Ein nicht nur virtueller Schlag im Flügel des Kranich

indyomedia 20.06.2001 16:12 Themen: Antirassismus
Ein nicht nur virtueller Schlag im Flügel des Kranichs
Um die nicht wirklich beflügelten Aktienkurse der deutschen Lufthansa AG ging es der Mehrzahl der Besucher der jährlichen Hauptversammlung.
Dem Straßentheater vor dem Eingang wurde noch freundliches Befremden entgegengebracht. Blau-gelbe Stewardessen wandelten neben der Abschiebung eines Flüchtlings die übliche Sicherheitsgymnastik in eine elegante Aufforderung zum aktiven Eingreifen gegen diese Praxis um. Ihre Kolleginnen verteilten Zeitungen und Infopakete zur Lufthansakampagne von Kein Mensch ist illegal. Den AktionärInnen blieb jedoch wenig Zeit, sich mit den Informationen zur Abschiebepraxis ihres Unternehmens zu beschäftigen, da diese ihnen gleich beim Sicherheitscheck am Eingang wieder abgenommen wurden. "Die Zeitung geht gegen das Firmeninteresse der Lufthansa, und wir haben die Anweisung, sie zu konfiszieren. Was genau drinsteht, weiß ich auch nicht." So der Kommentar einer security-Angestellten. Die Sicherheitsmaßnahmen am Eingang waren massiv. Taschen wurden durchleuchtet, man musste Magnetschranken passieren. Nagelscheren wurden konfisziert. Doch Transparente wurden nicht entdeckt. Während die AktionärInnen sich im Rundgang der Kölnarena bei Schnittchen und Mineralwasser sammelten, wurden immer wieder von außen Transparente an die Scheibe gehalten, welche auf die teilweise tödlich endenden Abschiebungen von Flüchtlingen durch Lufthansamaschinen ansprachen. Die security wurde nervös und funkte permanent herum.
Um 10:15 eröffnete der Versammlungsleiter, Herr Schlede vom Aufsichtsrat, die Veranstaltung. Er wies gleich zu Beginn darauf hin, dass er für einen reibungslosen Ablauf des Programms sorgen werde, und dass Chaoten, die auch vor kriminellen Handlungen nicht zurückschrecken würden, gleich des Saales verwiesen würden. Die Lufthansa wäre nicht der richtige Ansprechpartner für Proteste gegen Abschiebungen, das läge im Verantwortungsbereich der Bundesregierung. Im übrigen hätten solche "Partikularinteressen" (ja, das hat er wirklich gesagt!!!) auf einer Aktionärsversammlung nichts zu suchen.
Was die Entschädigungszahlungen für ehemalige ZwangsarbeiterInnen betrifft, so wäre die Rechtslage ja inzwischen geklärt, so dass nun endgültig ein Schlussstrich unter dieses "dunkle Kapitel" gezogen werden müsse.
Als er zur Geschäftsordnung übergehen wollte, erhoben sich die ersten AktivistInnen und entrollten vor dem Rednerpult ein Transparent mit der Aufschrift "Stop deportation.class. Abschiebung ist Mord". Bis die security letztendlich eingriff und die Leute abführte, hatte die Presse genug Zeit, dies festzuhalten.
Als Herr Weber, Vorstandsvorsitzender der Kraniche, zu seinem Jahresbericht ansetzte, wurde das nächste Transparent entrollt. "Stoppt das Geschäft mit den Abschiebungen" wurde lauthals gefordert. Die Stimmen verloren sich in den Kellergeschossen, in die die AktivistInnen abgeführt wurden. Herr Weber setzte gerade wieder an, da erhob sich aus einer anderen Ecke eine Gruppe von AbschiebungsgegnerInnen. Die Buh-Rufe der AktionärInnen verwandelten sich in Beifall, als auch diese abgeführt wurden. "Es genügen nicht die Transparente, die Leute müssen auch raus!" hieß es vom Podium. "Immer draufhauen auf die Chaoten!" kam es aus dem Publikum. Und: "Die Chaoten müssen die Asylanten ja nicht bezahlen, wenn die hierbleiben". Ob angeheizt durch die Stimmung der AktionärInnen oder auf Anweisung von oben, jedenfalls wurden die Eingriffe immer brutaler, die Stimmung gereizter, die AktionärInnen genervter. Beim 5. Transparent wurde ein Aktivist wortwörtlich die Stimme abgewürgt. Eine Frau wurde mit der Faust aufs Jochbein geschlagen, eine andere so wüst abgeführt, dass ihr der Rock über die Hüfte rutschte. Bei der letzten Gruppe wurde das Eingreifen der Sicherheitskräfte bereits durch die drumherum sitzenden Aktionäre vorweggenommen. Sie rissen sofort das Transparent mit den Todesdaten der auf Lufthansaflügen umgekommenen Flüchtlinge an sich. Der Sicherheitsdienst führte die Aktivistinnen unter lauten Forderungen zum Ende des Abschiebegeschäftes ab.
Nachdem die Personalien festgestellt worden sind, wurden alle aus dem Veranstaltungsort herausbefördert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Immer das gleiche

