1. Mai Kreuzberg:

King Kong 03.05.2001 01:45 Themen: Repression
Spiegel Online: SFB berichtete am Mittwochabend, die Polizei habe Teilnehmer einer verbotenen Versammlung aufgefordert, in Richtung Mariannenplatz abzuziehen. Einsatzleiter Gernot Piestert und Innensenator Eckart Werthebach (CDU) geben sich überrascht und ahnungslos.
der sfb-abendschaubeitrag, der im spiegel online artikel erwähnt wird, ist hier als real audio zu sehen:

 http://www.sfb.de/fernsehen/abendschau/abendschau_arc.php3?getweek=988755982&detailidx=641

ich verweise an dieser stelle nochmal auf meinen text vom 2.5. 10.07 uhr  http://de.indymedia.org/2001/05/1818.html und auf den mitschnitt einer der zahlreichen polizeidurchsagen mit der aufforderung, sich zum mariannenplatz zu begeben:  http://www.edwaige.de/mai-2001/durchsage.mov

bewerten muß man das alles schon selber...;)

SPIEGEL ONLINE - 02. Mai 2001, 16:07
URL:  http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,131494,00.html

Mai-Krawalle

Panne beim Polizeieinsatz?


Nach den Straßenschlachten am 1. Mai in Berlin ist Innensenator Eckart Werthebach wegen seines verschärften Sicherheitskonzepts unter Beschuss geraten. Zudem soll es bei dem Polizeieinsatz zu einer schweren Panne gekommen sein.

Berlin - Der Sender Freies Berlin (SFB) berichtete am Mittwochabend, die Polizei habe Teilnehmer einer verbotenen Versammlung aufgefordert, in Richtung Mariannenplatz abzuziehen. Dort fand aber zur gleichen Zeit ein friedliches Straßenfest mit Tausenden Teilnehmern statt.

Einsatzleiter Gernot Piestert sagte, sollte dies tatsächlich so geschehen sein, sei dies aus polizeitaktischer Sicht "töricht". Innensenator Eckart Werthebach (CDU) sagte in einer Sendung des SFB zu dem ihm kurz zuvor gezeigten Video des Einsatzes: "Das kann ich mir nicht erklären." Die Krawalle am Abend des 1. Mai hatten begonnen, als Gewalttäter aus der Deckung des Straßenfestes heraus Steine schleuderten.

Polizeipräsident Hagen Saberschinsky hatte zuvor erklärt, unter die Teilnehmer des friedlichen Familienfestes auf dem Mariannenplatz hätten sich Gewalttäter gemischt. Die Polizei habe dort wegen zahlreicher Frauen und Kindern nicht zielgerichtet vorgehen können. Augenzeugen berichteten dagegen, die Polizei habe die Teilnehmer einer verbotenen Demonstration zum Mariannenplatz gedrängt.

Rekorde: Polizeiaufgebot und Zahl der Festnahmen

Werthebach räumte am Mittwoch ein, es sei zwar unzweifelhaft zu wüsten Krawallen in Berlin-Kreuzberg gekommen. Ansonsten sei das Demonstrationsgeschehen in der Hauptstadt aber ruhig und zufrieden stellend verlaufen. Der CDU-Politiker wollte in diesem Jahr mit dem erstmaligen Verbot der linksautonomen Demonstration zum 1. Mai, einem Rekordaufgebot an Polizisten und konsequentem Eingreifen das jährliche Gewaltritual durchbrechen.

Insgesamt wurden nach der Bilanz vom Mittwoch bei den Ausschreitungen in Berlin 600 Menschen festgenommen, 200 mehr als im Vorjahr. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Verletzte: 166 Polizisten (2000: 279) und eine bisher nicht bekannte Zahl an Demonstranten mussten ärztlich versorgt werden. Der Sachschaden konnte noch nicht genau beziffert werden. "Es gab 30 etwas größere Vorkommnisse", so Polizeipräsident Saberschinsky. Der Einsatz der Sicherheitskräfte kostet den Steuerzahler nach Schätzungen der Gewerkschaft der Polizei (GdP) rund zehn Millionen Mark.

Herbeigeredeter Krawall ?

