FAU-IAA Bus bei Abfahrt überfallen!

pingo 17.06.2001 18:11
Samstag abend wurde der Bus der FAU-IAA in Göteborg bei seiner Abfahrt von
einer schwarzvermummten Spezialtruppe der schwedischen Polizei überfallen.
Am Abend des 16. Juni 2001 wurde der Bus der anarchosyndikalistischen
Gewerkschaft FAU-IAA brutal von der schwedischen Polizei überfallen, als er
gerade Göteborg verlassen wollte.

Der Vorgang ereignete sich um 21:00 Uhr, als 50 Anarcho-SyndikalistInnen,
die an der Großdemonstration am Samstag Vormittag teilgenommen hatten, eben
dabei waren, ihren Bus für die Heimfahrt zu besteigen. Plötzlich rasten mit
großer Geschwindigkeit fünf zivile Chevrolet-Transporter am Linneplatsen an
und blockierten den Bus. Aus den Transportern sprangen ca. 30 uniformierte
Polizisten mit schwarzen Sturmhauben, die diejenigen Insassen, die noch
nicht in den Bus eingestiegen waren, anschrien, sich sofort in den Bus zu
begeben. Die Polizisten, vermutlich das Team der "National Special Force"
(schwedisches Pendant zur GSG9), verliehen ihrer Aufforderung Nachdruck,
indem sie einige Leute brutal in den Einstieg schubsten.

Eine Minute später hatten sie offenbar ihre Meinung geändert. Die
BusinsassInnen wurden nun aufgefordert, den Bus sofort wieder durch den
Hinterausgang zu verlassen. Zeitgleich stürmten einige Polizisten den Bus
durch den Vordereingang und drängten die Leute extrem aggressiv in den
hinteren Busteil, wobei die Polizei einige Male absolut grundlos ihre
Teleskop-Totschläger einsetzte.

Die Leute, die den Bus verließen, wurden aufgefordert sich vor dem Bus
hinzusetzen und dabei durch einen Polizeikordon umringt. Auf Leute, die auch
nur ihre Hand bewegten und auf jemanden, der sein Handy aus der Tasche zog,
wurde sofort eingeschlagen.

Die Polizisten waren extrem nervös und agressiv. Die ganze Zeit über hielten
sie in der einen Hand den Teleskopschlagstock, die andere Hand lag auf den
Pistolen. Es ist ganz sicherlich nicht unsere Aufgabe, irgendein Mitleid mit
der Polizei zu haben; es war allerdings offensichtlich, dass man diese Cops
mit frisch vernähten Platzwunden und in einem Fall einer gebrochenen Nase
"zur Arbeit" geschickt hatte.

Die Insassen versuchten die Polizisten irgendwie zu beruhigen, da absolut
nicht absehbar war, ob nicht einer von ihnen in dem aufgeheizten und
offensichtlich mental labilen Zustand, in dem sie sich befanden, zur Waffe
greifen würde. Den Cops wurde u.a. gesagt, dass die Leute im Bus
Anarcho-SyndikalistInnen sind, die für die Großdemonstration erst am morgen
des gleichen Tages nach Schweden gekommen waren und dabei bereits bei der
Einreise und zwei Mal in Göteborg selbst ausgiebig durchsucht worden waren.
Sie wurden aufgefordert, diese Angaben zu überprüfen. Dieser Aufforderung
kam der Einsatzleiter schließlich nach und nachdem er nach einer geschlagen
Viertelstunde die Bestätigung erhalten hatte, wurde den
Anarcho-SyndikalistInnen erlaubt, den Bus zu besteigen und die Heimreise
anzutreten.

Dieser Überfall war kein Versehen. Sowohl ein Polizist in Zivil als auch ein
kreisender Polizeihubschrauber hatten davor mehr als eine halbe Stunde lang
die Gruppe beim Warten auf den Bus beobachtet und die Ankunft des Busses
mitverfolgt. Es handelte sich ganz offensichtlich um eine bewußte
Provokation, vor dem Hintergrund der Hetze, die in Göteborg gegen die
angeblichen "ausländischen Terror-Terroristen" betrieben wurde. Diese Hetze
dient alleine der Ablenkung von der Tatsache, dass die schwedische Polizei
auch vor dem Einsatz von Schußwaffen nicht zurückschreckt, um den Europas
Herrschenden einen störungsfreien Tagesordnungsablauf zu garantieren. Dieses
tödliche Kalkül ist umso zynischer, als dass die maßlos hochgespielte
"Gewaltbereitschaft" in Göteborgs Straßen, die zur Legitimation herangezogen
wurde, nicht auch nur annähernd z.B. an die Militanz heranreicht, die
spanische Werftarbeiter in den 80er und 90er Jahren im Kampf gegen die
Schließung der Werften an den Tag gelegt haben. Wäre die schwedische Polizei
mit streikenden koreanischen Hyundai-ArbeiterInnen konfrontiert gewesen,
hätte das in schwedischer Polizei-"Logik" vermutlich den Einsatz von
Maschinengewehren gerechtfertigt.

Die FAU-IAA wird diesen Überfall nicht kommentarlos hinnehmen sondern ihre
internationalen Kontakte dazu nutzen, diesen völlig unbegründeten Übergriff
zur Sprache zu bringen. Der Angriff ist nicht unbeobachtet geblieben, einem
Kamerateam gelang es ihn heimlich zu dokumentieren, er wurde am späten Abend
u.a. im französischen Fernsehen ausgestrahlt.

Angesichts dessen, was wir an Polizeibrutalität, Schikanen und offenkundiger
Inkompetenz an diesem Samstag in Göteborg beobachtet haben, empfehlen wir
den schwedischen Behörden, in den nächsten Jahren keinen Kongress mehr zu
organisieren, dessen potentielles Konfliktpotential über das eines
internationalen Tischtennis-Turniers hinausreicht.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen