Aufstand in der Türkei: Polizei verletzt hunderte Demonstranten
Aktualisiert am Samstag Mittag
Seit einigen Wochen gibt es in der Türkei massenhaft Proteste gegen die Politik der Regierung, die von ihr und IWF/WTO verursachten Wirtschaftskrise. Der Türkische Staat geht mit Andersdenkenden jedoch nicht zimperlich um.
Die Informationen, die hier in Deutschland ankommen, waren besonders in der ersten Zeit ziemlich spärlich. Inwieweit die bürgerliche Presse die Wahrheit schreibt, ist schwer nachzuvollziehen. Bei den Gefangenenaufständen (Infos dazu bei Libertad ) vor einigen Wochen haben die deutschen Medien die Propaganda des türkischen Staates weitestgehend übernommen.
Landesweit waren am Mittwoch mehrere Hunderttausend Menschen auf der Straße, allein in Ankara zwischen 70000 und 100000. Etwa 4000 Polizisten haben verhindern können, daß das Parlament gestürmt wurde. Dabei wurden auch Hubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt. So beschränkten sich die Aufständischen zunächst darauf, die S-Bahn lahmzulegen und Geschäfte zu plündern.
Die Türkische Regierung hat mittlerweile alle Demonstrationen verboten. Trotzdem haben jetzt die Gewerkschaften für Samstag zu Protestaktionen aufgerufen. Zeitgleich mit den von der Gewerkschaft geplanten Protesten will die Regierung ein neues Wirtschaftskonzept vorstellen, in der Hoffnung wieder die Kontrolle zu bekommen.In einigen europäischen Staaten gab es in Solidarität mit den Menschen in der Türkei Besetzungen und kleinere Demonstrationen. Hierzu gibt es eine Erklärung des Komitees gegen Isolationshaft.
Update 20.00:
In der Finanzmetropole Istanbul fand eine Gewerkschaftsdemonstration mit etwa 50000 Menschen statt, die zunächst friedlich blieb.
Informationen über die Lage im NATO-Staat Türkei finden sich bei "Die Linke Seite".
Berichte gibt es auch bei Nadir und hier .
Amnesty International berichtet ebenfalls über das Thema Türkei und Menschenrechte.
Über den Zusammenhang der EU-Finanzpolitik und dem Gewinn an der Krise gibt es hier einen Text.
Seit einigen Wochen gibt es in der Türkei massenhaft Proteste gegen die Politik der Regierung, die von ihr und IWF/WTO verursachten Wirtschaftskrise. Der Türkische Staat geht mit Andersdenkenden jedoch nicht zimperlich um.
Die Informationen, die hier in Deutschland ankommen, waren besonders in der ersten Zeit ziemlich spärlich. Inwieweit die bürgerliche Presse die Wahrheit schreibt, ist schwer nachzuvollziehen. Bei den Gefangenenaufständen (Infos dazu bei Libertad ) vor einigen Wochen haben die deutschen Medien die Propaganda des türkischen Staates weitestgehend übernommen.
Landesweit waren am Mittwoch mehrere Hunderttausend Menschen auf der Straße, allein in Ankara zwischen 70000 und 100000. Etwa 4000 Polizisten haben verhindern können, daß das Parlament gestürmt wurde. Dabei wurden auch Hubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt. So beschränkten sich die Aufständischen zunächst darauf, die S-Bahn lahmzulegen und Geschäfte zu plündern.
Die Türkische Regierung hat mittlerweile alle Demonstrationen verboten. Trotzdem haben jetzt die Gewerkschaften für Samstag zu Protestaktionen aufgerufen. Zeitgleich mit den von der Gewerkschaft geplanten Protesten will die Regierung ein neues Wirtschaftskonzept vorstellen, in der Hoffnung wieder die Kontrolle zu bekommen.In einigen europäischen Staaten gab es in Solidarität mit den Menschen in der Türkei Besetzungen und kleinere Demonstrationen. Hierzu gibt es eine Erklärung des Komitees gegen Isolationshaft.
Update 20.00:
In der Finanzmetropole Istanbul fand eine Gewerkschaftsdemonstration mit etwa 50000 Menschen statt, die zunächst friedlich blieb.
