, egal wie gewaltfrei sie begann, brutal angegriffen hat. Was wir brauchen, ist eine Diskussion darüber, wie wir taktisch mit solchen Situationen umgehen, eine Diskussion darüber, ob es nicht völlig kontraproduktiv war, als Reaktion auf die Angriffe die Avenyn zu demolieren. Aber diese Diskussion sollte innerhalb der antikapitalistischen Teile der Anti-"Globalisierungs"-Bewegungen geführt werden und nicht mit Leuten vom Schlage ATTACs, die sich gegen die "böse Globalisierung" den fordistischen Sozialstaat zurückwünschen und die Polizeibrutalität relativieren.

Was erreichen ?

Anti-Anti 21.06.2001 - 15:59
Also ein Ziel von solchen Protesten und Sachbeschädigung
ist ja auch zu erreichen das die Städte nicht mehr
Jubelend den Massenmördern in den Vorstandsetagen ihre
Städte überlassen.

Göteborg sollte sich zweimal überlegen ob die sowas
noch wollen, und wenn nicht, dann haben die ihre 20 Mio.
Sachschaden gut und gerne verdient !

Diese Einschüchterung führt ja auch dazu das die
Herrschenden jetzt in Genua schon überlegen mit Schiffen
aufs Meer zu fahren.

Das nen ich einen super Erfolg von Göteborg.

In diesem Sinne, für die Abstimmung mit den Pflastersteinen.


attac?!

revoluzer 21.06.2001 - 16:11
also ganz kurz und schmerzlos!
attac hat und das aus eigener erfahrung in der schweiz und das speziell in zürich und in davos (landquart) genug unheil angerichtet! ich arbeite nicht mit leuten zusammen die mit bullen verhandeln oder sich im stillen kämmerlein mit WEF's treffen! ehrlich gesagt haben alle das recht ihren unmut auf irgend eine art und weise zum ausdruck zu bringen abermann sollte alle meinungen und gemeinsammen entscheidungen respektieren und ich habe das gefühl das die attacs sich keinen deut um so etwas kümmern!
von mir aus könnt ihr tausende mitglieder in jedem land haben, aber bevor ihr euch nich an die regeln haltet solltet ihr dahin gehen wo der pfeffer wächst!
wagt es ja nicht in genua euren kopf versuchen zu durchsetzten den sonst habe ich persöhnlich dort einen ganzen hauffen mehr feinde die ich bereit sein werde zu bekänpfen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Selbstverteidigung

seelenfresser 21.06.2001 - 16:20
Gewalt spielt dem Gegner in die Hände...
a) Die Medien besitzen eine Funktion in dieser Gesellschaft:
Sie sollen Stabilität durch Vertretung der herschenden Ideologie garantieren.
Die Mittel hierzu sind vielfaältig: Sie reichen von partieller Berichterstattung, über Lügen, bis hin zur Schaffung von Tatsachen.
Wenn man glaubt, daß man nur friedlich protestieren müßte, um in den Medien seine Inhalte positionieren zu können, hat wohl ein falsches Bild von Staat und Medien.

b) die Ausschreitungen waren im Vergleich zu Pragh nicht besonders krass, sie waren eher gemäßigt. (So weit ich das als daheimgebliebener beurteilen kann). Es flogen z.B: keine Mollis...

c) das Verhalten der Polizei war äußerst skrupellos. Gewalt seitens der Demonstranten tritt meist als Reaktion auf Polizeigewalt ein. Ich finde hier den Begriff Selbstschutz, Selbstverteidigung weitaus passender.

Steine und so

Yope 21.06.2001 - 16:40
Die Riots am Samstag waren geplant und das läßt sich nicht weglügen. Die Sache am Freiteg daggen war Selbstverteidigung. Ich kann nur noch mal den Satz wiederholen, der oben steht: "Was wir brauchen, ist
eine Diskussion darüber, wie wir taktisch mit solchen Situationen umgehen, eine
Diskussion darüber, ob es nicht völlig kontraproduktiv war, als Reaktion auf die
Angriffe die Avenyn zu demolieren." Frage: Warum will die Polizei die Randale? Um uns einen Gefallen zu tun? Schluss mit dem selbstbelügen!