Berlins SPD-Landeschef Peter Strieder warf dem Innensenator und dem Polizeipräsidenten vor, es habe schwere Fehler gegeben. Zum Großteil sei der Krawall bereits im Vorfeld herbeigeredet worden, sagte er im InfoRadio Berlin-Brandenburg. Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Bärbel Grygier, klagte, der Einsatz von 9000 Polizisten habe eine Provokation bewirkt. Die Anzahl der Verletzten sei "irrwitzig hoch" und der Kreuzberger Mariannenplatz so demoliert worden, wie es seit Jahrzehnten nicht der Fall war, sagte die parteilose Politikerin, die für die PDS das Bürgermeisteramt ausübt, im Radio EINS.

Kritik auch von der Polizeigewerkschaft

Auch die GdP kritisierte das Einsatzkonzept Werthebachs. Der einzige Unterschied zum Vorjahr habe darin bestanden, dass die Krawalle diesmal schon gegen 17 Uhr begonnen hätten, während sie im Vorjahr erst um 20.20 Uhr anfingen. Nach den Ausschreitungen am 1. Mai in Berlin und anderen deutschen Großstädten forderte die Gewerkschaft zusätzliches Personal. "Die normale Polizeiarbeit bleibt auf der Strecke. Abseits von Castor-Transporten, Großveranstaltungen und Randale wird der Steuerzahler um die innere Sicherheit betrogen", sagte GdP-Chef Konrad Freiberg in Hilden bei Düsseldorf.

Diepgen pro Werthebach

Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen sagte dagegen, die linksautonomen Gewalttäter hätten unter Beweis gestellt, dass die von Werthebach verfolgte Linie der Demonstrationsverbote richtig sei. Sie werde gegenüber extremistischen Ausschreitungen linker und rechter Herkunft weiter verfolgt werden. Werthebach kündigte an, die so genannte revolutionäre 1.-Mai-Demonstration auch im kommenden Jahr wieder zu verbieten. Nach seiner Überzeugung werden die Ausschreitungen über die Jahre abnehmen.

Hunderte vor allem jugendliche Steinewerfer hatten sich am frühen Dienstagabend in Kreuzberg Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Feuerwehr registrierte im Zusammenhang mit den Krawallen bis in die Morgenstunden fünf Feuer und 24 kleinere Brände.

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Ergänzungen

E T 03.05.2001 - 01:54
Hä Panne ??? höchsten der der s glaubt.

2.Mai 4.08 Uhr

03.05.2001 - 03:14

"Panne" der Polizei

??? 03.05.2001 - 08:32
Diese "Panne" der Polizei kann so oder so gesehen werden. Bei all dem was ich um den 1. Mai erlebt habe, war dies eine bewußte Aktion der Polizei, um sich daraus das "Recht" zu nehmen, den Marianenplatz zu stürmen....die heftige Gegenwehr oder -"juristisch" Selbstverteidigung (um sich selbst und andere vor weiteren Übergriffen zu schützen) - war demnach absolut gerechtfertigt. Ich kann nur hoffen, dass Reporter endlich den Mut aufbringen, Übergriffe und Fehlverhalten der Polizei in den Medien (Fernsehen/ Zeitung) zu zeigen. So z.B die völlig wahrlos vorgenommenen Verhaftungen, die nur dem Zweck dienten einen bestimmten Schnitt zu erfüllen....das Werthebach daraus einen Erfolg macht ist absolut lächerlich und zeigt wie undifferenziert dieser - hoffentlich bald arbeitlose Mann- die Sachlage um den 1.Mai sieht....

???

Erstaunlich

Uwe 03.05.2001 - 09:18
Es ist immer wieder erstaunlich, welchen Konsens die Medien mittragen. Ich frage mich jetzt ohne Polemik wirklich, worin dies begründet liegt. Das Primat der Ökonomie in den Medien würde ebenso, wenn nicht noch besser durch eine skandalöse Bullen Dokumentation erfüllt, heißt, durch Bullenskandale kann man die Auflage auch steigern. Die Schreiber sind doch nicht wirklich dumm oder naiv. Man sollte ihnen jedenfalls von morgens bis abends in die Fresse hauen.

war ja auch klar

King Kong 03.05.2001 - 09:54
Ich schrieb ja auch: "bewerten muß man das alles schon selber...;) " das war nie im leben eine polizeipanne, das war ein gezielter Angriff auf den mariannenplatz

Und es wurde ja auch nach dem Angriff auf den Mariannenplatz weiter Stimmung geschürt:

Brennende Autos wurden 20 Minuten lang nicht gelöscht, obwohl Wasserwerfer genau davor stehen.

