Was wollen wir erreichen?

Gruppe A 21.06.2001 04:16 Themen: Weltweit
Nach Göteborg ist vieles anders. Bei einigen AktivistInnen macht sich Katerstimmung breit. Was wollten wir eigentlich dort? Waren es nicht politische und gesellschaftliche Ziele die wir hatten? Was hat uns Göteborg gebracht?
Bild: Delegation aus dem Lande Absurdistan will Zutritt


Sinn von AktionenMachen wir Aktionen nur der Aktion wegen? Genügt es sich bei der Bewertung einer politischer Aktion nur zu fragen, ob sie geklappt hat? Ist es nicht viel wichtiger zu sehen, was sie im Endeffekt gebracht hat?
Es geht doch eigentlich bei politischen Aktionen vor allem um zwei Dinge:

1.) Die Gründe und das Anliegen, die zur Aktion geführt haben soll bekannt gemacht werden, Verständnis soll geschaffen werden. Leute sollen aufgerüttelt werden. Nur so kann die Bewegung wachsen. Nur so werden sich mehr Menschen engagieren. Nur so wird es Rückhalt und Verständnis in der Bevölkerung gegen.
2.) Druck soll auf die Obrigkeit ausgeübt werden. Dies funktioniert aber nur, wenn die Bewegung eine gewisse Stärke hat und entsprechenden Rückhalt in der Bevölkerung. Beispiele hier finden sich etwa bei der Anti-AKW-Bewegung in den 70er und 80er Jahren oder bei der Hausbesetzerbewegung in Amsterdam in den frühen 80ern.


Anhand zweier aktueller Beispiele soll genauer erklärt werden, was gemeint ist:

--> Online-Demo gegen die Lufthansa:

Hier gibt es drei mögliche Ergebnisse, die möglich wären:
a) Das Blockieren der Seite gelingt nicht wirklich - dafür findet die Aktion ein starkes Medienecho, das Anliegen wird zum wichtigen Thema in der Berichterstattung. --> Bei diesem - ja tatsächlich erreichten - Ergebnis wird ganz klar das Ziel erreicht. Fast jede größere Zeitung berichtet über die Aktion und den Grund.
zu 1) Anliegen und Hintergrund konnte vermittelt werden, es gibt teilweise Sympathie bei Medien und in Teilen der Bevölkerung. zu 2) Druck konnte ausgeübt werden. Teilweise wird er sichtbar, wenn wir uns ansehen, wie die Lufthansa-Leute nach der Aktion Indymedia mit Hass-Kommenaren geradzu überschüttet haben. Aber auch einige blosstellende Reaktionen heute bei der Versammlung der Aktionäre.
Natürlich wurde nicht geschafft, Abschiebungen zu verhindern. Aber so etwas mit einer einzigen Aktion zu schaffen ist dann wohl doch utopisch.
b) Die Blockade der Seite hätte gut funktioniert, das Medienecho wäre gering gewesen. --> Hier wäre die Aktion eigentlich fehlgeschlagen. Lufthansa tut es nicht wirklich weh, wenn mal die Seite für ein oder zwei Stunden nicht zu erreichen ist. Ohne entsprrechendes Medienecho wäre auch gar nicht klar geworden was diese Aktion eigentlich sollte oder daß es überhaupt eine Aktion gegeben hat.
c) Die Blockade hätte gut funktioniert und die Aktion findet ein starkes Medienecho, das Anliegen wird zum wichtigen Thema in der Berichterstattung. --> Das wäre das I-Tüpfelchen zu a)


--> Aktionen gegen den EU-Gipfel in Göteborg:

Hier gibt es drei mögliche Ergebnisse, die möglich wären:

a) Es gelingt nicht wirklich den Gipfel zu blockieren, aber die Medien über Inhalt und Hintergrund der Aktionen. --> Wie oben wäre Ziel 1) und - wenn entsprechend viele verschiedene Aktionen, die auch den Ablauf des Gipfels beeinträchtigen - unter Umständen auch Ziel 2).
b) Der Gipfel wird erfolgreich blockiert oder muss verschoben werden und die Medien - die nach wie vor die Definitionsmacht haben - berichten nicht über Inhalte und Hintergründe, sondern lediglich über Action und sinnentleerte Rituale. --> Das ist das Ergebnis, an welches wir uns mittlerweile gewöhnt haben. Selbst bei friedlichen Protesten, wie bei denen im Wendland, schaffen es die "Corporate Media" immer wieder das Bild von Krawallen hinzumalen. Aus genau diesem Gründen gibt es ja Gegenöffentlichkeit, wie etwa Indymedia.
c) Es gelingt den Gipfel zu behindern und die Medien berichten zumindest teilweise über Inhalt und Hintergrund der Proteste. --> Dies ist ganz ohne Frage der Idealfall, wie er nur sehr schwer zu erreichen ist. Aber N30 in Seattle und Carnival Against Capitalism in London 1999 ("J18") haben gezeigt, daß es möglich ist. Soetwas funktioniert aber nur, wenn wie oben erwähnt Inhalte vermittelt werden können - wenn nicht durch die Medien, dann eben direkt - und Rückhalt oder zumindest Verständnis in der Bevölkerung vorhanden ist.


Was hat Göteborg gebracht?Die Aktionen in Göteborg sorgen aber dafür, daß die Anti-EU- Bewegung isoliert werden könnte. In Skandinavien ist die Anti-EU-Bewegung ziemlich stark verwurzelt. Träger hier sind etwa die anarchosyndikalistische SAC oder einige libertäre Kommunistische Parteien. Die Riots in Göteborg könnten dieser Bewegung einen harten Schlag versetzt haben. Teile der Bevölkerung haben kein Verständnis für die Aktionsform "Auto von mir abfackeln" und distanzieren sich. Da helfen auch keine zynische Kommentare von Dummköpfen, wie etwa: "Das sind Kollateralschäden, im Krieg gegen Serbien habt Ihr doch auch nichts dagegen gesagt".
Zusätzlich wird es schwerer AktivistInnen zu mobilisieren, die nicht extrem radikal sind.

Hier soll natürlich nicht das Bild der Medien übernommen werden, wonach ein paar hundert böse Krawallmacher wären nach Schweden gereist wären und die "Guten Demonstranten" unterwandert hätten. Eskaliert hat die Polizei, als sie den Gegengipfel verhindert hat und grundlos eine Demonstration gestoppt hat.
Andererseits waren die Riots für Samstag 17.00 geplant gewesen.
Eine weitere Gefahr besteht in der Gefahr der Spaltung: Die schwedische Regierung versucht momentan mit den "guten" Demonstranten ins Gespräch zu kommen. Dies ist aber vielleicht die letzte Möglichkeit zu versuchen, 1) und unter Umständen 2) zu erreichen. Die Fragen, vor der jetzt Teile dieser vielfältigen Bewegung stehen sind: Bedeutet ein Dialog, daß wir uns spalten und eventuell integrieren und damit "unschädlich" machen lassen? Was bringt es uns die 5 Prozent der Bewegung, die uns zusätzliche Repression bedeuten, die uns dominieren und inhaltliche Auseinandersetzung verhindern wie ein Gewicht mitzuschleifen?
Hier soll nicht bewertet werden, sondern nur erwähnt werden, welche Fragen sich stellen.
Neben der Tatsache, daß bei Riots keine Inhalte artikuliert werden, steht die Bewegung auch vor dem Dilemma, keine sichtbaren Alternativen zu vermitteln. Sicher sind diese da und stehen auch im Mittelpunkt vieler Auseinandersetzungen, doch sind diese nach außen hin nicht zu erkennen. Der Eindruck entsteht, daß die Bewegung(en) nicht für, sondern nur gegen etwas sind. Die Frage wieviel derjenigen die Gewalt als politisches Mittel bevorzugen - nicht nur in Situationen, die nichts anderes zulassen, sondern überall wo möglich - versuchen das, was sie vorgeblich erkämpfen, auch zu leben ist sicherlich gerechtfertigt. Wieviele versuchen tatsächlich anders zu leben, sich in Kommunen, Genossenschaften oder anderem zu organisieren?
Bevor hier aber Dinge, die woanders stehen wiederholt werden, haben wir uns gedacht, einige der intelligenteren Kommentare aus der hier ablaufenden Gewaltdebatte zu dokumentieren.

Polizei geht gegen friedliche Menschen vor


Mordversuch


Dokumentation diverser KommentareZunächst Ein paar Komentare derjenigen, für die nur nur Gewalt als Lösung von Problemen in Betracht kommt:


aus: Göteborg - Erste Bilanz

psd: Zu den miltitanten Hippies................................... 17.06.2001 00:52
...eine kurze Erklärung: Es gibt sehr wohl militante Hippies, die Ihre Gewaltlosigkeit mit Gewalt anderen Demonstranten aufzwingen wollen. Besonders im Wendland kann man immer wieder schöne Exemplare dieser Spezies finden.

Irgendwo:

Steineschmeisser: Wem nutzt die Gewalt?............ 16.06.2001 19:07
Die Gewalt nutzt vor allem denjenigen, die in anderen Ländern dieser Erde von den Geschehnissen aus den Medien erfahren. Transparente allein können von der Mehrheit der Menschen nicht verstanden werden, weil Sie eine andere Sprache sprechen, weil Ihnen die nötige Bildung fehlt oder weil die Berichterstatter die Bedeutung und die Inhalte falsch wiedergeben. Gewalt hingegen ist ein eindeutiges Signal: Protest.....

aus: Feature: EU-Gipfel in Göteburg vom 14.6.-16.6.

vereinnahmung....................................................... 17.06.2001 09:03
nicht zu unterschätzen,dass man ständigen anfeindungen seitens sog. gewaltfreier ausgesetzt ist. das geht sogar soweit, daß diese spinner denken,es wäre ihre bewegung! wasn dirt!!!

An alle Pseudopazifisten......................................... 17.06.2001 16:48
Also, wenn ich mir die Beiträge hier bei Indymedia so anschaue muss ich sagen, dass die Gewaltbefürworter argumentativ einfach besser da stehen (Das meint sogar mein Mitbewohner, obwohl er mit dem Thema gar nichts zu tun hat). Die Beschimpfungen und der Dogmatismus gehen von den Pseudopazifisten aus. ...





Jetzt aber zu den inhaltlichen Kommentaren:


aus: Feature: EU-Gipfel in Göteburg vom 14.6.-16.6.

