Zum EU-Referendum in Spanien

Ralf Streck 21.02.2005 14:51 Themen: Globalisierung Weltweit
Die Wähler im spanischen Staat haben der europäischen Verfassung den Rücken zugekehrt, daran ändert auch der Jubel der Europäischen Kommission oder der spanischen Regierung über ein JA von 77 Prozent der Beteiligten nichts. Es ist bezeichnend für das Demokratieverständnis des spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, wenn er euphorisch erklärt: „Wir haben Geschichte in Europa gemacht“ und die übrigen Europäer auffordert dem spanischen Beispiel zu folgen. Hintergrund:  http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19513/1.html
Es stimmt, im spanischen Staat wurde Geschichte geschrieben, nur nicht in der gewünschten Art. Nur gut 42 Prozent der Bevölkerung haben sich an einer Abstimmung beteiligt, welche die Zukunft des Landes massiv bestimmen wird. Es wird in die Geschichte eingehen, dass nicht einmal ein Quorum von 50 Prozent zu Stande kam. Vergleichen wir das Ergebnis mit dem Referendum über die spanische Verfassung von 1978, wird das gesamte Dilemma deutlich. Damals haben 77 Prozent Bevölkerung sich damals an der Abstimmung beteiligt und sie mit fast 88 Prozent angenommen.

Wie lässt sich die niedrigste Beteiligung an einer Wahl oder einer Abstimmung seit dem Tod des Diktators Franco in einem Land erklären, in dem die Wahlbeteiligungen im Vergleich zu anderen Staaten in Europa sonst relativ hoch ist und dann weiter steigt, wenn man sich besonders gefordert sieht. Die Bevölkerung im spanischen Staat hat sich rational verhalten. Wenn in Umfragen 90 Prozent der Bürger erklären, nichts oder fast nichts über die Verfassung zu wissen, dann empfiehlt es sich keine Meinung abzugeben. Mehr als sechs Prozent hat diese Position zudem noch einmal aktiv an der Wahlurne gezeigt und sich aktiv enthalten. Da die Abstimmung ohnehin nicht verbindlich für die Regierung war, hielten es einige nicht für nötig sich zu beteiligen. Erst kurz vor dem Referendum, hatte Zapatero erklärt, er werde das Ergebnis respektieren, als ihm die Umfragen einen klaren Sieg vorher sagten.

Es hat also eine Mehrheit derer Ja gesagt, die zugleich einräumt keinen Schimmer davon zu haben über was abgestimmt wurde. Haustürgeschäfte nennt man so etwas das in Deutschland und hat deshalb ein Rücktrittsrecht. Zapateros Sozialisten (PSOE) haben für das Debakel die volle Verantwortung zu tragen, weil sie unbedingt Spanien als erstes Land befragen wollten. Allen Jubelrufen zum Trotz wissen sie um die mangelnde Legitimität des Votums, dass sie ohnehin untergraben haben. Statt objektiv über die Verfassung zu informieren hat die Regierung jede Möglichkeit genutzt, um für ein Ja zu werben, obwohl ihr das der Wahlrat ausdrücklich verboten hat. „Die Ersten mit Europa“, der verbotene Slogan, prangte sogar noch am Reflektionstag vor der Abstimmung auf den Bons der Nationalen Lotterie. Dabei darf an diesem Tag keinerlei Werbung gemacht werden. Das Referendum in Spanien war somit ein Ausdruck einer Demokratie niedriger Intensität und passt gut zu einer Verfassung niedriger demokratischer Intensität.

© Ralf Streck, den 21.02.2005
Hintergrund zu den Ergebnissen:  http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19513/1.html
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Ergänzungen

INFO - LINKS

füllt nix aus 21.02.2005 - 17:02
In schlechter Verfassung

www.imi-online.de
www.eu-verfassung.org
www.mehr-dmokratie.de/bu/ak/europa
www.sozialimpulse.de
Die Eurogendarmen kommen
 http://www.de.indymedia.org/2004/09/94026.shtml
Wettlauf EU - USA in Südamerika
 http://www.german-foreign-policy.com/de/news/article/1013641200.php
Deutsches Grenzregime für alle EU-Staaten?
 http://www.german-foreign-policy.com/de/news/article/1022968800.php



Nur ein 32% dafür!!!

Anarkista 21.02.2005 - 18:41

JA-Stimme angesehen die Wahlberechtigste:
Menschen, die stimmen könnten: 33.563.680
Total JA: 10.804.464
% JA angesehen die Wahlberechtigte: 32,19%

Und wir sollten noch betrachten, die Tausende AusländerInnen, die nicht Wahlberechtigt sind, wobei die Europäische Verfassung wird ihre Bedingungen noch schlimmer machen (mindestens für einen Teil der illegalisierten).

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