Die Riots am Samstag?

Zope 21.06.2001 - 16:54
Yope schrieb: "Die riots am Samstag waren geplant.". Welche Riots am Samstag? Am Samstag war die große Bündnisdemo und abends die (versuchte) Demo gegen Polizeigewalt, die sofort eingekesselt wurde. Bei beiden gab es keinerlei Riots. Oder habe ich irgendwas nicht mitbekommen?

Riots

Yope 21.06.2001 - 17:21
!7.oo in der Einkaufstraße und abends nach RTS. Die Bullen wussten das und haben den Leuten von der "Planung" gesagt: "Macht mal nich". Ham die aber abgelehnt. Das was bei der Bündnisdemo lief, ging klar von den Bullen aus, als die einfach einen Demozug gestoppt haben. Ich will nur ausdrücken es gibt kein gut-böse wie beis StarWars. (Gut-Böse-Schemen halte ich für reaktionär)

21.06.2001 - 17:27
1.) ATTAC vertritt einen globalisierungskritischen ansatz, der sich primär um das als grenzenlos imaginierte finanzkapital dreht und damit die sphäre der produktion außen vorlässt bzw. als sekundäres problem darstellt. bekämpfen will ATTAC die "globalisierung des finanzkapitals" mit, wie oben schon gesagt, staatlichen methoden, etwa der tobin-steuer, d.h. der besteuerung von aus finanzspekulation gewonnenen erträgen. ATTAC wünscht sich also den seit dem ende des fordismus und keynesianischer steuerungsmodelle nicht mehr funktionsfähigen sozialen nationalstaat zurück.
die trennung von zirkulations- und produktionssphäre ähnelt allgemein oft der antisemitischen trennung (z.b: der nazis in "raffendes" finanz- und "schaffendes" (bei den nazis das deutsche) industriekapital. antisemitismus kann mensch ATTAC zwar nicht vorwerfen, eine verkürzte kapitalismuskritik, die durchaus bei einigen auf den fruchtbaren antisemitischen boden fallen kann, allerdings schon.
2.) ATTAC ist eine NGO, d.h. eine nichtregierungsorganisation, die die herrschenden durchaus einzubinden wissen und die sich auch einbinden lässt, weil ihr selbstverständnis ist, dass nur in der konstruktiven diskussion mit den verschiedenen agenturen der macht etwas zu erreichen ist. das weiss die EU/IWF/...-öffentlichkeitsarbeit zu nutzen, indem in die guten, d.h. konstruktive vorschläge machenden NGOs und die bösen, marodierenden polit-hooligans getrennt wird. das sieht mensch ja an den beiträgen in den bürgerlichen medien. ATTAC selber verbreitet diese these zur eigenen selbststilisierung und im glauben mit ihrem einfluss auf die mächtigen wirklich etwas reißen zu können. das NGOs nix reissen, sieht mensch exemplarisch an den ergebnissen der kyoto-klima-konferenz; unter dem "maßgeblichen einfluss" von NGOs kam hier ein lächerlicher beschluss zustande, der bis heute nicht umgesetzt ist (und das nicht nur wegen den USA).
3.) als eine solche NGO vertritt ATTAC einen führungsanspruch innerhalb von globalisierungskritischen bewegungen, der nicht mal angesichts der mitgliederzahlen (die bei weitem nicht so imposant sind, wie sie oft dargestellt werden) gerechtfertigt ist und zu solch spalterischen kommentaren wie da oben führen. nicht umsonst ist ATTAC in deutschland stark mit linksruck verbändelt.

insgesamt sollte aber mal darüber nachgedacht werden, inwiefern die linksradikale anti-globalisierungsbewegung nicht über die eigenen theoretischen grundlagen nachdenken sollte, z.b. über eine differenzierte kapitalsimuskritik. der blinde anti-amerikanismus auf der anti-bush-demo in göteborg z.b. ist definitiv nicht der richtige weg. die eu selber ist mit ihren weltpolitischen ambitionen genug angreifenswürdig. mit berlusconi haben 'wir in europa' einen noch rechteren staatschef als bush und die hegemonialansprüche deutschlands innerhalb der eu sind durchaus beobachtungswürdig.

über so eine dümmliche anti-gewalt-rhetorik wie sie da oben geäußert wird ist es nun echt nicht notwendig zu diskutieren, das dürfte seit 100 jahren gegessen sein.

anticapitalist ATTACK now!
soziale revolution weltweit!
START THE RIOT!

Dumm? Oder Absicht?

rabarber 21.06.2001 - 18:16
Bezeichnend für euer ganzes abgehobenes Nixblicker-Geschafel hier ist die Äußerung vom "revoluzer"lein: In b) sagt er, er sei nicht dabei gewesen und gibt eine Meinung ab, in c) weiß er aber plötzlich ganz genau Bescheid, obwohl er ja wie in b) geschrieben eigentlich nichts weiß. Die Tragik: Wenn nicht nur solche Schwachmaten wie das hier versammelte Radauvolk mit ihrer dümmlichen Argumentationsweise an politischen (und im Gegensatz zu hier _öffentlichen_) Auseinandersetzungen teilnehmen würde, könnte man vielleicht sogar (endlich mal!) etwas erreichen. So habe ich aber den Eindruck, dass alle, die nur dumm genug sind, hier im stillen Kämmerlein vor sich hin schimpfen, weil sie es zu mehr nicht bringen. Da hocken sie vor ihren Mediamarkt-Rechnern, elitäres Pack, und wollen etwas über reclaim the streets erzählen.

Nicht die Tage velwechsern

Zope 21.06.2001 - 18:47
Yope, nicht die Tage velwechsern. Die Demo morgends und RTS abends war am Freitag, nicht am Samstag. Samstag gab es keine Auseinandersetzungen.

sorry, mit den tagen....

Yope 21.06.2001 - 19:08
Wenn man so einer ist, der keinem geregeltem Job nachgeht, naja scheiss Ausrede. Habs einfach verplant....

Widerstand ja Gewalt nein

forestwolf 21.06.2001 - 19:14
revoluzz ich stimme dir so weit zu das widerstand wichtig ist!!!! Auf jeden Fall!!!! Aber ich denke wenn jemand verhandeln möchte (attac) das akzeptiere ich das als ihre Entscheidung bzw. ihren Beitrag zum widerstand auch wenn ich sie nicht unbedingt verstehe bzw. nachvollziehen kann.
Zu den anderen: Ich stimme seelenfresser zu. Gewalt stellt uns in ein schlechtes Licht. Ok die Krawallmacher sind auf allen Titelseiten und in allen Nachrichten. Aber was ist mit den anderen tausenden von Protestlern? den Umweltschützern, den Tierschützern, den Free - Tibetaktivisten? Ihr Anliegen gerät in vergessenheit bzw. wird kaum oderr gar nicht zur Kenntnis genommen. Und das nur weil irgendwelche Krawallzwerge meinen sie müssten sich mal wieder mit den Bullen prügeln!!!!!!! Sowas finde ich nicht gerecht!!!!!!

Yope hat recht

forestwolf 21.06.2001 - 19:26
Ein Böse - Gut schema wie in StarWars sehe ich hier nicht. Die Bullen haben sich weitgehend zurückgehalten (ausgenommen den Schusswaffengebrauch!!)

Langfristige Strategie???

