Strassenschlacht in Berlin-Friedrichshain - Erlebnisbericht
Heute Nacht gab es eine Straßenschlacht Berlin-Friedrichshain. Ich habe es miterlebt und schreibe hier meine Beobachtungen auf.
22.00 Knapp 1000 Menschen feiern am Boxahagener Platz die Walpurgisnacht. Trommeln, Feuertanz, großes Lagerfeuer in der Mitte. Alles ist friedlich und entspannt.
Nach dem sich am späten Nachmittag die Polizei aus Prenzlauer Berg und Fridrichshain zurückgezogen hatte kehrte überall eine seltsam friedliche Stimmung (nach einer Woche Aufregung und Hetze) ein. Sogar eine Reclaim The Streets Party am Kollwitzplatz verlor sich in einem Straßenfest für Nicht-Berliner.
Die Stimmung am "Boxi" erinnerte irgendwie an Walpurgisnacht 1995 am "Kolle". Damals gab es dort traditionell das Walpurgisfeuer und die Leute aus dem (heute nicht mehr existenten) Kiez feierten. Im Jahr 1995 griff eine Polizeihundertschaft grundlos das Fest an. In die Menge, die zum Großteil aus Normalos - teils mit Kindern - bestand wurde wahllos Tränengas und Wasser geschossen. Panik brach aus, es wurde wahllos auf alles eingeknüppelt. Im Nachhinein gab es einen großen Skandal und eine Untersuchungskommission, die bald in Vergessenheit geriet.
(Infos dazu: Einfach Zeitungsarchive durchstöbern: Erste Maiwoche 1995 waren die Zeitungen voll damit)
Seit dem gibt es immer Konfrontation am 30.4. in Berlin.
Zwei Jahre später hieß es nur noch: Es gab Krawalle von linken Autonomen im Jahr 1995, was eine Lüge ist (wir haben uns noch nie im Krieg mit Ozeanien befunden - G.Orwell).
Zurück zum Boxi 2001: Um 22.30 taucht plötzlich eine Hundertschaft in vermeintlicher Räumungsabsicht auf und nähert sich zu Fuß mit Schild, Helm und Knüppel dem Fest. Als Journalisten mit Videokameras erscheinen werden diese zunächst versucht wegzubekommen. Dann ziehen sich die Polizisten wieder zurück. (Andere Taktik, wenn die Presse da ist - Provokation)
Gegen 23.00 fahren Plötzlich zig BGS-Autos aus Bayern (mit Zivilfahrzeugen: BG 32-891 und 22er, sowie 26er Einheiten) mit Blaulicht und Sierene am Platz vorbei. Etwa hundert Leute strömen auf die Straße und rufen dem BGS hinterher. Dieser parkt einen Block weiter in der Boxhagener Straße. Die Stimmung kippt um. Provo-Aktion geglückt.
Eine Festnahme. Jetzt bricht der Frust auf, der sich die ganze Woche über angestaut hat: Steine werden ausgebuddelt, Sachen auf die Straße gelegt. Es bleibt aber noch ruhig. (Mehrere Leute erzählen derweil die selbe Story: Zivilpolizisten, die mitmischten seien enttarnt worden.)
Etwas später taucht ein Hubschrauber über dem Platz auf, überall postieren sich Hundertschaften der Polizei (auch die 22er aus Berlin) und stellen sich je einen Block entfernt in voller Kampfmontur auf. Das bleibt nicht unbermerkt. Immer mehr strömen auf die Straße. Der Alkohol und der Frust sorgen für den Rest und schnell ist eine Barrikade gebaut und angezündet. Flaschen fliegen durch die Luft, Touries fahren ihre Autos weg. Es ist kurz nach Mitternacht.
0.30 Uhr: Die Polizei rückt an und sperrt zunächst den Platz ab. Steine fliegen. Der Eindruck: Die Kiddies dürfen sich austoben. Schnell sind Polizisten auf dem Platz und wer nicht gegangen ist, steckt im Kessel - die friedlichen Leute. Erst einmal kehrt relative Ruhe ein. Obwohl die Polizei klar in der Unterzahl ist, wartet alles bis Verstärung auftaucht. Bis auf die, die im Kessel sind stehen jetzt die Leute außerhalb der Polizeisperren. Wieder fliegen Steine, gegenseitige Beschimpfungen. Wasserwerfer fahren an und Löschen die brennenden Barrikaden. Pyros fliegen. Gegen 1.00 Uhr Durchsagen der Polizei. Irgendwo lungern Mitarbeiter von der News.AG herum.
