Warum die Online-Demo ein Erfolg war

KIHLAUD 20.06.2001 14:08
Online-Demo überall in den Medien
Die Online-Demo ist vorbei. Was hat sie gebracht? Nun, der Lufthansa-Server hat gewankt, ist aber nicht endgültig gestürzt. Zeitweise war die Seite sehr gut zu erreichen, mal ging fast gar nichts mehr. Es gab mehrere Aufrufversuche, bei denen z.B. über T-online eine Fehlermeldung angezeigt wurde.
Die Lufthansa hatte mehrere Monate Zeit sich auf diese Tag vorzubereiten. Und nur mit Mühe gelang es, die Seite aufrecht zu halten (mit teilweise extrem langen Ladezeiten).


Das Ziel, leere Bildschirme bei der Hauptversammlung zu haben, wurde nicht erreicht. Trotzdem war es ein Erfolg. Die Online-Demo ist fett in den Medien und überall Gesprächsthema. Leute, die mit Politik nicht viel am Hut haben, fragen mich, was es denn mit dieser Demo auf sich hat. Also, weitermachen!

Zudem war es die erste Online-Demo, die schwerpunktmässig von Deutschland aus stattfand. Beim nächsten mal sind wir noch mehr! Wie wäre es beispielsweise mit "Siemens goes offline", während des nächsten Castor-Transports?)
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Hat aber auch gezeigt

tux 20.06.2001 - 14:19
Die Online-Demo hat aber auch gezeigt, daß die Organisatoren ein Haufen Loser sind, weil sie außer dicke Backen mach nix können. Außerdem zeigt die Diskussion jetzt, daß die Aktivisten schlechte Verlierer sind.

DFN sperrte Zugänge

sept00 20.06.2001 - 14:34
Es gibt beträchliche Hinweise darauf, das das Detusche Forschungsnetz (DFN) die Zugänge der deuschen Unis zum Lufthansa Server gesperrt hat. Hinweise unter  http://www.heise.de/newsticker/forum/go.shtml?read=1&msg=482&g=20010618em000

So wurden wahrscheinlich alle Versuche, die Lufthansa-Seiten von Uni-Netzwerk-Rechnern oder Uni-Zugängen zu Hause vereitelt.

Dieser Schritt wäre in alltäglichen realen Demo einer umfassenden Bannmeile oder massiven Platzverweisen / Ingewahrsamnahmen gleichzusetzen! Wenn das die Zukunft von Online-Demos ist, dann können wir gleich aufhören damit.

c't

jim 20.06.2001 - 14:43
Hier ist ein Bericht von heise online, die IMHO viel neutraler berichten als indymedia oder die Bildzeitung.

nicht nur UNIs abgehaengt

canuzzi 20.06.2001 - 14:59
das DFN netz wurde offensichtlicherweise
komplett abgehaengt. ich sitze nicht an einem
UNI institut sondern in einem forschungsinstitut
und habe die seiten ein paar mal versucht zu erreichen
oder anzupingen - das gleiche berichten mir kollegen
auch an anderen standorten. Die erste Online
Demo Deutschlands wurde also mit recht drastischen
Repressionsmitteln unterdrückt - was ich aber
anderenseits wieder als erfolg sehen wuerde, da ja nun wirklich eine grosse Anzahl von Kunden auch nicht die seiten ereeichen kann.

Jaja canuzzi

ziegenbart 20.06.2001 - 15:03
Wenn ich das schon höre "Mit drastischen Repressionsmitteln unterdrückt". Schwachsinn ohne Ende. Die Lufthansa hatten einfach keinen Bock darauf von irgendeiner fanatischen Randgruppe sich ans Bein pinkeln zu lassen. Außerdem war die Demo nicht genehmigt, oder hast Du irgendeinen Genehmiggungsbescheid?

Genehmigung

xxxxxx 20.06.2001 - 15:10
So weit ich weiß wurde die Demo beim Ordnungsamt in Köln angemeldet, habe ich auf irgendein Flayer gelesen.

hehe ziegenbart

canuzzi 20.06.2001 - 15:15
man passt halb seine rethorik dem umfeld
an ;) - aber heftig ist es schon gleich
das ganze dfn netz abzuhaengen - da kann
die lufthansa doc nicht mehr von erfolgreicher
abwehr sprechen, wenn eh nur noch die
schmalbandbreitigen kunden durchgelassen
wurden. Die Lufthansa hat also ihr Tor
selber dicht gemacht und dann der versammelten Presse
erklaert, seht alle her, kommt doch noch
jeder durch die Dachluke rein.

Demos müssen nicht genehmigt sein

20.06.2001 - 15:17
Ziegenbart, Demos müssen nicht "genehmigt" sein, sondern "nur" angemeldet werden.