Berlin: Gewalt oder Inhalt?............................................... 18.06.2001 01:19
Ich war in Göteborg und schreib jetzt auch mal was:
Zunächst zur Begriffsdefinierung: Ich unterscheide ebenfalls wie xxx zwischen Militante und hirnlos Militante. Letztere sind die, die nicht nachdenken, sondern wahllos alles zerstören, ohne zu reflektieren - erstere sind Militante, die ihreren Kopf einsetzen und reflektieren.
Zu mir: Ich war ende der 80er / anfang der 90er in den Häuserkämpfen dabei und tendierte oft in Richtung hirnlos.
Ich habe irgendwann lernen müssen, daß einfach eine Schlacht gegen die Bullen zu gewinnen nicht unbedingt Sieg bedeutet. besonders wenn die Bewegung dadurch geschwächt oder beschädigt wird. Die Frage ist, was wollen wir erreichen? Für viele wird - ob aus Frustration, Dogmatismus oder schlichten Mackertum - Gewalt zum Selbstzweck. Wie ich an mir beobachten konnte, treten Inhalte immer mehr in den Hintergrund und sind oft nur noch Vorwand für meinen dumpfen Hass auf vieles gewesen. Ich habe nur noch gegen, nicht mehr für etwas gekämpft. Dieses Gewalt-Ding kann einen echt auffressen. Gewalt wird natürliches Mittel, zum normalen Bestandteil. Auch in der Auseinandersetzung mit (eigentlich) Gleichgesinnten wird Gewalt (und sei sie verbal) ein alltägliches Mittel - siehe jetzige Zerfleischung der Berliner Szene, die fast die Ausmasse der 80er erreicht hat. Gewalt (wirkt wie ein Rausch) wird vom Mittel zum Zweck. Ich fands damals echt geil und hab nicht gemerkt, daß ich mich vom angestrebten Ideal weiter entfernt habe, als die Spießer, deren Autos ich zerkloppt habe. Was schnell dazukam war der Dogmatismus und die Blindheit, die immer mit ungezügelter Gewalt einhergehen.
Als ich mich fast zerstört habe, hab ich irgendwie doch noch die Kurve bekommen (nach fast Klapse und beinahe-Tod).
Was an hirnloser Militanz, also Militanz, die nur noch Selbstzweck ist und ungezielt und blind verläuft typisch ist: Es werden keine Inhalte vermittelt, weil keine mehr da sind. Es wir nur noch reagiert, alles was nicht dem eigenen Fühlen entspricht ist scheisse und wird abgelehnt.
Beispiele hier aus der Diskussion:
Reflexartige Reaktion auf andere Meinungen und Eindimensionalität: Es wird sofort heftigst reagiert und unterstellt. Jeder, der nicht blinde Gewalt befürwortet ist gleich Hippie. Es gibt nur noch die "wahren" Helden und die Hippies. Nix dazwischen. (Das ist genau wie in der Sexismusdebatte - Du gehörts zur Front A oder B, dazwischen darf es nichts geben). Es geht somit auch nicht in der Diskussion um Inhalte, sondern wer letztlich dominiert. Niemand hört dem Anderen zu. Die Emotionen sind wie in einer Talkshow. Diskussion um zu gewinnen. Gewalt wegen Gewalt.
Schnell wird mensch zu dem, was mensch eigentlich bekämpfen wollte: dogmatisch, gewalttätig, intolerant, ausgrenzend, brutal, eindimensional, engstirnig - ein Soldat .

Wie war das? "Soldaten sind Mörder"? Wie schnell wird mensch selbst zum Soldaten?
Für viele dogmatische Kommunisten heiligt der Zweck das Mittel. Solange es dieses denken dominiert, hoffe ich nicht auf eine Revolution.

Was ist mit unserem "Akzeptieren der verschiedenen Widerstandsformen"? - davon merke ich hier nichts. Die Leute, die Aktionen a la Kommunikationsguerilla, Tute Bianches oder Zivielen Ungehorsam machen werden beschimpft (Hippies) und nicht im geringsten toleriert. "Cool" ist der, der es ordentlich krachen lässt. Bei meinem letzten Wendlandtrip fand ich übrigens die (mutigen) Bürgerrechtstypen ganz cool, als die in Dannenberg an der Tanke die Bullen geschützt haben. Nein, nicht weil ich Bullen liebe, sondern weil wir zum Verladekran wollten und dort was machen wollten. Eakalation an der Tanke hätte uns vom Ziel abgbracht. (Während dann doch da was losging, sind wir auf die Gleis gekommen!!! Die waren nicht hermetisch abgerigelt.).
Ihr solltet Euch immer fragen: Wem nutzen bestimmte Randale? Warum eskaliert die Polizei? Wem nutz es, wenn die Szene sich Isoliert? Wer hat am Mariannenplatz dieses Jahr wirklich gewonnen? Hätte dies durch strategische Militanz (ist das auch Hippie?) anders werden können? (Ich war zum Mayday in London, falls wer fragt)
Woanders stand:"Gorleben zeigt dass die Staatsmacht mit gewaltlosem Widerstand viel schwerer klarkommt und die EU-Bürger lassen sich davon dann auch beeindrucken." Auch hier gibts als Reaktion gleich Hassausbrüche. Aber ich finde das stimmt zum Teil. Nochmal: zum Teil Meine Frage: warum beteiligt sich in Deutschland niemand an den Global Action Days, an Randale aber gleich ein paar Tausend? Es geht nicht um Ziele, es geht um Action.

PS an Steineschmeisser: Ich weiss, ein Hippie bin ich für Dich.. Nur zu Deiner Info: Weder xxx, noch Yope haben Militanz abgelehnt. Das sind Deine Reflexe. Du bist betroffen und fühlst Dich von denen beleidigt. Aber vielleicht könnte es sein, daß Du diesen Ton Ton hier reingebracht hast? Geh noch mal nach oben und sieh nach, wer zuerst beleidigt und pauschalisiert hat.
Davon abgesehen glaube ich auch, daß hier Provokateure mit diskutieren, die die Lage anheizen. Es passiert auch schon mal, daß Bullen Flugis in der Szene verteilen....

PPS: Du solltest eines noch wissen: Indymedia ist Sprachrohr der "Grassrootsbewegung" und der antikapitalistischen Bewegung. Also auch von Leuten, die Du nicht so magst.


aus: Göteborg: Polizei bricht Grundgesetz

wop : situative Gewalt in Götbeorg und Seattle...................................... 19.06.2001 13:50
Auch von mir zunächst ein Dank an Alexander für seinen informativen Beitrag und pf für die Übersetzung des Artikels. Gleichzeitig eine Bitte: Auf der SAC-homepage (www.sac.se) liegt ziemlich viel. Kann das jemand aus dem Schwedischen Übersetzen. Es wäre ziemlich interessant zu erfahren, wie sie die ganze Sache einschätzen. Mit so blödsinnigen Übertragungen deutscher Zustände auf Skandinavien wie in einigen der obigen Kommentare kommen wir jedenfalls nicht weiter.
Zur Frage des Sinns von Gewalt.
1. finde ich fux Ansatz, dies undogmatisch zu diskutieren voll unterstützenswert. Ich kann diese Fetischisierung von Militanz (wobei dahinter auch noch ein vollkommen verkürztes Militanz-Konzept steckt, dass ich so aus anderen Ländern nicht kenne) langsam nicht mehr ertragen. Also: Gewalt kann Sinn machen, muss aber nicht. Und: Um die Gesundheit oder gar das Leben eines anderen Menschen zu gefährden muss man wirklich verdammt gute Gründe haben.
2. Seattle.
Das ist nichts als ein Mythos. Ich bin selbst dort gewesen und habe gesehen, von wem dort Gewalt ausging. Polizisten haben auf Tausende von vollkommen gewaltlosen Sitzblockierern mit absolut überzogener Gewalt reagiert. Anstatt sie wegzuräumen, schoss man einfach mit Plastikkugeln und Tränengasgranaten auf sie. So sind die berüchtigten Bilder entstanden. Die Leute, die Scheiben eingeschmissen haben und ein oder zwei Zeitungsstapel angezündet haben (insgesamt vollkommen lächerlich im Vergleich zudem, was alle Jahre wieder am 1. Mai in Kreuzberg los ist), waren eine totale Randerscheinung. Maximal 100. Das trotzdem jeder von großen Schlachten spricht, ruehrt meiner Meinung nach von einer trilateralen Interessensallianz her: a) die großen Medien brauchen die Sensation zur Steigerung der Auflage u.ä. b) Die Regierenden rechtfertigen damit ihre Repression, die natürlich recht wahllos gegen alle oder fast alle gerichtet wird. c)Auf der Linken pflegen halt einige gerne ihre Revolutionsmythen.
3. Und so wird es sicherlich auch wieder mit Göteborg passieren. Nach meinem Eindruck ist die Sache in Schweden ziemlich nach hinten losgegangen. Es mag sein, dass die auswärtige Presse nicht über die drei Großdemos berichtet hätte; die schwedische wäre angesichts der weitverbreiteten EU-Gegnerschaft im Lande wohl kaum drum herum gekommen. So aber konnte sie sich fast ausschließlich auf die Straßenkämpfe konzentrieren. Der Inhalt der Proteste ging vollkommen unter. Mein Eindruck auf der Demo am Samstag war jedenfalls der, dass die Teilnehmer ziemlich genervt über die Vorfälle waren. Zumindest jene, mit denen ich gesprochen habe, und das waren immerhin einige aus unterschiedlichsten politischen Lagern. Dass nicht wenige der "Streetfighter" aus Deutschland angereist waren, macht die Sache sicherlich auch nicht einfacher. Die Anarcho-Syndikalisten (SAC), die mit mindestens 2000 Menschen vertreten waren, lehnten die Aktionen jedenfalls ab, wie mir einer ihrer Ordner sagte. Insgesamt wäre es wirklich interessant, Stimmen schwedischer Gruppen zu übersetzen und hier und andernorts zu verbreiten.

kW: Warum destruktiv?................................................ 18.06.2001 12:31
Ich find es absolut bescheuert, dass Steine fliegen gegen irgendwelche kleinen Geschäfte, die selber kein politisches Ziel sind und mit der Globalisierung so viel zu tun haben wie der Bäcker um die Ecke.
So wird nämlich das ganze Anliegen in Misskredit gebracht, und in weiten Teilen der Bevölkerung entsteht der Eindruck "Die linken wollen ja nur alles kaputt machen."
Um vielleicht mehr Aufsehen zu erregen fliegen vielleicht Flaschen und Steine, aber damit wird gleichzeitig aus der hoch brisanten politischen Aussage "Wir demonstrieren gegen Staatsterorrismus" nur noch die platte Aussage "Wir machen alles kaputt".
Es ist leicht einsehbar, welche Aussage wieviel Unterstützung bekommen kann. Solange destruktiv demonstriert wird, wird es keine allgemeine Zustimmung geben, denn jeder potentielle Unterstützer wird fürchten müssen, selber Opfer der Destruktivität zu werden.

