1. Mai in Berlin - Wie sich die Dynamik der G

AG gegen Polizeigewalt/Grundrechtekomitee 02.05.2001 16:00
Zusammenfassung der Ereignisse in SO 36 (Kreuzberg) am Nachmittag und Abend des 1. Mai 2001. Ergebnis der Beobachtung von 70 unabhängigen DemobeobachterInnen. Einladung zu einer ausführlichen Pressekonferenz.
Nun recken sie wieder die Wortarme, diese demokratieunfähigen Politiker. Ihre Rechnung mag aufgegangen sein. Denn sie wird im Nenner der vorgeschobenen Polizeigewalt und der von Demonstrierenden herausgelockten formell privaten Gewalt kalkuliert. Entsprechend hat sich der Innensenator Werthebach schon geäußert. Borniert rechtfertigte er seine Verbote- und polizeiliche Einsatz-, genauer Mißbrauchsstrategie und -taktik.

Tatsächlich sind demokratisch grundrechtlich gegründete Umgangsformen erneut und ohne Not zuschanden gemacht worden.

Aus dem 1. Mai 2000 wurde nicht gelernt. Erneut wurden unbegründete Gewaltprognosen angestellt. Dies, obwohl am 1. Mai 2000 nachgewiesen werden kann, daß sie seinerzeit falsch waren und gegenwärtig falsch sind. Angeblich, um von Jugendlichen ausgehende Gewalt zu vermeiden, verbot der Innensenator die Demonstration nach 16.00 Uhr. Mangelhaft informierte und grundrechtlich orientierte Gerichte folgten ihm. Dabei war von vornherein klar, daß nicht weniger, sondern mehr Gewalt von beiden Seiten die Folge sein würde. Offenkundig wurde dieses Mehr gewollt. Mit schlimmen weiterreichenden Folgen für den offenen, jedoch friedlichen Austrag von Konflikten in Berlin und anderwärts.

Der von Werthebach, Senat und Polizei gegen besseres Wissen durch Verbot beförderte Gewalteinsatz nahm im gestrigen Geschehen folgenden Verlauf:

- Gemessen an den massiven Einschränkungen des Demonstrations- und Versammlungsrechts und den eher brachialen Ankündigungen zu den Einsatzschwellen, nahm sich die Polizei in einer ersten Phase von ca. 12 - 16 Uhr eher zurück: die Personenkontrollen blieben vereinzelt, die Präsenz im Zentrum von Kreuzberg mäßig "aufgerüstet" und die Begleitung der genehmigten Demonstrationen eher zurückhaltend.

- In einer zweiten Phase wurden die Ansammlungen an den Straßenkreuzungen und verschiedenen Plätzen zu sog. Ersatz-Versammlungen umdefiniert und mit einem zuweilen moderaten manchmal aber auch ausgesprochen ruppigen polizeilichen Vorgehen aufgelöst (16.00 bis 17.20 Uhr). Die Definitionen von Ersatz-Versammlungen waren willkürlich und betrafen gerade nicht Versammlungen, sondern flanierende und sich informierende Bürger und Bürgerinnen. Nach unseren Beobachtungen ging hier die Gewalt eindeutig von der Polizei aus und die herrschende unaggressive Volksfestathmosphäre unter den massenhaft anwesenden Bürgern verhinderte zunächst eher eine Eskalation. In dieser Phase ist auch der angemeldete Demonstrationsbeobachter Prof. Dr. Wolf-Dieter Narr (FU Berlin, Geschäftsführender Vorstand des Grundrechtekomitees) zu Boden gestoßen und in rüder Form in einen Polizeiwagen geschleppt worden. 5 Stunden wurde er festgehalten.