Wäre ja noch schöner, wenn die Versamlunsgfreiheit durch Ordnungsbehörden je nach Laune gewährt werden könnte.

He tux

die Gruppe MD 20.06.2001 - 15:39
He tux,
machs besser, dit war das erstemal und dafür nicht schlecht.

software

dannyt 20.06.2001 - 15:48
moin,

richtig, die software ist nicht ganz ausgereift.
bis zur nächsten demo wird es sicher bessere geben...

obrigkeit!preußen!brd!

kotzbedürftig 20.06.2001 - 16:18
exakt, demos können zwar verboten, nicht aber genehmigt werden. das ist elementarer bestandteil des grundrechtes auf versammlung, das durch bannmeilen, ausreiseverbote etc. demnächst wahrscheinlich extrem eingeschränkt werden wird. außerdem ist es doch mal wieder bezeichnend, wie obrigkeitshörig und verordnungsfetischistisch der durchschnittsdeutsche (hier: ziegenbart) ist. "es darf nur sein, was der staat erlaubt." und offensichtlich sehnt sich der durchschnittsnetzuser nach kontrolle und beobachtung, eigenverantwortung ist tabu und was den guten deutschen konzernen (hier: der lufthansa) schadet, ist sowieso ganz böse. selbst wenn der konzern zulässt, dass in seinem bereich (denn im flugzeug hat kein bgs-bulle, sondern einzig der pilot, ein angestellter der lufthansa also, hoheitsrechte) menschen zu tode widertandgebrochen werden und daran nicht schlecht verdient. ihrs seid solche arschlöcher!

Lufthansa oder DFN

jaja 20.06.2001 - 16:24
Jetzt wuerde mich aber mal interessieren: Hat die Lufthansa alles was aus dem DFN kam ausgesperrt, oder hat das DFN Zugriffe auf Lufthansa rausgefiltert?

Lufthansa oder DFN

jaja 20.06.2001 - 16:25
Jetzt wuerde mich aber mal interessieren: Hat die Lufthansa alles was aus dem DFN kam ausgesperrt, oder hat das DFN Zugriffe auf Lufthansa rausgefiltert? Wie auch immer saemtliche DFN-User auszusperren, verhindert zwar das Ausbremsen des/der Server, aber wozu nen schnellen Server, wenn ein Grossteil gar nicht mehr dahinkommt :-)

Mal wieder das DFN ....

Scientist 20.06.2001 - 16:33
Das die von DFN die Leitungen für linke Aktivitäten zumachen und somit Zensur betreiben ist überhaupt nichts neues. Schließlich waren die es auch die ´96 den Zugriff auf die xs4all.nl Server gesperrt hatten weil in einer der vielen Gruppen dieses Servers die Zeitschrift radikal gespeichert war (und auch immer noch ist). Aber dabei ist jetzt auch eine starke Verschärfung der DFN-Zensur zu sehen :
die radikal ist eindeutig verfassungsfeindlich und illegal (was eine Zensur des gesamten Servers aber nicht rechtfertigt), aber dass jetzt eine friedliche und angemeldete Online-Demo aus dem DFN- Angebot rauszensiert wird zeigt eindeutig wie die DFM-Leute über Meinungs- und Versammlungsfreiheit denken. Interessant ist außerdem dass (mir zumindest) nichts über die Zensur rechtsradikaler Inhalte bei DFN bekannt ist.

Demo war (Miss-)Erfolg

TübingerBote 20.06.2001 - 16:52
Ich denke, dass die Demo schon ein Erfolg war, weil die Lufthansa sie ernstgenommen hat und ihre Leistung erhöht hat, außerdem war der Lufthansa-Server (zumindest als ich nach 11.45 aufrufen wollte) nicht erreichbar und das über das Uni-Netz (DFN?)! Auch wenn der Server nicht ganz zusammen gebrochen ist, so war er doch nicht für alle und nicht über einen langen Zeitraum zuverlässig erreichbar. Jeder weiss warum (wegen Online-Demo) und das ist ja auch die Absicht gewesen (nämlich Aufmerksamkeit zu erregen).
Allerding ist mir aufgefallen, dass die Lufthansa ihre Abwehraktionen gut darstellen und die Demo als gescheitert betrachten, genauso wie die Organisatoren ihre Demo als (teilweise) erfolgreich.

PS:Die nächste Demo erwarte ich schon mit Spannung!

Aller Anfang ist schwer

Thorty 20.06.2001 - 17:16
leute, diese erste online-demo in d-land ist doch ein anfang gewesen. lasst uns weiter probieren, die modernen kommunikationsnetze zu nutzen, damit auf diesen wegen protest und widerstand kund getan werden kann. wo sonst als im www gibt es eine gut funktionierende subversivität: gegen jeden elektronische einschränkung gibt es minuten später schon eine hacker-antwort. das stimmt mich zuversichtlich. auch ich denke, dass die aktion heute ein erfolg war, denn der grund für die online-blockade ist immer mit genannt worden und hat gezeigt, mit welchen "geschäften" die LH ihre kohle macht.

