WAZ zur NPD-Demo in Essen

Bjö(A)n 01.05.2001 22:18
01.05.2001
Polizei macht Viertel zur Festung


Für die meisten der 1860 Polizisten, die gestern wegen der NPD-Demo im
Einsatz waren, begann der Dienst schon im Morgengrauen. Das
Schederhofviertel, wo die Polizei die NPD marschieren lassen wollte, wurde
zur Festung ausgebaut.
7.30 Uhr an der Frohnhauser Straße: Donnernd rollt ein Wasserwerfer durch
die Häuserschlucht. Polizisten bauen an den Querstraßen Absperrgitter auf,
Zivilfahrzeuge durchkämmen die Nebenstraßen. Noch ist die NPD-Demo verboten,
weil das Oberverwaltungsgericht Münster am Abend zuvor dem Verbot des
Polizeipräsidenten zugestimmt hat. Nun muss das Bundesverfassungsgericht
entscheiden.

10 Uhr: In Frohnhausen startet der DGB-Zug, im Polizeipräsidium wächst die
Ungeduld. Die Karlsruher Richter verschieben die Bekanntgabe ihrer
Entscheidung zwei Mal. Entlang der Holsterhauser Straße errichtet die
Polizei eine Postenkette, um Gegendemonstranten den Weg ins
Schederhofviertel zu verstellen. Gegen elf Uhr gibt es die ersten
Zusammenstöße: 80 Personen werden umstellt und zum Kennedyplatz zurück
eskortiert. An einer Polizeisperre stürzen sich Antifaschisten auf einen
Escort mit vier Skindheads. Scheiben splittern, ein NPD-Anhänger wird leicht
verletzt.

11.20 Uhr: Telefonisch erfährt Polizeipräsident Herbert Schenkelberg aus
Karlsruhe: Die NPD darf marschieren. Kurz darauf ist er am Platz der
Kundgebung an der Schederhofstraße und sagt: "Das hätte ich meinen Männern
gern erspart." 180 NDP-Anhänger formieren sich betont diszipliniert zum
Kundgebungszug über Schederhof-, Münchener und Harkortstraße.

14 Uhr: Bei einem Zwischenstopp nutzen etliche Skinheads die Gelegenheit,
sich mit Getränken zu versorgen - an einem türkischen Kiosk. Als der
Ex-FAP-Funktionär Friedhelm Busse in seiner Ansprache die Vokabel
"Untermenschentum" benutzt, ist seine Rede rasch zu Ende: Polizisten nehmen
ihn wegen des Verdachts der Volksverhetzung vorläufig fest. An drei Stellen
versuchen Antifa-Gegendemonstranten vergeblich, die Absperrungen der Polizei
zu überwinden und an die Demo heranzukommen.

14.30 Uhr: Die Kundgebung ist beendet. Polizisten bringen die Teilnehmer per
Bus zum Bahnhof Steele-Ost. Einige Demonstranten entscheiden sich, zum
Hauptbahnhof zu fahren oder dorthin zurück zu kehren. Ein ganz schlechter
Plan: Dort wartet der schwarze Block. Bei Schlägereien rund um den Bahnhof
muss der Grenzschutz eingreifen, mehrere NPD-Demonstranten kriegen zum
Schluss doch noch Prügel. ks Siehe auch Quintessenz


Die Stadt hat gestern ein deutliches Signal gegen Rechts gesetzt: Bis zu
5000 Menschen solidarisierten sich auf dem Kennedyplatz gegen rechte Gewalt.
180 Teilnehmer der doch noch genehmigten NPD-Demo marschierten derweil fast
unbeobachtet durchs Schederhofviertel.

Gut 5000 Menschen hatten sich nach Angaben des DGB bereits vor 10 Uhr auf
dem Frohnhauser Markt eingefunden, um mit dem DGB und dem "Bündnis gegen
Rechts" gegen die Demonstration der NPD zu protestieren. Auch
Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger hatte sich mit Vertretern der
CDU-Ratsfraktion sowie der Verwaltung bereits dort eingefunden und an dem
eineinhalbstündigen Zug zum Kennedyplatz teilgenommen. Als dort gegen 12.50
Uhr bekannt wurde, dass Karlsruhe die NPD-Demo erlaubt habe, gab es
lautstarke Pfiffe und Buh-Rufe.