- In einer dritten Phase hat die Polizei eine Einkesselungsstrategie mit einer großen Zahl von Festnahmen (400) aus den sich eskalierenden Konflikten Oranienstraße / Heinrich Heine Platz und Mariannenstraße / Naunystraße / Mariannenplatz eingeschlagen (ab ca. 17.40 Uhr). Ausgangspunkt war die polizeiliche Vertreibung der Bürger aus der Oranienstraße und die versuchte Räumung des Heinrichplatzes und der Kreuzung Mariannenstraße / Naunystraße. Einzelne Demonstranten und Unterstützer aus den umliegenden Häusern bewarfen auf der Mariannenstraße die Polizei mit Steinen, Flaschen und anderen festen Materialien. Diese Ereignissen verstärkten den massiven Polizeieinsatz mit mehreren hundert Polizeikräften und 8 Wasserwerfern sowie anderen Räumfahrzeugen. Das friedliche Fest auf dem Mariannenplatz wurde mit Wasserwerfern und Polizeieinsätzen geräumt. Die Menschen wurde ab 18.30 Uhr eingekesselt und das Gebiet weiträumig abgeriegelt. Der Polizeieinsatz war hier augenmaßlos und unverhältnismäßig.

- In einer vierten Phase erfolgte die Kleinarbeitung der Konflikte mit Abschottung, Sperrungen ganzer Straßenzüge und einer hohen Zahl von Festnahmen.

Was folgt aus der Gewaltgeschichte des sonnigen 1. Mai? Daß das Grundrecht auf Demonstration ohne Not politisch und dann polizeilich verboten und zerschlagen worden ist. Daß sich solcher gewalttätiger Politikersatz schlimm auf die Jugendlichen, auf die politisch demokratische Kultur insgesamt auswirkt. Daß alles demokratisch demonstrativ zu tun ist, um dieser Unpolitik der Werthebächer und anderen ein Ende zu bereiten. Denn diese meint Gewalt. Nicht Demokratie.

gez.: Prof. Dr. Wolf-Dieter Narr
gez.: Prof. Dr. Peter Grottian
gez.:Olaf Griebenow

Dr. Elke Steven

PS: Zu einer Pressekonferenz laden die Arbeitsgemeinschaft "Gegen Polizeigewalt" und das Komitee für Grundrechte und Demokratie für den Freitag 4. Mai 2001 um 11.30 Uhr in das Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin, Greifswalderstraße 4, ein.
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Ergänzungen

Kessel bis nachts um drei

as 02.05.2001 - 21:37
zu den kesseln rund um den mariannenplatz ist noch anzumerken, dass dort hinter der kirche vielleicht 200 leute teilweise bis nach drei uhr morgens (ab 19.40 uhr) festgehalten wurden - wohl ausschließlich teilnehmer/innen des festes, darunter ein älteres ehepaar, schlips&kragen menschen, jugendliche punks. angeblich dauerte es so lange, weil für den transport nicht genug fahrzeuge zur verfügung standen.

"demobeobachter" waren dort offenbar leider nicht.

9000 gewaltbereite bullen randalierten in x-b

eine beobachterin 02.05.2001 - 21:38
interessanterweise blieben sämtliche strassenfeste und andere größere menschenansammlungen (wie z.b. das strassenfest am humannplatz),welche nicht mit einer massiven polizeipräsens konfrontiert waren, friedlich.
vielleicht ist es ja möglich, nächstes jahr eine strikte kasernierung für alle gewaltbereiten polizistInnen durchzusetzen.

sehenden auges

seht her 03.05.2001 - 20:42
beobachterInnen waren da. 3 im kessel westlich, 3 im kessel östlich der kirche. Die im kessel ost haben das ab ca. 20,00 uhr mehrfach per händi an noch "freilaufende" beobachterInnen durchgegeben. Die gekesselten beobachterInnen sind so lange festgehalten worden wie alle anderen auch, die möglichkeit, die presseerklärung mitzugestalten haben sie daher nicht gehabt. was sich die anderen dabei gedacht haben, die kessel und ihre leute zu ignorieren bleibt zu klären.

pressekonferenz verlegt

AG gegen Polizeigewalt/Grundrechtekomitee 04.05.2001 - 01:42
ausgerechnet beim tag der PRESSEKONFERENZ ein tippfehler:
die pk findet SCHON AM FREITAG, DEN 4.5. statt. rest wie angesagt.

Demoverbot zeigt Wirkung ! (Zitat: TAZ 02.05.