1.20 Uhr:; Bin am am Wismarplatz, dort steht eine Einsatzzentrale. Hunde werden "ausgepackt". Etwas später ist vom Platz Hundebellen und Geschreie zu hören. In der Yuppiemeile Simon Dach Straße brennt eine Barrikade. Immer noch Kessel. Es erreicht mich die Nachricht, daß auch in Hamburg Straßenschlachten im Gange sind. Die Straßen westlich des Boxhagener Platzes sind mit Rauch verstopft. Schreien, Pfeifen, Lautsprecherdurchsagen... Polizei wirkt noch relativ fair.
1.30 Uhr: Ich sehe weitere Barrikaden in der Simon Dach Straße. Ein Yuppie im BMW versucht zu entkommen. Polizei versucht einige Barrikaden zu räumen. Aus einem Fenster dröhnt HipHop von KRS One: "Sound Of Da Police".
1.40 Uhr Magdeburger Hundertschaften fahren Richtung Boxi. In der Warschauer Straße stehen viele (wenn ich sage viele, meine ich viele) BGS und Polizeifahrzeuge. Noch eine Einsatzzentrale.
Gegen 3.00 immer noch Wasserwerfereinsatz und Leute unterwegs. Gegen 4.00 werden die letzten Leute versucht von den Gerüsten in der Umgebung zu bekommen.
Zwischendurch immer wieder Gespräche mit Leuten. Auch wenn es sicher verständlich ist, daß viele Menschen Frust empfinden über die gesellschaftlichen Zustände im Allgemeinen (Überwachungsstaat, staatlicher Rassismus, Militarisierung und die 1000 Ungerechtigkeiten) und die Hetze und Verbote aus den letzten Tagen, so ist die Aktion sicher kontraproduktiv. Sicher ist es falsch die Straßenschlacht unpolitisch zu nennen. Aber viele Leute, die nicht beteiligt waren, empfinden spätestens jetzt keine Sympathie mehr. Für die "Teilnehmer" war war es einfach Frust rauslassen. Eine "bauchige" Ablehnung des Staates.
In den Medien wird vom Frust, Zivilpolizisten und den Provokationen nichts zu hören sein. Nur die Schlacht wird Thema sein und ein "wir brauchen härtere Gesetze". Auch wenn es schwer ist, sollten wir uns überlegen, ob es nicht langsam Zeit wird zu versuchen unseren Widerstand zu vermitteln.
Ach ja: Unfair auch, daß wieder einmal Leute in Gefahr gebracht wurden, die einfach nur feiern wollten. Auch Militanz kann überlegt eingestzt werden.
Nach dem sich am späten Nachmittag die Polizei aus Prenzlauer Berg und Fridrichshain zurückgezogen hatte kehrte überall eine seltsam friedliche Stimmung (nach einer Woche Aufregung und Hetze) ein. Sogar eine Reclaim The Streets Party am Kollwitzplatz verlor sich in einem Straßenfest für Nicht-Berliner.
Die Stimmung am "Boxi" erinnerte irgendwie an Walpurgisnacht 1995 am "Kolle". Damals gab es dort traditionell das Walpurgisfeuer und die Leute aus dem (heute nicht mehr existenten) Kiez feierten. Im Jahr 1995 griff eine Polizeihundertschaft grundlos das Fest an. In die Menge, die zum Großteil aus Normalos - teils mit Kindern - bestand wurde wahllos Tränengas und Wasser geschossen. Panik brach aus, es wurde wahllos auf alles eingeknüppelt. Im Nachhinein gab es einen großen Skandal und eine Untersuchungskommission, die bald in Vergessenheit geriet.
(Infos dazu: Einfach Zeitungsarchive durchstöbern: Erste Maiwoche 1995 waren die Zeitungen voll damit)
Seit dem gibt es immer Konfrontation am 30.4. in Berlin.
Zwei Jahre später hieß es nur noch: Es gab Krawalle von linken Autonomen im Jahr 1995, was eine Lüge ist (wir haben uns noch nie im Krieg mit Ozeanien befunden - G.Orwell).