Berliner: Gewalt?..................................................... 18.06.2001 14:51 Die Sache, die oft nicht erkannt wird, ist daß ein "miltärischer" Sieg nicht unbedingt gesellschaftliche Stärke bedeutet. Im Gegenteil. Die "Siege" in 80ern haben als Endergebnis gehabt, da0 die Bewegung isoliert wurde, kleiner wurde und "austrocknete". Jetzt ist sie so klein, daß auch keine militärischen Siege mehr drin sind.
Dasselbe wird auch bei Eventhopping passieren: Viele Leute, die Inhalte rüberbringen wollen (die werden von den antistrategisch-Militanten als Hippies bveschimpft) haben Angat oder die Schnauze voll. Normalos empfinen keinerlei Verständnis mehr (wie es zum Bsp. nach Seattle aufkam - Seattle war auch mit militanten Aktionen verknüpft. Diese fanden jedoch mit Überlegung statt). Gewalt zum Selbstzweck, Angriffe auf kliene Leute (damals Tabu) werden heute zynisch als "Kollateralschaden" bezeichnet. Ich will mal sehen wie diese Typen reagieren, wenn ich bei denen Kollateralschaden mache....
Die Frage, die sich die Leute immer wieder stellen sollten: Warum will die Polizei (der Staat) Eskalation? Wem nutzt diese? Wie kann es sein, daß viele Militante und der Staat ein Ziel haben: jegliche Inhalte verhindern? Der Staat spielt mit "uns" wie mit Marionetten. Er weiß, wie wir reagieren und wir sind oft zu blind, es zu merken. Die Bullen haben extra Leute, die nur mit Strategie beschäftigt sind.
(PS: Gerade bei dogmatisch-kommunistischen Gruppen herrscht der Wunsch vor, eine kleine elitäre Gruppe zu sein, die alles besser weiß. Normalos sollen nicht überzeugt werden. Grund:"die sind doch eh scheisse" Leute, die einen Schritt in die "richtige" Richtung getan haben, werden stärker bekämpft, als viele andere, anstatt sie zu unterstützen...)


aus: Göteborg - erste Bilanz

soulbomb: hans und co........................................................ 17.06.2001 13:09
Na, wenn man sich den Kommentar zum Thema Hans und Co durchliest, der mit dem Satz "Um Leuten wie euch eins aufs Maul zu hauen..." endet und zwischendrin hier alle als Faschos diffamiert, kann man die These von den militanten Hippies fett unterstreichen. Mir hat in Freiberg mal son Typ eins aufs Maul gehauen, weil er als langhaariger inne Prolldisse gehen musste, wo er natürlich Stress bekommen hat. Weil ich mich an Antifa-Aktionen beteiligt habe, hat er mir vorgeworfen, ich hätte die Nazis auf ihn gehetzt...
Und zu den "gewalttätigen" Demonstranten, ich halte es eher für lächerlich, das verbrennen einiger Stühle und das Werfen von Gegenständen auf vollkommen zugepanzerte Bullen wirklich als Brutalität zu bezeichnen. Das Problem ist schon, dass jede "gewalttätige" Aktion von den Medien instrumentalisiert wird, um uns alle unglaubwürdig zu machen. Aber wenn das nicht von selbst passiert, wirds halt provoziert werden. Ganz einfach, indem zum Beispiel ein paar Cops in eine Menschenmenge rennen, ein wenig knüppeln und eigentlich kann man schon das aus einer "richtigen" Perspektive aufnehmen, um die Gewalt der Demonstranten darzustellen. Ich habe den leisen Verdacht, dass die militantesten Hippie-Dogmaten einfech noch nie auf einer Demo von der Polizei angegriffen worden sind, und deshalb auch die Dynamik, die sowas haben kann einfach nicht verstehen. Wenn man unverschuldet von ferngesteuerten Kampfrobotern duch die Gegend geschobst und geknüppelt, mit Wasserkanonen, Tränengas und Pfefferspray und nun auch wieder mir scharfer Munition beschossen wird, fängt man irgendwann an, sich wehren zu wollen, auch wenn die Kräfteverhältnisse momentan so sind wie sie sind, und wir eigentlich auf militanter Ebene nur verlieren können. Aber ich glaub ja auch nicht, dass wir dieses Scheiss-System auf dieser Ebene besiegen wollen.
Der eigentliche Kampf findet woanders statt und zwar täglich und überall. Bakunin hat gesagt "Überall, wo es knallt und stinkt, müssen wir dabei sein". Aber vor allem müssen wir da dabei sein, wo es noch nicht knallt und stinkt. Solidarität ist unsere wichtigste Waffe, seid wachsam!

Jens Kollert: Vielleicht klappt es jetzt........................... 17.06.2001 16:43
Scheiss Kommentarfunktion! Ich versuche schon seit 2 Uhr morgens diverse Kommentare zu poste. Ich hab jetzt alle Umlaute und Formatierungen entfernt, besonders Lesefreundlich ist das also hier nicht gerade...
Zu Grisu: (O-Text Grisu Anfang) Wer sich jedoch fuer Politik interessiert wird vielleicht von einigen wenigen Bildern, die im TV Inhalte vermitteln, dazu gelockt, sich mehr mit diesen zu beschaeftigen. Und stoesst dann vielleicht auf Seiten wie die der FAU, nadir oder indymedia. Oder er bekommt einen Flugi in die Hand gedrueckt, was auch normale Buerger zum Nachdenken animieren koennte. (O-Text Grisu Ende) Schoen waere es, aber die Sache laeuft doch so rum: Du drueckst jemanden ein Flugblatt in die Hand (macht aber auch fast keiner mehr, ich nehme mich da garnicht aus) und der denkt sich "das sind doch die Leute, die Goeteborg, Seattle usw. in Schutt und Asche gelegt haben" und wirft das Flugi in den naechsten Muell. Selbst wenn er es liest, wird der Inhalt wahrscheinlich nie die Schere in seinem Kopf ueberwinden, weil er staendig die Bilder von einem randalierendem Mob vor Augen hat. (O-Text Grisu Anfang) Und solche Sachen muessen wir selber machen. (O-Text Griso Ende) Darum geht es mir. (O-Text Grisu Anfang) Militanz sollte von uns zwar diskutiert, nicht aber denunziert werden. Also Diskussionen sollten schon ergebnisoffen gefuehrt werden koennen. Aber es ist auch keineswegs meine Absicht, Militanz zu denuzieren. Aber sie darf nicht zum Selbstzweck verkommen. Man muss sagen koennen, warum man zu welchem Zweck militante Mittel einsetzt. Und man muss vor allem wissen, wann man ueber das Ziel hinaus schiesst (man bemerke die Doppeldeutigkeit ;-) und kontraproduktiv wird. (O-Text Grisu Anfang) In der Unbeherrschtheit liegt unsere Staerke. Militaerisch vielleicht.
Setzt man allerdings vorraus, dass wir eigentlich gesellschaftliche Siege erringen wollen, wird aus der Staerke schnell eine Schwaeche, weil jeder Heinzi sich hinstellen und fuer "die Bewegung" eine Pressekonferenz halten kann - was auch immer er an Quatsch zu erzaehlen hat. Zu Olaf und Frankfurter: Gut, da gebe ich mich geschlagen. Es war also nicht das erste Mal seit... aber ich halte es trotzdem fuer einen Tabubruch. Es ging hier nicht um eine Hausbesetzung oder den 1.Mai, sondern um einen EU-Gipfel. Das hat schon eine gewisse Brisanz.
Zu Namenlos: (O-Text Namenlos Anfang) Ich glaube, Du machst da einen Denkfehler! Es ist, auch wenn es vielleicht so scheint, keinesfalls so, dass Massenprotesten ein tiefgehender inhaltlicher und strategischer Konsens zugrunde gelegt werden kann. (O-Text Namenlos Ende) Mir geht es nicht um die Massenproteste, sondern vor allem um die Leute, die man gemeinhin als "Autonome" bezeichnet (und zu denen ich mich bis vor ein, zwei Jahren auch gezaehlt habe).
In diesen Kreisen scheint es bei vielen eine regelrechte Gewaltgeilheit ohne Sinn und Verstand zu geben. Ich weiss aber auch, dass das bei weitem nicht auf alle zutrifft und deshalb mein Vorschlag, solche Aktionen strategischer durchzufuehren. Bei diesen Leuten kann man sehr wohl ein - wenn auch diffuses Ziel - vorrausetzen. Ich wuerde mir wuenschen, dass sich dort die Strategie durchsetzt, Abenteurer aus den eigenen Reihen zu entfernen, ihnen bei Aktionen keine Deckung zu bieten und vor allem Militanz nur nach zweckbestimmt und mit klarer Zielvorstellung anzuwenden. Klar, ich will die eierlegende Wollmilchsau finden, aber irgendwann muessen wir ja mal den Anfang machen.
Zu Riotgrrl: (O-Text Riotgrrl Anfang) Da sind noch die meisten Leutchen in Goeteborg und schon behelligt uns jemand, der ja nun offensichtlich nicht da war mit einer Auswertung.(O-Text Riotgrrl Ende) Wenn Du es fuer typisch haelst, dass nach solchen Aktionen Bilanz gezogen wird, bist Du wohl noch nicht allzu lange dabei. Sorry, aber ich waere froh gewesen, wenn man mich in den letzten Jahren mal mit Bilanzen "behelligt" haette. Sattdessen sonnte man sich im eigenen Glanze, "es dem Staat mal richtig gegeben" zu haben. Und gerade fuer jemanden der dabei war, sollte eine Auswertung ueber die Aussenwirkung mehr als interessant sein.
Zu E.T.: (O-Text E.T. Anfang) wenn du den Zynismus im Wort Notwehr nicht erkannt hast (O-Text E.T. Ende) Ich glaube, den Zynismus hast Du Dir reingetraeumt. Welcher Sender soll denn das gewesen sein? Und was die Videos angeht: Die ersten Videos von den Schuessen wurden gegen 14.00 Uhr gesendet, oft ging der Kommentator garnicht auf die Schuesse ein, sondern erzaehlte munter was von der Osterweiterung etc. Diese Videos hatten wenigstens ein Gutes: Es wurde doch noch nach 14 Uhr ueber die Proteste berichtet. Mal davon ab: Es kommt bei diesen Aufnahmen nicht darauf an, was DU siehst, sondern was der Durschnittsbuerger von den Protesten denkt. Die denken sich naemlich "endlich", wenn sie die Schuesse sehen. Und man kann es Ihnen ja auch nicht ganz verdenken, wenn man bedenkt, was die "Autonomen" in den letzten Jahren so geleistet haben, bzw. wie sie es "vermittelt" haben. Gruss, Jens

