Sächsische Schweiz: Naziaktivitäten April/Mai

Lisa Schubert 09.05.2005 20:03 Themen: Antifa
Zusammenfassung der Naziaktivitäten im April/Mai 2005 in der Sächsischen Schweiz
19.04.2005 - Pirna: 250 Opferdeutsche versammeln sich am zentralen Denkmal für die "Opfer von Krieg und Vertreibung" in Pirna und gedenken gemeinsam mit NPD-Stadtrat Mirko Liebscher der Opfer des Bombenangriffes auf die Elbbrücke am 19.04.1945.

29.04.2005 - Sebnitz: Nazis mobilisieren gegen die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Todesmarsches vom KZ Schwarzheide nach Terezin. Am Gedenktag erscheinen 30 Nazis, darunter Mitglieder der SSS und legen am Kriegsdenkmal auf dem alten Friedhof einen Kranz des Kreisverbandes der NPD nieder.

30.04.2005 - Struppen: 10-15 vermummte Nazis greifen drei Jugendliche auf dem Heimweg von einem Festzelt in Struppen an. Die Jugendlichen werden getreten und geschlagen. Bereits vorher wurde eine Gruppe junger Punker beschimpft und bedroht.

30.04.2005 - Pirna: In der Pirnaer Innenstadt wird ein nichtrechter Jugendlicher auf dem Heimweg von einer Party zusammengeschlagen. Der Täter sagt dabei wörtlich zu dem Jugendlichen: "Ich bin ein Nazi..."

04.05.2005 - Pirna: Nazis verkleben Aufkleber "Gegen Linksfaschisten" der "Freien Kräfte Sachsen". Bei der Aktion werden Karsten Scholz und Thomas Sattelberg gesehen.

05.05.2005 - Pratzschwitz: Eine Feier von nichtrechten Jugendlichen am Kiessee wird mindestens 2 mal von Nazis angegriffen. Die Täter treten und schlagen alle Jugendlichen zusammen. Alle Jugendlichen tragen Verletzungen davon, mehrere Jugendliche mußten in Folge stationär behandelt werden.

05.05.2005 - Pratzschwitz: Nazis greifen am Kiessee in Pratzschwitz einen Vietnamesen an und verletzen ihn schwer. Die Täter können unerkannt entkommen.

06.05.2005 - Pirna: Nazis plakatieren in der Innenstadt von Pirna Aufrufe gegen den am folgenden Tag stattfindenden "Markt der Kulturen" und kleben erneut Anti-Antifa-Aufkleber.

07.05.2005 - Pirna: Zum Abschlußkonzert des "Markt der Kulturen" tauchen 70 Nazis (darunter Lars Hein, Tino Karsch, Martin Schaffrat, "Al Bundy" Karsten Scholz, Toni Beger, Ricco Münzberg, Heiner Nitzsche, Martin Guhr, Adrian Tschöp, Ronny Schröder, Robert Wilkens, Frank Kischuweit, Marc Vetter) als Demonstrationszug auf und bahnen sich einen Weg durch die Konzertbesucherinnen bis vor die Bühne. Angeführt wird die "spontane" Demonstration von Martin Schaffrat und Robert Wilkens. Fünf Nazis betreten die Bühne und zeigen Transparente "Linker Hetze entgegentreten" und "Pirna stellt sich quer gegen den Markt der Kulturen". Antifaschistischer Protest wird von den Organisatoren des "Marktes der Kulturen" unterbunden. Nachdem die Nazis fast eine halbe Stunde akzeptiert werden (die Musik läuft weiter, es wird weiter getanzt) verlassen diese die Bühne und ziehen Richtung "Blue Angel" ab. Von dort werden die Konzertbesucherinnen später mit Eiern beworfen, die Karsten Scholz mitgebracht hat.

07.05.2005 - Krietzschwitz: Am "4. Krietzscher Wonnemond", der diesmal im Mittelgasthof Struppen stattfand, nehmen 160 Besucherinnen teil. Die Mehrheit dabei waren Nazis aus der Region Sächsische Schweiz und Umland. Den Auftritt der Bands "Eminenz", "Devil Lee Rot", "Mathyr", "Deceiver" und "Pirgatory" rundet ein Verkaufsstand des NSBM (NationalSocialistBlackMetal)-Labels EISREGEN ab.

08.05.2005 - Pirna: Nazis überfallen einen Jugendlichen und schlagen ihm dabei mehrere Zähne aus.
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Ergänzungen

Presse

couragierter zivilist 10.05.2005 - 08:19
@ frat the cat

9. Mai 2005 / Pirna
Alle Welt auf dem Markt der Kulturen

Düfte aus Indien, Teigtaschen aus Afrika, Musik aus Chile: Mit einem bunten Programm feierten am Sonnabend mehrere tausend Pirnaer und Gäste den Markt der Kulturen. Veranstaltet von der Initiative gegen Extremismus und für Zivilcourage, von der Stadt und von der Aktion Zivilcourage sollte dieser Markt ein internationales Flair in die Stadt bringen, damit den Demokratiegedanken und die Toleranz fördern.