SIEMENS goes offline

sandy 20.06.2001 - 17:16
Die Idee Online-Demos auszubauen, z. B. beim nächsten Castor-Transport nach Gorleben, ist super. SIEMENS versucht nach wie vor das Atomgeschäft weltweit voranzutreiben und durch den Zusannenschluß mit Framatome Weltmarktführer zu werden (nähere Infos siehe  http://www.siemens-boykott.de).

Der nächste Castor nach Gorleben rollt im Herbst, die BI geht derzeit von einem Termin ab 15.10. aus. Genügend Zeit um diese Aktion vorzubereiten!!!

onlinedemopremiere

zensi 20.06.2001 - 17:47
Die DFN-Geschichte, soweit ich als blutiger Laie was davon kapieren kann, finde ich aufschlussreich, da werden doch Uniangehörige mal wieder für fortschrittlicher gehalten als sie sind. Sie sind aber sehr rustikal gestrickt, siehe bei den Kommentaren: 'was schert uns Antirassismus', sagt sich ein ganz bedeutender Teil.
Insofern hat sich die LH ein Ei gelegt mit dem pauschalen Abschalten des DFN, denn dadurch hatten sie mehr "Demo-Opfer" als ohne diese Aktion wohl zustandegekommen wären und dementsprechend mehr Leute, die sich zwangsläufig Gedanken über dieses Thema machen mussten, wenn die auch leider oftmals lauten 'was schert uns..' s.o.

Sehr witzig, dass auch virtuelle Demos fürsorglich von Wanderkesseln begleitet werden, aber wenigstens macht ein Cyberkessel keine blauen Flecken.

Inwieweit eine Onlinedemo Sinn hat, kann ich noch nicht ganz beurteilen, jedenfalls wohl genausoviel wie eine reale Demo: 1. die TeilnehmerInnen beschäftigen sich mit Inhalt und Forderungen der Demo, das ist immer die Hauptwirkung, 2. Zaungäste werden mit der Problematik bekanntgemacht, 3. die Medien reagieren, 4. man erreicht die Wirkung eines Mückenstichs in einen Elefanten (das unterscheidet Onlinedemos auch nicht von normalen), 5.(ein Vorteil), man muss dazu nicht die DB oder Benzinunternehmen sponsern, 6. (ein Nachteil), sie betrifft aktiv und passiv die Privilegierten mit Computer, Computerkenntnissen und/oder Kohle fürs Internetcafé.

lufthansa war zeitweise offline

Tom 20.06.2001 - 18:00
ich konnte die die lufthansa-hp heute morgen zwischen 10 und 12 mehrmals nicht aufrufen (einwahl nicht über die uni, sondenr über aol).

v. a. die online-buchungs-funktion hat mehrmals nicht funktioniert.

dazwischen ging es immer mal wieder sehr schnell.

der server ist also wohl nicht zusammengebrochen, war aber trotzdem teilweise/zeitweise blockiert.

Die Idee weiterverbreiten,

Linda 20.06.2001 - 18:13
denn hilfreich ist es, zu jeder Aktion den Gegner zu blockieren,...beim Castor z.B. das Netzwerk der polizeilichen Einsatzleitung? Bin allerdings Laie, vielleicht kann jemand sagen, ob es realisiert werden kann!
Linda

wer bläst dicke backen?

ludger hansen 20.06.2001 - 18:29
liebe leute,

ich war in köln vor der lh-versammlung, ich war im netz, ich habes mit vielen anderen vorbereitet, dass lh mal offline ging. "dicke backen" machen nur die, die jetzt meinen die sache madig zu machen. man sollte vernünftig und mit augenmass die sache beurteilen. dabei sollte man vor allem seinen politischen verstand nicht ausschalten. fakt ist, dass das thema: abschiebung durchz lh in die medien kam: vonm washington post über focus bus was weiss ich. selten hattte eine linke initiative eine solche öffentlichkeit im vorfeld. für uns stand nie das technische im vordergrund, wir sind keine "script-kiddies" oder sonst was, sondern politische aktivistInnen. das unterscheidet uns sicherlich von vielen , die jetzt meinen kluge technische kommentare abgebebn zu müssen. wir halten fest: lh war offline, lh wird erneut und wiederholt mit abschiebung identifiziert. wir halten weiter fest, dass für eine sehr ungünstige uhrzeit wie morgens um 10.00 uhr erstaunlich viele leute mitgemacht haben. wäre der zeitpunkt mittags gewesen, so wären sicherlich doppelt soviele leute dabei gewesen. weiterhin ist feszuhalten: die internet-demo hat eine diskussion innerhalb der linken ausgelöst. auch das ist gut so. und nun gehe ich offline, erfreue mich an einer gelungenen aktion und lasse die virtuelle welt hinter mir..........

ludger hansen

DFN hat vermutlich nichts gemacht

as2 20.06.2001 - 18:53
Um das mal hier nachzutragen:

Ich glaube kaum, dass das DFN etwas aktiv gemacht hat.
Daran haben die kein Interesse und es fehlt jede
Rechtsgrundlage.

