6.11. nürnberg bericht

oa 08.11.2004 00:38 Themen: Soziale Kämpfe
Heute, am Samstag, den 6. November 2004 demonstrierten in Nürnberg knapp 10 000 Menschen gegen Sozialraub zur Bundsagentur für Arbeit. Die Organisierte Autonomie (oa) wertet die bundesweite Großdemonstration damit als großen Erfolg.
Die Demonstration richtete sich gegen die Sozialkahlschlagspolitik der SPD/Grünen-Regierung und aller anderen bürgerlichen Parteien, gegen die Unternehmerverbände und insbesondere gegen die geplante Einführung von Hartz IV (Arbeitslosengeld II) zum 1.Januar 2005. "Denn das, was als Reform verkauft wird, ist nichts anderes als der umfassenste Angriff auf die Rechte von Erwerbslosen, die Ausweitung von Armut gekoppelt mit Billiglohn- und Zwangsarbeit. Während sich der Reichtum Weniger immer mehr anhäuft, bleibt für immer mehr Menschen immer weniger bis nichts zum Leben" , so Markus Schwarz.

Unter dem Motto "Rebellion und Widerstand gegen Sozialraub und Kapitalismus - Wir wollen alles: Alles für Alle" mobilisierte die Organisierte Autonomie (oa) 2.500 autonome und radikale linke Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich an einem antikapitalistischen Block beteiligten.

Die Mobilisierung zahlreicher Basisinitiativen setzte das Thema "Sozialraub" sichtbar und prägnant auf die Tagesordnung. Selbst massive Vorkontrollen und ein starkes Auftreten der Polizei am Rande konnten den entschlossenen Ausdruck der Demonstration nicht mindern. Zahlreiche Transparente kritisierten nicht nur Hartz IV und die Agenda 2010, sondern forderten die Abschaffung des Kapitalismus. In dem Redebeitrag der Organisierten Autonomie (oa) wurde von "der sozialen Revolution als notwendige Alternative zum unvernünftigen Wirtschaftssystem des Kapitalismus" gesprochen.

Die Demonstration am 6. November hat eindrucksvoll gezeigt, dass an ein Ende der Proteste gegen die Sozialkahlschlagspolitik nicht zu denken ist, sondern mit ihr nur ein weiterer Schritt gegangen wurde. Und der nächste Termin steht bereits fest: Am 3. Januar ist "Agenturschluss", zu der Aktion "Arbeitsagenturen"und "Personal Service Agenturen" am 3. Januar 2005 lahmzulegen rufen sozialpolitisch engagierte Initiativen und Gruppen aus mehreren Städten auf. An diesem Tag sollen phantasievolle Aktionen in verschiedenen Städte ein reibungsloses Inkrafttreten der neuen Hartz-Gesetze verhindern. Ausdrücklich werden die MitarbeiterInnen der Agenturen dazu aufgefordert, sich an den Protesten zu beteiligen.


Für Rück- und Anfragen stehen wir Ihnen gerne unter oben genannter e-mail-Adresse zur Verfügung.

Nürnberg, den 06.11.04, organisierte autonomie (oa)
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Ergänzungen

Es waren auch andere Leute da

Rosa 08.11.2004 - 09:23
Einen neutraleren Bericht hab ich unter www.redglobe.de gefunden

janü

bauchi 08.11.2004 - 09:42
wenn ich mir die fotos aus nürnberg (vorherige beiträge...), frankfurt usw. angucke, dann habe ich das gefühl, dass mit den ganzen seitentranspis viel zu viel "geschlossenheit" demonstriert wird. der rot-schwarze block auf der demo in berlin vor einem jahr war z.b. gerade deswegen so beeindruckend, weil er ohne seitentranspis lief. da konnte jedeR mitlaufen, die/der bei den rot-schwarzen fahnen und transpis laufen wollte. und uns ansprechen. oder umgekehrt. kann es sein, dass es uns um offenheit gehen sollte?
wie man aus den fotos aus nürnberg sehen kann, haben weder die ketten noch die seitentranspis besonders gut gehalten. die cops konnten zum lauti spazieren wie sie wollten. und irgendwelche obernotwendigen aktionen sind aus dem "block" auch nicht passiert. auch wenns schön war, dass da so viele waren: diese angstgetriebene, patriarchale darstellung von jungmänner-geschlossenheit war überflüssig.

wegen seitemtranspas

Yvonne 08.11.2004 - 10:00
da stimme ich bauchi zu! gerade in nürnberg gab es oft die situation das der vordere teil anhalten und wieder zurückgehen mußte bei sowas gab es dann große lücken in der demo.

es waren einfach zu viele seitentranspas da. die leute, die welche mitbringen, sollen sich dann auch darum kümmern, daß auch genug leute da sind um die zu tragen. oder die transpas werden dann eben nicht rausgeholt! sonst kann es passieren das die dinger einfach reissen (wie ebenfalls in nürnberg passiert ist.