Joe 21.06.2001 - 19:52
Ich finde einige der Beiträge hier sehr interessant! Ich glaube auch das wir mal eine Strategieüberlegung beginnen sollten anstatt uns in diesem Lobenswerten Medium ständig zu beschimpfen.
Ich verstehe die Gewalt auf den Straßen, den Frust und die Lust mal nicht auf der Verliereseite zu stehen und es denen die es wirklich verdient haben mal zu zeigen.
Aber: der entscheidende Antikapitalistische Kampf findet doch direkt bei uns zu hause, in unserer Stadt statt. Oder?
Wenn wir es nicht schaffen in jeder Stadt und in jedem Dorf unabhängige, kritische und motivierte Menschen zu sammeln, dann hilft uns auch der schönste Battle sonstwo auch nix.
Wir müssen doch Gesellschaftliche Mehrheiten schaffen die es uns ermöglichen eine Umstrukturierung der Gesellschaft vorzunehmen(Es gibt Menschen die sagen auch "Revolution").
Ich glaube das solche Riots noch zu früh sind. Es schreckt viele (latent) linke ab vor ort mitzumachen, wenn sie ständig mit solchen Gewaltbildern konfrontiert werden und ausschließlich das mit Anitkapitalistischem Widerstand asoziieren.
Wie gesagt, ich verurteile die Gewalt nicht grundsätzlich, halte sie aber aus strategischen Gründen noch zu verfrüht.
Sollten wir nicht noch warten bis wir mehr werden?
Die ganze Widerstandsbewegung zieht, glaube ich, zur Zeit viele Menschen auf unsere Seite. Wir sollten den Medien nicht erlauben uns diesen "Run" wieder kaputt zu machen.
Was meint ihr dazu, teilt ihr solch eine einschätzung?
Ich würde gerne mal ohne beleidigungen diskutieren.

traeumer

tungtsen 21.06.2001 - 19:59
strategie und taktik finde ich auch nicht verkehrt zu bedenken, trotzdem, wenn hier einige beitraege lauten, nur wegen der steinewerfer kam fast nix von unseren schoenen friedlichen protesten und klugen ansaetzen rueber, dann moechte ich euch fragen, wo lebt ihr denn ?!!! hier wird nur das berichtet, was den herrschenden passt und wenns keine krawalle gegeben haette, dann eben nur ein bild von der schoenen friedlichen demo und das wars... oder denkt ihr, sie haetten in der gewonnenen zeit unsere flugis verlesen ?!!!
aber nix fuer ungut, veraenderungen kommen nicht ueber nacht..

Ergänzung

Das ? 21.06.2001 - 19:59
Was auch nicht fehlen darf: Wie versuchen wir heute das zu leben, was wir vorgeben zu erkämpfen? Wo versuchen wir Hausgemeinschaften, Kommunen, Tauschringe, Nachbarschaftshilfe zu organisieren? Daran misst sich auch die Glaubwürdigkeit - inwieweit haben wir Alternativen und inwieweit versuchen wir heute schon etwas davon umzusetzen?

Forrest Wolf und Yope haben recht

E T 21.06.2001 - 20:00

linker Abschaum <-> linke Elite?

ratzenbauch 21.06.2001 - 20:19
langsam scheint sich hier herauszukristallisieren, daß es einen konflikt zwischen zwei fraktionen im linken lager gibt. zum einen eine weitgehend friedliche, zu dialogen (evtl. sogar zu kompromissen) bereite gruppe und zum anderen eine auf prinzipien beharrende, sich selbst als unterschicht (anscheinend auch gegenüber anderen linken gruppierungen) bezeichnenden militanten fraktion, die glaubt die politik durch straßenkämpfe beeinflussen zu können. während ich die erste fraktion nicht unterstütze aber dennoch voll respektiere scheint die zweite fraktion um jeden preis auf konfrontation aus zu sein, und zwar mit jedem der eine leicht abweichende meinung hat. dabei wird nicht davor zurückgeschreckt, leute aus politisch sehr ähnlichen lagern anzugreifen (hier: verbal). interessant ist zudem, daß viler aktionen, an denen sich beteiligt wird, häufig unter dem deckmatel der humanität stattfinden. dies ist geradezu skurril, da ja humanität zunächst einmal den respekt gegenüber anderen voraussetzt. also was ist das ziel dieser leute? wann sehen sie ihr ziel als erreicht an? wenn alle genau wie sie denken (=gleichgeschaltet sind)? ein rätsel...

Herrschende?