Informationen über die Lage im NATO-Staat Türkei finden sich bei "Die Linke Seite".
Berichte gibt es auch bei Nadir und hier .
Amnesty International berichtet ebenfalls über das Thema Türkei und Menschenrechte.
Über den Zusammenhang der EU-Finanzpolitik und dem Gewinn an der Krise gibt es hier einen Text.
Was von der jetzigen Situation bekannt ist: Mehrere Hunderttausend Menschen, überwiegend Kleinhändler, die die Opfer der IWF-Politik sind, sind in mehreren Städten auf die Straße gegangen. Die Polzei griff meist ohne Vorwahnung an und setzte neben Tränengas und Schlagstöcken auch scharfe Munition ein. Mit gepanzerten Fahrzeugen fuhr sie in die Menge. Die Demonstranten wehrten sich mit Stöcken und Steinen. In Ankara wurden Barrikaden errichtet.
Eine Forderung der Demonstranten ist ein Rücktritt von Ecevit, in dessen Kabinett übrigens einige Mitlieder der rechtsextremen "Grauwölfe" sind.
Die bürgerliche Nachrichtenagentur AP schreibt: "Die Polizei ging mit gepanzerten Fahrzeugen, Wasserwerfern, Schlagstöcken und Tränengas gegen die Menge vor. Die Polizisten gaben auch Warnschüsse in die Luft ab. Rund 100 Demonstranten wurden den Angaben zufolge in Ankara, etwa 50 in Konya festgenommen. Insgesamt hatten sich im ganzen Land schätzungsweise mehr als 200 000 Händler und Kleinunternehmer den Protesten angeschlossen. In Ankara hatten etwa 70 000 Kleinunternehmer demonstriert, in Konya rund 50 000. Im westtürkischen Izmir protestierten 40 000, im südtürkischen Mersin rund 50 000 und im westanatolischen Denizli etwa 10 000 Händler. Tausende weitere Menschen demonstrierten unter anderem in Istanbul, in Gölcük im Nordwesten und in Gaziantep im Südosten. Die Demonstranten forderten erneut den Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Bülent Ecevit. Auf Plakaten stand «Hau ab IWF - das ist unser Land», «Wir haben Hunger», «Jetzt reicht es» und «Die Regierung ist am Ende». Ecevit forderte ein Ende der seit Tagen andauernden Demonstrationen. Er warnte davor, dass die Proteste negative Auswirkungen auf die Tourismusbranche haben könnten."
Über die Ursachen der Proteste schreiben die Nachrichtenagenturen: "Die Krise in der Türkei war durch einen Streit zwischen Ecevit und Präsident Ahmet Necdet Sezer über die Bekämpfung der Korruption ausgelöst worden. Danach hatte die Landeswährung Lira im Vergleich zum Dollar um über 40 Prozent an Wert verloren. Die Istanbuler Börse brach ein, zahlreiche Unternehmen gingen Pleite. " (dpa, n-tv und ap)
Das ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit. Die Proteste begannen nachdem sich in der Türkei im Februar Wirtschaftsbosse aus aller Welt zum G20-Gipfel trafen...Wo die Protestler politisch stehen ist nicht bekannt. Aber viele Kommunistische und Anarchisische Gruppen sind hier aktiv geworden. Aber auch Fahnen der Nationalisten sind zu sehen.
Bilder davon gibt es hier und hier und hier.