Entweder es wurden beim DFN Teile des Netzes überlastet, da
zig Studenten das DOS-Programme verwendet haben.
So eine Störung kann schnell passieren. Da genügt manchmal
eine Kleinigkeit.

Oder DEBIS, welche das Lufthansa-Netz
offenbar betreibt, hat im Rahmen der Lufthansa- Gegenmassnahmen alle DFN-Nutzer aus den genannten Gründen vorübergehend (bis ca. 15:00 Uhr) ausgesperrt.
Man kann die Lufthansa und DEBIS aber kaum dazu zwingen,
sich mit solchen Protest-http-Anfragen auch noch freiwillig bombardieren zu lassen.

Blockade von Siemens, LH, Polizei -> Folgen

anonym 20.06.2001 - 19:09
Das finde ich keine gute Idee, da man damit nur reguläre
Nutzer trifft.
Obendrein gibt man damit Schily nur Argumente für
neue Repressalien in Sachen Internet (Zensur, Straftatbestände wie illegale Tools der Cybercrime Convention) usw. .

Wollen wir das riskieren, wo man u.U. kaum etwas ausrichten
kann ?

Wenn die Lufthansa ihre Seiten bei Firmen wie Akamai
hätte, hätte man sie kaum lahmlegen können.
Die verkraften auch zig Zugriff pro Sekunde.
Das führt nur dazu, dass sich die Firmen so absichern zumal
das schnellen Abruf für Kunden im Normalfall garantiert,
während Internetnutzer in Deutschland dann grundlos terrorisiert werden könnten.

Ich kämpfe mit viel Mühe auf politischer Ebene gegen die Umsetzung u.a. von Artikel 6 der Cybercrime-Convention
(illegale Software-Tools, neuerdings Missbrauch von Tools),
die nicht von den Mitgliedsländern umgesetzt werden muss.

Wenn Ihr damit weitermacht, ist die Umsetzung und Pönalisierung des Besitzes solcher Software bereits sicher mit allen Folgen für hunderttausende normale Benutzer, die sich dann sogar bei Besitz von benötigten Programmen wie crack oder nmap strafbar machen würden.

Der Besitz wäre dann vermutlich auf BKA, die Internet-Eingreiftruppe und Systemverwalter von Grossfirmen wie Siemens etc. beschränkt und alle Leute, die sie
benötigen, liefen Gefahr, riesigen Ärger zu bekommen.

dezentral muss es sein

anar 20.06.2001 - 19:58
Ich sehe bei der Online-Demo parallelen zu den Antifa-Demos der letzten Zeit. Zum Beispiel am Wochenende in Göttingen wurde der Großteil der Antifas, nämlich die auf der Demo, kurzerhand gekesselt und somit neutralisiert. Diejenigen, die dezentral zu den Nazis durchgesickert sind, konnten hingegen zumindest eine Beeinträchtigung der Nazi-Demo erreichen.

Das gleiche Problem bestand bei der Online-Demo. Da wurde kurzerhand das DFN abgehängt und ein großer Teil der Demonstranten wurde neutralisiert. Deshalb plädiere ich für ein dezentrales Konzept bei den nächsten Online-Politaktionen.

SIEMENS als nächstes Ziel ist eine hervorragende Idee, nur ist der Konzern nicht so abhängig von seiner Online-Präsenz wie die Lufthansa. Es gibt aber sehr viele e-mail Adressen, die wir gut attackieren könnten. Nun ist es aber strafbar, an eine Adresse viele e-mails zu schreiben. Aber es ist nicht strafbar, eine e-mail an viele Adressen zu schreiben. Es ist auch nicht strafbar, Verteilerlisten im Netz zu verbreiten.

Diese Art des Protestes wäre kreativ, effizient, einfach zu organisieren und schwer zu behindern. Kreativ, weil nicht nur eine mail mit einer Parole SIEMENS-Adressen lahmlegt. Effizient, da der Protest über einen längeren Zeitraum Mitarbeiter behindert. Einfach zu organisieren, da nur die Adressen weitergegeben werden müssen, die Software zum verschicken von unsichtbaren Kopien (blind carbon copies, bcc) ist ja in jedem Mailprogramm integriert. Vor allem aber ist der Protest nicht zu behindern, da die Absenderadressen variieren.