Ted 21.06.2001 - 20:28
Immer wieder liest man hier von den Herrschenden. Da muß man sich eigentlich mal fragen: Was für Flaschen seid Ihr denn? Seid Ihr vom Selbstverständnis her Sklaven? Heißt dieses Gelaber von Herrschenden, daß niemand in Deutschland eine Chance hat, in der Politik mitentscheiden zu können? Dann seht Euch doch einmal die Lebensläufe vieler Politiker und Unternehmer an. Die haben viel aus nichts gemacht. Mir kommt es fast so vor, als ob dieses dumme Geschwätz über Herrschende nur eine Ausrede ist, um das eigene Versagen nicht zugeben zu müssen. Zudem wird es als Vorwand genommen, um einmal Randale zu veranstalten, weil dadurch den Anschein gegeben wird, es geschieht für einen guten Zweck. Nur weil man selber ein Loser ist, sind die anderen nich lange keine "Herrschenden" oder sogar "Ausbeuter".

@ ratzenbauch

Yope 21.06.2001 - 21:23
Tja, ganz so einfach ist es eben doch nicht. Es gibt die verschiedensten Strömungen und innerhalb diese mehr oder weniger dogmatische Personen/Gruppen. Aber auch hier kann nicht gesagt werden, daß die gewaltbereiteren dogmatischer sind. Ist ziemlich kompliziert. Ich selber bin eher anarchistisch orientiert, lehne Gewalt ab (ausser Notwehr oder "letztes Mittel")....
Ted kann sich seinen Quatsch selbst beantworten, da muss wohl niemand drauf eingehen...

Hat jemand einen Stein fuer mein Monitot

Sier/thier 21.06.2001 - 23:29
...lässt sich ja vom finanziellen Umschlag heraus,
ersetzen...EU-Hirnkeulen

und das wars

Joshua 22.06.2001 - 02:44
Hey JOE, ich kann dir nur zustimmen, in meinem Augen schadet diese extreme Gewalt nicht nur in dem Sinne das Sie viele Leute abschreckt, sondern das die Bewegung die ja zur Zeit aus sehr sehr vielen verschiedenen Gruppen mit verschiedenen Backgrounds besteht, auseinanderbrechen wird, wenn es in Genua oder vorher in Salzburg so weiter geht. Und es wird ja wohl nicht ernsthaft hier jemand glauben das die Autonomen wirlich alleine etwas reissen können. Warum war Seattle so ein Erfolg? Bestimmt nicht weil jede Gruppe alleine rumgewerkelt hat und eine Minderheit meinte Sie müsste auf jedenfall Riots losschlagen. Ich komme auch aus der Autonomen Bewegung und da können einige Leute hier sagen was sie wollen, es kommt nicht nur einmal vor das sich zu Riots verabredet wird und die Leute genau wissen wo sie hingehen müssen um Randale zu machen. Ganz schön arm, aber diese Leute werden es wieder einmal schaffen das eine breite Bewegung auseinanderfällt. Danke schonmal dafür...

Gewalt

soulbomb 22.06.2001 - 03:13
Den Kommentar von Ted lassen wir mal raus, der hat offensichtlich noch nichtmal begriffen, worum es hier geht, bzw. dauert das ein wenig, ihm zu erklären, dass seine Ansich zwar allseits bekannt, aber dennoch Blödsinn ist. Ich denke, dass hier in der Diskussion der Hauptpunkt ausser Acht gelassen wird. Es ist richtig, dass Gewalt uns vor allem durch die Art der Darstellung in den Medien nix bringt, was uns aber nicht dazu bringen sollte, uns von denen, die dort Steine schmeissen oder was weiss ich auch immer zu entsolidarisieren. Genausowenig, wie hier Organisationen wie Attac undifferenziert angegriffen werden sollten. Das erste ist, dass wir ganz genau darauf achten sollten, uns nicht spalten zu lassen und nicht anfangen, gegeneinander zu schiessen. Wir haben den selben Gegner. Aber ansonsten müssen wir uns darüber klar sein, dass die Aktionen, die bei den wie auch immer benannten Gipfeln laufen, zwar extrem wichtig sind und wir sie auch fortführen sollten. Aber was ist, wenn die Herrschenden dann wirklich auf ein Schiff flüchten? Ist das tatsächlich ein Erfolg? Denen wird schon eine Möglichkeit einfallen, sich ausserhalb unserer Einflussbereiche zu treffen. Wir müssen verstehen, dass das System weder auf solchen Gipfeln entsteht, noch unsere Blockaden es wirklich gefährden. Produziert, konsomiert, unterdrückt, ausgebeutet, entrechtet, belogen wird doch vor Ort, vor unserer Haustür, in Europa, Asien, Amerika, Australien, Afrika. Wenn wir es vergessen, dort zu kämpfen, zu informieren, zu organisieren und zu protestieren, die Verhältnisse in Frage zu stellen, können wir auch nicht gewinnen, egal wie unsere Taktiken auf den Gipfeln aussehen. Wir müssen die Stinos gewinnen, und mit ihnen für uns alle arbeiten! Weiter gehts!