jens Kollert: zu SchwarzRotkäppchen................................... 17.06.2001 17:15
(O-Ton SchwarzRotkäppchen Anfang) Jens, wenn ich mir jedesmal Gedanken darüber machen wollte, wie militante Aktionen auf die 'Normalos' am TV wirken, dann kann ich mir ALLE illegalen Aktionen sparen! (O-Ton ScharzRotkäppchen Ende) Wenn man auf militante Aktionsformen zurückgreift, die ja per se erst mal immer undemokratisch sind (egal wie gerechtfertig), dann soltte man sich sehr wohl Gedanken um die eigene Legitimation machen. Wenn man dann meint, dass militante Mittel gerechtfertigt sind, muss man sich klar machen, welches Ziel man erreichen - und wo Schluss ist.
Ich kann es nur wiederholen: Es kotzt mich an, dass einige Leute anscheinend bereit sind, Tote zu riskieren, wo man noch nicht einmal ein ungefähres Ziel hat, einfach "nur so aus einem Bauchgefühl heraus". Und selbst wenn man diese Zielvorstellung dann irgendwann hat, sollte man militante Mittel doch immer wieder hinterfragen und nach Alternativen suchen. (O-Ton SchwarzRotkäppchen Anfang) ...da tun die Herrschenden ja wirklich alles...(O-Ton SchwarzRotkäppchen Ende) Nur um das mal in Erinnerung zu rufen: Wir kämpfen gegen ein Gesellschaftssystem, die "Herrschenden" sind darin auch nur Marionetten.
(O-Ton SchwarzRotkäppchen Anfang)Die verleumdest einfach auf dümmlichste Art und Weise militanten Widerstand(O-Ton SchwarzRotkäppchen Ende) Bist Du sicher, meine Text gelsen zu haben? Es muss Dir doch aufgefallen sein, dass ich Militanz nicht grundsätzlich ablehne. Aber ich meine, sie muss gerechtfertigt, problem- und zielorientiert und vor allem kontrolliert sein. Das Ding ist doch, daß hier einige Leute als Mob durch die Strasssen ziehen und das mit einer zusammengeschustersten und dümmlichen Ideologie begründen. So müsste es ablaufen: Man erkennt ein Problem und sucht nach Lösungen, wenn nichts anderes hilft auch nach militanten. Im Moment läuft es aber so: Man sucht nach Problemen, auf die man vermeintlich gerechtfertig mit Militanz reagieren kann. Wenn Du das gut findest, stehst Du für eindeutig auf der anderen Seite. (O-Ton SchwarzRotkäppchen Anfang)... auf Parlamentarismus einschwören... (O-Ton SchwarzRotkäppchen Ende) Du hast meinen Text scheinbar wirklich nicht durchgelesen. (O-Ton SchwarzRotkäppchen Anfang) Eine -offene!- revolutionäre Bewegung, die von vorne herein, quasi freiwillig, auf die Möglichkeit militanter Aktionen verzichtet, wird doch einfach nur harmlos und ungefährlich für die Regierenden.(O-Ton SchwarzRotkäppchen Ende) Tip: Den Text nochmal lesen. Es ging an keiner Stelle um den Verzicht auf militanten Aktionsformen. Mich wundert aber immer wieder, wie sehr einige diesen Text auf "Gewalt ja/nein" runterreden wollen. Da steht noch eine Menge mehr drin.
Wer sich damit nicht auseinandersetzen will, kann sich gerne weiter im Kreis drehen und selber für sein Gutmenschsein auf die Schulter klopfen.


----- darauf folgte übrigens gleich eine Antwort, die keines Kommentars bedarf:

Steineschmeisser: An alle Pseudopazifisten..............................17.06.2001 19:45
Also, wenn ich mir die Beiträge hier bei Indymedia so anschaue muss ich sagen, dass die Gewaltbefürworter argumentativ einfach besser da stehen (Das meint sogar mein Mitbewohner, obwohl er mit dem Thema gar nichts zu tun hat). Die Beschimpfungen und der Dogmatismus gehen von den Pseudopazifisten aus..... -------


Gewaltfrei: Verändert die Gesellschaft, nicht Euch....................19.06.2001 11:39
Nach dem, was ich hier lese (wobei ich ganz klar davon ausgehe, daß ein teil der Beiträge hier von Provokateuren in Grün geschrieben wurde - wer es nicht glaubt: zu der Freitag 14 Uhr vor der Schwedischen Botschaft aktion stand nach der Ankündigung hier eine komplette Einsatzhunderschaft rund um die Botschaft) möchte ich nochmal ganz klar sagen: Eine Gewaltfreie Welt kann nicht mit Gewalt erkämpft werden. Jemand, der auf einer Aktion gewalttätig ist, ist es auch im Privatleben. jemand, der gewalt ausübt, wird beim versuch, diese gewalt zu rechtfertigen, immer mehr sein eigenes weltbild verbiegen müssen, nur um irgendwelche abstrusen rechtfertigungen zu finden.
Ich finde die Gewalt-Diskussion sehr spannend, obwohl oder gerade weil ich auf der einen Seite Gewalt ablehne (ein herschaftsfreies System mit Gewalt zu "erkämpfen" finde ich Paradox), auf der anderen Seite aber Leute verstehen kann, die in bestimmten Situationen Gewalt als Reaktion anwenden. Alleine am ersten Mai 2001 in Kruezberg - 200 Bullen rennen auf Dich zu, das kostet richtig viel Kraft, in so einer Situation *keinen* Stein zu werfen. [Was ich überhaupt nicht abkann sind Leute, die bewußt und geplant Gewalt ausüben (Berliner Szene-Leute, die beim letzten Gorleben Castor die Autos der Polizei demoliert haben, während wir an der Straße standen und versuchten, den Castor zublockieren).]
Lest mal die Kommentare auf sweden.indymedia.org oder www.eu2001.se/eu2001..... - die Leute sehen nicht einmal, wie es zum Ausbruch der Gewalt in Göteborg gekommen sein könnte, sie wollen härter Strafen und Einsätze gegen die Demonstranten. Wenn ich hier lese: "aber das war den Medien nur eine Randnotiz wert. Wenn hingegen auf die Kacke gehauen wird, schreien alle empört auf." Richtig erkannt, das ist ein Riesenproblem. Aber deshalb darf man sich doch nicht dazu verleiten lassen, auf die Kacke zu hauen. Man muß die undemokratischen Medien in Deutschland verändern. Im wendland war der Gewaltfrewie Widerstand ein voller Erfolg - zumindest bis die Medien die Bilder der einzigen gewalttägen Aktionen hatten, danach gab es nur noch Wasserwerfer, Feuerwerkskörper und "brutale Autonome" in den Medien. Und zu Schweden: vergessen wir folgendes nicht: Die Polizei hat am Donnerstag eine Schule angegriffen, die ganz offiziell zur verfügung gestellt worden war, hat Leute mit Hunden und Pferden angegriffen (dabei gab es auchschon etliche verletzte), Schule und Straßen mit Container abgeriegelt etc. Ich habe noch nie davon gehört, daß es irgendwo Riots gab, wo keine Polizei Bürgerkrieg gespielt hat.
Und gerade bei Nazi-Aufmärschen schadet Militanz viel mehr, als sie nützt. Eine gewaltfreie StraßenSITZTblockade z.B., bunt und fantasievoll bringt mehr, als sich Gefechte mit der Bullerei zu liefern.
Nachdenken vor aktionen ist angesagt: der bulle, der dir gegenüber steht mag dumm sein, mag ein autoritärer arsch sein - aber er ist ein mensch, der von einem verbogenen System zu diesem dummen Bullen gemacht wurde (nicht jedem liegt es, gegen den Strom zu schwimmen und sich eine eigene Meinung zu bilden, obwohl anpassung, unterwerfung und selbstversklavung angesagt sind).
und deshalb wünsche ich mir aktionsformen, die die polizei miteinbeziehen: spontantheater, verständliche Flugis an Polizisten verteilt, polizeiwagen verzieren (nicht: zerstören) - das problem ist doch, daß der undemokratische ungeist in der polizei systemimmanent ist, und dem muß man begegnen.
und die zweite große gruppe, die komplett undemokratisch organisiert ist, sind die medien: schlecht bis gar nicht ausgebildete, schlecht bezahlte handlanger, die von demokratischer einstellung noch nie was gehört haben, chefredaktionen und verlage, die aus wirtschaftlichem interesse "meinung machen", im kungel-Schulterschluß mit Politik und Konzernbossen - dazu als hauptberichterstatter einige wenige erzkonservative Presseagenturen, die so gut wie alle Bild, Ton, Print und Web-Medien (inclusive Videotexte der Fernsehsender) beliefern und von diesen 1:1 übernommen werden. eine Schnittstelle zum Leser, ein Anlaß zum selber recherchieren - nicht vorgesehen.
mein Traum: alle Büros von dpa, reuters, afp, ddp sind mal für drei Tage gewaltfrei besetzt und können keinen Info-Schrott mehr in die Redaktionen schicken: 80% der "News" der bürgerlichen Presse könnten nicht produziert werden.
Warum ich nichts über Politiker schreibe? was soll es bringen, diese Marionetten der Lobbyisten und der Wirtschaftsbosse werden "mächtig" genannt, haben aber absolut nichts zu sagen und sind in ihrer jetzigen Struktur eine
Fazit: 1) Lassen wir es nicht zu, daß sie uns mit der Gewaltdiskussion lähmen und spalten. 2) Lassen wir uns nicht provozieren - Gewaltfreie Aktionen bringen viel mehr, und wenn ihre Medien nicht drüber berichten, scheiß drauf, dann berichten wir eben selbst - Infostände sind immerhin ein Anfang...


aus: ED-Behandlung - schon für den nächsten Gipfel?