Es gibt keine Online-"Demonstrationen"

Norbert Schuster 20.06.2001 - 20:18
Die Idee, eine verteilte Denial-of-Service Attacke gegen die Lufthansa als "Demonstration" zu bezeichnen ist ungefaehr genauso intelligent wie die Bezeichnung des Internets als "Datenautobahn". Derlei Wortwahl verstellt den Blick auf das Wesentliche.

Was heute passiert ist, auch wenn das technische Ergebniss eher mager war, ist nicht mit einer Demonstration zu vergleichen sondern eher mit dem Versuch z.B. den Lufthansa-Bereich im Frankfurter Flughafen durch eine massive Sitzblockade lahmzulegen. Das heisst es geht nicht um den Ausdruck von Protest (wie etwa durch Plakate o.ä.) sondern um einen direkten und gezielten Angriff auf den Geschäftsbetrieb des Unternehmens. Der Schaden entsteht dabei einerseits durch die Blockade und andererseits durch die Publicity. Das ist sicher legitim aber im Netz auch politisch wesentlich riskanter als in der realen Welt (also bei einer echten Sitzblockade).

Natürlich ist es bequemer und (zumindest bei den ersten Aktionen) auch risikofreier für den einzelnen an einer Online-Blockade teilzunehmen als an einer echten Blockade z.B. einer Flughafenzufahrt (die im übrigen zu ähnlichen Mengen an Presseberichten führen dürfte).

Wenn man diese Mittel als Ausdruck politischer Aktion wählt sollte man sich auch darüber im klaren sein welche Grenzen man überschreitet, auch um abzuschätzen zu welchen Mitteln die Gegenseite greift.

Wenn man die Auseinandersetzung auf dieser Ebene eröffnet (die man durchaus als "Kampf im Netz" beschreiben kann), sollte man nicht verwundert sein wenn die Gegenseite demnächst zu ähnlichen Mitteln greift. Das Innenministerium hat ja über die Benutzung von Denial-of-Service Attacken gegen Nazi-Sites schonmal laut nachgedacht um zu sehn wie die Reaktionen so ist. Bei den nächsten derartigen Aktion sollte es daher nicht verwundern wenn die technisch eher fragilen Strukturen der Protestbewegung angegriffen werden, sei es durch Beschlagnahme der Server oder durch ein "Vergelten mit gleicher Münze" mit DoS-Attacken gegen Systeme die ausserhalb des deutschen Polizeizugriffs stehen. Die Protestbewegung hat sicher nicht die technischen Mittel und Bandbreitenressourcen um so etwas genauso elegant abzuwehren wie es heut die LH geschafft hat.

Insofern halte ich es nicht für besonders schlau Denial of Service als Mittel der politischen Auseinandersetzung zu etablieren. Einerseits ist der Erfolg ungewiss (wie heute deutlich wurde) und spätestens beim 3. Mal interessiert das auch keinen Journalisten mehr weil der Reiz des neuen fehlt. Andererseits kann das schnell auf einen Kampf der Ressourcen hinaus den die Gegenseite ganz offensichtlich gewinnen wird und der obendrein noch eine prima Handhabe für eine deutliche Verschärfung der Überwachung und Repression im Netz darstellt.

Tatsächlich ein Erfolg ?

Steineschmeisser 20.06.2001 - 20:40
Die Online-Demo kann aus zwei Gründen als ein Erfolg gewertet werden: Zum Einen hat sie eine starke Medienpräzenz erzielt, zum Anderen hat sie gezeigt, dass die Strategie solcher Proteste auf technischer Seite voll versagt. Auf letzteres sollte sich nun die Diskussion konzentrieren, da der Miedenrummel (ich schließe mich meinen Vorredner an) spätestens bei der 3. oder 4. Aktion nicht mehr vorhanden sein wird. Wir müssen uns also der Frage widmen, warum hat die Aktion technisch versagt und was lernen wir daraus ?

Kritik

hacktivist 20.06.2001 - 21:20
Ich bin mir sicher, dass es möglich gewesen wäre die Lufthansa-Server lamzulegen, wenn:

1. Die Software besser gewesen wäre. (Bei mir ist die Software jedenfalls andauernd abgestürtzt)

Und 2. Die Uhrzeit der Demo später gewesen wäre. (In USA war es mitten in der Nacht, hier ist ein grosses Potential an "Hacktivisten" verlorengegangen. Auch für deutsche User war die Zeit denkbar schlecht). War eine nette Idee die Demo während der Aktionärsversammlung laufen zu lassen, aber ein kurzfristig bekanntgegebener Termin wäre viel effektiver gewesen.