Die Bewegung muss wieterleben

forestwolf 22.06.2001 - 11:08
Ich stimme Joe zu. Gewalt schadet nicht nur unserer Bewegung, sie schreckt auch viele Sympatisanten ab. Momentan sind sehr viele unterschiedliche Gruppen und Bewegungen vereinigt und haben ein gemeinsames Ziel. Und ich denke jede dieser Gruppen ob kirchlich oder Umweltschutz oder Free-Tibet haben ein Recht darauf ihr Anliegen friedlich unter die Leute zu bringen. Und ich kann nicht akzeptieren das irgendwelche Krawallzwerge diese Bewegung spalten. Das kann ich weder verstehen noch akzeptieren! Diese Bewegung vereinigt zum ersten mal viele linke Gruppen mit teilweise unterschiedlichen Anliegen unter einem Ziel! KEINE GLOBALISIERUNG!!! Und ich bin der Meinung diese Bewegung darf nicht durch irgendwelche Randalierer gespalten bzw. ins Abseits gedrängt werden. Auch meine ich, das eine Diskussion ohne gegenseitige Beleidigungen möglich sein sollte.

Gemeinsames Ziel?

22.06.2001 - 13:08
Na da kommen wir ja langsam mal zum Kern der Sache. Forestwolf schreibt:
Momentan sind sehr viele unterschiedliche Gruppen und Bewegungen vereinigt und haben ein gemeinsames Ziel.
Kann dieses Ziel mal jemand benennen? Welches gemeinsame Ziel haben Anti-KapitalistInnen auf der einen Seite; ATTAC, Tute Bianche und andere staatsfixierte Retter der Politik und des fordistischen Regulationsstaates auf der anderen? Was verbindet letztere wiederum mit US-amerikanischen Gewerkschaftern der AFL-CIO, die nur deshalb gegen die "Globalisierung" sind, damit nicht noch mehr japanische Autos ins Land kommen?
Wo bitte, ist bei dieser Gemengelage das "gemeinsame Ziel"?
Wenn wir daneben mal einen Blick weg von den Inhalten auf die Auseinandersetzungsformen werfen. Einige Leute hier sollten sich ernsthaft fragen, ob Scheinheiligkeit heilbar ist. Warum wißt ihr überhaupt. dass es die "Bewegungen" gegen die kapitalistische "Globalisierung" gibt? Bei den allermeisten wird es so sein, dass sie mit glänzenden Augen die Bilder aus Seattle, Prag, Quebec im TV konsumiert haben. Diese Berichte hat es gegeben, weil es in bei diesen Gipfeln (zu Recht) gescheppert hat. Wer von den Leuten hier hat mit mehr als einem Achselzucken die zwei Zeilen über die Demo gegen den Gipfel in Köln 1999 zur Kenntnis genommen, oder wüßte auch nur wo Seattle eigentlich liegt, wenn 40.000 Leute einfach nur um den Block gezogen wären?
Wer sich die Mühe gemacht hat, die Berichte zu lesen, weiß, dass nahezu alle gewalttätigen Auseinandersetzungen in Göteborg dadurch entstanden sind, dass die Polizei gewaltsam versucht hat, Demos oder Aktionen zu stoppen, von denen davor keine Angriffe ausgegangen sind. Bevor also "abstrakt" über Gewalt diskutiert wird: Wer von euch hätte sich glücklich lächelnd zusammenschlagen lassen?
Gewalt ist ein Grundprinzip der bürgerlichen Gesellschaft, sie wird täglich in jeder Fabrik ausgeübt, der bürgerliche Staat gießt sie in Gesetze und übt sie aus. Solange das so ist, wird notwendigerweise auch der Kampf um die Abschaffung des bürgerlichen Gewaltsystems auf die eine oder andere Weise gewalttätig sein. Es sei denn, jemand entschließt sich (habe ich durchaus Hochachtung vor) aus moralischen und politischen Gründen dafür, diese Gewalt gegen sich hinzunehmen und notfalls auch die andere Backe hinzuhalten.
Worum es bei der Diskussion um Göteborg geht, ist nicht, ob Gewaltanwendung als Selbsschutz legitim oder verwerflich ist, sondern ob bestimmte Formen von Gewaltanwendung (z.B. Zerlegen einer Einkaufsstraße) in bestimmten Situationen und Kontexten sinnvoll oder konterproduktiv sind. Und in Göteborg war das (wie man schon vorher mit einem Minimum an Analyse der schwedischen Situation hätte wissen können) absolut konterproduktiv. Das ändert aber nichts daran, dass die Gegenwehr gegen die Angriffe der Polizei legitim und notwendig war!

