Erlebnisbericht von Festnahmen und Kessel bei Leitstade

autonome BerichterstatterInnen 27.03.2001 01:25 Themen: Atom
Ca. 30 Personen wurden heute nach einer Personalienfeststellung bei Leitstade stundenlang von der Polizei eingekesselt und später noch ca. sechs Stunden in einem Gefangenenbus festgehalten. Hier ein erster Bericht...
12:50 Uhr: Auf einem Waldweg südlich des Bahnüberganges von Leitstade kam es zu einer Kontrolle durch Eutiner Bereitschaftspolizisten. Anfangs war der Tenor der Einsatzkräfte, dass ein Platzverweis ausgesprochen werden würde, eine Ingewahrsamnahme o.ä. sollte aber nicht erfolgen.
Nach einer Weile entschied der befehlshabende Polizist doch anders, und alle 15-20 Personen mussten nach der Personalienfeststellung doch zu Fuß ca. 200 Meter bis zum Bahnübergang gehen. Dort wurde die Gruppe eingekesselt, nochmals die Personalien aufgenommen. Über Freilassung oder Gewahrsam war noch nicht entschieden worden. Wenig später wurde eine weitere Gruppe von 15-20 Personen hinzugebracht, am Ende dürften knapp über 30 Leute im Kessel gewesen sein.
13:59 Uhr: Es erfolgte eine Durchsage durch den für die Festnahme verantwortlichen Beamten, einen Herr Unger, der sagte, dass alle Eingekesselten von bayrischen Kräften per Gefangenentransporter nach Neu Tramm gebracht werden würden. Wenig später ersetzten Bamberger BereitschaftspolizistInnen die Eutiner. Ein Gefangenenbus kam an, und ab ca. 14:30 Uhr wurden die Eingekesselten einzeln zur Personalienfeststellung und teils gründlichen Durchsuchung (Schuhe aus, etc.) hinter den Bus geführt. JedeR wurde mit einer laufenden Nummer versehen und nach dem Filzen (inkl. Beschlagnahme von Telefonen, Kameras, teils Karten, Arbeitsshandschuhen, etc.) in eine der Zellen gesteckt. Im Bus gab es Einzelzellen, Viererzellen und eine Sechserzellen. Die ersten Leute hatten Pech und mussten in die Einzelzellen von höchstens 2qm. Die Letzten hatten "Glück" - und fuhren im VW-Bus (mindestens vier Leute), da der Bus voll war. Die Durchsuchungen und die Formalia vor der Abfahrt dauerten, wie auch die vorherigen Prozeduren, sehr sehr lange. Und so war es bereits kurz nach 17 Uhr, als der Bus und ein starkes Begleitaufgebot Leistade verließen.
In Neu Tramm hielten die Gefangenentransporter zuerst in der Nähe einiger Dixie-Klos, und nacheinander, Zelle für Zelle, durften alle austreten. Im Anschluss mussten alle - natürlich - jeweils wieder in die Zelle zurück - und der Bus fuhr schließlich weiter über das Kasernengelände und kam nach kurzer Zeit zum Stehen. Nach massiver Aufforderung einiger Gefangenen wurde eine erkrankte Frau aus dem Bus in die Obhut von SanitäterInnen oder ÄrztInnen gebracht. Ansonsten passierte nicht viel im stehenden Bus, abgesehen davon, dass die Luft schlechter und es dunkel wurde. Nach weiterer Aufforderung schalteten die anwesenden Polizisten die Lüftung an, und auch das schummrige Zellenlicht brannte irgendwann. Das alles verbesserte die Situation der Gefangenen zwar ein wenig, das Grundübel: Den quälenden Aufentahlt in den Zellen, ohne zu wissen, wann etwas passieren würde und mit der Erfahrung, dass alles sehr sehr langsam vorangegangen war...