Die linke Tageszeitung "Junge Welt" schreibt dazu am Samstag:
Von den politischen Meteorologen weitgehend unbemerkt haben sich über dem Bosporus schwere Gewitterwolken zusammengezogen. Die Türkei ist in eine katastrophale Wirtschafts- und Finanzkrise geraten, die sich in sozialen Unruhen niederschlägt. Verzweiflung und Wut hat vor allem das Kleinbürgertum erfaßt, das sich einer existenzbedrohenden Situation gegenübersieht. Der wirtschaftliche Absturz hat bereits mehr als 100 000 Menschen in die Arbeitslosigkeit getrieben. Die Istanbuler Börse ist eingebrochen. Die Geschäftsregale leeren sich, da die teuren Importwaren für Händler und Konsumenten unerschwinglich geworden sind. So greift das eine in das andere, potenzieren sich die Krisenfaktoren. Die staatliche Repression mag die Unruhen zwar vorübergehend eindämmen, längerfristig aber könnte sie die Widerstandsbereitschaft zusätzlich stimulieren. Ausschließlich hausgemacht dürfte die Krise in der Türkei wohl nicht sein. Eher scheint es sich um die Auswirkungen der Globalisierung auf ein Land mit mittlerem kapitalistischen Entwicklungsniveau zu handeln. Die Finanzkrise, heißt es, sei primär eine Folge der ausufernden Korruption. Doch es ist das Finanzkapital selbst, das von seinem Wesen her korrupt ist. Es handelt sich kaum um einen Zufall, daß die globale Ausbreitung des Mafia-Kapitalismus mit der exzessiven Erweiterung der spekulativen Sphäre, der Dominanz der virtuellen über die Realökonomie einhergeht. Die Korruption ist Motor, nicht Hemmschuh der Globalisierungsprozesse. Daß dies der Türkei nicht sonderlich gut bekommt, könnte für die westlichen Globalstrategen zu einem großen Problem werden. Als subimperialistische Macht ist der Türkei eine wichtige Ordnungsfunktion aufgetragen, im Nahen Osten, gegenüber den Turkstaaten im GUS-Bereich und auch mit Blickrichtung auf den Balkan. Die massive Verletzung von Menschenrechten ist angesichts der Aufgabe, den Interessen der »global players« Geltung zu verschaffen, kein Makel, sondern eher eine Empfehlung. Die expansive türkische Außenpolitik erfordert die Ausschaltung innerer Unsicherheitsfaktoren, wie etwa der kurdischen Nationalbewegung und der Arbeiterbewegung. Doch der Aufruhr bricht oft da aus, wo er am wenigsten erwartet wird. Die Proteste des Kleinbürgertums haben in der Arbeiterklasse ihren Widerhall gefunden. In der Türkei gibt es noch das klassische Proletariat, die kampferprobte Industriearbeiterschaft. Der IWF wird auf diese Situation wie gehabt reagieren: mit einer Finanzspritze für den kränkelnden Mann am Bosporus. Die damit verbundenen Bedingungen werden die soziale Situation noch weiter verschärfen. »IWF hau ab, das ist unser Land!«, skandierten Demonstranten in Izmir....... Werner PirkerÜber die Hintergründe in Sachen Globalisierung: http://www.zmag.org/weluser.htmund hier:http://preview.indymedia.de/2001/04/1299.html
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
Solidarität
Freide den Hütten Krieg den Palästen!
Solidarität!
Qualifizierter Kommentar
Gibt es bei Indymedia nicht jemanden, der einen wirklich qualifizierten Kommentar zur türkischen Krise schreiben kann?
Inwiefern der Währungsfonds schuld ist, sollte vielleicht noch für Leute erklärt werden, für die das Wort "Globalisierung" allein noch nicht als Begründung für alle Übel der Welt ausreicht.
Und was genau wollen die Demonstranten, wie interpretieren sie die Ereignisse? Welchen Parteien stehen sie nahe?
Was sagen die Islamisten dazu?
Und das Militär?
Und gibt es nicht vielleicht auch Türken, die dazu was zu sagen haben?
Daß hunderttausende gegen die Regierung sind und trotz Polizeirepression auf die Straße gehen versteht sich nunmal nicht einfach "von selbst"; Zwar gibt es bestimmt genug chronisch-akute Probleme in der Türkei, aber warum begannen die Proteste dann erst jetzt?
Und welche Perspektive zur bisherigen Politik wäre denkbar (z.B. aus Sicht der türkischen oder deutschen Globalisierungsgegner)?
würde ich auch gut finden.
bewegungen zum thema kurdistan? vor dem hintergrund des gesellschaftlichen und staatlichen rassismus gegen kurdinnen und kurden in der türkei eine frage, die meiner meinung nach ziemlich weit oben stehen sollte.
erst vor einigen tagen gab es in der türkei antikurdische pogrome, nachdem das gerücht aufgekommen war, ein kurde sei verantwortlich für den mord an einem mädchen.