Zurück zum Boxi 2001: Um 22.30 taucht plötzlich eine Hundertschaft in vermeintlicher Räumungsabsicht auf und nähert sich zu Fuß mit Schild, Helm und Knüppel dem Fest. Als Journalisten mit Videokameras erscheinen werden diese zunächst versucht wegzubekommen. Dann ziehen sich die Polizisten wieder zurück. (Andere Taktik, wenn die Presse da ist - Provokation)
Gegen 23.00 fahren Plötzlich zig BGS-Autos aus Bayern (mit Zivilfahrzeugen: BG 32-891 und 22er, sowie 26er Einheiten) mit Blaulicht und Sierene am Platz vorbei. Etwa hundert Leute strömen auf die Straße und rufen dem BGS hinterher. Dieser parkt einen Block weiter in der Boxhagener Straße. Die Stimmung kippt um. Provo-Aktion geglückt.
Eine Festnahme. Jetzt bricht der Frust auf, der sich die ganze Woche über angestaut hat: Steine werden ausgebuddelt, Sachen auf die Straße gelegt. Es bleibt aber noch ruhig. (Mehrere Leute erzählen derweil die selbe Story: Zivilpolizisten, die mitmischten seien enttarnt worden.)
Etwas später taucht ein Hubschrauber über dem Platz auf, überall postieren sich Hundertschaften der Polizei (auch die 22er aus Berlin) und stellen sich je einen Block entfernt in voller Kampfmontur auf. Das bleibt nicht unbermerkt. Immer mehr strömen auf die Straße. Der Alkohol und der Frust sorgen für den Rest und schnell ist eine Barrikade gebaut und angezündet. Flaschen fliegen durch die Luft, Touries fahren ihre Autos weg. Es ist kurz nach Mitternacht.
0.30 Uhr: Die Polizei rückt an und sperrt zunächst den Platz ab. Steine fliegen. Der Eindruck: Die Kiddies dürfen sich austoben. Schnell sind Polizisten auf dem Platz und wer nicht gegangen ist, steckt im Kessel - die friedlichen Leute. Erst einmal kehrt relative Ruhe ein. Obwohl die Polizei klar in der Unterzahl ist, wartet alles bis Verstärung auftaucht. Bis auf die, die im Kessel sind stehen jetzt die Leute außerhalb der Polizeisperren. Wieder fliegen Steine, gegenseitige Beschimpfungen. Wasserwerfer fahren an und Löschen die brennenden Barrikaden. Pyros fliegen. Gegen 1.00 Uhr Durchsagen der Polizei. Irgendwo lungern Mitarbeiter von der News.AG herum.
1.20 Uhr:; Bin am am Wismarplatz, dort steht eine Einsatzzentrale. Hunde werden "ausgepackt". Etwas später ist vom Platz Hundebellen und Geschreie zu hören. In der Yuppiemeile Simon Dach Straße brennt eine Barrikade. Immer noch Kessel. Es erreicht mich die Nachricht, daß auch in Hamburg Straßenschlachten im Gange sind. Die Straßen westlich des Boxhagener Platzes sind mit Rauch verstopft. Schreien, Pfeifen, Lautsprecherdurchsagen... Polizei wirkt noch relativ fair.
1.30 Uhr: Ich sehe weitere Barrikaden in der Simon Dach Straße. Ein Yuppie im BMW versucht zu entkommen. Polizei versucht einige Barrikaden zu räumen. Aus einem Fenster dröhnt HipHop von KRS One: "Sound Of Da Police".
1.40 Uhr Magdeburger Hundertschaften fahren Richtung Boxi. In der Warschauer Straße stehen viele (wenn ich sage viele, meine ich viele) BGS und Polizeifahrzeuge. Noch eine Einsatzzentrale.
Gegen 3.00 immer noch Wasserwerfereinsatz und Leute unterwegs. Gegen 4.00 werden die letzten Leute versucht von den Gerüsten in der Umgebung zu bekommen.
Zwischendurch immer wieder Gespräche mit Leuten. Auch wenn es sicher verständlich ist, daß viele Menschen Frust empfinden über die gesellschaftlichen Zustände im Allgemeinen (Überwachungsstaat, staatlicher Rassismus, Militarisierung und die 1000 Ungerechtigkeiten) und die Hetze und Verbote aus den letzten Tagen, so ist die Aktion sicher kontraproduktiv. Sicher ist es falsch die Straßenschlacht unpolitisch zu nennen. Aber viele Leute, die nicht beteiligt waren, empfinden spätestens jetzt keine Sympathie mehr. Für die "Teilnehmer" war war es einfach Frust rauslassen. Eine "bauchige" Ablehnung des Staates.
