AKW angekokelt
Ein Waldbrands in der Nordostspanischen Provinz Katalonien hatte letzte Wochen ein Atomkraftwerk bedroht. Schon am letzten Dienstag waren vorsorglich die Mitarbeiter evakuiert worden. Der Nationale Rat für Nukleare Sicherheit (CSN) hatte einen Notfallplan in Kraft gesetzt. Die Flammen kamen bis an den Zaun des Atomkraft Vandellòs bei Tarragona heran.
Die Feuerwehr schaffte es aber im Laufe des Dienstags, den Brand an den Sperrzäunen des Atomkraftgeländes unter Kontrolle zu bekommen, weshalb ein übergreifen der Flammen auf die Gebäude verhindert werden konnte, ließ die Behörden mitteilen. Der Sprecher des AKWs Paco Moragas erklärte aber, „es gab Rauch im Inneren des Geländes”. Deshalb habe hätte die Feuerwehr den “Kontrollraum abgekühlt, um die Temperatur konstant zu halten”.
Der Brand, der etwa 1300 Hektar Wald- und Buschland vernichtet hat, sei nun unter Kontrolle. Zur Vorsicht waren auch zwei Campingplätze geräumt und die 140 Bewohner in Sicherheit gebracht worden. Zwischenzeitlich musste auch eine Autobahn und eine Bahnlinie gesperrt werden. Der Reaktor, der wegen seinem alter und Störanfälligkeit von Umweltorganisationen als „Schrottmeiler” bezeichnet wird, ist aber ohnehin wegen einer Störung seit dem 29. März nicht am Netz. Das Kraftwerk hat eine Kapazität von 2,775 Gigawatt und gehört vor allem dem Energiekonzern Endesa SA.
Bei dem Brand handelt es sich um das bisher zweite Großfeuer in der Gegend. Bei Valencia vernichtete ein Brand im März fasst 2.000 Hektar Wald, etwa die Fläche von 3.000 Fußballfeldern. Mit den Bränden beginnt auch wieder einmal die Diskussion um Maßnahmen gegen Brandstifter. Die Umweltministerin Cristina Narbona verwies darauf, ihr „Berggesetz“ habe am 4. die erste Kammer des Parlaments passiert. Damit soll die Straflosigkeit ein Ende haben. Abgebrannte Flächen sollen zudem für 30 Jahre weder als Bau- noch als landwirtschaftliche Anbaufläche genutzt werden dürfen. Die Sozialistin verschweigt aber, dass sie ihr Gesetz seit 2004 versprochen hat. Schon vor der Rekordbrandsaison 2005 sollte es stehen. Ob es bis im Sommer alle Hürden geschafft und der modernen Form der Brandrohdung und der Spekulation ein Ende bereitet, bleibt abzuwarten
© Ralf Streck, Donostia-San Sebastian den 18.03.2006
Der Brand, der etwa 1300 Hektar Wald- und Buschland vernichtet hat, sei nun unter Kontrolle. Zur Vorsicht waren auch zwei Campingplätze geräumt und die 140 Bewohner in Sicherheit gebracht worden. Zwischenzeitlich musste auch eine Autobahn und eine Bahnlinie gesperrt werden. Der Reaktor, der wegen seinem alter und Störanfälligkeit von Umweltorganisationen als „Schrottmeiler” bezeichnet wird, ist aber ohnehin wegen einer Störung seit dem 29. März nicht am Netz. Das Kraftwerk hat eine Kapazität von 2,775 Gigawatt und gehört vor allem dem Energiekonzern Endesa SA.
Bei dem Brand handelt es sich um das bisher zweite Großfeuer in der Gegend. Bei Valencia vernichtete ein Brand im März fasst 2.000 Hektar Wald, etwa die Fläche von 3.000 Fußballfeldern. Mit den Bränden beginnt auch wieder einmal die Diskussion um Maßnahmen gegen Brandstifter. Die Umweltministerin Cristina Narbona verwies darauf, ihr „Berggesetz“ habe am 4. die erste Kammer des Parlaments passiert. Damit soll die Straflosigkeit ein Ende haben. Abgebrannte Flächen sollen zudem für 30 Jahre weder als Bau- noch als landwirtschaftliche Anbaufläche genutzt werden dürfen. Die Sozialistin verschweigt aber, dass sie ihr Gesetz seit 2004 versprochen hat. Schon vor der Rekordbrandsaison 2005 sollte es stehen. Ob es bis im Sommer alle Hürden geschafft und der modernen Form der Brandrohdung und der Spekulation ein Ende bereitet, bleibt abzuwarten
© Ralf Streck, Donostia-San Sebastian den 18.03.2006
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Ergänzungen
I worry about your ignorance, dude...
Insoweit ist die erste "Ergänzung" mal äußerst bescheuert.
"Have no fear for atomic energy" mag bei Bob Marley chillig rüberkommen, ist ansonsten aber eine Ansage wider besseres Wissen. Verdrängung? Verdruss über das uncoole Öko-Thema?
20 Jahre nach Tschernobyl scheinen manche immer noch nicht begriffen zu haben, dass ein außer Kontrolle geratener Waldbrand auch als Sinnbild für andere Kontrollverluste gesehen werden kann - wollen wir hoffen, dass es zu keinem zweiten Tschernobyl kommt und kämpfen wir auch dafür! Atomanlagen stillegen, herrschenden Normalzustand abschalten!
@beton-er
"20 Jahre nach Tschernobyl scheinen manche immer noch nicht begriffen zu haben, dass ein außer Kontrolle geratener Waldbrand auch als Sinnbild für andere Kontrollverluste gesehen werden kann (...)"
Der Vergleich hinkt aber gewaltig. Wäldbrände sind seit Menschengedenken kaum unter Kontrolle zu bekommen. Auch sonstige Kontrollverluste kann ich nicht feststellen. Man kann nichts verlieren, was man nie hatte.
Es ist umgehend ein Notfallplan befolgt worden, der genau für diese Fälle gedacht ist. Die Brandbekämpfung hat an dieser Stelle absolute Priotität bekommen. Der Brand wurde gelöscht, dem AKW ist nichts geschehen. Ohnehin ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Brand über einen weiträumigen Betonboden auf Betongebäude übergeht. Offene Leitungen gibt es da nicht, auch keine offenen Lager oder sonstige offenen Gefahrenstellen. Man mag es kaum glauben, aber die nationalen und internationalen Sicherheitsbestimmungen sind außerordentlich streng und werden auch streng gehandhabt, eben weil niemand, weder Regierungen, Oppositionen, Linke, Rechte, Befürworter oder Gegner einen GAU haben wollen.
Wobei ein Brand in einem abgeschalteten AKW auch keinen GAU verursacht hätte.
Ist zwar nicht alles toll, aber so schlimm ist es auch nicht.
Aua sagt der GAUer
...natürlich ist ein GAU unwahrscheinlich und ein Waldbrand alleine wird für ihn auch nicht ursächlich sein (und "Sinnbilder" mögen auch hinken) - dennoch, wenn erstmal ein Notfallplan greifen muss, wird die Sicherheitsdecke stets dünner. Und (Sicherheits-)Vorschriften werden nicht immer eingehalten - das ist auch schon immer so gewesen, genau wie es von mir aus schon immer Waldbrände gibt.
Aber bevor hier Diskussionen über Technik-Details entfachen: Ging es dem beton-er nicht vielleicht auch darum, dass es verstört, wenn auf indy news-Beiträge so kommentiert werden, dass letztlich die Atomlobby sich darüber freuen kann?
Meinetwegen müssen jetzt nicht alle hier lesenden Angst wegen eines Waldbrandes bekommen - sie müssen aber auch nicht die alte Lüge aufgetischt bekommen, mensch bräuchte sich prinzipiell vor AKWs nicht zu fürchten.
Kapazität von 2,775 Gigawatt
>
Da werden 9 Sachen angeboten und nichts davon wird in Watt gemessen.
Ausserdem erscheint mir 2,775 Gigawatt etwas hoch als Leistung eines 'Schrottmeilers'. Ich kenn die AKWs in E und D nicht, aber in CH haben bloss die zwei 'neusten' Leistungen von je etwa 1 GW, die andern, darunter auch unsere 'Schrottmeiler', sind signifikant kleiner.
P.S. ich hab da grad noch was gefunden im Wiki-Mirror von Freenet:
>
Zitat:
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums (Ministerio del Interior) wurden bei Anschlägen zwischen 1960 und 2003 insgesamt 817 Menschen von der ETA getötet, darunter 339 Zivilisten.
Bitte mal mehr Infos wie es den Tausenden Angehörigen geht, so ohne Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Sohn, Tochter ...
@ Rolf Schock
Das ist aber keine Kapazität im Sinne der Physik, sondern eher eine im Sinne der Buchhaltung, d.h. das Kraftwerk kann eine Momentanleistung bis zu 2,7 GW abgeben.
Alte Kernkraftwerke liegen zwar meist in der Gößenordnung zwischen 0,5 GW und 1GW, aber das mit den 2,7 GW dürfte schon hinhauen.
Das, was die Umweltorganisationen da als "Schrottreaktor" bezeichnet haben, das war Vandellos I mit 0,5 GW.
Das ist aber mittlerweile Stillgelegt.
Das Kraftwerk, das da abgeschaltet wurde, das war Vandellos II.
Und zur Technik:
Ein AKW moderner Bauart ist so ziemlich GAU-Sicher. Ausnahme sind wirklich gezielte Sabotage-Aktionen. Mit den Reaktortypen von vor 40 Jahren kann man das nicht mehr vergleichen. Das ist, wie wenn du einen modernen Wagen mit ABS, Airbags, Gurtstraffern, Seitenaufprallschutz, etc. pp. mit einem Auto von 1960 vergleichst, das meist nichtmal eine Knautschzone hatte.
Da wo du früher einen Unfall mit 70 km/h gegen ein anderes Auto mit 70 km/h niemals überlebt hättest, da kannst du mit etwas Glück mit ein par blauen Flecken aussteigen...
Ein Waldbrand sorgt also mit Sicherheit nicht für eine radioaktive Kontamination. Die kraftwerke sind mit Sicherheit in der Hinsicht abgesichert, zumal sie in einer Waldbrandgefährdeten Gegend stehen.
Der Betrieb eines AKWs an sich ist eigentlich auch ziemlich unproblematisch, d.h. es gibt keine statistisch signifikant erhöhte Radioaktive Strahlung, so dass die Jahresbelastung neben einem AKW allenfalls einem Überseeflug in großer Höhe entsprechen würde.
Die Dinger sind mittlerweile ziemlich sicher, nicht zuletzt wegen den Protesten und wegen der Angst vor Sabotage. Wirklich passieren kann dir da eigentlich nicht mehr viel.
Das ist aber auch nicht das Problem an AKWs.
Das Problem ist da, wenn die Brennstäbe verbraucht sind. Dann kann man die nicht mehr wirklich benutzen, die sind aber die nächsten zigtausend Jahre extrem tödlich und gefährlich. Und da man die derzeit nicht gefahrlos in die Sonne oder auf den Mond schiessen kann wird man den tödlich strahlenden Müll eben nicht mehr los. Und den Müll muss man über die Straßen karren und irgendwo erstmal einlagern.
Und während bei schwach radioaktivem Müll eine dicke Betonschicht und etwas Blei reicht um das Zeug unschädlich zu machen, reicht das bei den Brennstäben eben nicht mehr so ohne weiteres.
Das ist das Problem an AKWs.
Es ist nicht der Betrieb und die Betriebssicherheit. Die wurde immens verbessert in den letzten Jahren. Und die Betreiber machen die Kraftwerke immer sicherer und störfester.
Es ist das Problem mit dem Abfall. Und da kann man nix mehr verbessern.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
What me worry? — Alfred E. Newman
@eegal — Rolf Schock