Gegen neun Uhr gab es auf Bitte der Gefangenen einen Becher Wasser pro Häftling - und die Ansage, dass es demnächst losgehen soll. Gegen halb zehn wurden die Gefangenen dann einzeln aus den Zellen geholt und in das Kasernengebäude "verbracht". Dort durchliefen sie alle, dem jetzigen Stand nach, nahezu die gleiche hochbürokratisch Prozedur der "Erfassung": JedeR wurde fotografiert und durchsucht, mit sehr unterschiedlicher Akribie, teils musste nicht mal die Jacke ausgezogen werden, teils musste sich bis auf die Unterwäsche entkleidet werden. In mindestens einem Fall wurden Personen auch unter Zwang entkleidet. Im nächsten Schritt ging es dann zu Beamten am Computer, die zum Teil erläuterten, was der Tatvorwurf sei (Barrikadenbau und Steinewerfen aus einer Gruppe heraus, alles nahe bei Leitstade im Wald) und die Personalien noch einmal bestätigt haben wollten. Dann ging es zum letzten Tisch, wo der Umschlag mit den beschlagnahmten Gegenständen ausgehändigt wurde. Die allermeisten durften dann gehen (mindestens eine Person wurde noch länger festgehalten), wurden umgehend in einen Polizeibulli gesetzt, mussten auch dort aber noch viele Minuten ausharren, bis es losing. Alle wurden dann zum Kasernenausgang gefahren und dort ausgesetzt.
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Ergänzungen

römer

michel 27.03.2001 - 03:31
...die spinnen, die ..

Warum?

Marcus Hammerschmitt 27.03.2001 - 11:46
Warum muß ich bei diesem Bericht nur an die winzigen Zellen in dem Gefangenentransporter (Barkas) im Stasi-Museum, Normannenstraße / Berlin denken? (Siehe den grauen Wagen im Hintergrund dieser Aufnahme):

 http://home.snafu.de/stasimuseum/oa14.jpg

Grüße,

M. Hammerschmitt

Jetzt reicht's,jetzt komm ich auch...

Fight-the-Power2001 27.03.2001 - 12:07
Soviel Rechtsbeugung in vier Tagen. Das ist ein Fall für Supergrobi. Ich hebe jetzt ab.

Denkt doch mal nach!

Friend 27.03.2001 - 14:20
Hallo zusammen!

Kann es denn wahr sein, dass hier alle auf die Polizei schimpfen?!?
Alle Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizeieinheiten aus ganz Deutschland verrichten nur ihren Dienst. Sie erfüllen die Aufgaben, die ihnen aufgetragen worden sind. Jeder von Euch Aktivisten oder auch nicht-Aktivisten ist ja wohl an seiner Arbeitsstelle auch darauf bedacht,die Aufgaben, die er hat, gewissenhaft auszufüren, oder?
Ich kann und werde es nicht verstehen, wieso bei solchen Aktionen immer so eine wilde Diskussion über die Arbeitsweise der Polizeibeamten aufkommt... Meint Ihr denn, es macht Spaß, strampelnde Anti-Castor-Aktivisten wegzutragen und sich dabei noch beschimpfen zu lassen?
Wenn man sich mal in aller Ruhe hinsetzt und darüber nachdenkt, was da in den Köpfen der meist noch jungen Beamten vorgeht, muss man doch zu dem Schluss kommen, dass keiner von denen, die da "an der Front" im Einsatz sind, für das, was sie zu tun haben, die Verantwortung hat!!!
Die Einsatzbefehle werden gegeben; und wenn diese nicht ausgeführt werden würden, würde ganz Deutschland in einer Anarchie und totalem Chaos enden! Ist das Euer Ziel?
Ich kann Äußerungen wie "die an BSE erkrankten Bullen..." etc. nicht verstehen. Das kann doch nicht wahr sein...
Meine Bitte ist es: DENKT NACH! Wer ist denn für die Castor-Transporte verantwortlich??? Die Polizei? Na, also!
Jeder Beamte wird es Euch danken, wenn Ihr mal kurz innehaltet und überlegt, was eigentlich los ist...
Bis dahin,
eine Freundin

Antwort an Friend!

Tik 27.03.2001 - 16:00
lieber friend,
ich denke, niemand hat diese leuten (den polizisten) gezwungen polizist zu werden. eEs war ihre eigene entscheidung. allerdings muss einjeder der einen solchen "beruf" ergreift, einen gewissen grad an selbstaufgabe mitbringen. schliesslich müssen sie in ihrem berufsleben befehle unkommentiert hinnehmen und befolgen.
sollten einige polizisten tatzsächlich ein gewissen haben (die bekannten schlägertrupps der polizei haben bestimmt keins!), habe ich die hoffnung, dass einige kollegen vielleicht über den einsatz nachdenken werden und feststellen, dass sie einen solchen einsatz (gegen die interessen einer ganzen bevölkerung der region) nicht noch einmal erleben möchten. ich rate jeden polizisten, der zweifel an der richtigkeit des einsatzes hat, sich krank zu melden oder besser den diens zu quittieren!
ansonsten gilt für alle demonstranten: keine gewalt! - sucht euch lieber "psychisch labile polizisten" die ihr "belabern" könnt.
je schlechter sich die polizisten in ihrem einsatz fühlen, desto geringer wird die bereitschaft auch beim nächsten castor-befehl mit zu ziehen!



Re: Denkt doch mal nach!

Marcus Hammerschmitt 27.03.2001 - 16:03
1) Habe ich deine Freunde bei zuviel Bockmist beobachtet, als daß ich das unwidersprochen stehen lassen möchte. Nein, es waren keine "schwarzen Schafe", die sich als teilweise sadistische Schläger produziert haben, von anderen Vorfällen zu schweigen. Nein, sie wurden nicht bestraft, und wenn versucht wurde, juristisch gegen diese ganz normalen Polizisten vorzugehen, traf man beim Staatsapparat fast ausnahmslos auf eine Mauer des Schweigens. Ich habe diese ewige Verharmlosung satt bis obenhin.

2)Den Satz sollte man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: "Wenn man sich mal in aller Ruhe hinsetzt und darüber nachdenkt, was da in den Köpfen der meist noch jungen Beamten vorgeht, muss man doch zu dem Schluss kommen, dass keiner von denen, die da "an der Front" im Einsatz
sind, für das, was sie zu tun haben, die Verantwortung hat!!!" Auf deutsch heißt das folgendes: Ein Eintritt in die Polizei und das Überziehen einer grünen Uniform beendet die Verantwortlichkeit des Polizisten an "der Front". Früher hätte man so etwas "Befehlsnotstand" genannt.

3) Jeder, der in die Polizei eintritt, weiß, daß er zu solchen Einsätzen herangezogen wird. Jemand, der das nicht will, geht da nicht hin.

Haut die Bullen platt wie Stullen usw.

Timebomb 27.03.2001 - 16:28
Wenn ich mir die Kommentare hier so durchlese, dann wundere ich mich sehr über die totale Parolenschwingerei hier. Auf der einen Seite die AktivistInnen, die, komischerweise, bei der kleinsten Berührung selber nach der Staatsmacht schreien und auf der anderen Seite die Verklärer, von wegen den Bullen macht das ja auch keinen Spass.
Zu ersteren: Wollte ich polemisch sein, so würde ich auf Marcus Hammerschmitts 3. Punkt antworten: Jeder, der zu einer Demo geht weiß, daß es zu solchen Aktionen kommen kann, wenn man sich laut Gesetz illegal verhält. Wer mit so was nicht kann, der geht da nicht hin. Mir fällt das totale Mißverhältnis auf, die Propagandisierung kleinster Vorfälle, nur um das hergebrachte Bild vom "BSE-Bullen" (selten was geschmackloseres gehört, man stelle sich vor, man würde von BSE-Autonomen sprechen, ein aufschrei der Empörung würde durch die Menge gehen).
Jedoch, ebensowenig sind die im Bericht beschriebenen Rechtsbeugungen zu rechtfertigen. Aber auch hier muss zwischen Schikane und logistischem Problem unterschieden werden. Man stelle sich vor: es gibt hunderte bis tausende Festnahmen bei einer solchen Großaktion.
Ich war nicht dabei, also kann ich dazu nichts sagen, inwieweit es tatsächlich reine Schikane ist. Ich möchte lediglich darauf aufmerksam machen, daß die Dinge manchmal nicht so simpel und schwarz-weiß-malerisch sind wie sie aussehen mögen.

Ein Castor-Gegner

scheiss gewalt diskussion

nt 27.03.2001 - 17:01
In den Traenen der Unterdrueckten werden die Herrschenden nicht ertrinken!
revolutionaerer widerstand

Hört auf mit dem Gequatsche, und fangt an zu

Der Seher 27.03.2001 - 19:20
Das ganze Gequatsche ist doch für die Katze. Handelt !!!!

Re: Haut die Bullen etc.

Marcus Hammerschmitt 27.03.2001 - 20:29
> Wollte ich polemisch sein, so würde ich auf Marcus Hammerschmitts 3. Punkt antworten: Jeder, der zu einer Demo geht weiß, daß es zu solchen Aktionen kommen kann, wenn man sich laut Gesetz illegal verhält. Wer mit so was nicht kann, der geht da nicht hin.

Tja. Erstaunlich, daß so viele damit können, nicht wahr? Warum wohl? Weil sie trotz allen legalistischen Qualms wissen, daß es einen Unterschied zwischen folgenden Dingen gibt:

a) Den Mist als Befehlsempfänger der Atomindustrie gegen den wohlverstandenen und wohlüberlegten Willen der Bevölkerungsmehrheit durchzuprügeln

b) Diesen wohlverstandenen und wohlüberlegten Willen zum Ausdruck zu bringen

Dein Einwand ist nicht "polemisch". Er ist falsch. Es ist ein Unterschied, ob man sich willentlich als Werksschutz des Atomstaats mißbrauchen läßt, oder ob man den Atomstaat bekämpft. Es ist ein moralischer und ein politischer Unterschied, vielleicht auch einer der Mentalität. Und es ist ein Unterschied in den Konsequenzen: Während die Handlanger in Grün gegen Strafverfolgung so gut wie immun sind, müssen die Protestierer für kleinste Verletzungen von Gesetzen büßen, die sie daran hindern sollen, für ihre gerechte Sache einzutreten. Und deswegen ist es auch ein Unterschied des Muts. Wollt ihr euch den "Aufstand der Anständigen" ansehen? Er findet gerade statt. Im Wendland.

Ihr habt einen laufen

ANTI-Zecke 28.03.2001 - 00:23
Hi Leute,

wie schade wie schade, EURE Bundesregierung, wahrscheinlich von vielen CASTOR-Gegnern gewählt, ordnet jetzt die CASTOR-Transporte an. Sie bedient sich zum Durchsetzen der Polizei, die für diese Dinge geschaffen ist. Und Ihr alle, alle die das Maul aufreißen und keinen Arsch in der Hose haben, seid FROH, daß IHR in Deutschland leben dürft. In anderen Ländern wäre ein solcher Einsatz undenkbar, weil die Demonstranten nur ein einziges Mal Gelegenheit hätten, sich zu äußern...danach WEG UND RIEGEL ZU!

Vergeßt das mal nicht. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, ich allein bin das Volk und bin gegen Atomstrom, aber ich schlage keine Polizisten und bin auch NOCH NIE einem schlagenden Polizisten begegnet.

Bedankt Euch bei den Gründungsvätern Eurer Republik, in einer Anarchie wärt Ihr schon lange tot...der stärkere gewinnt und das seid bestimmt nicht ihr.

AntiZecke

Jawoll!!

0815 28.03.2001 - 01:29
Endlich mal einer der sagt wie es wirklich ist!!!
Danke AntiZecke!!!!!!!!

Gewalt erzeugt Gegengewalt

moby 28.03.2001 - 01:37
wenn ich diese Bilder sehe, begreife ich nicht warum nicht mehr gekämpft wird!!!!!!Gebt dem Staat was er verdient, wenns sein muss mit der selben Antwort wie unsere Armen unschuldigen Opferpolizisten, die ja nur ihren Job machen. Warum macht irgendjemand so einen Job??????????Dafür werdet ihr bezahlen. Die ersten Namen von euch sind schon verbreitet. Detlev Kadlinski, wir kriegen dich!!!!!!!Heute war nur ein kleiner vorgeschmack
Euer Totfeind

Was macht Ihr eigentlich...

Sören Malte 28.03.2001 - 12:17
...wenn jemand Eure Familie angreift??
Vielleicht Eure Kinder auf dem Zebrastreifen anfährt oder jemanden zusammenschlägt, nur weil er Euch "müslis" nicht mag, oder Euch tötet, nur weil Ihr Ausländer seid?
Ruft Ihr dann etwa die "scheiss Bullen" um Hilfe???
--nein--
Denn es war ja auch nur ein bisschen rechtswidrig, wie damals auf der Castor-"Demo" das Anketten und Blockieren und das bisschen Säurespritzen oder sonstige Angriffe auf --Menschen--

Toll, das nur Ihr das Recht habt, selbiges zu brechen. Und wenn Ihr es gebrochen habt, dann regt Ihr Euch auf, wenn es geahndet wird.
Leider wird es aus Mangel an Personal nicht konsequent genug geahndet!!!
Geht zur Demo!! Aber verhaltet Euch so, das man Euch nichts anhaben kann.
Deckt vor allem keine Straftäter. Es könnte einer von denen sein, die morgen vielleicht Eure Familie zerstören. Wer Steine und Leuchkugeln auf Polizisten wirft (schießt), ist kein Atomkraftgegner, sondern nur ein Idiot, der Eure Demo mißbraucht.

Schade, das Ihr Euch das gefallen lasst und mitmacht!

Frage an Moby

AntiZecke 28.03.2001 - 14:14
Hi Moby,

Gewalt erzeugt Gegengewalt??

Alles klar, bitte krähe dann aber nicht nach der Staatsanwaltschaft und Ermittlungsausschüssen, wenn sich die Polizeibeamten gegen EURE Gewalt zur Wehr setzen und dabei den -eurerseits vermuteten aber nicht vorhandenen- gesetzlichen Rahmen überschreiten...

Auge um Auge, Zahn um Zahn.

AntiZecke

mit eignen Augen sehen>Die Wahrheit is anders

Marc 29.03.2001 - 01:57
Oh ich kanns ja schon fast nicht mehr hören: Gewaltätige Demonstranten, militante Autonome, Gewaltätige, Gewalt von Demonstranten,...
...fehlt da nicht irgendetwas?
Ich war gestern Augenzeuge der Demo in Wörth.
Dort musste ich zusehen mit welchen, zur Eskalation neigenden, Mitteln die Polizeibeamten versuchten, die Demonstranten im Schach zu halten.

---Es wurde die Hundestaffel freigelassen, als eine kleine Gruppe von Demonstranen die Schienen betreten wollten.

---Als die zahlenmäßig völlig unterlegenen Demonstranten alle neben den Gleisen standen und die Strecke an dieser Stelle mit Polizisten abgeriegelt war und die Fronten eindeutig waren, nahmen die Hundehalter die Maulkörbe ab.

---Es folgte der Befehl alle Demonstranten 10 Meter zurückzudrängen und sie scheuten sich nicht die Hunde voll und ganz dran zu beteiligen.
An Stellen wo es zu kurzfristigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten kam, war nicht selten einer dieser Hunde beteiligt.

---Was mir einige Demonstranten danach erzählten und ich später auch selber sehen durfte, waren vereinzelte Polizisten, welchen es nicht gereicht hat eine Reihe von Demonstranten ein Stück zurück zu drängen, sondern zum Schluss noch einen kurzen Schlag mit der Faust drauf gaben.

---Die Demonstranten hörte man des öfteren schreien:"Keine Gewalt". Ich hoffe nicht, dass diese Ausfälle von anscheinend einigen Polizeibeamten vorsätzlich begangen wurden. Ach, was soll's am Ende sind es doch wieder die militanten Demonstranten. Der stereotype gewaltätige Demonstrant!

Dear friend

Julia Enderle 29.03.2001 - 13:04
Dear friend,

schade dass ich so spät zur Debatte komme. Ich sehe Polizisten sehr diffenreziert; bei einer gewaltfreien Sitzblockade, an der ich teilgenommen habe, konnte ich wunderschön die unterschiedlichsten Verhaltensformen beobachten: da waren die Unerfahrenen, die unter großen Stress gerieten, weil ich einfach nicht machen wollte, was sie sagten (aufstehen) und vollkommen kopflos ihre Kollegen zu hilfe riefen, da waren die Sadisten, die meine Hand immer weiter nach hinten bogen, bis ich das Gefühl hatte, sie bricht ("Lassen sie los? Lassen sie jetzt los? Lassen sie los"?) Da war der "Sensible", der mir erschrocken die Brille abnahm, als sie beim Wegtragen verrutschte und sie mir pflichtschuldigst nachreichte, da waren die Kollegen, die mich an der Nase vom Gleis zogen, bis zu allerletzt, der Kollege, der mich an beiden Brüsten ins Polizeiauto zerrte. Als ich ihnen erklärte, dass ich ihn deshalb anzeigen würde, wurde ich als Zicke beschimpft, die wohl meinte, nur Rechte zu haben, ich würde selbst eine Anzeige bekommen wegen des Drecks, den sie mit mir ins Auto gezogen hatten. Ein Polizist witzelte hinterher, was er denn wieder Schlimmes gemacht hätte, ob er mir vielleicht "seinen Dödel gezeigt hätte". Nachdem ich seine Dienstnummer in Erfahrung gebracht hatte, kam ich in den Genuß seiner permanenten Betreuung.
Die Polizisten handelten nicht rechtmäßig, da sie keine Platzverweise ausgesprochen hatten. Das nur zu den gesetzlichen Grundlagen, die für mich nicht wichtig sind (und was nur eines von zig Grundrechtsverletzungen durch die Polizei in diesen Tagen war.) Lies einfach irgendwann mal die Dokumentation des EA, friend.
Ansonsten läuft seit ca. 60 Jahren in diesem schönen Land eine Debatte über Befehlsverweigerung, individuelle Verantwortung etc. Das Argument, "einer muß den Job doch machen", akzeptiere ich nicht. Ich überlege auch mein ganzes Leben, was ich für einen Job mache. Jeder Mensch muß in jeder Minute seines Lebens die Verantwortung für ein Tun übernehmen. Und mein Ziel IST Anarchie, wobei mir deine Vorstellung davon des allgemeinen vulgären Sprachgebrauchs entlehnt zu sein scheint. Für ein kreatives Chaos! Gegen den Polizeistaat!

Eine Anarchistin

Na ihr verkackten Bullenfreunde

Frank 29.03.2001 - 23:41
erstmal denke ich, das es ein zeichen persönlicher schwäche ist sich mit 18 lebenslang zum befehlsempfänger zu machen.
was soll eigentlich euer armes gequatsche von nervösen, ausrastenden polizisten? also ich hab die erfahrung gemacht, daß normale Typen gedeckt von ihren Kollegen und durch Helm vermummt mit Quarzsandhandschuhen oder knüppel auf irgendwelche leute einschlagen, sie festnehmen und mit ner ausgedachten anzeige ausstatten. glaubt nicht, daß die die leute erwichen auf die ihr ausseit. ich geh nicht hin und kuck ob da wieder ne ganze einsatzhundertschaft verunsichert und nervös is, bin ja nich blöde ihr komischen vögel