Tut das weh !!!

georg 22.06.2001 - 19:03
Wer glaubt das es möglich ist eine Demo "friedlich" durchzuführen, wenn Staat/Politik/Bullen was dagegen haben -
ist ein Idiot !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Sorry, aber Indymedia ist mir echt zu wichtig um hier ständig son Scheiß zu lesen - GEHT EEEEEEENNDLIIIICH SELBER MAL ZU EINER DEMO
-Gegen die Eure Lokalpresse schon vorher hetzt, ne "Scheiß auf Kapitalismus" -, Antifa- , Anti-Gelöbniss-, Pro Hausbesetzer-, Reclaim the streets- bla............- UND VERGESST DIE "DEUTSCHLAND EINIG ANTIFA" DEMOS(wo der Staat selber "gegen" Rechts demonstriert-Welche Farce!!-da werden nur kritische Plakate von Zivis entfernt,s0nst nix )...............................................!!!?
WUNSCHDENKEN HILFT NIEMANDEM!!!!!!!!!!!!!!!!Unsere Dummheit nützt aber schon..
Selbst für Knallerbsen (auf den Boden!) werfen wurden Leute schon als GewalttäterVERURTEILT!!!-versuchteKörperverletzung.=300.-DM trotz Berufungetc,etc.......,...............................................
Es tut weh ! Ja !!! Aber Deine/Meine Wünsche, wie diese Gesellschaft sein sollte spielen Keine Rolle wenn es darum geht, den Ablauf einer Demo oder den Zustand dieser Gesellschaft zu beschreiben! Es zählt nur
das was WAHR ist. Die Wahrheit ist DAS, was passiert,ganz einfach. Geht hin und schreibt DANACH wieder einen Kommentar für Indymedia- Danke und sorry

sind friedliche Demos möglich?

forestwolf 22.06.2001 - 19:28
Ja sie sind es!!!! Zu georg: Es gibt friedliche Demos auch wenn Vaterlein Staat dagegen ist. Wenn man in der Lage ist Kompromisse einzugehen. Damit meine ich nicht zu allem was die Bullen vorgeben ja und amen zu sagen!! Aber es gibt bestimmt Lösungen womit alle Leben können. Was mir allmählig
auf die Nerven geht, ist der ständige Versuch einige Leute hier, die Gewalt zu legitimieren bzw. schön zureden!!!!
In meinen Augen ist es ziemlich arm, wenn die einizige Möglichkeit des Widerstandes in Gewalt besteht!!?
Es gibt viele kreative Formen des Widerstandes, wo niemand verletzt wird (weder von uns noch von den Bullen oder unbetiligte). Ich bin der Meinung Gewalt sollte nur als allerletztes Mittel der Selbstverteidigung verwendet werden,
wenn Gefahr für Leib und Leben besteht. Ich finde es auch völlig daneben, das Leute die hier für friedliche Lösungen eintreten, andauernd von anderen deswegen angemacht werden!!!!!