Was können wir also tun?.............................. 20.06.2001 00:28
Gute Parolen allein helfen nicht Was zunächst benötigt wird: Eine Gesunde Portion Realismus. ---> Was können wir schaffen, was wollen wir erreichen.
Es ist nun mal so, daß die Linke (incl. der Anarchos) in Deutschland nicht mehr als ein paar Tausend Leute mobilisieren kann. Da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Ein paar tausend Leute sind für die Regierung wirklich leicht zu übergehen, auch wenn die allesamt militant wären. Solange die keinen Rückhalt in der Bevölkerung haben, kann der Staat alles mit denen machen. Da wir also nur ein paar Tausend und nicht Hunderttausend sind, bringt es nicht wirklich was, zu versuchen militärisch zu gewinnen. Wir könnten vielleicht ein paar von den "Anderen" verletzen und Sachschaden anrichten. Und dann? Nichts. Oder doch: 1.Mai und Göteborg gingen für die Linke ja nach hinten los.
Was können wir also tun? Was können ein paar 1000 Leute tun? Zunächst müssen wir sehen, wie wir
1.) die Isolation durchbrechen, in wir uns reinmanövriert haben (oft durch Arroganz und Angriffe auf alle, die nicht wie wir sind) und
2.) Wir müssen wachsen. Es gibt viele Leute, die schon irgendwie verstanden haben, daß das jetzige System nicht das nonplusultra ist. Bisher wurden diese ja gerade von autonomer Seite heftigst bekämpft, weil sie nicht autonomen Idealvorstellungen entspachen. So werden Leute, die einen ersten Schritt taten zurückgestoßen. Eigentlich dumm, oder? Wir sollten auf diese Leute zugehen und versuchen ihnen klarzumachen, was wir scheisse finden und was unsere Ziele wären. Dazu müssten wir versuchen mit ihnen verständnisvoll umzugehen und nicht gleich wieder bekämpfen wollen, nur weil sie Dinge anders sehen. Ausserdem müssen wir Alternativen aufzeigen und nicht nur "Gegen ...." sein. (siehe 4.))
3.) Wir müssten auch versuchen auf die Wahrnehmeung der "Normalos" Einfluss zu nehmen. So könnte einerseits die Aktionsform der Kommunikationsguerilla benutzt werden (Das Denken auf Widersprüche führen bringt so einiges) oder vielleicht die Informationskanäle zu füllen oder zu übernehmen. In Göteborg gab es etwa die Aktion, daß einer der wichtigsten Radiosender mit Piratenfunk überstrahllt würde, um eigene Nachrichten zu bringen. Aber auch symbolische Aktionen /etwa Bestzung von ARD, während die Tagesschau läuft - hier bitte nicht mit stumpfen Parolen auftreten, es sollen dann ja Leute ausserhalb der radikalen Linken erreicht werden). Oder den Parlamentarismus als Plattform nutzen. Stellt Euch vor, jemand versucht für die PDS ins Parlament zu kommen und nutzt dann seine Stellung für klasse Aktionen, Reden, Informationsbeschaffung. Das sind nur einige kurze Ideen, die nicht ausgegoren sind.
4.) Selbstorganisation und Freiräume schaffen sind wohl das Wichtigste! Wenn wir ab und zu Randale machen, Latschdemos besuchen und sonst auf Punkkonzerte gehen, ansonsten aber "normal" und angepasst leben, werden wir weder glaubwürdig noch erfolgreich sein. Häuser besetzen ist vielleicht etwas schwierig geworden, aber nicht unmöglich. Kommunen bilden wäre eine weitere Sache. In anderen Ländern ist es durchaus gelungen eine Kommunen-Infrastruktur zu schaffen, die sehr stark ist. (Mexiko, Spanien) - Aber hier müssten wir - gilt auch für mich - die eigene Trägheit überwinden und versuchen das zu leben, wofür wir kämpfen. (Oder wollen wir es vielleicht gar nicht?)
Kommunen, Strukturen können auch in Städten geschaffen werden (Hat im Kreuzberg der 80er geklappt). Stellt Euch vor, ihr wohnt in einem Haus mit vernünftigen Leuten und könnt (Hausgemeinschafts-Style) mit den Leuten wirklich "zusammen" wohnen. Also gegenseitiger Beistand, gemeinsames Vorgehen gegen Vermieter oder in der Kiezpolitik (Wer in Berlin versucht denn heute Einfluss aufs Quatiersmanagement zu nehmen?) und so weiter. Verschieden Häuser könnten in einer Straße oder im Kiez eine art Gemeinschaft bilden, die hin und wieder Dinge im Kiez organisiert. Sei es Nachbarschaftshilfe, Druck auf die Stadt/den Bezirk/die Vermieter oder Straßenfeste, was auch immer. Hört sich utopisch und unsinnig an? Ist es auch - wenn Ihr erwartet, daß diese Leute gleich revolutionär werden. Wenn Ihr aber einen 1.Schritt aktzeptiert, klappt es! --> Beispiel: In Berlin in der Oderberger Str. und in Kreuzberg in einigen Strassen. (Leider ist in Kreuzberg einiges kaputt gegangen, entwickelt sich aber wieder). Habt Ihr schon mal was von Tauschringen oder Genossenschaften gehört? Gibts auch.
Bevor jemand rummeckert: Darauf soll sich der Kampf natürlich nicht beschränken. Aber wenn wir eine bessere Welt wollen, könnten wir uns erste Strukturen schon im Heute schaffen. Es gibt zu diesem Thema ein (finde ich) außerordentlich wichtiges Buch: Christian Fuchs: "Soziale Selbstorganisation im informationsgesellschaftlichen Kapitalismus." Unten füge ich einen Link zur Online-Version an. Übrigens sind Betriebssysteme wie Linux oder Projekte wie Indymedia und Open Theory auch erste Schritte in diese Richtung.


Wenn diese 4 Punkte irgendwie verbunden werden könnten oder im jetzigen Kampf Berücksichtigung finden würden, hätten wir tatsächlich eine Chance. Wenn es weiterläuft wie bisher, sehe ich Schwarz. Spätestens mit Göteborg hat die Global Action Bewegung einen schweren Schlag erlitten. Noch ein paar jahre weiter Riots, Latschdemos und sonst Parties in den letzten Häusern und die Linke ist tot!

PS: Ich hoffe es werden sich auch in Berlin Leute an Aktionen zu Genua beteiligen.

http://stud4.tuwien.ac.at/~e9426503/

Friedliche Demo wird gestoppt


Literatur und Seiten
- Temporäre Autonome Zone
- Erklärung der Antifa Stockholm, der beschreibt, wie die Polizei die Eskalation vorangetrieben hat und die Medien Falschinormationen verbreiten.
- Zusammenfassung der anarchosyndikalistichen FAU
- Die "Ergebnisse" des Gipfels
- Selbstorgansiastion...






Anarcho-Syndikalisten


Demo der Anarchisten
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Ergänzungen

Mannomann

Yope 21.06.2001 - 04:20

Unglaublich! Ist ja wirklich heftig, was Ihr hier zusammengetragen habt!. Auch wenn oich nicht unbedingt alles teile,
sollte dieses "Werk" doch einige Denkansätze bieten. Würde sich vielleicht lohnen als Broschüre herauszugeben?...Erst mal alles lesen.....

21.06.2001 - 09:32
Die Diskussion ist notwendig, aber kann bestimmt nicht in einer verkürzten "Inhalt oder Gewalt"-Form geführt werden
Leider lädt die Art und Weise dieser Zusammenstellung aber nicht eben dazu ein. Wer hat schon Lust sich jedesmal ein paar hundert KB Daten zu saugen, um sich am Ende dazu zu äußern. Wie wäre es mit einem neuen Beitrag, der nur noch aus einer Kurzzusammenfassung oder These sowie einem Link auf diesen Beitrag besteht?
Noch eine kleine inhaltliche Richtigstellung. Im Eingangstext steht was von "libertären kommunistischen Parteien" in Schweden . Das ist natürlich Unsinn und wäre so ungefähr etwas wie ein "basisdemokratischer Papst". Libertärer Kommunismus, ist das Ziel z.B. von Anarcho-SyndikalistInnen; ein gesellschaftlicher Zustand, der etwas konkreter ausdrückt, was andere als "Anarchie" bezeichnen. Parteien spielen da überhaupt keine Rolle, ganz im Gegenteil. Einige der kleinen schwedischen KPs mögen vielleicht weniger vernagelt sein als anderswo. Deshalb sind aber natürlich beileibe nicht "libertär" (sonst würden sie sich nicht als Partei organisieren).

mhh

Fredd 21.06.2001 - 11:01
Ja is doch wenigstens mal eim Anfamg! Erwartest Du hier voll ausgearbeitete tgeoretische Werke?
Ich wprde mit den Kommies nicht zu streng umgehen. Ich glaube wirklich, daß es da unterschiede gibt und Kommunisten, die in der Tradition einer R. Luxemburg stehen find ich wirklich etwas angenehmen, als irgendwelcher Lenin- oder Stalinverehrer.

Nachtrag

fredd 21.06.2001 - 11:27



Ich finde natürlich auch, daß dieses thema hier so nicht erschöpfend behandelt werden kann. Aber dieser text kann
wirklich sehr viele denkanregungen geben. Auch geht es meiner ansicht nach nicht nach gewalt oder inhalt. zumal
gewalt ja von denen auch nicht unbedingt abgelehnt wird. ich finde ihn hier wichtig, weil sich auf dieser seite schon
ne ganze menge leute rumtreiben, die denken, der 1.mai wäre revolutionär. (wobei mir einfällt, die meisten aus dem
schwarzen block sind übrigens auch eher kommies) - auch die anarchosyndikalisten in deutschland haben ja das
problem sich zu vermitteln. ich denke da nur an die vielen 20mann-demos, der fau...

!

Edgar 21.06.2001 - 11:50
Jo, die Frage Militanz oder Inhalt stellt sich so nicht. Auch die Militanten machen bei "gewaltfreien" Projekten mit, schreiben Artikel, engagieren sich in alternativen Projekten, in Antifa-, Antira-Gruppen, machen Vokü, Kneipe, Infoladen... Auch zum Göteburger EU-Gipfel haben sie sich inhaltlich geäußert, z.B. beim Freien Forum und in Flugblättern....Die Medien und die Herrschenden samt ihrer Fans werden immer aufschreien wenn Scheiben klirren und Sachbeschädigung begangen wird... deren reaktionen sollten nicht bestimmendes Moment bei der Wahl unserer Mittel sein. Entscheidend ist doch eher die Frage: Wie konnte es passieren, das die krawalle in Göteborg so isoliert dastehen, im Gegensatz zu den Riots in Prag, Seattle, Nizza oder auch am 1. Mai in Berlin... Was natürlich Scheiss ist: Von den geplanten Aktionen gegen den Gipfel am Freitag hat nichts geklappt: die Tutte Bianchi-AktivistInnen waren in der Schule gefangen, die "Fußball"-Blockade hat aus mir nicht bekannten Gründen nicht sattgefunden, die dritte Blockade ist nach zehn Minuten von den Bullen aufgelöst worden, woraufhin ja die Krawalle begonnen haben.... Wären die Riots aber nicht die erste größere Wahrnehmbare Aktion gewesen, wäre zuerst die große Demo vom Samstag gewesen, die TB-Blockade gleichzeitig, dann wären auch die Sachbeschädigunhgen in diesen Rahemen eingebettet worden und wären wohl eher auch als Reaktion auf den Bullen-Einsatz wahrgenommen worden.... Wir haben leider den Zeitplan nicht bestimmen können, dennoch war es richtig sich gegen die Bullen-Schikane zu wehren und ihnen die Quittung zu präsentieren. Wie würde der Staat wohl reagieren, wenn wir in einer Bullen-Wache einmarschieren und alles kurz und klein hauen? Mit einer friedlichen Demonstration? Wohl kaum.