Hallo iyi günler
Fast alle Meldungen auf dieser Seite sind nicht von der IMC-Redaktion. Nachrichten von unten eben.
Ich denke mal, daß es für die Macher der Seite auch ein Zeitproblem ist...
Reuters-Burö besetzt
In der Türkei selbst sind die Cops gerade dabei Videos auszuwerten um Straftäter zu ermitteln, wie es im Bullen-Jargon heißt.
hallo sp!
zu den pogromen: ich habe die info aus irgendeiner tageszeitung, (evtl. taz), das war eher ne randnotiz. es war meines wissens in istanbul, wo ein rassisten(Innen?)-mob auf kurdische menschen und einrichtungen losging.
gruß
Qualifizierter Kommentar
Ey sach mal ET
Klar brauchen wir Hintergrundinfos, weil BILD ist scheiße. Aber jetzt haben die von Indymedia Links dazugestzt und mal sehen. Ist wahrscheinlich für niemanden einfach zu erfahren, was los ist. Die Regierung spricht von gewalttätigen Demos und die Kommunistische Opposition was vom "heroischen Befreiungskampf bla bla". Vernünftige Stimmen gibt es kaum. Es ist noch nicht mal bekannt, wo die Aufständler politisch stehen....
Kommentar: Sach ma E T
Sach ma E T
ET activ
wenn die qualifizieten Klugscheisser und die drei bis vier Tageszeitungen alles nicht richtig darstellen, dann könnte das ja mal auf indymedia besser stattfinden.
"Unabhängig" heißt doch nicht "analphabetisch".
Warum schreibt Indymedia denn überhaupt über die Türkei, wenn man halt doch am besten gleich die F.A.Z. lesen soll?
Wollt ihr denn überhaupt keinen Einfluß auf die Leute bekommen, die nicht schon von vornherein so denken wie ihr?
oder ist Indymedia nur ein engstirniges Gesinnungsblätchen im digitalen Format?
Alle mit Abitur in den GULag oder was?
Warum schreibst Du sowas?
Wenn Du etwas recherchieren würdest und genaueres reinstellst - gerne. Ich bin auch bemüht mehr herauszubekommen. Leider habe ich keine Kristallkugel, die DIE Wahrheit anzeigt. Also mühsame Arbeit...
Das du aber stumpfe Kommentatoren zum Anlaß nimmst, uns als stalinistisch/engstirnisch zu beschreiben, ist wohl als Beleidigung gedacht?
Indymedia ist.....siehe das Mission Statment auf der Startseite (Link oben)!
Also: Dont hate the media - become the media
...Ist produktiver, als in Foren über andere, die was machen abzukotzen...
Ignorier doch einfach das Primaten-Geschwafel, was hier einige ablassen.
Sorry
Bleibt zu hoffen, daß sich noch ein paar Leute finden, die aus dieser jetzt schon nicht schlechten Seite noch mehr machen.
Ist natürlich schwer am Anfang und ohne Kohle, das ist schon klar.
schon ok
zu: Protesten in Europa
In Hamburg wurde die "Spiegel"-Zentrale, in Köln wurde das Büro der Nachrichtenagentur "Reuters" besetzt. In Frankfurt gab es eine unerlaubte Kundgebung vor dem türkischen Konsulat und dem Fernsehsender Hessen 3. In Berlin gab es
ebenfalls eine Kundgebung vor dem türkischen Konsulat. In Wien ist es zu einer Demonstration gekommen. In Paris wurde das IWF und Weltbankgebäude besetzt.
Alle Besetzer der letzteren Aktion wurden von der Polizei festgenommen. Die Polizei griff auch eine Kundgebung vor dem französischen Parlament an und nahm 50 Personen fest. Nach Zusammenstössen mit der Polizei wurden 2 Personen verletzt und ins Krankenhaus verlegt.
presseerklärung von ikm im netz:
merhaba & pete
Ein Kommunikativer Aufrechtgehender Primat
merhaba & pete
Primaten in die Parlamente!
nach hause telefonier'n...