Mehrere Sprecher zeigten sich enttäuscht über das Urteil. Zuvor hatten der
OB und DGB-Chef Eckart Löser vor tausenden Zuhörern auf dem Kennedyplatz
sich gegen die Provokation der NPD ausgesprochen.

Vom Kennedyplatz aus machte sich eine Gruppe von 600 Demonstranten auf den
Weg zum Westbahnhof, wo Wolfgang Frye vom Bündnis gegen Rechts eine
Veranstaltung angemeldet hatte. Aus dieser Gruppe lösten sich nach
Polizeiangaben rund 300 Teilnehmer, um sich der NPD in den Weg zu stellen:
Das Bundesverfassungsgericht hatte deren Kundgebung in letzter Minute
genehmigt, aber die Polizeiauflage gebilligt, sie ins Schederhofviertel zu
verlegen. Die Polizei sprach von einem "ausgesprochen friedlichen Verlauf"
und lobte ausdrücklich die Kooperation mit den Gegendemonstranten von DGB
und Bündnis gegen Rechts. gu-/ks Siehe zweite Lokalseite
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Das Gesicht der staatlichen Repression

01.05.2001 - 23:04
Heute habe ich das erstemal in meinen Leben zutiefst Hass gegenüber Polizisten gespürt.Nachdem wir mit der S-Bahn von Essen West zum HBF gelangten, trafen wir zufaällig eine handvoll Fascho-Schweine die ebenfalls in die S-Bahn einstiegen. Wir tromelten zu hunderten gegen die Scheiben und unsere Stimmen liessen das Bahnhofsgebäude vibrieren. Aufeinmal rannte der BGS mit KAMPFHUNDEN !!!!!! die Treppen hoch und ing an uns durch die Gleise zu hetzten...die Menschenjagd began und es wurden ein paar der Guten leider erwischt.Als wir nun endlich aus dem HBF waren mussten wir noch mitansehen wie ein Genossen die Treppen runter geworfen wurde...kurze Pause und ein BGS Faschist kam und rief mit sadistischer Freude und schwingendem Knüppel : "SO, nun weg vom Bahnhofsgelände" Er stürmte los , gefolgt von Bullen mit deren kläffenden Kampfmaschinen....Wir konnten entkommen doch war die Ohmacht vor diesem Scheiss System grösser den je.....
IRGENDWANN WIRD ABGERECHNET

schröders polizei

grüss dich anna caro 01.05.2001 - 23:29
falsche rechnungwo wir wieder lernen was so richtig frei macht. es waren in essen dann wohl doch so etwa 2000 nazis , sprich militaristensäue.

verwundert

Kobold 01.05.2001 - 23:54
So einen, größtenteils sachlichen Artikel hätte ich der WAZ wirklich nicht zu getraut. Leider wurde nichts von den beissenden Hunden am Hauptbahnhof erwähnt. Und Reiniger bleibt ein Rassist.

oh ja...

Achim 02.05.2001 - 01:11
absolut dito

bullen

ayalamon 03.05.2001 - 16:46
nicht nur das die allseits geliebte polizei unverhältnissmäßig auf den vorfall am Hbf reagierte, bei dem übrigens nichts weiter passierte ausser das einige nazis bespuckt wurden, sie verhaftete auch einen jugendlichen demonstranten am Hbf der angeblich einen stein auf einen beamten geschmissen haben soll, deswegen auch die Hunde, angeblich, auf jeden fall hörte man nicht ein martinshorn für den armen bullen der doch sooo arg vom stein getroffen wurde.
Als wenn ds nicht genung war, so wurde ein junger antifaschist verhaftet wegen "nötigung" eine Polizeifahrzeug, weil er vor einem fahrzeug stand.
kurze zeit vorher wurde ein älterer mann zusammengeprügelt von den bullen, obwohl er absolut nichts, wirklich gar nichts ungesetzliches getan hatte.
Also ich wurde in meinem Bild das ich von unserer geliebten polizei hatte nur bestärkt.