Problem: Zentralisierung

dezent 21.06.2001 - 12:46
Ein Problem, das immer Ansatzpunkte für die Staatsmacht bietet, ist die Zentralisierung. Die Leute, die alle schön in einer Schule versammelt sind, auszuheben, ist leicht. Wenn sie aber alle bei privat wohnen, dann auf die Straße gehen, ohne sich in einem großen Pulk zusammenzurotten, sondern über das ganze Gebiet verteilt bleiben, überall, mit Aktionen, die sich direkt(!) und gewaltfrei an die Normalis wenden, dann kann die Staatsmacht das nicht zerschlagen. Zentralisierte Demos und Verantstaltungen sind im Grunde ein (Aber)Glaube an die Masse und der Idee der Dezentralität und der individuellen Freiheit entgegengerichtet und machen die Aktionen verwundbarer.

Sehr gute Zusammenstellung, danke

Hannes 21.06.2001 - 13:11
Ich denke auch, dass die Militanz, welche von (massen) Demonstrationen ausgeht eher nach hinten losgeht, da zu berechenbar und zu manipulierbar von Polizei und Medien.

Wenn wann nach sorgfältiger überlegung zu dem Schluss kommt, eine militante Aktion machen zu wollen/muessen, finde ich das OK. Nur muss diese 100% gut geplant sein. Es dürfen keine Menschen verletzt werden und sie muss vermittelbar sein.

Die Gewalt bei klasssischen Krawallen ist (heute) planlos und es zeigt sich, dass sie ausser kontrolle geraet, wenn (kleine) autos angezuendet werden oder einfache geschäfte zu bruch gehen. von aktionen gegen protestierende anwohner ganz zu schweigen. diese gewalt muss abgelehnt werden. sie macht uns zu bestien!

Die Vielfalt des Protestes muss überwiegen und alle Aktionen sollten geplantz sein, bzw. die Leute die spontan handeln ( wie auch immer ) sollten genau wissen was sie wollen mit welchem ziel und wann schluss ist.

Klar ärgert man sich über Bullen die Provozieren, aber sollte man sich nicht vielmehr über sich selber ärgern, wenn man den bullen auf den leim gegangen ist und sich hat provozieren lassen.

Der Feind sind die Herrschenden und nicht die vertrottelten Bullen die einfach zu dumm sind um die welt zu verstehen.

(ps: wie bekomme ich absätze in meine texte????)

TREFFEN PLANEN GENUA!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Millitanz? So was ist sinnlos!

Jens Raeder 21.06.2001 - 13:57
psd: Zu den miltitanten Hippies................................... 17.06.2001 00:52
...
eine kurze Erklärung: Es gibt sehr wohl militante Hippies, die Ihre Gewaltlosigkeit mit Gewalt anderen Demonstranten aufzwingen wollen. Besonders im Wendland kann man immer wieder schöne Exemplare dieser Spezies finden."
Wie ich das interpretiere, sind dies Leute, die sich über die Gewaltlosen Leute bei uns in Dannenberg/Elbe geärgert haben, weil weil sie es nicht schafften die gewaltlosen Demonstranten für ihre Zwecke einzuspannen. Pech gehabt.Leider haben die als Autonome bezeichneten, wo sicher einige der Polizisten als Autonome verkleidet und die Situation weiter anheizten, viel Schaden in unserer Stadt angerichtet. Und einigen von denen war es scheißegal, ob die Steine die aus dem Zaun gebrochen wurden, von Atomkraftgegnern war oder nicht.Arme "Individuen"!

Ich unterscheide ebenfalls wie xxx zwischen Militante und hirnlos Militante. Letztere sind die, die nicht nachdenken, sondern wahllos alles zerstören, ohne zu reflektieren - erstere sind Militante, die ihreren Kopf einsetzen und reflektieren.
Klingt für mich als Pazifisten ziemlich hirnlos! Man sollte mit List handeln und nicht Militant. Militanz ist für mich die Feigheit sich kommunikativ mit anderen auseinanderzusetzen. Gewalt der einen festigt den Hass der anderen, und der Hass der anderen bestätigt ihre Rechtfertigung mit Gewalt vorzugehen. Es ist ein Kreislauf, der nicht mal eben zu stoppen ist. Jeder gewaltätiger Konflikt ist ein Fehler!
Gruß aus Dannenberg
Jens

Was bringt Gewalt ?

Steineschmeisser 21.06.2001 - 14:18
Hallo allerseits. Da ich hier (oben) so oft zitiert wurde, muss ich mich nochmal zu dem Thema äußern. Zunächst einmal suggeriert die oben zusammengestellte Textauswahl, dass die inhaltsvolle und produktive Debatte von den Pazifisten ausgeht. Das ist meiner Meinung nach falsch: Ich habe es bisher hier bei Indymedia und auch draussen auf der Strasse so erfahren, dass gerade die Pazifisten mit ihrem Dogmatismus und Beschimpfungen eine inhaltsvolle Diskussion verhindern. Mit Aussagen wie "5 Prozent der Bewegung, die uns zusätzliche Repression bedeuten, die uns dominieren und inhaltliche Auseinandersetzung verhindern wie ein Gewicht mitzuschleifen?" (siehe oben) wird Hetze gegen alle Leute betrieben, die aus den unterschiedlichsten Gründen Gewalt als ein Mittel ihres Protestes betrachten. Die oben aufgeführten Zitate sollen den Eindruck einer umfassenden Diskussion erwecken - gleichzeitig werden aber von den Gewaltbefürwortern nur die dümmsten Kommentare wiedergegeben oder (in meinem Fall) aus ihrem inhaltlichen Zusammenhang gerissen. Soviel zur Kritik an diesem Artikel; jetzt will ich noch einen konstruktiven Beitrag leisten: Was bringt Gewalt ? Grundsätzlich ist zunächst einmal der Gewaltbegriff zu definieren. Wenn ich mich hier von Pseudopazifisten als Fascho und Bullenspitzel beschimpfen lasse, ist das für mich mehr Gewalt, als wenn ich bei einer Mercedes-Filiale die Fensterscheibe einwerfe. Gewalt ist also völlig subjektiv. In den meisten Ländern ist Gewalt ein übliches Mittel des Protestes, aber wir in den zivilisierten Industrienationen sind da ja schon weiter... Genauso unterschiedlich wie die Auffassung, ist auch die Form der angewendeten Gewalt. Viele kreative Aktionsformen (die sich durchaus als gewalttätig interpretieren lassen) werden von den Pseudopazifisten befürwortet, weil sie in der Lage sein sollen, Inhalte der Öffentlichkeit zu vermitteln und die Akzeptanz für den Protest in der Bevölkerung zu fördern. Gleichzeitig wird dieser Effekt ein paar fliegenden Steinen abgesprochen. Ich glaube hingegen nicht, dass fliegende Steine oder ähnliche Formen der Gewalt weniger dazu in der Lage sind als andere Protestmittel. Entscheidend ist die Strategie, d.h. wann, wo und wie fliegen die Steine. In diesem Punkt schließe ich mich einigen Vorrednern an: eine unkoordinierte Gewaltanwendung ist nicht umbedingt der Sache dienlich (kann es aber auch sein). Zu Beachten ist jedenfalls, dass unkoordinierte "Steinewerfer" ein zwingendes Produkt unserer gewaltproduzierenden Gesellschaft sind und immer Teil von Protesten sein werden. Daher ist es wichtig, in der Bevölkerung vor allem die Akzeptanz eines solchen Verhaltens zu erhöhen und nicht mit ausschließlich gewaltfreien Protesten den Bedürfnissen der Masse gerecht zu werden. Meiner Meinung ist ein Protest-Mix aus Information mit Plakaten etc, kreativen pragmatischen Aktionen und strategisch überlegten gewalttätigen Aktionen ideal. Besonders die Gewaltaktionen haben eine weltweite Signalwirkung, die von jedem als "Protest!" verstanden wird, sie halten der Gesellschaft in ehrlicher Weise ihren eigenen Spiegel vor und sind nicht zuletzt eine Möglichkeit, seine Wut über die Verhältnisse der Öffentlichkeit mitzuteilen. Darüber hinaus gehe ich davon aus, dass gerade ein gewaltbereiter Protest auf Grund seiner Effektivität von den Herrschenden gefürchtet ist, auch wenn sich einige Polizisten gerne prügeln und die Gewalt provozieren.

Kleine Anmerkung zum Begriff "militant"

21.06.2001 - 14:26
"Militant" hat rein gar nichts damit zu tun, ob jemand "gewalttätig" oder "pazifistisch" agiert. Wer den Begriff so verwendet wird in den meisten Ecken dieser Welt nicht verstanden, weil dort niemand den Begriff so ideologisch verwendet wie viele hier. "Militant" bedeutet einfach nur so viel, wie "sich aktiv für oder gegen eine Sache einsetzen" und dient damit der Abgrenzung gegenüber z.B. "Karteileichen" oder "Mitläufern". Viele Leute in Frankreich z.B. bezeichnen sich selbst als "Gewaltfreie Militante".

Antworten...

eine aus gruppe a 21.06.2001 - 16:23



Allgemein: Die frage sollte wirklich nicht "Gewalt oder inhalt" lauten. darum geht es weniger, als um die frage, ob
nicht vielleicht versucht werden sollte politische und gesellschaftliche ziele anzustreben.


zu "Was bringt Gewalt?"


"...suggeriert die oben zusammengestellte Textauswahl, dass die inhaltsvolle und produktive Debatte von den
Pazifisten ausgeht. Das ist meiner Meinung nach falsch: Ich habe es bisher hier bei Indymedia und auch draussen
auf der Strasse so erfahren, dass gerade die Pazifisten mit ihrem Dogmatismus und Beschimpfungen eine
inhaltsvolle Diskussion verhindern. "

Dem muss ich klar widersprechen. in berlin ist es kaum möglich sich offen gegen miltianz auszuspechen ohne
angegriffen zu werden. gewalt wird von bestimmten leuten überall als mittel 1. wahl angesehen.




" aufgeführten Zitate sollen den Eindruck einer umfassenden Diskussion erwecken"
nein, wir wollten denkanstösse geben und haben zur unterstützung bestimmte kommentare zitiert. jede/r kann sich
selbst umsehen und wird sehen auf welchem niveau die debatte laüft.