prinzessin 20.06.2001 - 16:51
Nachjeder "revolutionären" Aktion die gleichen Nachrichten: Wir haben das toll gemacht, die bösen waren wirklich böse, und vor allem, wir haben viel erreicht. Leute, das könnt ihr vergessen. Ich hab mir die Onlineübertragung angesehen. Die Störungen waren Lästig, aber im Prinzip gingen sie doch allen am Arsch vorbei und haben wieder allen gezeigt, dass es hier nicht um konstruktive Kritik sondern plumpes Gepöbel geht. Aber das Wichtigste ist ja, dass ihr Euch danach auf die Schultern klopfen könnt und Euch selber bestätigt, daß ihr unheimlich tolle Typen seid und die Revolution in vollem Gange ist. Es ist zwar mitten am Tage, aber trotzdem: Gute Nacht.

gähn

petrus 20.06.2001 - 17:12
das ist doch nur ein erlebnisbericht. wie verbort bist du dass du hier nur bloed rumpoebeln kannst. ich finde den bericht sehr gut, von der aktion ganz zu schweigen. inhaltliches wird und wurde immer von sprechern der kritischen aktionäre vorgetragen. das du das dann nicht mitbekommst ist genau der grund, warum das alleine nicht reicht. obwohl, bei dir wuerd wohl selbst ein vorschlaghammer nicht reichen. lebe dein leben und scheiss uns nicht zu....

Prinzessin...

dresel 20.06.2001 - 22:11
geh kacken. So Leute wie du braucht kein Mensch. Halt einfach die Fresse und verpiss dich.

Kacken war ich schon

Prinzessin 20.06.2001 - 22:24
Gekackt hab' ich heute schon. Danke aber für den Hinweis, ich hätt's ja auch vergessen können.

Fuer prinzessin

21.06.2001 - 08:13
Recht hast Du!
Selbsternannte revolluzer schaden der sache mehr als Verraeter in den eigene Reihen - eine alte revolutionaere Wahrheit, die heute keiner mehr wissen will.
Wer nicht wirtschaftlich denkt, wird immer nur ein mieser, feiger und daemlicher Revoluzzer beleiben - das an die Adresse derer, die immer noch nichts begriffen haben und hier sachliche Kritik niedermachen wollen!
Ihr habt ja noch nicht einmal begriffen, was indymedia wirklich ist, ihr Revoluzzer!

hahahahaha

dresel 21.06.2001 - 16:29
endmies galore...kann ich da nur sagen...

gute demo

ahmed 21.06.2001 - 20:47
Ich will den Aktivisten danken die trotz brutalität für die rechte der flüchtlinge einstehen. hoch die internationale solidarität!