Rathias Michel 04.05.2001 - 11:19
Das Demoverbot zeigte wirklich Wirkung. Frustriete Linke und aufgepeitschte Bullen, die jedes Maß an objektiver Einschätzung der Situation verloren hatten.Wir waren eine Gruppe, die nach der "maquardt-demo" zum Marianenplatz gegangen waren. Nach Speis und Trank und den wirklich guten "fickenden Turnschuhen" entschieden wir uns 17.50 Uhr zum eigentlichen Demoplatz zu gehen. Doch bis dahin kamen wir gar nicht. Schon am Anfang des Marianen-Platzes sahen wir die Wasserwerfer und die Steine. Nach einem schätzungsweise 30 minütigen Schlagabtausch wurden wir von den drei Seiten des Platzes bedrängt. (Erfolgte nach Anzünden des VW Golfs). Es folgte ein massive Attacke der Kampfuniformierten Polizisten, die alle Leute die am Brunnen standen (Touris, Autonome, Schaulustige) auf den Mariannen-Platz trieben und das ganz bewußt und kalkuliert, weil sowohl Wasserwerfer als auch Bullen nachrückten, im Laufschritt, und somit bei den meisten einen Panik auslösten,die dann versuchten in die Menge zu flüchten. Daraufhin erlebten wir ein Scharmützel der Polizei. Die Beamten hatte sowohl ihre Einheitsnummern als auch ihre Ländermarken am Arm verdeckt bzw. entfernt. Das wurde in sofern wichtig als das ein Freund von mir von Bullen so eine ins Gesicht bekam, das eine Backenzahn abbrach und der am schon am Boden liegende wurde noch auf das Bein getreten,wodurch eine Prellung und eine Platzwunde enstanden (seit gestern ärztlich attestiert). Noch während ich ihm half aufzustehen wurden wir,mehr als Rüde (in Form von Prügelandrohung und schubsen bzw. treten) in den Kessel neben der Kirche gedrängt. Dort waren wir ungefähr 1 1/2 Stunden, wobei zu sagen ist das bis auf ein paar Aktivisten, es ein Kessel voller Unbeteiligter war. Durch einen Zufall wurden wir dann rausgelassen, wobei das Verfahren der Auswahl, und das meine ich ernst, an Selektion erinnerte, denn ohne ersichtlichen Grund wie Aussehen o.ä. wurden einige Leute in den Kessel zurückgeschickt. Später wurde ihnen Landfriedensbruch vorgeworfen. Erstaunlicher Weise konnten wir aber, obwohl deutlich als Antifaschisten zu erkennen, gehen. Als Fazit bleibt wohl nur zusagen: Werthebach muß aufgrund von Undemokratische Vorgehen gehen; die Polizei muß haften für Körperschäde (anzeige wegen Nötigung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung sind in Vorbereitung) und HERAUS ZUM 1.MAI 2002

DOKTOR BOOKA 04.05.2001 - 11:32
WIR LEBEN IN EINER DIKTATUR!!!

WARUM STÜRZEN WIR SIE NICHT? SOLLEN WIR ERST WIEDER AUF DEN NÄCHSTEN 1.MAI WARTEN ???
ICH GLAUBE NICHT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Sammlung der Mediadaten

Mediensammler 04.05.2001 - 22:13
Nachdem ich selber die prikäre Lage auf und um den Mariannenplatz beobachten konnte, habe ich entschiede Audio-Visuelle Daten zum 30. April / 1. Mai 2001 zu sammeln.

Es war sehr erschreckend zu sehen was die Polizei sich geleistet hat.

Wir sind gerade dabei den Polizeifunk des "Kampfgebietes" auszuwerten und Fotos zu sammeln. Wenn jemand noch über Fotos aus den Gebieten: Mariannenplatz/-strasse, Wranglerstr., Köpi, Kotti, Görli, Naunynstr, Boxhagener, besitzt dann bitte an obige email adresse schicken .. wir sind auch an kompletten polizeifunk aufnahmen interessiert da unsere nur 1 stunde lang ist und erst so gegen 19:00 uhr beginnt.