"Wenn ich mich hier von Pseudopazifisten als Fascho und Bullenspitzel beschimpfen lasse, ist das für mich mehr
Gewalt, als wenn ich bei einer Mercedes-Filiale die Fensterscheibe einwerfe"
1.) zeigt in welchem masse gewalt für dich "normal" ist.
2.) du wurdest (soweit mir bekannt) nicht als solcher beschimpft. was unleugbar ist: der staat will verhindern,
daß wir unsere inhalte vermitteln könen und will repressionen gegen uns anwenden. daher sind agent provocateur
ein beliebtes und gängiges mittel. sie werden auf jeder demo eingesetzt. hier bei indymedia erfüllen sie aufgabe,
repressionen vorzubereiten. wer oder was du bist kann ich nicht sagen. weiss ich auch nicht.





"Gewalt ist also völlig subjektiv. In den meisten Ländern ist Gewalt ein
übliches Mittel des Protestes, aber wir in den zivilisierten Industrienationen sind da ja schon weiter... Genauso
unterschiedlich wie die Auffassung, ist auch die Form der angewendeten Gewalt.
Viele kreative Aktionsformen (die sich durchaus als gewalttätig interpretieren lassen) werden von den
Pseudopazifisten befürwortet, weil sie in der Lage sein sollen, Inhalte der Öffentlichkeit zu vermitteln und die
Akzeptanz für den Protest in der Bevölkerung zu fördern."
darum ging es nie. du kannst herumdefinieren wie du willst. menschen zu verletzen und eigentum von kleinen
leuten zu zerstören, obwohl es vielleicht gar nicht nötig wäre ist das was kritisiert wird. nicht gewalt als erstes
mittel wie bei dir, sondern gewalt als letztes mittel ist die frage. menschen zu verletzen wird wohl
überall als gewalt angesehen und ist ohne frage schädlich, besonders wenn sie die falschen trifft.



"Entscheidend ist die Strategie" Nanu, woanders hast du dies aber verneint.

"unkoordinierte "Steinewerfer" ein zwingendes Produkt unserer gewaltproduzierenden Gesellschaft" hört sich
ziemlich kommunistisch und nachgeplappert an. du hast einen eigenen eigenen kopf. du bestimmst deine
handlungen, genauso wie du die bullen für ihre handlungen verantwortlich machst.

zu "Kleine Anmerkung zum Begriff "militant"" : Stimmt. In jedem land werden aber begriffe anders verstanden.
etwa sagen die amis sex und meinen damit geschlecht. in diskussionen zu diesem thema führen in deutschland
diese verschiedenen bedeutungen zu viel streit, weil jede seite das wort "sexismus" anders definiert, aber jede seite
recht haben will.... anderes beispiel : peoples und volk, hat bei uns immer einen merkwürdigen nachgeschmack.....











to much this time

Pierre Labrousse 21.06.2001 - 19:08
Es tut mir leid. Offenbar gibt es ja tatsächlich Leute, die es schaffen lange Zeit vor einem Bildschirm zu sitzen und einen solchen Text zu lesen. Ich schaffe das nicht, schon gar nicht hier im Rechenzentrum einer Uni, aber das ist nun mal mein einziger Zugang zum Netz (zur Zeit). Ich glaube, daran hinkt auch indymedia:viele interessante Texte, aber kaum zu lesen. Deshalb würde ich den Umweg über eine Broschüre, wie heir schon vorgeschlagen sehr begrüßen, trotz aller Umstände (Zeitaufwand, Geld heranschaffen, wo verteilen, wie kommt danach wieder eine Diskussion zu stande?...)

2 much und so

Pete 21.06.2001 - 19:52
Ja das stimmt mit dem am Bildschirm lesen! Naja, es gab so eine Idee wie Indymedia auch schon in den 70ern daraus hat sich dann ja der ID-Verlag (Suchmaschine nutzen) gebildet. Wahrscheinlich müsste regelmässig neue Diskussionspapiere hinzukommen. Da könnten bestehende Publikationsstrukturen genutzt werden.
Was auch versucht werden könnte: Das hier (incl. aller neuen Kommentare) ausdrucken und verteilen. Die Diskussion könnte dann überall hingetragen werden: Leserbriefe an (linke und bürgerl.) Zeitungen, im Bekanntenkreis, auf Flugblättern und so weiter. Eine Warnung aber: Dabei sollet versucht werden sachlich zu bleiben und nicht zu polarisieren. Schwarzweiss - Sichten können aus einer Diskussion einen "Krieg" machen. Das haben die Bullen in den 80ern oft versucht. Daher vielleicht auf Extrempositionen nicht so krass reagieren...

ALL U NEED IS A AK47

NO JESUS 21.06.2001 - 21:00
DAS IST JA VIELZUVIEL !!! WER SOLL DENN DAS ALLES VIA BILDSCHIRM LESEN ??? WAS WILL DER AUTOR UNS ÜBERHAUPT SAGEN ???

Eine Oase in der Wüste...

Jens Kollert 22.06.2001 - 00:32
Gut, fünf Jahre "linke Szene" waren also doch nicht für die Katz - es scheint noch Menschen zu geben, die den Bedarf sehen, inhaltlich zu diskutieren. Gefährlich finde ich allerdings, daß es sich die Diskussion andeutungsweise wieder auf ein Gewalt ja/nein beschränkt. Das kann einfach nicht das Ziel sein. Was brauchen, sind Inhalte, damit wir endlich (wieder?) den Kampf um Köpfe führen können. Und dann - in zehn oder zwanzig oder auch zweihundert Jahren -, wenn wir in der Bevölkerung verankert und nicht mehr gesellschaftlich isoliert sind können wir uns immer noch über den Kampf um die Strasse unterhalten (gut, wenn es zweihundert Jahre dauert, ist das wohl eher nicht mehr unser Problem).
Deshalb schwebt mir schon seit geraumer Zeit ein Diskussionskanal im Netz vor, der ähnlich wie Indymedia aufgebaut ist, auch was das offene Posten angeht. Die Kommentarfunktion müsste besser sein (vielleicht wie bei www.telepolis.de?) und man müsste meiner Meinugn nach auch einen inhaltlichen Diskussionsrahmen setzen (ich habe keine Lust, als Libertärer mit DKPlern zu diskutieren - das wäre wohl auch nicht sehr produktiv). Vielleich könnte man den Kanal auch unterhalb (aber selbstständig) von IMC.de laufen lassen, aber das müsste die jetzige IMC-Crew entscheiden. Mir schwebt da was in der Richtung  http://de.indymedia.org/diskussion vor. Aber wie gesagt, nur ein Vorschlag. Wer dazu tolle Ideen hat oder sich konkreter um die Umsetzung bemühen möchte: Meine e-Mailadresse steht unter diesem Kommentar.

Warum nicht?

Mr. Burns 22.06.2001 - 04:19
Das wäre auf jeden Fall eine feine Idee. Die Leute, die sich momentan für Indymedia engagieren, schaffen es aber
gerade mal so diese Seite laufen zu lassen. Für einen Terminkalender etwa würden noch Leute fehlen. das ist aber
nicht halb so schlimm - demnächst wird es eine Open Posting - Terminseite geben, die sich auch mit Indymedia
verlinken wird. Was ein Diskussionsforum angeht: Auch hier wäre es besser bereits bestehende Projekte oder
zumindest bestehende Software zu nutzen, die auch direkt mit Indymedia verlinkt wird. Wie die dann heisst, und ob
die auf dem Indymedia-Server ist oder nicht, würde sich klären, wenn was gefunden wurde bzw. Leute mitmachen
wollten. (Der Server dürfte übrigens nicht in Deutschland/Europa sein, da wir hier kein Freespeech haben) PS:
zur Struktur könnte ich mir vorstellen, daß es sich hier um mehrere Foren handelt, zu verschiedenen Themen. Aber
nicht zu viele Themen, damit man sich nicht "verliert". (Indymedia hat ja auch "nur" zehn Themen....)
PPS: Wenn Du Interesse an sowas hast, kann ich Dich ja anmailen....

@jens kollert

Liz 22.06.2001 - 11:00
Aus der gesellschaftlichen Isolation raus, aber bitte ohne DKP? Ich sag dir was: Auch wenn in der DKP haupzsächlich linke Spießer sind,sind die mir doch noch zehn mal lieber, als das was hier so allgemein hin als Bevölkerung verstanden wird. Das sind nämlich noch nicht mal linke Spießer, sondern rechte. Der Hauptfeind ist das eigene Land:

An Liz

Jens Kolert 22.06.2001 - 12:18
Gut, mir ist ein Spiesser und Anhänger des Parlamentarismus zehnmal lieber als ein DKPler. Dass die hin und wieder auf den einen oder anderen Linken ganz symphatisch wirken (?) liegt an ihrer momentanen Schwäche. Aber sobald sie Macht bekommen, weiss man, warum es den Begriff des "Rotfaschisten" gibt. Es ist mit den Kommunisten genau wie mit der katholischen Kirche: Wenn sie schwach sind, sind sie ganz lieb und tun groß fortschrittlich, aber wehe, sie fassen wieder Tritt. Kleiner Buchtip am Rande: "Der Archipel Gulag" von Soschenizyn (Ich weiss, die heutigen Kommunisten sind natürlich gaaaaanz anderes - wer's glaubt...).

@ Totalitarismus Jens

liz 22.06.2001 - 13:22
"Rotfaschisten" - Was bist du doch ein Volltrottel - Noch nicht mal einen Begriff von Faschismus kannst du dir machen... Da ist ja Heiner Geißler fortschrittlicher, der hat sich zumindest immer gegen die Gleichsetzung rechts=links ausgesprochen, und das auch begründet ... Bevor du das nächste mal nach "mehr Inhalt" schreist, versuch mal zumindest auf den Stand der bürgerlichen Demokraten zu kommen.

zu jens kollert

E T 22.06.2001 - 13:46
Das ist es was ich meine, eine Diskussionsrunde, Offenes posting, müsste man schaffen, ja reicht denn das hier nicht, jens und liz ich glaube, das was ihr sucht, ist ein Ultra Linker Digitaler Klüngel Club, Abgeschottet, Überwacht, und Kontrolliert, damit ihr von Normalen Nutzern nicht belästigt werdet, und wenn doch, dann wird der für Rechts erklärt, und dem einfach das Passwort entzogen, wenn das Links ist was liz so an Schimpf Kanonaden los lässt, bin ich aber Froh das ich ein Real Cyber Space Anarchist bin.

zu Liz und E.T.