Auf der Bühne führten so tagsüber sorbische Frauen und Männer traditionelle Volkstänze auf, die Jungs von „Prestige“ aus Decin begeisterten mit Breakdance zu Hip-hop, Tänzer aus Samoa zeigten in einer Südseeshow viel Muskeln zu kaltem Schauerwetter. Vor der Bühne standen mal 50, mal 200 begeisterte Zuschauer.

Um die Bühne reihten sich Stände von Vereinen, die ihre (multi-)kulturelle Arbeit vorstellten. Das Integrations-Projekt der Goethe-Mittelschule, eine Schüleraustausch-Organisation, die Deutsch-Finnische Gesellschaft und auch die polnischen Partnerstadt Boleslawiec waren dabei. Das Essen servierten Schüler der Hotelfachschule vom Sonnenstein. Auf der Speisekarte standen Gerichte aus aller Welt – von Spaniens Paella bis zum Palatschinken aus Ungarn. 40 Stände waren bei den Veranstaltern angemeldet, deutlich mehr als letztes Jahr. „Einigen mussten wir absagen, weil zu wenig Platz ist“, so Mit-Organisator Sven Forkert von der Aktion Zivilcourage. Auch tummelten sich zwischen den Ständen diesmal mehr Besucher. 18 Uhr hatte das Markttreiben ein Ende. Vom Kirchturm spielte der Posaunenchor, auf der Bühne wurde für die Abendkonzerte umgebaut.

„Linke Hetze“ gegen Pirna

Ab halb neun spielte die Dresdner Band Sitar Beat recht ruhige, indisch anmutende Weltmusik. Beim dritten Lied drängten sich nach kurzer Rangelei rund 60 offensichtlich rechtsgerichtete, teils vermummte Jugendliche vor die Bühne. Auf Bettlaken gemalt, verkündeten sie ihre Meinung: Der Markt der Kulturen sei eine „linke Hetze“ gegen Pirna. Konzertbesucher tanzten daraufhin so nah vor den Transparenten, dass diese nicht mehr zu sehen waren. Die Protestler stiegen auf die Bühne, um ihre Transparente direkt vor der Band aufzuspannen. Aus der Menge flog eine Bierflasche nach vorn – kurzzeitig drohte die Lage zu eskalieren. Sitar Beat spielte weiter, bis die jugendlichen Störer nach 15 Minuten verschwanden, nicht ohne vorher noch einige Eier ins Publikum zu werfen. Nur langsam kehrte die Feierlaune zurück. Als 22 Uhr die chilenische Band „Chico Trujillo“ spielte, tanzten über 300 zumeist Jugendliche ausgelassen vor der Bühne und trotzten dem Regen und dem kalten Wind, der ihnen entgegen blies. „Irgendwie sind wir durch diesen Vorfall näher zusammengerückt“, meinte die 21-jährige Nora Hupfer aus Hohnstein im Nachhinein.

Im Vorfeld hatte die NPD versucht, einen eigenen Stand auf dem Markt anzumelden. Pirnas Oberbürgermeister Markus Ulbig (CDU) wies diesen Antrag zurück. Die NPD sprach in ihrer Wahlwerbung von „inländerfeindlicher Integrationspolitik“ und davon, dass die „Masseneinwanderung das Heimat- und Selbstbestimmungsrecht“ der Deutschen verletze – somit konnte ein Stand auf diesem Markt in seinen Augen nur als Provokation gedeutet werden. (Von Michael Rasche)

Sächsische Zeitung, Montag, 9. Mai 2005

@paul panzer

timo 10.05.2005 - 16:54
der grund lag darin, dass es keine antifa auf dem marktplatz gab, die etwas hätte ausrichten können. die pirnaer afa 13 besteht zum größten teil aus 14-jährigen kindern! was wollen die bitte gegen 60 mann unternehmen? natürlich wird da die zivilcourage vorgeschoben, die eigentlich gar nix unterbunden hat, außer dass der flaschenwerfer durch reißig (az) und mathe (staatsschutz) ermahnt wurde!
(ps: den grund der eskalationsvermeidung hätte ja keiner geglaubt, da das konzept dieser jugendlicher nicht auf konversation sondern auf konfrontation abzielt, jedoch nur, wenn sie sich 100%ig sicher sind, dass sie gewinnen...und selbst da versagen sie des öfteren noch! ;)

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