Friedlich und so

Berliner 22.06.2001 - 19:32
RTS ist friedlich, Critical Mass, Seattle war friedlicher als Göteborg usw.... nur weil die es uns schwer machen, müssen wir doch nicht gleich sagen: "Na dann wollen wir auch Gewalt" Warum will der Staat Riots?

Re: Friedlich und so

forestwolf 22.06.2001 - 19:45
Das frage ich mich auch!!!!!!!!!

Jesus hilft

Papst Pius 22.06.2001 - 23:22
Wenn die Polizei Euch unter Feuer nimmt - bleibt friedlich, wenn es Napalm in Vietnam regnet - bleibt friedlich. Macht es nicht so wie der Vietcong, die haben ja tatsächlich nackte Gewalt gegen die US-Bomberpiloten eingesetzt. Und sind deswegen auch ganz schlecht in den Medien weggekommen.
Wenn ihr diesen Rat befolgt werden wir vom Vatikan euch auch vor Gott positiv erwähnen - vor allem euer Einsatz den schwedischen Ministerpräsidenten im Vorfeld zu treffen - Respekt. Vielleicht schafft ihrs ja beim nächstenmal bis George Bush ?

Zum Demonstenten georg

E T 23.06.2001 - 03:08
Klar georg gemacht, war auf Demos und habe sie mir angeschaut, und Gereade deswegen kommentiere ich hier !!!!!!!!!!!!!!!!!!

zu dem Plasphemiten,

E T 23.06.2001 - 03:12
Alter Ganz Schön Weit Unten wa, Klar hilft Jesus, oder hast du was gehört, das die Friedlichen Demonstranten Schüsse ind Die A...llerwertesten bekommen haben?

zu dem Plasphemiten,

E T 23.06.2001 - 03:13
Alter Ganz Schön Weit Unten wa, Klar hilft Jesus, oder hast du was gehört, das die Friedlichen Demonstranten Schüsse in die A...llerwertesten bekommen haben? (Korrektur, NIX Alphabetnix)

lasst die diskussionen

riot@genua.org 25.06.2001 - 21:08
Anstatt seitenweise über den sinn und zweck von gewalt zu diskutieren, solltet ihr euch auf die riots in genua vorbereiteten. Militanz ist nix spontanes und muß organisiert werden. Militanz ist die derzeit einzige möglichkeit seinen klaren destruktiven Standpunkt zum totalen Kapitalismus rüber zu bringen. Die Medien greifen es auf. Also: Wir wollen alles kaputtmachen. Seit destruktiv. Genua in Schutt und Asche legen. Rache für Göteburg. Kapitalismus kaputtmachen.

Netter Versuch

X 26.06.2001 - 00:41
Verpiss Dich mal Du scheiss Bulle! PS: Wenn Du kein Bulle bist, dann jemand der den Bullen in die Hände spielen will....

Fazit:

Verbrecherin 26.06.2001 - 01:19
... viel zu viele Staatsschützler&Faschos auf diesen Seiten, die mehr od. weniger plump versuchen Spaltungsdiskussionen voranzutreiben (immer dieselben, moraldurchtrieften "Gewalt,Gewalt,Gewalt-links=rechts"-Zwischenkeifer) ...
... und was mensch hier für haarsträubende Kommentare von ächtänInsaidan abgeliefert bekommt: Konflikte zw. proletarischen-alleszusammenschlagenden-niemalsduschenden Autonomen und der "linken Elite"(<---Hä???) und lauder solches Zeux...
Brrr... da schauderts mir!