Jens Kollert 22.06.2001 - 15:58
zu Liz: Erst lesen, dann schreiben. Ich habe niemanden als Fachist bezeichtnet, sondern lediglich geschrieben, daß ich verstehe warum es den Begriff gibt. Das ist ungefähr so groß wie der Unterschied zwischen Gummibärchen und Braunbären. Im übrigen würde ich etwas auf meinen Ton achten, wenn ich außer Beschimpfungen nichts zu sagen habe. Aber ich will mal nicht zu versöhnlich werden: Die Kommis stehen ganz klar auf der anderen Seite. Lieber weiter so ein System wie jetzt, als nochmal Kommunismus. Wirf mal einen Blick in das von mir vorgeschlagene Buch, dann können wir gerne weiter diskutieren.
zu E.T: KLar, man muß aufpassen, daß man sich nicht abschottet. Aber die von mir vorgeschlagene inhaltliche Abgrenzung richtet sich mehr Richtung linke Szene als den Richtung "Normalbürger". Ich habe keine Lust, mich jedesmal als Faschist, Polzeispitzel oder sonstwas beschimpfen zu lassen, wenn ich irgendwas schreibe, was nicht p.c. ist.
Ob es sinnvoll ist, in einem solchen Forum mit "Normalbürgern" zu diskutieren will ich mal dahingestellt sein lassen. Es gehr ja vorrangig erst mal darum, daß wir uns selbst über unsere Inhalte klar werden - da ist es schwer und meiner Meinung nach auch wenig sinnvoll, gleichzeitig mit Aussenstehenden darüber zu diskutieren.

@Totalitarismus Jens

Liz 22.06.2001 - 17:17
Naja, dann ist ja wenigstens alles klar: Du stehst auf der anderen Seite. Und aus der sichtweise des wohlgenährten Bürgerkindes kann ich auch gut verstehen, das du nicht an der Grundlegenden Umwälzung der Eigentumsverhältnisse interessiert bist.

Freiheit durch Diktatur?

Berliner 22.06.2001 - 19:12






Typisch Kommies: Das mit dem Totalitarismus ist auch so ein "Trick" - ich darf bestimmte Worte nicht mehr sagen
und kann so meine Kritik nicht mehr anbringen. Hat ja Orwell in "1984" ganz gut als "Neusprech" bezeichnet.
Zu dem was hinter diesem konkreten Begriff steht: Reaktionäre Historiker versuch(t)en rechts und llinks
gleichzusetzen, um den Nationalsozialismus zu verharmlosen. Das 3. Reich war aber nicht einfach "totalitär", sondern
darüberhinaus noch mehr. "Totalitarismus" ist ein Begriff, der in etwa in Richtung von "Absolutismus" geht. Das 3.
Reich war auch nicht einfach nur "Faschismus", das war auch Italien unter Mussolini und andere. Das 3. Reoich auf
ein, zwei Worte zu beschränken halt ich für verharmlosend. Zu verbieten "Faschismus" als solchen zu nennen, halte
ich verschleiernd.
Kommunisten "nach Lenin" (Es gibt ja auch andere) stehen nun mal für Staat, Regierung, Polizei, Geheimdienst,
Militarismus, Gefängnis, politische Verfolgung, Zensur, Führerkult und so weiter. Ich würde mich hüten
Kommunismus mit Faschismus gleichzusetzen (wie erwähnt, war 3.Reich nicht "nur" faschistisch - faschistisch ist
nur eines von mehreren Merkmalen gewesen), aber bei Stalin, Mao, Lenin und Trotzki gab es Züge davon. (Es fällt
übrigesn auf, daß gerade die Kommie-Kader und -Anhänger hier Gewalt befürworten und schnell zu Beleidigungen
greifen.) "Und aus der sichtweise des wohlgenährten Bürgerkindes kann ich auch
gut verstehen, das du nicht an der Grundlegenden Umwälzung der
Eigentumsverhältnisse interessiert bist. " Typisch für solche Kader -> Verdrehungen. Wer nicht für
die geheiligte Dikatur ist, ist gleich wohlgenährtes Bürgerkind. Wer neben Umwälzung der Eigentumsverhältnisse
auch für gesellschaftliche Beferiung steht, wird sofort mit "das du nicht an der Grundlegenden Umwälzung der
Eigentumsverhältnisse interessiert bist." belegt.
"Wer nicht für unsere Partei ist, ist ein Sektierer."
"Wer für Toleranz und Freiheit ist, ist reaktionär."
"Wer uns kritisiert, verbietet uns den Mund und soll bekämpft werden"

Ich glaube, ich kann mir gut vorstellen wies abgeht, wenn diese "Absolutisten" sich wieder an die Macht
geputscht haben. "Wir stehen auf der anderen Seite" - Heisst also Lager für uns?

Un No.....

Bruce Lee 22.06.2001 - 22:01
Aber wer ist nun hier eigenlich die Dogmatikerin...? Etwa doch die Antikommunisten? So wie die Worte von Jens und Berliner denen von Courtois, Axel Springer und FJ Strauß ähneln... Ich weiß nicht so recht ob die antikommunistische Kalte-Kriegs-Propaganda noch zeitgemäß ist...

Kampf gegen Totalitarismus ist immer aktuell

Jens Kollert 22.06.2001 - 22:57
(zu Bruce Lee)Aha, ich hör mich also an wie Strauss und Co. Ich kann Dir ja mal einen ganzen Blumenstraus an Zitaten von Kommunisten rüberreichen, wo die sich wie Faschisten anhören. Kampf gegen totalitäre Regime und Ideologien ist immer aktuell, egal ob braun, rot oder sonstwie gefärbt. Wenn Du zufällig ein Roter bist, ist das schön für Dich (oder auch nicht), aber Du musst schon verstehen, daß ich darauf nicht wirklich Rücksicht nehmen werde. Und überhaupt: Das Du im Zusammenhang mit Kommunismus das Wort "zeitgemäss" in den Mund nimmst ist schon relativ amüsant.

-

Wir brauchen keine Führer 23.06.2001 - 05:02

Interessante Ähnlichkeit: Nazis bezeichnen alle Nicht-Nazis als linksradikal. und dogm. Kommies alle nicht dogm.
Kommies als reaktionär/rechtsextrem. george orwell: neusprech....... jeder der gegen diktatur ist, ist für f.j. strauss -
schön einfach die kommie-welt...... ach ja: es gibt unterschied zw. gesellschafts- und wirtschaftssystem - obwohl
sicher beide zusammenhängen.....

Alle Kommies sind doof?

Grey 23.06.2001 - 14:53
Wenn ich verschiedene Diskussionen bei indymedia durchlese, fällt mir unter anderem eins auf: Die einen hauen feste auf die Kommies drauf, die anderen stellen dann gleich Vergleiche mit McCarthy o.ä. an. Beides ist nicht so produktiv, obwohl ich die Diskussion um Marx&Co. Für eine sehr wichtige halte. Also möchte ich hier ein paar Denkanstöße geben, um endlich eine sinnvolle Diskussion zu ermöglichen. Aber erst mal das Outing: Ja, ich bin Kommunist.
Das heißt aber noch lange nicht, dass ich Stalin geil finde. Die Regimes der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten waren totalitäre Diktaturen einer Parteibürokratie (und nicht des Proletariats), deren Sturz ich sehr begrüße, auch wenn das, was darauf folgte, nur wieder derselbe Marktkapitalismus ist wie hier.
Ich behaupte, dass die Ziele Kommunismus und Anarchie sich keineswegs aussschließen. Wenn man sich durchliest, wie Marx, Engels und ja, sogar Lenin vor 1917 den Kommunismus beschreiben, findet man dort eine Gesellschaft ohne Staat, ohne Herrschaft, selbstbestimmt und basisdemokratisch. Eigentlich auch die Vorstellung von Anarchie.
Damit behaupte ich nicht, dass Lenin nicht auch viel Müll geschrieben hat, z.B. um 1920, wie man mit Menschen umzugehen hat, die nicht für den angeblich errichteten Sozialismus arbeiten wollen („Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“). Ganz zu schweigen von Trotzki (die „Militarisierung der Arbeit“ oder „die Partei hat immer recht“). Ob dies auf die Zustände im Bürgerkrieg allein zurückzuführen ist, stelle ich dahin.
Dennoch bin ich der Meinung, dass sich die letztendlichen Ziele von KommunistInnen und AnarchistInnen gleichen. Die Differenz besteht meiner Ansicht nach vor allem darin, dass wir denken, dass der Kapitalismus die Menschen größtenteils so sozialisiert, dass eine freie Gesellschaft schwer aufzubauen ist. Damit meine ich z.B. latenten Rassismus, Sexismus etc., was ich auch bei mir immer wieder feststelle. Ich wäre dankbar, wenn ich deswegen nicht gleich als bürgerlich beschimpft würde. Also wollen wir einen neuen, demokratischeren Staat aufbauen, der dann die Voraussetzungen für seine eigene Abschaffung schafft. Dazu organisieren wir uns, allerdings nicht zum Zweck, gleich mal den nächsten Führungskader aufzubauen. Der Übergangsstaat, eben der Sozialismus, soll eben nicht aussehen wie die Sowjetunion. Ob diese Entwicklung nicht bereits im Konzept einer – wie demokratisch auch immer – zentralisierten Partei begründet liegt, ist zu diskutieren.
Wie gesagt, der Sinn der Sache ist, die Diskussion zwischen Kommies und Anarcho/as ein bisschen sachlicher zu gestalten. Vorurteile wie RotfaschistInnen gegen BombenlegerInnen helfen nämlich niemandem. Letztendlich wollen wir alle eine bessere Gesellschaft, die sich zusammen einfach leichter erreichen läßt.

...

Berliner 23.06.2001 - 15:39
Kann ich teilweise zustimmen. Bei Lenin sehe ich die Sache jedoch anders. Sicher hat er einige tolle Sachen
geschrieben. Wichting sind jedoch die Handlungen. Die Sowjets, die sich ab Februar 1917 bildeten, wurden von
den Bolschweisten ja im Nov. aufgelöst, um der Partei zu absoluter Macht zu verhelfen. Wer sich wehrte wurde
umgebracht. Bereits im Frühjahr 1918 gab es üble Massaker an Anarchisten und anderen Andersdenkenden. Die
Geheimpolizei wurde eigens dafür geschaffen. Es gibt verschiedene Strömungen im Kommunismus und
Anarchismus. Die Strömungen, die sich überschneiden sind der Rätekommunismus (Luxemburg und co) und
Anarchosyndikalismus, sowie Anarchokommunismus (Kropotkin), aber niemals Lenin, der Mitbestimmung der Basis abgelehnt hat. Für viele ist Stalin die
logische Folge Lenins, da in extrem hierarchischen Strukturen schnell extrem autoritäre Persönlichkeiten mit "mehr
Ellenbogen" nach oben kommen...