Neben brennenden weißen Golf, der von der Polizei in Richtung Mariannenplatz geschoben worden ist mit einem Räumpanzer, standen teilweise 4 Wasserwerfer, die nicht gelöscht haben.

Im Gegenteil: Die Feuerwehr wurde von Demonstranten durchgelassen und von der Polizei am Einsatz gehindert und zurück geschickt - stattdessen kam dann der nächste Wasserwerfer.

Schlüsselfund Mariannenplatz

bitte weitersagen 03.05.2001 - 11:24
Uns ist ein kleiner Schlüsselbund gegeben worden, den irgendwer gestern auf dem Mariannenplatz gefunden hat.
Abholen möglich: beim Anti-Atom-Plenum Berlin, immer dienstags ab 20 Uhr im Blauen Salon des Mehringhofes, Gneisenaustr.2a, zweiter Hinterhof, U-Bahn Mehringdamm

Augenzeuge

SchinderHannes 03.05.2001 - 14:49
Durch Zufall habe ich die Eskalation der Lage mitbekommen. Sie entstand nicht an der Sraßenkreuzung wo Personen aufgefordert worden zum Marianenplatz zu gehen. Eine Straßenkreuzung weiter (auf der anderen Seite der Polizeiabsperung),
warfen 2-3 Betrunkene ( für die der 1.Mai wahrscheinlich nicht der Tag ist ,an dem man und Frau
gegen die Menschen- und Naturverachtenen Praktiken
des Kapitalismus demonatrieren ,sie sahen aus wie
Hooligans) Flaschen auf eine Wanne. Daraufhin pügelten Polizisten wahrlos auf Personen ein, die an
dieser Kreuzung standen. Von dort aus trieben die
Polizisten die Leute zum Marianenplatz, dabei kam es zu Steinwürfen, die eindeutig durch das agressive
Verhalten der Polizei provoziert wurden. Am Marianenplatz angekommen ging die Polizei wahrlos,
mit Wasserwerfern und Schlagstock gegen Passanten
vor. Die Bullen stürmten gewalttätig auf den Marianenplatz, daß dieses jeden der Anwesenden bis
aufs Blut reitzte ist leicht nachvollziehbar und manch
einer, denke ich, schmiß Steine der sonst keine geschmissen hätte. Der Hammer war noch, daß die Bullen den Marianenplatz schon " erobert" hatten, sich
aber wieder so an die umliegenden Straßenkreuzungen zurückzogen, das es sich als eine Einladung für die erhitzten Gemüter darstellte, ihren
Frust zu entladen. Für mich ist der Sachverhalt eindeutig, die Bullen die diese Einsätze leiten sind gut
geschult, sie wissen warum und wann solche Situationen eskalieren, mit der gefahrenden Taktik
hat man Ausschreitungen bewußt provoziert.

"Entfernen .... Richtung Mariannenplatz"

einer 04.05.2001 - 02:35
Noch Mal zu der Aufforderung der Bullen in Richtung Mariannenplatz zu gehen.
Nach Ende der LausitzerPlatzDemo zogen zahlreiche Menschen
über die Oranienstraße zum O-Platz um dort die für 18.00 Uhr
geplante Demo durchzuführen. An der Kreuzung O-str./Adalbert
str. wurden sie durch Polizeibeamte gestoppt. Über Lautsprecher kam dann: "....bla...verboten...bla...fordern Sie auf sich in RICHTUNG MARIANNENPLATZ, EINZELN ODER IN KLEINEN GRUPPEN ZU ENTFERNEN"!!! Das ganze wiederholte sich noch 4-5 Mal. Zeitweilig gab es ruppiges Vorgehen der Bullen und einige Festnahmen. Ein Teil der Leute ging dann auch Richtung M-Platz ein Teil die O-str. zurück. Diese wurden dann durch eine Bullenkette gestoppt und
kamen widerum zur Kreuzung O-str./Adalbertstr zurück und wieder war an der dortigen Absperrung die obige Durchsage zu hören. Das Ganze wurde auch von mind. 2 TV-Teams beobachtet.
Von einem ganzen Rudel sonstiger Journalisten Mal abgesehen.

Ich stand zu diesem Zeitpunkt so 10 Meter hinter(!)der
Bullenkette.