@ steineschmeisser

s_kiddie 20.06.2001 - 21:47
die aktion hat versagt weil 1) das prinzip, das ein user permanent auf einen server zugreift leicht zu unterbinden ist: jedem user ist eine ip-adresse zugeordnet wenn er sich im netz bewegt. seitens der lh (oder jedem anderen) kann nun die zahl der zugriffe pro ip-adresse ganz einfach per software auf ihrem server reguliert werden. bsp.: eine ip die öfters als 5 mal auf die seite zugreift wird ganz einfach blockiert.
deshalb konnte weder die software, noch plan b funktionieren, das ganze prinzip ist totaler unsinn. mich wundert nur das euch da vorher keiner drauf aufmerksam gemacht hat. damit kommen wir zu 2) die leute die das ganze organisiert haben sind scheinbar computermäßig nicht so ganz drauf, dafür wohl eher gesellschaftsmäßig. genauso wie die ganzen user, die sich überhaupt nicht mit der materie auskennen und einfach mal gemacht haben. jeder der protestiert, sollte das machen was er am besten kann und womit er sich ausreichend auskennt. solche computeraktionen sollte proffessionellen hackern überlassen bleiben. die sind leider nur alle total unpolitisch. ein hackerangriff wäre zumindest genauso medienwirksam gewesen und der vvs hätte jetzt nicht die ganzen daten von den online-demonstranten.

Drohende Repressionen und ihre Wirkung

Blauer Kaktus 20.06.2001 - 21:49
Macht es wirklich Sinn, nur aus Angst vor drohenden Repressalien eine bestimmte Form des Widerstandes aufzugeben?
Es gibt Aktionsformen die schwerwiegende Folgen haben können (Überwachung, Hausdurchsuchung, Verfahren, Haftstrafen), und man muss sich gut überlegen welche davon man zu tragen bereit ist, d.h. wie weit man gehen will. Repressalien aber ganz verhindern kann man nicht, außer man hört auf, Widerstand zu leisten. Das aber genau ist die Funktion von Repression, bzw. der Androhung von Repression: Nichts mehr zu tun, oder besser gesagt nur noch eines zu tun (denn "nichts tun" kann man nicht): wegschauen.
Widerstand leistet man ja gegen bereits bestehende Formen der Unterdrückung. Stellt man also den Widerstand ein, so kann man zwar möglicherweise, und ich sage ausdrücklich nur möglicherweise, die Bildung neuer Repressalien verhindern (indem man den Herrschenden keinen Grund gibt, sich neue auszudenken), an den bereits bestehenden Verhältnissen ändert man so aber nichts.
Mir ist es wichtig darüber nachzudenken, welche Form des Widerstandes ich wähle um etwas bestimmtes zu erreichen, und ich möchte mit diesem Beitrag solche Diskussionen nicht unterbinden, aber ich denke nicht, daß Widerstand ohne Repression möglich ist.

@s_kiddie: hacker sind nicht per se ...

pgs 21.06.2001 - 00:13
hacker sind nicht per se unpoitisch. das mag annähernd auf (sorry, nothing personal) sogenannte script kiddies zutreffen. schon die anfänge des hacktivism weisen politische züge auf.

wie wäre es beispielsweise mal mit...

pgs 21.06.2001 - 00:19
innenministerium goes offline? denn dort sind doch die initiatoren der abschiebepraxis zu finden. alternativ dazu wäre auch castrol goes offline, pirelli goes offline, luk goes offline, ...
die verdienen nämlich auch geld mit den abschiebungen.

aber noch was anderes: würde mich nicht wundern, wenn demnächst das internet unter berufung auf die online"demo" noch mehr verteufelt wird - wir erinnern uns: an kindersex und nazis ist auch der herr internet schuld - und schließlich otto normalbürger nach mehr überwachung, zensur und restriktion schreit.

da nützt es dann auch nix mehr, wenn man zu den guten gehört.

Re: Drohende Repressionen und ihre Wirkung

anonym 21.06.2001 - 01:33
Ich sehe nicht nur die Gefahr von Anti-Cyberterror-
Gesetzen, wonach alles mögliche, was heute noch legal und üblich ist, zur Straftat werden würde, wenn sowas öfter wiederholt wird.

Darüber diskutiert wird ja bereits nur konnte man z.Z.
die Politiker noch davon überzeugen, dass sowas unsinnig
und schädlich ist. Das könnte sich schlagartig ändern, wenn sowas für politische Ziele ständig gemacht wird.

Ein Argument dafür hat diese Aktion Bundesinnenminister Schily mit Sicherheit gegeben. Diese Demo taucht dann
vielleicht in einer Gesetzesbegründung dann auf als Tat
von Linksextremisten (wie andere Dinge etwa in der Begründung seines neuen viel schärferen G10-Gesetzes, wonach demnächst 20% aller Auslandskommunikation abgehört und leichter weitergegeben werden dürfen, auftauchten).

Man erreicht andererseits durch so eine versuchte DOS-Attacke auch nichts.
Denn die Firmen können sich leicht entsprechende Homepagse
verschaffen, die man auch mit X-tausend Demonstranten und
solcher Software nicht lahmlegen kann. Dazu sind die Teilnehmerzahlen viel zu gering.

Ich halte daher eine legale Protest-E-Mail Aktion für sinnvoller. Wenn jeder Demonstrant persönlich Protestmails an die Stellen schickt, ist das absolut legal und niemand
kann dann fordern, das Verschicken von E-Mails unter Strafe
zu stellen.
Viele Parteien wie die FDP rufen doch dazu auf und stellen
dazu sogar Hilfen zur Verfügung.

So eine Aktion gehr nur nach Hinten los und fördert
z.B. die Umsetzung von Art. 6 der European cybercrime convention, die den Besitz diverser Computer-Programme und deren Erstellung zur Straftat machen will.
Das brächte hunderttausende Computerbenutzer in enorme
Schwierigkeiten.
Aber auch eine Einführung einer Internet-Zensur würde dadurch begünstigt werden, so dass demnächst droht, dass
nur noch gelesen werden darf, was ein staatlicher Zensor genehmigt. Natürlich hübsch verklausuliert in Form
einer Erlaubnis- und Anzeigepflicht für Erstellung von WWW-Seiten und Internet-Nutzung etc. . Das wurde bekanntlich erst kürzlich vom bayerischen SPD-Rechtsexperten und MDL Peter Paul Gantzer gefordert.
Vgl.  http://www.heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/newsticker/data/dal-16.05.01-000/default.shtml&words=Beckstein

Da stehen also zahllose Bürgerrechte (u.a. Recht auf freie
Meinungsäußerung) auf dem Spiel, die Scharfmacher schon lange mit dem Pseudo-Argument wie "das Internet sei kein rechtsfreier Raum" in Form viel schärferer Gesetze für das Internet als für das normale Leben fordern.

21.06.2001 - 03:19
Im gestrigen RTL-nachtjournal wurde ein ausführlicher filmbeitrag mit interviewausschnitten zur
lh hauptversammlung gezeigt.
Es wurden mehrere wichtige lh-personen interviewt, sogar das wort partikularinteressen fiel im interview mit einem lh-sprecher, jedoch völlig aus dem zusammenhang gerissen, da im bericht sonst noch ausführlich auf die pilotengehälter als gewinnschmälernder kostenfaktor eingegangen wurde.
(Der lh-sprecher gebrauchte es beim 'ungeschnittenen' interview als er die deportation-class aktionen ansprach)
Ohne vorabinformtion hätte ich mich bei dieser berichterstattung auch nur über die unverschämten partikularinteressen der piloten aufgeregt. Kein wort über die aktionen der deportation-class-leute in der hauptversammlung oder über kritik an der lh durch menschenrechtsaktivisten. Totschweigen im wahrsten sinne.
Besonders erhellend war, als vorstandsvorsitzender soundso sich am schluss des beitrages von einem artigen chauffeur,
mit dunklerer hautfarbe als der gemeine durschschnittsdeutsche, die tür der s-klasse aufhalten ließ, lächelte, dem herrn die hand reichte.Die szene mit der davonfahrenden limousine krönte die darbietung.

Hiermit wird ein weiteres beispiel für das verhalten der
medien durch nicht-berichterstattung über friedliche proteste bzw. aktionen geliefert.
Da denkt aufgeklärter mensch sofort an fernsehbeiträge, vor allem der privatsender über die reisenden verbrecher in göteborg und ihre gewalttaten.
Privatsender werden uns allen noch viel freude duch ihre sozial ausgewogenen Nachrichten und sonstigen sendungen bereiten, herzliches dankeschön für für dieses geschenk noch einmal an herrn dr. helmut hohl. (weiß den namen nicht mehr richtig, aber andre wissens besser)
Was haben wir uns damals über die vielen bunten programme gefreut!

21.06.2001 - 03:26
url Angabe vergessen....