Na,müßt ihr das runtermachen ?

N.N. 08.11.2004 - 12:41
Man frau _ konnte gut unter den Seitentranspis durchkriechen,außerdem
vermitteln sie ein Gefühl von geschlossenheit tatsächlich gegenüber den schwarzen und grünen Polizisten ,die streckenweise oder ganz die Demo "begleiteten ",und vor Massen an Publikum haben sie in den engen Straßen auch niemanden abgeschottet.Andere Orte,andere Sitten.

nicht gesehen

wodi 08.11.2004 - 15:19
in der nürnberger zeitung sonntagsblitz ist ein foto von der demo zu sehen, wo ein mann in kz-häftlingskleidung ein schild trägt mit der aufschrift "ein euro jobs - arbeit macht frei - kz". daneben sind noch menschen mit "juden-sternen" und "harz-4 sternen" abgebildet. waren diese menschen wirklich auf der demo? durften die tatsächlich mitlaufen? bitte um eine kurze stellungnahme der demo-leitung...

@ 08/15

bauchi 08.11.2004 - 18:59
ja zu allen deinen fragen, auch in den letzten jahren, allerdings nicht jetzt in nürnberg. als oldie denk ich halt, "block" ist nicht nur selbstschutz, sondern auch um flexibel zu sein. und gerade wegen winzblöcken in grösseren demos, die ich in letzter zeit so gesehen hab, hab ich das gefühl, das ist eher so ein verstecken hinter den ganzen transpis und grossartig halten tut da häufig auch nix wenn die cops reingehen wollen. und die fotos aus nürnberg sehen, leider, auch so aus. dass die wegen dem text auf dem transpi kommen, glaubst du ja wohl selbst nicht, oder? eher wegen kleiderordnung, alter, lautstärke, blockbildung und weil sie vorher gesagt gekriegt haben "das sind die ganz schlimmen".
oder vielleicht auch: "einmal hauen, in zwei jahren haben die uni fertig und kommen dann eh nicht mehr".
das traurige dabei ist, dass die zeiten so sind, dass gerade die gruppen, die in dem bericht als "organisierte autonomie" genannt werden, über ihre inhalte derzeit unglaublich wirkungsmächtig werden könnten. wenn da, unter anderem, nicht plötzlich ein ziemlich verqueres ideal der "geschlossenheit" wäre. militant und offen und soziale selbstorganisation fänd ich besser. sonst muss die ganze heinz schenk diskussion noch mal von vorne. muss sie wohl, wenn du meinst, ich liesse mich von dir in einen "antira-block" schicken. genau da geh ich dann eh lieber und mach hinterher genervte kommentare.

Von wegen der Seitentransparente

Drasine 13.11.2004 - 02:20
Wegen der Seitentransparente und von wegen Offenheit ... :

Ursprünglich wollten wir unsere Transparente gar nicht alle als Seitentranspi einsetzten. Bei der Vorkontrolle von unserem Bus wurden aber die Transparentstangen konfisziert. Später haben die Bullen (kurz vor der Ba) ja auch die Demo selber angegriffen und wollten die Transparentstangen. Ein Bulle wollte sie dann über die Friedhofsmauer werfen. Wir schimpften mit ihm, er legte sie dann auf der Mauer ab ... egal. Mein Transpi ist übrigends nicht etwa zerrissen weil zu wenige Leute zum tragen da waren, sondern weil die Bullen schon ganz zu Anfang der Demo ohne Vorwarnung in dieselbe reingingen und Leute rausziehen wollten. Dabei kam soviel Spannung auf, plötzlich hatte ich nur noch eine Hälfte in der Hand, die Andere ergatterte sich eins von den Streifenhörnchen. Zu den Seitentranspis kann man grundsätzlich wohl sagen, daß sie Schutz bieten. Wer das bezweifelt, sollte das Denken vielleicht einmal ohne Uniform probieren und, wie gesagt, Transparentstangen waren in den Händen Auswärtiger nicht gern in Nürnberg gesehen (Egal ob Bambus oder Holz unter 20 mm). Sollen wir die Transpis das näxte mal vielleicht in den Reihen Tragen ? Wenn man sich oft genug den Kopf waschen läßt, kommt die "Order" dann besser an ? ... Fragt die Drasine

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