Wir suchen auch noch ein sicheres hosting in den usa oder eine anderem land was nicht so stark unter dem einfluss von deutschland steht.

danke, die mediensammler.

Mediensammeln...

04.05.2001 - 23:49
Bitte dann bei Indymedia samt Link zu den Polizeimitschnitten veröffentlichen! Die Wahrheit muß ans Licht!

suche zeugen

christoph 06.05.2001 - 22:26
hallo liebe freunde,
auch ich bin opfer der polizeigewalt im zusammenhang mit den ausschreitungen der polizei am ersten mai am mariannenplatz geworden. ich bin gegen 20.30 am engeldamm festgenommen worden und weiß, dass zwei mädchen mich gesehen haben. wenn ihr augenzeugen kennt, dann ermuntert sie, auszusagen. ich selber suche zwei lesbische mädels, die mit uns der slimemusik außerhalb des kessels lauschten.

weite so, christoph.

suche zeugen

christoph 06.05.2001 - 22:32
hallo liebe freunde,
auch ich bin opfer der polizeigewalt im zusammenhang mit den ausschreitungen der polizei am ersten mai am mariannenplatz geworden. ich bin gegen 20.30 am engeldamm festgenommen worden und weiß, dass zwei mädchen mich gesehen haben. wenn ihr die beiden lesbischen zeuginnen kennen solltet, die das glück hatten, dem ersten kessel um den mariannenplatz zu entkommen und mit uns der slimemusik auf dem engeldamm lauschen durften, dann schickt mir bitte eine mail.

weiter so, christoph.

Forum 1. Mai: Voting beim Innensenator

Innensenator "Cäsar" Werthebach 08.05.2001 - 10:41

Forum 1. Mai: Abstimmung

Wie stehen die Berliner zum Vorgehen des Innensenators?

Stimmen Sie online ab über die total ausgewogene Fragestellung:

"Unterstützen Sie das Demonstrationsverbot der gewaltbereiten Linksextremisten zum 1. Mai 2001?"

Voting bei  http://www.berlin.de/home/MeineStadt/Voting/votemail/?action=NEW&vote=ErsterMai

Unerträglich

Tut nichts zur Sache 15.05.2001 - 00:57
Ich finde es unerträglich mit ansehen zu müssen, wie sich eine offensichtlich vorgeingenommene Gruppierung als "unabhängige Demobeobachter" ausgibt und dazu den Deckmantel des Grundrechte-Schutzes missbraucht.

Ich untertütze grundsätzlich eine unabhängige Demobeobachtung, aber wenn man auf der Startseite mit einer bereits eindeutig gegen die Polizei gerichteten Voreingenommenheit konfrotiert wird, kann weder der Bericht noch das gesamte Konzept ernst genommen werden.

Ich empfinde es eine absolut perfide Art mit der Freiheit umzugehen, die in der Bundesrepublik Deutschland den Universitätsprofessoren zugestanden wird. Sich dazu noch als unantastbare gerechte Engel darzustellen, obwohl die Absicht bereits vor der Datenaufnahme klar zu erkennen ist, ist geradezu pervers.

Ich fordere deshalb die beteiligten Professoren bzw. Professorinnen zum sofortigen Rücktritt auf.

Unglaublich

rosi 10.08.2001 - 13:38
Unglaublich

diese Überschrift muß ich wählen, wenn ich die Kommentare der anderen lese.
Was am 1. Mai in X-Berg passiert ist, sind die gewalttätigsten Ausschreitungen seit Jahren.
Polizeibeamte wurden so massiv mit Steinen,Flaschen etc. beworfen, dass ich auch ausgeflippt wäre. Eine solche Agressivität gab es lange nicht. Fasst euch an die eigene Nase, wenn ihr der Meinung seit, dass die Polizei zu agressiv vorgegangen ist.
Ihr lebt hier in Deutschland mit sämtlichen Freiheiten die es nur gibt, wollt aber statt des kleinen Fingers die ganze Hand.
Ich kann nur sagen, der Einsatz der Polizei war vollkommen in Ordnung!