Kritik

Leipziger 21.06.2001 - 13:52
Mich würde schon mal interssieren warum hier so viele Menschen die Wahrnehmbarkeit in der bürgerlichen Presse als Indikator für den Erfolg der Aktion betrachten. Gerade in Germany wo der rechte Konsens schon längst in der gesamten Gesellschaft vorhanden ist. Ich halte es zumindest für fragwürdig das Menschen sich mit dem Thema Abschiebung und seinen Ursachen, die ja wohl im Kapitalismus zu suchen währen, beschäftigen, nur weil sie einen 30 Sekunden Spot bei der Tagesschau darüber gesehen haben. Außerdem ist ein kritischer Bericht über Abschiebung deren Ursachen und Folgen bis wohl kaum in der bürgerlichen Presse zu finden und auch nicht zu erwarten.

erfolg für die demokratie!

interpokula 21.06.2001 - 15:23
die aktion war ein erfolg für die demokratie und die freiheitliche grundordnung, weil sie gezeigt hat, daß das internetz noch nicht komplett von linksfaschistischen wirrköpfen beherrscht wird!
linke, ihr seid flaschen! jetzt habt ihr sogar schon schiß vorm steineschmeißen.
die lufthansa lacht über euch und ich lache mit!
außerdem genieße ich, zu wissen, daß genau zum zeitpunkt eures aktiönchens statistisch gesehen 4,5 illegale einwanderer und kriminelle aus dem land befördert worden.
onlinedemonstrationen? macht nur weiter ihr witzfiguren...

u.a. @ Leipziger

Webcrusher 21.06.2001 - 15:42
Also ich würde sagen, dei Online-Demo war ein teilweiser erfolg, denn schließlich wurde ind den Medien berichtet, wenn auch nicht in allen und nicht ausführlich (besonders möchte ich hier anmerken ,daß weder in der ARD-Tagesschau noch in Phoenix' 'der Tag' wirklich auf die online-demo eingegangen wurde, beide sind Öffentlich/Staatlich und bei Phoenix wurde ca. 'ne halbe Stunde über die LH-Aktionärsversammlung im allgemeinen berichtet. Das ist definitiv ein krasser fall von ZENSUR!); allerdings haben wir es nicht geschafft, den Server ganz in die Knie zu zwingen, auch wenn zeitweise die Flugsuche und -buchung gänzlich unmöglich wurde. Daß wir das nicht geschafft haben führe ich aber in erster Linie auf die beschissen gewählte Uhrzeit zurück. Auch viele Linke müssen arbeiten, die meisten Arbeitslosen besitzen keinen Computer und viele Aktive sind noch Schüler/Studenten und konnten deshalb nicht mitmachen (ich habe für die Aktion extra die Schule geschwänzt, aber das können sich nicht alle leisten). Wäre die Demo nachmittags um drei oder vier gewesen hätten wir die LH sicher offline gekriegt. Den Vorschlag, das mitten in der Naczht zu machen halte ich für wenig sinnvoll, denn wer bucht schon nachts um zwei seine Flugtickets?! Daß das Medieninteresse so schnell schwindet glaube ich nicht, denn wenn z.B. Die Siemens-Seiten für 1-2 Stunden nicht erreichbar sind, dann interessiert das die Medien, erstmal noch unabhängig vom politischen Hintergrund! Im gegenteil könnte ich mir vorstellen, daß demnächst bei jeder Hackerattacke auf irgendein Unternehmen/irgendeine Einrichtung erstmal gefragt wird, ob das politisch motiviert sein könnte, so, daß dann der hintergrund, wenn er denn erstmal gefunden ist, ganz groß rausposaunt und auch diskutiert wird. Noch sinnvoller wäre das natürlich bei Unternehmen, die nur oder vorwiegend online aktiv sind, denn die träfe das dann gleich ganz hart. Wenn das ganze dann noch mit 'professionellen' Hackaktionen kombiniert würde, also z.B. am nächsten Tag auf der betroffenen Site ein entsprechender slogan plaziert würde (ich wiß nich ob das geht, kenn mich da nich so aus), dann wäre uns jede Menge öffentlichkeit sicher, und um die gehts ja in erster Linie. Auch gut wäre es, wenn das Programm beim näxten mal einen Anonymizer oder sowas eingebaut hätte, damit das nicht so schnell zurückverfolgt werden kann. Also, alles in allem: fürs erste Mal recht gelungen, aber definitiv ausbaufähig!

Bahn goes offline

keks 22.06.2001 - 16:17
Wenn schon Siemens beim nächsten Castor offline soll, was prima wäre, finde ich, dass die Bahn AG das bessere Netz-Ziel wäre. Wie wär´s wenn keinEr mehr den Bahnfahrplan online anklickern könnte?
gruß keks

Kein Erfolg - Meldung nur über Versammlung

22.06.2001 - 19:02
Das war sicher kein Erfolg. In diversen Nachrichtensendungen, allen die ich sah, kam über
diese Online-Demo kein Wort/bild. Es kam nur eine Meldung über die Störung der Aktionärs-Versammlung der LH-Aktionäre
durch Demonstranten, die ein Spruchband ausrollten.