In den Medien wird vom Frust, Zivilpolizisten und den Provokationen nichts zu hören sein. Nur die Schlacht wird Thema sein und ein "wir brauchen härtere Gesetze". Auch wenn es schwer ist, sollten wir uns überlegen, ob es nicht langsam Zeit wird zu versuchen unseren Widerstand zu vermitteln.
Ach ja: Unfair auch, daß wieder einmal Leute in Gefahr gebracht wurden, die einfach nur feiern wollten. Auch Militanz kann überlegt eingestzt werden.
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Ergänzungen
Das schreibt dpa
Bereits kurz nach Mitternacht errichteten linke Gruppen - es soll sich um etwa
500 Personen gehandelt haben - am Boxhagener Platz im Bezirk Friedrichshain
Straßenbarrikaden und zündeten sie an. Die herbeigeeilte Polizei wurde nach
eigenen Angaben mit Steinen und Flaschen beworfen, mehrere Polizisten
mussten ärztlich versorgt werden.
Die Beamten setzten Wasserwerfer ein nahmen nach eigenen Angaben zahlreiche Demonstranten fest.
Auch im Stadtteil Prenzlauer Berg ist es zu Zwischenfällen gekommen. Hier hatten sich bis zu 6.000
Personen versammelt, es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Aus noch ungeklärter Ursache
brannte eine Baracke nieder. Menschen wurden nicht verletzt.
dpa
Dienstag 1. Mai 2001, 03:59 Uhr
Nächtliche Randale zum 1. Mai in Berlin
Berlin (dpa) - Schon vor den befürchteten Krawallen im Zusammenhang mit
den Mai-Kundgebungen in Berlin ist es in der Nacht zu Zusammenstößen
gekommen. Wie die Polizei mitteilte, errichteten Demonstranten in
Berlin-Friedrichshain Straßenbarrikaden und zündeten sie an. Polizisten seien
mit Steinen und Flaschen beworfen worden. Mehrere Beamte seien verletzt
worden. Auch aus dem Stadtteil Prenzlauer Berg wurden Zwischenfälle
gemeldet. Dort brannte ein Kohleschuppen nieder. Ob das Feuer im
Zusammenhang mit den Krawallen stand, konnte die Polizei nicht sagen.
Frage
Wer hätte es anders erwartet
Ich habe wirklich keinenn Bock mehr auf diesen alljährlichen Belgerungszustand. Ich möchte mich auch am ersten Mai mit meinem Kind frei bewegen können.
Und zum Verbot, dieses kann ja wohl auch nur den Zweck haben die Stimmung anzuheizen.
sich nicht aufhezten larren
AUF DIE Srasse gehen gesinung zeigen
LEUTE!!!!!!!!!!!!!!!
Danke
noch ein lob
Wurst?
gewalt
adil asyl
Lasst das moralische Gelaber
Ansonsten war es aber dieses Jahr genial wie schon seit Jahren nicht mehr!!!
Lust auf Feiern?
gehen grokße Holzstapel in Flammen auf.
Im Schutz der Dunckelheit tanzen und trommeln
berauschte Menschen.
Doch die friedliche Stimmung
wird durch Dämonen in Grün zerstört.
Gleißendes Neonlicht durchbricht die Dunkelheit.
"Bunt nicht Braun"-Luftballons zerplatzen...
Agression und Kälte macht sich breit.
Viele hauen ab, denn sie wollten nur feiern.
Keiner hier hat die "Strassenschlacht" dem Feiern vorgezogen.
Plötzlich tauchen getarnte Dämonen auf.
Mit fiesen Absichten lassen sie einen Truck in Flammen aufgehen.
Das Spiel bbegint!!!
Grünen Dämonen spielen mit, bringen Wasser und Gewalt.
Kein Mensch ging in dieser Nacht ohne Frust und Wut
vom Platz!
Keiner von ihnen wird je wieder ein LÄcheln für diesen
"POLIZEISTAAT" übrich haben!